Mendelssohn Bartholdy, Felix: Lieder und Duette

    • Die Liebende schreibt - op. 84/3

      Nach all diesen düsteren Liedern ist es an der Zeit, auch einmal ein sonnendurchflutetes zu besprechen: "Die Liebende schreibt" auf ein Sonett von Goethe. Mendelssohn schrieb das Lied während seiner Schweizreise in 1831 und berichtete Fanny brieflich davon als etwas "tolles" (im ursprünglichen Sinne des Wortes, wohlgemerkt). So weit dieses Lied für "toll" zu erklären, würde ein moderner Hörer nicht gehen, aber für Mendelssohn war die Vorgehensweise bei diesem Lied schon außergewöhnlich, da das Schema sich weitgehend vom Strophenschema und somit den Idealen der von Mendelssohns Lehrer Zelter vertretenen "Norddeutschen Liedschule" löst.
      Die Strophenfolge wie für ein Sonett typisch:

      Ein Blick von deinen Augen in die meinen,
      Ein Kuß von deinem Mund auf meinem Munde,
      Wer davon hat, wie ich, gewisse Kunde,
      Mag dem was anders wohl erfreulich scheinen?

      Entfernt von dir, entfremdet von den Meinen,
      Führ' ich stets die Gedanken in die Runde,
      Und immer treffen sie auf jene Stunde,
      Die einzige; da fang' ich an zu weinen.

      Die Träne trocknet wieder unversehens:
      "Er liebt ja", denk ich, "her in diese Stille,
      Und solltest du nicht in die Ferne reichen?"

      Vernimm das Lispeln dieses Liebewehens:
      Mein einzig Glück auf Erden ist dein Wille,
      Dein freundlicher zu mir; gib mir ein Zeichen!


      Mendelssohn gestaltet daraus eine Art Gesangsszene mit Ähnlichkeiten zu einem Accompagniatorezetativ, wobei die Strophen nur teilweise wiederkehrend mit derselben Melodie unterlegt werden. Der Themenkopf aus der ersten Strophe erscheint z.B. in der zweiten Strophe erst in der dritten Zeile, nachdem in den ersten beiden Verszeilen ein verwandtes zweites Thema in Moll erklingt. Die zweite Strophe endet dann mit einem leidenschaftlichen Melisma auf "weinen". Auch die dreizeiligen Strophen greifen das thematische Material der ersten Strophe nur teilweise auf. Insgesamt ist dieses erst posthum erschienene Lied höchst originell und ungewöhnlich für Mendelssohn, wobei zu sagen ist, dass es reichlich sogenannte "untypische" Lieder bei Mendelssohn gibt. Ich hoffe, im Laufe dieses Threads einen gewissen Überblick über Mendelssohns Ausdrucksvielfalt im Lied vermittelt zu haben. Unabhängig von den oben besprochenen technischen Details ist dieses Lied eine wunderschöne Komposition und vielleicht trägt bei diesem Lied Mendelssohn den "Sieg" über Schubert davon, der dieses Lied ebenfalls auf gelungene Weise vertonte (D673).

      Mendelssohn:
      "http://www.youtube.com/watch?v=4WMI1jr8Lr0"
      Es singt Barbara Bonney, deren frischer Sopran für dieses schwärmerische Lied wie gemacht ist.

      Schubert:
      "http://www.youtube.com/watch?v=IYYOG8KHPeo"
      Es singt Arleen Augér.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Der Pianist Eugene Asti, welcher bereits die Liederserie bei Hyperion betreut hat, veröffentlichte 2008 einen Band von nachgelassenen und teilweise unveröffentlichten Liedern von Felix Mendelssohn bei Bärenreiter. Anschließend hat der sie auch mit verschiedenen Interpreten wiederum bei Hyperion als Vol 5 eingespielt.





      Die Notenausgabe enthält eine umfassende Einleitung und Dokumentation der einzelnen Lieder. Für denjenigen, welcher sich mit dem Liedschaffen von Mendelssohn näher beschäftigen möchte ist dieser Band unverzichtbar. Neben einer Reihe sehr früher Werke enthält die Sammlung auch viele Werke aus seiner späteren Zeit. Die editorische Arbeit von Eugene Asti kann man gar nicht hoch genug einschätzen, zumal er auch mit der Vorstellung des gesamten Liedschaffens Mendelssohns für die erste Gesamtaufnahme gesorgt hat. Einzelne Aufnahmen daraus wurden hier ja auch bereits lobend erwähnt. Der genannte Liederband ist dabei die logische Fortsetzung. Er enthält auf jeden Fall einen ganzen Strauss hervorragend geschriebener Lieder, die mit großem Gewinn anzuhören sind. Das Liedschaffen Mendelssohns nimmt nach meinem Eindruck eine besondere Stellung in seinem reichhaltigen Vokalschaffen ein.

      Eusebius

      PS: Die genannte Edition bei Hyperion zeigt auf den Begleitheften auch eine andere Seite von Mendelssohn, nämlich den Maler. Seine Landschaftsmalereien sind durchweg stimmungsvoll und sehr gekonnt. Der Mann war eben ein Multitalent.
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Eusebius schrieb:

      Er enthält auf jeden Fall einen ganzen Strauss hervorragend geschriebener Lieder, die mit großem Gewinn anzuhören sind.

      Einige gute sind schon dabei, aber insgesamt war ich doch etwas enttäuscht. Meiner Meinung nach sind da keine Lieder dabei, die es ins oberste Drittel schaffen. Sie entsprechen mehr dem Stil, wie man ihn in den frühen Liederbänden opp. 8 und 9. findet (und unter diesen ist für mich das "Hexenlied" das einzig hervorragende).
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Felix Meritis schrieb:

      Nach all diesen düsteren Liedern ist es an der Zeit, auch einmal ein sonnendurchflutetes zu besprechen: "Die Liebende schreibt" auf ein Sonett von Goethe. Mendelssohn schrieb das Lied während seiner Schweizreise in 1831 und berichtete Fanny brieflich davon als etwas "tolles" (im ursprünglichen Sinne des Wortes, wohlgemerkt). So weit dieses Lied für "toll" zu erklären,. [...]

      "http://www.youtube.com/watch?v=4WMI1jr8Lr0"


      Ein "tolles" Lied im heutigen Sprachgebrauch auf jeden Fall! (auf "sonnendurchflutet" käme ich allerdings nicht).- Danke, kannte ich überhaupt nicht! Es handelt sich allerdings um op.86 Nr.3 (nicht 84,3), bei Petrucci habe ich die Noten nicht gefunden, war wohl nicht in der alten Mendelssohn-Gesamtausgabe drin.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Bei Peters schon ..

      "http://conquest.imslp.info/files/imglnks/usimg/e/e9/IMSLP92644-PMLP22681-Mendelssohn_Lieder_tief_Peters_9995_Op_86_scan.pdf"

      und bei Breitkopf auch:

      "http://conquest.imslp.info/files/imglnks/usimg/b/bd/IMSLP52538-PMLP22681-Mendelssohn_Op_86.pdf"
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Eusebius schrieb:

      bei Breitkopf auch:

      "http://conquest.imslp.info/files/imglnks/usimg/b/bd/IMSLP52538-PMLP22681-Mendelssohn_Op_86.pdf"


      besten Dank! hatte nicht daran gedacht, unter "Gesänge" nachzusehen.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • zabki schrieb:

      Es handelt sich allerdings um op.86 Nr.3 (nicht 84,3), bei Petrucci habe ich die Noten nicht gefunden, war wohl nicht in der alten Mendelssohn-Gesamtausgabe drin.

      Du hast natürlich vollkommen recht! Opus 84 ist auch eine Liedersammlung, deshalb hat mein innerer Alarm nicht geläutet. Das Lied ist schon länger bekannt und auch in älteren Anthologien zu finden.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Drei Lieder Mendelssohns, die ich wegen ihrer elegischen Stimmung besonders gerne mag, sind "Schlafloser Augen Leuchte" nach Byron mit Mendelssohns eigener Übersetzung, "Der Blumenstrauss" op. 47/5 auf ein Gedicht von Mendelssohns Freund Karl Klingemann und "Ich hör ein Vöglein locken" nach Adolf Böttger. Alle drei Lieder bestechen durch melodische Schönheit, wobei "Ich hör ein Vöglein" vielleicht das originellste ist, da die dritte Strophe in Moll abgewandelt wird und auf kleinstem Raum stark moduliert. Alle drei Lieder gefallen mir mit Sopran eindeutig am besten.

      Schlafloser Augen Leuchte (es singt Sandrine Piau): "www.youtube.com/watch?v=qYDCb0Y4C2M"

      Der Blumenstrauss (Barbara Bonney): "www.youtube.com/watch?v=vBNDtXCcZEE"

      Ich hör ein Vöglein (hier müssen wir uns mit einem 1-Minutenschnipsel bei Hyperion zufriedengeben - es singt Sophie Daneman):
      "http://www.hyperion-records.co.uk/dw.asp?dc=W5118_GBAJY0113711&vw=dc" (auf das Notensymbol drücken!)
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Suche ein Lied für den Beginn eines Konzertes

      Hallo an alle Lied-Liebhaber!

      Weil wir hier beim Thema Kunstlied und Mendelssohn sind: ich bin auf der Suche nach einem passenden Lied, das nicht unbedingt ein "Männerlied" sein sollte, das möglichst nicht zu kurz ist, es kann gerne mehrere gleiche oder variierte Strophen haben, und das sich für den Beginn eines Konzertes eignet, um die Zuhörer auf einen stimmigen Abend mit Gesang und Instrumenten einstimmt.

      Bsp.: Wir haben in unserem 1. Programm "Auf Flügeln des Gesanges" von Mendelssohn gewählt, das war nahezu perfekt. Da wir mit mehreren Instrumenten begleiten, bietet es sich bei einem solchen Strophenlied an, eine Strophe rein instrumental zu spielen und jede Strophe anders zu gestalten.
      Ein solches Lied findet man aber fast nicht noch einmal!

      Programm 2 enthält nun das Ständchen von Schubert "Leise flehen meine Lieder". Auch nicht schlecht! In der 3. Strophe spielt das Klavier dann die Liszt'sche Version mit Echo, das kommt wirklich gut!

      Nun hören die Ideen aber leider auf.... Und die Veranstalter wollen ein Programm 3 für 2016....
      Ich überlege, ob wir weg vom Lied gehen sollten, aber die Oper bietet öfters Tragisches als Animierendes.

      Es könnte vielleicht auch ein Duett sein, das eine Sängerin evtl. auch allein singen könnte? Wichtig ist, dass dieses Lied die Initialzündung für das Konzert gibt und zum Zuhören einstimmt..

      Habe ich mich verständlich ausgedrückt?

      Danke im Voraus für Vorschläge! :jub:

      Liebe Grüße
      Pianissimo
    • Danke, das schaue ich mir mal an!

      Und viele Grüße!
      P.

      PS: Das ist in der Tat ganz hübsch!

      Habe noch einige Bearbeitungen von Liszt gefunden, u.a. von Schumann-, Schubert-, Chopin- u. Beethoven-Liedern, mal schauen, was die evtl. hergeben...

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Pianissimo ()

    • Ich schicke soldiarische Mendelssohn-Grüsse an alle Liebhaber-innen, denn ich gebe mit meinem Frauenensemble morgen und übermorgen ein Mendelssohn zu Ehren-Konzert (es ist auch ein bisschen Mozart und Haydn dabei) mit Duetten( die wir zu zweit und zu viert singen), Terzetten,und Soli und einer sehr schönen szenischen biographischen Einleitung, die wir selbst geschrieben haben. Die Musik hat den den drei anderen frz. singenden Damen so gut gefallen, dass sie sich ganz mutig in die Hürden der dt. Sprache gestürzt haben, was kein Leichtes ist bei den Unmengen Text. Die Elias Ausschnitte singen wir aber teilweise dann doch in englisch, die Altistin hatte die Arie in englisch schon lange drauf und ich finde die englische Version klingt auch wirklich sehr schön. "O rest in the Lord, wait patiently for him"
      Mendelssohn hat wirklich jede gesungene Ehrerweisung verdient, speziell die Duette sind einfach zauberhaft. :angel:
      Ich begeistere mich gerade für "Wohin habt ihr in getragen", das ich noch gar nciht kannte, für zwei Soprane. Von den weltlichen Mendelssohn-Duetten finde ich für Pianissimos Anfrage "Gruss" gut geeignet, das ist ein sehr ansprechendes Strophenlied mit Variation und man das es notfalls auch einstimmig singen wenn das Klavier die Repliken spielt. Danke für den Fanny-Tip, wir wollen als nächstes ein Konzert mit Liedern und Deutten von Felix, Fanny, Clara und Robert Schumann und Johannes Brahms machen. Inclusive biographischer Ausflüge. Ich halte hier die Fahne des deutschen romantischen Liedguts sehr hoch und die Franzosen sind begeistert, ist halt einfach tolle Musik!!!!!
      :fee:
      Eine Seele, die sich erhebt, erhebt die Welt. (M. Gandhi)
    • Lieder der Romantik

      Ich wünsche dann schon mal viel Spaß beim Singen!!!

      Als Idee für einen Konzertbeginn fand ich Mendelssohn "Gruß" (Leise zieht durch mein Gemüt) nicht schlecht, allerdings ist mir die Strophe einfach etwas zu kurz, es ist eher wie ein Volkslied, um das zu füllen, müsste man Variationen dazu komponieren, diesen Aufwand können wir aber leider nicht betreiben, dazu fehlt die Zeit.

      "Auf Flügeln des Gesanges" ist einfach genial gewesen dafür, aber das gibt es eben nur 1x!

      Ich bin ja auch eine vehemente Liebhaberin von R. Strauss-Liedern, aber dort ist es auch so - entweder sind es Männerlieder (und das sind die schönsten!) oder sie sind zu ruhig oder harmonisch ein bißchen zu verwegen für den Anfang.

      Das Schwanenlied von Fanny Mendelssohn ist sehr schön, aber auch zu traurig. Es gibt ja eine Fülle von Schwanenliedern aus der Zeit der Romantik, fast jeder Komponist (und Möchtegern-Komponist) hat sich zu diesem Thema verewigt, teils ist das grausig... ;(

      Also suche ich noch ein bißchen weiter. Gestern bin ich bei A. Rubinstein hängen gelieben, wusste gar nicht, dass der so viele Lieder geschrieben hat, die teils wirklich gut sind. Aber DAS Lied war bisher auch nicht dabei..

      "An die Kunst" von Schubert würde zwar vom Titel und Inhalt perfekt passen, ist mir aber auch zu getragen.

      Allen noch ein schönes Winterwochenende, hier schneit es nämlich gerade...

      Gruß
      P.
    • Liebe Pianisssimo, ich meinte einen anderen "Gruss". Aus den Duetten "Gruss" "Wohin ich geh und schaue" 3 Strophen, die 3. ist eine Variation. Die Instrumente könnten die 2. Stimme spielen, wenn die Sängerin die 1. singt. Das Lied ist melodisch sehr ansprechend und eignet sich sowohl als Einstieg als auch Abschluss eines Programms, m man kann damit sozusagen das Publikum grüssen kann.
      mendelssohn'sche Grüsse auf Flügeln des Gesanges
      :fee:
      Eine Seele, die sich erhebt, erhebt die Welt. (M. Gandhi)
    • Pianissimo schrieb:


      Programm 2 enthält nun das Ständchen von Schubert "Leise flehen meine Lieder". Auch nicht schlecht! In der 3. Strophe spielt das Klavier dann die Liszt'sche Version mit Echo, das kommt wirklich gut!

      Schade, dass ihr keine Gitarristin im Team habt!
      Es gibt nämlich Schubert-Lieder auch für Gitarre solo (wo Liszts Bearbeitungen wohl Vorlage waren), und zwar von dem in Wien ansässigen Pressburger Gitarristen Johann Caspar Mertz.
      Zum Nachlesen:
      "http://www.dissonance.ch/upload/pdf/121_35_hsm_clm_Mertz.pdf"
      "http://biblioteket.statensmusikverk.se/ebibliotek/boije/pdf/Boije%20380.pdf"

      Vielleicht ließe sich das eine oder andere Lied auch auf der Harfe spielen?

      BG - elo :)

      **********************

      PS: Ich weiß, es geht hier um FMB ... wenn der Text zu sehr OT ist, darf er gerne gelöscht werden. ;+)
      Klemperer: "Wo ist die vierte Oboe?" 2. Oboist: "Er ist leider krank geworden." Klemperer: "Der Arme."
    • Danke für Eure Tipps!

      Nachdem einige Tipps für ein Eingangslied eingingen - Tausend Dank an alle - möchte ich den Thread nicht weiter überstrapazieren. (Die meisten Schubertlieder sind m. E. eher Männerlieder und nicht so gut geeignet.)


      Kehren wir zu Mendelssohn zurück!


      PS:
      Mein Favorit für ein neues Eingangslied (wir bereiten inzwischen ein 3. neues Programm für 2016 vor) ist nun die Nr. 4 aus Dvoraks Zigeunermelodien op 55. Fritz Kreisler hat das Stück in seiner Slawischen Fantasie verarbeitet, beides kombiniert ist das, was ich suchte - und fand! Falls meine musikalischen Mitstreiterinnen einverstanden sind, gibt es das dann 2016 zu hören :wink:
    • Gesänge op. 85 Nr. 3: Die Liebende schreibt

      Die Liebende schreibt

      Ein Blick von deinen Augen in die meinen,
      Ein Kuß von deinem Mund auf meinem Munde,
      Wer davon hat, wie ich, gewisse Kunde,
      Mag dem was anders wohl erfreulich scheinen?

      Entfernt von dir, entfremdet von den Meinen,
      Führ' ich stets die Gedanken in die Runde,
      Und immer treffen sie auf jene Stunde,
      Die einzige; da fang' ich an zu weinen.

