Die Elbphilharmonie - Groschengrab, Musentempel, Zukunftsvision... ?

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    • OT

      Wikipedia:
      "Erbaut wurde die Wieskirche von 1745 bis 1754 von den Brüdern Johann Baptist Zimmermann und Dominikus Zimmermann. Der Bau brachte das Kloster Steingaden in große finanzielle Schwierigkeiten. So stiegen die Baukosten von den ursprünglich veranschlagten 39.000 auf schließlich 180.000 fl. Zusammen mit anderen Verpflichtungen führte das zu einer finanziellen Gesamtbelastung, von der sich das Kloster bis zu seiner Auflösung während der Säkularisation im Jahre 1803 nie mehr ganz erholte"

      - zumindest eine Perle der Kirchenbaukunst!

      (Während der Säkularisation sollte die Wieskirche abgerissen werden, doch die Bauern der Umgebung leisteten hartnäckigen Widerstand.
      So konnte sie sich doch noch amortisieren)

      Aber es ist auch typisch, für die heutige Zeit. "Normale", funktionelle Gebäude sind "out", es muß immer etwas "ganz besonderes" sein.
      Steht nicht in Wolfsburg auch ein Technik-Museum, das auch ein klein wenig teurer wurde als ursprünglich geplant?


      :wink:

      amamusica :pfeif:
      Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
      all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

      ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
      Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...



    • Aber es ist auch typisch, für die heutige Zeit. "Normale", funktionelle Gebäude sind "out", es muß immer etwas "ganz besonderes" sein.
      Steht nicht in Wolfsburg auch ein Technik-Museum, das auch ein klein wenig teurer wurde als ursprünglich geplant?


      :wink:

      amamusica :pfeif


      Gefällt Dir die Elbhilharmonie?
    • Mir?

      Habe nur so Computer-Bilder gesehen, wie es mal aussehen soll.

      Schien mir recht übertrieben, da wollten sich wohl wieder ein paar Stadträte ein Denkmal setzen...


      Ob das wohl auch so ein Spinnen-Biotop werden wird?

      Die neuen Büros oder so in der Hafenstadt sollen wohl ideale Spinnen-Biotope geworden sein.


      Mich wundert nur immer, daß die Leute den Kostenvoranschlägen glauben.
      Dabei ist es doch allmählich von vornherein klar, daß die Kosten ganz andere sein werden.


      :wink:

      amamusica :pfeif:
      Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
      all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

      ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
      Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...



    • Kater Murr schrieb:

      muss jetzt die zigfache Summe vom Steuerzahler ... aufgebracht werden.

      Das ist nur auf den ersten Blick richtig. Die Mehrkosten in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrages würden nur dann dem Steuerzahler aufgelastet, wenn wegen dieser Mehrkosten die Steuern erhöht würden. Das ist aber nicht geschehen. Die vom hamburgischen Steuerzahler zu zahlenden Steuern sind ungeachtet dieser Mehrkosten gleich hoch geblieben. Die Mehrkosten werden nicht über eine Erhöhung von Steuern finanziert, sondern über die Kürzung von Ausgaben an anderer Stelle. "Bezahlen" muss die Kostenexplosion somit bei näherer Betrachtung nicht "der Steuerzahler", sondern derjenige, zu dessen Lasten die infolge der Mehrausgaben getroffenen Sparmaßnahmen greifen.
      "We will play neue Stücke and alte Stücke - lots and lots of Stücke tonight"
      (Phil Collins in seiner Ansage der kommenden drei Stunden seines Berliner Waldbühnen-Konzerts)

      "Man redet ja in der Musik immer noch über Stücke. Das ist etwas, was mir ganz merkwürdig vorkommt, in Stücken, überhaupt in Teilen zu denken."
      (Karlheinz Stockhausen)
    • o.k., das ist allerdings eine übliche Formulierung, denn natürlich weiß ich zumal als Ortsfremder nicht genau, was dann entsprechend gekürzt werden wird und ob jetzt die Kindergärten, die Uni, die Straßen oder was auch immer in Hamburg Mangel leiden wird.
      Nach dem verlinkten Papier scheint es aber doch ziemlich klar zu sein, dass das Projekt anfangs naiv oder absichtlich zu niedrig gerechnet wurde und die über 50 MIo Spenden hätten einen größeren Teil der Kosten ausgemacht, jetzt ist das gerade mal ein Zehntel oder weniger. (Dazu kommen natürlich noch die Steuern, die die Spender aufgrund der Spenden gespart haben. Ein Drittel oder so der Spendenbeträge müsste man vermutlich als entgangene Steuereinnahmen abziehen.)
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Mir hat die Musikhalle mit ihrem hansiatisch-klassischen Ambiente und ihrer Akustik immer sehr gut gefallen, mit allen drei Hamburger Orchestern. Andere Städte wären froh, so eine tolle Halle zu haben.

