Musik für die Passionszeit

    • Nun der Rest:



      Tomás Luis de Victoria
      Officium Hebdomadae Sanctae:
      Sabbato Sancto
      Escolonía del Escorial
      Real Capilla Escurialense
      D: Javier M. Carmena



      jd ^^
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Gestern am Palmsonntag:

      [CD2, Tracks 1-14]

      Gregorianischer Choral
      De Benedictione Ramorum et de Processione cum Ramis Benedictis
      Proprium Missae
      Choralschola der Benediktinerabtei Münsterschwarzach
      D: Godehard Joppich


      Jetzt:



      Gregorianischer Choral
      Fastenzeit - Passion - Ostern - Osterzeit
      Choralschola der Benediktinerabtei Münsterschwarzach
      D: Godehard Joppich


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Auch wenn es schon länger her ist:

      ThomasBernhard schrieb:

      [1] Diese ganzen Texte der Lamentationen und Tenebrae befinden sich alle im Breviarium Romanum (das Brevier, das bis zum 2. Vaticanum jeder Geistliche zu beten hatte)?
      [2] Sind die auch alle ins nachkonziliare Stundenbuch (wie das Brevier seither heißt) übernommen worden? (Sorry, bin gerade offenbar zu faul zum selbernachschlagen)
      [3] Oder stammen die sowieso aus einem ganz anderen liturgischen Buch?
      [1] Soweit ich weiß, stehen die Texte im Breviarium Romanum (unter Vesperae).
      [2] Grundsätzlich ja.
      [3] Nein, sind ja Teil der Vesper in der Heiligen Woche.

      Falls es jemand anderer genauer weiß, bitte das erste Brevier werfen... ;)


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Musik zum 1. Kartag:



      Carlo Gesualdo
      Tenebrae-Responsorien für Gründonnerstag
      Die Weimarer Hofsänger


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Die Urversion:



      Gregorianischer Choral
      Tenebrae-Responsorien für Gründonnerstag
      Choeur des Moines Abbaye de Solesmes
      D: Jean Claire


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul


    • In Passione et Morte Domini
      Gregorianischer Choral am Karfreitag
      Nova Schola Gregoriana
      D: Alberto Turco

      Kernstück ist die Passion aus den Evangelium nach Johannes.


      jd ^^
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Es ist die übliche gregorianische Passion: drei Solisten (Erzähler - Jesus - Rest) und Schola (Turba) - alles im Rezitationston, alles einstimmig.

      Ich habe mich daran inzwischen gewöhnt - ich mag dieses reduzierte Schema... :)


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Vorgestern und Gestern als Abschluß:



      Carlo Gesualdo
      Tenebrae-Responsorien für Karfreitag und Karsamstag
      Taverner Consort
      D: Andrew Parrott
      Tenebrae
      D: Nigel Short


      Dazu noch die einstimmigen Gesänge:



      Gregorianischer Choral
      Tenebrae-Responsorien für Karfreitag und Karsamstag
      Choeur des Moines Abbaye de Solesmes
      D: Jean Claire


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Die drei Passionen von Heinrich Schütz liegen mittlerweile in neuen Aufnahmen mit dem Dresdner Kammerchor unter Hans-Christoph Rademann vor.

      Lukas-Passion (1664)



      Matthäus-Passion (1665)



      Johannes-Passion (1666)



      Gruß
      MB

      :wink:
      "Was? Sie haben die Sonaten Beethovens gespielt und haben sich nicht gefragt, wie sie aufgebaut sind? Das entspricht dem Wesen eines Papageis, nicht aber dem eines Künstlers!"
      (Charles-Marie Widor zu seiner Orgelklasse, kurz nachdem er diese von César Franck übernommen hatte)


    • Samuel Capricornus (1628-1665)
      [d.i. Samuel Friedrich Bockshorn]
      Theatrum Musicum [Auszüge]

