Eben gehört – von und mit Flüchtlingen

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  • Eben gehört – von und mit Flüchtlingen

    Am heutigen 2. Oktober 2015 wird im Rahmen der „Interkulturellen Woche“ der „Tag des Flüchtlings“ begangen.
    http://www.interkulturellewoche.de/termine-ikw

    Aus diesem Anlass widmet sich dieser Thread Komponisten und Interpreten, die in einer Situation ihres Lebens auf der Flucht waren, aus welchem Grund auch immer.

    In derselben Weise wie in den „Eben gehört“-Threads mag man von seinen Hörerfahrungen mit solchen Komponisten und/oder Interpreten schreiben. Sehr schön wäre es, wenn zu den flüchtenden Musikern ein paar Worte stehen würden: Wann gelebt, wann und warum geflohen. Damit klar wird, warum das Werk oder seine Interpretation in diesem Thread stehen.

    Dieser Thread ist kein Platz für die Erörterung von Flüchtlingsproblematiken im Allgemeinen oder der aktuellen Situation im Besonderen. Er hat den Charakter eines Memorials. Er wird heute, am 2. Oktober 2015, eröffnet und morgen, am 3. Oktober 2015, wieder geschlossen.

    Den Moderatorinnen und Moderatoren danke ich herzlich für ihre Zustimmung zu diesem Thread sowie für die tatkräftige Unterstützung im Vorfeld.

    Viele Grüße
    MB

    :wink:
    "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" (Paul Watzlawick)
  • Hier waren Komponist und Interpret flüchtig – und die Titelfigur auch:

    Richard Wagner: Ouvertüre zu „Der Fliegende Holländer“

    New Philharmonia Orchestra
    Otto Klemperer



    Im Jahr 1839 verlor Richard Wagner (1813-1883) seine Stellung als Kapellmeister in Riga. Da er verschuldet war, flohen seine Frau und er aus Furcht vor den Gläubigern, überschritten heimlich die russisch-ostpreußische Grenze und fuhren auf dem kleinen Segelschiff Thetis nach London. Die stürmisch verlaufende, mehrfach in norwegischen Häfen unterbrochene und schließlich über vier Wochen dauernde Seefahrt, bei der das Schiff beinahe kenterte, brachte Inspirationen für den Fliegenden Holländer.

    Otto Klemperer (1885-1973) wurde im Deutschland des Jahres 1933 als Kulturbolschewist bezeichnet und erhielt ein Auftrittsverbot. Im selben Jahr emigrierte er in die USA, um weiter als Dirigent arbeiten zu können.

    Gruß
    MB

    :wink:
    "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" (Paul Watzlawick)
  • Nochmal Wagner mit einem „seiner“ großartigsten Heldenbaritone:

    Richard Wagner

    „Die Frist ist um“
    (aus „Der Fliegende Holländer“)
    „Wotans Abschied“ (aus „Die Walküre“)

    Friedrich Schorr
    Orchester der Staatsoper Berlin
    Leo Blech



    Friedrich Schorr (1889-1953) war der Sohn des jüdischen Kantors Mayer Schorr. Nach dem ersten Weltkrieg war er der führende Bariton im Wagner-Fach und sang bspw. in Bayreuth den Wotan und den Wanderer in den Jahren 1925/27/28/30/31. Im Zuge der Arisierung des dortigen Ensembles erhielt er dort Auftrittsverbot – Hitler war der Meinung, dass der Jude Schorr die Figur des Wotan nicht verkörpern könne. 1931 emigrierte in die USA. U. a. legen Aufnahmen von der Met Zeugnis von seiner Kunst ab (Rheingold, Walküre, Siegfried).

    Gruß
    MB

    :wink:
    "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" (Paul Watzlawick)







    Pierrot mit Stiedry-Wagner, Kolisch, Steuermann unter der Leitung des Komponisten.
    Melione machte mich auf diese hammer-geile Aufnahme aufmerksam.


    Schönbergs Jakobsleiter, Glückliche Hand, beide Kammersinfonien und sein Klavierkonzert unter der Leitung von Michael Gielen.
    Beim Klavierkonzert kommt allerdings der Radiomitschnitt vom 23.03.03 (Freiburg) mit dem SWRlern und Uchida als Tastenquälerin unter Gielen sehr viel fetziger rüber.

