OFFENBACH: Les contes d'Hoffmann – Märchenhafte Episoden oder postmodernes Drama?

    • Opernloft Hamburg

      Vor einigen Jahren spielte das Hamburger Opernloft einen Hoffmann, von dem Auszüge auf YT zu sehen sind "https://www.youtube.com/watch?v=Hdc2zNgJIpY"
      Ich fuhr damals nicht hin. Die Inszernierung war eher sparsam, die Stimmen umso schöner. Hervorragende Frauenstimmen und Baritone gibt es mehr als der etablierte Opernbetrieb braucht. Deswegen hört man oft hervorragende Sängerinnen im Off-Broadway. Ein hervorragender Tenor dagegen würde denen sofort wegengagiert.
      Mein Hoffmann-Jahr beginnt am 20. Januar in Meiningen, einer Stadt mit 20.000 Einwohnern, deren Theater regelmäßig Opern spielt.
      In der Dezembernummer der Theaterzeitung "Spektakel" wurde der GMD von Perm/RU Teodor Currentzis interviewt, der im April in Meiningen gastiert. "das-meininger-theater.de/uploa…KTAKEL%23Dezember2016.pdf" Der Grieche Currentzis gilt als besessener Klassikinterpret und wurde schon mehrfach ausgezeichnet.
    • Gala in der Opéra Comique

      Heute nach Mitternacht, um 0:50 kommt auf Arte eine Übertragung einer Gala aus der Pariser Oper, in der 1881 die Contes uraufgeführt wurden. Da nicht alle zu dieser Uhrzeit fernsehen können, gibt es die Möglichkeit, die Sendung auf der Mediathek zu sehen.
      Ich kenne die Opera Comique nur von außen. Auf meiner Reise nach Rouen machte ich ein paar Stunden Pause und schaute mir die Fassade an. Die Oper wird nur mehr selten zu Veranstaltungen genutzt und dient heute vorwiegend als Opernschule. "http://www.arte.tv/guide/de/052407-000-A/die-geschichte-der-pariser-opera-comique"
      "https://de.wikipedia.org/wiki/Op%C3%A9ra-Comique"
    • Volltreffer in Meiningen

      Das war mal wieder ein Hoffmann nach meinem Geschmack. Fantasievoll, richtig verstanden und nahe am Libretto. Alles passte, was die Interpretation angeht. Bühnenbild und Kostüme waren kongenial. In Meiningen waren engagierte Künstler und keine Theaterbeamte am Werk. Ein veritables Hoforchester - eines der ältesten in Deutschland - verbreitete Wohlklang, und der Gesang war auch auf gutem Niveau. Die Regie hatte es gewagt, auf die Kuckucks-Spiegelarie zu verzichten, denn man spielte Kaye-Keck auf Deutsch. Das hatte ich noch nicht erlebt. Gut acht Minuten Applaus, den man leider abwürgte.
      Leider war die Premierenfeier nicht öffentlich, aber ein freundliches Ensemblemitglied nahm mich mit rein.
      Meiningen ist ein südthüringisches Städtchen mit 22.000 Einwohnern, das den Charme der deutschen Klassik ausstrahlt. Der Dichter Rudolph Baumbach dichtete dort Hoch auf dem gelben Wahagen ..., und die Meininger Prinzessin Adelheid wurde englische Königin. Die australische Stadt Adelaide ist nach ihr benannt.
      Nichts wie hin, morgen Sonntag ist 2. Premiere mit einer etwas anderen Besetzung. Am 12. und 13. April gibt der griechische Klassikmagier Teodor Currentzis (Perm/Sibirien) zwei Konzerte in Meiningen. Einmal Barock, dann Beethoven/Schubert. Das und mindestens einen weiteren Meininger Hoffmann werde ich mir nicht entgehen lassen. Näheres unter "http://theater-meiningen.de/Home/Meiningen.html"
    • Besprechung von Fantasio auf Operapoint