      Lieder von dem Leyden und Tode Jesu



      La Chapelle Rhénane
      dir. Benoît Haller

      Tanya Aspelmeier Soprano
      Barbara Ostertag Mezzo-Sopran
      Jean François Lombard Haute-Contre
      Benoît Haller Bass

      rec. 2006, l'eglise de Saint Quirin

      Capricornus war ab 1657 Hofkapellmeister in Stuttgart. Er war ein produktiver Komponist und schuf viele Werke in fast allen Gattungen. Diese Aufnahme enthält das lateinische Theatrum Musicum und die deutschen Lieder von dem Leyden und dem Tode Jesu. Übersetzungen gibt es im rein französischen Booklet nur ins Französische.


      Die beiden vorliegenden Werke enthalten sehr schöne Stellen, aber es gibt auch ebensoviele Längen. Interessant ist es trotzdem und auch deshalb empfehlenswert.


      Bei jpc ist gerade eine Neuauflage der CD herausgekommen (ich vermite jedenfalls, dass es sich um dieselbe Aufnahme handelt: 14. Tracks und 2006 aufgenommen.)


      lg vom eifelplatz, Chris.

      __________________

      de.wikipedia.org/wiki/Samuel_Capricornus



    • Lamentations de Jérémie
      Jachet de Mantoue (1483-1559)
      Ensemble Jachet de Mantoe
      Michael Lonsdale, recitant



      Il compose des Lamentationes figurant dans l'ouvrage Orationes complures ad Officium Hebdomadae sanctae pertinentes videlicet. Passiones cum quinque vocibus. Lamentationes primo, secundo & tertio die, cum 4. vocibus. Oratio Hieremiae profetae, cum quinque vocibus. Completorium Nunc dimittis servum tuum domine. Et Salve regina, cum quinque vocibus. - Venetiis. MDLXVII. Apud Hieronimum Scotum. in 4° piccolo. Cantus, Tenor, Altus, Bassus, Quintus. In tutto opuscoli cinque (RISM - 1567) (I-Bc, SATB5).
      lamentations.lesourd.eu/index.php?title=Jachet_de_Mantoue


      Inhalt:
      Lamentations Feria Quinta Lectio Prima, Secunda et Tertia des Jeudi, Vendredi et Samedi Saints
      sowie von Michael Lonsdale rezitierte Texte auf Franzzösich.


      Das knappe Booklet enthält die Texte der Lamentationen; sie sind aus dem Lateinischen ins Französische übersetzt. Beim Vergleich mit anderen, vortridentinischen Lamentationsaufnahmen erscheinen mir die Texte hier gekürzt.
      Leider fehlen auf der Seite von divinum officium die vortridentischen Versionen der Liturgie, für InteressentInnen trotzdem hier der Link dahin (die Seite ist etwas unübersichtlich, aber sie lohnt die Beschäftigung):
      divinumofficium.com/cgi-bin/horas/kalendar.pl

      Ich zitiere mich mal selbst aus dem "Eben gehört - Alte Musik" Thread, Beitrag # 2978 vom 26.02.2017

      eifelplatz schrieb:

      Schon im vorigen Jahr gehörte dieses Werk von Jachet de Mantoue bei mir zu den am häufigsten gehörten Lamentationen. Auch jetzt bin ich wieder
      von der dichten Polyphonie fasziniert, die so selbstverständlich
      gesungen wird (und klingt), als wäre es das leichteste von der Welt,
      Trauer und Verzweiflung so herzzereißend darzustellen. Die zwischen die
      Verse geschobenen und von Michael Lonsdale rezitierten Texte verstehe
      ich zwar nicht, ich höre aber gern zu; Französich kann so pathetisch und
      bedeutungsvoll klingen wie auch hier.


      Eine ganz besondere Aufnahme, sehr gut, sehr zu empfehlen. Hört mal rein!


      lg vom eifelplatz, Chris.

