Bach: Cembalo-/Klaviermusik, Übersicht

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    • Bach: Cembalo-/Klaviermusik, Übersicht

      Mit diesem Link wäre das Thema eigentlich erschlagen:
      http://de.wikipedia.org/wiki/Bach-Werke-Verzeichnis#Klavierwerke_.E2.80.93_BWV_772.E2.80.93994

      Leider reicht das nicht. Die Werke sind hinsichtlich ihrer Bedeutung nämlich sehr unterschiedlich. Wir können aber erst mal festhalten, dass es sich um die Nummern 772-994 im Bach-Werke-Verzeichnis (BWV) handelt.
      Moment, wie war das: 223 Klavierwerke??? Bisschen viel, oder? Daher dieser Thread.

      Grobe Gliederung laut Wikipedia:

      Zwei- und dreistimmige Werke, BWV 772–805
      Suiten, BWV 806–845
      Präludien und Fugen, BWV 846–962
      Sonaten, Konzerte, Variationen, BWV 963–994

      Darunter kann man sich immer noch wenig vorstellen. Also erst mal die "Hits". Meine Auflistung bitte ergänzen oder korrigieren:

      Das Wohltemperierte Klavier, 1. Teil (BWV 846-869)
      Das Wohltemperierte Klavier, 2. Teil (BWV 870-893)
      Goldberg-Variationen (BWV 988)
      Partita h-Moll (BWV 831)
      Chromatische Fantasie und Fuge d-Moll (BWV 903)
      Italienisches Konzert (BWV 971)
      7 Toccaten (BWV 910-916)
      6 Englische Suiten (BWV 806-911)
      6 Französische Suiten (BWV 812-817)
      6 Partiten (BWV 825-830)
      Fantasie und Fuge a-moll (BWV 904)
      4 Duette (BWV 802-805)

      Nach und nach wird es immer schwieriger, eine Relevanz zu bestimmen, wenn man kein spezieller Bach-Kenner ist. Bei mir hat es mit dieser Box, "Die Neue Bach-Edition, Cembalowerke 1", bestehend aus 10 LPs, angefangen:
      www.amazon.de/J-S-Bach-Neue-Bach-Edition-Cembalowerke-VINYL-BOX/dp/B0091TMUW2

      Damit war ich hochzufrieden. Mit einem für LPs sensationellen Klang. Darin enthalten u.a. Das Wohltemperierte Klavier (Kenneth Gilbert), die Goldberg-Variationen (Trevor Pinnock), das Italienische Konzert, 15 Zweistimmige Inventionen (BWV 772-786), 15 Dreistimmige Inventionen (BWV 787-801), 7 Toccaten (BWV 910-916).

      Ich hätte auch die zweite Box - "Die Neue Bach-Edition, Cembalowerke 2" - beschaffen sollen:
      www.amazon.de/J-S-Bach-Bach-Edition-Cembalowerke-VINYL-BOX/dp/B0091TMWJ8

      Keine der beiden Boxen gibt es aber in dieser Zusammenstellung als CD. In der zweiten Box wären u.a. auch die je 6 Englischen Suiten und Französischen Suiten enthalten gewesen. In der Summe decken auch die beiden Boxen nicht das gesamte Klavierwerk ab. Muss auch nicht sein. Dieser Thread soll dem "Normalhörer" helfen, einen Überblick zu bekommen, um die Werke entsprechend selektiv kaufen zu können.

      Das war meine Beschäftigung von diesem Nachmittag. Was will man als nächstes haben, wenn man die o.g. erste Box (Wohltemperiertes Klavier, Goldberg-Variationen, etc.) schon hat, die zweite Box aber nicht mehr verfügbar ist...


      Thomas
    • Von Hänssler gibt es die "Edition Bachakademie". 172 CDs. Zu viel. Gibt's aber auch einzeln bzw. als Doppel-CDs: Edition Bachakademie Vol. 1-140(?)