      @Quasimodo
      Eine Freundin, die eigentlich eher selten in die Oper geht, machte mich auf eine mir bislang unbekannte Seite aufmerksam: Operapoint.com
      "http://www.operapoint.com/?p=7030" Den Tipp hatte sie wiederum von ihrem Dermatologen bekommen.
      Ich habe leider noch keine szenische Aufführung von Fantasio gesehen. Schade eigentlich, denn sie spielt in meiner Heimat Bayern und hat eine pazifistische Botschaft. Ob ich jetzt nach Paris fahre?
      Am 18. 3. ist Hoffmann-Premiere in Neustrelitz.
      Vor zwei Wochen sah ich an der Komischen Oper in Berlin Barrie Koskys Zauberflöte in einer Art Mischung aus Zeichentrick, Manga und Scherenschnitt mit vielen Projektionen. Höchst gelungenes Experiment. Nicht verpassen.
      Nicole Chevalier sang die Königin der Nacht. Nicole Chevalier sah ich vor 10 Jahren in Kassel als Giulietta und zuletzt an der KO als Stella. Ich war mit einer Berliner Freundin in der Zauberflöte, die trotz 38 Lebensjahren noch nie in der Oper gewesen war. Sie wurde spontaner Opernfan.
      Kosky hatte u.a. verwirklicht, was ich schon lange und an mehreren Theatern vorschlug: keine wortwörtlichen Übertitel, sondern kurz das Wesentliche einer Szene beschreiben.
      Kosky ist ein Segen für die Komische Oper. Ein würdiger Nachfolger für Walter Felsenstein und Harry Kupfer.
      Noch ein Tipp: An der Komischen Oper darf man in die Kantine und kann dort mit Darstellern sprechen, wenn man beim Pförtner die Eintrittskarte vorzeigt. Der Pförtner ist rechts vom Eingang, dann rein und im Haus links. Das Essen in der Kantine ist gut und bezahlbar.
    • Bejubelter Hoffmann in Neustrelitz

      Nach Meiningen (22.000 Einwohner) nun Neustrelitz (Meck-Pomm) mit 20.000 Einwohnern. Wieder ein gelungener Hoffmann mit einigen gewitzten Ideen, inszeniert von einem Regisseur, Jahrgang 1945, der bei den Opern-Ikonen Felsenstein und Götz Friedrich in die Lehre ging. Glanzlicht war neben einer lebhaften Stella das überragend geleitete Orchester. Ich kann mich nicht erinnern, je ein Dirigat erlebt zu haben, das stimmungsmäßig das Geschehen auf der Bühne so kongenial begleitete. Gelungenes Bühnenbild, passende Kostüme, und ein toller Gag im Olympia-Akt, für den es Szenenapplaus gab.
      Da ich noch in Berlin bin und erst morgen nach München fahre, bitte ich um etwas Geduld, bis "myway.de/hoffmann/1617-neustrelitz.html" online sein wird. Informationen hier "http://www.theater-und-orchester.de/repertoire/stueckinfo.php?id=1806&PHPSESSID=8uf3lrcpav55eia4cerdqjo302"

      Leider gibt der Computer, auf dem ich meine Hoffmann-Seite betreibe, keinen Mucks mehr von sich. Da ich mit Computern nur begrenzt umgehen, sie aber nicht reparieren kann, muss ich erst jemanden finden, der mir meinen Rechner repariert oder einen anderen neu konfiguriert. Eine Prognose, wann das gelingt, kann ich nicht abgeben. Ich werde versuchen, den vorgesehenen Text über Neustrelitz hier reinzusetzen.
    • Bericht aus Neustrelitz

