Vivaldi, Antonio: "Die vier Jahreszeiten" - op. 8 Nr. 1-4

    • Peri Rose schrieb:

      Das macht sich leider im Preis bemerkbar. 8+)

      Das geht den üblichen Weg bei solchen Sachen - OoP bedeutet Wertsteigerung in Wunschdenken-Kategorie. Wobei man tatsächlich sagen muß, daß diese CD eine echte Rarität darstellt. Aber z.Z. 49,77 € plus 3,- € Versand...ist verdammt viel. Ab 50,- € deklariere ich die Wucher-Grenze für mich. Da ist die alte LP noch günstiger zu haben.


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul


    • (P) 1952 Decca LXT 2600 [42'30"]

      Reinhold Barchet (Violine)
      Stuttgarter Kammerorchester

      Dirigent: Karl Münchinger


      Wie niedlich... :D

      Das ist die erste von insgesamt drei Einspielungen, die Karl Münchinger mit seinen Stuttgartern gemacht hatte. Sie entstand 1951 in Mono und gehört zweifellos zu den allerfrühesten der vier Konzerte. Das Kammerorchester scheint sehr klein besetzt zu sein (mir erscheint sowas wie doppelte Besetzung der Tuttisttimmen), klingt sehr kompakt und geschlossen.

      Münchinger läßt handwerklich nichts auf seine Stuttgarter fallen - das ist ganz sauber und deutlich gespielt. Allerdings überartikuliert er den Rhythmus und setzt die Akzente der einzelnen Teile innerhalb der Sätze sehr deutlich voneinander ab. Das langsame Tempo tut ein Übriges. Das ist fast schon übervorsichtig interpretiert, mit einem langsamen Duktus, der seltsam marschähnlich wirkt. Das wirkt fast schon preußisch diszipliniert ( :D ), exakt nach Metronom ausgerichtet - und furchtbar langweilig... :faint:

      Berchets Spiel ist technisch hervorragend, aber ebenso nicht sonderlich emotional aufgeladen. Interessant sind einige Soli, die sich deutlich von späteren Artikulationen (z.B. Ayo) unterscheiden durch eine klare Gliederung.

      Wenn ich eine Aufnahme benennen müßte, die einen Easy Listening-Charakter aufweisen soll (brav, bieder, ohne Ecken und Kanten, leicht konsumierbar), dann empfehle ich diese... :thumbsup: Hier tut nichts weh, hier wird alles perfekt umgesetzt, ohne eine eigene Note zu entwickeln, der Klang ist stimmig, alles top, ohne jegliche Tiefe.

      Die Aufnahme ist sehr nah und hat kaum Hall. Das Ensemble wurde sehr gut eingefangen, mit einer sehr guten Abstimmung der einzelnen Gruppen. Das Remastering halte ich für solide: der Klang des Ensembles kommt sehr sauber und ohne Verluste zum Tragen, doch die Quelle ist eindeutig eine LP gewesen. Alles Knacksen ist entfernt worden, die zwei Seiten sind sauber gepitcht - aber das Rumpeln des Plattentellers kommt in den leisen Passagen doch leicht durch. Immerhin war es eine sehr gute Pressung gewesen, was klanglich nicht mehr besonders nachbearbeitet werden mußte.

      Da diese Einspielung sonst nie regulär von Decca als CD veröffentlicht wurde, kann man mit dieser LP-Überspielung noch ganz gut leben.

      Fazit: betuliche Einspielung in gutem Klangewand. Annehmbar, wenn man sowas haben möchte... :)


      jd :wink:
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    • Die fehlt noch:



      (P) 1987 Philips 420 216-2 [38'38"]
      EAN: 028942021624

      Viktoria Mullova (Violine)
      Chamber Orchestra of Europe
      D: Claudio Abbado


      Im Februar 1987 entstand diese Aufnahme mit der damals 27jährigen Russin. Das Kammerorchester ist mittelgroß, gespielt wird auf modernem Instrumentarium, und Abbado hat sich nicht auf Experimente eingelassen.

      Das heißt: die vier Konzerte werden straff und flott gespielt, ohne große Schnörkel oder Temporückungen versehen. Mullova brilliert mit ihrer ausgezeichneten Technik und ihrem Gefühl für Nuancen, das Orchester antwortet mit geschlossenem Klang und elastischer Eleganz. In Konzert Nr. 2 zeigt sich das besonders gut: in den Ecksätzen werden die Tuttis mit virtuoser Wucht dargeboten, die lyrischen Solostellen dagegen zeugen von einer feingliedrigen Zartheit seitens Mullova. Der III. Satz ist ein Paradebeispiel, wie sich Vivaldi mit einem größeren Ensemble leichtfüßig interpretieren läßt.

      Klanglich ist die Aufnahme sehr geschlossen und kompakt, bringt eher den Gesamtklang zur Geltung als die Transparenz der einzelnen Stimmen. Dennoch erscheint mir das Baßfundament etwas begrenzt. Insgesamt gut.

      Fazit: Abbado reiht sich bei den unHIPpen Aufnahmen sehr weit oben ein. Mullova spielt hervorragend und hält das knallharte Tempo ohne Probleme durch. Wie sich später noch herausstellen sollte, hat Abbado stets ein Händchen für Barockmusik gehabt, selbst wenn er dafür bisherige Traditionen zur Seite legen mußte. Hier zeigt sich die Affinität zu Vivaldi in einer erstaunlich stilsicheren Weise. Meinen Respekt: sehr gut...
      :thumbup: :thumbup: :thumbup: :thumbup:


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    • (P) 1992 Sony "Vivarte" SK 48251 [40'34"]
      EAN: 5099704825120

      Tafelmusik
      Violine & D: Jeanne Lamon


      Nur fünf Jahre nach Abbado entstand diese Lesart, aber sie brachte neuen Schwung in die Szene. Ein solistisches Ensemble auf historischen Instrumenten, mit einer anderen Klanglichkeit, neu gesetzten Akzenten und einer innigen Sichtweise. Natürlich steht die Aufnahme eher in der Tradition von Kuijken und Pinnock als Abbado oder Karajan, aber seit diesem Zeitpunkt erscheint es mir, daß die vier Jahreszeiten nie mehr mit größeren Orchestern auf modernen Instrumenten spielbar waren - einfach, weil Lamon mit Tafelmusik die HIPpe Sichtweise endgültig als die "bestmöglichste" etablierte.

      Die Stringenz, die in der Interpretation liegt, tut ihr Übriges: Lamon läßt das Tempo in klarer Diktion und eleganter Flottheit spielen, ohne dabei sich zu sehr auf ein Tempomaß festzulegen. Dabei wirken die Wechsel von Solo zu Tutti und zurück sehr organisch; irgendwie drängt sich mir der Eindruck einer musikalischen Unterhaltung auf, der man akustisch folgen kann. Lamons Spiel ist stets entspannt, aber nicht unpräzise. Sie wirkt immer sehr zurückhaltend, wenn's lyrisch wird, aber zupackend, wenn's laut wird. Das Ensemble ist transparent durchhörbar und hat dennoch einen geschlossenen Gesamtklang. Außerdem verwendet es Theorben anstatt des Cembalos (II. Satz des 3. Konzerts), wodurch auch eine vollkommen neue Note in die Konzerte gelangt.

      Heute würde ich sagen, daß es ein wichtiger Klassiker in der HIP-Interpretation darstellt, der immer noch viel Freude macht. Viele Elemente daraus lassen sich in späteren Einspielungen wiederfinden, und die pure Freude am Musizieren quillt immer noch aus den Boxen, wenn man diese Aufnahme einlegt. Ich muß danach jedesmal die Boxen saubermachen... :D

      Der Klang ist so, wie man es von Vivarte erwarten kann: klar, präzise, voll, dynamisch, mit leichtem Hallanteil. Exzellent... :thumbsup:

      Fazit: großartig... :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:


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    • (P) 1997 dhm 05472 77384 2 [43'37"]
      EAN: 054727738425

      Freibuger Barockorchester
      Violine & D: Gottfried von der Goltz
      The Harp Consort
      D: Andrew Lawrence-King


      Mit einer eminenten Lust am Fabulieren, am Variieren, haben sich hier die Freiburger hingesetzt und eine sehr persönliche Sichtweise auf Vivaldis Kleeblatt-Kracher eingespielt. Dabei werden sie im bc-Bereich vom Harp Consort begleitet, die das übliche Maß an Begleitung wesentlich breiter aufstellen als sonst üblich.

