Kritikerumfrage der Opernwelt

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    • Kritikerumfrage der Opernwelt

      Die alljährliche Kritikerumfrage der Zeitschrift Opernwelt mit dem allseits beliebten Ranking ist heute veröffentlicht worden. Beteiligt waren 50 Kritiker aus (überwiegend) Deutschland sowie dem europäischen Ausland und den USA:

      "http://www.kultiversum.de/Opernwelt/Bilanz-des-Jahres-Ensemblekultur-oder-Was-bleibt-von.html"

      (die komplette Fassung gibt's nur in gedruckter Form)


      Ergebnis:

      Opernhaus des Jahres: Oper Frankfurt und Nationaltheater Mannheim
      Uraufführung des Jahres: Esame di mezzanotte von Lucia Ronchetti in Mannheim
      Wiederentdeckung des Jahres: Berenike, Königin von Armenien von Niccolò Jommelli in Stuttgart
      Aufführung des Jahres: Jakob Lenz von Wolgang Rihm in der Inszenierung von Andrea Breth in Stuttgart
      Sänger des Jahres: Georg Nigl für den Lenz in Rihms Jakob Lenz in Stuttgart
      Sängerin des Jahres: Marlis Petersen für die Titelrolle in Bergs Lulu in München
      Nachwuchssängerin des Jahres: Elena Sancho Pereg für ihre Zerbinetta in Düsseldorf/Duisburg
      Regisseur des Jahres: Hans Neuenfels für Manon Lescaut in München und Ariadne auf Naxos an der Berliner Staatsoper
      Bühnenbildner des Jahres: Philipp Stölzl für Cavalleria/Pagliacci bei den Salzburger Osterfestspielen
      Kostümbildner des Jahres: Gianluca Falaschi für Dusapins Perelà in Mainz
      Dirigent des Jahres: Kirill Petrenko für seine Arbeit an der Bayerischen Staatsoper
      Orchester des Jahres: Bayerisches Staatsorchester
      Chor des Jahres: Chor der Komischen Oper Berlin (für Schönbergs Moses und Aron)
      CD des Jahres: Così fan tutte mit Currentzis (Sony Classical)
      Buch des Jahres: Christian Gerhaher/Vera Baur, Halb Worte sind's, halb Melodie (Henschel/Bärenreiter)
      Ärgernis des Jahres: Intrigen bei den Bayreuther Festspielen; Peter Steins Inszenierung von Schuberts Fierrabras bei den Salzburger Festspielen


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Spannend finde ich, dass Stölzl "nur" als Bühnenbildner und nicht als Regisseur betrachtet wird... :)

      Und ich freue mich für Neuenfels, Mannheim und Stuttgart... :)

      Und zum Buch des Jahres hatte ich ja im entsprechenden Thread schon früher was geschrieben...

      Matthias
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • Bei der Mehrzahl der Ausgewählten kann ich nicht mitreden; freu mich für das Bayerische Staatsorchester, Petrenko und für Gerhaher/Baur; die Münchner Lulu hab ich leider versäumt. Für mich jedoch überraschend, was Neuenfels angeht. Die Münchner Manon-Inszenierung hat mir sehr gut gefallen, normalerweise untrügliches Zeichen dafür, dass es sich eigentlich um künstlerisch vollkommen rückständiges Provinztheater handelt. War präzise, angenehm uneitel zurückgenommen, nahe am Text, das Libretto verdeutlichend – geht also eigentlich gar nicht.

      Kritiker sind auch nicht mehr, was sie mal waren. :P
    • Ich finde es allerdings seltsam, dass Frankfurt ganz Oben steht, aber sonst keinerlei Auszeichnung erhalten hat. Sonst nehme ich es zur Kenntnis, dass kein Opernhaus aus dem Ausland hier erwähnt wurde, obwohl doch international gefragt wurde. Ok, ich habe mit Oper nichts zu tun, aber wenn man internationale Kritiker befragt hat, sollten auch andere Opernhäuser erwähnt werden, oder nicht?

      Ich kann leider den Link nicht mehr öffnen, und kann also nur aus dem Video-Text und von hier den Text lesen.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Zwielicht schrieb:

      Ärgernis des Jahres: [...] Peter Steins Inszenierung von Schuberts Fierrabras bei den Salzburger Festspielen
      Das nehme ich dann mal als Empfehlung mit.
      :D
      Die ausgezeichneten Bühnenleistungen eher als Abschreckung.
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    • Maurice schrieb:

      Ich finde es allerdings seltsam, dass Frankfurt ganz Oben steht, aber sonst keinerlei Auszeichnung erhalten hat. Sonst nehme ich es zur Kenntnis, dass kein Opernhaus aus dem Ausland hier erwähnt wurde, obwohl doch international gefragt wurde. Ok, ich habe mit Oper nichts zu tun, aber wenn man internationale Kritiker befragt hat, sollten auch andere Opernhäuser erwähnt werden, oder nicht?


