Sol Sayn - Jiddische Musik

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    • philmus schrieb:

      Peter Brixius schrieb:

      aber die Mame ist ja auch nur Repräsentantin einer Gemeinschaft, die einen vereinnahmt und die individuellen Träume erstickt.
      Würdest Du das als Kennzeichen der jüdischen Gemeinschaft sehen? Ich kenne mich nicht soo sehr aus...


      Nein, zumindest aus Sicht von pubertierenden Jugendlichen wohl von jeder Gemeinschaft. Das personifiziert sich dann jeweils in den konkreten Konstellationen. Bei einem Roman von Bahr, den ich lese, kann das auch ein Lehrer sein. Bei Kafka ...

      Aber ist ja jetzt - denke ich - eh klar.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Jontef ist ein Trio, das 1988 am Landestheater Tübingen gegründet wurde. Seit 2001 ist es zum Quartett angewachsen. Von vorneherein machte es Klezmer-Musik, griff also die Tradition der alten jüdischen Wanderkapellen auf. Das Besondere bei "Jontef" ist die Verbundenheit mit dem Theater. Theater und Klezmer-Musik bilden eine Einheit, verbunden durch den jüdischen Humor. Es sind Programme, die den Erfolg des Ensembles ausmachen, wie "Hey, Klezmorim - Lieder und Geschichten der Wandermusikanten. Dafür haben sie etwa bei der Bodensee-Künstlerbegegnung 1994 den ersten Preis bekommen. Begründung

      für die hohe Kunst des Erzählens, die musikalische Virtuosität, den liebenswert-witzigen Auftritt und für das komödiantische Zusammenspiel des Ensembles.


      ("http://de.wikipedia.org/wiki/Jontef")



      Auf der CD "Klejne mentschelach" findet sich A Semerl. Dort wird beschrieben, was eine Leckerei für einen Reichen und was eine Leckerei für einen armen Juden ist. Die frische Semmerl gibt es nur bei den Reichen, für arme Leute ein Stück trockene Rinde.

      Bei youtube findet man eine Menge von Jontef.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Über die sehr schönen, von Peter empfohlenen Jontef-Tuben-Links landete ich bei einem (wie ich finde) bemerkenswerten Klezmer-Violinisten + Komponisten, Daniel Hoffman.

      Seine Website:
      "http://www.klezmerfiddle.com/Klezmer_Fiddle/Klezmer_Fiddle.html"

      Darin Videos:
      "http://www.klezmerfiddle.com/Klezmer_Fiddle/Videos.html"

      und mp3-Stücke:
      "http://www.klezmerfiddle.com/Klezmer_Fiddle/MP3s.html"

      Besonders hat es mir das das 3. mp3-Stück angetan, Romanian Fantasy #1
      aber alles richtig gut

      Hier Daniel Hoffman in der Tube:
      "http://www.youtube.com/watch?v=BVtIl3dqDbM"


      :wink:

      amamusica :pfeif:
      Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
      all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

      ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
      Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...



    • Katharina Müther

      Voran stellen möchte ich einen herzlichen Dank an Streifenpeter und amamusica. Unser Peter aus Wien teilt mit mir die tiefe Sympathie für die Musik der osteuropäischen Juden. Der unfassbare kulturelle Verlust bei dem Versuch, diese Menschen und ihre Lebensart auszumerzen, macht den Schmerz aus, wenn ich Gerettetes höre - und die Freude, wenn ich erlebe, dass die Musik weiterlebt.

      Vielen Dank an amamusica, die einer Anregung von mir nachging. Über die Beteiligung an diesem Thread freue ich mich besonders. Für jede Musik gilt, dass sie eine Art darstellt mit dem Leben umzugehen. Ich hoffe dem geschätzten Leser zu vermitteln, dass diese Musik mehr ist als Unterhaltung und exotische Hintergrundmusik.

      Katharina Müther (geb. 1953 in Düsseldorf) studierte Gesang in Freiburg.Sie entdeckte jüdische Lieder und schrieb darüber

      Ich war tief berührt von dieser Musik und sofort begeistert. Über die Lieder entstand ein starkes Interesse an der Geschichte der Juden in Deutschland, mit der ich mich auseinanderzusetzen begann.