      Bei den explodierten Kosten der Elbphilharmonie (kaum vorstellbar, dass man sich in dieser Größenordnung "verrechnen" kann), kann man ja wenigstens hoffen, dass die Akustik des neuen Konzertsaals besser sein wird, als im Münchener Gasteig. :whistling:

      maticus
      Bartolo hatte Recht. --- Andreas März
      This is Bartolo, King of the King of Wines. --- Alan Tardi
    • Kater Murr schrieb:

      o.k., das ist allerdings eine übliche Formulierung
      Ich weiß, das wird allgemein immer so formuliert. Deswegen ging meine Bemerkung natürlich in keiner Weise gegen Dich. Ich finde es gleichwohl wichtig, sich klarzumachen, dass derjenige, der z.B. bisher in seinem Ortsteil eine Filiale der Bücherhallen (so nennt sich in Hamburg die Stadtbücherei) nutzen konnte, welche nun aber, weil wegen der Haushaltssituation "gespart werden muss", geschlossen wird, schlussendlich der Leidtragende der Elbphilharmonie-Kostenexplosion ist. Nicht "der Steuerzahler". Man könnte eine Vielzahl weiterer Beispiele bilden.

      maticus schrieb:

      Mir hat die Musikhalle mit ihrem hansiatisch-klassischen Ambiente und ihrer Akustik immer sehr gut gefallen, mit allen drei Hamburger Orchestern. Andere Städte wären froh, so eine tolle Halle zu haben.
      Ich muss zugeben, dass ich ähnlich denke. In der Musikhalle (so nenne auch ich sie nach wie vor, obwohl sie inzwischen in "Laeiszhalle" umbenannt wurde :prost: ) habe ich nicht nur das jeweils letzte Konzert im Leben sowohl von Vladimir Horowitz als auch von Arturo Benedetti Michelangeli hautnah miterlebt, sondern auch zahlreiche andere Größen wie Swjatoslaw Richter, Wilhelm Kempff, Rudolf Serkin, Karl Böhm, Sir Georg Solti, Günter Wand (die von ihm geleiteten Bruckner-Andachten werden mit diesem Saal wohl auf immer und ewig verbunden bleiben) usw. usw. live gesehen. Hier haben Legenden wie Wilhelm Furtwängler, Maria Callas, Ella Fitzgerald oder e.s.t. Konzerte gegeben, deren auf LP bzw. CD erschienenen Mitschnitte weltweit umjubelt werden. Und auch die eigentlich für die Elbphilharmonie geplanten Konzerte wie z.B. im September 2012 der spektakuläre Auftritt des Lucerne Festival Orchestra unter der Leitung von Claudio Abbado finden, ohne dass es irgendjemanden großartig stört, statt in der Elbphilharmonie notgedrungen in der Laeiszhalle statt. Hat sich Claudio Abbado über den Saal oder seine Akustik beschwert? Ganz bestimmt nicht. Warum also soll dieses wundervolle Haus ab Fertigstellung der Elbphilharmonie nur noch Konzerte der Hamburger Sinfoniker beherbergen (nichts gegen die Hamburger Sinfoniker und Jeffrey Tate, bitte nicht falsch verstehen!), nicht aber mehr Auftritte des NDR Sinfonieorchesters, der Philharmoniker Hamburg, des London Symphony Orchestra sowie der Wiener oder Berliner Philharmoniker? Einen wirklich überzeugenden Grund sehe ich dafür nicht.
      "We will play neue Stücke and alte Stücke - lots and lots of Stücke tonight"
      (Phil Collins in seiner Ansage der kommenden drei Stunden seines Berliner Waldbühnen-Konzerts)

      "Man redet ja in der Musik immer noch über Stücke. Das ist etwas, was mir ganz merkwürdig vorkommt, in Stücken, überhaupt in Teilen zu denken."
      (Karlheinz Stockhausen)
    • Ernüchternd auch der Umgang der Politik mit solchen Fehlkalkulationen. Man kann nur hoffen, dass die Aktuelle Stunde im Bundestag vorgestern zum Thema "Kostenexplosion bei S21 und BER" ein Ausrutscher war, und stattdessen in HH nicht Schuldzuweisungen vorherrschen, sondern Lehren gezogen werden:

      "http://www.bei-abriss-aufstand.de/2012/12/15/bericht-von-der-aktuellen-stunde-zu-s21-im-bundestag/"

      "http://www.youtube.com/watch?v=WT_1sFlHqaI"
    • Ich zitiere mal aus dem von Dir verlinkten Artikel:
      Aus der Sorge darum, dieses Monster von Konzerthaus überhaupt mit Zuschauern und einem respektablen musikalischen Betrieb füllen zu können, versucht man in Hamburg seit einigen Jahren eine Klientel für die Elbphilharmonie heranzuzüchten - mit hochsubventionierten Konzerten und musikpädagogischen Programmen. Dafür reichen die bestehenden Veranstaltungshäuser bezeichnenderweise vollkommen aus.


      Ich fühle mich in meinem Posting #27 bestätigt.

      ChKöhn schrieb:

      Um den Saal zu füllen, wird man entweder allein auf die gerade angesagten (d.h. am intensivsten beworbenen) Namen setzen müssen, oder man nimmt gleich Kitsch-Großmeister wie David Garrett und Konsorten.
      Für David Garrett wird inzwischen die O2 World gebucht. Die fasst 14.000 Zuschauer. Damit spielt er, was die Zuschauerzahlen angeht, in der Liga von Muse, Coldplay oder Metallica. Traurig, aber das ist so. Für solche Leute ist die Elbphilharmonie mit ihrer im Vergleich dazu eingeschränkten Platzkapazität völlig uninteressant.
      "We will play neue Stücke and alte Stücke - lots and lots of Stücke tonight"
      (Phil Collins in seiner Ansage der kommenden drei Stunden seines Berliner Waldbühnen-Konzerts)

      "Man redet ja in der Musik immer noch über Stücke. Das ist etwas, was mir ganz merkwürdig vorkommt, in Stücken, überhaupt in Teilen zu denken."
      (Karlheinz Stockhausen)
    • Witzig, sehr witzig, die Baustoppidee. Im Himmel ist Jahrmarkt!

      In der BRD laufen seit zig Jahren Bauprojekte aus dem Finanzrahmen. Das läßt auf "Korruption durch die Hintertür" schließen.
      Und die funktioniert so:
      Man schreibt was aus: DER BILLIGSTE (PREISWERTESTE, UM DIE KORREKTE FORMULIERUNG ZU WÄHLEN) WIRD GENOMMEN. Peng.
      Der kommt mit dem Geld nicht aus, es wird teurer. Nun stellt sich die Frage: Aufhören oder weiter zahlen
      (Die andere Alternative, der Lieferant nimmt die Zusatzkosten auf die eigene Kappe ist vertraglich verpennt (und da liegt die Korruption!!) worden. IMMER! SELTSAM ODER??)
      Also zahlt man weiter.
      Nun aber poppen heutzutage die Fälle hoch, wo man es übertrieben hat. Berlin, Hamburg, bald Stuttgart, der Berliner Hauptbahnhof, der von Mehdorns Schergen gräßlich kastriert wurde und so weiter.
      NEEEE, meine Lieben, so funktioniert eine stille und hochlegale Form der Korruption. So und nicht anders.
      Und Musiclover hat (leider) völlig recht: Bezahlen müssen wir dieses alles, denn die Kommunen müssen unsere Leistungen kürzen, weil irgendein Kommunalheini (in Hamburg Ole v.B, in Kiel droht das auch bereits: Kiel Kanal, Stadtregionalbahn) unbedingt sich in die Geschichtsbücher einschreiben will. Was für Fatzken!
      Gruß aus Kiel

      Für alle, die da sich sensibilisieren wollen. Eric Ambler. "Bitte keine Rosen mehr". Da geht es um kompetente Kriminelle. Das sind die, die eigentlich kriminell sind, aber die Gesetze so gut kennen, dass sie legal bleiben können. Zur Not mit Hilfe der Politik als Gesetzgeber. Und von denen sind wir anscheinend umzingelt.
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)
    • Doc Stänker schrieb:

      Man schreibt was aus: DER BILLIGSTE (PREISWERTESTE, UM DIE KORREKTE FORMULIERUNG ZU WÄHLEN) WIRD GENOMMEN.

