Was ist, was soll, was darf Opernregie? Und was nicht?

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  • RE: Der Amsel nach unten offene Kunstskala

    Le Merle Bleu schrieb:

    Bei einer Armide von Gluck hätte ich maximal mit 4 gerechnet, aber Bieito hat ein besseres Gespür als ich, welche Opern den 5er-Ansatz vertragen.

    Die ganze Chose geht in die Luft, wenn der Zuschauer 1 oder 2 erwartet und 5 bekommt :cursing: . Wer 5 erwartet und 1 bekommt wird hingegen einfach selig einschlafen :sleeping:


    So: Freiwilige vor! In welche Schublade gehört Ihr? :wink:
    Michel


    Lieber Michel,
    sagen nicht viele bei Deinem Test: Wieso Schublade... ich gehöre und passe in keine. Und wenn es sein muss, dann wenigstens in die mit Champagner oder aber in die ganz intellektuelle Schublade Nr. 5 :whistling: Das macht sich doch immer gut ;)
    Und nun zu der "geliebten" Armide von Gluck. Durch die gute Vorbereitung und die Begeisterungsschübe von Peter B. hätte ich sicher auch 4 oder 5 erwartet und in München/Reaktorhalle war es voll die 5 und tatsächlich auch von der Regiearbeit so gut, dass ich noch immer diese Spannung abrufen kann, was ja wirklich höchst selten passiert. Damals trank ich Sekt in der Pause, obwohl die Diskussion heftig war und in Berlin? Nur Wasser und Lust zum Reden hatte ich so gut wie überhaupt nicht. Die Enttäuschung hatte mich total schläfrig gemacht. In welche Schublade müßt ich nun? Trotzdem vielen Dank für diese Veranschaulichung. Werde wahrscheinlich bei den nächsten Vorstellungen (Lohengrin und Werther (ohne RV) ) intensiver über die Schubladen und mein jeweiliges Trinkverhalten oder die Gelüste nachdenken.

    Gute Nacht
    Ingrid

  • Was mich nun, um auf die inhaltliche Ebene zurückzukehren, wirklich erstaunt, ist einerseits Deine Fixierung auf die Frage nach der zeitlich-räumlichen Verankerung der Oper (Regie besteht übrigens aus mehr... ;) ), bei der Du Dir Verlegungen und Verschiebungen verbietest, andererseits aber Deine Bereitschaft, Abstraktion u. U. zu akzeptieren. Ein Werk aus einer im Libretto angegebenen Zeit in das abstrakte Niemandsland zu verschieben, könntest Du also wohl ggf. akzeptieren, aber den doch wohl logischen nächsten Schritt, die Überzeitlichkeit durch die Verlegung aus dem zeitlichen Äther in eine konkrete andere Zeit, verteufelst Du.

    Lieber Symbol, die Abstraktion akzeptiere, ja schätze ich deshalb, weil sie meiner eigenen Vorstellungskraft einen unbegrenzten Raum bietet. Die Verlegung in eine konkrete andere Zeit tut dies (in aller Regel, Ausnahmen mag es geben) in vielen Fällen nicht. Durch sie und die mit ihr verbundenen Assoziationen fühle ich mich - ich weiß, ich schwinge schon wieder die begriffliche Keule - vielfach regelrecht vergewaltigt. Häufig auf eine durchaus brutale Art und Weise - ich bringe als Beispiel mal nicht eine Opernaufführung, sondern eine Inszenierung von Schillers "Maria Stuart" in der Aachener Provinz. Da wurde man zwischenzeitzlich immer wieder mit schriller Musik beschallt, deren Lautstärke eigentlich schon jenseits der Schmerzgrenze lag. Konsequenterweise hielten sich die meisten Besucher dann auch die Ohren zu. Das auf der Bühne stehend Klosett, in das abwechselnd mal der eine, mal der andere Protagonist getaucht wurde, hat dann endgültig zu meinem Abgang in der Pause (der Fraktion der Buhschreier gehöre ich nicht an) geführt. Du und andere können mich gerne für hoffnungslos konservativ ( oder meinetwegen *reaktionär* halten), aber wenn da ständig jemand ins Klo getunkt wird, ist das für meinen Geschmack a) einfach widerlich und hat b) mit Schillers "Maria Stuart" nicht viel zu tun, zumal auch sonst keine konzeptionelle Einbindung der Vorgänge um die Toilettenschüssel in den Rest der für ein schlichtes Gemüt wie meines ebenfalls hoffnungslos undurchschaubaren Aktionen auf der Bühne zu erkennen war.