      Die 6 Partiten BWV 825-830 bestellte ich heute in der Tat aus dieser Reihe:



      Mit Trevor Pinnock machte ich bisher gute Erfahrungen.



      Für die 4 Duette BWV 802-805 (+ einige Einzelwerke) hörte sich Christine Schornsheim ganz gut an:





      Einen Teil der nicht mehr als CD-Box aufgelegten "Die Neue Bach-Edition, Cembalowerke 2" fand ich für BWV 901, 902, 904, 906, 924-931, 933-943, 998+999 auf dieser CD:



      Möglicherweise sind diese Werke nicht die allerwichtigsten, aber Kenneth Gilbert gefiel mir seinerzeit mit den "Cembalowerken 1" ganz gut. Wobei das mit der Relevanz hier ja zu diskutieren ist. Bei der zuletzt genannten CD handelt es sich z.T. um das "Klavierbüchlein für Wilhelm Friedemann Bach".



      Themen die in diesem Thread behandelt werden sollten:

      - Welche Klavierwerke sollte man wirklich haben?
      - Klavier oder Cembalo?
      - Falls Klavier: Glenn Gould? Alfred Brendel? Angela Hewitt? andere?
      - Falls man alles komplett haben will, Brilliant oder Hänssler:




      Thomas
    • Klavier oder Cembalo?


      Klavier!! Selbstverständlich rein subjektiv gesehen...

      Wegen der Stimmtransparenz (dynamische Unterschiede!), der Schwerpunktfragen und (auch bei Bach!) der klanglichen Schattierungsmöglichkeiten.

      Falls Klavier: Glenn Gould? Alfred Brendel? Angela Hewitt? andere?


      Andere! Zum Beispiel Edwin Fischer oder Andras Schiff oder Murray Perhaia.

      Subjektive Grüße

      Bernd
    • Nimm diese Box mit allem:




      Dann noch die, um verfeinert/alternativ ranzugehen:




      Genügt für den Anfang...


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • nach Priorität:
      WTK I + II
      Goldbergvariationen (Clavierübung IV)
      Partiten (Clavierübung I)

      Italienisches Konzert, franz. Ouverture h-moll
      Inventionen und Sinfonien
      Französische und Englische Suiten
      Chromat. Fantasie und Fuge
      Kunst der Fuge (wird nicht immer zu dieser Werkgruppe gezählt und im BWV auch später eingeordnet)

      Der Rest ist eher was für dezidierte Fans, am häufigsten davon eingespielt wohl die sieben Toccaten. Die Konzerte nach anderen Komponisten, Kleine Präludien, frühe Suiten usw. muss man m.E. nicht unbedingt kennen, da Bach für alle diese Werktypen bessere Stücke in den berühmten Sammlungen komponiert bzw. überarbeitet hat.

      Warum die Archiv-Boxen nicht mehr auf CD erschienen sind, weiß ich auch nicht recht. (Eigentlich eine ziemliche Schande für Archiv, dass sie so zentrale Werke nicht im Programm haben, naja, auf mehr als mp3-Downloads kann man heutzutage wohl nicht mehr hoffen.)
      Ich kenne daraus hauptsächlich die GBV mit Pinnock, die mir sehr gut gefallen (und die auch einzeln erhältlich sind). Dir fehlen anscheinend hauptsächlich die drei Sätze Suiten. Es gibt sehr viele Aufnahmen davon, wobei gerade bei Cembalo-Aufnahmen die Verfügbarkeitshalbwertszeit oft nicht hoch ist. Anscheinend sind zB Koopmans Aufnahmen weitgehend aus dem Katalog verschwunden. Wie schon mal in einem anderen Thread erwähnt, hat die Schweizer Cembalistin Christine Jaccottet fast alle Werke in den frühen 80ern eingespielt. Die sind auf diversen Billigstlabels verfügbar, aber man kann hier unbesorgt zugreifen (allerdings sind gerade die Suiten anscheinend nicht leicht komplett erhältlich).
      Auf dem Klavier finde ich Goulds Partiten immer noch eine seiner überzeugendsten Aufnahmen (ich mag auch die anderen, aber die sind umstrittener). Für die französischen Gavrilov auf einem günstigen EMI-Duo. Unter neueren Klavier-Aufnahmen sind Perahias hoch angesehen. Mir ist der ein bißchen zu "soft", aber die "Englischen Suiten" fand ich überzeugender als die Partiten.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • @ Beitrag 5

      Nimm diese Box mit allem [...]


