Eben gewälzt

    • Hallo lieber Gurnemanz, echte Begeisterung ist ja kaum bremsbar :D

      Für mich geht es erstmal darum, bei einem 2600 Jahre alten Text den Fuß in die Tür zu bekommen, also im Groben das Ganze zu erfassen. Was ja spätere Lektüren genauerer Übersetzungen keinesfalls ausschließt. Und dafür finde ich die genannte Ausgabe ideal.

      Wenn ich mich den kärglichen Rest meines Lebens weiter mit Homer befassen sollte - was wäre denn dann eine gute Übertragung? Tipps immer gern hierher :) Aber erstmal fühl ich mich ganz gut bedient. Bin ja kein Altphilologe, erstmal tut's die Geschichte in all ihren Details...

      LG
      "Wir sind nichts Wichtiges. Wir sind im Grunde nichts weiter als Wirbel im Fluß des Lebens. -- So betrachten wir unser Leben allerdings nicht gern." (Charlotte Joko Beck)
    • Ach der Joyce!

      Wie lange habe ich um den Roman gerungen!
      Erst die Übersetzung von Goyert, bei meinen Eltern im Giftschrank der Literatur, weil schweinisch (darunter galt auch anti-religiös). Gescheitert.

      Dann war ich bei Hans Wollschläger in Kiel zur Vorstellung der neuen Übersetzung. Glänzender Abend eingeladen von Eckard Cordes.
      Wollschläger las an dem abend komplett das letzte Kapitel (Penelope) und signierte dann seine sündhaft teure 2-bändige Ausgabe (120 DM).
      Vorher hatte er einleitend mehr als 1 Stunde über seine Übersetzungsprobleme refereiert.

      Doch dann endlich der Kauf, die schwarze gebundene Ausgabe mit dem Einband von Willi Fleckhaus. "Stattlich und feist..." für 48,-DM und wieder gescheitert.

      Doch Ecki Behrens gab mir den Tipp. "Lies das Ding als Abenteuerroman, vergiss den Überbau!"
      Dann ging es. Die Bedeutungssuche war ausgeschaltet, schmökern war angesagt und nun ging es wie im Flug.
      Binnen einer Woche war ich durch und seit dem vergeht kaum ein Jahr, wo ich nicht Partien nachlese, immer mal einzelne Kapitel, weil es so toll geschrieben ist.

      Traurig: Der Sohn schenkte mir das englische Original: So gut bin ich nicht, das ich alle Feinheiten mitbekomme. So bleibt es für mich bei der deutschen Übersetzung und ein paar Teilen, die ich auf englisch nachlese. Da geht es mir wie bei Joyce wie bei Pynchon!

      Aber Garcia! Wenn Du Dich schon aus der Vorlage inspirieren lässt, dann empfehle ich begleitend zwei Filme, alle besser als Troja!

      mit Milo O Shea, dem irischen "Volksschauspieler" als Leopold Bloom und T.P. McKenna als Buck Mulligan, (Stpehen Dedalus, ist eher schwach besetzt: Maurice Roeves) sowie
      mit George Clooney als Ulysses, der die Hochzeit seiner Penelope verhindern will und dazu mit 2 Spießgesellen aus den Knast ausbricht.

      Gruß aus Kiel
      Der beste Beweis dafür, das es im Universum intelligentes Leben geben muss, ist der, dass noch keiner versucht hat, mit uns Kontakt aufzunehmen (Calvin and Hobbes)
    • Hallo Doc,

      Ich werde meine “Gipfelbesteigung“ mit der kommentierten Ausgabe versuchen



      und dazu vorher noch



      (Aber den nicht nur wegen Joyce)...

      Und wenn ich dann vor dem Gipfel abstürzen sollte hab ich ja im Fallen immerhin den Homer kennengelernt :D was Joyce vermutlich mit Befriedigung zur Kenntnis genommen hätte :D

      Danke für die Tipps, beide Filme sind bestellt.

      Man kann ja nie genug Halteseile haben für den Everest, nä?

      LG
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    • Ahh, so schlimm ist das nicht!

      Das einzige Kapitel, dass mir richtig zu schaffen machte, war damals das, wo mit der Geburt eines Kindes auch die Sprache geboren wird.
      "Deshil hollus eamus..." und wo sich der arme Wollschläger vom alt- über mittelhochdeutsch langsam in die neue Sprache schreibt. Das muss man laut brabbelnd lesen. Dann macht es tierisch Spaß.