    Ich kann aber verstehen, daß ein versierter Opernfreund diese ewigen Diskussionen "altmodisch vs. modern" irgendwann über hat und ablehnt
    Ich bin wohl kein "versierter Opernfreund", aber in der Tat wirken "diese ewigen Diskussionen" auch auf mich inzwischen immer wieder eher zermürbend. Offenbar existieren da hinsichtlich der persönlichen Empfindung Gräben, die unüberwindbar sind und dann leider auch in der Folge zu eigentlich unnötigen persönlichen Ressentiments führen...deshalb tut es mir leid, daß ich mich gestern zu später Stunde wieder einmal hinreißen ließ!


    Viele Grüße


    a.d.
  • RE: RE: Der Amsel nach unten offene Kunstskala

    Ingrid schrieb:



    Lieber Michel,
    sagen nicht viele bei Deinem Test: Wieso Schublade... ich gehöre und passe in keine. Und wenn es sein muss, dann wenigstens in die mit Champagner oder aber in die ganz intellektuelle Schublade Nr. 5 :whistling: Das macht sich doch immer gut ;)


    Liebe Ingrid,

    klar, Champagner ist immer gut :D


    Und nun zu der "geliebten" Armide von Gluck. Durch die gute Vorbereitung und die Begeisterungsschübe von Peter B. hätte ich sicher auch 4 oder 5 erwartet und in München/Reaktorhalle war es voll die 5 und tatsächlich auch von der Regiearbeit so gut, dass ich noch immer diese Spannung abrufen kann, was ja wirklich höchst selten passiert. Damals trank ich Sekt in der Pause, obwohl die Diskussion heftig war und in Berlin? Nur Wasser und Lust zum Reden hatte ich so gut wie überhaupt nicht. Die Enttäuschung hatte mich total schläfrig gemacht. In welche Schublade müßt ich nun? Trotzdem vielen Dank für diese Veranschaulichung. Werde wahrscheinlich bei den nächsten Vorstellungen (Lohengrin und Werther (ohne RV) ) intensiver über die Schubladen und mein jeweiliges Trinkverhalten oder die Gelüste nachdenken.

    Gute Nacht
    Ingrid


    Wenn ich Michel richtig verstehe, sagt das zunächst mal nichts anderes, als dass die Armida in Berlin auf Dich ganz anders gewirkt hat, als auf uns. Warum und wieso müsste dann konkret in einer Diskussion über diese Inszenierung versuchen zu klären, soweit das überhaupt geht.... (PS: welche Armida in der Reaktorhalle meinst Du?)

    Aber wahrscheinlich hat es auch für Dich Aufführungen gegeben, die Du in 4 oder 5 einordnen würdest? Die Frage ist, sucht man so etwas überhaupt? Will man das haben, oder ist das nicht viel zu unbequem?

    Diese Frage geht aus meiner Sicht übrigens weit über die Frage nach "Was kann und darf Opernregie" hinaus und man könnte es erweitern auf: "Warum tue ich mir ein Stück wie Wozzeck oder die Winterreise" überhaupt an? Bei beiden Stücken habe ich schon wegen der Musik keine Lust mehr auf Champagner. Bin ich masochistisch, weil ich mir diese Stücke immer wieder anhöre bzw. anschaue?

    Im Bezug auf Opernregie kommt vielleicht noch die Frage hinzu: Will ich das auch bei Stücken, die vielleicht an sich nicht zwingend diese Wirkung haben (La Traviata, oder Armide)? Traut man so eine Wirkung überhaupt allen Stücken zu (z.B. Zar und Zimmermann)?

    Es ist spät und meine Gedanken sind vermutlich mal wieder etwas wirr.... Vielleicht morgen mehr.

    Viele Grüße,
    Melanie

    PS: In welcher Aufführung bist du denn? Wir haben Karten für den 12.07.
    With music I know happiness (Kurtág)
  • RE: RE: RE: Der Amsel nach unten offene Kunstskala

    mela schrieb:

    [ "Warum tue ich mir ein Stück wie Wozzeck oder die Winterreise" überhaupt an? Bei beiden Stücken habe ich schon wegen der Musik keine Lust mehr auf Champagner. Bin ich masochistisch, weil ich mir diese Stücke immer wieder anhöre bzw. anschaue?

    Es ist spät und meine Gedanken sind vermutlich mal wieder etwas wirr.... Vielleicht morgen mehr.

    Viele Grüße,
    Melanie

    PS: In welcher Aufführung bist du denn? Wir haben Karten für den 12.07.


    Liebe Melanie,

    war wohl gestern auch schon zu müde, um den Sinn so zu erfassen, wie Du und sicher auch Michel es gemeint haben.
    Bei Wozzeck hatte ich wirklich Angst vor der "5", um bei diesem Bild zu bleiben, war auch erst in der 2. Serie dabei oder ich sträubte mich beinahe mit Händen und Füßen in Billy Budd zu gehen, aber in so einen Strudel der Gefühle zu kommen, ist einfach unbeschreiblich und man ist wirklich suchtgefährdet, das immer wieder zu erleben.