      __________________________

      de.wikipedia.org/wiki/Jachet_de_Mantua
      en.wikipedia.org/wiki/Jacquet_of_Mantua
      tools.wmflabs.org/persondata/p/Jachet_de_Mantua

      zu den Ansetzungen des Namens:
      viaf.org/viaf/100226104/

      de.wikipedia.org/wiki/Michael_Lonsdale
      jachetdemantoue.com/accueil.php?langue=GB

      lamentations.lesourd.eu/index.php?title=Jachet_de_Mantoue
      corpusmusicae.com/cmm/cmm_cc054.htm
    • Elzear Genet dit Carpentras (c. 1470-1548)



      Carpentras
      Lamentations du Prophète Jérémie

      A Sei Voci:

      Gaël de Kerret, Haute-Contre
      Rachid Safir, Haute-Contre
      Régis Oulot, Ténor
      Philippe Balloy, Ténor
      Richard Fabre-Garrus, Baryton
      Bernard Dehont, Basse

      Rec.: Studio 103, Radio France, Paris 1988
      Das Booklet enthält den lateinischen Text der Lamentationen.
      Übersetzung und weitere Texte sind in meinem Exemplar japanisch.


      Leider gibt es wenig Aufnahmen von Carpentras; die hier vorgestellte CD war lange vom Markt verschwunden. Im vorigen Jahr konnte ich sie dann preiswert aus Japan beziehen; inzwischen ist sie leichter erhältlich. Wenn man die Bedeutung dieser Lamentationen für die Musikgeschichte an der Schnittstelle des Tridentinums - und über die soviel geschrieben wird -ermisst, wird man auch verstehen, warum ich sie unbedingt kennen lernen wollte. Und ich begreife nicht, warum diese wunderbare Musik nicht öfter aufgenommen wird.

      Auf YT gibt es ein Video mit Pommerium, das einen Eindruck von der Musik vermitteln kann.
      youtube.com/watch?v=Zv3q6QVhoIs


      Carpentras hat sich vor allem in oder im Umfeld der päpstlichen Kapelle als Sänger oder Maestro aufgehalten und überwiegend Musik für die Offizien komponiert: Lamentationen, Hymnen, Antiphonen, Psalmtexte.
      Zu den biographischen Details verweise ich auf Musiklexika oder die Wikipedia.


      Ludwig Finscher schreibt in einem eindrucksvollen Abschnitt über Lamentationen (Geschichte der Musik, Bd 3., S. 404-414, hier S. 406-409) auch über die Lamentation von Carpentras und ihre Bedeutung. Sie bezeichne den Übergang zum Lamentationszyklus als liturgisch-kompositorische Einheit und als Werk von höchstem kompositorischen Anspruch.

      Ludwig Finscher schrieb:

      Die poetische Kraft der Klagelieder mußte, über alle liturgischen Rücksichten hinweg, gerade die Komponisten der Josquin-Generation bewegen, die als erste ein musikalisches Vokabular zur rhetorischen, affektiven und bildhaften Darstellung ihrer Texte entwickelten. So arbeiten die Lamentationen von Antoine de Fevin und Pierre de La Rue mit denselben Mitteln wie die ansprucksvolle Motette und vor allem die Psalmmotette ihrer Zeit: akkordisch-syllabische Deklamation kontrastierend mit kunstvoll-ornamentaler Melismatik, überraschende Klangausweichungen, Chorspaltung, Wechsel der Stimmenzahl, Ausnutzung tiefer und hoher Lagen.
      [...]
      Die Lamentationen von Carpentras sind, gemessen an den Bemühungen der Josquin-Generation um Textdarstellung, fast ein Rückschritt, gemessen an der Stilhöhe und an den Dimensionen der älteren Werke ein gewaltiger Fortschritt und gemeinsam mit den Werken Costanzo Festas der erste Höhepunkt der Gattungsgeschichte. Sie wurden ursprünglich als Auftragswerk für Leo X., also vor 1521 geschrieben, später, weil korrumpierte Fassungen im Umlauf waren, vom Komponisten revidiert und in einer Clemens VII. gewidmeten Prachthandschrift (Cappella Sistina 163) und dem autoritativen Druck von 1532 (ebenfalls Clemens VII. gewidmet) zusammengefaßt: ein gigantischer Zyklus für die drei Passionstage, vielfach gegliedert, aber beherrscht von einem akkordisch vierstimmigen Satz für Tenöre und Bässe, der durch imitatorisch-melismatische Duette und Terzette aufgelockert und am Schluß der Karsamstaglesung zur Fünf- und Sechstimmigkeit gesteigert ist.
      [...]
      Die Lamentationen von Carpentras wurden zum Standardrepertoire der päpstlichen Kapelle, aber nach dem Tridentinum war es nur noch eine Frage der Zeit, wann sie aus liturgischen Gründen ersetzt werden mußten. 1588 wurde gegen den Widerstand der Kapelle - der Zyklus von Giovanni Pierluigi da Palestrina eingeführt, den der Komponist im selben Jahr veröffentlicht und Sixtus V. gewidmet hatte