      Er kann sie noch nehmen, der Thread-Ersteller. Für rund elf Euro gebraucht habe ich sie allerdings schon abgestaubt soeben.

      :juhu: , werter Josquin!

      :wink: Wolfgang

      EDIT: Ansonsten ist der Schiff auch nicht zu verachten; sein Zugang ist recht persönlich, quasi nicht über die Maßen hip. ;+)

      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Ich schließe mich der Reihenfolge des Katers an.

      Die Schiff-Box ist ein super Einstieg. Als Gegenpol fände ich Glenn Gould sehr hörenswert.

      Cembalo: Der WK I/II-Klassiker ist vielleicht die Aufnahme von Leonhardt; unter den neueren Aufnahmen fand ich Egarr, Suzuki und Schornsheim klasse.

      Wenn man keine quasi-GA mag: Man kann ja jede Werkgruppe mit enem anderen der gängigen Namen meist günstig erwerben und dann sowohl werk- als auch interpretenspezifisch vertiefen.

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" (Paul Watzlawick)
    • Das mit den beiden Boxen (Brilliant oder Hänssler) war eine allgemeine Frage. Ich selbst hab ja schon ca. 2/3 der "wichtigen" Werke. Danke auch an Kater Murr für die Einschätzung. Davon fehlen mir jetzt nur noch die Französischen und Englischen Suiten, die sind aber problemlos einzeln zu bekommen.

      Hinsichtlich Cembalo/Klavier ist es bei mir so:

      Aufgrund der früheren Anschaffung von "Die Neue Bach-Edition, Cembalowerke 1" bin ich Cembalo-geprägt. Der Klang gefällt mir, die Aufnahmen gefallen mir. Also wird das weitere Kennenlernen von Bachs Klavierwerken weiterhin per Cembalo erfolgen. Wenn mir dann ein Werk besonders gut gefällt, besorge ich mir eine weitere Aufnahme davon. In diesem Fall wird das dann eben eine Klaviereinspielung sein. Kandidaten: WTK I + II und Italienisches Konzert.


      Thomas
    • Clavierübung

      Gerade wollte ich fragen, was es mit den "Clavierübungen" auf sich hat, aber der Wikipedia-Artikel ist schon recht aufschlussreich:
      http://de.wikipedia.org/wiki/Clavier%C3%BCbung

      Zusammenfassung:

      Teil I sind die 6 Partiten (BWV 825-830).

      Teil II: Partita h-Moll (Französische Ouvertüre) (BWV 831) und Italienisches Konzert (BWV 971).

      Teil III sind einige Orgelwerke (BWV 552, 669-689) sowie die 4 Duette (BWV 802-805).

      Teil IV: Goldberg-Variationen (BWV 988)

      Teil V: wird von manchen als Kunst der Fuge (BWV 1080) gesehen.


      Andere Frage:
      Welchen Stellenwert hat eigentlich Bachs Klavierwerk in der Praxis eines Pianisten, der hauptsächlich Mozart, Beethoven, Schubert, Chopin, etc. spielt? Theoretisch wird Bach ja immer hochgelobt. Viele bekannte Pianisten spielen auch das eine oder andere Bach-Werk ein. Aber ich vermute, dass es jede Menge Weltklasse-Pianisten gibt, die niemals etwas von Bach einspielen. Spielen die solche Sachen dann privat, weil Bach eben doch irgendwie eine "Grundlage" ist? Oder ist Bach am Ende doch "nur" einer von vielen Komponisten, die man zwar kennen muss, mit denen man aber im späteren Berufsleben aufgrund der eigenen Spezialisierung nichts mehr zu tun haben muss? Ich denke z.B. an Leute wie Krystian Zimerman, Claudio Arrau, Maurizio Pollini, etc.
      Anders ausgedrückt: Ist Bach "grundlegender" als z.B. Chopin?