    Natürlich erwartete ich bei Armida ähnliches, da eben schon erlebnisbehaftet und dann noch die Regie von Bieito, obwohl man durch die Ankündungen (Fotos) noch im Unklaren gelassen wurde. Ich hatte ja genug von seiner Entführung an der KOB gelesen und erzählt bekommen, war deshalb wirklich sehr gespannt auf dieses Gesamtkunstwerk. Vor der Vorstellung kam ich ins Gespräch mit einigen, die die GP schon gesehen hatten, aber nichts verrieten, nur lauschten, mit welcher Begeisterung ich von München erzählte und sie dann unbedingt später meine Meinung hören wollten. Es war bei mir aber wirklich so, dass ich mich nicht einmal empören konnte, da durch die Enttäuschung wie gelähmt. Hätte ich einige der Capricciosis getroffen, wäre ich vielleicht gleich auf Dinge gestoßen worden, die meine Sicht der Dinge erweitert hätten (ich empfand nur eine Reduktion auf z.T. brutalen Sex). Rideamus hat mir da auch durch seine Rezensionen, die hoffentlich nicht verloren gegangen sind und die wir evtl. noch einmal hier reinsetzen können, einiges klarer werden lassen.

    Bleibe aber trotzdem dabei, dass ich für diese Oper sicher nicht noch einmal nach Berlin fliegen würde. Für die tolle Inszenierung z.B. des Figaros oder der Jenufa aber durchaus.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    wünscht Euch
    Ingrid

    PS. Versuche, am 5. auf Luftmatratze den Lohengrin zu sehen, da aber am Tag vorher Hochzeit der Nichte ist, könnte es schwierig werden (Störung durch zu lautes Schnarchen ;) ). Eine reguläre Karte habe ich für den 19.7.
  • arundo donax schrieb:

    die Abstraktion akzeptiere, ja schätze ich deshalb, weil sie meiner eigenen Vorstellungskraft einen unbegrenzten Raum bietet. Die Verlegung in eine konkrete andere Zeit tut dies (in aller Regel, Ausnahmen mag es geben) in vielen Fällen nicht.
    Einen "unbegrenzten Raum" für Deine Vorstellungskraft bekommst Du nur, wenn Du zu Hause bleibst und die Aufführung allein in Deinem Kopf stattfinden lässt, denn jede reale Aufführung begrenzt bzw. lenkt natürlich die Vorstellungskraft. Allerdings solltest Du dann vielleicht besser so konsequent sein, auch auf jegliche Lektüre zu verzichten, denn die schränkt ja Deine Vorstellungskraft noch viel elementarer ein. Also: Am besten nicht mehr lesen und nicht mehr ins Theater gehen, dann bist Du endlich vor der Gefahr sicher, dort Überraschungen zu erleben.
    Viele Grüße,

    Christian
    Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
    Oscar Wilde
  • Symbol schrieb:

    Lieber Michel,

    ich finde diese Klassifikation überaus interessant - man könnte sie vielleicht auch die Amsel-Bieito-Skala taufen. :P

    Ich würde mich weigern, mich kategorisch auf einen Bereich der Skala festnageln zu lassen. Je nach Werk, Kontext und Gemütslage mag vieles möglich sein. Bedenklich finde ich erst, wenn man Kunst auf den Bereich 1 bis maximal 2 beschränkt und alles andere als linke Zersetzungsversuche definiert. Das hat hier m. E. zwar niemand getan, aber es soll da ja gewisse Örtlichkeiten im Internet geben... :whistling: :D

    LG :wink:
    Nicht Amsel-Bieito-Skala... Das klingt ja so, wäre Bieito das Maß aller Dinge. So eng war das nicht gemeint: Andere schaffen es durchaus mit ganz anderen Mitteln nicht weniger intensive Aufführungen auf die Beine zu stellen. Chéreau z.B. :juhu:

    Und festnageln lassen muss sich keiner: Ich bin auch in allen Bereichen unterwegs, wie Du auch von Dir sagst. Arm dran sind die, die dazu nicht in der Lage sind und ganze Bereich aus welchen Gründen auch immer grundsätzlich ausklammern.

    Mir ist mittlerweile auch eine bessere Metapher als die Schublade eingefallen, dazu gleich mehr, wenn ich mich sortiert habe. :stern:

    Michel
    Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
  • RE: RE: Der Amsel nach unten offene Kunstskala

    Ingrid schrieb:

    Le Merle Bleu schrieb:

    Bei einer Armide von Gluck hätte ich maximal mit 4 gerechnet, aber Bieito hat ein besseres Gespür als ich, welche Opern den 5er-Ansatz vertragen.