      Es entstand ihr erstes jiddisches Liedprogramm, zunächst trat sie allein auf, dann bildete sich das Duo Avierto. Noch einmal die Sängerin

      Mein Anliegen ist es, den Reichtum jiddischer und auch sephardischer Liedtradition gerade in Deutschland wieder lebendig werden zu lassen und so zu einer emotionalen Auseinandersetzung mit der deutsch-jüdischen Geschichte beitzutragen.


      Die nächste Ensemblegründung war das Duo Wajlu zusammen mit Roswitha Dasch. Die New York Times schrieb über eine Tournee 2004

      Das talentierte Klezmer-Duo aus Akkordeon und Violine präsentierte traurige jiddische Lieder, himmelhochjauchzende instrumentale Melodien und verspielte Stücke über jüdische Hochzeiten. Das Publikum lauschte gespannt und spornte die beiden Damen am Ende zu mehreren Zugaben an.

      (Zitate nach dem Booklet der CD) Website: "http://www.katharina-muether.de/" Bei Amazon fand ich "Schpil mir,zigajner! - Jiddisches und Zigeunerisches aus Osteuropa"

      Auf der CD findet man Kum aher, du Filosof. Erschienen ist das Lied auf "A lidele in jiddisch". Geschrieben hat es Velvl Zbarsher (1826-1883). Zbarsher verspottet hier einen Philosophen und stellt ihm die Weisheit des Rebbe gegenüber

      Setz dich an den Tisch des Rebben
      Da wirst du Weisheit lehren


      Das zweite Lied heißt Papir is doch wajss, erschienen auf Jiddische Lieder II, ein Traditional, das Lied von einer tiefen Liebe

      Im Herzen brennt ein Feuer, man sieht es mir nicht an
      Kein Mensch kann fühlen, wie es brennt
      Der Tod und das Leben liegt in Gottes Händen.


      Auf der Website finden sich Hörbeispiele, es gibt auch den Link "http://www.wajlu.de/#"

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Nichts zu danken, Peter, das sind ja nur Links. Danke vielmehr Dir für diesen wunderbaren Thread!
      Er ermöglicht so schöne Entdeckungen, und Deine Erläuterungen sind so gut.


      :wink:

      amamusica :pfeif:
      Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
      all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

      ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
      Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...



    • Lieber Peter!

      Da ich mit Arik Brauer und seiner Familie befreundet bin kenne ich sein Tochter Timna Brauer recht gut.

      Bei denen daheim wird die Jiddische Musik groß geschrieben und man kann stundenlang zuhören, wenn die traurig/heiteren Melodien gesungen werden - und man macht mit, obwohl ich trotz jiddischen Onkel [Heinrich Berté] kaum ein Wort kann, mit Althebräisch hat das gar nichts zu tun, diese Sprache ist einzigartig - und man kriegt den Text aufgeschrieben und da geht es einigermaßen.



      Diese Melodien sind das Heimweh nach dem was man nicht mehr hat - und dem was es nicht mehr ist. Wenn ich vom Musical Anatevka nur das Wort Anatevka nehme, dann habe ich das Weggehen und Wiederhingehen in eine andere Region, die doch nie Heimat ist und es auch nie wird.

      Und noch eines das größte Verbrechen welches das 20. Jahrhundert aufzuweisen hat, ist diese sie hat die Kultur des europäisch/vorderasiatische Judentums ausgerottet und diese ist von Prag bis Lemberg, von Wien bis Leitzmeritz, von Berlin bis Klausenburg, von Budapest bis Rom, ja leider auch dort im Sitz des Papsttums, zerbrochen und vergast worden - und bei Stalin von Moskau bis Nowgorod, unwiederbringlich und ach so traurig.

      Kann sich denn heute eine Generation vorstellen was nicht gespielt, geschrieben und gesungen werden durfte, und das ist grade an die 80 Jahre her als ein Verbrecher an die Macht kam und mit seinen Mannen alles was nicht arisch war vernichtete. Und leider ist es auch heute so, dass ein Parteivorsitzender einer Partei in Österreich, und nicht nur da, die weniger zufriedenen Menschen manipuliert und Fremdenhass auf seine Fahnen schreibt.

