Mes chansons françaises

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    • Mes chansons françaises

      Chers mélomanes et amis de la chanson française.

      In dieser Runde wollte ich mal nachschauen wie groß das Interesse des französischen Chansons hier wirklich ist.

      In den Vorstellungen verschiedener Mitglieder habe ich herauslesen können, daß viele Capricciosi sich gerne französische Chansons anhören.

      Ich für meinen Teil mag sie sehr, höre sie aber nicht oft genug, zeitbedingt wenn man neben Klassik, auch noch Jazz, Blues, Worldmusic usw. hört.

      Bei mir spielt sich vieles in solche musikalischen Phasen ab.

      Vor zwölf Jahren, ich erinnere mich genau, stöberte ich bei meinen Eltern im Plattenschrank nach, um populäre Chansons aus den 30-50er Jahren zu suchen, meine Mutter war verrückt danach, wurde fündig und hörte eine Zeit lang begeistert die schönen alten Chansons mit den manchmal fröhlichen und romantischen Texten wie von Charles Trenet, Henri Salvador, Tino Rossi, Line Renaud, Maurice Chavalier, Edith Piaf, Juliette Gréco, Louis Mariano.

      Die Revoluzzer-Phase mit den Chansons aus den Jahren 1960-80 mit anspruchsvolleren, poetischen und politischen Texten und engagierte Sänger wie Barbara, Jacques Brel, Georges Brassens, Serge Reggiani, Maxime Le Forestier, Yves Montand, Jean Ferrat, Léo Ferré, Charles Aznavour. Diese zählen meiner Meinung zu den größten französischen Chansonniers.

      Übrigens gibt es wie in der klassischen Musik die 4 großen “B’s”.

      Barbara
      Brel
      Brassens
      Bénabar

      Was Barbara (richtiger Name Monique Andrée Serf) angeht, habe ich erst vor 10 Jahren richtig kennengelernt und denke daß sie in Deutschland nicht so bekannt ist. Sie war eine ganz große Künstlerin und meiner Meinung nach unterschätzt. Sie ist jedenfalls meine Lieblingssängerin was die Chansons angeht.

      1980-90. Das war Chansonmäßig gesehen ganz meine Zeit. Aufgewachsen bin ich mit Renaud, verfolgte seine Karriere von seinem ersten Album ‘Amoureux de Paname‘ (1975) bis zu seinem 12ten ‘Rouge Sang’ 2008.

      Neben Renaud zählen noch Bernard Lavilliers und le grand Serge Gainsbourg zu meinen Lieblingen dieser Zeit. Hier hatte ich meine Chansons-Phase aber auf ein Minimum beschränkt.

      In den letzten Jahren gibt es die sogenannte ‘Nouvelle Vague’ aber den meisten Sänger gefällt den Ausdruck eher nicht. Sänger wie Bénabar, Cali, Vincent Delerm die sich wieder der alten Tradition anpassen, oder ganz neue Wege suchen wie Thomas Fersen, dem genialen Sanseverino, Ridan, Dominique A et biensûr Juliette.

      Das ist also meine Liste die ich immer wieder gerne höre, wenn ich nicht gerade Klassik, Jazz, Blues etc höre.

      Ich weiß jetzt nicht ob es Sinn macht, oder Interesse da ist, verschiedene Künstler hier vorzustellen, wenn ja, würde ich evt. Barbara vorstellen.

      Mich würde interessieren was im deutschsprachigen Raum von Chansons écoutiert wird?

      A bientôt
      romain
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    • Lieber Romain, ich bin nciht repräsentativ für den deutschsprachigen Raum und halte mich erstmal zurück, aber insbesondere bei Piaf, Barbara und Brel hast du meine volle aktive Thread-Unterstützung.

      Was wir unbedingt detailliert vorstellen sollten, ist Barabaras Lied "Göttingen".



      Ausserdem gestehe ich schamvoll ein, auch sehr gerne Tino Rossi (schnulz!)und die ganz alten Vor-und Zwischenkriegs Chansons-Sänger/innen zu hören!



      Ich habe zwei grossen Sammelboxen von den 20iger bis zu den 80iger Jahren und bin quer beet offen und nciht sonderlich fixiert.

      Manches davon singe ich sogar selbst zum Akkordeon- von Parlez-moi d'amour übezr Frou-frou bis J'attendrai und La vie en rose. Das macht einfach Riesenspass.



      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Liebe Fairy Queen,

      von FQ

      "Was wir unbedingt detailliert vorstellen sollten, ist Barabaras Lied "Göttingen".


      Das wäre eine gute Idee, wenn man verschiedene Lieder wie eben ‘Göttingen’, ‘Le temps des cerises’ und andere vorstellen würde.

      Ich habe diese Woche nicht sehr viel Zeit, aber da läßt sich später vielleicht was machen.

      gruß
      romain
      Dieser Thread muß weitergeführt werden!!!
    • Da ich neben italophil auch noch frankophil veranlagt bin, befinden sich einige französiche CDs in meinem Besitz, die auch regelmäßig gehört werden.

      Wobei ich zwischen Italien und Frankreich einen Unterschied mache: Von Italien kaufe ich grundsätzlich nur CDs mit regionalem Bezug, d.h. ich nehme Musik aus meinem jeweiligen Urlaubsort, das sind inzwischen satte 35 CDs.

      Bei Frankreich gibt es kein System, es sind eher Zufälle, die zu den diversen Anschaffungen geführt haben. Es sind auch bisher nur 10 CDs, die ich jetzt mal aufliste in der Reihenfolge der Anschaffung:

      Juliette - Assassins sans couteaux
      Véronique Pestel - Laisser-courre
      Edith Piaf - L'Accordéoniste
      Charles Aznavour - Me que me que
      Georges Brassens - Brassens Vol. 1
      Jacques Brel - infiniment
      Isabelle Boulay - Au moment d'être à vous
      Carla Bruni - Quelqu'un m'a dit
      Francis Cabrel - Samedi soir sur la terre
      Gilbert Bécaud - 20 Chansons indispensables

      Frage 1: Was fehlt?

      Frage 2: Um endlich mal einen regionalen Bezug zu bekommen, gibt es französische Musik aus Burgund, aus dem Elsass oder aus Lothringen?


      Thomas Deck
    • Lieber Thomas,

      Wie ich sehe, hast Du einen guten Geschmack, denn Brassens, Brel, Cabrel, Aznavour, Piaf, und vor allem Juliette die ich noch nicht so lange kenne, gehören zu meinen Favoriten. Für mich sind die Texte sehr wichtig.

      Gilbert Bécaud und Francis Cabrel höre ich nicht so gerne, bei Cabrel der gut textet, gefällt mir die Stimme nicht, sie ist ermüdend, Boulay und Bruni gehen meiner Meinung schon in Richtung Pop und außerdem ist die Bruni la femme de Sarko et non merci.

      Véronique Pestel kenne ich ehrlich gesagt nicht, werde sie mir aber mal anhören.

      Was fehlt?

      Also wenn Du richtig auf Chansons stehst, kommst Du an Barbara nicht vorbei. Lieder wie Göttingen, l’Aigle Noir, A mourir pour mourir, mon enfance, Marienbad etc. sind einfach großartig.

      Wenn Du Deine Sammlung vervollständigen willst, gehören Sänger wie Léo Ferré, Serge Gainsbourg, Serge Reggiani, Yves Montand unbedingt dazu.

      Jetzt aktuell sind Bénabar und Vincent Delerm, sie haben gute Texte und erinnern einem an die großen oben genannten Sänger. Bénabar ist musikalisch große Klasse, es benutzt in seiner Musik neben Akkordeon auch noch viel Blasmusik.

      Was die regionale Musik angeht, kenne ich nur aus Korsika I Mouvrini, es gibt sicherlich aus allen Regionen gute Folksmusik, aber hier kann ich Dir leider nicht helfen.

      gruß
      romain
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    • Lieber Romain!

      Danke für Deine interessanten Informationen zu diesem Thema. Ich würde mich da sehr gerne an Fairy Queens Vorschlag :thumbup: anhängen, mehr über Barbaras Lied "Göttingen" zu erfahren.

      FairyQueen schrieb:


      Was wir unbedingt detailliert vorstellen sollten, ist Barabaras Lied "Göttingen".

