Konzerte in Stuttgart

    • Konzerte in Stuttgart

      Anscheinend gibt es keinen Capriccianer, der in Stuttgart lebt UND ins Konzert geht bzw darüber berichten mag. Ich gehe regelmäßig in die Liederhalle, habe ein Abo für die Kammermusikreihe und bin sonst nach Bedarf auch im grossen Saal beim RSO Stuttgart bzw den tourenden Orchestern.
    • Modigliani Quartett 10.11.2015

      Gestern abend war das französische Modigliani Quartett zu Gast, ich habe es wohl zum ersten Mal live gehört.

      Auf dem Programm stand (leider) gar kein französiches Werk, sondern

      Mozart KV 421

      Schostakowitsch SQ 1

      Beethoven op. 95

      Wer die Werke kennt, dem fällt gleich auf, ein ziemlich kurzes Programm.

      Nun, das Modigliani Quartett ist ein noch junges Quartett, man ist seit 10 Jahren zusammen. Die Interpretation aller drei Stücke ging in Ordnung, es gab auch einige Stellen, wo man die Ohren spitzte, aber so ganz begeistert war ich am Ende des Abends dann doch nicht. Dafür kann es zwei Gründe geben. Entweder war ich nicht gut drauf oder aber ich bin inzwischen so verwöhnt durch Artemis, Belcea, Ebene, Pacifica und Minguet (alle kürzlich live erlebt), dass mich eine Darbietung unter diesem Niveau nicht mehr mitreisst. In der Liga spielen die vier Herren jedenfalls eindeutig (noch) nicht. Schauen wir was in ein, zwei Jahren ist.
    • Nun, das Modigliani Quartett ist ein noch junges Quartett, man ist seit 10 Jahren zusammen. Die Interpretation aller drei Stücke ging in Ordnung, es gab auch einige Stellen, wo man die Ohren spitzte, aber so ganz begeistert war ich am Ende des Abends dann doch nicht. Dafür kann es zwei Gründe geben. Entweder war ich nicht gut drauf oder aber ich bin inzwischen so verwöhnt durch Artemis, Belcea, Ebene, Pacifica und Minguet (alle kürzlich live erlebt), dass mich eine Darbietung unter diesem Niveau nicht mehr mitreisst. In der Liga spielen die vier Herren jedenfalls eindeutig (noch) nicht. Schauen wir was in ein, zwei Jahren ist.


      Ich befürchte, Du wirst sie am Niveau der anderen Quartette gemessen haben...Eigentlich auch völlig normal und menschlich. Vermutlich werden die vier Musiker das auch selbst wissen, dass es für die allererste Liga noch nicht ganz reichen wird, aber so etwas dauert halt seine Zeit.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • WKO Case Scaglione 11. Mai 2017

      Heute im 9. Konzert der Reihe "Faszination Klassik" im Beethovensaal der Stuttgarter Liederhalle: Eine einzige Enttäuschung!

      Es spielten das Württembergische Kammerorchester Heilbronn, Tanja Becker-Bender (vl) unter der Leitung des Einspringers Case Scaglione Haydn Sinfonie Nr. 82, Mendelssohn Violinkonzert und Beethoven Sinfonie Nr. 1.

      Haydn: unispiriert und langweilig - ganz old school

      Mendelssohn: Keine Harmonie zwischen Solistin und Pult; häufig auch nicht zusammen, große Intonationsprobleme, alle expressivi mit übertriebenem accelerando. Viele Temporückungen - meiner Meinung nach ohne Verstand. Ein Dirigent, der sich selbst inzeniert ohne viel zu bieten. Das Orchster deckte (trotz Kammerbesetzung - bspw. Hörner - noch nie so gehört) die Solistin immer wieder zu. Diese hatte auch nicht ihren besten Abend - leider!

      Beethoven: Im Orchseter dürfen alle Bläser spielen, wie sie wollen. 1. Klarinette gefühlt doppelte Lautstärke wie die Kollegen an der Oboe oder Flöte bei deren Solostellen. Dirigat nur über Tempo und (etwas) Dynamik - sonst keine Gestaltung. Eine stretta nach der anderen. Immer auf Effekt. Großer Beifall (was sonst?).

      Den Jungen (Scaglione) merk ich mir. ¡Nunca jamás!
    • Colombian Youth Philharmonic

      Gestern abend war das Columbian Youth Philharmonic unter der Leitung des sehr sympathischen Andres Orozco-Estrada zu Gast in Stuttgart. Das Orchester besteht aus den besten jungen (16-24) Nachwuchsmusikern seiner Landes und hat inzwischen schon über 120 Konzerte gegeben. Um es gleich vorweg zu sagen, das kolumbianische Orchester lässt so manches nur routiniert oder wie in Stuttgart in letzter Zeit öfters frustriert aufspielende Radiosymphonieorchester ziemlich alt aussehen. Die Begeisterung mit der die jungen Musiker spielen ist wahrlich ansteckend und hat das Publikum wirklich mitgerissen.

      Das Konzert begann mit einem 20-minütigen Stück von Jimmy Lopez, einem 1978 geborenen Chilenen, mit dem Titel America Salvaje. Und wild war das Stück auch, eine Mischung aus Le Sacre und Sensemaya mit Okarinas und massivem Schlagzeugeinsatz. An die Zuhörer waren vor dem Konzert kleine Pfeifen verteilt worden, mit denen man Vogelgezwitscher imitieren konnten und so kam auch das Publikum an einigen Stellen urwaldmäßig zum Einsatz.

      Gefolgt wurde dieser Auftakt von zwei Darbietungen des famosen Cellisten Daniel Müller-Schott, der Bruchs Kol Nidrei und Tschaikovskys Rokoko-Variationen spielte. Letzteres ist ein Stück, das ich ziemlich langweilig finde, aber der Solist hat es zumindest hervorragend gespielt.
      Zum Abschluß dann Tschaikovskys unverwüstliche 5. Symphonie, bei der Dirigent und Orchester dann zeigen konnten, was sie können und das war viel. Nicht jede Tempomodifikation im Kopfsatz war ganz in meinem Sinne, aber was das Orchester auszeichnet, sie können auch richtig leise spielen. Und im Finalsatz ging dann richtig die Post ab. Überwältigender Beifall, der sich nach einer überaus stimmungsvollen Wiedergaben von Elgars Nimrod noch steigerte. In zwei Jahren kommt die Truppe wieder.
    • Mahler 2. Symphonie mit Karg, Romberger und Eschenbach

      Neu

      Mahlers 2. Symphonie hat mich vor ca 40 Jahren zur Klassik gebracht und ist eines der Musikstücke, die ich ziemlich in- und auswendig kenne. Ich habe es bewusst aber in den letzten Jahren kaum noch gehört, um es mir nicht überzuhören.

      Ein Livekonzert aus der 6. Reihe Mitte mitzuerleben ist dann aber doch immer wieder eine besondere Erfahrung. Es gibt ja kaum eine Stück, dass noch mehr "ganz großes Hörkino" ist.

      Und das SWR SO mit Christiane Karg, Gerhild Romberger, dem Chor des BR - SWR Vokalensemble unter der Leitung von Christoph Eschenbach haben nicht enttäuscht, es war eine in jeder Beziehung absolut mitreissende Aufführung. Das SWR SO, das sich ja zur Hälfte aus dem unter Michael Gielen Mahler-erprobten SO Baden-Baden und Freibug zusammensetzt, ist zumindest an diesem Abend zu einem Orchester zusammengewachsen und hat die Partitur exemplarisch dargeboten. Wie bei jedem Livekonzert gab es es hie und da kleinere Imbalancen, aber insgesamt war der Gesamteindruck hervorragend. Auch die Solisten machten ihre Sache hervorragend und zwei der weltbesten Chöre muss man wohl nicht mehr extra loben. Der letzte Satz Gänsehaut pur. Toller Abend, der noch lange nachklang.