      Wenn sich auch die jetzigen Politiker und auch Menschen in Europa, leider aber nur teilweise, sich von dieser Grausamkeit distanziert haben, so bleibt doch der Stachel in der europäischen Kultur zurück.

      Shalom aleichem sagt Euch Euer Peter aus Wien. :sparkle: :sparkle:
    • Eigentlich habe ich ihn schon einmal genannt, als Teil der Gruppe "Zupfgeigenhansel" gehörte er zum Urgestein. Doch nach der Trennung des Duos hat er seine eigene Geschichte geschrieben an die hier erinnert werden sollte. 1950 wurde der Musiker in Göppingen geboren. Früh stieß er zu den Stuttgarter Hymnus-Chorknaben, denen er zehn Jahre angehörte. Dabei genoss er sorgfältige Gesangs- und Instrumentalausbildung. Nach einem Theologiestudium begann er seine Karriere als Liedermacher an der Seite von Erich Schmeckenbacher. 1978 wurde das Duo von der Deutschen Phono-Akademie als "Künstler des Jahres" ausgezeichnet.

      Nach der Auflösung von "Zupfgeigenhansel" war er mit jiddischen und deutschen Volksliedern aktiv. 1986 präsentierte er ein Sologrogramm mit jiddischen Liedern. Im Januar 1994 wurde er in Göppingen von rechtsradikalen Skinheads so brutal zusammengeschlagen, dass er danach erst mühsam wieder lernen musste, die Hand so zu bewegen, um wieder Gitarre spielen zu können.

      2006 erhielt Thomas Friz einen Schallplattenpreis von der Akademie Charles Cros in Paris für eine 2 CD-Produktion Seeds of Peace mit internationalen Folksmusikern aus Belgien, Frankreich und Großbritannien Comp de Cent. Aktuell arbeitet er mit der Dresdener Band Pankraz zusammen



      Von seiner CD "Jiddische Lieder" begegnet man hier dem Lied Achtsik er und sibetsik si von Mark Warshavsky und Khazn Robert Solomon. Es ist ein jiddisches Preislied auf Großeltern, beides gottesfürchtige Leute, die nun mit ihren Enkeln einen erfüllten Lebensabend feiern.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Es gibt da eine Gemeinsamkeit zwischen der Musik der jiddischen Klezmer- und der Lautari – Musik der Roma in Bessarabien, welches sich im heutigen Rumänien befindet.



      Die Dokumentation "Der zerbrochene Klang" von Yvonne und Wolfgang Andrä aus de Jahr 2012 zeigt die gemeinsame Wurzel an.

      Dass die Roma und Sinti in der ganzen Welt verbreitet sind, in Spanien wie in Ungarn, in Österreich wie in Deutschland, im Osten und im Westen und auch dass sie genauso viel mitmachten wie die Juden ist bei der damaligen Nazi - Regierung in Deutschland und Österreich nur klar – aber dass auch heute, wie in Oberwart im Burgenland vor 15 Jahren vier junge Menschen ihr Leben lassen mussten, dass sie außerhalb von Orten, noch heute, angesiedelt werden ist eine Schmach für ganz Europa und für Österreich sowieso, uns sie zeigt die Politik eines Schreimeiers dem alles passt was er sagt - und das ist schauderbar [wer es ist, ich denke das weiß Jeder, denke ich].

      :wink:
    • Daniel Kempin

      Daniel Kempin (geb. 1964)studierte zunächst klassische Gitarre und Musik in Darmstadt, im Anschluss dann Judaistik in Frankfurt am Main und in Jerusalem, wo er eine Sammlung von rund 6000 jiddischen Liedern anlegte. Nach zehnjährigen Überlegungen bekannte sich der Sohn eines katholischen Kirchenmusikers zum Judentum, womit er die Entscheidung seiner Großmutter rückgängig machte. Diese hatte sich, ebenso wie Kempins Mutter, aufgrund der nationalsozialistischen Verfolgung taufen lassen.

      Seit 1983 steht er mit jüdischen Liedern auf der Bühne . 1992 begann seine Zusammenarbeit mit dem Violinisten Dimitry Reznik (* 1969 in Petrosawodsk), der dem Ensemble der Kölner Philharmonie angehört.

      Seine dritte CD mir lebn eybik! von 1994 erhielt den Preis der deutschen Schallplattenkritik, ein Erfolg, den Kempin 1998 mit seiner sechsten CD benkshaft (Sehnsucht) wiederholen konnte. Die Aufnahme für sein viertes Album Krakow ghetto-notebook mit Liedern von Mordechaj Gebirtig aus dem Krakauer Ghetto geschah auf Einladung des Holocaust Memorial Museums in Washington, ebenso wie für sein darauffolgendes: rise up and fight!. (wikipedia)

      Seine Webitde ist "http://www.daniel-kempin.de/"




      Von seiner CD mazl und shlamazl stammt Margaritkelech, eine Liebesgeschichte von der blonden Chawele und einem schwarzgelockten Jungen, die sich im Wald begegnen, und so mischen sich schwarze Locken mit blonden.

      Bei youtube gibt es manches, so auch etwas zu der o.g. CD "https://www.youtube.com/watch?v=3AeET6CSd4s"

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • oper337 schrieb:

      Es gibt da eine Gemeinsamkeit zwischen der Musik der jiddischen Klezmer- und der Lautari – Musik der Roma in Bessarabien, welches sich im heutigen Rumänien befindet.

      Auch das Ensemble L'Orkestina thematisierte diese Gemeinsamkeiten auf seiner CD "Jewish Gipsy" (2002 - leider nicht mehr im Handel): =>"http://www.youtube.com/watch?v=_iUHW2yzErQ"

      ... und hier noch eine kleine Empfehlung für "YT-Wanderer": THE KLEZMER TUBE
      "http://www.youtube.com/user/theklezmertube"
      "http://www.youtube.com/user/theklezmertube/videos"
      "http://www.youtube.com/user/theklezmertube/playlists"
      Liebe Grüße,
      Berenice

      Colors are like music using a short cut to our senses to awake our emotions.
    • Geula Gal-Ed with the Colgne Klezmer Project

      Geula Gal-Ed wurd 1922 in Israel geboren. Sie wurde Lehrerin und sammelte jiddische und hebräische Lieder. Als Leiterin des Kulturzentrums gewann sie immer neue Kontakte, so den Klarinettisten Ben Goldberg, der bei The Klezmorim aktiv war.Mitstreiter fand sie bei den zwölf internationalen Solisten des "Cologne Klezmer Project" ("http://www.audio.de/musikkritik/geula-gal-ed-doss-pintele-yid-281343.html")

      Von ihrer CD "doss pintele jid" finden sich zwei Aufnahmen auf der CD, einmal Sol sajn, ein Lied von Jossef Propernikov, arrangiert von Wolfgang Hamm und Ben Goldberg. Es ist ein verträumtes Lied um einen Träumer, der darauf verzichtet, an ein bestimmtes Ziel zu kommen. Sol shojn kumen die Geule ist ein Lied von Kaczerginski und Rabbi Kook, ein Lied voll Sehnsucht nach dem Messias, dessen Ankunft erwartet wird.

      Liebe Grüße Peter
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      (Hermann Bahr)
    • Cipé Lincovsky

      Die zweite CD der Box beschäftigt sich mit Jiddischem Lied in der DDR. Da hier für mich vieles Neuland ist, bin ich über die anwesende Sachkompetenz recht froh. Ich bitte, gegebenenfalls zu korrigieren und zu ergänzen.

      Cipé Lincovsky ist Argentinierin (geb. 1933 in Buenos Aires. Website "http://www.cipelincovsky.com.ar/home.html"). Sie hat als erste jiddische Lieder in der DDR veröffentlicht. Begleitet wird sie von Nathan Notowicz (1911-1968), einem führenden Musikwissenschaftler der DDR. Vermittelt hat die Partnerschaft Hanns Eisler. Cipé Lincovsky war als Mitglied einer argentinischen Theatergruppe zu Gast in der DDR, als die Aufnahme gemacht wurde.