    Die ganze Chose geht in die Luft, wenn der Zuschauer 1 oder 2 erwartet und 5 bekommt :cursing: . Wer 5 erwartet und 1 bekommt wird hingegen einfach selig einschlafen :sleeping:


    So: Freiwilige vor! In welche Schublade gehört Ihr? :wink:
    Michel


    Lieber Michel,
    sagen nicht viele bei Deinem Test: Wieso Schublade... ich gehöre und passe in keine. Und wenn es sein muss, dann wenigstens in die mit Champagner oder aber in die ganz intellektuelle Schublade Nr. 5 :whistling: Das macht sich doch immer gut ;)
    Und nun zu der "geliebten" Armide von Gluck. Durch die gute Vorbereitung und die Begeisterungsschübe von Peter B. hätte ich sicher auch 4 oder 5 erwartet und in München/Reaktorhalle war es voll die 5 und tatsächlich auch von der Regiearbeit so gut, dass ich noch immer diese Spannung abrufen kann, was ja wirklich höchst selten passiert. Damals trank ich Sekt in der Pause, obwohl die Diskussion heftig war und in Berlin? Nur Wasser und Lust zum Reden hatte ich so gut wie überhaupt nicht. Die Enttäuschung hatte mich total schläfrig gemacht. In welche Schublade müßt ich nun? Trotzdem vielen Dank für diese Veranschaulichung. Werde wahrscheinlich bei den nächsten Vorstellungen (Lohengrin und Werther (ohne RV) ) intensiver über die Schubladen und mein jeweiliges Trinkverhalten oder die Gelüste nachdenken.

    Gute Nacht
    Ingrid
    Liebe Ingrid

    Das mit der Schublade war nicht so ernst gemeint (und ein bißchen doof :schaem: ). Ich habe ja auch von mir gesagt, dass ich munter von einer Schublade in die andere Springe, wenn mir danach ist. Die ganz Intellektuellen sitzen übrigens nicht in Schublade 5 - die Sorte, die den Intellekt als Panzer benutzt, um die Dinge nicht wirklich an sich ran zu lassen, die findest Du eher in Schublade 3 ;) . Aber wie gesagt: Das mit den Schubladen war ein dummes Bild, ich denk mir was anderes aus...

    Und die Armide scheint Dir ja keine Ruhe zu lassen :D . Du könntest das Ding ja einfach abhaken: Gesehen, nicht gefallen, weg damit. Irgendwie blieb aber ein Stachel zurück, der Dir keine Ruhe lässt. Das ist doch auch schon mal was. Mein Vater sagt immer: Besser einen schlechten Charakter haben, als gar keinen :thumbup: . Übertragen: Besser eine Inszenierung, die einem absolut nicht gefällt, aber nicht los läßt, als eine, die "nett" und nach 15 Minuten schon wieder vergessen ist.

    Bis später
    Michel :wink:
    Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
  • Bieitos ARMIDE

    Ingrid schrieb:


    Natürlich erwartete ich bei Armida ähnliches, da eben schon erlebnisbehaftet und dann noch die Regie von Bieito, obwohl man durch die Ankündungen (Fotos) noch im Unklaren gelassen wurde. Ich hatte ja genug von seiner Entführung an der KOB gelesen und erzählt bekommen, war deshalb wirklich sehr gespannt auf dieses Gesamtkunstwerk. Vor der Vorstellung kam ich ins Gespräch mit einigen, die die GP schon gesehen hatten, aber nichts verrieten, nur lauschten, mit welcher Begeisterung ich von München erzählte und sie dann unbedingt später meine Meinung hören wollten. Es war bei mir aber wirklich so, dass ich mich nicht einmal empören konnte, da durch die Enttäuschung wie gelähmt. Hätte ich einige der Capricciosis getroffen, wäre ich vielleicht gleich auf Dinge gestoßen worden, die meine Sicht der Dinge erweitert hätten (ich empfand nur eine Reduktion auf z.T. brutalen Sex). Rideamus hat mir da auch durch seine Rezensionen, die hoffentlich nicht verloren gegangen sind und die wir evtl. noch einmal hier reinsetzen können, einiges klarer werden lassen.
    Liebe Ingrid,

    den Gefallen habe ich Dir gerne getan. Die entsprechenden Texte sind jetzt auch hier zu lesen: Calixto Bieito und der Skandal in der Oper.

    Wenn jemand die Diskussion um diese Inszenierung aufgreifen und forsetzen möchte, mache ich gerne einen eigenen Thread daraus.

    :wink: Rideamus
    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
  • Schade, dass der Thread "Regietheater" - Was ist das eigentlich? geschlossen worden ist. Also von der einen Bekannten habe ich zumindest die Annahme gelesen, dass das Regietheater im 20.Jh. aufgekommen sein soll, weil die Theaterlandschaft über so viele Bühnen verfügte und diese sich wohl gegeneinander abheben wollten. Wenn es wirklich einen quantitativen Unterschied zwischen Deutschland und anderen europäischen Staaten gäbe, wäre das vielleicht eine einleuchtende Erklärung.

