Wem sagt das Wiener Neujahrskonzert noch etwas?

    • Gustavo Dudamel hat heute für mein Empfinden die Wahl der Philharmoniker glänzend gerechtfertigt. Der Venezolaner entpuppte sich als echter Wiener. Es war eine Freude, zu sehen und zu hören, wie er und das Orchester den gleichen Herzschlag spüren ließen. Auch das Publikum hatte Dudamel beim Radetzky-Marsch vollkommen in der Hand.
      Manch einer wird vielleicht befürchtet haben, daß südamerikanische Fetzigkeit die wienerische Klangseligkeit überlagern würde. Weit gefehlt! Dudamel betonte das Tänzerische wie das Musikantische und vereinte Temperament mit kultivierter Eleganz. Mir schien, daß er es anfangs bewußt etwas bedächtig anging. Waldteufel hätte sicher eine Spur mehr Spritzigkeit vertragen, aber das kann man auch anders empfinden. Dann aber ging es dahin.
      Besonders gelungen waren die Polkas, perfekt für mich war die ungemein facettenreiche Wiedergabe von Suppés Ouverture zu "Pique Dame". Was mich gleich dazu bringt, auch die Programmauswahl zu loben - das war eines der interessantesten und schönsten Neujahrskonzerte, auch wenn - fast - keine der üblichen Publikumsrenner-Sensationen programmiert war. Dafür bedeutete die "Nasswalderin" von Josef Strauß ein beglückendes Erlebnis. Betörend! Ich fand es zum Heulen schön und hoffe nur, daß ich noch ein weiteres Neujahrskonzert unter Dudamel erleben darf.
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Ich fand den ersten Teil auch zunächst ein wenig abwartend, aber dann war auch ich von der Frische angetan, ebenso von der bereits zuvor bekannten Auswahl der Stücke. Endlich mal Was Neues, nicht immer die gleichen Stücke, und dazu auch so viele verschiedene Komponisten. Ein insgesamt mehr als nur sehr ansprechendes Konzert, dass sicher nicht mit dem Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker vergleichbar ist, aber hier kam weitaus mehr rüber, als in Berlin.

      Auch ich freue mich auf ein Wiedersehen mit Gustavo Dudamel bei einem der Neujahrskonzerte der Zukunft.

      Wir wollen mal abwarten, in wie weit Muti in einem Jahr noch in der Lage ist, dieses Konzert zu dirigieren. Leider wird man es nie wieder von Nikolaus Harnoncourt erleben, der für mich insgesamt mit Carlos Kleiber doch noch immer die besten Konzerte dirigierte die letzten 25 Jahre.

      Hoffentlich kann Dudamel da anknüpfen in Zukunft !!
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Volle Zustimmung. Für mich endlich mal wieder ein wirklich schönes Neujahrskonzert.Zu erwähnen wäre für mich noch, dass auch ein viel gehörtes Stück, der Donauwalzer, seinen berührenden Moment hatte: in der Introduktion, die hier wirklich atmosphärisch die Walzerfolge vorbereitete. Viele mir unbekannte Stücke, darunter "Nasswalderin", eine Freude zum Anhören.
      Niederschmetternd für mich persönlich dann nur die Ankündigung (in den Medien) des nächsten Dirigenten. Da ist dann nichts Richtungsweisendes mehr, das Orchester kommt über seine Alteingesessenen, besonders die "2 M" (früher 3: Maazel, Mehta, Muti) leider nicht dauerhaft hinaus und bleibt in der eigenen Rührschüssel. Schade. Das nächste Neujahrskonzert werde ich dann wieder auslassen ...

      Auf Dudamels Zukunft bin ich gespannt.
      Klemperer: "Wo ist die vierte Oboe?" 2. Oboist: "Er ist leider krank geworden." Klemperer: "Der Arme."
    • eloisasti schrieb:

      Niederschmetternd für mich persönlich dann nur die Ankündigung (in den Medien) des nächsten Dirigenten. Da ist dann nichts Richtungsweisendes mehr, das Orchester kommt über seine Alteingesessenen
      Aber Muti kann das eigentlich gut. Ich habe sogar davon einige Konzerte als CD hier. Ich finde, da gab es weitaus weniger geschickte Dirigenten als er. Und Metha sollte sowas auch drauf haben. Seine Suppé-CD mit den Wienern finde ich klasse.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Neujahrskonzert Wien 2017

      Das Neujahrskonzert wurde heute in der 75jährige Geschichte der Neujahrskonzerte vom jüngsten Dirigenten Gutavo Dudamel (geb.1981) dirigiert.

      Der für meinen Geschmack megasympathische Gustavo hatte sich unheimlich gut und mit Herz in das typisch wienerische Programm der Neujahrkonzerte eingearbeitet und es so zelebriert, dass selbst die Hörer, die sonst diese Musikrichtung weniger schätzen (wie ich !) ein gewisser Hörspass nicht ausblieb. Und ja, ich habe sogar bis zum Schluss, nach dem wie immer brillant gestalteten Pausenfilm, durchgehört / durchgehalten.