      Ich möchte diese Aufnahme allen an Herz und Ohr legen; hört mal rein, es ist wunderbare Musik und eine angemessene, sehr gute Interpretation.



      lg vom eifelplatz, Chris.


      __________________


      Lexikalische Informationen und Ansetzung des Namens:

      de.wikipedia.org/wiki/Carpentras_(Komponist)
      en.wikipedia.org/wiki/Carpentras_(composer)
      tools.wmflabs.org/persondata/p/Carpentras_(Komponist)
      viaf.org/viaf/56799307/

      Zu den Lamentationen:

      lamentations.lesourd.eu/index.php?title=Lamentations
      htttp://lamentations.lesourd.eu/index.php?title=Elz%C3%A9ar_Carpentras

      medieval.org/emfaq/cds/era45021.htm
      hoasm.org/IVF/CarpentrasDiscography.html
      hoasm.org/IVF/Carpentras.html
      corpusmusicae.com/cmm/cmm_cc058.htm

      Die Musik des 15. und 16. Jahrhunderts. Hrsg. von Ludwig Finscher. Sonderausgabe. Laaber: Laaber Verl 2010. (Geschichte der Musik. Bd 3.) Die Originalausgabe erschien 1980-1991.

      Lexikon der Musik der Renaissance. Hrsg. von Elisabeth Schmierer.
      Laaber: Laaber Verl 2012. Bd 1-2. (Handbuch der Renaissance. Bd
      6.)
    • Costanzo Festa (1490 - 1545)

      Wie im vorigen Beitrag möchte ich hier noch einmal die Ausführungen von Ludwig Finscher (s.u.) zu den Lamentationen von Carpentras und Festa aufgreifen:


      Ludwig Finscher schrieb:

      Die Lamentationen von Carpentras sind, gemessen an den Bemühungen der Josquin-Generation um Textdarstellung, fast ein Rückschritt, gemessen an der Stilhöhe und an den Dimensionen der älteren Werke ein gewaltiger Fortschritt und gemeinsam mit den Werken Costanzo Festas der erste Höhepunkt der Gattungsgeschichte. [...]






      Costanzo Festa
      Lamentatio
      Complete Lamentations of Jeremia


      Ensemble Scandicus:
      Frédéric Betous, Jean-Louis Comoretto, Marc Pontus - altos
      Oliver Boilicot, Guillaume Delpech, Dominique Rols - ténors
      Jérémie Couleau, Frédéric Cottereau, Alain Dupont - barytons
      François Vetter, Jean-Manuel Cadenot - basses



      Festa diente von 1417 bis zu seinem Tod 1545 in der päpstlichen Kapelle. Er prägte ihr Repertoire mehr als 25 Jahre und erlebte 4 Päpste, Leo X., Hadrian VI., Clemens VII., Paul III. Er genoss große Anerkennung, als erster italienischer Komponist erlangte er in den Gattungen der Messe und Motette Bedeutung. Nach einem Eintrag im Diarium der Sixtinischen Kapelle zufolge wurde Festa, musicus eccellentissimus, et cantor egregrius in der Kirche Santa Maria in Traspontina begraben. (nach dem Lexikon der Musik der Renaissance, s.u.)