      Die Konzerte werden an die Grenzen dessen gebracht, was in den Noten steht. Hier werden z.B. die flirrenden Augenblicke des Sommers im I. Satz breit ausgewalzt, ohne jedoch den Schwung im Tutti vermissen zu lassen. Das Tempo wird stark gebremst, wenn es sinnvoll erscheint, um mehr im Augenblick der Ruhe zu verweilen. Aber wenn es Tempo geben soll, wird es so hoch angesetzt, als sei der Teufel hinter den Musikern her.

      Gottfried von der Goltz spielt nicht - er singt, kratzt, beißt, wimmert, jubiliert. Sein Spiel ist immer präzise, virtuos und reich an Affekten, der er genüßlich auslebt. Seine Begleiter lassen sich aber auch nichts am Bein flicken und kontern mit einer eleganten Virtuosität, die das Gefüge der Musik zusammenhält wie hochwertiger Zement.

      Oh, es hat seinen Reiz: hier ist nichts stromlinienförmig, sondern mit Ecken und Kanten - es ist monumental, ohne schwer zu sein. Die Wucht in den schnellen Sätzen ist virtuos umgesetzt, und die Transparenz des Ensembles ist erstaunlich klar. Wenn man daran interessiert ist, die üblichen Wege der bisherigen Interpretation zu verlassen, dann kann man gut zu Goltz/Lawrence-King greifen.

      Die Klangqualiät ist überragend: hier stimmt jedes Detail. Transparenz selbst im lautesten Tutti ist stets gegeben, alle Details bleiben hörbar, ohne die breit aufgestellte Dynamik zu unterminieren. Das ist ein guter Prüfstein für Stereoanlagen, die was auf sich halten.

      Fazit: eigenwillig, aber toll... :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:

      PS:
      Als Bonus gibt es noch die dazugehörigen Sonetten, die in italienischer Sprache vorgetragen werden.


      jd :wink:
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    • (P) 1999 Deutsche Grammophon 463 259-2 [45:29]
      rec. Mai 1999 (Konzerthalle Tivoli, Kopenhagen)
      EAN: 028946325926

      Trondheim Soloists
      Anne-Sophie Mutter (Violine & D)


      Gute fünfzehn Jahre nach der ersten Einspielung unter Karajan nahm Anne-Sophie Mutter eine neue Einspielung in Angriff, die sie unter eigener Regie mit einem norwegischen Kammerensemble (5 v1, 4 v2, 3 vl, 2 vc, 1 kb, 1 cb) realisierte. Zu diesem Zeitpunkt richtete sie ihr Image neu aus, wird im Booklet in Jeans und T-Shirt recht jugendlich präsentiert, die gerne mal ein bißchen Hausmusik macht und auch noch ein Faible für Malerei hat. Warum auch nicht? Sie war damals 37.

      Die Einspielung selber wirkt auf mich nicht so tiefenentspannt, sondern sehr präzise einstudiert, genau ausgeführt und hochgradig intellektuell. Mutter wählt ein eher langsames Tempo, durchdringt die Partitur mit genauer Kalkulation und ihrem brillanten Spiel - doch irgendwie bleibt wenig Empathie übrig. Die barocken Affekte - ohnehin nicht wirklich zu erwarten - werden gar nicht ausgespielt, aber lustigerweise auch keine anderen, späteren romantischen oder klassischen. Im Booklet werden die einzelnen Stationen der originalen Gedichte aufgelistet, aber man kann sie im Spiel nicht hören.

      Ich hatte hier nicht ernstlich erwartet, eine besondere Sensation zu erleben, aber daß sie damit nicht mal ihre eigene Vorgängereinspielung von 1984 erreicht - ja, sie sogar weit verfehlt! - das hätte ich nicht gedacht. So müde wie hier habe ich Nr. 4/I noch nicht gehört: die Tutti sind von gleichem Tempo ohne jede Eleganz realisiert, das Spiel des Orchesters wirkt unglaublich lustlos und ohne jeden Verve. Selbst Karajan hatte an der Stelle einen Sinn für den Swing gezeigt, aber Mutter entwickelt einfach keinen Bezug zu Vivaldis Musik: sie spielt es einfach wie ein Solokonzert mit feinem Pinsel, wo das Orchester halt nur die Begleitung innehat.

