Die gelungensten Literaturveroperungen

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    • Die gelungensten Literaturveroperungen

      Liebe Capricciosi!

      Gerade die letzten Monate haben uns wieder mit einigen bemühten Verfilmungen von Klassikern der Weltliteratur - von "Jane Eyre" bis "Anna Karenina" - beglückt, bei denen man gewiss streiten kann, ob sie angemessene Umsetzungen der Vorlage ins Genre Film darstellen, ob sie die Atmosphäre des Originals erreichen und ob sie ebenso zu Meilensteinen der Filmgeschichte gezählt werden können wie dies ihre Inspirationsquellen zu den Meilensteinen der Literaturgeschichte zweifelsohne tun. Aber lange bevor es Filme gab, gab es Opern; und auch hier haben Librettisten und Komponisten mit mehr oder weniger Erfolg versucht, große Literatur auf die kleine Opernbühne zu bringen.

      Meine Frage an euch ist: bei welchen Werken ist das besonders gut geglückt? Warum? Was sind für euch die gelungensten sieben Literaturveroperungen (um mal eine andere Zahl als Obergrenze zu verwenden) der Operngeschichte?

      Nota bene: ich will ja eigentlich keine strengen Vorschriften machen, welche Vorlagen als Literatur zu betrachten seien und welche eher weniger. Aber als grobe Richtlinie: die heute völlig vergessene Vorlage zum "Tabarro" wird man nicht zur Weltliteratur rechnen wollen, während Alexandre Dumas' "Dame aux camélias" ebenso wie Maurice Maeterlincks "Pelléas" mit etwas gutem Willen noch dazu gezählt werden könnte, obwohl die Intention des Threadstarters eigentlich auf andere literarische Kaliber (Sophokles, Shakespeare, Goethe, Schiller, Tschechow, Dostojewski...) abzielte und es bei Dumas und Maeterlinck zweifellos nicht entmutigend schwierig war, mit der Oper das Dichtwerk zu übertreffen.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Ja, dann bin ich halt der erste. Falls irgendetwas nicht geht, sagt ihr das bitte!

      1. Strauss: Salome
      2. Schostakowitsch: Lady Macbeth von Mzensk
      3. Debussy: Pelléas et Melisande
      4. Verdi: Falstaff
      5. Strauss: Elektra
      6. Verdi: Otello
      7. Janacek: Věc Makropulos


      Das sind alles echte Meisterwerke. :juhu: :juhu: :juhu:
      "Nicht immer sind an einem Misserfolg die Künstler schuld.
      Manchmal ist es auch das Publikum, das indisponiert ist."
      Leonie Rysanek (1926-1998)
    • 1. Berg: Wozzeck (Büchner)

      2. Verdi: Othello (Shakespeare)

      3. B.A. Zimmermann: Die Soldaten (Lenz)

      4. Mozart: Nozze (Beaumarchais)

      5. Emmanuel Nunes: Das Märchen (Goethe)
      („www.youtube.com/watch?v=_BKAgfsLllo“)
      (“www.youtube.com/watch?v=xVMnKS8gHM0“)
      ("www.saocarlos.pt/fotos/das_marchen.pdf“)

      6. Zemlinsky: Kleider machen Leute
      (Keller)

      7. Weill: Mahagonny (Brecht))

      ......

      (8. Debussy: Pelleas + Melisande (Maeterlinck)

      9. Paul Dessau: Leonce und Lena ..(Büchner)

      usw.. usw ...)


      gilt Schönbergs Moses und Aron auch als Literaturveroperung ?
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Schwierig. Zählt die Bibel?

      Mal ohne die und unter Vorbehalt sowie wiederum nur ein Werk pro Komponist. Die Reihenfolge ist keine Rangfolge, abr wenn die größten Opern auch auf größter Literatur basieren, gibt's natürlich kein Halten.