      Neu

      Fazit Neustrelitz: Ein erfrischend lebhafter Hoffmann mit gelungenen Einfällen, einem überragend geleiteten und perfekt spielenden Orchester, einer vitalen Stella und einem engagierten Ensemble. Alles passte, und das Publikum ging begeistert mit. Die Oper war straff inszeniert. Es gab keine Längen, auch nicht im Antonia-Akt, wie leider so oft. Nach Meiningen hat wieder einmal die gerne geschmähte Provinz gezeigt, dass die Musik auch außerhalb der Metropolen spielt., wenn man engagierte und gelungene Interpretationen dieser Oper sucht.
      Ich muss zugeben, dass ich Neustrelitz erst auf der Karte suchen musste. Ein Städtchen, mitten in der Natur gelegen, mit gerade mal 20.000 Einwohnern kann stolz auf sein regelmäßig bespieltes Dreispartentheater sein, das aber leider wesentliche Teile verlieren soll, wenn die Landesregierung bzw. deren Kultusreferat sich durchsetzt. Das Neustrelitzer Theater soll nämlich mit Greifswald (115 km entfernt) und Stralsund (130 km entfernt) zusammengelegt werden. Neustrelitz soll die Produktion von Opern und Operetten verlieren, Schauspiel und Orchester aber behalten. Musiktheater würde dann im weiten Stralsund inszeniert und in Neustrelitz als Gastspiel gegeben werden. Theaterpraktiker halten dieses Projekt so sinnvoll wie Dobrindts Ausländermaut. Die nächste Spielzeit 2017/18 ist noch gesichert, aber dann kann es ernst werden. Man muss ja zugeben, dass selbst im Opernland Nr. 1 der Welt nicht viele Städte mit 20.000 Einwohnern ein eigenständiges Dreispartentheater haben, aber die Theaterbesucher, mit denen ich sprach, waren empört: „Für kulturfremde Einwanderer aus anderen Kontinenten ist Geld da, für die einheimische Kultur nicht.“ Es gab auch deutlichere Kommentare.
      Mecklenburg-Vorpommern ist aber leider keine Boomregion, und auch Neustrelitz ist kein blühender Industriestandort. Die polnische Grenze ist nicht weit, und das Theater ist der zweitgrößte Arbeitgeber am Ort – nach der öffentlichen Verwaltung.
      In der laufenden Spielzeit werden 14 verschiedene Bühnenstücke gegeben, dazu Konzerte und Liederabende, sowie zwei Musiktheaterstücke als Festspiele im Sommer.
      Man kann ja mit Recht Böses über den Feudalismus sagen, aber er förderte die Künste und unterhielt Theater, so dass es auch in der kleinen Residenzstadt Neustrelitz ein Theater gibt. Idyllisch an einem Park und nicht weit von einem See gelegen, hat es heute 397 Plätze. Unaufdringliche und zweckmäßige Eleganz bestimmt den Bau. Man fühlt sich sofort wohl und sitzt auf bequemen Sesseln. Das Parkett hat 13 Reihen, und darüber ist ein breiter Balkon mit sieben Reihen, also eher ein Amphitheater, das von allen Plätzen uneingeschränkten Blick auf die Bühne bietet. Im Orchestergraben zählte ich zwei Kontrabässe und drei Celli. Das Publikum war altersmäßig gut durchmischt, wenn auch die ältere Generation überwog. Aber die wichtige mittlere Generation war gut vertreten.
      Die gespielte Fassung war die von Felsenstein, die der Regisseur wohl aus Verehrung für seinen Lehrmeister gewählt hatte. Regisseur Straube, auch ausgebildeter Sänger, war früher selbst Intendant in Neustrelitz gewesen. Diese Fassung war der erste Versuch, diese vielfach verhunzte Oper wieder auf die Beine zu stellen. Damals hatte Josef Heinzelmann das Originallibretto noch nicht entdeckt, und erst spätere Bearbeitungen von Oeser und schließlich Michael Kaye und Jean-Christophe Keck gaben ihr die heutige Gestalt, die den Absichten Jacques Offenbachs am nächsten kommt.
      Die alte Bühnenweisheit „verkorkste Generalprobe, gelungene Premiere“ bewahrheitete sich wieder einmal in Neustrelitz. Eigentlich gab es überhaupt keine richtige Generalprobe, denn noch drei Tage vor der Premiere hatten Hoffmann und Spalanzani keine Stimme gehabt. Aber rechtzeitig zur Premiere waren sie voll da.
      Das Haus war voll besetzt mit den üblichen kleinen Lücken. Pünktlichst um 19:30 trat der Regisseur vor den Vorhang und bat um Nachsicht für die zwei eben gesundeten Sänger.
      Schön wuchtig und richtig maestoso erklangen die Auftaktakkorde. Das dezente Bühnenbild stellte eine surrealistisch-schräge Welt dar. Die Muse, als griechische Göttin gekleidet, beschrieb ihre Rolle und kündigte das Geschehen an. Und schon gab es den ersten Applaus. Ein eleganter Lindorf trat auf und luchste dem Boten Stellas Brief ab. Ein zwölfköpfiger Männerchor agierte und sang lebhaft. Im Hintergrund blickten riesige drohende Männergesichter auf Hoffmann herab. Gut dargestellt, denn Hoffmann lebt in einer bedrohlichen Welt.
