BR Klassik ab 2016 nicht mehr über UKW?

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    • Peter Brixius schrieb:

      Es gibt doch wohl ein Rundfunkgesetz. Darin lese ich

      [...]
      (3) Der Bayerische Rundfunk veranstaltet bis zu zehn terrestrisch verbreitete Hörfunkprogramme.
      Davon werden bis zu fünf Hörfunkprogramme analog und fünf Hörfunkprogramme ausschließlich in
      digitaler Technik verbreitet. Jedes Programm muss einen der folgenden Schwerpunkte haben:
      [...]
      Das Gesamtangebot muss alle Schwerpunkte abdecken


      Ich sehe nichts, worüber man da streiten könnte.

      <advocatus diaboli>
      Wirklich nicht? Vielleicht stehe ich auf dem Schlauch, aber juristisch sehe ich nicht, wo (3) verletzt wäre. Bis zu fünf analog und bis zu fünf ausschließlich digital. Das verteilen sie jetzt um.
      Rechtlich sehe ich da momentan noch nicht den Widerspruch.
      Mein Ansatz ist eher die "Zielgruppenorientierung".

      Das Problem ist, dass man digital in den meisten Autos noch nicht empfangen kann, Klassik als Autofahrerbegleitung fällt also weg.
      Allerdings: ich höre immer Stimmen, die davor warnen, dass klassische Musik beim Autofahren ablenke oder aggressiv mache (aggressiver als Rock und Pop, hört, hört...).
      Also ist doch (vermeintlich) allen gedient?
      </advocatus diaboli>
      Lucius Travinius Potellus
      Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)
    • Man kann darüber streiten, wie das Gesetz umgesetzt werden soll. Ich nehme an, bei dieser Auseinandersetzung spielen Quoten wahrscheinlich eben doch eine Rolle.

      Wenn es nur einen einzigen Sender gibt, der überhaupt Klassik bringt, der dann zusätzlich noch als Schwerpunkt "Inhalt für ein älteres Publikum" hat und auf digitale Verbreitung beschränkt ist, dann ist dem Gesetz genüge getan, und trotzdem könnte es für die Klassik besser aussehen.

      Tharon.
    • El Duderino schrieb:

      Zitat von »ChKöhn«
      An diesem analog-digtal-Tausch finde ich bemerkenswert, dass man die doch angeblich so technik-affine Jugend (für die, wie ich gerade in einem anderen Thread gelernt habe, schon eine Telefonnummer hoffnungslos rückständig ist) offenbar mit der uralten analogen UKW-Technik besser zu erreichen glaubt als per DAB oder Internet. Mancher nimmt halt immer nur die Vorurteile zu Hand, die ihm gerade in den Kram passen...



      Weil du dich auf mich beziehst: Vielleicht ist die einfache Überlegung dahinter, ob man einen der raren UKW-Plätze wirklich für ein Angebot frei halten soll, dass einen prozentualen Hörer-Anteil im unteren einstelligen Bereich hat, der - nach allem, was man über die Hörerschaft von Klassik-Sendern weiß - weiter schrumpfen wird; oder nicht doch einer Welle, die junge Hörer der Zukunft in deutlich höherem Umfang bindet. Immer dasselbe Thema, aber immer wird sich neu darüber aufgeregt..
      Nun bleib mal ganz ruhig, ich habe mich lediglich mit dem Nebensatz in Klammern auf Dich bezogen. Alles andere bezog sich natürlich auf diejenigen, die diese Entscheidung getroffen (bzw. den Plan gefasst) haben. Und zu denen gehörst Du meines Wissens nicht. Ansonsten habe ich Deinen Standpunkt hinreichend verstanden: Die "raren UKW-Plätze" sollen massentauglichen Angeboten vorbehalten sein. Ich bin nicht dieser Meinung.

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • El Duderino schrieb:

      Solange die Entwicklung der Klassik-Hörerschaft nicht akzeptiert und dann wirksam behandelt wird, dürfte diese Spiel doch noch ewig so weitergehen.

      Wohin entwickelt sich die Klassik-Hörerschaft? Sicher nicht Richtung Kindergarten. "Wirksam behandeln" heißt deshalb nicht, kindergarterngerecht zu machen.

      Noch einmal: wenn die Klassik-Sender Programme machten, die die Klassik-Sender-Zuhörer hören wollen, statt Trugbildern hoffnungslos nachzujagen, würde ihre Hörerschaft nicht schrumpfen.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Rundfunkstaatsvertrag

      Der Rundfunkstaatsvertrag (den man übrigens z. B. über die Webseite der ARD runterladen kann) regelt in §41 folgendes:

      Die Rundfunkvollprogramme sollen zur Darstellung der Vielfalt im deutschsprachigen und europäischen Raum mit einem angemessenen Anteil an Information, Kultur und Bildung beitragen; die Möglichkeit, Spartenprogramme anzubieten, bleibt hiervon unberührt.
      (Hervorhebung durch mich)

      Derartig vielfältige Vollprogramme gibt es im Radiobereich kaum noch, was eigentlich nach den Buchstaben des Vertrages bereits ein Rechtsbruch wäre. Allerdings heißt es bereits in der Prääambel des Vertrages über den öffentlich-rechtlichen und den privaten Rundfunk:

      Beide Rundfunksysteme müssen in der Lage sein, den Anforderungen des nationalen und des internationalen Wettbewerbs zu entsprechen.
      Man könnte also argumentieren, daß die Segmentierung des Radios in Spartenprogramme ein so weitgehender Standard geworden ist, daß man nur noch durch ein Mitmachen bei dieser Segmentierung konkurrenzfähig sei. Von mir aus.

      Aber: dann müßten doch die beauftragten Inhalte für die Vollprogramme zumindest durch Spartenprogramme mit abgedeckt werden, die in ihrer Erreichbarkeit und Verfügbarkeit einem Vollprogramm in nichts nachstehen. Wenn also Kultur und Bildung (und hierzu gehört nunmal auch die klassische Musik) in den populärsten Programmen nicht mehr stattfinden, so ist die berechtigte Erwartung, daß sie in Spartenprogrammen stattfinden, die ebenso wie die populären Programme leicht zu erreichen und zu empfangen sind.

      Im Fernsehbereich wird dieses Prinzip eigentlich bereits verletzt, indem man Kultur und Bildung weitgehend in Spartenkanäle wie 3sat oder Arte packt. Allerdings hat im Fernsehen ein massiver Umbruch hin zu Kabel, Satellit und DVB-T stattgefunden, so daß kaum noch ein Teilnehmer auf herkömmliche terrestrische Verbreitung angewiesen ist (wird die nicht mancherorts bereits eingestellt?). So gesehen wäre die Verfügbarkeit der fraglichen Spartenkanäle zumindest halbwegs hinreichend gegeben.

      Im Radio ist dies etwas anders. Viele Menschen hören Radio immer noch über gutes altes UKW, sei es im Auto oder mit der kleinen Brüllbox in der Küche. Insofern wäre eine Verbannung von Kultur und Bildung in einen Nicht-UKW-Spartenkanal m. E. ein glatter Bruch des Rundfunkstaatsvertrages.

      Mit anderen Worten: die Verantwortlichen des Rundfunks scheren sich (mal wieder) Null um die Grundlage ihrer Tätigkeit. Es sei denn, daß es darum geht, auf Basis desselben von ihnen ignorierten Vertrages Geld für ihr Gehalt einzutreiben.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Symbol schrieb:

      Im Radio ist dies etwas anders. Viele Menschen hören Radio immer noch über gutes altes UKW, sei es im Auto oder mit der kleinen Brüllbox in der Küche. Insofern wäre eine Verbannung von Kultur und Bildung in einen Nicht-UKW-Spartenkanal m. E. ein glatter Bruch des Rundfunkstaatsvertrages.


      Im konkreten Fall ist allerdings noch folgender Punkt wichtig: Der Bayerische Rundfunk ist m.W. zur Zeit die einzige deutsche Rundfunkanstalt, die im UKW sowohl einen Kulturkanal - nämlich BR 2 - wie auch einen Kanal (fast) nur für klassische Musik - nämlich BR 4 - bereithält. Alle anderen Rundfunkanstalten bieten m.W. nur noch einen einzigen Kanal für Kultur und klassische Musik an, obwohl einige (etwa der HR) für kurze Zeit auch mal mit einem reinem Klassiksender experimentiert hatten, der dann aber nach kurzer Zeit wieder zugemacht worden ist.