      Thomas
    • Ecclitico schrieb:

      Welchen Stellenwert hat eigentlich Bachs Klavierwerk in der Praxis eines Pianisten, der hauptsächlich Mozart, Beethoven, Schubert, Chopin, etc. spielt?

      Da müsste man einen Pianisten fragen, der " hauptsächlich Mozart, Beethoven, Schubert, Chopin, etc. spielt".

      Ecclitico schrieb:

      Aber ich vermute, dass es jede Menge Weltklasse-Pianisten gibt, die niemals etwas von Bach einspielen.

      Diese Vermutung sollte sich doch leicht belegen lassen, nicht wahr? Aber was ist ein Weltklasse-Pianist?

      Ecclitico schrieb:

      Spielen die solche Sachen dann privat, weil Bach eben doch irgendwie eine "Grundlage" ist?

      Frag sie doch! Wer im Forum sollte das für alle von Ecclitico als solche eingestuften Weltklasse-Pianisten beantworten können?

      Ecclitico schrieb:

      Ich denke z.B. an Leute wie Krystian Zimerman, Claudio Arrau, Maurizio Pollini, etc.

      Pollini hat das WK I eingespielt.

      Ecclitico schrieb:

      Anders ausgedrückt: Ist Bach "grundlegender" als z.B. Chopin?

      Ist rot blauer als grün?

      Hauptsache, die Welt passt in Kartons, die nicht größer sind als mein Kopf.

      Wenn mein Strukturierungsbedürfnis größer ist als mein Strukturierungs- und Fassungsvermögen, muss ich halt die Welt vereinfachen, bis sie in meinen Kopf passt.

      Es gibt ganz klar einen besten, zweitbesten, drittbesten Dirigenten, Komponisten, Pianisten, Theoretiker, Tenor, ... kann ja gar nicht anders sein. Die Welt ist linear und wohlgeordnet. Eigentlich nicht schwieriger als die Höchstgeschwindigkeit zweier Autos zu vergleichen. Ist doch egal, wenn das eine ein Familienkombi und das andere ein Lkw ist. Wenn ich die Unterschiede zwischen beiden anders nicht erfassen kann, vergleiche ich halt die Höchstgeschwindigkeit, und schon ist die Welt wieder geordnet.

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" (Paul Watzlawick)
    • Meines Wissens sind die zwei- und dreistimmigen Inventionen und einige Stücke aus dem WTK seit jeher Standard im Klavierunterricht. Im Konzertsaal spielten Bachs Klavierwerke bis in die Mitte des 20. Jhds. keine große Rolle (im Ggs zu Beethoven, Chopin, Schumann etc.). Das kann man am Repertoire bzw. dem diskographischen Erbe sehr vieler bis ca. 1900 geborener Pianisten ganz gut ablesen.
      Da Chopin vermutlich mit der wichtigste Klavierkomponist des "öffentlichen" Repertoires ist, kann man wohl schlecht sagen, dass Bach "grundlegender" sei, weil für einen Pianisten normalerweise keiner der beiden Komponisten "vermieden" werden kann. (Und natürlich gibt es vereinzelte Weltklassepianisten, die von dem einen oder anderen nichts öffentlich spielen oder aufnehmen.)
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Ich habe zwar überhaupt nicht verstanden, worum es in diesem Thread eigentlich geht, aber ich möchte einfach mal eine Lanze brechen für die Inventionen und Sinfonien. Erstere mögen ja noch als harmlose Klavierstundenstückchen durchgehen (auch wenn sie schon manches enthalten, was alles andere als harmlos ist), aber die dreistimmigen Sinfonien gehören meiner Überzeugung nach unbedingt in die Reihe der "großen" Klavierwerke Bachs. Was da innerhalb recht enger selbst gesetzter Grenzen (zwei Partiturseiten, begrenzter pianistischer Aufwand, didaktische Abdeckung verschiedener technischer und klanglicher Problemstellungen usw.) an konzentrierter Vielfalt stattfindet, finde ich sensationell. Gleich die erste Sinfonie in C-Dur ist ein Wunder an kontrapunktischer Konzentration, vorgebracht mit geradezu spielerischer Leichtigkeit. Musikalischer Höhepunkt ist zweifellos die stark chromatische und streng kontrapunktische f-moll-Sinfonie (die Glenn Gould deshalb in seiner Einspielung an den Schluss setzte).