      Ausserdem gestehe ich schamvoll ein, auch sehr gerne Tino Rossi (schnulz!)und die ganz alten Vor-und Zwischenkriegs Chansons-Sänger/innen zu hören!

      Ehrlich gesagt mag ich, abgesehen von der Piaf, den Tino Rossi auch wirklich gerne ;) - wenn die Stimmung passt :cry:

      Zu Jacques Brel fällt mir noch diese Aufnahme ein, die meiner Meinung nach wirklich erstklassig ist:



      Scott Walker hat eine unglaublich gute Stimme - und sie passt auch zu dieser Art von Musik - obwohl ich mir das vorher irgendwie nicht vorstellen konnte :stumm:

      Liebe Grüße

      Peter
    • Chante Brel

      Lieber Peter,

      Vielen Dank für den Tipp. Den Scott Walker kenne ich nicht, habe aber gleich gegoogelt. Scheint ja wirklich gut zu sein, steht ab sofort auf meiner Wunschliste.

      Es gibt ja viele die Jacques Brel singen, ich kenne aber nur das Original.

      Gefunden habe ich:

      Barbara chante Brassens et Brel
      Laurent Viel chante Brel
      Isabelle Aubret chante Brel
      Mouron chante Brel
      Florent Pagny chante Brel
      Lama chante Brel
      Bachelet chante Brel
      Philippe Callens
      usw.

      gruß
      romain
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    • David Bowie hat zwei Lieder von Brel in der selben Übersetzung wie Walker gesungen und auf deutsch gibt es nicht schlechte Versionen von Klaus Hoffmann, der schon früh durch die Gegend reiste und Brel sang, von Maria Bill müßte es da auch etwas greifbares geben, die Bill ist hier sehr erfolgreich mit einem Brel- und später mit einem Piaf-Programm getourt.


      "Alles Syphilis, dachte Des Esseintes, und sein Auge war gebannt, festgehaftet an den entsetzlichen Tigerflecken des Caladiums. Und plötzlich hatte er die Vision einer unablässig vom Gift der vergangenen Zeiten zerfressenen Menschheit."
      Joris-Karl Huysmans
    • Hallo,

      zuletzt reihte sich ja auch der Schauspieler Dominique Horwitz recht erfolgreich (mit CD und Tournee) in die Legion der Brel-Interpreten ein.



      Ich bin ein ganz großer Fan von Benjamin Biolay, der hier noch nicht genannt wurde - darf man ihn in die Reihe der großen Chansonniers einreihen oder würdet Ihr ihn eher zu den Popmusikern zählen wollen? Diese beiden Scheiben von 2002 und 2003 ragen für mich aus seinem Schaffen heraus:



      Die gleiche Frage stellt sich bei der von mir ebenfalls hoch geschätzten Zazie.



      Gruß

      Lavine :wink:
      "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
    • Eigentlich ist das hier OT, aber ich möchte dafür mindestens erst mal keinen eigenen Thread in der Musicalsektion aufmachen. Wer Jacques Brel mal von einer ganz anderen Seite (und Sprache) kennen lernen will, sei auf dieses Musical hingewiesen, das sich für alle lohnt, die der Gattung etwas abgewinnen können:



      Ich weiß, ich weiß... Ich habe auch erst an Begriffe wie Kulturschande gedacht, aber was Mort Shuman, ein Freund Brels, und sein Ensemble für eine Off-Broadway Aufführung im Greenwich Village aus Brels Chansons machen, und wie geschickt das Buch zusammengestellt wurde, verdient alle Achtung.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Guten Abend.

      Das Musical ist nicht ganz unwichtig gewesen, denn Scott Walker ist dadurch auf Brel aufmerksam geworden und hat dann mit seinen Versionen von Brel-Chansons (ich glaube er verwendet die gleiche Übersetzung?) nicht unwesentlich dazu beigetragen, Brel in englischsprachigen Räumen bekannter zu machen. - Für mich wäre es das Musical, daß ich in meine Sammlung stellen würde, wo es dann ziemlich einsam wäre - vielleicht würde es sich mit "A Day In The Races" von Queen anfreunden?