    Interessant wäre für mich aber, welche Theater zuerst Regietheater ins Programm nahmen. Kann man da von dem Heute auf das Gestern schließen? Bei uns in Freiburg spielen die kleineren Bühnen, die scheinbar auf Zuschauer angewiesen sind, eher kein Regietheater. War das damals auch schon so?
  • Lieber Ramist,

    der Regietheater-Thread wurde geschlossen, weil dieses Wort als Kampfbegriff verstanden werden kann, dem zudem eine greifbare Definition abgeht. Wenn Du den Begriff jetzt wieder einführen willst, solltest Du sagen, was Du darunter verstehst.

    Die These, dass Regietheater - was immer man darunter verstehen will - (auch) ein Ergebnis des Wettbewerbs der Bühnen ist, leuchtet ein, denn in der Tat hat der Deutschland mehr Opernbühnen als irgendein anderes Land (soweit ich weiß).

    Vielleicht liegt es auch daran, dass man in Österreich nicht so oft darauf zu stoßen scheint? :D

    :wink: Rideamus
    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
  • Ramist schrieb:

    Schade, dass der Thread "Regietheater" - Was ist das eigentlich? geschlossen worden ist. Also von der einen Bekannten habe ich zumindest die Annahme gelesen, dass das Regietheater im 20.Jh. aufgekommen sein soll, weil die Theaterlandschaft über so viele Bühnen verfügte und diese sich wohl gegeneinander abheben wollten. Wenn es wirklich einen quantitativen Unterschied zwischen Deutschland und anderen europäischen Staaten gäbe, wäre das vielleicht eine einleuchtende Erklärung.

    Interessant wäre für mich aber, welche Theater zuerst Regietheater ins Programm nahmen. Kann man da von dem Heute auf das Gestern schließen? Bei uns in Freiburg spielen die kleineren Bühnen, die scheinbar auf Zuschauer angewiesen sind, eher kein Regietheater. War das damals auch schon so?
    Kieber Ramist,
    diese Einschätzung wundert mich aber jetzt, denn ich habe Freunde, die just aus dem Grund oft nach Freiburg in die Oper fahren, weil man dort so moderne und interessante Inszenierungen zu sehen bekommt, unter anderem auch von Bieito. Oder meinst du jetzt die Sprechtheater? (Denn dass Freiburg über mehrere Opern verfügt, nehme ich doch eher nicht an.) Bei uns in Wien ist es so, dass gerade die Kleinbühnen (egal, ob Kammeroper, Odeon oder eben diverse Kellertheater) auf unkonventionelle Inszenierungen setzen, denn mit "großen Namen" können die ihr Publikum nicht anlocken. Wenn sich aber herumspricht, dass man dort spannende Aufführungen zu sehen bekommt, gehen die Leute hin, auch wenn kein Kammerschauspieler am Bestzungszettel steht.
    lg Severina :wink:
    "Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)
  • Rideamus schrieb:

    Lieber Ramist,

    der Regietheater-Thread wurde geschlossen, weil dieses Wort als Kampfbegriff verstanden werden kann, dem zudem eine greifbare Definition abgeht. Wenn Du den Begriff jetzt wieder einführen willst, solltest Du sagen, was Du darunter verstehst.

    Die These, dass Regietheater - was immer man darunter verstehen will - (auch) ein Ergebnis des Wettbewerbs der Bühnen ist, leuchtet ein, denn in der Tat hat der Deutschland mehr Opernbühnen als irgendein anderes Land (soweit ich weiß).

    Vielleicht liegt es auch daran, dass man in Österreich nicht so oft darauf zu stoßen scheint? :D