      Das Programm hatte in der Tat eine ganze Reihe unbekannter und bei den Neujahrskonzerten wenig gespieltes Repertoire dabei, die Dudamel mit sichtlicher Freude präsentierte.
      :| Leider hat er, wie ich vorab vermutet hatte, keine fetzigen südamerikanischen Stücke als Auflockerung zu dieser immer wieder präsentierten "Strauss-Seeligkeit" in das Programm eingefügt. Bis auf die Suppé Pique Dame-Ouvertüre, die er in allen Feinheiten fabelhaft präsentierte, war nun vom Repertoire nichts dabei, das ich mir persönlich auf CD auflegen würde. (Ich habe drei CD´s in der Richtung, die ich seit mind.10Jahren nicht mehr angerührt habe: Straussfest mit Erich Kunzel (Telarc); Famous Strauss Walzer mit Wilii Boskovsky (EMI) und eine alte Karajan CD mit dem Philharmonia Orchestra)
      :cincinsekt: ... aber hier mit Dudamel mal LIVE ... ja dennoch, trotz des Programmes, es war schön.
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      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Wer keinen Strauß mag, sollte sich nicht das Wiener Neujahrskonzert anhören.
      Anderswo wurde auch Neujahr zelebriert.
      Das heurige Konzert hat mir sehr gut gefallen. Ganz besonders der Donauwalzer wurde von den Wiener Philharmonikern unter Dudamel mit einer besonderen Eleganz und Leichtigkeit wiedergegeben, die nicht so oft anzutreffen ist.
      Bei Suppé ist mir klar geworden, warum Pique Dame mit der Musik Tchaikovskys bekannt ist. Nach solch einer Ouvertüre hätte keiner Lust, sich die ganze Chose reinzuziehen.
      Der Pausenfilm ist ein Lückenfüller für eine Durststrecke. Den kann man nutzen, um die unvermeidlichen Neujahrstelefonate zu erledigen. Lang genug ist er dafür.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Maurice schrieb:

      Aber Muti kann das eigentlich gut. Ich habe sogar davon einige Konzerte als CD hier. Ich finde, da gab es weitaus weniger geschickte Dirigenten als er. Und Metha sollte sowas auch drauf haben. Seine Suppé-CD mit den Wienern finde ich klasse
      Das ist auch nur meine persönliche Meinung - ich will keinesfalls die Ansichten anderer schmälern. :)
      Für mich war von den "3 M" Maazel noch der interessanteste. Und man wundert sich, dass es heute keine anderen guten Dirigenten gibt ...
      Klemperer: "Wo ist die vierte Oboe?" 2. Oboist: "Er ist leider krank geworden." Klemperer: "Der Arme."
    • eloisasti schrieb:

      Und man wundert sich, dass es heute keine anderen guten Dirigenten gibt ...
      Ach, GUTE Dirigenten gibt es sicher genug, aber Dirigenten, die eben die Musik und das Feeling der Strauss-Ära dirigieren und auch verstehen können, gibt es nur sehr wenige. Man muss Dudamel bewundern und dankbar sein dafür, dass er dafür das richtige Händchen hatte. Denn seine Dirigate vieler Standard-Werke scheint ja sehr durchwachsen zu sein nur.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • So ein Mist, ich habs tatsächlich verpasst (schonwieder). Dachte ich gestern Abend noch daran was aufzunehmen, hab ich schon wieder vergessen, weil mein Gyros-Spieß fertig war. Kommt ne Wiederholung vom Silvesterkonzert und dem Neujahrskonzert?
    • Habe gestern einen Großteil gehört (und gesehen).
      Ich nehme an, wenn die Wiener Philharmoniker das ohne Dirigenten spielen, klingt es auch nicht viel anders.
      Ich mag ja Strauß Sohn ganz gerne, aber 2 Stunden von dieser Tanzmusik nur zum Zuhören ist schon entschieden zu langweilig.
      Und beim Tanzen habe ich nach zwei Walzern/Polkas auch genug. :huh:
      Bleibe ich lieber bei Operetten, da werde ich noch ein wenig sammeln, habe bislang nur je ein Stück Offenbach, Suppé und Strauß.
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    • . . . mir ging´s sehr ähnlich vorgestern . . . ich hab den kurzen ersten Teil am Radio wirklich genossen - - - um dann aber auch fixx auszuschalten...

      <= mehr als ´ne gute halbe Stunde davon ---- MAIS NON ... da sperrt sich was in mir!!

      (was bei mir nicht zuletzt damit zu tun haben dürfte, dass ich u. a. in einer >geschichtl. nicht ganz unbedeutenden< Kurstadt aufgewachsen, ergo bis hier und heute vermutl. übervoll bin
      mit "frühkindlichen Marsch - Polka - Walzer - Erfahrungen :) "
      )
      Fleiß ist gefährlich (Henning Venske >Inventur<) Majo ist ätzend (Gus van Sant >Paranoid Park<) Hollywood ist ein Witz (Aki Kaurismäki)


    • Wieder zu Hause aus dem schönen Wien. Das Neujahrskonzert hat uns wirklich sehr gut gefallen, es war nach über 30 Jahren wieder mal was besonderes Live dabei zu sein.
      Sollte Dudamel es irgendwann wieder dirigieren, dann könnte ich mir vorstellen nochmal so tief in die Tasche zu greifen. :sleeping:
      :wink: Dirigent
      Die Kunst zu wissen, wann man das Orchester nicht stören soll.
      Herbert von Karajan (1908-1989)
    • Neu

      Oh, das ist wirklich früh! Wurde das sonst nicht immer erst kurz vor knapp veröffentlicht?

      Wie ist denn deine Meinung zum Programm?
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde