Eben gehört – von und mit Flüchtlingen

  • El Duderino schrieb:

    Nachdem er auf seinem Landgut Iwanowka mitansah, wie die Bauern, mit denen er als Gutsbesitzer bis dahin gut zusammen gearbeitet hatte, im Rausch des Aufstands den Lieblingshund seiner Tocher erschlugen, entschloß sich Sergej Rachmaninow (1873-1943), vor der russischen Revolution 1917 zu fliehen. Über Skandinavien gelangte die Familie schließlich in die USA, wo Rachmaninow den Rest seines Lebens verbrachte. Über die Umstände der Flucht und die Gründe für das lebenslange Exil finden sich hier interessante Informationen: "http://www.nzz.ch/erst--der-tod-dann-das-leben-1.18017702"

    Bei Rachmaninow mache ich gerne mit!

    Sergej Rachmaninow: Préludes
    (op. 2 Nr. 3, op. 23, op. 32)

    Alexis Weissenberg



    Gruß
    MB

    :wink:
    "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" (Paul Watzlawick)
  • Mit Autographen von Mahler und Bruckner (dritte Sinfonie) im Gepäck flüchtete 1940 die Reisegruppe Alma Mahler-Werfel, Franz Werfel und Heinrich und Golo Mann auf der Flucht vor den Nazis über die Pyrenäen. Franz Werfel löste nach überstandener Flucht ein Dank-Gelübde ein, indem er den Roman "Das Lied von Bernadette" schrieb. Walter Benjamin fand mit einer anderen Gruppe auf einem ähnlichen Fluchtweg den Tod; der herzkranke Philosoph opferte sich durch Selbstmord und verschaffte seinen Mitreisenden somit einen Vorsprung auf der Flucht nach Spanien.


    Всё будет хорошо
  • Eduard Tubin (1905 - 1982):

    Am 20. September 1944 floh Tubin mit seiner Familie vor der heranrückenden Roten Armee von Estland mit dem Segler "Triina" über die Ostsee und nach zwei Tagen erreichten sie Schweden, wo Tubin mit seiner Familie dann geblieben ist.

    Kurzer historischer Hintergrund: Estland, Litauen und Lettland wurden 1940 von der Sowjetunion annektiert und offiziell galt das als Beitritt zur Sowjetunion. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion 1941 war Estland bis 1944 von deutschen Truppen besetzt. Die Rote Armee besetzte dann Estland im Herbst 1944 und das Land wurde wieder in die Sowjetunion eingegliedert.

    In diese Zeit hinein passt Tubins Sinfonie Nr. 4 "Sinfonie Lirica", die Tubin 1943 komponierte. Die Partitur wurde im Safe der Estnischen Rundfunkgesellschaft im vierten Stock des Estnischen Theaters aufbewahrt. Für das Frühjahr 1944 war die Uraufführung geplant. Da Estland zu dem Zeitpunkt unter deutscher Besatzung stand führte die Roten Armee am 09. März 1944 einen Luftangriff durch wobei das Theater getroffen wurde. Dabei stürzte der Safe vom vierten Stock in den Keller des Gebäudes aber die Partitur war nur etwas angesengt. Am 16. April 1944 fand im Dramatischen Theater in Tallinn die Uraufführung mit dem Dirigenten Olav Roots statt. Bei seiner Flucht nach Schweden nahm Tubin die angesengte Partitur seiner 4. Sinfonie mit und 1978 revidierte er das Werk.

    bzw.
    (AD: 05. November 1981, Grieg Hall, Bergen, live)

    Bergen Philharmonic Orchestra
    Neeme Järvi



    Armin
    "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
  • Bohuslav Martinu (8. 12.1890 - 28. 8. 1959),
    dessen Musik von der deutschen Besatzungsmacht nach der Okkupation seiner tschechischen Heimat verboten wurde,
    musste 1940 vor der heranrückenden deutschen Wehrmacht aus Paris, wo er seit 1923 lebte, fliehen und gelangte auf seiner mehrere Monate dauernden Flucht
    über Aix-en-Provence, Marseille und Lissabon in die USA, dort lebte er bis 1953 (er erhielt 1952 die amerikanische Staatsbürgerschaft) und kehrte danach wieder zurück nach Europa.
    Wechselnde Aufenthaltsorte, zuletzt in der Schweiz, prägten seine letzten Jahre---seine Heimat konnte er allerdings (trotz seines oft geäußerten Wunsch),wegen der politischen Verhältnisse, nicht wieder betreten.
    Martinu komponierte 1943, nach der Zerstörung des Dorfes Lidice und Ermordung der männlichen Einwohner und Verschleppung der weiblichen in Todeslager durch die Nazi-Schergen ( von den 98 Kindern des Ortes wurden 13 zur "Germanisierung" in ein "Lebensborn" Heim gebracht, alle anderen Kinder wurden im Vernichtungslager Kulmhof ermordet),
    sein weltberühmtes Werk Památnik Lidicim (Mahnmal für Lidice H296)






    Herzliche Grüße:
    KALEVALA :wink:

    Die Wahrheit ist hässlich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen. (Nietzsche)


    Es gibt nichts Überflüssigeres und Schädlicheres als wie Musik. Wenn ein Mensch eine gewisse Zeit lang Musik hört, wird sein Gehirn faul und unseriös. (Ayatollah Khomeini)
  • Rudolf Kolisch, "der" Geiger der Neuen Wiener Schule , emigrierte 1936 in die USA.


    Kolisch in America, Vol. 1

    Enth. Beethoven, Violinsonaten op. 24, op. 30 Nr. 1-3, op.47, op.96

    Klavier: Gunnar Johansen





    Kolisch in America, Vol. 2

    Enth. Schubert, Violinsonaten D 574 op. 162; D 408 op. 137,3; Violinfantasie D 934 op.159

    Klavier: Paul Badura-Skoda





    bei amazon z.Zt. nur mp3.

    coverlinks funktionierten nicht.

    Mit Umweg schon! Habe mir in diesem Fall mal erlaubt, das zurechtzubasteln, hoffe, das ist OK! Quasimodo.

    edit:
    herzlichsten Dank!

    Als Kommentar erlaube ich mir, ein Liebesgedichte von Friedrich Rückert beizufügen:

    Amara, bittre, was du thust ist bitter,
    Wie du die Füße rührst, die Arme lenkest,
    Wie du die Augen hebst, wie du sie senkest,
    Die Lippen aufthust oder zu, ist's bitter.

    Ein jeder Gruß ist, den du schenkest, bitter,
    Bitter ein jeder Kuß, den du nicht schenkest,
    Bitter ist, was du sprichst und was du denkest,
    Und was du hast, und was du bist, ist bitter.

    Voraus kommt eine Bitterkeit gegangen,
    Zwo Bitterkeiten gehn dir zu den Seiten,
    Und eine folgt den Spuren deiner Füße.

    O du mit Bitterkeiten rings umfangen,
    Wer dächte, daß mit all den Bitterkeiten
    Du doch mir bist im innern Kern so süße.
    ---
    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
  • Jean Sibelius (8. 12. 1865 - 20. 9. 1957)
    Sibelius musste nach der Unabhängigkeit Finnlands im Dezember 1917, bedingt durch den ausgebrochenen Bürgerkrieg, mit seiner Familie seinen Wohnsitz Ainola verlassen und nach Helsinki flüchten.
    Das Gebiet Järvenpää, wo Ainola liegt, wurde monatelang von den "Roten" terrorisiert, da Sibelius Unterstützer der "Weißen" war musste er sehr um seine Sicherheit fürchten.
    Zu dieser Zeit war Sibelius mit der Revision seiner 5. Symphonie beschäftigt.
    Wozu die Auseinandersetzungen zwischen "Roten" und "Weißen" führten zeigt deutlich das tragische Schicksal des jungen Komponisten Toivo Kuula (1883-1918),
    jener wurde in der Walpurgisnacht 1918, als unbeteiligter Hotelgast, von einer verirrten Kugel eines "Weißen" getroffen. Die sogenannten "Finnischen Jäger" hatten in jenem Hotel eine Siegesfeier abgehalten. Kuula erlag 18 Tage später seinen Verletzungen.



    Herzliche Grüße:
    KALEVALA :wink:

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  • Frédéric Chopin - Polonaise As-Dur op. 53

    Chopin verließ kurze Zeit vor Ausbruch des antirussischen Aufstands 1830 Polen, um für einen längeren Aufenthalt nach Paris zu gehen. Somit war er zunächst kein wirklicher Flüchtling. Er äußerte sich aber in Paris so patriotisch polnisch und verkehrte dermaßen offen in revolutionären Kreisen, dass an eine Rückkehr in die Heimat nach Zusammenbruch des Aufstands nicht zu denken war. Chopin sollte sein geliebtes Polen nie wieder sehen - nur sein Herz liegt dort.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.
  • Dmitri Schostakowitsch (25. 9. 1906 - 9. 8. 1975)
    Schostakowitsch war gleich in doppelter Hinsicht Flüchtling,
    1. befand er sich in den Zeiten des Stalin Terrors in der Inneren Emigration und hielt viele seiner wichtigsten Werke unter Verschluss,
    ein gewisses "Anpassen" war für ihn ( wie natürlich viele andere auch) überlebenswichtig.
    2. Im Oktober 1941 fand eine reale Flucht (Evakuierung), während der Belagerung und Aushungerung seiner Heimatstadt Leningrad durch die Deutschen, statt.
    Schostakowitsch wurde nach Kuibyschew (Samara) ausgeflogen, dort stellte er seine 7. Symphonie "Leningrader" fertig und dort fand auch die Uraufführung am 5. 3. 1942 durch das (aus Moskau evakuierte) Orchester des Bolschoi-Theater statt.



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