    :wink: Rideamus
    Lieber Rideamus,
    das ist sicher ein wichtiger Punkt, bei uns stehen die wenigen Opernhäuser nicht so sehr unter dem Druck, sich deutlich voneinander abzugrenzen. Bei den Sprechbühnen sieht es z.B. ganz anders aus, da dominiert auch bei uns das so genannte "Regietheater".
    Allerdings setzen beim Thema Oper viele Österreich mit Wien und hier mit der WSO gleich. Die ist aber ein Sonderfall, wenn du nach Graz, Linz oder Innsbruck schaust, nehmen dort die Inszenierungen schon wieder einen ganz anderen Stellenwert ein. (Ich fürchte nur, dass deutschen Medien diese "tiefste Ösi-Provinz" keine Reportage wert ist, obwohl das künstlerisch oft lohnender wäre als die Hofberichterstattung aus der Metropole :wacko: )
    Was die WSO betrifft, so hat die sich seit jeher dem Starprinzip verschrieben. Noch heute ist es so, dass die Wiener - und da nehme ich mich gar nicht aus - in erster Linie auf die Besetzung schauen, dann auf den Dirigenten und ein kleiner Teil noch auf das Regieteam. Ich gestehe, dass ich selbst vor fünfzehn Jahren auf die Frage nach dem Regisseur in vielen Fällen hätte passen müssen - das war mir einfach nicht so wichtig :schaem: , solange ein tolles Ensemble auf der Bühne stand. Erst als Holender in den ersten Jahren seiner Intendanz mit dem Starprinzip brechen wollte - und kläglich scheiterte - und plötzlich der Großteil meiner Lieblinge nicht mehr an der WSO auftrat, rückte die Inszenierung mehr in den Fokus meines Interesses. Eigentlich merkwürdig, denn am Sprechtheater war der Regisseur von Anfang an extrem wichtig für mich. Aber das ist jetzt OT, zurück zur Ausgangsfrage, warum die WSO immer noch mit einer 60 Jahre alten Tosca die Bude voll kriegt: Das liegt eben einerseits am schon erwähnten Starprinzip und andererseits am Umstand, dass die Staatsoper ein Wiener Markenzeichen ist, ähnlich wie die Sängerknaben und die Lippizzaner. Für viele Touristen gehört ein Besuch der WSO genauso zum Pflichtprogramm wie der Heurige in Grinzing, praktischerweise kann beides gleich im Doppelpack gebucht werde. Das führt dann in den beliebten Reisemonaten Mai und Juli oft dazu, dass die verblüfften Sänger beim zweiten Vorhang schon vor einem halb leeren Haus stehen, weil alle Touris bereits zu den Bussen strömen, die sie umgehend zu Schrammelmusik und Weinverkostung weiterbefördern.
    Eine "Zauberflöte" im Juni wäre auch ausverkauft, wenn ich die Königin der Nacht sänge :mlol: Fazit: Man kann an der WSO beim Regisseur ruhig sparen, denn die Leute kommen wegen der Sänger, nicht wegen der Inszenierung. Daher ist im Moment für mich das Theater an der Wien viel spannender als das Haus am Ring, obwohl ich fürchte, dass man sich an einen Bieito auch dort nicht heranwagt.
    lg Severina :wink:
    "Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)
  • Es spricht für die Sachkompetenz dieses Forums, dass hier noch wenig Worte gemacht wurden um eine Rede, bei der andere zum Kochen kommen. Daniel Kehlmann hat die Gelegenheit der Eröffnung der Salzburger Festspiele benutzt, um das "Regietheater" für vieles Schlimme, letzen Endes auch für die Demenz seines Vaters verantwortlich zu machen. Solche privaten Deutungen von Krankheiten prominenter Väter durch ihre Söhne scheint wohl im Moment in Mode zu sein, kann aber doch das peinliche Gefühl nicht vermeiden, dass hier ein unappetitliches Gequirle von Eigeninteresse, unverdauter Biografie und Stammtischgerede vorgesetzt wird.

    Auch wenn sich der Jubel in den einschlägigen Kreisen, die mal ein Zeichen aus der wirklichen Welt vorzuweisen glauben, vor allem in die Richtung Opernregie bewegt, gemeint war bei dem Rundumschlag vor allem das Sprechtheater. Die Rede findet sich "http://oe1.orf.at/highlights/141206.html" hier.

    Liebe Grüße Peter
    .
    Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
    (Hermann Bahr)
  • Ja, ich habe es heute morgen auch beim Frühstück in der Zeitung gelesen (Die FAZ titelt damit auf der ersten Seite des Feuilletons) , und war etwas überrascht, welch merkwürdiges Gemisch aus privater Trauerarbeit und ästhetischen Überzeugungen Kehlmann da zusammengebraut hat. Befremden tut mich die Unterstellung, das Regietheater treibe, indem es durch sein Wirken den interessierten Menschen den Theaterbesuch unmöglich mache, dieselben in die Fänge der "intelligentesten amerikanischen [Fernseh]Serien". Das ist eine reizvolle Umdeutung einer viel gängigeren Sichtweise, dass es nämlich die gefälligen Massenmedien sind, welche die Leute vom komplizierteren Denken und somit vom Theater fernhalten. Ursache und Wirkung werden hier umgedeutet, nur fehlt mir freilich mindestens ein Indiz, warum dem so sein sollte ?
    Immerhin macht er offenbar als Ursache allen Übels nicht eine mafiöse Struktur, sondern "eine kleine Gruppe folgsamer Pilger" aus und verweist als Zeugen auf naive Wortmeldungen aus dem übrigen Europa. Peinlich allerdings die Bezugnahme auf den Spiegelartikel von Lottmann und die damit ausgelöste Empörungswelle. Wenn jetzt also sein Artikel einhellige Zustimmung fände, würde das diesen dann entwerten ?