      Vergil - Aeneis : Berlioz - LES TROYENS

      Shakespeare - Henry V u.a. : Verdi - FALSTAFF

      Beaumarchais - Le précaution inutile / La folle journée : Rossini - IL BARBIERE DI SIVIGLIA / Mozart - LE NOZZE DI FIGARO

      Libanius / Ben Johnson - Epicoene or The Silent Woman : Donizetti - DON PASQUALE / Richard Strauss - DIE SCHWEIGSAME FRAU

      Voltaire / Bernstein - CANDIDE ex aequo mit dem totalen Kontrast: Puschkin / Tschaikowsky - EUGEN ONEGIN
      Goethe - Faust : Boito - MEFISTOFELE

      Keller - Romeo und Julia auf dem Dorfe : Delius - A VILLAGE ROMEO AND JULIET

      Wagner, Berg, Henze und die anderen deutschen Schwergewichte lasse ich ebenso außen vor wie die anderen Osteuropäer und die Amerikaner wie Plautus/Shakespeare/Rodgers COMEDY OF ERRORS (THE BOYS FROM SYRACUSE), DuBose Heywards bzw. Gershwins PORGY AND BESS, denn da wird es endgültig uferlos.

      :stern: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Vitelozzo schrieb:

      Kleine Frage, darf man den Tristan von Wagner nehmen? Ist ja auch
      im weitesten Sinne eine Adaption...


      Den Tristan könnte man meiner Meinung nach noch zählen. Die anderen Wagner-Opern scheinen mir aber wirklich zu weit weg von jeder literarischen Vorlage zu sein.

      Rideamus schrieb:

      Schwierig. Zählt die Bibel?


      Schwierig. Opern über biblische Stoffe gibt es ja zum Saufuttern (ich bekam mal bei einer Tagung eine mehrseitige klein bedruckte Liste, wobei der Vortragende betonte, dass es sicherlich keine vollständige Auflistung sei). Aber inwieweit wird da tatsächlich immer direkt auf die Bibel zurückgegriffen? (Salome, Hérodiade, Éve fallen mir spontan ein, die sind jeweils doch relativ weit weg vom Urtext bzw. gehen nur mittelbar auf die Bibel zurück.)

      Ich nenne aber mal meine Favoriten:

      1. Massenet < Goethe: Werther (imo besser als die Vorlage, mit der ich nicht viel anfangen kann)
      2. Verdi < Schiller: Don Carlos (anders als die Vorlage, aber ebenso interessant, in der Charakterzeichnung vielleicht sogar weniger holzschnittartig - Schillers Philipp fehlt die Arie oder etwas Vergleichbares wirklich!)
      3. Janácek < Dostojewski: Z mrtvého domu (geniale Umsetzung einer schwierig umzusetzenden Vorlage, plus großartige Musik)
      4. Britten < Henry James: The turn of the screw (ebenso)
      5. Tschaikowski < Puschkin: Eugen Onegin (dito)
      6. Strauss < Wilde: Salome (die Musik geht hier mit Oscar Wildes Text eine atmosphärisch derart gelungene Verbindung ein, dass ich mir den Text ohne Musik kaum mehr vorstellen kann)
      7. Gounod < Shakespeare: Roméo et Juliette (die großartige Musik bewirkt, dass man Shakespeare nicht so sehr vermisst)

      Außer Konkurrenz, da sehr weit von der Vorlage entfernt, aber dennoch eine geniale Umsetzung: Puccini: Gianni Schicchi (nach Dante, Commedia)

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Ein bisschen schwammig sind die Kriterien ja schon, aber ich will natürlich kein Spielverderber sein. Deshalb auch von mir eine Liste (Momentaufnahme):

      1. Mozart: Die Hochzeit des Figaro (Beaumarchais)

      2. Janacek: Aus einem Totenhaus (Dostojewskij)

      3. Verdi: Don Carlos (Schiller)

      4. Reimann: Lear (Shakespeare)

      5. Berg: Wozzeck (Büchner)

      6. Monteverdi: Die Heimkehr des Odysseus (Homer)

      7. Verdi: Macbeth (Shakespeare)

      2x Verdi, 2x Shakespeare; ansonsten eine Liste über mehr als 300 Jahre Operngeschichte (1640 - 1977), die "Literaturoper" hat immer eine wesentliche Rolle für die Opernkomponisten gespielt und ist, obschon tausendmal totgesagt, noch immer ziemlich lebendig (zB "Hamlet" / Christian Jost/2009).
    • Rideamus schrieb:

      Schwierig. Zählt die Bibel?
      dagegen: Die Texte der Bibel sind keine Kunst bzw. Literatur, sondern erheben unmittelbaren Wahrheits - bzw. Offenbarungsanspruch.

      dafür: teilweise große Sprachkraft der Texte (selbst wenn diese für die meisten Leser ausschließlich durch Übersetzungen vermittelt wird)

      => der Threadersteller mag entscheiden.
      die sind jeweils doch relativ weit weg vom Urtext bzw. gehen nur mittelbar auf die Bibel zurück.)
      das gilt sogar auch für den Don Carlos von Verdi. Sehr weit weg von Schiller
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Verdi Ernani (Hugo)
      Verdi Rigoletto (Hugo)
      Donizetti Lucrezia Borgia (Hugo)
      Donizetti Maria Stuarda (Schiller)
      Donizetti Lucia di Lammermoor (Scott)
      Rossini La donna del Lago (Scott)

      Massenet Don Quichotte (Cervantes)
      Massenet Le Cid (Corneille)
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Liebe Leute, wie steht's mit der "Madame Butterfly"?
      Die wurde ja noch gar nicht erwähnt, hier.

      Laut Wiki basiert sie auf der gleichnamigen Tragödie von David Belasco, die wiederum auf der Erzählung von John Luther Long basiert, sowie auf dem Roman "Madame Chrysantheme" von Pierre Loti.






      :wink:

      amamusica :pfeif:
      Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
      all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

      ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
      Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...



    • Erst mal nicht als Liste (kommt noch)

      Georges Bizet: Carmen - Novelle von Prosper Merimée

      Charles Gounod: Faust - Schauspiel von Johann Wolfgang von Goethe

      Jules Massenet: Manon - Roman von Antoine-François Prévost

      Allez les bleus ...

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • oh ja

      Strawinsky: Oedipus Rex - Jean Cocteau

      Carl Orff: Ödipus, der Tyrann - Friedrich Hölderlin

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Ein paar weitere Beispiele IMO gelungener Literaturveroperungen (nach 1945):

      Orff: Antigonae (Sophokles/Hölderlin)

      Fortner: Die Bluthochzeit (García Lorca)

      Rihm: Jakob Lenz (Büchner)

      Rihm: Die Hamletmaschine (Heiner Müller)

      Rihm: Die Eroberung von Mexiko (Artaud)

      Penderecki: Die Teufel von Loudun (Huxley)

      Müller-Siemens: Die Menschen (Walter Hasenclever)

      Christian Jost: Hamlet (Shakespeare)

      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Erstaunlicherweise nennt hier niemand Giselher Klebe, von dem einige der mE bedeutendsten Literaturvertonungen im 20. Jahrhundert stammen, darunter

      Jacobowsky und der Oberst - Franz Werfels Theaterstück
      Die Fastnachtsbeichte - Erzählung von Carl Zuckmayer
      Die tödlichen Wünsche - Roman von Honoré Balzac (Das Chagrinleder)
      Chlestakows Wiederkehr - Nikolai Gogols Komödie Der Revisor

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Peter Brixius schrieb:

      Erstaunlicherweise nennt hier niemand Giselher Klebe, von dem einige der mE bedeutendsten Literaturvertonungen im 20. Jahrhundert stammen,


      Wieso ist das erstaunlich? Ich kenne zwar inzwischen einiges von Klebe - aber leider keine seiner Opern. Da wäre es ja etwas merkwürdig, wenn ich sie als gelungen einschätzen und hier nennen würde, oder? ;+)

      Vergessen habe ich aber:

      Schnittke: Historia von D. Johann Fausten (Volksbuch vom Dr. Faust [16. Jhd.])

      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.