      Bei der ElPhi war es ja noch etwas anders. Bei einem Projekt dieser Größenordnung gab es (man möge mich korrigieren, wenn ich etwas aus der Presseberichterstattung der letzten Jahre falsch erinnere) sowieso nur zwei ernsthaft in Betracht kommende Bewerber. Der eine Bewerber wies eindringlich auf die fehlende Planungsreife des Projekts hin und dass man auf der Grundlage der bisherigen "Planungen" gar nicht seriös einen Preis kalkulieren könne. Er wies ferner auf die beträchtlichen Risiken exorbitanter Preissteigerungen hin, wenn man nicht erst das Projekt komplett durchplant, alle technischen Details klärt und dann den Auftrag vergibt, sondern - wie geschehen - erst den Auftrag vergibt und dann wird man schon irgendwie sehen, wie's weitergeht und wie man sich durchwurschtelt. Dieser Bewerber bekam den Auftrag nicht. Solche Einwände wollte man bei den damals für die Auftragsvergabe Verantwortlichen nicht hören. Den Auftrag bekam der andere Bewerber.
      "We will play neue Stücke and alte Stücke - lots and lots of Stücke tonight"
      (Phil Collins in seiner Ansage der kommenden drei Stunden seines Berliner Waldbühnen-Konzerts)

      "Man redet ja in der Musik immer noch über Stücke. Das ist etwas, was mir ganz merkwürdig vorkommt, in Stücken, überhaupt in Teilen zu denken."
      (Karlheinz Stockhausen)
    • Ich kann mich den Beiträgen von Michael, Christian Köhn und music lover nur ausdrücklich anschließen. Die Gefahr, daß zur Finanzierung der laufenden Kosten dieses Klotzes die Garretts und Adoros dieser Welt die Halle bevölkern werden, ist signifikant. Ebenso ist zu bedenken, daß die sogenannte "Hochkultur" mit ihrem berechtigten finanziellen Bedarf durch derartige unnötige Großprojekte diskreditiert wird. Die Musikhalle (ja, auch ich nenne sie noch so) ist m. E. ein schöner Bau, in dem wunderbare musikalische Erlebnisse möglich waren und sind. Die Elbphilharmonie ist Ausdruck der Großmannssucht eines Bürgermeisters, der sich mit einem "Prachtbau" (den ich übrigens ziemlich häßlich finde) verewigen wollte, aber keine Lust hatte, das Ganze auch solide zu planen bzw. planen zu lassen.

      Die Befürworter der Elbphilharmonie, die ich bislang getroffen habe, haben meistens mit der Außenwirkung des Gebäudes argumentiert. Die Frage, ob man denn den Konzertsaal überhaupt bräuchte, fand dabei kaum Beachtung. Der Tenor unter Musikliebhabern hingegen scheint mir tendenziell eher so negativ zu sein wie in diesem Thread.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Symbol schrieb:

      Die Gefahr, daß zur Finanzierung der laufenden Kosten dieses Klotzes die Garretts und Adoros dieser Welt die Halle bevölkern werden, ist signifikant.
      Da ist keine "Gefahr signifikant", das ist seit Anbeginn des Projekts mit eingeplant. Wenn Generalintendant Christoph Lieben-Seutter von sich gibt:
      Die Laeiszhalle ist zwar selten ausverkauft, aber terminlich überbucht, kann also den Bedarf seitens der Veranstalter nicht decken, von denen die meisten übrigens zurzeit auch steigende Auslastungszahlen feststellen. Der Freizeitsektor und die Kultur insgesamt sind ein boomender Markt, allerdings hat die Klassik strukturelle Probleme. Man muss also in Publikumsgewinnung und -bindung investieren... (Von: "http://www.nmz.de/artikel/ein-solcher-saal-ist-immer-eine-kompromissloesung"

      ...dann wird ihm auch aufgegangen sein, dass bei einer plötzlichen Verdopplung der Platzanzahl nur Klassikkonzerte nicht genügen werden. Vorgesehen ist zusätzlich zur Klassik alles zwischen Garrett und Weltmusik. Dafür wurde ja auch extra noch ein neuer Saal nachträglich hinzu konzipiert.

