OFFENBACH: Les contes d'Hoffmann – Märchenhafte Episoden oder postmodernes Drama?

    • Danke für die Links zu den Kritiken

      Hier ist noch eine, allerdings mit kleinen Mängeln: ioco.de/2017/06/13/gelsenkirch…h-ioco-kritik-12-06-0217/
      Ein abschreckendes Beispiel einer Opernkritik ist diese hier: revierpassagen.de/44133/in-den…-grossartig/20170617_2051
      Textbeispiel:
      "Wie Hoffmann literarisch, so führt Dijkema szenisch das Verstörende, das die Fugen der Alltagsrealität sprengt, immer wieder allmählich schleichend ein, manchmal aber auch mit theatralischem Getöse, etwa, wenn sich die Muse aus zischendem Bühnendampf schält – in grünem Tanzröckchen und roter Perücke wie eine Elfe."

      Werner Häußner scheint weniger eine Opernkritik zu verfassen, sondern seine Sprachakrobatik demonstrieren zu wollen. Aber das tun einige seiner Kollegen gewohnheitsmäßig auch.

      Von den beiden verlinkten Kritiken gefällt mir die von Bilsing besser. Er leistet sich nur wenige Fehler. Werner Zimmermann scheint ein paar Anleihen bei meiner Besprechung genommen zu haben und leistet sich zudem einige Schnitzer.

      Dass er Michael Kaye falsch schreibt, sei mal verziehen, aber dass er notwendige Kürzungen und Auslassungen extra erwähnt, beweist schon eine gewisse Unkenntnis. Würde man alles vorhandene Material spielen, käme man auf wagnerianische 5+ Stunden reine Spielzeit.

      Der Regisseur Dijkema war nicht Ausstatter, sondern Regisseur und Bühnenbildner. Die Kostüme gestaltete Frau Reindell.

      Den Text der Werkseinführung schrieb tatsächlich die Dramaturgin Anna Grundmeier, wie das Dramaturgen zu tun pflegen. Darüber braucht er nicht zu spekulieren, sondern könnte er einfach erfragen.

      Bei den bemerkenswerten Aufführungen in Berlin vergaß er die aktuellste von Barrie Kosky. Die von Thilo Reinhardt scheint er auch nicht zu kennen.

      Dass das Bild alle vier Akte hindurch gleich bleibt, ist mir nicht aufgefallen.

      "Antonia ist weniger Sängerin als Cellistin". So ein Quatsch. Ich plane, die Sängerin in mein Pantheon der besten Interpretinnen der Antonia aufzunehmen.

      Wieso sollte die Sängerin der Giulietta die ihr aufoktroyierte [sic!] Rolle der Nutte wegspielen wollen? Eine Kurtisane soll eben eine Kurtisane sein.

      Aber ich habe schon schlimmere Kritiken gelesen. In Magdeburg wurde ein Sänger ausdrücklich gelobt, der gar nicht gesungen hatte, und in der Zürcher NZZ schrieb jemand: Sagen wir es doch einmal offen: Dieser Oper fehlt es an musikalischer Substanz. Und in Bern schrieb ein Reporter: Man sang wohl deswegen auf Französisch, weil die Sprachgrenze nur 30 km entfernt ist.

      Hauptsache wir sehen und hören gute Opern, dann können wir mit unzulänglichen Kritiken leben.
    • Zu den drei Vorstellungen in Metz fand ich leider nur eine - wenig aussagekräftige - Kritik im Netz:
      classiquenews.com/compte-rendu…ercier-paul-emile-fourny/

      Dann gab es noch diese Ankündigung: france3-regions.francetvinfo.f…pera-theatre-1275529.html
      Wenn jemand noch etwas findet, bitte reinsetzen.
      Laut Auskunft der Oper war es eine Eigenproduktion, die aber nur drei Mal gespielt wurde.
      Da man für mich weder eine Presse- noch eine Kaufkarte hatte, musste ich meine gebuchte und nicht stornierbare Bahnreise nach Metz verfallen lassen.
      Naja, andere Länder, andere Sitten. Den Sänger des Hoffmann, Jean-Pierre Furlan, hätte ich gerne wieder gehört. Ich kenne ihn von Lissabon und Malmö.
      Wie ich die Musiktheaterszene in Frankreich einschätze, wird diese Inszenierung vermutlich mehrere Jahre lang an diversen anderen Theatern zu sehen sein. So ist z.B. eine Produktion, die ich im März 2009 in Dijon sah, immer noch unterwegs. Man benützt ein örtliches Orchester und ein minimales und leicht transportables Bühnenbild. Im Giulietta-Akt z.B. symboliserte ein Kronleuchter den Ort Venedig.
    • Klassischer Hoffmann mit guten eigenen Ideen

      Man hat sich viel Arbeit gemacht am Landestheater Salzburg - nicht zu verwechseln mit den Festspielen. Man erarbeitete eine eigene Fassung mit eigener Übersetzung in's Deutsche, und was herauskam, konnte sich sehen lassen, trotz Franz, traditioneller Spiegelarie und Sextett. Wieder mal ein gelungener Hoffmann, an dem ich viel Freude hatte. Alles war richtig interpretiert und überzeugend dargestellt. Das Orchester des Mozarteums begleitete perfekt und kongenial. Die Botschaft der Oper wurde richtig und bewegend rübergebracht. Schöne Stimmen erfreuten das Ohr. Das war jetzt Hoffmann Nr. 99. Da es bis Salzburg nur 140 km sind und man mit dem Bayernticket nach der Oper noch nach München zurückfahren kann, ist ein weiterer Besuch mit Freunden ein Muss.
      Hoffmann 100 folgt am kommenden Freitag in Innsbruck - auch nicht so weit.
      Da ich heute nach den Ergebnissen der Bundestagswahl wohl in Depressionen verfallen werde, kann ich erst morgen anfangen zu schreiben. Dauert also wohl bis Dienstag Abend.
      Hier schon mal eine ganz ordentliche Besprechung der Salzburger Nachrichten: "http://www.salzburg.com/nachrichten/oesterreich/kultur/sn/artikel/hoffmanns-erzaehlungen-im-kuriositaetenkabinett-in-salzburg-266365/"
      Die Besprechung wird die folgende Adresse haben: "http://www.myway.de/hoffmann/1718-salzburg.html"
    • Vorschau Innsbruck

      Hier schon mal eine Vorschau auf meine Nr. 100: "https://youtu.be/DPQErAxq5ek"
      Gefällt mir wesentlich besser als Brigitte Fassbaenders Interpretation vom Februar 2009 "http://www.myway.de/hoffmann/09-innsbruck.html" Stimmlich klingt´s auch vielversprechend.
    • 30. September 2017, 2:30
      Hoffmann 100 wurde besucht und harrt der Beschreibung. Bin gerade von Innsbruck zurückgekommen. Während zur Feier des 100. zwei Weißwürschte gesotten und das Bier gekühlt werden, eine kurze Nachtkritik:
      Wieder ein klassischer Hoffmann, berückend schön gesungen. Etwas konservativer inszeniert als der Salzburger und vom Bühnenbild üppiger, aber Alles richtig verstanden und gut interpretiert. Lag´s an der Premierennervosität in Salzburg, dass mir der Innsbrucker vom Gesang her besser gefiel?
      Ein Triumph für die Olympia. 20 Stunden vor dem Auftritt erfuhr sie, dass sie für die erkrankte Sängerin einspringen muss. Um 10:30, also 9 Stunden vor dem Auftritt, begannen die Proben für die junge Sängerin, die noch nie eine Olympia auf einer Bühne gesungen hatte und lediglich die Arie von Übungen während ihrer Ausbildung kannte. Ein souveräner Auftritt folgte. Eine der besten Olympien, die ich je hörte. Sie trägt übrigens den gleichen Familiennamen wie Sophia "Loren", nämlich Scicolone, ist aber nicht mit ihr verwandt. "http://www.tennigkeit-agentur.de/kuenstler/sopran/amelia-scicolone.html"
      Mehr dazu ab morgen Abend.
    • Lieber Hoffmann! :clap: :clap:

      Es freut mich immer Deine Meinung und Kritik über den "Hoffmann" zu lesen und ich gratuliere zum 100er. Du geht's wenigstens auf die Vorstellung ein und klaubst nicht die, für mich, weniger wichtigen Hintergründe aus. Ich bin einstens einmal für die Stimme der Mutter an der Volksoper eingesprungen, vor mir eine recht gewichtige Dame. Anton Dermota hat es gewollt da Niemand im Chor die Rolle intus hatte, war aber nur ein einziges Mal. :callas1:

      Liebe Grüße aus Wien sendet Dir Peter. :wink: :wink:
    • Lieber Peter,

      danke für Deine freundliche Rückmeldung. Mit Opernkritikern habe ich auch so meine Erfahrungen gemacht. Einige Extremfälle habe ich früher hier reingeschrieben. Oft schreiben die einfach vom Programmheft ab. Es gibt aber auch hervorragende Opernkritiker. Besonders bewundere ich diejenigen, die ein Stimme so blumig und poetisch beschreiben können, als höre man sie selbst. Damit habe ich mein größtes Defizit.
      Ich wiederhole mal ein paar Stilblüten:
      - In Magdeburg pries ein Kritiker ausdrücklich einen Sänger, der gar nicht gesungen hatte. Der Kritiker war wohl nicht in der Aufführung.
      - In Bregenz fragte mich ein Kritikerin unmittelbar vor der Vorsstellung: Können Sie mir sagen, worum es bei dieser Oper geht?
      - In Bern meinte einer, man habe wohl deswegen auf Französisch gesungen, weil die Sprachgrenze zur französischen Schweiz 30 km entfernt liege.
      - In Zürich schrieb die NZZ: Sagen wir es doch mal offen, dieser Oper fehlt es an musikalischer Substanz.
      - Eine Kritikerin eines kleinen Provinzblattes Nordbayerns verriet mir, dass sie von der Münchner Staatsoper immer Premierenkarten und Einladungen für die (dem gemeinen Publikum verschlossenen) Premierenfeiern bekomme, weil sie grundsätzlich nur Gutes über die Staatsoper schreibe. (Ich hatte keine Pressekarte für die Premiere bekommen)
    • Vielen Dank für die Rezension aus Innsbruck! :clap: Da bin ich ja schon mal gespannt, muss mir allerdings erst Karten besorgen...

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Bildhafter Hoffmann in Krakow

      Polen haben viel Kunstsinn. Den haben sie wieder in ihrer schönsten Stadt - Krakau - bewiesen. Ein rauschendes Bilderfest mit vielen Balletteinlagen. Sonst Alles in gutem Rahmen. Und was für eine Überraschung, den Hoffmann sang der gleiche Sänger, den ich neulich in Innsbruck hörte. Nein, er brachte die zwei verschiedenen Inszenierungen nicht durcheinander.
      Mit der Besprechung kann es möglicherweise etwas dauern, da es am Sammstag in Trier weitergeht. Da bin ich schon sehr gespannt, denn Thilo Reinhardt brachte 22006/2007 an der Komischen Oper eine der wenigen gelungenen in unseren Zeit versetzten Inszenierungen dieser Oper auf die Bühne. Ich sah sie im April 2007 in Berlin und schrieb darüber die erste Opernkritik meines Lebens. Er will jetzt Alles ganz anders machen. Man darf gespannt sein, denn sein erster Hoffmann war ein großer Wurf. "www.myway.de/hoffmann/07-berlin.html"
    • Grandioser Hoffmann in Trier

      Neu

      In der Provinz wird zwar hart gearbeitet, wie das meine letzten drei Hoffmänner bewiesen, aber Avantgarde ist in einer Stadt mit gut 100.000 Einwohnern rar. Diese Ausnahme bestätigt die Regel. Und das Publikum an der Mosel ging mit. Jubel, und kein einiges Buh für die Regie. Nur ein paar Hoffmann-Fans buhten beim Widersacher, woraufhin der ihnen den Stinkefinger zeigte.
      Der Schluss war ganz ungewöhnlich. Hoffentlich macht man ein öffentlich zugängliches Video von diesem Geniestreich.
      Eigentlich hätte ich jetzt einen Erholungsurlaub nötig, denn in den letzten 22 Tagen schaute ich mir vier verschiedene Hoffmänner an: Salzburg, Innsbruck, Krakau und nun Trier. Bin ja schließlich keine 75 mehr.
      Fünf Sterne für Trier, und Wiederholungsbesuch fest beabsichtigt. Läuft noch bis Januar. Hingehen und anschauen!

      Besprechung voraussichtlich Dienstag Abend fertig. "www.myway.de/hoffmann/1718-trier.html"