      Bei Eterna erschien 1965 in der Reihe "Unser Leben im Lied" als Vol. 6 Lieder und Chansons, dargeboten von Cipé Lincovsky und Fania Fénelon mit Nathan Notowicz am Klavier. Zwei Lieder werden auf der CD dokumentiert. Zum einen 's falt a Schnej, ein Lied, bei dem eine Frau rückblickend beklagt, dass sie ihr Leben beim Sitzen und Nähen verbracht hat. Und draußen fällt Tag und Nacht der Schnee. Das andere ist von Itzik Manger Der Brief. Manger schrieb das Lied mit dem Titel Jas, abend, sibn ur. Es ist ein fiktiver Brief des Wandersängers Welwel Scharsher aus dem 19.Jahrhundert an seine Geliebte, Malke.

      Bei youtube kann man "Der Brief" hören: "https://www.youtube.com/watch?v=upU-o2dK0eE"

      Liebe Grüße Peter
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      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Leipziger Synagogalchor

      Der jüdische Oberkantor Werner Sander leitete seit 1951 den Leipziger Oratorienchor. 1962 entstand aus dem großen Ensemble der Synagogalchor hervor. Er sollte die jüdische Musiktradition (Synagogalgesänge des 19. und 20. Jahrhunderts, die Folklore) pflegen, darunter die Gegenwartskomponisten Samuel Naumbourg, Salomon Sulzer und Louis Lewandwoski. 1964 erschien bei ETERNA die erste Langspielplatte Jüdische Lieder – Kostbarkeiten jüdischer Folklore: mit dem Leipziger Synagogalchor, Leitung: Werner Sander, LP. Eterna, 1969

      Nach dem plötzlichen Tod von Werner Sander wurde 1972 der Tenor an der Oper Leipzig Helmut Klotz, der schon solistisch mit dem Chor zusammengearbeitet hatte, zum Chorleiter berufen. Helmut Klotz formte den Chor zu einem semi-professionellen Ensemble. Sein Nachfolger, der Sänger und Chordirigent Ludwig Böhme, übernahm die künstlerische Leitung des Chors am 15. April 2012.




      Der religiöse Gesang war immer eine der Quellen der Folklore, so ist die enge Verbundenheit, die beide musikalischen Ausdrucksformen im Repertoire des Chores zeigen, eine logische Konsequenz. Auf der CD finden wir ein schönes Nigun g-moll. Nigun meint eine liturgische jüdische Melodie. Dabei werden Nigunim im engeren Sinne als Vokalise (d.h. ohne Worte) gesungen. Bei youtube findet man einiges, darunter ein Kol Nidrei ("https://www.youtube.com/watch?v=shik3nYEJGw")

      Liebe Grüße Peter
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      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Lin Jaldati wurde am 13. Dezember 1912 in Amsterdam geboren; sie starb am 31. August 1988 in Ost-Berlin. Ihr eigentlicher Name war Rebekka Brilleslijper, sie war eine niederländische Sängerin, Schauspielerin und Tänzerin.

      Lin Jaldati wurde als Tochter eines Obst- und Gemüsehändlers in einem armen Teil des Amsterdamer Judenviertels geboren. Mit 14 Jahren arbeitete sie in einem Nähatelier und nahm daneben Tanzunterricht. Ab 1930 tanzte sie im Niederländischen Ballett und wirkte ab 1934 in der Revue von Bob Peters und der Bouwmeeser-Revue mit. Nach Beginn des Spanischen Bürgerkrieges 1936 trat sie der Kommunistischen Partei bei.

      Im Jahr 1937 lernte sie den aus Berlin emigrierten Pianisten und Musikwissenschaftler Eberhard Rebling kennen, den sie 1942 heiratete. Mit ihm gab sie ab 1938 eigene Abende mit jiddischen Liedern, bei denen sie auch tanzte. Nach dem deutschen Überfall auf die Niederlande im Mai 1940 schloss sich Jaldati der Widerstandsbewegung an und ging 1942 mit ihrer Familie in den Untergrund, wo sie illegale Hauskonzerte mit jiddischen Liedern gab und anderen verfolgten Juden half. Im Juli 1944 wurde sie verhaftet und unter anderem im Durchgangslager Westerbork, dem KZ Auschwitz und dem KZ Bergen-Belsen (gemeinsam mit Anne Frank, der sie in allen drei Lagern begegnete) interniert. Sie wurde 1945 todkrank von britischen Truppen befreit, außer ihrer Schwester überlebte die Familie den Holocaust nicht.(wikipedia)

      Nach der Befreiung trat sie wieder auf, zu den jiddischen Lieder waren die Lieder aus dem Widerstand gekommen. 1952 siedelte sie in die DDR über, auch auf Rat von Anna Seghers. Dort war die überzeugte Kommunistin willkommen und repräsentierte die jiddische Bevölkerung und den antifaschistischen Widerstand.Sie wollte erinnern und mahnen, gerade auch unter den Leuten, von denen nur wenige widerstanden hatten, ein "Versöhnungsangebot an die Kinder und Enkel der Mörder".