    Die Musiker, die an der Pierrot-Aufnahme beteiligt waren, sowie Michael Gielen und seine Familie mussten auf Grund der Machtergreifung der Nazis fliehen, um nicht in Gaskammern zu landen. (siehe auch: Nominierungsthread zu Verfolgt, emigriert, ermordet...)
    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
  • Kleine Ergänzung zu Obigem: Der Komponist Arnold Schönberg (1874-1951) stammte aus einer jüdischen Famlie und floh 1933 in die USA. Nach der Annahme der amerikanischen Staatsbürgerschaft schrieb er sich „Schoenberg“. – Der Pianist und Komponist Eduard Steuermann (1892-1964) war ebenfalls Jude und emigrierte 1938 nach Los Angeles. Steuermann spielte bei etlichen Uraufführungen Schönbergs den Klavierpart, so z. B. beim Pierrot Lunaire op. 21.

    Nun zwei weitere Interpreten.

    L. v. Beethoven: Violinkonzert D-Dur op. 61

    Adolf Busch, Violine
    New York Philharmonic Orchestra
    Fritz Busch



    Der Geiger Adolf Busch (1891-1952) war ein Gegner der Nationalsozialisten, und als diese versuchten ihn zurückzugewinnen, meinte er, dass er „mit Freuden an dem Tag zurückkehren“ werde, da „Hitler, Goebbels und Göring öffentlich gehängt“ würden. Von 1933 bis 1949 trat er fortan nicht mehr in Deutschland auf. 1939 emigrierte er in die USA, wo er sich bald bei Rudolf Serkin, der 1935 seine Tochter Irene geheiratet hatte, in Guilford bei Brattleboro (Vermont) niederließ. Schon bald bildeten sie zusammen mit seinem Bruder Hermann Busch das „Busch-Serkin-Trio“. Er entfaltete dort eine reiche künstlerische und pädagogische Tätigkeit. Ebenfalls mit Serkin gründete er das 1951 Marlboro Music Festival, das in Marlboro, Vermont, stattfindet.

    Der Dirigent Fritz Busch (1890-1951) hatte in den 1920er Jahren eine führende Position im Nachkriegsdeutschland. Hitler, Goebbels und Goering wollten diesen berühmten Dirigenten in Berlin haben. Busch schilderte das Gespräch mit Göring wie folgt: „Ich sagte, dass ich keinem jüdischen Kollegen den Platz wegnehmen würde. – Göring: ‚Na, lieber Freund, wir haben ja auch Mittel in der Hand, Sie dazu zu zwingen!‘ – ‚Versuchen Sie das nur‘, platzte ich heraus. ‚An einem erzwungenen Tannhäuser unter meiner Leitung werden Sie keine Freude haben. So etwas Stinklangweiliges haben Sie in Ihrem Leben noch nicht gehört‘ “. Damit war die Werbung der Nazis beendet. Am 7. März 1933, vor Beginn einer Rigoletto-Vorstellung, wurde Busch von SA-Männern vom Pult gebrüllt und musste sein Amt als Generalmusikdirektor an der Semperoper aufgeben. - Fritz Busch emigrierte nach England und begründete in Glyndebourne zusammen mit Carl Ebert als Dramaturg die dortigen Festspiele, die sie bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs durchführten.

    (beides aus der deutschsprachigen Wikipedia)

    Gruß
    MB

    :wink:
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  • Hermann Scherchen musste seiner Ablehnung der Nazis wegen aus Deutschland fliehen.
    Er widmete sich Zeit seiner Laufbahn ausgiebig der NWS.
    Fetzig ist vor allem ein Radiomitschnitt von Schönbergs "Erwartung" ohne Sängerin (also bloßes Orchester) mit dem Orchestre de la Nordwestdeutsche Rundfunk von 1959, sogar in Stereo TQ...
    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
  • Erich Wolfgang Korngold, Klaviertrio op. 1:


    Korngold schrieb dieses Trio 1909/10, also im Alter von knapp 13 Jahren, unfassbar.

    Beim "Anschluss" Österreichs 1938 war Korngold gerade zu Filmmusik-Projekten in Los Angeles. In Wien wurden sein Haus, sein Besitz und seine Ersparnisse konfisziert und seine gesamte Musikbibliothek mit allen Kompositionen seit der frühen Kindheit für die geplante Verbrennung in Kisten gepackt. Der Verleger Josef Weinberger schickte zwei Mitarbeiter nachts zu Korngolds Haus, die dort einbrachen und so den unersetzlichen Schatz retteten. Korngold musste dann in den USA bleiben, schaffte es noch, seine Familie und seine Eltern nachzuholen und kehrte erst 1949 wieder nach Wien zurück. Seine Ehefrau Luzi beschrieb später ihre dortige Ankunft: "Jessas - der Herr Professor Korngold! Das is aber nett! Wann fahr'n S' wieder weg?" Schon bald stellte Korngold frustriert fest: "Es sind nur noch Nazis in der Stadt" und entschied bereits zwei Jahre später, wieder in die USA zurückzukehren. Am 16.4.1951 verließ er seine Heimatstadt Wien endgültig. Am 29. November 1957 starb er im Alter von 60 Jahren in Los Angeles. Auf seinem Grabstein auf dem Hollywood Forever Cemetery ist ein Faksimile seines Autographs von "Glück das mir verblieb" aus der Oper "Die tote Stadt". Er hat nicht viel Glück gehabt.

    Christian
    Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
    Oscar Wilde
  • Ernst Krenek emigrierte 1938, nach dem "Anschluss" Österreichs an Nazi-Deutschland, in die USA.

    Radiomitschnitte:

    Ernst Krenek: 3. Sinfonie op. 16 (1922)
    Bamberger Symphoniker
    Ernst Krenek

    16. September 1965, Bamberg


    Ernst Krenek: From three make seven/Aus drei mach sieben op. 177 (1961)

    Bamberger Symphoniker
    Ernst Krenek

    14. September 1965, Bamberg

    Ernst Krenek: Symphonische Musik für Streichorchester op. 86 (1939)


    Bamberger Symphoniker
    Ernst Krenek

    24. September 1954, Herkulessaal der Residenz, München


    Ernst Krenek: Sinfonietta a Brasileira op. 131(1952)

    Münchner Philharmoniker
    Ernst Krenek
    24. September 1954. Herkulessaal der Residenz, München
    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
  • Eben gehört: Ein weiterer flüchtiger Komponist.

    Béla Bartók: Klavierkonzert Nr. 3

    Géza Anda, Klavier
    RSO Berlin
    Ferenc Fricsay



    Der Komponist, Pianist und Musikethnologe Béla Bartók (1881-1945) bezog deutlich Opposition gegen den Nationalsozialismus. Er trat nach der Machtergreifung nicht mehr in Deutschland auf und arbeitete nicht mehr mit deutschen Verlagen zusammen. Im Jahr 1937 verbot er den deutschen und italienischen Radiosendern die Übertragung seiner Werke. Aus Angst, dass Ungarn eine deutsche Kolonie werden könne, emigrierte er 1940 mit seiner zweiten Frau in die USA.

    Gruß
    MB

    :wink:
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  • Ein weiterer flüchtiger Komponist.

    Mieczysław Weinberg: Streichquartett Nr. 6 op. 35

    Quatuor Danel



    Der jüdische Komponist Mieczysław Weinberg (1919-1996) brach beim deutschen Überfall auf Polen im Jahr 1939 sein Klavierstudium in Warschau ab und floh nach Minsk, wo er Komposition studierte. 1941 floh er vor dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion nach Taschkent und arbeitete dort an der Oper. Auf Einladung Dmitri Schostakowitschs, dem er vorher seine erste Sinfonie zugesendet hatte, fuhr Weinberg nach Moskau und ließ sich dort nieder.

    Hier gibt es einen Thread zu Weinberg mit einem wunderbaren Startbeitrag.

    Gruß
    MB

    :wink:
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  • Peter Philips: Passamezzo pavana

    Peter Philips, geboren in 1560 oder 1561 in London oder Devon, war ein berühmter Komponist der ausgehenden Renaissance. Als gläubiger Katholik musste er 1582 seine Heimat verlassen und flüchtete nach Rom. Seinem Gönner Thomas Paget, ebenfalls flüchtiger Katholik, folgend übersiedelte er nach wenigen Jahren nach Antwerpen und schliesslich Brüssel. Nach dem Tod seiner Familie liess er sich irgendwann im ersten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts zum Priester weihen und übte die Funktion eines Chorherren aus. Philips gehört zu den bedeutendsten englischen Komponisten jener Zeit.