      Die Träne trocknet wieder unversehens:
      "Er liebt ja", denk ich, "her in diese Stille,
      Und solltest du nicht in die Ferne reichen?"

      Vernimm das Lispeln dieses Liebewehens:
      Mein einzig Glück auf Erden ist dein Wille,
      Dein freundlicher zu mir; gib mir ein Zeichen!


      Die Vertonung des obigen Gedichtes von J.W. Goethe durch Mendelssohn (Gesänge op. 86 Nr. 3) war in diesem Faden schon von Felix Meritis herausgestellt worden; bei mir hat die mir bis dato unbekannte Komposition ziemlich eingeschlagen, und es ist zu meiner Überraschung zum hier geposteten Text gekommen, der mit dem verlinkten in keiner Weise kollidieren dürfte.

      Hier auch nochmals die Links zu Noten und einer Einspielung (mit Barbara Bonney):
      "http://imslp.org/wiki/6_Ges%C3%A4nge,_Op.86_%28Mendelssohn,_Felix%29"
      "https://www.youtube.com/watch?v=4WMI1jr8Lr0"

      Goethe schrieb das Sonett als das erste eines drei Gedichte umfassenden Zyklus, innerhalb dessen es sich womöglich etwas anders darstellt als bei isolierter Lektüre. Im Folgenden soll das Gedicht aber so für sich betrachtet werden, wie Mendelssohn es vertont hat.

      Die Liebende schreibt - offenbar an einen Geliebten, mit dem sie ein Liebeserlebnis gehabt hat, der aber nun fern ist; sie weiß nicht, woran sie ist, und sie erbittet "ein Zeichen". "Mendelssohn gestaltet daraus eine Art Gesangsszene" schreibt Felix Meritis im oben verlinkten Beitrag.

      Die Liebende schreibt - der Titel nennt keinen Adressaten. Hieße es etwa An den fernen Geliebten, auch dann wüßten wir nicht, ob der Brief überhaupt abgeschickt wurde (es sei denn, das Gedicht wäre z.B. Bestandteil einer zugehörigen Erzählung), aber das spielte auch keine Rolle. Die Liebende schreibt hingegen weist durch die Leerstelle auf dieses Nichtwissen hin. Die Schreiberin wird ja vor der Frage stehen: soll sie den Brief abschicken oder nicht? Für sie eine Schicksalsfrage. Das führt uns auf das - sagen wir "Grunddilemma" der Liebenden - einerseits drängt es sie, etwas von sich preiszugeben, sich dem Geliebten zu erkennen geben, andererseits will sie nur ja nicht des Guten zuviel tun, jede Aufdringlichkeit vermeiden, nicht mit zu groben Fingern das schwache Fädchen, das ihren Geliebten noch mit ihr verbinden mag, verwirren und zerreißen. Sie schwankt daher immer wieder zwischen fast überstürzten Selbstmitteilungen und Versuchen der Rücknahme; oder es bricht aus einer Zurückhaltung etwas aus ihr heraus. (Nur nach Absenden des Briefes gäbe es nichts mehr zurück zu nehmen.)

      Gleich in den ersten zwei Zeilen findet sich eine doppelte Überstürzung:

      Ein Blick von deinen Augen in die meinen,
      Ein Kuß von deinem Mund auf meinem Munde


      Erstens fällt die Liebende ziemlich ins Haus mit dem Ansprechen des intimen Erlebnisses (was könnte man sich da an Herantastungsprozeduren vorstellen), zweitens macht sie auch in der Aufzählung der erotischen "Stationen" einen merklichen Sprung zwischen dem Blick in die Augen und dem Kuß - der letzten nennbaren Intimität. Sie will sich nicht in ausführlichen, aufdringlichen Schilderungen verlieren, handelt sich aber gerade dadurch die Überstürzung ein.

      Gretchen am Spinnrade schreibt nicht, sondern sie kann im Selbstgespräch ihrer Phantasie freien Lauf lassen, und dort sehen wir, wie eine ausführlichere Ausmalung des Geschehens aussehen kann:

      Sein hoher Gang,
      Sein edle Gestalt,
      Seines Mundes Lächeln,
      Seiner Augen Gewalt,
      Und seiner Rede
      Zauberfluß,
      Sein Händedruck,
      Und ach sein Kuß!


      Von den hier sieben Stufen sich steigernder erotischer Wahrnehmung nennt die Liebende also nur die vierte und die letzte. Nun ist es m. E. sehr interessant, wie Schubert und Mendelssohn diese Stufen vertonen. In folgender Aufstellung sind zu den Stufen die von Schubert/Mendelssohn benutzten Tonhöhen notiert (ohne Auftakte und bei Schubert auch ohne eventuell auf den "Kopf" folgende Fortsetzungen):

      Gretchen/Schubert .................... Liebende/Mendelssohn

      Gang .............a'-b'-c"-c"
      Gestalt ..........g'-a'-b'-a'
      Lächeln..........a'-b'-c"-b'
      Augen............b'-c"-des"-c"............g'-as'-b'-c"-b'-as'
      Rede..............c"-d"-es"-d"
      Händedruck.....d"-f"-d"-d"
      Kuß................f"-d"-g"..................c"-des"-es"-f"-es"-d"

      Man sieht leicht die (zu Beginn gebrochene, zum Schluß modifizierte) sekundweise Sequenzstruktur bei Schubert. Mendelssohn sequenziert ebenfalls, aber so, als ob er die im Brief der Schreiberin im Vergleich zu Gretchens Fantasien quasi "weggelassenen" Stationen auch im Tonraum wegläßt, so daß ein Quartabstand resultiert; so wird die "Überstürzung" subtil auskomponiert. - Die Tonhöhen halten sich etwa eine Sekund unter denen Schuberts an den entsprechenden Stellen.

      Schon die erste Phrase des Mendelssohn-Liedes zeigt die öffnende und zurücknehmende Bewegung konzentriert in der Wechselnote b'-c"-b' - quasi die Grundbewegung der Komposition. -


      Wer davon hat, wie ich, gewisse Kunde,
      Mag dem was anders wohl erfreulich scheinen?


      Das ist nun eine veritable Zurücknahme - die Schreiberin macht sich ganz klein, versteckt sich zwischen zwei Kommata und verfällt in einen Bericht ihres Erlebnisses, als handele es sich um ein häufigeres Vorkommnis, von dem man berichtweise eine "Kunde" erhalten kann. "Erfreulich" ist auch wohl ein kräftiges understatement, und mag ... erscheinen macht die Gewißheit des Erlebens zu einer distanzierten Schlußfolgerung. Aber dies hat nun auch die andere Seite, daß die Liebende ihre Gefühle als etwas quasi Objektives, Zwingendes darzustellen vermag.


      Entfernt von dir, entfremdet von den Meinen,
      Führ' ich stets die Gedanken in die Runde,
      Und immer treffen sie auf jene Stunde,
      Die einzige; da fang' ich an zu weinen.


      Die Schreiberin versucht, einen gewissen Berichtston beizubehalten (Felix Meritis vermerkt "Ähnlichkeiten zu einem Accompagniatorezetativ" in Mendelssohns Komposition), wenn sie sich auch selbst wieder mehr ins Spiel bringt. Ihre Einsamkeit umschreibt sie, spricht diese nicht direkt an. Ihren in ihrer Einsamkeit sich selbständig machenden Gedanken gegenüber gibt sie sich in fast schon grotesker Weise als Herrin (die ihren Hund ausführt). Diese Haltung kann sie nicht beibehalten; daß die Gedanken immer auf jene Stunde / Die einzige treffen, ist nicht ihr Werk, sondern das der Gedanken. Das Weinen bricht aus ihr hervor (auch wenn sie es wiederum als ihr Tun formuliert).

      Bei Und immer treffen sie auf jene Stunde bringt Mendelssohn in der rechten Hand des Klavierparts vier Oktavschläge auf ges'/ges" - offenbar die Viertelstundenschläge dieser Stunde, die gut Erfüllung und unerbittliche Begrenzung zugleich symbolisieren[1]. Die Singstimme greift auf den Anfang (transponiert) zurück, wo ja Begebnisse dieser Stunde angesprochen waren. Bei die ein-[zi-ge] bricht die Singstimme mit einem Oktavsprung auf den Tonhöhen der Glockentöne hervor. Der Klavierpart nimmt hier die vorhergehende Phrase in reichem Akkordsatz und oktavverdoppelt auf und läßt so das Erlebnis der Stunde ahnen. - Das auf [ein]-zi-ge da fang ... geforderte portato bezeichnet das zunächst nur stockend einsetzende Weinen, welches sich mit ... ich an zu weinen völlig Bahn bricht[2].

      Bei ... an zu weinen nun ist Mendelsohn etwas für mich fast gruselig-Geniales beigekommen. In der Singstimme wird das Weinen in langgezogener, expressiver Linienführung ausgeführt - nach dem bisherigen Parlando um so eindrucksvoller. Die Klavierbegleitung indes - bisher in repetitiven Achteln fortgehend - beschleunigt ihre Bewegung und führt nun ein Motiv mit Sechzehnteln ein. Und wie dieses Motiv tut - da hat Mendelssohn wohl in dem Tränenbach eine junge Forelle ausgesetzt? Es hat aber seine Besonderheit mit dieser Forelle. Die Achtel in Schuberts bekanntem Motiv bilden einen elastischen Vorstoß; bei Mendelssohn sind beide Achtel schon nach unten abgeknickt, das ganze Motiv entspricht der Grundbewegung etwas überstürztes Aus-sich-Hinausgehen - Zurücknahme[3].

      Die frohe Eil, die Munterkeit ist durch den Knick aber nicht ausgelöscht, wir hören die Tränen, aber es sind Tränen eines munteren Charakters, und damit vielleicht um so rührender.


      Die Träne trocknet wieder unversehens:
      "Er liebt ja", denk ich, "her in diese Stille,
      Und solltest du nicht in die Ferne reichen?"


      Wieder folgt der Rückzieher prompt, um quasi die Deckung für einen weiteren Vorstoß zu bilden. Zunächst klingt es, als beschwöre die Schreiberin eine Art magischer Macht der Liebe, maßt sich mir nichts dir nichts an, auf die Liebe des Geliebten zu schließen, aber die erste Zeile der letzten Strophe Vernimm das Lispeln dieses Liebewehens zeigt, daß sie sich Mut zu ihrem Brief macht - wobei dies wiederum Bestandteil ihres Briefes wird und sie dabei ein Vokabular verwendet, das, modern gesprochen, quasi eine "virtuelle Berührung" andeutet (Und solltest du nicht in die Ferne reichen?" ).


      Vernimm das Lispeln dieses Liebewehens:
      Mein einzig Glück auf Erden ist dein Wille,
      Dein freundlicher zu mir; gib mir ein Zeichen!


      Die letzte Strophe - die Liebende kann es nicht länger aufschieben, sie muß nun den Geliebten direkt ansprechen. Zunächst wieder ganz unauffällig: Vernimm das Lispeln - die Bitte um Gehör für Leises ergibt sich ganz zwanglos. Sie lispelt, weil sie sich innerlich Lippen und Zunge zerbissen hat. Liebewehen - da ist es heraus, das Wörtchen "Liebe", die Liebeserklärung. Jedoch die Liebende hat es immer noch gut verpackt - quasi als Antwort auf die dem Geliebten unterstellten Liebe maskiert. - "...wehens": es weht wie unversehens zum Geliebten hinüber, obwohl ja im Brief sich befindend; daß es sie schmerzt, ändert nichts daran, daß sie diese Liebe gebärden muß.

      Mit Mein einzig Glück hat sie denn auch das understatement der vierten Gedichtzeile gesprengt - und muß es sogleich wiederherstellen, indem sie ihre Erwartung an den Widerhall beim Geliebten minimiert zur Zuwendung seines "freundlichen Willens". Kein Kraut gewachsen ist allerdings gegen diese zehrende Ungewissheit, die auf einem flehentlichen gib mir ein Zeichen besteht. -

      Der Klavierpart hatte schon ab liebt ja die Achtel des "Forellenmotives" zugunsten einer drängenderen Bewegung zeitweise fallen lassen. Vor Vernimm das Lispeln werden sie nun explizit liquidiert; dadurch scheint der Klavierpart sich zu vereinfachen (aber nur, um bald um so bedeutungsvoller hervorzutreten) ; die Singstimme greift bei Vernimm das Lispeln dieses Liebewehens: / Mein einzig Glück auf Erden ist dein Wille tonhöhengetreu auf den Anfang des Liedes zurück - war dort ein textlicher Sprung und die Auskomposition dieses Sprungs durch Mendelssohn zu beobachten, so dies auch hier. Die Klavier-Sechzehntel steigen mit der Singstimme und umglänzen die Stimme der Liebenden im Moment von deren größter innerer Anspannung eher, als daß sie diese begleiten.

      ... gib mir ein Zeichen - bei Goethe ist das die letzte Halbzeile, deren Kargheit das aus Sicht der Liebenden Riskante eher verbirgt - entweder sie wird ein Zeichen bekommen oder nicht. Mendelssohn komponiert das im Text verschlossen bleibende expansiv aus, allerdings unter der Voraussetzung einer subtil geänderten Rolle des Klavierparts.