      Sieerweiterte ihr Repertoire auf Lieder von Hanns Eisler, Louis Fürnberg, Paul Dessau wie auch Volks-, Partisanen- und Friedenslieder, die sie in der DDR und international darbrachte. 1965 trat sie auf dem Festival Chanson Folklore International auf der Burg Waldeck auf. Sie machte zahlreiche Rundfunk- Fernseh- und Plattenaufnahmen.

      Ihre Biografie:





      Auf der CD singt sie 's brennt. Das Lied von Mordechai Gebirtig (1877-1942)ist wohl eines der bekanntsten jiddischen Widerstandslieder. Der Dichter schrieb es 1938 unter dem Eindruck antisemitischer Ausschreitungen in Polen

      Steht nicht nur herum, Brüder, mit den Händen im Schoß,
      Steht nicht Brüder, löscht das Feuer, unser Schtetl brennt


      Das Lied ist auf der LP "Lin Jaldati singt". Weiter dokumentiert die CD Dem Milners Trern von der LP "Jiddische Lieder" (1981). Diees Lied ist voin Mark Warschawski (1848-1907), es ist ein deprimierendes Lied der jüdischen Lebensumstände

      Wo werde ich wohnen?
      Wer wird mich schonen?
      Ich bin schon alt, ich bin schon müde
      Die Räder drehen sich, die Jahre vergehen
      Und mit ihnen vergeht auch der Jude.


      Liebe Grüße Peter

      @Liebe Sophia, Dein Hinweis kommt gerade richtig, vielen Dank dafür.
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Belina ist schon im ersten Teil erwähnt worden Bei dem Lied auf der CD Balegule (Fohr ich mir arojss) handelt es sich um einen Track von der Amiga-LP "Belina & Behrend: Eine Stimme und eine Gitarre" (1967).




      Das Lied schrieb der Kantor Pinkhos Jassinovsky der von 1886 bis 1954 lebte. Das Lied erzählt von einem Kutscher, der Gefährt und Pferde versoff und nun nur mit der Peitsche nach Hause kehrt. Geblieben ist ihm sein Vertrauen in Gott der wird ihm schon helfen.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Bekannt ist er dem cineastischen Publikum als deutsche Stimme von Yoda in Star Wars. Am Anfang stand ein mühseliger und bedrückender Lebensweg. Mit elf wurde Gerry Wolff Vollwaise. 1935 musste er wegen seine jüdischen Herkunft emigrieren. Zwar überlebte er so den Holocaust, in England wurde er allerdings als "feindlicher Ausländer" auf der Isle of Man interniert. Dort konnte er Theater spielen wurde in der Folge auch entlassen und arbeitete bis Kriegsende als Lektor eines Londoner Verlages. In der Freizeit arbeitete erim Chor und der Schauspielgruppe der FDJ in London mit.

      1947 kam er nach Ostberlin zurück, wurde Ensemblemitglied am Theater am Schiffbauerdamm (1949) und danach an der neu gegründeten Volksbühne (1956). 1961 wurde er Ensemblemitglied bei der DEFA, bei der er bereits 1951 in einer Nebenrolle debütierte.

