Die barocke Triosonate - ihre Bedeutung und ihre Schönheiten

    • Wieder live:
      swr.de/swr2/programm/sendungen…659392/159f87s/index.html

      NeoBarock mit Werken von Rossi, Biber, Bach, Händel und Uhde.
      Die Werke Bachs sind Rekonstruktionen, eine davon des Doppelkonzerts BWV 1043- die kleine Besetzung tut dem Werk ja keinen Abbruch, soooo viel größer besetzt ist auch so manche Aufnahme als Konzert nicht :D .
      Am bemerkenswertesten fand ich die Sonate Uhdes, der mir bisher nur dem Namen nach bekannt war.
      Bach schimmert durch, CPE auch, aber man hört, dass da einer einen sehr eigenen Stil entwickelt hat, wieder anders als Goldberg, Müthel oder Kirnberger.
      Ein wirklich "starkes Stück" Musik!
      Als link dazu die Site eines Bekannten:
      bachschueler.de/die-virtuellen…nd-seine-geheimnisse.html


      Wie üblich: der Mitschnitt liegt mir bearbeitet vor, Ansagen geschnitten- wer teilhaben möchte, nutze die PN- Funktion.


      Herzliche Grüße,

      Mike
      "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire
    • Schon gestern gehört:


      Füllt mal wieder eine Lücke im Fundus "des Volkes ohne Musik", was ich ja äußerst bösartig formuliert finde.
      Sind sehr schöne Triosonaten, die einerseits Purcell durchscheinen lassen, sowohl italienische als auch französische Einflüsse- neben den ganz typisch britischen Laustspielereien um Vogelgezwitscher, britischer Harmonik etc.... manches kommt einem derart bekannt vor, besonders von einem gewissen Händel, dass man kaum glauben mag, dass Williams bereits 1701 verschieden zu sein scheint.

      Sehr hörenswerte Musik, nicht nur "Lücken" zu füllen- die Camerata Köln um Michael Schneider spielt wie immer mühelos mit großer Spielfreude.
      War für mich so eine "kleine" Entdeckung, die dann ganz besonders große Freude macht.

      Herzliche Grüße,
      Mike
      "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire
    • Wiktionary sagt:

      Bedeutungen:
      [1] von Menschen: dazu neigen, rücksichtslos, übermäßig, unangebracht und oft unbeherrscht gewalttätig, verletzend oder quälerisch zu sein, meist ohne Reue oder Skrupel.
      [2] Handlungen, Taten: rücksichtslos, übermäßig und unangebracht gewalttätig, verletzend und quälerisch

      Da habe ich nichts hinzuzufügen.

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" (Paul Watzlawick)
    • Musizieren ist Handeln- von einer CD aus auf das Wesen der Musiker zu schließen, ist wohl Spekulation, oder?
      Wie wohl auch auf das Schließen auf einen Hörer?

      Nun denn, danke für den Hinweis auf die CD.
      Und vollkommen rücksichtslos belasse ich es dabei :verbeugung1: .

      Herzliche Grüße,
      Mike
      "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire
    • Triosonaten von Leclair

      In den letzten Tagen habe ich wiederholt die beiden Zyklen von Triosonaten (op. 4 und op. 13) von Jean-Marie Leclair gehört:



      Opus 4 ist im Corellischen Stil gehalten, wenn auch sehr gallifiziert, während op. 13 Transkriptionen von anderen Werken aus Leclairs Feder für Triobesetzung sind. Transkribiert wurden von Lecair die Ouvertüre seiner Oper Scylla et Glaucus, zwei Ouvertüren von verschollenen Schauspielmusiken und drei Violinsonaten (op. 1 Nr. 12 und op. 2 Nr. 8 und 12). Alle Werke sind sehr farbig und - ganz Leclair - mit bestem Kontrapunkt versehen. Es handelt sich durchgehend um sehr attraktive Werke, wobei ich zurzeit fast op. 4 präferiere. Denn Corelli mag das Vorbild gewesen sein, aber dieses Vorbild wurde mMn von Leclair deutlich übertroffen. Auffallend ist, dass die Werke viel umfangreicher als die Triosonaten Corellis oder anderer Italiener sind. Spielzeiten von über 15 min sind keine Seltenheit und Satzlängen von über 6 min kommen wiederholt vor. Das sind schon fast "Bachsche" oder "Rameausche" Ausmaße, die zeigen, dass Leclairs Können mühelos ausreichte, um im großen Maßstab zu überzeugen. Ich persönlich mag diese Werke mehr als die Triosonaten Couperins, die sich mir noch nicht ganz erschlossen haben.

      Es spielt das Purcell Quartett, bestehend aus Catherine Mackintosh (Violine), Catherine Weiss (Violine), Richard Boothby (Gambe) und dem von mir ganz besonders geschätzten Cembalisten und Organisten Robert Woolley.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Telemann Six Trios

      Gestern habe ich wieder begeistert Triosonaten von Telemann gehört. Was es da doch für unglaubliche Schätze gibt! Etwa die g-Moll Triosonate aus der Sammlung Six Trios aus 1718. Das einleitende Adagio ist wirklich eines der berührendsten Stücke aus dem Barock, das ich kenne, und zeigt Telemann als Großmeister der Harmonik.