      De facto ist die Umfrage der Opernwelt auf den deutschsprachigen Raum begrenzt. Daran ändern auch ein paar weiter reisende und aus dem Ausland stammende Kritiker, die an der Umfrage beteiligt sind, nichts. Das weiß im Grunde auch jeder, man sagt's halt nicht so gern.

      Oben und in dem verlinkten Artikel werden nur die Spitzenreiter in den jeweiligen Kategorien genannt, d.h. diejenigen, die die meisten der 50 Stimmen auf sich vereinigen konnten. "Erwähnt" werden sehr viele Produktionen und Künstler - das kann man aber, wie gesagt, nur in der Printausgabe des Jahrbuchs nachlesen, die unverschämt teuer ist. Da blätter ich dann mal in der Bibliothek oder in der Bahnhofsbuchhandlung durch.


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • putto schrieb:

      Zwielicht schrieb:

      Ärgernis des Jahres: [...] Peter Steins Inszenierung von Schuberts Fierrabras bei den Salzburger Festspielen
      Das nehme ich dann mal als Empfehlung mit.
      :D
      Die ausgezeichneten Bühnenleistungen eher als Abschreckung.


      Auf dich ist eben Verlass! :D


      Musenginst schrieb:

      Für mich jedoch überraschend, was Neuenfels angeht. Die Münchner Manon-Inszenierung hat mir sehr gut gefallen, normalerweise untrügliches Zeichen dafür, dass es sich eigentlich um künstlerisch vollkommen rückständiges Provinztheater handelt. War präzise, angenehm uneitel zurückgenommen, nahe am Text, das Libretto verdeutlichend – geht also eigentlich gar nicht.

      Kritiker sind auch nicht mehr, was sie mal waren. :P


      Die Münchner Manon Lescaut hab ich nicht gesehen, dafür aber die ebenfalls in der Umfrage genannte Neuenfels-Inszenierung von Ariadne auf Naxos in Berlin: das war eine sehr schöne, in klassizistischen Räumen spielende, ausgewogen tragi-komische und äußerst professionell gemachte Produktion (auch musikalisch ausgezeichnet). Hätte vielleicht sogar putto gefallen. Sowas gibt's bei Neuenfels in letzter Zeit öfter. Und dass (deutsche) Kritiker immer auf die schrägsten und abgedrehtesten Inszenierungen ständen, wird zwar in Internetforen gerne verbreitet, stimmt aber schon lange nicht mehr.


      Viele Grüße

      Bernd
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    • De facto ist die Umfrage der Opernwelt auf den deutschsprachigen Raum begrenzt. Daran ändern auch ein paar weiter reisende und aus dem Ausland stammende Kritiker, die an der Umfrage beteiligt sind, nichts. Das weiß im Grunde auch jeder, man sagt's halt nicht so gern.
      Danke für die Aufklärung. Dein Link hilft übrigens nicht wirklich weiter, da ich den Artikel nicht lesen kann.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Musenginst schrieb:

      Wegen Dir werde ich noch meine liebgewonnenen Klischees aufgeben, soweit kommt’s noch! :P


      Ohne unsere Klischees wär's hier sowieso langweilig... ^^

      Noch ein paar Bemerkungen von meiner Seite zur Umfrage: Mannheim und vor allem Frankfurt wurden, wenn ich das richtig sehe, auch für ihre abwechslungsreiche und originelle Stückwahl ausgezeichnet - zweifellos zu Recht. In Frankfurt habe ich letzte Spielzeit nur den Rosenkavalier (Weigle/Guth; ja, hat mir sehr gefallen) und Martinus Juliette (interessant, wenn auch nicht ganz mein Stück) erlebt. In Mannheim, obwohl nicht sehr weit weg von mir, war ich letzte Spielzeit gar nicht - vor zwei, drei Jahren musste ich dort einigemale mit Repertoireschlamperei und mäßigen Orchesterleistungen auskommen. Seither bin ich voreingenommen.

      Kirill Petrenko und das Bayerische Staatsorchester zählen eh zu meinen größten Favoriten, insofern kein Einspruch. Die Lulu fand ich großartig, nicht nur Petrenko und Petersen, auch die Regie von Tcherniakov. Sonst gab's aber auch einigen Leerlauf an der Bayerischen Staatsoper, vor allem in puncto Regie.

      Die Berliner Staatsopern-Ariadne (Metzmacher/Neuenfels) hab ich erwähnt, die taucht da zu Recht auf. Chöre werden fast immer für Moses und Aron ausgezeichnet, wobei bei der vorzüglichen Produktion an der Komischen Oper (Dirigat: V. Jurowski, Regie: Kosky) der Chor nicht nur musikalisch, sondern auch szenisch voll überzeugte.

      Rihm in Stuttgart hab ich leider verpasst.


      Maurice schrieb:

      Danke für die Aufklärung. Dein Link hilft übrigens nicht wirklich weiter, da ich den Artikel nicht lesen kann.