      Ludwig Finscher schrieb:

      Stilistisch ganz ähnlich und vermutlich direkt von Carpentras abhängig ist der Zyklus von Costanzo Festa, der nur handschriftlich überliefert wurde. Auch hier herrschen der tiefe akkordische Satz und die Vierstimmigkeit; nur bei der Komposition der hebräischen Buchstaben und der"Jerusalem"-Refrains treibt Festa einen noch größeren Aufwand als sein Konkurrent aus Avignon. Wie in den Magnificat arbeitet Carpentras auch in den Lamentationen gern mit Klangwirkungen mittels musica ficta, während Costanzo Festa ebenso knappe wie suggestive musikalisch-rhetorische Formeln findet: die akkordische Hervorhebung des "ploravit" mit Quart-Sext-Parallelen der Oberstimmen und der kleinen Sekunde in Alt und Tenor; die plötzliche tiefe Lage bei "in nocte"; die Sekund-Pendelbewegung zu "et lachrymae cius" im Sopran; die melismatisch sich auffächernde Bewegung, wenn die Tränen über die Wangen ("in maxillis") rinnen: [... Noten-Bild]


      Die Auswahl der Verse aus den Klageliedern für die Lesungen der Passionstage war vor dem Tridentinischen Konzil - wie viele Teile der Liturgie - nicht normiert, sondern hing von lokalen und regionalen Traditionen ab; nichts beleuchtet die ans Chaotische grenzenden Zustände deutlicher als die Tatsache, daß die beiden für Rom geschriebenen Zyklen von Carpentras und Costanzo Festa in kaum einem Detail übereinstimmen.

      rec. en l'église d'Esplas-de-Sérou (Amiège) 2006.
      Leider gibt es kein Booklet sondern nur ein Faltblatt.



      Auch hier ist es verwunderlich, wie wenig bekannt Festa zu sein scheint. Zwei Aufnahmen geben die Lamentations. Lesourd an (s.u.), die hier vorgestellte und eine nicht vollständige Sammel-CD mit der Josquin-Capella, Meinolf Brüser:
      amazon.de/Lamentationes-Costan…tanzo+Festa+lamentationes
      die ich nicht kenne.

      Ich wünsche der hier vorgestellten Aufnahme viele ZuhörerInnen.


      lg vom eifelplatz, Chris.


      _____________________________________________


      de.wikipedia.org/wiki/Costanzo_Festa
      en.wikipedia.org/wiki/Costanzo_Festa
      tools.wmflabs.org/persondata/p/Costanzo_Festa
      viaf.org/viaf/2658765/

      lamentations.lesourd.eu/index.php?title=Costanzo_Festa
      hoasm.org/IVD/FestaC.html
      hoasm.org/IVD/FestaCDiscography.html

      corpusmusicae.com/cmm/cmm_cc025.htm
      hier: cmm25,6

      Die Musik des 15. und 16. Jahrhunderts. Hrsg. von Ludwig Finscher. Sonderausgabe. Laaber: Laaber Verl 2010. (Geschichte der Musik. Bd 3.) Die Originalausgabe erschien 1980-1991. (hier S. 4ß8-409)

      Lexikon der Musik der Renaissance. Hrsg. von Elisabeth Schmierer.
      Laaber: Laaber Verl 2012. Bd 1-2. (Handbuch der Renaissance. Bd
      6.) Costanzo Festa S. 403-406, hier S. 404-405
    • Neu

      eifelplatz schrieb:

      Zwei Aufnahmen geben die Lamentations. Lesourd an (s.u.), die hier vorgestellte und eine nicht vollständige Sammel-CD mit der Josquin-Capella, Meinolf Brüser:
      amazon.de/Lamentationes-Costan…tanzo+Festa+lamentationes
      die ich nicht kenne.
      Aber ich kenne sie:



      Ich hatte sie mal wegen Ockeghems Requiem gekauft, aber die Lamentationen Festas höre ich inzwischen häufiger. Ich hatte immer bedauert, daß sie nie komplett waren (nur I & IV-VI), aber erst jetzt registriere ich, daß es doch eine Aufnahme der kompletten Lamentationen gibt. Es ist übrigens eine hervorragende Aufnahme - vom selben Ensemble, welches auch Musik von Thomas Stoltzer (1485-1526) eingespielt hat.