      Hier eine Einspielung vom Ensemble La Rêveuse: youtube.com/watch?v=6F8Aw0eqgLQ
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Henry Purcell Sonatas in three or four parts, respectvely

      Kaum Erwähnung haben in diesem Thread bisher die Triosonaten Henry Purcells gefunden, was vielleicht daran liegt, dass sie eher Quartette sind als Triosonaten. Es gibt hier wieder dieses eingangs diskutierte Definitionsproblem bei der Triosonate. Zu dieser Verwirrung trug in diesem Fall auch der Komponist selbst bei, da er seine beiden Werkzyklen in dieser Gattung einmal als "Twelve Sonatas of three parts" und das andere Mal als "Ten Sonatas in four parts" bezeichnete. Alle haben jedoch dieselbe Besetzung, nämlich zwei Violinen, Gambe und Generalbass. Die erste Sammlung veröffentlichte der Komponist selbst in 1683, die zweite Sammlung hingegen wurde posthum von seiner Witwe herausgegeben, war aber vermutlich im Wesentlichen gleichzeitig mit der ersten entstanden. Purcell war ja noch zu Lebzeiten in England als der unumstritten bedeutendste Komponist angesehen worden. Im Gegensatz zu seinen Vokalwerken, verschwanden diese Instrumentalwerke allerdings im Laufe des 18. Jahrhunderts in der Versenkung, um erst zwei Jahrhunderte später ausgegraben zu werden. Die einzige Ausnahme war die sogenannte "Golden Sonata", die zehnte Sonate aus den "four parts", welche im Repertoire blieb. Die Gründe hierfür sind nicht bekannt, es wird aber vermutet, dass ihr etwas sonnigeres Naturell im Vergleich mit den anderen Werken, ihr diesen Vorteil verschaffte. Ich muss zugeben, dass ich genau aus diesem Grunde mit diesen Werken etwas hadere. Sie klingen für mich sehr trist und geradezu monoton ernst. Die ebenfalls triosonatenähnlichen Gambenfantasien Purcells kommen viel abwechslungsreicher daher als diese Werke. Stilistisch stehen sie zwar der vorcorellischen italienischen Triosonate nahe, aber vom Farbenreichtum eines Stradella oder Bassani sind diese Werke weit entfernt. Ich habe diese Werke über die Jahre verteilt wiederholt und aufmerksam gehört, kann für sie aber nicht im geringsten dieselbe Begeisterung wie für die späteren Werke Purcells, v.a. im Vokalfach, entwickeln. Vielleicht ändert sich das noch mal....

      Meine Aufnahmen:

      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Giovanni Benedetto Platti - Sechs Triosonaten

      Der fränkische Italiener Platti (1697 - 1763) verbrachte fast sein ganzes professionelles Leben in Würzburg und Umgebung und wird heutzutage nicht mehr unter die bekannten Barockkomponisten gereiht. Zu seiner Zeit war er allerdings ein respektierter Geiger und Oboist. Die meisten seiner Komponisten sind in der Sammlung des Grafengeschlechts Schönborn-Wiesentheids zu finden, dem lokalen Adelsgeschlecht. So auch sechs Triosonaten für die relativ seltene Besetzung Violine, Cello und Generalbass. Diese schon teilweise dem galanten Stil verpflichteten Werke haben einen dementsprechend sonoren Charakter, der sicherlich vielen gut gefallen wird. So auch mir. Die Werke sind sehr angenehm anzuhören und in der Einspielung des Ensembles Armoniosa ein wahrer Ohrenschmaus - aber natürlich hat da auch die Tontechnik von MDG da ihren Anteil daran.

      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Buxtehude revisited

      Buxtehudes geniale Triosonatensammlungen opp. 1 und 2 wurden in diesem Thread ja bereits mehrmals angesprochen. Ich hatte sämtliche bei Naxos erschienenen Aufnahmen von Holloway & Co. schon längere Zeit, konnte mich aber nie so recht mit ihnen anfreunden. Zu intransparent war das Klangbild und zu "matter of factly" waren die Interpretationen. Sukzessive habe ich mir daher Ersatz beschafft, wobei das op. 1 in mehr Einspielungen erhältlich zu sein scheint als das Nachfolgeopus.

      Folgende Einspielungen von op. 1 habe ich erworben:



      Die ältere von Kraemer und Kollegen ist bereits der Aufnahme von Holloway haushoch überlegen, aber was das Arcangelo Ensemble von Jonathan Cohnen bietet ist schlichtweg phänomenal! Der Einsatz der Theorbe ist klanglich sehr bereichernd, aber das alleine wäre es nicht, was mich so begeistern würde. Nein, es ist das extrem nuancenreiche Spiel, der immer schöne Ton, der diese Einspielung wohl zu einer der schönsten der letzten Jahre macht.

      Dementgegen war ich bei op. 2 deutlich weniger erfolgreich bei meiner Suche nach Ersatz. Das Purcell Quartet ist normalerweise eine sehr gute Adresse für hochqualitative Aufnahmen von barocker Ensemblemusik.

      Diesmal aber ist der Klang zu direkt und trocken. Außerdem spielt die zweite Geigerin, Catherine Weiss, die sich mit Catherine Mackintosh sonatenweise abwechselt, um mit dem Gambisten Richard Boothby und dem Cembalisten Robert Woolley, das Trio zu komplettieren, einen sehr spitzen Ton, der unschön klingt. Manchmal, etwa in Sonate 6, kommt es sogar zu Unsauberkeiten. Aufgrund der hohen Transparenz der Aufnahme ziehe ich sie der Naxosaufnahme immer noch vor. Begeisterung hingegen will sich nicht einstellen.

      Es gibt noch eine weitere Aufnahme der Werke, bei Arts erschienen, welche ich nicht kenne:

      Kennt sie jemand von Euch?
      Im Zweifelsfall immer Haydn.