      Ansonsten diskutiert mal weiter, vielleicht kapiere ich irgendwann doch noch, was eigentlich das Thema ist ;+) !

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • Meiner bescheidenen Ansicht nach sollten in einer anständigen Sammlung sowohl zahlreiche Klavierwerke von Bach als auch Chopin vertreten sein. Welchen man dann den Vorzug einräumt, bleibe einem selbst überlassen. Kater Murrs Liste würde ich auch in etwa zustimmen, allerdings kommen mir die Toccaten viel zu schlecht weg. Ich glaube nicht, dass die Toccaten nur etwas für "Fans" sind. Im Gegenteil: diese Werke sind viel zugänglicher als fast alles andere von Bach. Die Themen sind frisch, die Fugen forsch aber lange nicht so komplex wie die im WTC, und die langsamen Abschnitte sehr atmosphärisch. Für mich haben diese Werke jedenfalls mehr Potential, bei Bach-Novizen gut anzukommen, als die Partiten (außer der ersten) oder die Englischen Suiten. Weiter rauf gehören auch die Französischen Suiten, die vor guten Themen beinahe bersten und den verspielten Bach zeigen. Es ist irgendwie paradox, dass man Bach immer beschuldigt, wie ein Prof. DDr. Polyphonius zu komponieren, seine zugänglicheren Werke aber unter den Tisch fallen lässt. ;+)
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • ChKöhn schrieb:

      Ich habe zwar überhaupt nicht verstanden, worum es in diesem Thread eigentlich geht,

      Um Bachs Klavierwerk, solo, also BWV 772-994.

      Die Richtung des Threads hängt natürlich davon ab, welche Leute schreiben. Am interessantesten wären die Wortmeldungen von Pianisten wie dir und andere. Aber man kann die Leute leider nicht zwingen.

      "Kaufberatung" ist bei solchen Themen nur ein Nebeneffekt, den man als reiner Hörer natürlich gerne mitnimmt. Wenn ein Profi bestimmte Werke hervorhebt, hat man einen Grund, sich näher damit zu beschäftigen.

      Übrigens habe ich immer einen Zettel auf meinem Tisch liegen, auf den ich die Musikstücke schreibe, die ich in den nächsten Wochen hören will. Die Liste umfasst logischerweise vielleicht gerade mal 0,1% meiner Sammlung. Die aktuelle Liste entstand vor ca. 2 Monaten. Darunter: "15 Zweistimmige Inventionen". Zufälle gibt's... Ok, dahinter steckt wohl auch das Gefühl, es wird Zeit für mehr Bach. Daher der Thread. Es ist in diesem Fall keine Kaufberatung, da ich 3 CDs bei Amazon bestellte und erst danach den Thread eröffnete.

      Was man ebenfalls diskutieren könnte: In welchem Rahmen werden diese Werke aufgeführt bzw. sollten sie aufgeführt werden:

      - Komplett (z.B. WTK I) oder ausschnittsweise?
      - Am Anfang, in der Mitte oder am Ende eines Konzerts?
      - In einem historisch engen Rahmen (nur Bach) oder zusammen mit späteren Werken?