      Der Bayerische Rundfunk würde also mit BR 2 immer noch einen Kulturkanal im Programm haben, der dann vermutlich auch wieder etwas klassische Musik senden würde - sprich: der Normalfall deutscher Rundfunkanstalten wäre auch hier erreicht. Sicher aber kein Verstoß gegen den Rundfunkstaatsvertrag oder andere Reglements.

      Schade wäre es trotzdem, auch wenn ich BR 4 im Saarland ohnehin nur übers Internet hören kann (und das auch öfters praktiziere, um nicht den sog. Kulturkanal des Saarländischen Rundfunks ertragen zu müssen).


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Zwielicht schrieb:


      Der Bayerische Rundfunk würde also mit BR 2 immer noch einen Kulturkanal im Programm haben, der dann vermutlich auch wieder etwas klassische Musik senden würde - sprich: der Normalfall deutscher Rundfunkanstalten wäre auch hier erreicht.

      Ist das wirklich so? Ich habe die Information so verstanden, daß der Klassiksender tutto completto in seiner jetzigen Form in den Nicht-UKW-Sektor wandern soll. Von einer Anpassung anderer Programme zur Kompensation dieser Maßnahme war da keine Rede. Außerdem hat Peter ja bereits dargelegt, daß das bayerische Rundfunkgesetz hierzu eine klare Sprache spricht und zwei Kanäle (einen für Kultur und einen für klassische Musik) beauftragt. Die Zusammenlegung zu einem einzigen UKW-verfügbaren Kultur-Klassik-Mischsender würde sicherlich den Auftrag des Rundfunkstaatsvertrages erfüllen, wäre aber gegen das bayerische Gesetz.

      Ad SR2: ich finde den Sender gar nicht sooo schlecht und höre ihn eigentlich ganz gerne... :hide:

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Guten Tag.

      ChKöhn schrieb:

      BR Klassik soll ab 2016 nicht mehr über UKW sondern nur noch über DAB und per Internet ausgestrahlt werden.

      Als ein Nicht-Bayer habe ich zu dem Thema nichts zu melden (über UKW kann ich in dieser preußischen Provinz sowieso keine BR-Klassik empfangen). Nun, aber doch höre ich gerne mal mit meinem Küchenradio BR-Klassik, da sie auch hier über DAB+ ausgestrahlt wird. Und ich bin immer noch begeistert von dem rauschfreien Empfang. Das Küchenradio war auch der Anlass, komplett auf DAB+ umzusteigen. Mir gefällt auch die Zusatzinformation die während der Sendung eingeblendet wird: Musiktitel, Komponist, Interpreter usw. Deshalb, ich bin ziemlich leidenschaftslos, was UKW angeht.

      Sachsen ist noch rigoroser. Ab 2015 ist da mit UKW Schluss.

      ChKöhn schrieb:

      Die freiwerdende Sendefrequenz soll das bisher digitale Jugendradio Puls bekommen.

      Ja. Für junge Smartphone-Generation eine nachvollziehbare Entscheidung. Alles-Könner-Smartphone ist i. d. R. nicht DAB+-fähig, aber noch UKW-fähig, daher… ;+)

      merkatz schrieb:

      Mag auch BR Klassik über mein Radio empfangen - aber geht leider nicht

      Vielleicht doch.
      "http://www.digitalradio.de"
      Hier einfach unter "Empfang" Postleitzahl eintippen. Dann wird gezeigt, welche Sender man dort über DAB+ empfangen kann.

      Und ich bin kein DAB+-Lobbyist und verkaufe kein DAB+ Radio.

      Schönen Tag.
      Penthesilea
      Auch Rom wurde nicht an einem Tag niedergebrannt - Douglas Adams
    • Penthesilea schrieb:

      Vielleicht doch.
      "http://www.digitalradio.de"
      Hier einfach unter "Empfang" Postleitzahl eintippen. Dann wird gezeigt, welche Sender man dort über DAB+ empfangen kann.

      Habe ich schon probiert, aber als Wiener funktioniert das leider gar nicht, auch mit Salzburg (meiner eigentlichen Heimat) hatte ich da keinen Erfolg.

      Nichts gegen Webradio, aber ich habe ein schönes Radiogerät, eine Einzelkomponente von Yamaha, und da wäre es schön wenn ich damit hören könnte, und nicht übers Internet.
    • Guten Tag.

      merkatz schrieb:

      als Wiener

      Hmm… BR wird über die Grenze zu Preußen hinaus gesendet, aber zu Österreich… unwahrscheinlich (noch). Aber Russland sendet hier ununterbrochen über Radio Impala seine k*tzige Propaganda über den geschiedenen kommenden Weltherrscher (wenn das so weit ist, werden wir alle auch ein Radio kriegen, das nur aus regimetreuer Propaganda besteht und nicht abschalten lässt wie in Nordkorea). Vielleicht überlegt noch BR auch über die Ausstrahlung in Österreich.

      merkatz schrieb:

      Webradio

      Eh… DAB+ ≠ Web- bzw. Internetradio.
      "http://de.wikipedia.org/wiki/DAB%2B#DAB.2B"

      Schönen Tag.
      Penthesilea
      Auch Rom wurde nicht an einem Tag niedergebrannt - Douglas Adams
    • Symbol schrieb:

      Zwielicht schrieb:


      Der Bayerische Rundfunk würde also mit BR 2 immer noch einen Kulturkanal im Programm haben, der dann vermutlich auch wieder etwas klassische Musik senden würde - sprich: der Normalfall deutscher Rundfunkanstalten wäre auch hier erreicht.

      Ist das wirklich so? Ich habe die Information so verstanden, daß der Klassiksender tutto completto in seiner jetzigen Form in den Nicht-UKW-Sektor wandern soll. Von einer Anpassung anderer Programme zur Kompensation dieser Maßnahme war da keine Rede.


      Doch, eine solche Kompensation (etwas mehr Klassik in BR 2) soll es geben - wurde zumindest in einem relativ differenzierten und informativen Artikel der Süddeutschen Zeitung von gestern berichtet (nicht online, soweit ich sehe). Es wäre z.B. auch schwer vorstellbar, dass der Bayerische Rundfunk zukünftig auf die terrestrische Übertragung von Bayreuth-Premieren verzichtet.

      Wenn man dem SZ-Artikel glaubt, wird das Sterbeglöcklein für UKW in toto bereits eifrig geläutet. Zur Zeit schwirrt wohl 2025 als Datum für die Abschaltung der terrestrischen Verbreitung öffentlich-rechtlicher Radiosender in Deutschland herum.


      Außerdem hat Peter ja bereits dargelegt, daß das bayerische Rundfunkgesetz hierzu eine klare Sprache spricht und zwei Kanäle (einen für Kultur und einen für klassische Musik) beauftragt. Die Zusammenlegung zu einem einzigen UKW-verfügbaren Kultur-Klassik-Mischsender würde sicherlich den Auftrag des Rundfunkstaatsvertrages erfüllen, wäre aber gegen das bayerische Gesetz.


      Nein, ist es nicht. Der entsprechende Passus lautet so:

      Der Bayerische Rundfunk veranstaltet bis zu zehn terrestrisch verbreitete Hörfunkprogramme. Davon werden bis zu fünf Hörfunkprogramme analog und fünf Hörfunkprogramme ausschließlich in digitaler Technik verbreitet. Jedes Programm muss einen der folgenden Schwerpunkte haben...

      Was nichts darüber besagt, welche Schwerpunkte analog und welche digital übertragen werden sollen - worauf oben schon Travinius hingewiesen hat. Der Betrieb eines Klassiksenders im digitalen Netz und der gleichzeitige Betrieb eines Kultursenders mit eher geringem Klassikanteil im analogen Netz wäre legal, weil es immer noch einen Sender mit "Klassikschwerpunkt" und einen mit "Kulturschwerpunkt" gäbe.

      Vielleicht sollte man sich eher auf sachliche und weniger auf wacklige juristische Argumente gegen die geplante Regelung konzentrieren. So gibt der BR immerhin vorbildliche 5,5 % seines Gesamtetats für seine drei großen Klangkörper (SO des BR, Münchner Rundfunkorchester, Chor des BR) aus, darüber hinaus zusätzliche Mittel für Konzertreihen wie die musica viva. Das sollte sich eigentlich auch prominent im Rundfunkprogramm widerspiegeln. (Vice versa könnte die "Verbannung" von BR 4 ins digitale Netz auch dazu führen, dass dieser Etat heruntergeschraubt wird - und das ginge vermutlich wieder auf Kosten des kleineren Rundfunkorchesters.)


      Ad SR2: ich finde den Sender gar nicht sooo schlecht und höre ihn eigentlich ganz gerne... :hide:


      Ich hab schon ein paar Kulturkanäle der öffentl.-rechtl. Radiosender in Deutschland erlebt - aber so regionalistisch (vulgo: provinziell) und so dürftig in der Qualität der Wortbeiträge war bisher keiner.

      Immerhin leistet sich der Saarländische Rundfunk noch zusammen mit dem SWR ein Sinfonieorchester, dessen prominenteste Auftritte Begleitungen von Arienkonzerten der Ehefrau des Chefdirigenten sind. Vielleicht könnte man da mal ein Gesetz in Anschlag bringen...


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Zwielicht schrieb:

      Was nichts darüber besagt, welche Schwerpunkte analog und welche digital übertragen werden sollen - worauf oben schon Travinius hingewiesen hat. Der Betrieb eines Klassiksenders im digitalen Netz und der gleichzeitige Betrieb eines Kultursenders mit eher geringem Klassikanteil im analogen Netz wäre legal, weil es immer noch einen Sender mit "Klassikschwerpunkt" und einen mit "Kulturschwerpunkt" gäbe.

      Vielleicht sollte man sich eher auf sachliche und weniger auf wacklige juristische Argumente gegen die geplante Regelung konzentrieren.

      Lieber Bernd,

      hier sehe ich zwei Mißverständnisse.

      Zum einen habe ich sehr wohl verstanden, daß das bayerische Gesetz keine konkrete Zuordnung UKW-Digital vorgibt. Mein Argument war ja gerade, daß sich eine solche Zuordnung aber indirekt aus den Aussagen des Rundfunkstaatsvertrages ableiten ließe, daß nämlich ein Verbannen von Kultur und Bildung in den Nicht-UKW-Bereich zugunsten eines massentauglichen Programms gegen die dort getroffenen Regelungen ginge. Ich habe Dir dann zugestimmt, daß es durchaus konform mit dem Rundfunkstaatsvertrag wäre, das bayerische Hörfunkangebot in Sachen Kultur und Klassik auf einen UKW-Kanal einzudampfen, aber dieser Idee ist wiederum das bayerische Gesetz vor, das festlegt, daß einer der Schwerpunkte abgedeckt werden soll und die Schwerpunkte Kultur und klassische Musik trennt. Mit anderen Worten: der BR könnte die Verlegung von BR4 in den digitalen Sektor und das Aufbohren von BR2 zum gemischten Kultur-Klassik-Sender durchaus machen, wenn man vorher die bayerischen Gesetze (oder den Rundfunkstaatsvertrag) ändert.

      Das zweite Mißverständnis besteht darin, daß ich mich hier vermeintlich in Juristerei versuchen möchte. Dem ist nicht so, dafür besitze ich auch gar keine Kompetenz. Mir geht es nicht darum, eine ggf. gerichtlich einklagbare juristische Argumentation gegen die BR4-Verlegung zu stricken, sondern um den "Geist" hinter den zitierten Regelungen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Immerhin zahlen wir zwangsweise Gebühren für dessen Angebot, und einige Verantwortliche in diesen Sendern scheinen dem Irrglauben zu unterliegen, daß man diese Gebühren durch viele massentaugliche Programme rechtfertigen müsse. Dem ist aber nicht so, sondern die Rechtfertigung der Gebühren liegt in der Erfüllung des Auftrages an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Ein Baustein dieses Auftrages ist aber nunmal, den Bereichen Kultur und Bildung Platz in den Vollprogrammen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu geben. Der Stunt in Sachen BR4 ist aus meiner Sicht symptomatisch für die weitgehende Ignoranz der Verantwortlichen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gegenüber diesem Auftrag. Dies ist m. E. ein sachliches Argument.