    Ich hörte seine wunderbare Passamezzo pavana von folgender CD:

    Im Zweifelsfall immer Haydn.
  • Ich bleibe beim Streichquartett.

    György Ligeti: Streichquartett Nr. 1 („Métamorphoses nocturnes“)

    Artemis Quartett



    Da zitiere ich mich selbst aus dem Thread zum Werk:

    Ligetis erstes Streichquartett entstand in den Jahren 1953/54. Zu jener Zeit fand das Leben in Ungarn unter der vollständigen Kontrolle der kommunistischen Diktatur statt. Reisen ins Ausland waren unmöglich, entsprechende Kontakte ebenso. Die informationsseitige Isolation des Landes bezog sich auch auf Noten und Bücher. Und dies nicht nur in Bezug auf den Westen, sondern auch innerhalb der Staaten des Warschauer Paktes. Moderne Kunst und Literatur waren verboten. Das Regime verlangte nach einer billigen Massenkunst, die die politische Propaganda jener Zeit unterstützen sollte. Sogar Bartók war nur teilweise genehm, nämlich die einigermaßen gemäßigten Werke wie das Konzert für Orchester, das dritte Klavierkonzert und die Volksliedbearbeitungen.

    Unter diesen Prämissen komponierte Ligeti für die Schublade – was damals als Ehre galt. Die Mehrheit der Künstler wählte einen solchen Weg der inneren Emigration. Anregung bezog Ligeti aus den mittleren Quartetten Bartóks (3 und 4). Diese lernte er aus der Partitur kennen – Aufführungen dieser Werke waren ja nicht möglich.

    Nach dem Ende des Volksaufstands in Ungarn floh er im Dezember 1956 gemeinsam mit Vera Spitz, seiner späteren Frau, nach Wien.

    Gruß
    MB

    :wink:
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  • Mauerblümchen schrieb:

    1939 emigrierte er in die USA, wo er sich bald bei Rudolf Serkin, der 1935 seine Tochter Irene geheiratet hatte, in Guilford bei Brattleboro (Vermont) niederließ. Schon bald bildeten sie zusammen mit seinem Bruder Hermann Busch das „Busch-Serkin-Trio“.

    Anmerkung : Sowohl das Busch - Trio als auch das Busch / Serkin Duo gab es bereits zu Beginn der 30er Jahre . Deren Gründung hat also nichts mit der Emigration zu tun .
    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang "
  • b-major schrieb:

    Anmerkung : Sowohl das Busch - Trio als auch das Busch / Serkin Duo gab es bereits zu Beginn der 30er Jahre . Deren Gründung hat also nichts mit der Emigration zu tun .
    Danke dafür!

    Hier noch ein Streichquartett:

    Alexander von Zemlinsky: Streichquartett Nr. 2 op. 15

    Schoenberg Quartet



    Zemlinskys (1871-1942) Mutter Clara Semo stammte aus einem jüdisch-muslimischen Elternhaus. Nach dem Anschluss Österreichs im Jahre 1938 wurde die Lage für Zemlinsky immer prekärer, da es ihm nicht gelang, seine Herkunft väterlicherseits nachzuweisen. 1938 emigrierte er in die USA.

    Gruß
    MB

    :wink:
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  • Sergej Rachmaninow: Liebesleid (Kreisler)



    Nachdem er auf seinem Landgut Iwanowka mitansah, wie die Bauern, mit denen er als Gutsbesitzer bis dahin gut zusammen gearbeitet hatte, im Rausch des Aufstands den Lieblingshund seiner Tocher erschlugen, entschloß sich Sergej Rachmaninow (1873-1943), vor der russischen Revolution 1917 zu fliehen. Über Skandinavien gelangte die Familie schließlich in die USA, wo Rachmaninow den Rest seines Lebens verbrachte. Über die Umstände der Flucht und die Gründe für das lebenslange Exil finden sich hier interessante Informationen: "http://www.nzz.ch/erst--der-tod-dann-das-leben-1.18017702"
  • Robert Schumann: Vier Märsche op. 76