      Was daran gefährlich ist, ist mir schleierhaft... !? Was eine stiftungsähnliche GmbH und diverse private Konzertveranstalter da alles anbieten ist eben Geschmackssache, aber dass ihnen für ein eigentlich nicht nötiges Programm ein dermaßen teurer Klotz, finanziert größtenteils aus Steuergeldern, hingestellt wird (der die Stadt dann ja weiterhin mind. 10 Mio € Subventionen im Jahr kosten wird), das ist schon sehr bedenklich. Hängenbleiben wird natürlich der Eindruck, dass hier "Hochkultur"/ "Klassik" etc. finanziert wurde, auch wenn ich für meinen Teil Events á la Garrett genauso schlimm finde wie Pilgerreisen zu Abbado, Thielemann etc... (Wohlgemerkt: Die Pilgerreisen, nicht die Künstler an sich)

      Dass es in Hamburg gar nicht unbedingt Bedarf für solche Angebote gibt, kann man übrigens auch viel besser formulieren:
      Die Erfahrungen aus anderen Städten wie Rom, Köln und Essen zeigen, dass mit einem guten künstlerischen Konzept eine scheinbar „kulturell ausgelastete“ Stadt auch ein weiteres kulturelles Angebot verträgt und die Nachfrage nach Konzerten nachhaltig ansteigt. (Von: "http://www.stiftung-elbphilharmonie.de/faq.html")
    • Guten Tag.

      Die Faustregel von so einem öffentlichen Großbauprojekt ist "3 x die ursprüngliche Kostenschätzung". Oder die verantwortlichen Politiker geben einfach ein Drittel der geschätzten Kosten an, damit alle andere – Steuerzahler und Journalisten – einfach Mund halten müssen. Flughafen Berlin Brandenburg sollte ja "nur" 2,4 Milliarden Euro kosten. Jetzt ist schon 4,2 Milliarden. Und wenn das so weiter geht, kann das schon 7,2 Milliarden Euro hinhauen. Stuttgart 21 war ursprünglich mit 4,5 Milliarden Euro budgetiert. Jetzt ist auf einmal 6,8 Milliarden. Tja, 13,5 Milliarden Euro am Ende ist dann nicht mehr weit.

      Nun hat die Elbphilharmonie sogar die unausgesprochene Faustregel gebrochen und steuert in die Richtung von "4 x" hin. Sowieso 186 Millionen Euro war sowas von illusorisch vom Anfang an (die geschätzten Nettobaukosten. Davon 77 Millionen Euro mit Steuergeldern finanziert). "Nur" die Sanierung von Berliner Staatsoper wurde mit 242 Millionen eingeplant (und fröhlich geht die Sanierung bald die 300 Millionen Grenze knacken. Hurra!). Und ein Neubau soll nur 186 Millionen kosten? Wer hat so eine unsinnige Rechnung gemacht? Das ist wirklich ein starkes Tobak.

      amamusica schrieb:

      Aber es ist auch typisch, für die heutige Zeit. "Normale", funktionelle Gebäude sind "out", es muß immer etwas "ganz besonderes" sein.


      Natürlich muss so ein Großbauprojekt "ganz besonders" sein. Solches Projekt wird als Phallusverlängerung der verantwortlichen Politiker betrachtet, selbstverständlich mit Steuergeld finanziert. Dann muss besonders "groß" sein (und die meisten haben ja auch nötig). So penetrieren die Politiker mit schwachsinnigen Bauprojekten überall hin, wo sie sich großk*tzig präsentieren möchten. Berlin und Brandenburg leiden unter dem Flughafenbau (wer hat das initiiert? Diepgen von CDU? Und jetzt Wowereit von SPD schwingt mit dem Flughafen so penetrant, dass mir die K*tze gleich hoch kommt).

      maticus schrieb:

      Bei den explodierten Kosten der Elbphilharmonie (kaum vorstellbar, dass man sich in dieser Größenordnung "verrechnen" kann), kann man ja wenigstens hoffen, dass die Akustik des neuen Konzertsaals besser sein wird, als im Münchener Gasteig.


      Ist mir nicht so sicher. Herzog & de Meuron waren mir nie als Konzertsaal- oder Opernhausexperten aufgefallen (Fußballstadion schon). Ich weiß nicht, welchen Akustiker die geholt haben. Aber da werde ich keine große Hoffnung auf Akustik haben.

      Übrigens, Stararchitekten, den viele Politiker ihre Phallusverlängerung vertrauen, sind so ähnlich wie Opernregisseure: Großes Ego wenig Talent ohne Realitätssinn.

      Schönen Tag.
      Penthesilea
      Auch Rom wurde nicht an einem Tag niedergebrannt - Douglas Adams
    • :stumm:

      Penthesilea schrieb:

      Übrigens, Stararchitekten, den viele Politiker ihre Phallusverlängerung vertrauen, sind so ähnlich wie Opernregisseure: Großes Ego wenig Talent ohne Realitätssinn.
      :stumm:


      Nein, nein, bitte!!!