      Ein melancholischer Hoffmann trat auf und beschrieb seinen inneren Zustand: In dieser Welt bleibt uns der Traum als einzige Wahrheit. Als heller lyrischer Tenor, der uns viele strahlende Töne schenkte, trug er den Klein-Zach vor. Als er zu Stella überging, merkte ich, was für ein hervorragendes und perfekt dirigiertes Orchester diese Oper begleitete. Vom kecken Charakter des Klein-Zack wechselte die Stimmung zu sinnlich-schwelgerisch, als Hoffmann von Stella schwärmte. Ich war auch im Verlauf des Abends immer wieder fasziniert, welches reiche Spektrum an nuancierten Klängen an meine Ohren schwebte. Das hatte ich in meinen inzwischen 97 »Hoffmännern« noch nie in dieser perfekten Einfühlsamkeit erlebt. Von forderndem staccato bis zu sinnlicher Schwelgerei bot dieses Orchester die kongenialste Begleitung, an die ich mich erinnern kann. Danke Maestro Tewinkel. Schon alleine dieses Klangerlebnis ist die Reise nach Neustrelitz wert. Applaus für den Klein-Zach. 25 Minuten dauerte das Vorspiel in Lutters Keller. Genau richtig.
      Im Olympia-Akt ertönte glucksendes Lachen im Publikum, als Spalanzanis Festgäste einmarschierten, und dann lachte das ganze Haus und spendete Szenenapplaus, als klar wurde, wer sich da alles bei Spalanzani eingefunden hatte: die überwiegend weibliche Politprominenz von Berlin, von der wie üblich griesgrämig blickenden Hosenanzugträgerin höchtpersönlich angeführt sah man Sahra Wagenknecht, Claudia Roth, Manuela Schwesig, Andrea Nahles und die hervorragend getroffene Ursula von der Leyen. Anton Hofreiter repräsentierte die Männer, und Leibwächter durften nicht fehlen. Zwar hatte ich in Meiningen einen Donald Trump, in Rouen einen Karl Lagerfeld und in Essen einen Berlusconi jeweils als Spalanzani gesehen, aber dieses vielköpfige Panoptikum war einmalig. Da muss die Maske voll beschäftigt gewesen sein.
      Niklaus warnte Hoffmann, dass er ein Opfer der Physik sei, doch der wollte nichts verstehen. Dann betrat ein freches Girlie in weißem Minikleid die Bühne. Locker und lebhaft trug sie die Arie der Olympia vor. Das Schwächeln hatte man auf ein Mal reduziert. Gut so.
      Während der Arie blickte sich die Politprominenz irritiert und verständnislos an. Was soll denn das wieder sein? Sowas hatten sie wohl noch nie gehört. Die Regie hatte wohl illustrieren wollen, dass die Politik immer weniger mit der Kunst am Hut hat, denn mit Oper lässt sich keine Rendite erzielen, und noch keine Operngesellschaft ist an der Börse notiert. Immer wieder muss ich an das fatale Jahr 1982 denken, als CDU-Kohl und FDP-Genscher das kulturfreie Privatfernsehen einführten. Seitdem geht es mit der einst edlen Kulturnation Deutschland bergab, und Neustrelitz wird womöglich eines der nächsten Opfer.
      Die Rache des Coppelius nahm ihren Lauf, und Olympia wurde als nun leblose Puppe hereingebracht und von Hoffmann, nun seiner Zauberbrille beraubt, verzweifelt als solche erkannt. Kräftiger Applaus für diesen Akt.
      Zwischen den Akten kennt die Felsenstein-Version ein jeweils kurzes Zwischenspiel in Lutters Keller, in dem Hoffmanns Freunde ziemlich bedrückt von den Ereignissen sitzen.
      In einer Vitrine sah man das Bühnenkleid von Antonias Mutter, zwei Geigen und ein Bild der Diva Maria Callas. Die Fassade des Neustrelitzer Theaters formte einen Teil des Bühnenbildes. Antonia stellte sich wieder ziemlich lebhaft vor. Ihr innerer Konflikt wegen des erzwungenen Verzichtes auf Gesang wurde überzeugend dargestellt.
      Franz beklagte mal wieder seinen Mangel an Methode, aber geschenkt. Sein Couplet hatte man gekürzt. Man könnte auch ganz darauf verzichten, außer man gibt ihm einen Sinn. Hoffmanns und Antonias Zuneigung zueinander wurde überzeugend dargestellt und entsprechend musikalisch untermalt. Als Vater Krespel seine Tochter und Hoffmann beinahe miteinander überraschte, floh sie in das Neustrelitzer Theater. Antonia stand völlig unter dem Bann eines dämonischen Mirakel. Zu seiner Pseudodiagnose ging das Portal zum Theater auf, doch Antonia erschien nur virtuell. Krespel warf den Mirakel aus dem Haus, doch der tauchte sofort wieder aus dem Untergrund auf und klimperte mit seinen homöopathischen Fläschchen.
      Antonias erneut geäußerter Verzicht auf den Gesang klang nun nicht mehr so überzeugend, als sie an die von Mirakel eingeflüsterte Untreue des Hoffmann dachte: Treu ist nur die Kunst.
      Als Mirakel die Mutter beschwor, erschien die im gleichen Kleid, das auch in der Vitrine zu sehen war. Ein bewegend gesungenes und musikalisch hervorrragend begleitetes Terzett folgte, dem das Publikum begeistert und jubelnd applaudierte. Endlich mal wieder ein Dirigent, der den Applaus für den musikalischen Höhepunkt dieser Oper zuließ. Aber irgendwann war Schluss mit Klatschen, und das Schicksal nahm seinen Lauf. Als Antonia sich zu Tode sang, wurde sie von zwei Geigern eingerahmt, die dem früheren Kultusminister Mathias Brodkorb ähnlich sahen, der die Enthauptung des Neustrelitzer Musiktheaters eingeleitet hatte. Nun ist er Finanzminister und zieht auch in seinem neuen Ressort die Schlinge zu. Kräftiger und langanhaltender Applaus und Pause.
    • Fortsetzung Neustrelitz