      Joyce Ulysses ist ein Vergnügen!! zu Lesen, urkomisch. Erst beim 2. 3. Lesen fällt einem dann Homer ein. Und wenn man den nicht kennt, kein Problem!

      Ich weiß jedenfalls mehr über die Zubereitung von Lammnieren zum Frühstück!! seit ich das 2. Kapitel gelesen habe.
      Und ich bin immer dem Heulen nahe, wenn Stephen Dedalus in seinem ersten Auftritt einen aussichtlosen Schüler bedauert.
      "Und doch hatte ihn eine geliebt, hatte ihn auf ihren Armen getragen und in ihrem Herzen!
      Aber auch enthusiasmiert, wenn im Frage-Antwort Spiel nach diversen Getränken folgendes steht:
      "Waren Sie unbegrenzt inaktiv!
      Auf Stephen Anregung, auf Blooms Anstiften urinierten sie beide, erst Stephen, dann Bloom, im Halbdunkel nebeneinander......
      Geschah es in ähnlicher Weise?
      Die Trajektoren ihrer einander erst folgenden, dann simultanen Urinstrahlen waren unähnlich...." Das löse ich jetzt nicht auf. Selber lesen macht schlau.
      Gruß aus Kiel
      Der beste Beweis dafür, das es im Universum intelligentes Leben geben muss, ist der, dass noch keiner versucht hat, mit uns Kontakt aufzunehmen (Calvin and Hobbes)
    • Doc Stänker der Mutmacher ^^

      Herzlichen Dank, auch mal für all deine andren wertvollen Tips in diesem Thread...

      Und den ollen Klemperer hast du mir ja auch noch nahegebracht :)

      Obwohl ich ja den Celibidache trotzdem liebe :P aber das wirst du irgendwann auch nachvollziehbar finden

      Aber danke für so viel, Doc, danke für so viel

      LG
      "Wir sind nichts Wichtiges. Wir sind im Grunde nichts weiter als Wirbel im Fluß des Lebens. -- So betrachten wir unser Leben allerdings nicht gern." (Charlotte Joko Beck)
    • Hallo Garcia,

      der Ulysses ist ein Wundertier, vielfältig lesbar, ungemein gewinnbringend. Ich habe über mehrere Jahre drei Versuche (und verschiedene Sekundärliteratur, davon gibt es ja reichlich) gebraucht, bis ich das Buch mit Gewinn und Genuss vollständig lesen konnte - obwohl selbstredend diverse Fragen offen blieben.

      Die klassische Empfehlung möchte ich dir nicht vorenthalten, weil ich sie richtig und äußerst nützlich finde:

      Lies vor dem Ulysses den kurzen Erzählungsband Dubliners. Um vielfaches einfacher zu lesen und deshalb so nützlich, weil du den Tonfall und die Themen von Joyce auf diese Weise wie nebenbei aufnimmst. Für sich lesenswert sind die Geschichten der Dubliner zudem allemal.

      Viel Spaß in jedem Fall.

      Gruß, Thomas
    • The New Yorker

      Hallo,
      nach Jahren des Zögerns habe mir endlich ein Abo des "The New Yorker" zugelegt. newyorker.com/
      Ich wollte die USA dichter an mir dran haben, als über unsere Presse
      Nach 5 Exemplaren von 48 pro Jahr für lächerliche 150€, also etwas mehr als 3€ pro Exemplar kann ich nur sagen: Whow.
      Was für eine Zeitschrift! Die Zeitschrift kommt fast ohne Werbung aus, also sind die ca. 80 Seiten immer prall gefüllt. Dünneres Papier erzeugt die Anmutung eines umfangarmen Heftes: Weit gefehlt
      Der Aufbau ist klar gegliedert:
      Nach einigen Seiten über New Yorker Ereignisse, diese Woche hatten Jakob Hrusa sein "New Yorker Debut" und Alan Gilbert seine Abschiedsvorstellung, kommen dann Artikel zum "Talk of the Town" und hier überwiegen aktuell, wie kann es anders sein, Artikel über die "orange Gefahr."
      Alle wesentlichen Artikel sind lang, meist 4 und mehr Seiten (3 Spalten), also nicht auf schnelle Einnahme geschrieben.
      Anschließend folgen oft Kurzgeschichten neuer oder bereits bekannter Schriftsteller/Innen. Musik- und Buchbesprechungen runden das Ganze ab.

      Es findet sich nahezu die gesamte intellektuelle Elite der USA unter den Autoren.
      In der aktuellen Ausgabe (5. und 12. Juni) sind es u.a. Toni Morrisson, Richard Ford und Philip Roth.Dazu befindet sich ein 7 Seiten langer Aufsatz unter dem Titel:
      "The other Side of Silence" rereading "W.G. Sebald" by James Wood, der Sebald Werk sehr interessant beleuchtet.

      Ich kann diese Zeitschrift nur empfehlen und wundere mich, das es so etwas im deutschsprachigen Raum nicht (mehr) gibt.

      Gruß aus Kiel
      Der beste Beweis dafür, das es im Universum intelligentes Leben geben muss, ist der, dass noch keiner versucht hat, mit uns Kontakt aufzunehmen (Calvin and Hobbes)
    • Hi,
      das (mehr) habe ich in vorgreifender Entschuldigung meiner schwachen Kenntnisse über alle(!) Magazine geschrieben, die ich längst aufgegeben habe.
      Einzig "Transatlanik" habe ich in guter Erinnerung.
      Gruß aus Kiel
      Der beste Beweis dafür, das es im Universum intelligentes Leben geben muss, ist der, dass noch keiner versucht hat, mit uns Kontakt aufzunehmen (Calvin and Hobbes)
    • Guten abend Major!
      Lokalteile umfassen max. 10 Seiten von 80! Und es ist interessant, was in New York im Vergleich zu unseren Städten so abgeht.
      Und es betrifft. Theater, Fiim, Musik (Klassik wie Rock), Ausstellungen und Restaurants.
      Ja, da kann man neidisch werden, wenn man liest, was in New York los ist und sich wundern, dass so ein Tropf, wie der mit den orangen Haaren aus New York nun Chef ist.

      Zum New Yorker: Zum Beginn hilft die Webseite... Aber ich wollte nach kurzer Zeit das Gedruckte haben. Ich bin eben altmodisch. Ich lese über die Woche verteilt mehrfach etc. , mache Notizen, blättere nach, eben das was man mit digitalen Medien so leicht nicht hinkriegt. Vor allem nicht in der Bahn auf dem Weg nach Berlin, wo ich nun mal arbeite.
      Gruß aus Kiel
      Der beste Beweis dafür, das es im Universum intelligentes Leben geben muss, ist der, dass noch keiner versucht hat, mit uns Kontakt aufzunehmen (Calvin and Hobbes)
    • Mal eben überprüft und dann völlig verblüft.

      Hallo,
      im "Lied von der Erde" Thread drehen sich die letzten Beiträge um Szells Einspielung von 1970. Mike zitierte Frau Schwarzkopf, dass Szell ihr liebster Begleiter gewesen sei.
      Nun, da können wir mal überprüfen, denn es gibt ja aus der Feder von Frau Schwarzkopf dieses Buch hier.
      "On and Off the Record. A Memoir of Walter Legge. (Ich habe die 1982er gebundene Ausgabe)
      Und in der Tat, George Szell wird hier eingehend gewüdigt.
      Dann aber lese ich wahrscheinlich zum ersten Mal auch den Klappentext und siehe da:
      Alle wesentlichen Dirigenten, mit denen Legge zu tun hatte, werden erwähnt. Beecham, Furtwängler, Giulini, Cantelli, Maazel, Sawallisch, Schippers, De Sabata und Karajan.
      Merkt man an der Aufzählung, dass der wohl Wichtigste fehlt?
      Weil er vielleicht 1964 zur "persona non grata" wurde?
      Das Buch ist voll von ihm, denn er war ja mehr als 10 Jahre Geldgarant für Legge und brachte teilweise mehr als 10% der EMI Umsätze ein und damit Tantiemen für Legge. Aber es wird immer versucht, einen Schatten auf ihn zu werfen.
      Frau Schwarzkopf konnte ihn nun mal nicht ausstehen.
      Wer war es? Klemperer, wer sonst!
      Gruß aus Kiel
      Der beste Beweis dafür, das es im Universum intelligentes Leben geben muss, ist der, dass noch keiner versucht hat, mit uns Kontakt aufzunehmen (Calvin and Hobbes)