      Keine Diskussion über Opernregisseure bitte, die hat sich gerade erst halbwegs abgekühlt...

      bleiben wir bei der Architektur!!!

      ;+)


      :wink:

      amamusica :pfeif:


      So krass hätte ich die Dinge jetzt nicht formuliert, aber natürlich, in Gedanken denkt man...
      Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
      all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

      ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
      Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...



    • Penthesilea schrieb:

      Zitat von »maticus«
      Bei den explodierten Kosten der Elbphilharmonie (kaum vorstellbar, dass man sich in dieser Größenordnung "verrechnen" kann), kann man ja wenigstens hoffen, dass die Akustik des neuen Konzertsaals besser sein wird, als im Münchener Gasteig.


      Ist mir nicht so sicher. Herzog & de Meuron waren mir nie als Konzertsaal- oder Opernhausexperten aufgefallen (Fußballstadion schon). Ich weiß nicht, welchen Akustiker die geholt haben. Aber da werde ich keine große Hoffnung auf Akustik haben.
      Statt vermuten einfach mal google anwerfen: "Akustik Elbphilharmonie" wirft dann genug aus, was die Frage beantwortet. Zusammenfassend: Die Akustik wird wohl sehr gut, Yasuhisa Toyota gilt als Fachmann und hat sich für ordentlich Kohle um das Innenleben gekümmert.
      Ich meine mich zu erinnern, dass es aber auch da durch mangelnde Planung größere Probleme gab, u.a. durch Schächte, die zu nah an der Innenfassade verliefen und die Akustik getrübt haben. Und auch die Hamburger Morgenpost weiß von Akustik-Problemen zu berichten. (leider undatiert)

      "http://www.mopo.de/news/pfusch-am-bau-wie-kaputt-ist-die-elbphilharmonie--,5066732,5154944.html"


      Auf SZ Online drängt heute der Verband der Deutschen Bauindustrie darauf, Projekte in Zukunft finanziell realistisch zu bewerten. Beispiele wie die Olympia-Bauten in London zeigten, dass dann auch die Bürgerakzeptanz erheblich wüchse.

      "http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/baustelle-xxl-bauverband-fordert-radikalen-systemwechsel-fuer-grossprojekte-1.1552457"

      Dabei beschreiben die Experten genau die Art von öffentlicher Lüge, die Doc Stänker in Beitrag 31 beschrieben hat.
    • Hallo El Duderino.

      El Duderino schrieb:

      Die Akustik wird wohl sehr gut, Yasuhisa Toyota gilt als Fachmann und hat sich für ordentlich Kohle um das Innenleben gekümmert.


      Danke für den Hinweis. Ich wußte nicht, dass Yasuhisa Toyota dafür engagiert wurde. Gut, dass ein namhafter Akustiker dabei ist (er ist sogar als Ajatollah des puristischen Klangs bekannt). Hoffentlich kann er seine Vorstellung durchsetzen. Ob er gut mit Herzog & de Meuron zusammen arbeiten kann, ist ja eine andere Frage. Wie schon gesagt, kenne ich Herzog & de Meuron nicht als Konzertsaal-Experte. Ob sie mit der räumlichen Vorstellung von Herrn Toyota gut leben kann? Wenn ein Architekt so einen Traum hat, dass der Rauch in einem brennenden Haus nach unten steigt (gegen das physikalische Gesetz, dass der Rauch i. d. R. nach oben steigt), wird ja Entlüftungsanlage einfach im Keller gebaut, so wie im Flughafen Berlin Brandenburg (hmm… wer war zuständig für Gebäudeausrüstung? Kann jemand googlen?). Herr Toyota wird hoffentlich nicht so einem Schwachsinn mitspielen.

      Ich bin sowieso der Meinung, einfach Weiterbau der Elbphilharmonie (und Flughafen BER) zu stoppen und das Gebäude (vier Wände und ein Dach hat sie ja schon) billig zu vermieten (Kik oder Aldi oder Primark wird dankend abnehmen). Und Flughafen BER wird auch als Lager an Amazon vermietet. Wäre das nicht sinnvoll(er)?

      Und noch eine künftige Großbaustelle in Berlin: Humboldtforum bzw. Wiederaufbau des Schlosses. Geschätzt wird 552 Millionen Euro. Also, 1,66 Milliarden Euro am Ende?

      Schönen Tag.
      Penthesilea
      Auch Rom wurde nicht an einem Tag niedergebrannt - Douglas Adams