      Bei Dein freundlicher zu mir schreibt Mendelssohn nach vorangegangenem cresc. und sf ein diminuendo und in der Singstimme dolce vor zu einer wohl freundlich anmutenden Wendung, die zudem gestisch an die bei erfreulich in der ersten Strophe erinnern mag. Das understatement liegt schon in der Zurücknahme gegenüber dem Vorhergehenden.

      Diese Wendung nun übernimmt, espressivo bezeichnet, das Klavier in der l.Hd. - das dolce in der Singstimme und dieses espressivo (einschließlich dem der Schlußtakte) sind die einzigen derart bezeichneten Stellen in dem Lied. Die Grundbewegung des Aus-sich-Herausgehens und der Zurücknahme scheint in eine "beruhigt-geschlossene" Variante umgebildet zu sein. Kein Zweifel - obwohl quasi abgedeckt durch den Echoeffekt - hier ertönt die Stimme des ersehnten "freundlichen Willens" - es ist wohl "die Musik selbst ", die Mendelssohn hier wie einen eigenen, im Gedicht nicht vorgesehenen Akteur auftreten läßt. Das bestätigt sich in den Folgetakten: nach dem ersten gib mir ein Zeichen , das die Singstimme noch zaghaft, aber schon mit der leisen Anspannung des Schwebens über dem Tonika-Grundton herausbringt, ergreift das Klavier die Initiative, und als ob es sich Ton für Ton heranarbeitet, eilt es der Singstimme quasi zu Hilfe, um dieser für ihren großen Ausbruch alle erdenkliche Energie zukommen lassen zu können[4].

      Das dritte gib mir ein Zeichen der Singstimme umschreibt völlig zurückgenommen den Tonika-Grundton, wie wenn die Liebende ganz in sich zusammengesunken wäre. In tiefer Klavierlage aber ertönt wiederum die Stimme des "freundlichen Willens" - möchte die Musik die Liebende trösten? Dafür spräche, daß Mendelssohn dieses Motiv schon zu den Worten Die Träne trocknet wieder unversehens hat anklingen lassen.

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      [1]
      Nicht, daß jemand meint, daß ich meinen würde, daß Mendelssohn meint, daß Goethe mit "Stunde" meint 60 Minuten und nichts drunter oder drüber .

      [2]
      Man findet auf Einspielungen diese Artikulation gern durch einen Einschnitt auf dem Semikolon zwischen Ein-zi-ge und da fang ich an ersetzt. Mendelssohn komponiert aber das sich hemmungslos bahnbrechende Weinen, welches sich um Wortgrenzen und Sinneinheiten nicht schert. (Natürlich keinesfalls naturalistisch auszuführen!)

      [3]
      Wem das zu unseriös ist, der denke einfach an ein "Motiv der geknickten Munterkeit". - Um dieses Motiv so wahrnehmen zu können, müssen die Achtel natürlich entsprechend abschattiert werden. Einfach als Fortsetzung der Sechzehnten aufgefaßt, gäbe es so etwas wie ein Motiv des munteren Kugelfischs; derartiges dürfte Mendelssohn aber kaum im Sinn gehabt haben. - Übrigens ist Schuberts Forelle zum Schluß "die Betrog'ne".

      [4]
      der Energieaufladung wegen dürfte es sich empfehlen, ein Eilen allenfalls gebremst auszuführen, nicht etwa "loszulegen".

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      Lit.-Hinweis:
      J. Schipper: Über Goethe's Sonette, in: PMLA, Vol. 11, No. 3 (1896), pp. 275-306
      Stable URL: jstor.org/stable/456227
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      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Hans Jörg Mammel und Arthur Schoonderwoerd

      Gestern habe ich nach längerer Zeit wieder mal Mendelssohnlieder gehört und zwar in meiner Lieblingseinspielung:



      Diese Einspielung ist eine der ganz wenigen (die einzige?), in welcher ein Hammerklavier zum Einsatz kommt. Für Mendelssohns Lieder, die diesen leichten, schimmernden Klang beschwören, scheint mir ein Hammerklavier geeigneter zu sein als ein moderner Flügel. Der helle Klang des Instruments und die Klarheit von Mammels Tenorstimme ergänzen sich ganz wunderbar. Bei manchen Liedern habe ich überhaupt bei dieser Einspielung zum ersten Mal aufgehört, etwa "Da lieg ich unter Bäumen" aus op. 84, das in der Interpretation Mammels und Schoonderwoerds eine besondere Preziose ist. Für mich treffen Mammel und Schoonderwoerd sowohl in der Instrumentenwahl als auch in der Ausführung punktgenau jenen Ton, den ich mit Mendelssohn assoziiere.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.