    Ganz ehrlich: Diese Rede ist eine Montage aus einigen entliehenen klangvollen Worten, die aber leider substanziell absolut nichts zur Diskussion beiträgt. Hingegen zieht sie sich, wie wohl auch Peter andeutet, recht ärmlich hinter ein Schutzschild der persönlichen Betroffenheit zurück, was Widerspruch natürlich erschweren kann (ich unterstelle Ihm hier keine Absicht). Da ist schon wesentlich gewichtigeres gegen das Regietheater vorgebracht worden und hat die Diskussion bereichert,
    Das nun gerade dieser Artikel andernorts bejubelt wird, liegt wohl daran, dass er nichts enthält, mit dem man sich auseinandersetzen muß. Man kann nur Nicken - oder den Kopf schütteln.

    :wink: aus Bärlin
    Sascha

    "You realize that it’s not necessary to own 50 Beethoven cycles, 46 of which you never play, when you can be just as happy with 20 of them, 16 of which you never play.
    "
    , David Hurwitz
  • Ich habe den Artikel gerade gelesen und verstehe nciht richtig, worauf Kehlmann nun hinaus will.das Wort Oper lese ich da z.B. überhaupt nicht udn es wird kiene einzige konkrete Operninszeinirung genannt bzw Schwächen, die es da zu verbessern gäbe.

    Darf man diese Rede überhaupt so ohne Weiteres auf die Opernregie beziehen? ?(

    Immerhin besteht zwischen Sprechtheater und Oper ein gewaltiger Unterschied!

    Versteht der Autor etwas von Opernregie?



    Was die biographischen Bezüge angeht, scheint mir das in seiner Ausführlichkeit etwas larmoyant- aber als Romanautor kann man sich adnere Dinge leisten als ein Berufskritiker.

    Dass er die Schuld für die Demenzkrankheit seines Vater dem Regietheater gibt, erkenne ich jedoch nicht. Diese Demenz beschreibt er eher als einen Trost angesichts der traurigen Wirklichkeit.

    Was mich an dem Artikel am meisten stört, ist aber die totale Undifferenziertheit und das Fehlen jeglicher konkreter Argumente und Sachzusammenhänge. Er hätte genausogut einfach; Regietheater?- "Kotzmännchen" hinschreiben kônnen. An der inhaltlichen Substanz würde das kaum etwas ändern .

    Ist uns ja nciht ganz unbekannt......

    F.Q.
    Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
  • FairyQueen schrieb:

    Ich habe den Artikel gerade gelesen und verstehe nciht richtig, worauf Kehlmann nun hinaus will.das Wort Oper lese ich da z.B. überhaupt nicht udn es wird kiene einzige konkrete Operninszeinirung genannt bzw Schwächen, die es da zu verbessern gäbe.

    Darf man diese Rede überhaupt so ohne Weiteres auf die Opernregie beziehen? ?(

    Immerhin besteht zwischen Sprechtheater und Oper ein gewaltiger Unterschied!

    Versteht der Autor etwas von Opernregie?


    Viele Fragen, liebe Feenkönigin, aber ich will gerne einige zu beantworten versuchen. Im Zusammenhang der Eröffnung der Salzburger Festspiele kann man die Opernregie nicht außer Acht lassen, wenn ich auch meine, dass Kehlmann durchweg von der Sprechtheaterregie spricht. Nun hat eben die einiges bei der Opernregie initiiert, das ohne die Theaterregie nicht sich nicht in diese Richtung entwickelt hätte, die insgesamt weit weniger radikal erscheint, nicht zuletzt, da durch die Musik ein Schutzraum für den Text vorhanden ist, den das Sprechtheater so nicht kennt. Aber viele der bei dem von ihm herbeizitierten "http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?titel=%22Hau+ab%2C+du+Arsch!%22&id=46160414&top=SPIEGEL&suchbegriff=lottmann&quellen=%2BBX%2CWIKI%2C%2BSP%2C%2BMM%2CALME%2CSTAT%2C%2BMEDIA&qcrubrik=artikel" Lottmann dargestellten Verfahrensweisen haben Eingang auch in Operninszenierungen gefunden.

    Der dort geschmähte Jürgen Gosch ist im letzten Monat verstorben, hier eine "http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,629901,00.html" Würdigung.

    Wie aber diese Festrede von anderen verstanden wird, habe ich in meiner derzeitigen Signatur dokumentiert: Einem "Wir" wird seine "Arbeit" erleichtert ....


    Dass er die Schuld für die Demenzkrankheit seines Vater dem Regietheater gibt, erkenne ich jedoch nicht. Diese Demenz beschreibt er eher als einen Trost angesichts der traurigen Wirklichkeit.


    ich lese das so

    Kehlmann
    Als mein Vater durch den Wandel der Umstände seine Arbeit nicht mehr ausüben konnte, senkte sich allmählich die Krankheit des Vergessens auf ihn herab, bis ihn ganz zuletzt die Demenz vom Bewusstsein der Enttäuschungen befreite.