      Wolff wurde mit den DEFA-Filmen Nackt unter Wölfen (1963, unter der Regie von Frank Beyer) sowie Anton der Zauberer bekannt. Er wirkte in vielen DDR-Fernsehproduktionen mit. Er gehörte zu den Schauspielern die obendrein noch Chanson und Jazz singen können (Eulenspiegel). 1963 begann er eine Zusammenarbeit mit dem Komponisten Gerd Natschinski mit dem er eine Reihe von Chansons und Schlager produzierte




      Von der LP "Porträt in Noten" (1969) stammt As der Rebbe esst ein bekanntes chassidisches Lied. Es ist mehrfach bei youtube vertreten, etwa "https://www.youtube.com/watch?v=kQrNndvDj14" und ein sehr individuelles von Leonhard Cohen "https://www.youtube.com/watch?v=IPvpXg7pPXM"

      Liebe Grüße Peter
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      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Perry Friedman

      Vor einiger Zeit kam ein Fernsehfeature über Perry Friedman, "Spuren im Tal" (1990). Verwunderlicherweise gibt es dazu noch nicht einmal einen Hinweis bei wikipedia. Wenn ich die Sendung nicht mit eigenen Augen gesehen hätte ... Es gibt auch eine Autobiografie "Wenn die Neugier nicht wäre"- Ein Kanadier in der DDR (Rezension: "http://www.kulturation.de/ki_1_rezi.php?id=68"). Was macht es so schwierig mit Perry Friedman?

      Nun, er ist ein Verräter. Wenn Westlinke nach Auftritten in der DDR wieder zurückkehrten, konnte man ihnen ein "Geht doch rüber" nachrufen, aber Perry Friedman ist "rüber gegangen", hat das Leben in der DDR dem im freien Westen vorgezogen, auch wenn man es ihm nicht immer leicht gemacht hat. Kurz: Da ist Vergessen angesagt, nicht Gedenken.

      Perry Friedman ist am 25. September 1935 in Prince Albert, Saskatchewan geboren; er starb am 16. März 1995 in Berlin), ein kanadischer Musiker in Ostberlin.

      Sein Vorbild war Pete Seeger. Nach der Schule wanderte er drei Jahre als Gelegenheitsarbeiter durch Nordamerika (ein hobo war eine Rolle, mit der auch Bob Dylan kokettierte). Mit 15 Jahren lernte er Pete Seeger kennen und entwickelte sich unter dessen Einfluss zum Folksänger. 1953 traf er erstmals Paul Robeson, der ihm ebenfalls ein Vorbild war. Er sang politische Lieder und Volkslieder und begleitete sich auf dem Banjo, trat bei linken Organisationen auf.1959 siedelte Perry Friedman in die DDR um, wo er an der Musikhochschule „Hanns Eisler“ studierte und 1966 den Hootenanny-Club Berlin mitgründete, aus dem später der Oktoberklub wurde. Einer seiner bekanntesten Songs war 1964 "Wir singen schon heute die Lieder von morgen" von Ralf Petersen und Dieter Schneider. Neben internationalen Arbeiterliedern und amerikanischen Songs sang er auch jiddische Lieder. Er arbeitete mit Gisela May, Lin Jaldati und Gerry Wolff zusammen



      Auf seiner LP "Folksinger" findet sich das jiddische Volkslied Dschankoje, ein optimistisches Lied über das Leben der Juden in Dschankoje, wo sie auch als Bauern mit ihren Händen arbeiten können.

      Liebe Grüße Peter
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      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Jalda Rebling ist 1951 in Amsterdam geboren. Ihre Eltern waren das Künstlerehepaar Lin Jaldati und Eberhard Rebling. 1952 siedelte die Familie in die DDR über. Jalda Rebling studierte Schauspiel an der Staatlichen Schauspielschule Berlin und ist seit 1979 Interpretin jiddischer und sephardischer Lieder und Geschichten. In den 1980er-Jahren gastierte sie mit ihrer Schwester Kathinka Rebling (Violine) und ihren Eltern auf internationalen Bühnen. Seit 1981 arbeitet sie mit Hans-Werner Apel und Stefan Maass (Laute), seit 1994 mit Susanne Ansorg (Fideln) und Michael Metzler (Percussion) und seit 2000 mit Tobias Morgenstern und Franka Lampe (Akkordeon) zusammen. (wikipedia)

      1979 nahm sie an einem Projekt ihrer Mutter teil bei dem Anne Franck im Mittelpunkt stand




      Aus diesem Projekt zu Anne Francks 50. Geburtstag stammen Motele zu einem Text von Mordochai Gebirtig und Schejn bin ich schejn

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)