      Hm, tut mir leid. Kann sonst noch jemand den Link im ersten Posting nicht öffnen?

      Versuch's mal mit dem: "http://www.kultiversum.de/Opernwelt/Umfrage-Opernwelt.html"


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Zwielicht schrieb:

      Dirigent des Jahres: Kirill Petrenko für seine Arbeit an der Bayerischen Staatsoper
      Orchester des Jahres: Bayerisches Staatsorchester
      Ärgernis des Jahres: Intrigen bei den Bayreuther Festspielen; [...]
      Ich freue mich für das Staatsorchester und Petrenko, aber was ist mit den Intrigen gemeint?
      Das Ärgernis des Jahres war für mich (in der Opernwelt) die Neuinszenierung des Tristan.
    • Retro schrieb:

      aber was ist mit den Intrigen gemeint?


      Ach, der ganze Quatsch mit dem angeblichen Hügelverbot für Eva Wagner-Pasquier, den sängerischen Umbesetzungen in letzter Minute usw. usw. Nicht wirklich interessant. Ist bis heute nicht wirklich klar, was da wirklich vorgegangen ist, aber viel spricht dafür, dass die Medien einiges aufgebauscht haben.


      Viele Grüße

      Bernd
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    • Schön für die Oper Frankfurt, aber auch dort ist nicht alles Gold was glänzt. Die letzte Saison war vom Spielplan her ausserordentlich originell und gewagt. Allein dafür ist diese Auszeichnung verdient. Das Orchester ist eigentlich immer ein Pluspunkt, die Inszenierungen weniger. Die vielgelobte "Passagierin" von Weinberg hat mir gar nicht gefallen, vermutlich wegen der KZ-lastigkeit des Stückes und der Inszenierung. Grandios war allerdings die "Julietta" von Martinu - besonders Sebastian Weigle gebührt absolutes Lob für sein sensationelles Dirigat (wird auch demnächst auf Oehms veröffentlicht).
    • Zwielicht
      Hm, tut mir leid. Kann sonst noch jemand den Link im ersten Posting nicht öffnen?


      Also bei mir lässt er sich normal öffnen, man kann doch auch ganz problemlos auf Kultiversum gehen !

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Bernd, die Opernwelt gibt es auch als online-Abo, da ist sie einiges billiger, als in gedruckter Form. Beide Abos (Print und online) umfassen das Jahrbuch...

      Wenn meins kommt, werde ich's mit Spannung lesen...
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • Zwielicht schrieb:

      Musenginst schrieb:

      Für mich jedoch überraschend, was Neuenfels angeht. Die Münchner Manon-Inszenierung hat mir sehr gut gefallen, normalerweise untrügliches Zeichen dafür, dass es sich eigentlich um künstlerisch vollkommen rückständiges Provinztheater handelt. War präzise, angenehm uneitel zurückgenommen, nahe am Text, das Libretto verdeutlichend – geht also eigentlich gar nicht.

      Kritiker sind auch nicht mehr, was sie mal waren. :P


      Die Münchner Manon Lescaut hab ich nicht gesehen ...

      Eine der Manon-Lescaut-Auffführungen wurde fürs Internet gestreamt (liegt vermutlich irgendwo gut versteckt im allseits bekannten Videoportal :P ) ... ich fand die Inszenierung auch klug gemacht; es gab doch durchaus "moderne" Elemente, gerade der Chor war ziemlich verfremdet. Auf der anderen Seite war die Beziehung der Protagonisten sehr detailliert und feinsinnig herausgearbeitet (eben präzise, wie Musenginst sagt), warum sollten sich Kritiker davon nicht berühren lassen und das entsprechend honorieren 8+) ?

      :wink: Amaryllis
    • putto schrieb:

      Zwielicht schrieb:

      Ärgernis des Jahres: [...] Peter Steins Inszenierung von Schuberts Fierrabras bei den Salzburger Festspielen
      Das nehme ich dann mal als Empfehlung mit.
      :D

      Hallo putto,

      diese Empfehlung unterstütze ich! Ich halte diese Inszenierung nicht für den größten Wurf des Jahrhunderts, aber wirklich schlecht finde ich sie auch nicht und bilde mir sogar ein, das begründen zu können. Nur ein kurzes Beispiel: Fierrabras - immerhin die Titelfigur - wird hier viel mehr als Handlungsträger gewürdigt als in den beiden anderen aufgenommenen Inszenierungen (Berghaus und Guth).
      Mir würden Dutzende anderer Inszenierungen einfallen, die ich für ärgerlicher und ja: auch für langweiliger halte, als ausgerechnet diese. Und ich kann mir gut vorstellen, dass sie Schubert gefallen hätte, obwohl das zumindest in diesem Forum wohl nicht als Qualitätsmerkmal gilt.

      Wenn du sie dir mal ansehen solltest, würde es mich interessieren, ob sie dir gefällt.

      VG, stiffelio