      Andere Stellen - das Sommer-Konzert oder Nr. 4/III (Finale) - gelingen schon besser, doch die generelle Trägheit steht dem Werk Vivaldis zu sehr entgegen, als daß man Mutters Einspielung loben kann. Da hilft auch die exzellente Tonqualität nicht viel.

      Fazit: ein technisch hervorragendes Produkt ohne wirkliche Seele. Nene, dann lieber noch die Betulichkeit eines Karl Münchinger...
      :thumbdown: :thumbdown: :thumbdown: :thumbdown:
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    • (P) 1989 EMI CDC 749 557 2 [40:45]
      rec. 28.-29. November 1986 & 14. März 1989 (St. John-at-Hackney, London)

      English Chamber Orchestra
      Violine & D: Nigel Kennedy


      Das war im Jahre 1989 ein phänomenaler Erfolg gewesen und machte Kennedy sogar über die Grenzen der Klassischen Musik hinaus berühmt; immerhin drei Millionen Einheiten setzte die EMI von diesem Album ab, ein bis heute einmaliger Erfolg. Doch was ist nach 28 Jahren davon noch geblieben?

      Kennedys Einspielung ist mit modernen Instrumenten und einem mittelgroßen Kammerorchester umgesetzt. Im Booklet äußert er sich zu seinem Ansatz, der weder historisch informiert noch romantisch sein wolle, sondern das Ergebnis sämtlicher Techniken beinhalte, um sich den Konzerten auf intuitive Weise zu nähern. Das erste, was auffällt, ist das äußerst stramme Tempo in den Ecksätzen, die geradezu schneidend und grell wirken. In den Binnensätzen nimmt Kennedy das Tempo ordentlich zurück, bleibt aber stetig im Duktus. Sein Violinenspiel ist exakt, rhythmisch angehaucht, technisch perfekt und virtuos schnell. Das Orchester spielt recht knallige Effekte (Nr. 3/III) und segelt stets hart am Wind, so daß der Eindruck einer manisch-aufgepushten Lesart aufkommt.

      Nun, das ist ganz gewiß nicht unpassend, den Konzerten mal ordentlich Feuer unterm Hintern zu verpassen. Kennedy weiß sehr genau, was er will und bekommt es auf eine geradezu spektakuläre Art und Weise. Handwerklich gesehen will ich auch nichts dagegen sagen, daß er sich einer sehr rauen Spielweise bedient, die nicht auf Klangschönheit, sondern auf sowas wie ehrlicher Wucht abzielt; und daß er einigen Sätzen improvisierte Vorspiele vorstellt, die jedoch stets passend zum Inhalt der Sonaten bleiben, will ich auch nicht ankreiden. Aber etwas hektisch wirkt die Einspielung schon: da wird Eleganz zugunsten von Kraft geopfert, Sinnenfreude wird ersetzt durch Virilität.

      Damals müssen die gesetzten Klassikhörer tatsächlich einen ganz schönen Schock bekommen haben, denn selbst Standage/Pinnock (1982) wirkt gegen Kennedy wie ein aufgeweckter Lausebub gegen einen passionierten Punker. Ich bin dank Midori Seiler und Gottfried von der Goltz ganz gut an diese extremen Sichtweisen gewöhnt, muß aber gestehen, daß ich Nigel Kennedy recht imposant damit finde: er hat diese Lesart fabelhaft auf die traditionelle Aufführungspraxis übertragen, was bis dato keinem gelang. Diese Wucht ist es auch, die die Einspielung immer noch gut funktionieren läßt, aber inzwischen bekommt man das ein bißchen eleganter hin.

      Klanglich ist das Orchester ganz gut eingefangen, recht geschlossen, doch manchmal geht ein bißchen die Detailgenauigkeit im Tutti unter. Aber bei dieser Lesart ist das verschmerzbar, denn bei den Sex Pistols kräht auch niemand nach perfekter Tonqualiät, gelle? :jaja1:

      Fazit: stramme Lesart in guter Klangqualität, die wenig von ihrem "Impact" verloren hat. Yo... :thumbup: :thumbup: :thumbup: :thumbup: :thumbup: :thumbup:
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      Jean Paul
    • Beeindruckender Ritt durch die Interpretationen eines nicht "totzukriegenden" Zyklus.
      Mir war neulich aufgefallen, dass Gunar Letzbor und seine Ars Antiqua Austria "fremdgegangen" sind und ebenfalls eine Aufnahme der Quattro Stagioni vorgelegt haben:
      <>
      Ich habe sie aber noch nicht erworben bzw. ich habe noch nichts davon gehört.