      Gibt es Stücke, die man zwar privat spielt, aber nie aufführen würde?


      Thomas
    • Ecclitico schrieb:

      Gibt es Stücke, die man zwar privat spielt, aber nie aufführen würde?

      Wer ist "man"? Wie hältst Du es?

      Gibt es Gedanken, die man denkt, aber nie posten würde? (Vielleicht, weil sie gegen die Regeln verstoßen?)

      Gould sagte mal in einem Interview, dass er die Chromatische Fantasie und Fuge - um bei Bach zu bleiben - ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr gespielt, weil jede(r) die spielt. Auch die, die sonst keinen Bach spielen.

      Auch Horowitz hatte solche privatissima, wenn ich mich richtig erinnere.

      Zu "man" kann ich leider nichts sagen.

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" (Paul Watzlawick)
    • Mauerblümchen schrieb:

      Ecclitico schrieb:

      Gibt es Stücke, die man zwar privat spielt, aber nie aufführen würde?
      [...]

      Gould sagte mal in einem Interview, dass er die Chromatische Fantasie und Fuge - um bei Bach zu bleiben - ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr gespielt, weil jede(r) die spielt. Auch die, die sonst keinen Bach spielen.

      Auch Horowitz hatte solche privatissima, wenn ich mich richtig erinnere.

      Zu "man" kann ich leider nichts sagen.

      Gruß
      MB

      :wink:

      zu Gould:

      Gould meinte wohl, dass BWV 903 und 971 häufig als eine Art Initiationsritus vornehmlich an den Beginn von irgendwelchen Klavierrecitals gesetzt wurden, um in die vermeintlich "ernste" Musik eines Chopin, eines Debussy oder eines Beethoven einzuführen.



      Seither hege ich gegen beide Werke einen heftigen Widerwillen


      so Gould.

      Gould wäre allerdings nicht Gould, wenn er nicht im gleichen Atemzug konstatieren würde, dass eben beide Werke



      nicht wirklich kontrapunktisch




      seien und ihre "Antriebskraft" eben nicht von "einer linearen Idee" geprägt sei.

      Von diesem Standpunkt aus betrachtet, ist die Frage



      Gibt es Stücke, die man zwar privat spielt, aber nie aufführen würde?


      durchaus berechtigt und interessant, wenn man sie denn im historischen Kontext betrachtet und einmal der Frage nachgeht, welche Bedeutung die Musik Bachs in der Entwicklung der Konzertpraxis, sagen wir einmal seit 1925, hatte. Auf Arrau und dessen späte Beschäftigung mit Bach hatte ich bereits weiter oben hingewiesen.

      In Spiegel Online darf man nachlesen:



      Als ersten Zyklus hatte sich der Superprogrammatiker Arrau das wohltemperierte Klavierwerk Johann Sebastian Bachs angeeignet. Als er, nach zweijährigem Üben, den ganzen Bach beherrschte, war ihm, "noch ehe die letzte Note verklungen war" (Arrau). klar, daß er des alten Meisters Klavierschaffen nie mehr interpretieren würde. "Es ist ein Wahnsinn", gesteht Arrau, "auf dem Klavier zu spielen, was für das Cembalo gedacht war."




      aus: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46272186.html

      Trotzdem erstaunlich diese Aussage, wie ich finde, wenn man bedenkt welche Aufmerksamkeit Arrau Bach in seiner Jugendzeit geschenkt hat, denn immerhin hat dieser bedeutende Künstler in der Saison 1935/36 in Berlin an zwölf Abenden das gesamte Solo-Klavierwerk Bachs aufgeführt; von den GBV aus 1942 will ich in diesem Zusammenhang gar nicht reden (vielleicht die erste Platteneinspielung mit Piano neben Eunice Norton - beide 1942 - daneben aus historischen Gründen zu beachten: Serkin 1928 auf Welte Piano Rollen und Landowska 1933 mit Cembalo).
    • Um es vorwegzunehmen, Antworten auf Fragen aus meinem vorstehenden Beitrag werden hier nicht geliefert. Gleichwohl könnte es ganz interessant sein, dem Link zu dieser Playlist