    Für einige Wochen floh im Mai und Juni 1849 Robert Schumann mit seiner Familie vor der Deutschen Revolution aus Dresden bis nach Kreischa. Angeblich über den Gartenzaun entzog sich der Republikaner Schumann der Verpflichtung zur „Sicherheitswache“. Clara holte zwei Tage später ihre Kinder „unter Lebensgefahr“ (Joachim Draheim: „Werke für Klavier zu zwei Händen“, in: Schumann Handbuch, hrsg. von Ulrich Tadday, Stuttgart 2006) nach. Schumann schuf in dieser Zeit weltabgewandtes wie die Waldszenen, aber auch die Vier Märsche op. 76, die nach einem zeitgenössischen Kritiker „Die Jahreszahl 1849 […] an der Stirne tragen“.
  • Joseph Schmidt singt Erich Wolfgang Korngold
    "https://www.youtube.com/watch?v=8QqUBNecs8w"
    Eine der traurgsten Fluchtgeschichten der Kriegszeit: der kleine Mann mit der großen Stimme, bis 1933 einer der beliebtesten Sänger des deutschsprachigen Raums. Von den Nazis vertrieben, konnte er noch 1937 auf einer USA-Tournee enorme Summen einnehmen. Aber das half ihm nichts ; bei Kriegsausbruch saß er in Südfrankreich fest, konnte mit knapper Not in die Schweiz fliehen, wo man ihn in ein Internierungslager steckte. Klagen über gesundheitliche Probleme wurden nicht ernstgenommen, und so starb Schmidt mit 38 Jahren auf einem Sofa in einem Gasthof in Girenbad bei Zürich... Auch der Komponist, dessen berühmteste Arie er hier singt, mußte fliehen, Aber auf ihn wurde ja schon eingegangen.
    Ein Mann, der kleine Kinder und Hunde haßt, kann kein so schlechter Mensch sein. (W. C. Fields)
  • Francesco Maria Veracini: Ouvertüre Nr. 1 B-Dur



    Angst um die eigenen Privilegien war für einige Dresdner in den Jahren 1720 und 1722 Anlass für Intrigen und Kampagnen, die schließlich ausländische Musiker zur Flucht aus dem Kurfürstentum Sachsen trieben. Von Anfang an war die von August dem Starken geholte italienische Operntruppe den Musikern der Dresdner Hofkapelle um Johann Georg Pisendel ein Dorn im Auge. Ein Streit um eine Oper von Johann David Heinichen war schließlich ein willkommener Anlass, die italienischen Musiker, die musikalische Konkurrenz waren und dazu noch angemessen entlohnt wurden, vor die Tür zu setzen. Einzig Francesco Maria Veracini durfte mit zwei Kollegen bleiben, ihm wurde eine Sonderbehandlung zuteil. Besonders sein Kollege an den vorderen Geigenpulten der Dresdner Hofkapelle Pisendel nutzte diverse Gelegenheiten, dem "Italiäner" Veracini zu schaden. Dieser sprang schließlich aus dem zweiten Stock seines Wohnhauses, überlebte und floh schließlich aus Dresden zurück in seine Geburtsstadt Florenz.
  • Was die polnische Pianistin jüdischen Glaubens Maryla Jonas (1911-1959) in den Kriegsjahren erlebt hat, muss eine Fluchterfahrung der schrecklichsten Art gewesen sein, die den Stoff für einen Spielfilm liefern könnte. Aus der Gestapo-Haft in Polen floh sie zu Fuß ausgerechnet nach Berlin, von der dortigen brasilianischen Botschaft dann über Lissabon nach Rio.

    "https://en.wikipedia.org/wiki/Maryla_Jonas"

    Nach dem Krieg entstand ihre Aufnahme der Chopin-Mazurken, die für mich zu den wertvollsten zählt – und das nicht wegen des bei Amazon aufgerufenen Preises. Man meint, in ihrer tiefsinnigen Interpretation den Hintergrund ihrer unglaublichen Erfahrungen einfließen zu hören.





    Cheers,

    Lavine :wink:
    "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)