      Alles Gute wünscht

      Bernhard


      "Alles Syphilis, dachte Des Esseintes, und sein Auge war gebannt, festgehaftet an den entsetzlichen Tigerflecken des Caladiums. Und plötzlich hatte er die Vision einer unablässig vom Gift der vergangenen Zeiten zerfressenen Menschheit."
      Joris-Karl Huysmans
    • J.Brel La chanson des vieux amants

      Ich muss gerade mal schnell mal mit einem Brel Chanson missionieren, dem ich heute beruflich wiederbegegnet bin und das in seiner umwerfenden Wirkung nur mit "Ne me quitte pas" zu vergleichen ist:

      "La chanson des vieux amants"

      Wer das nicht kennt , findet es leicht über youtube.
      Brel ist ein Fall, der zumnindest auf mich, emotional viel unmittelbarer wirkt, als die meisten klasssichen Sänger. Irgendwo gab es hier mal einen Thread über sänger, die Steine zu Weinen bringen. Da muss Jacques Brel in jedem Fall als einer der Ersten auf die Orpheus-Liste.
      Aus Copyrightgründen darf ich nicht den ganzzen Text abdrucken, man findet ihn aber leicht.

      Hier nur der Refrain:

      O mon amour, mon doux, mon tendre,merveilleux amour
      De l'aube clair jusqu'à la fin du jour
      je t'aime encore, o qui, je t'aime.

      Für der frz Sprache Unkundige: es wird eine alte Liebe besungen, die schon Jahrzehnte dauert , sehr viele Krisen überstehen musste und ihre ganz eigenen Funktionsmechanismen hat.
      Den Refrain übersetze ich:


      Meine Liebste,meine süsse, zärtliche, wunderbare Liebste,
      vom ersten Sonnenstrahl bis zum Ende des Tages,
      ich liebe dich noch immer
      , ja , ich liebe dich.


      Warum klingt das bloss in frz. Sprache soviel schöner und kein bisschen kitschig?

      Gibt es eine Ungerechtigkeit der Sprachen?

      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • FairyQueen schrieb:

      Brel ist ein Fall, der zumnindest auf mich, emotional viel unmittelbarer wirkt, als die meisten klasssichen Sänger. Irgendwo gab es hier mal einen Thread über sänger, die Steine zu Weinen bringen. Da muss Jacques Brel in jedem Fall als einer der Ersten auf die Orpheus-Liste.

      Liebe Fairy,

      schön, dass du mal wieder auf Jaques Brel aufmerksam machst! Vor meiner Klassik-Zeit, die gerade mal ein halbes Jahrzehnt andauert, hat Brel zu meinen ganz großen musikalischen Erfahrungen gehört und für mich einen Standard gesetzt, der mich für die meisten Pop- und Rock-Songs verdorben hat. Ich hatte über Jahre seine Melodien und Refrains im Ohr, ich habe mich v.a. in eher melancholischen oder traurigen Stunden in seiner Musik gespiegelt. Und habe die Erfahrung gemacht, dass Brel einen gefährlichen bittersüßen Sog entwickelt ... Es lässt sich schön traurig sein mit ihm, aber sein Fatalismus ist auch ansteckend. Brel ist der Sänger der zerstobenen Träume und der endgültigen Abschiede. Es gibt ganz viele Chansons von ihm, die mit den "Vieux amants" vergleichbar sind:

      Pourquoi ont-ils tué Jaurès?


      Warum haben sie Jaurès umgebracht? Ein Lied über den französischen Sozialisten und Pazifisten, dessen Ermordung die Träume der ausgebeuteten Arbeiter auf ein besseres Leben erstickte und ihnen den Tod auf dem Schlachtfeld des 1. Weltkriegs brachte.

      A mon dernier repas

      Der Sänger möchte bei seiner letzten Mahlzeit (der Henkersmahlzeit) noch einmal alle und alles sehen, was ihm im Leben lieb und teuer war.

      Le moribond

      Der Todgeweihte macht sein Testament und verabschiedet sich von allen, die ihm im Leben lieb waren und auch von seinem Rivalen, der ihm weniger lieb war, der aber nach seinem Tod auf seine Frau aufpassen soll.