    Liebe Grüße Peter
    .
    Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
    (Hermann Bahr)
  • Ich möchte jetzt doch einmal Kehlmann etwas in Schutz nehmen. Zunächst erscheint es recht offensichtlich, daß er sich auf das Sprechtheater bezieht (oder hat sein Vater jemals eine Oper inszeniert?). Außerdem sagt/schreibt er auch folgendes:

    Eher ist es möglich, unwidersprochen den reinsten Wahnwitz zu behaupten, eher darf man Jörg Haider einen großen Mann oder George W. Bush intelligent nennen, als leise und schüchtern auszusprechen, dass die historisch akkurate Inszenierung eines Theaterstücks einfach nur eine ästhetische Entscheidung ist, nicht besser und nicht schlechter als die Verfremdung, auf keinen Fall aber ein per se reaktionäres Unterfangen.
    Es scheint ihm also um die Dominanz einer bestimmten Regieästhetik zu gehen, welche er ablehnt, und um das Eintreten für das Anerkennen anderer ästhetische Ideale. Mit anderen Worten: man solle nicht die eine Sache als "state of the art" empfinden und nichts anderes zulassen, sondern prinzipiell offen bleiben.

    Trotzdem halte ich die Rede für nicht gelungen, und zwar gerade aus dem Grund, weil Kehlmann persönlich befangen ist. Oder meint jemand, Eliette von Karajan könne eine qualifizierte Rede zum Thema HIP verfassen??? Er leitet somit keinen Standpunkt als Künstler ab, sondern einen als Sohn. Das aber ist vielleicht persönlich bewegend, doch künstlerisch-ästhetisch letztlich - sorry - irrelevant.

    Abgesehen davon fangen nun natürlich die einschlägigen Pawlowschen Hunde an zu sabbern, aber das ist ja wohl kaum anders zu erwarten...

    LG :wink:
    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
  • Sehr schonungslos bezieht übrigens Peter Michalzik im Kulturteil der "http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/1853245_Salzburger-Festspiele-Niemand-buhte-niemand-murrte.html?sid=688281104708481b7a3d8991d18919e9']Frankfurter Rundschau Online[/url] Stellung.

    Der Applaus ist ihm gewiss. Vielleicht aber erschrickt auch Kehlmann irgendwann einmal, wenn er aufwacht, darüber, woher der Applaus vor allem kommt.


    :wink:
    Sascha

    "You realize that it’s not necessary to own 50 Beethoven cycles, 46 of which you never play, when you can be just as happy with 20 of them, 16 of which you never play.
    "
    , David Hurwitz
  • Mit Recht ist darauf hingewiesen worden, dass sich die Hautevolée, die sich zur Eröffnung traf, zu Unrecht in ihren Urängsten verstanden fand, denn tatsächlich will Kehlmann nun nicht das Alte statt des Neuen, nur mehr von dem Alten und weniger vom Neuen. Darauf hereinzufallen, dass ausgerechnet die Gesellschaft, jener Auftrieb am Mönchsberg, die Repräsentanz von allem Guten und Deutschen sein sollte, ja gar die Vertretung des "Volkes", schafft hier nur malsehn. Wenn Kehlmann sagt


    dass die historisch akkurate Inszenierung eines Theaterstücks einfach nur eine ästhetische Entscheidung ist,


    gebe ich ihm Recht. Dem "Volk", das in Salzburg eine Rede bejubelte, die seinem Niveau gerecht wurde, weil sie nur recht oberflächlich den Tabutöter spielte, allerdings den "Willen der Mehrheit" zuzuschreiben, scheint mir doch ein wenig blauäugig. Volk dachte ich mir anders definiert als eine Anzahl von Stolen- und Frackträgern oder ihrer Äquivalente ...

    Es grüßt Peter
    .
    Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
    (Hermann Bahr)
  • Ich finde es viel peinlicher für Kehlmann, dass sein Artikel ausser persönlich biographischer Betroffenheit bzw Parteilichkeit und den angeblichen Reaktionen ausländischer Theaterbesucher keinen Inhalt vermittelt.

    Für einen Schriftsteller und Intellektuellen ist das für mein Empfinden ein bissel wenig......

    Ich bin keine Anhängerin schlechten Regietheaters und keine Verächterin guten tradiotionellen Theaters und von daher relativ neutral in der Sache, aber wenn nciht mehr argumentiert,sondern nur noch befindlicht wird, darf man sich nicht wundern, wenn der Applaus in seiner Inhaltsleere genauso evident ist wie das, wofür da applaudiert wird.

    Dass das Salzburger Premierenpublikum nciht die Gemeinschaft der opernliebhaber spiegelt, will ich doch SEHR hoffen...... :o:
    Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)