      Festa ist wirklich kaum bekannt - dabei hat er nicht wenig hinterlassen (four masses, over forty motets, a set of Lamentations, and numerous Magnificats and Marian Litanies - Wikipedia). Und amazon listet gerade mal neun verschiedene Titel auf... ;( Immerhin habe ich einige davon - und eine weitere ist unterwegs... ;)
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    • Neu

      Josquin Dufay schrieb:

      Ich hatte sie mal wegen Ockeghems Requiem gekauft, aber die Lamentationen Festas höre ich inzwischen häufiger. Ich hatte immer bedauert, daß sie nie komplett waren (nur I & IV-VI), aber erst jetzt registriere ich, daß es doch eine Aufnahme der kompletten Lamentationen gibt. Es ist übrigens eine hervorragende Aufnahme - vom selben Ensemble, welches auch Musik von Thomas Stoltzer (1485-1526) eingespielt hat.
      Ich hatte mal reingehört, weil das Ensemble ja wirklich gut ist. Den Stoltzer habe ich natürlich, auch den Arcadelt. In diesem Jahr ging es mir aber mal nur um die langen und dazu noch vollständigen vortridentinischen Lamentationen aus dem Umfeld der päpstlichen Kapelle. Angefangen hat das natürlich vor Jahren mal mit Carpentras; in diesem Jahr habe ich das dann mal ein wenig durchrecherchiert.

      Die Franzosen interessieren mich darüber hinaus zur Zeit besonders, v.a. jetzt noch Sermisy, obwohl der ja nicht zur Capella Sistina gehörte sondern im Land geblieben ist, aber einen großen Einfluss auf seine und die nachfolgende Komponistengeneration hatte. Ich habe natürlich die CD des Ensemble Clément Janequin/ Dominique Visse. Der bemüht sich ja schon seit Jahren um Janequin, Sermisy, LeJeune und deren Repertoire. Es scheint, dass es von Sermisy nur die drei auf der genannten CD aufgenommenen Lektionen gibt, auch die CMM (52-2) verzeichnen nur diese drei. Also habe ich das Thema erst mal auf nächstes Jahr verschoben.

      Von Festa habe ich natürlich noch andere Sachen, besonders die Motetten mit Cantica Symphonia/ Maletto haben es mir da angetan. Ich finde es immer wieder erstaunlich, was aufgenommen wird und was nicht. Wie oft gibt es inzwischen Allegris Miserere, oder Spem in Alium von Tallis ....


      lg vom eifelplatz, Chris.
    • Neu

      Es ist in unserem Bereich nicht anders als im Mainstream: die beliebten Sachen werden immer wieder aufgenommen, bei den unbekannten kann man froh sein, wenn es sie wenigstens einmal gibt. Oder die Verfügbarkeit von Aufnahmen: das übliche Spielchen von Nebenverdienern, die gerne eine gebrauchte CD, die nicht mehr erhältlich ist, finanziell gegen drei neue tauschen möchten - ich hasse das... :hammer1:

      Festa ist ein gutes Beispiel für liegengelassenes Repertoire - wenig Aufnahmen von kaum editiertem Quellenmaterial. Aber selbst ein bekannter Desprez mit über 600 verbürgten Veröffentlichungen bis dato ist bei den gut zwanzig Messen stellenweise praktisch nichtexistent. Will man nicht LPs aus den 1960er Jahren zusammensuchen, hört man manche Messen nie im Leben.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
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