      Adieu XY je vais mourir
      C'est dur de mourir au printemps tu sais
      Mais je pars aux fleurs la paix dans l'âme

      (Adieu XY ich werde sterben
      Es ist hart im Frühling zu sterben, weißt du,
      Aber ich werde zu den Blumen gehen, den Frieden in meiner Seele)

      Ein Lied, das ziemlich an die Nieren geht und in der englischen Soft-Version als "Seasons in the sun" weltbekannt wurde.

      Orly

      Auch ein ungeheuer trauriges Lied über zwei Liebende, die sich auf dem Flughafen Paris-Orly in Tränen aufgelöst verabschieden und wissen, das es für immer sein wird.

      Und daneben gibt es noch dutzende Lieder von Jaques Brel, die ähnlich traurig und trist sind ... So traurig und trist wie sein eigenes Ende mit nur 49 Jahren (Lungenkrebs).

      Ja, Jaques Brels Lieder und sein Gesang haben ein ganz starke emotionale Wirkung, wie ungefiltert, ich wüsste auch nicht, welcher klassische Sänger da rankommt, eigentlich fällt mir als Pendant nur Edith Piaf ein. Ich scheue mich, seine Musik zu oft zu hören, weil sie mich wirklich immer noch enorm anrührt.

      Als Gegengift zu Jaques Brel, dem Sänger der grundlosen Traurigkeit, empfehle ich dringend Georges Brassens, den Sänger der grundlosen Heiterkeit und Lebensfreude, dessen Lieder auch sehr oft sich um den Tod drehen, aber in welch anderem Ton! (Melancholisch und doch urkomisch etwa "Le Fossoyeur" - "Der Totengräber".)

      Grüße,
      Nocturnus
      --

      "Wo die Beziehung zu unseren heutigen Ohren, Nerven, Erfahrungen und Lebensbedingungen verlorengeht, wird Interpretation zur Flucht in die Vergangenheit."
      Alfred Brendel

      "Music is a fish defrosted with a Hair-Dryer." Maisie
    • Lieber Nocturnus, ich habe mich sehr über deinen Beitrag gefreut!

      Ja, es ist wahr Brel hat sehr viele melancholische Lieder geschrieben, von denen auch ich mich gerne in den Sog der tristesse ziehen lasse, allerdings gibt es auch eine ganz andere Seite seiner Künstlerpersönlichkeit.

      Und gerade die "Vieux amants" empfinde ich überhaupt nicht als fatalistisches Lied der "zerstobenen Träume und endgültigen Abschiede"- wie du es so schön benennst. Im Gegenteil: hier wird eine serh in die Jahre gekommene Liebe, die alle Stürme durchlebt hat, aufs Zärtlichste und Leidenscaftlichste besungen und mich erinnert das in gewisser Weise sogar an Rheinhard Meys "Wie vor Jahr und Tag". Das ist kein Fatalismus sondern Lebensweisheit, die sich aber nciht unterkriegen lässt.

      Bei Brel gibt es keine halben Sachen, alles bekommt man ganz oder gar nicht und das ist es, was mich so an diesem Künstler fasziniert. Für mich ist er darin das Pendant der Callas im Chansonbereich.

      Die Trauer und Melancholie sind wie gesagt nur eine Seite, daneben gibt es bissige und leidenschaftliche, sozialkritische und lebenspralle Lieder.

      Ich denke z.B. gerade an "La valse de mille temps", "Les bonbons", "Les flamandes", "Marieke", "Jeff", "Amsterdam", "Les biches" oder die wunderbare Liebeserklärung an meine derzeitige Heimat Flandern: "Le plat pays"

      Brel hat sich auch der klassischen Musik serh verbunden gefühlt und insbesondere Chopin(wen wundert das?) geschätzt.

      Er hatte ein gut ausgebildete und klangschöne Baritonstimme und wenn er klassisches Repertoire gesungen hätte , wäre er gewiss ein wunderbarer Liedsänger geworden.

      Aber ich bin froh, dass er das nciht getan hat, denn in seinem Genre ist er für mich einzigartig. Dei emotionale Unmittelbarkeit mit der seine Lieder mich ansprechen, findet sehr wenig ihresgleichen.