      Übrigens: wenn Du mal wieder unter SR2 leiden solltest, gib' Dir einfach einen Tag lang NDR Kultur... ;+)

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Lieber Symbol,

      ich habe die juristischen Expertisen nicht ins Spiel gebracht, halte es aber nach wie vor für ein Gerücht, dass das bayerische Rundfunkgesetz für die Verlegung von BR4 ins digitale Netz geändert werden muss.

      Ansonsten stimme ich Dir durchaus zu (außer bei SR2 :D) und habe ja deshalb auch für sachbezogene Argumente plädiert.


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Integration anstatt Isolation

      Mit Verlaub,

      aber hat es damit nicht schon begonnen, das Problem: Einen eigenen Sender für "Klassik"? Ist nicht dort schon die Wurzel des Übels? Im Kern die Fehlausrichtung?

      Auf der ersten Seite der NMZ/4 prangt eine schmale Randglosse über BR Klassik - ein kurzer historischer Abriss vom ersten Dampfradio, über Nazi-Volkssender, Bildungs- und Kulturbedürfnis und Forderung nach Meinungsfreiheit und -vielfalt in der Nachkriegszeit, der jungen deutschen Demokratie, bis zur multifunktionalen-digitalen Medienlandschaft der Jetztzeit. Das Schlusswort des Artikels aber ist ein in harmlosen Drohgebärden umfunktioniertes Katzengejammer!

      Mit dem globalen Ereignis "Internet" können die Öffentlich-Rechtlichen nicht konkurrieren und sollen es in meinen Augen auch nicht. Mit den Privaten sich hechelnd zu duellieren und Programme in immer kleineren Spartenformen auszulagern, scheint mir der falsche Weg. Ob digital oder analog ist unwesentlich und im Prinzip schon heute ein Anachronismus!

      Warum sich nicht an die Wurzeln erinnern - "Back To The Roots"?
      Programmvielfalt innerhalb der Programme - und nicht an den Rand drücken, wo alles, anscheinend noch am Leben, aus Bequemlichkeit im immer Gleichen, tröge verkümmert!

      Wovor haben wir denn Angst?
      Sogenannte "Ernste Musik" ist allgegenwärtig!
      Denken wir nur an Werbemusik - Bier mit Strauss und Grieg, Sekt mit Mendelssohn und Schumann; Puccini und Mascagni als italienische Monumentalgrundlage für Parfumflakons und Luxuskarossen; Wagner, Mahler, Henze und Co als nervenzerfetzendes, substanzreiches und emotionsgeladen audiophiles Filmereignis.

      Stellen wir doch die Dinge der Kunst, Bildung und Kultur wieder in eine gesunde Konkurrenz zu rein Kommerziellem. Brechen wir bewusst die Lager auf! Was Substanz hat wird bestehen - gleich welchen Sujets!

      Einige haben es schon vorgemacht:
      Simon Rattle mit den Berliner Symphoniker und seinem Education-Programm ("Rhythm Is It" mit 250 Jugendlichen aus 25 Nationen mit u.a. Strawinskys "Sacre du Printemps"),
      das Heidelberger Philharmonische Orchester unter Ivo Hentschel mit dem Tanzprojekt zu Prokofieffs "Romeo und Julia" inszeniert mit breakdancenden und skatenden, jugendlichen Laiendarstellern,
      oder zum gleichen Thema und mit gleichem Vorwurf, nun unter dem Titel "Romeo feat. Julia", gerappt und gehiphopt, das Freiburger Projekt mit dem SWR-Sinfonieorchester unter François-Xavier Roth (Konzept-, Einspiel- und Probephasen wurden im öffentlichen Gemeinschaftssender "KiKa" in Folgen übertragen - und fesselten so manches Kind, so manchen Jugendlichen, der ansonsten mit Klassik nichts am Hut hatte, nun aber staunend sah und lauschte!).