      Dankeschön!

      Beste Grüße, :wink: Kermit
      Es ist vielfach leichter, eine Stecknadel in einem Heuhaufen zu finden, als einen Heuhaufen in einer Stecknadel.
    • Kermit schrieb:

      Beeindruckender Ritt durch die Interpretationen eines nicht "totzukriegenden" Zyklus.
      :jaja1:

      Und du wirst es nicht glauben, aber ich habe gestern an dich gedacht... :D
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    • Quak!

      Von den vier Jahreszeiten habe ich nur recht wenige Aufnahmen, kein Vergleich zu Händels Concerti grossi op. 6 oder gar Bibers Rosenkranzsonaten.
      Aber was ich gelesen habe, hat mich neugierig gemacht: Du hast gezeigt, dass Pauschalisierungen in der Tat nicht weiterhelfen. 3 × I Musici ist eben dreimal unterschiedlich.

      LG, Kermit :wink:
      Es ist vielfach leichter, eine Stecknadel in einem Heuhaufen zu finden, als einen Heuhaufen in einer Stecknadel.
    • Kermit schrieb:

      Aber was ich gelesen habe, hat mich neugierig gemacht: Du hast gezeigt, dass Pauschalisierungen in der Tat nicht weiterhelfen. 3 × I Musici ist eben dreimal unterschiedlich.
      Genau. Jede Aufnahme hat so ihre Eigenarten, auch wenn der Rahmen in etwa gleich gesteckt ist... :jaja1:
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    • Kermit schrieb:

      Beeindruckender Ritt durch die Interpretationen eines nicht "totzukriegenden" Zyklus.
      Da schließe ich mich an! In der Tat sehr beeindruckend!

      Ob der geschätzte Josquin Dufay auch noch so etwas wie eine Shortlist postet? Weniger im Sinne von "Best of four seasons" als vielleicht im Sinne von "So groß ist das Spektrum, und hier sind einige in sich stimmige, hervorragende Aufnahmen"?

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" (Paul Watzlawick)
    • Mauerblümchen schrieb:

      Ob der geschätzte Josquin Dufay auch noch so etwas wie eine Shortlist postet? Weniger im Sinne von "Best of four seasons" als vielleicht im Sinne von "So groß ist das Spektrum, und hier sind einige in sich stimmige, hervorragende Aufnahmen"?
      Och ja, ließe sich machen. Ich habe nunmehr zwanzig Aufnahmen zur Hand, aber noch nicht alle gehört. Da steht noch ein halbes Dutzend aus.
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    • Zur selben Zeit wie Kennedy entstand diese Einspielung:



      (P) 1988 Philips 422 065-1 [42:24]
      rec. September 1987 (Neapel) live auf dem 5. Cremona-Festival

      Salvatore Accardo (Violine)
      I Solisti delle Settimane Musicali Internazionali di Napoli


      Live aufgezeichnet, spielt Accardo jedes Konzert auf einer anderen Stradivari-Violine (siehe Discogs). Hier hört man jene traditionelle, moderat ausgerichtete Interpretaion, die I Musici bereits weltberühmt gemacht hatte (Accardo hatte in den 1970er Jahren bei ihnen die erste Violine inne). Man muß aber auch sagen, daß Accardo und seine Mitstreiter eine formidable Interpretation abliefern, die in den schnellen Sätzen recht straff und in den Solo-/Tuttistellen sehr gesanglich agieren. Nr. 3/I ist sehr schwungvoll und austariert, Nr. 2/III hat ein brachiales Tempo, ohne jedoch in eine hektische Spielweise zu verfallen, die Binnensätze insgesamt kosten die leise Zartheit der Konzerte wohltuend aus. Verpackt in einem wirklich transparenten, direkten und dennoch geschlossenen Gesamtklang zeigt sich Philips auch klanglich von der besten Seite. Sehr, sehr gut... :thumbsup:
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    • Kater Murr schrieb:

      Wenn man die Hunde bellen (Frühling, 2. Satz), die Betrunkenen schwanken und die Kälte klirren hören will, empfehle ich Harnoncourts Aufnahme. Ich habe gerade in die Hörbeispiele von Pinnocks reingehört, das ist pieksauber und sehr hübsch, aber ich höre dort nichts von alledem. Harnoncourt oder evtl. Giardino Armonico (letztere habe ich aber ewig nicht gehört) können dagegen in einigen Sätzen noch immer beinahe schockierend wirken. Am meisten vielleicht im (hier nicht so) langsamen Satz des "Winter", dessen Begleitung wahlweise Spinnradgeräusche oder Regentropfen gegens Fenster darstellen soll.


      Weiß jemand, ob es von dieser Besetzung auch irgendwo Op. 8, Nr. 7 - 12 zu hören gibt? :wink:




    • Liv Migdal, Violine
      Kammerorchester Berlin

      Eine moderne, von HIP inspirierte Aufnahme. Liv Migdal geht die Konzerte mit Temperament und Leidenschaft an und das Orchester folgt ihr dabei willig.Die Konzerte sind dieses mal nicht gemischt, auf die vier von Vivaldi folgen die vier Konzertstücke Piazzollas.

      Spartacus
      Für Monika
    • Die höre ich gerade:
      :picoops:
      Bitte nur Cover von unseren Partnerseiten einstellen. Danke. Lionel - Für die Moderation -


      habe auch die originale Divox- CD, die Brilliant- Box ebenso.
      Mal wieder ein Fall, bei dem die LP überflüssig ist. Bei aller Sorgfalt: es ist eine Digitalaufnahme und somit hat die analoge Wiedergabe nur Nachteile.

      Erstaunlich allerdings finde ich, dass die originale Divox- CD anders klingt als die Brilliant- Ausgabe, nämlich großzügiger, räumlich gestaffelter und "runder".

      Insgesamt aber eine wirklich gelungene Aufnahme, bei der irgendwie alles stimmt, nichts übertrieben ist oder, andererseits, unterbelichtet.
      Hat Carmignola später bei Sony mit Marcon so überzeugend so nicht wieder hinbekommen, finde ich.

      Für mich gibt es eigentlich nur einen Gegenentwurf, der ebenso überzeugend ist und das ist die erste Aufnahme Biondis für opus 111:


      Bei seiner zweiten Aufnahme für Virgin "denkt" er schon zuviel und die Spontanität der ersten Aufnahme ging verloren.

      Herzliche Grüße,
      Mike
      "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire
    • Neu



      (P) 1976 Supraphon 410 2028 [41:43]
      rec. 13.-16. April 1975 (Dvorak-Halle, Haus der Künstler, Prag)

      Josef Suk (Violine)
      Prague Chamber Orchestra
      D: Libor Hlavácek

      Daß die Tschechen auch Vivaldi spielen können, das lasse ich mal als Binsenweisheit stehen ( :P ); Josef Suk spielt nicht minder präzise und beseelt wie Accardo oder Ayo, wenn mir auch sein Ausdruck ein wenig nüchterner vorkommt. Aber das Kammerorchester hat jenen glatten, vollen, gefälligen Klang, den die Orchester des Ostblocks in der Zeit gerne besaßen, und ihr Spiel ist unprätentiös, technisch versiert, aber eben auch sehr schmucklos und unbeweglich. Es sitzt zwar jede Note, jede Phrase ist präzise und klar artikuliert - doch irgendwie bleibt der Ausdruck sehr schematisch und etwas leblos. Es gibt keine eigene Handschrift, keine Ecken und Kanten, keinen Mißklang... :/

      Die Klangqualität äußert sich in einer Analogqualität, die eine gute Stereobühne und klare Details aufweist, aber im Frequenzraum etwas lasch wirkt: ein magerer Baß, gute Mitten und solide Höhen paaren sich mit einer wenig dynamischen Tiefe. Für die 1970er Jahre klingt das schon etwas matt, wenn man dazu die DG oder Columbia als Vergleich heranzieht.

      Fazit: eine grundsolide Interpretation in durchschnittlicher Klangqualität. Nett... :|
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