      Mit Brassens kann ich lange nciht soviel anfangen,obschon seine Texte serh gut udn tiefgründig geschrieben sind.

      Und obschon er gewiss viel typischer für das eigentliche frz. Chanson ist als Brel, der ja überdies Belgier war.



      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • In Wiesbaden gab es vor Jahren (vor vielen Jahren wenn ich genau nachdenke :S ) einen Ballettabend zu Liedern von J.Brel.
      Der Balletttruppe ist es dabei großartig gelungen, die in den Liedern enthaltenen Emotionen umzusetzen, gar zu verstärken.
      Und spätestens bei "Ne me quitte pas" hat der halbe Saal ein paar Tränen verdrückt.....

      LG
      Rosenkavalier
      Ich glaube, dass es in jedem Sänger einen einzigen, reinen und kleinen Ton gibt, welcher der wahre Ton der Stimme ist, und was immer man tut und wie man auch seine Stimme auf diesen Ton aufbaut, man muss zu ihm zurückkehren können, sonst ist es aus. (Agnes Baltsa)
    • RE: J.Brel La chanson des vieux amants

      FairyQueen schrieb:

      Ich muss gerade mal schnell mal mit einem Brel Chanson missionieren, dem ich heute beruflich wiederbegegnet bin und das in seiner umwerfenden Wirkung nur mit "Ne me quitte pas" zu vergleichen ist:

      "La chanson des vieux amants"



      Liebe Fairy Queen!

      Wusstest du, dass auch Mísia diese Chanson in einer portugiesischen Übersetzung und mit Fado-Begleitung gesungen und auch aufgenommen hat? Es ist auf ihrem 1993-Album "Fado" enthalten!



      Ai meu amor amargo doce e deslumbrante amor
      amor à chuva, amor em sol maior
      amor desmais amor eterno


      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Nein, das wusste ich nicht!!!! Stell ich mir sehr schön vor und passt natürlich genau zum Fado. :yes:
      Und stell Dir vor, ich habe heute abend beschlossen, das in einer singbaren Version ins Deutsche zu übersetzen und zu einer silbernen Hochzeit zu verschenken.
      Ein so tolles Lied muss unter die Völker gebracht werden.
      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Der österreichische Burgschauspieler Michael Heltau hat ebenfalls Brel sehr erfolgreich in seinem Programm und auf einer CD veröffentlicht, darunter auch oben genanntes "Das Lied von der alten Liebe". Es handelt sich um deutsch/österreichische Übertragungen - da ich die CD im Moment nicht finden kann, kann ich leider nicht sagen, von wem sie stammen.
      Hörproben gibts hier:



      Liebe Grüße
      :wink:
      Renate
      Unsre Freuden, unsre Leiden, alles eines Irrlichts Spiel... (Wilhelm Müller)
    • Liebe Amelia, ich habe gerade in die Hörprobe reingelauscht- also gefallen tut mir das im Vergleich mit brel ganz ehrlich nciht...... :shake:
      Aber ich danke serh für den Tipp, das ist serh gut zu wissen- wobei ich den deutschen Text noch nciht per Internet finden konnte. Falls die Cd wieder auftaucht und ich evtl eine Textprobe haben könnte, wûrde mir das schon sehr helfen beim Nachdichten. :wink:
      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Liebe Fairy!

      Nach google-Recherchen habe ich herausgefunden, dass die Nachdichtungen (es sind keine reinen Übersetzungen ) von Werner Schneyder stammen:

      Die Nachdichtungen von Werner Schneyder und Loek Huisman und Heltaus
      Interpretationen geben Nuancen so fein wieder, dass ein
      deutschsprachiges Publikum Brel erst ganz versteht, wenn es Heltau
      hört. Jacques Brel hat das gewusst und in seinem Testament Michael
      Heltau die Exklusivrechte an den deutschen Fassungen seiner letzten
      Chansons vermacht.Constanze Treuber - Berliner Zeitung
      (Zitat aus michaelheltau.com).

      Ich werde morgen meine CD-Regale durchforsten und schauen, ob ich was finde.


      Liebe Grüße
      :wink:
      Renate
      Unsre Freuden, unsre Leiden, alles eines Irrlichts Spiel... (Wilhelm Müller)