      Neu

      Es ging weiter mit dem nächsten Zwischenspiel in Lutters Keller. Danach wurde die Barkarole, wohl getreu nach Felsenstein, nur aus den Kulissen gesungen. Schade. Mehrere Gondeln schwebten auf die Bühne. Verführerisch schöne und elegant gekleidete Damen füllten die Bühne. Im Zentrum natürlich die feurige Giulietta mit einem Schlitz im Silberkleid. Höchst verführerisch diese Kurtisane. Kein Wunder, dass Hoffmann ihr verfiel. „Die hohe Liebe ist vorbei.“ Nun wollte er sich der Sinnlichkeit hingeben. Für die in dieser Version notwendige Spiegelarie gab es den verdienten Applaus. Dann weckte Dapertutto in Giulietta den Wunsch, Hoffmann zu erobern. Die willigte sofort ein und vergaß ihre Hemmungen: „Vergesst die Tränen der Kurtisane.“ Die Interpretin der Stella war in der Rolle der Giulietta mit ihrem dramatischen Sopran voll in ihrem Element. Dann gab es ein richtig gut einstudiertes Degenduell, wie man es nur selten zu sehen bekommt. Zu diesem wurde die Barkarole voll wiederholt – ohne Piccoloflöte.
      Auf einem roten Lotterbett, über dem zwei Spiegel hingen, wurde Hoffmann dann vernascht. In diese Spiegel verlor er offensichtlich seine Seele. Hoffmanns Verfallenheit an Giulietta wurde gut dargestellt.
      Ein bedauernswerter Pitichinaccio wuselte um Giulietta herum. Und ausgerechnet er überreichte der Giulietta den für Hoffmann gedachten Giftbecher, der als Schlaftrunk getarnt war. Giuliettas Sklave verzweifelte nach seinem Versehen. Noch nie hatte ich die Rolle des Pitichinaccio und die Abhängigkeit eines Krüppels von einer schönen Kurtisane so überzeugend interpretiert gesehen. So etwas gibt es auch im wirklichen Leben.
      Zu den Klängen der Barkarole führte uns die Drehbühne wieder in Lutters Taverne, in der Bedrücktheit herrschte. Hoffmann wurde gefragt: „Sind deine Geschichten wahr?“ - „Sie sind der Traum, aus dem unser Leben besteht. Die Liebe ist eine falsche Gottheit. Zum Teufel mit der Liebe. Ich verfluche dich.“ Da muss man an den Spruch aus Dietls Film Rossini denken. "Es gibt keine Liebe, es gibt nur Sex. Und Sex ist Sch*****."
      Stella erschien und suchte nach Hoffmann: „Warum lässt du mich warten?“ Doch Hoffmann stieß sie weg und übergab sie dem Teufel Lindorf. Hoffmann war nun ganz alleine auf der Bühne. Die Muse kam, nun wieder in griechischem Kostüm. Sie pries die wahre Liebe, aber nicht die ekstatische. Sie schritt die Treppe hinauf und verschwand. Hoffmann sang nun die Apotheose auf sich selbst, die sonst die Muse vorträgt. Es gab, wie es aussah, keine traute Zweisamkeit, sondern die Oper endete mit einem narzisstischen Hoffmann.
      Spontaner Applaus, der sich immer mehr steigerte. Zuerst traten die Bühnenarbeiter vor, dann einzeln die Chorsänger, bis dann die Solisten kamen. Schon nach einer Minute begann das Publikum rhythmisch zu klatschen. Als die Solisten ihre Verbeugung machten, stand das Parkett. Alle Solisten wurden bejubelt. Auch das Regieteam wurde beklatscht. Neun Minuten dauerte der Applaus, der locker über zehn Minuten gegangen wäre, hätte ihn nicht der Vorhang beendet.