      http://www.youtube.com/playlist?list=PLAVazGye4a3SHApqtJwOJvo9gjJ-yrMfV

      etwas Aufmerksamkeit zu schenken, war man doch im Rahmen des dort dokumentierten Projekts "Les tempéraments chez Bach" der Cité de la musique aus dem Jahr 2014 bestrebt, sämtliche Werke für Tasteninstrumente solo (exklusive Orgel) auf historischen Instrumenten mit durchaus angesehenen Interpreten (da untertreibe ich natürlich angesichts solcher Namen wie z.B. Staier, Hantai, Rannou, Schornsheim, Asperen) in Ton und Bild aufzuzeichnen. Damit wird uns zumindest ein Überblick (vgl. Threadtitel) des Bachschen Cembalo-Solo-Werkes verschafft, wobei ich vermute, dass die Zusammenstellung eben nicht ganz komplett ist (Davitt Moroney dürfte fehlen, vgl. hier: http://www.citedelamusiquelive.tv/Concert/1015032/pierre-hantai-johann-sebastian-bach.html).

      Fazit: :juhu: :juhu: :juhu:
    • Bach und Cembalo, da fallen mir spontan Karl Richter und Hedwig Bilgram ein, habe in meiner Jugend viel Bach-Cembalo-Musik von ihnen gehört.

      Jetzt bin ich über Jean Rondeau gestolpert, ein junger französischer Cembalo-Spieler, dessen Erstling-CD im Januar erscheinen wird.

      Infos und Kostproben:

      "http://www.warnerclassics.com/shop/4586086,0825646220090/jean-rondeau-bach-imagine"

      "https://www.youtube.com/watch?v=e81-X11jJMk"

      BWV 923 als Tuben-Musi:
      "https://www.youtube.com/watch?v=ZVPLCZaA-XE"


      :wink:

      amamusica :pfeif:
      Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
      all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

      ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
      Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...



    • Yukon schrieb:

      Um es vorwegzunehmen, Antworten auf Fragen aus meinem vorstehenden Beitrag werden hier nicht geliefert. Gleichwohl könnte es ganz interessant sein, dem Link zu dieser Playlist

      youtube.com/playlist?list=PLAVazGye4a3SHApqtJwOJvo9gjJ-yrMfV

      etwas Aufmerksamkeit zu schenken, war man doch im Rahmen des dort dokumentierten Projekts "Les tempéraments chez Bach" der Cité de la musique aus dem Jahr 2014 bestrebt, sämtliche Werke für Tasteninstrumente solo (exklusive Orgel) auf historischen Instrumenten mit durchaus angesehenen Interpreten (da untertreibe ich natürlich angesichts solcher Namen wie z.B. Staier, Hantai, Rannou, Schornsheim, Asperen) in Ton und Bild aufzuzeichnen. Damit wird uns zumindest ein Überblick (vgl. Threadtitel) des Bachschen Cembalo-Solo-Werkes verschafft, wobei ich vermute, dass die Zusammenstellung eben nicht ganz komplett ist (Davitt Moroney dürfte fehlen, vgl. hier: citedelamusiquelive.tv/Concert…ohann-sebastian-bach.html).

      Fazit: :juhu: :juhu: :juhu:
      Die verlinkte Playlist ist nach wie vor aktiv - es lohnt sich - youtube.com/playlist?list=PLAVazGye4a3SHApqtJwOJvo9gjJ-yrMfV

      Aber auch ein aufmerksamer Blick auf die musikalischen Aktivitäten von Chiara Massini stellt sich als lohnenswert dar, wenn man sich eine Übersicht über das Tastenmusikwerk des Thomaskantors verschaffen möchte.

      youtube.com/user/chiara2110/videos


      Falls die Interpretin wieder Erwarten nicht bekannt sein sollte, hier ein Link auf ihre Webseite.