      Auch in jenem vielverschmähten "Crossover" zeigen sogenannte Pop-Idole mehr Achtung und Respekt vor den großen Meistern der Klassik und Moderne, als dass der heutige, vermeintliche "Klassiker" imstande wäre, überhaupt die "Volksmusik" unsere Zeit zu beachten, geschweige denn zu assimilieren. Eine Herausforderung und Aufgabe, die für einen Bach, Beethoven, Debussy (...muss jetzt mit einiger Ironie an Schönbergs 2. Streichquartett denken: "Ach du lieber Augustin, alles ist hin"...), und wie sie alle heißen mögen, selbstverständlich war!

      Nicht dass ein falscher Eindruck entsteht: Ich bin nicht dafür, dass solch ein Sender verschwindet. Aber die Frage muss erlaubt sein: Liegt und lag die Fehlausrichtung nicht schon im Kern des Konzeptes vor? Macht es wirklich Sinn, gegen das 24-stündige Gedudel eines "Mainstreams" der Massen ein ganztägiges Abspielen von nur allzu gerne in laxer Noblesse moderierter und damit sich selbst überlassener klassischer Musik zu setzen - dieser zum Scheitern verurteilte Versuch der Installation eines "Mainstreams" für eine Minderheit; einer Minorität, die sich damit selbst und selbstgefällig zu einer aussterbenden Spezies erklärt? Ja, widerspricht dieses Unterfangen nicht von seinem Grundsatz her dem innewohnenden Wesen "ernsthafter" Musik - ihrem vorangestellten schöpferischen Entwurf des Einzigartigen und Essentiellen (ob es nun gelingen mag oder nicht)? Und prallt hier nicht Quantität auf Qualität, jener Widerspruch - das sich gegenseitig Ausschließende -, der hier ganz klar und offensichtlich zu einer unlösbaren Aufgabe wird?!

      Hätte man nicht von Anfang an ein Konzept - Bayrisches Rundfunkgesetz hin oder her - eines vollwertigen und vielschichtigen wie zeitgemäßen Programmes entwerfen und verfolgen sollen, anstatt monothematisch und damit fälschlich elitär auszulagern? Käme denn irgendjemand auf die verwegene Idee, einen 24-stündigen Fernsehsender mit den musealen Meisterwerken der Bildenden Künste zu belegen oder einem tagtäglichen, rund um die Uhr stattfindenden Vorlesetrip durch die tiefgründigen Landschaften der Weltliteratur; einen eigenen Sender für das Theaterschauspiel oder gar einen für die menschheitsgeschichtlich exorbitanten Meilensteine der Wissenschaft und/oder Philosophie?
      Natürlich nicht! Denn gerade in dieser Auslagerung liegt die tödliche Gefahr zu einem warenhaften Produkt (Adorno läßt grüßen) der Verfügbarkeit zu verkümmern, anstatt es, ihrem Wesen gerecht und ihrem Anspruch, mit den gesellschaftlichen, politischen und sozialen Ereignissen zu konfrontieren und zu verbinden!

      Vielleicht fängt ja in den oberen, entscheidungsträchtigen Schichten wie Positionen, eines Tages und irgendwann einmal, ein Umdenken an, eben nicht in Nischen und Sparten auszugliedern und auszulagern - und dies betrifft nicht nur die öffentlich-rechtlichen Sender, nein, auch unsere Schulen, unser Bildungswesen und unser kulturelles wie sozialpolitisches Selbstverständnis...

      Integration und ein Hinein damit, anstatt ein Hinaus in selbsterwählter und damit selbstmörderischer Isolation!


      In diesem Sinne

      Scaramouche
    • Hä?

      Was hat das mit Isolation zu tun, wenn ein Sender nur Klassik spielt (abgesehen davon dass auch Jazz gespielt wird)? Der Sender richtet sich an die Leute, die klassische Musik hören wollen - so wie es auch Sender gibt, die nur Country oder nur Schlager oder Volksmusik spielen.

      Was ist da verkehrt dran?