Kenny Dorham - Er war die Verbindung von Dizzy zu Miles !!

    • Kenny Dorham - Er war die Verbindung von Dizzy zu Miles !!

      Heute nun der Trompeter Kenny Dorham. Erneut ein Musiker, der viel zu früh verstorben ist. Geboren am 30.August 1924 in Fairfield/Texas, ist er etwa ein Jahr älter als Miles Davis, sieben Jahre jünger als Dizzy Gillespie, fast genau ein Jahr jünger als Fats Navarro und vier Jahre jünger als Clark Terry. In seinem Jahrgang war auch der Trompeter Dave Burns, der heute aber als unbekannt gilt, obwohl er damals auch einige bemerkenswerte Erfolge vorweisen konnte.

      Er gehörte zu den wenigen Musikern der Bop-Generation, die nicht durch Drogenkonsum aufgefallen waren, und sich damit selbst zerstört haben. Viele seiner Kollegen sollten daran elend zugrunde gehen, wie z.B. Fats Navarro oder Sonny Berman, der 1945 bei Wood Herman bekannt wurde, aber Anfang 1947 bereits durch eine Überdosis verstorben ist, und heute nur Insidern noch bekannt sein dürfte.

      Leider vestarb er bereits früh am 05.Dezember 1972 in New York an den Folgen eines Nierenleidens.

      Dorham begann mit sieben Jahren Klavier zu lernen, Trompete dagegen erst relativ spät in der High School-Zeit. Nach seiner Army-Zeit 1942-1943 startete er bei Russell Jacquet, dem Bruder von Illinois Jacquet, seine Karriere. 1945 kam er in die Bigband von Dizzy Gillespie, 1946 in die Billy Eckstine-Bigband. 1947 spielte er zeitweise bei Lionel Hampton, 1948 bei Mercer Ellington, und ab Ende 1948 nun bei Charlie Parker. Hier löste er Miles Davis ab.

      Ab 1950 begann er frei zu arbeiten, 1954 folge dann in den originalen Jazz Messengers von Art Blakey, um dann wieder eine eigene Band zu leiten. Von 1956 bis 1958 wurde er Nachfolger con Clifford Brown bei Max Roach, sicher ein extrem schwerer Job, hier die Nachfolge antreten zu müssen (oder dürfen).

      Ab 1958 war Dorham nicht mehr als Sideman tötig, höchstens mal auf Einspielungen befreundeter Musiker. Ab nun leitete er eigene Bands, die er "Jazz Prophets" nannte, eine Anspielung an die "Jazz Messengers" Art Blakeys.

      Dorham, dessen Stil man eine Verbindung von Dizzy Gillespie und Miles Davis bezeichnen könnte, hatte nie den ganz großen Stellenwert inne gehabt, den Dizzy oder Miles bekamen. Die Gründe dazu zu finden, dürfte sehr schwer sein. Sein Ton ist mehr Dizzy, also etwas dünner als vegleichbare Kollegen wie Howard McGhee oder gar dem "fetten" Ton eines Fats Navarro. Dafür war sein ganzes Spiel filigraner, ohne aber andere Trompeter zu kopieren. Auch erreichte er nicht die "Coolness" eines Miles Davis, dafür besaß er zu viel Feuer in seinem Spiel.

      Was viele Leute nicht wissen, ist die Tatsache, dass er bereits vor der großen Bossa Nova-Welle in Süd-Amerika war, und hier ein Vorreiter war Anfang der 1960-er Jahre. Auch als Komponist machte er sich einen Namen. So stammen die Stücke "Lotus Blossom" (nicht zu verwechseln mit dem gleichen Titel Billy Strayhorns), "Una Mas" und der Jazz-Standard "Blue Bossa".

      Seine Einspielungen auf Blue Note sind viele Beispiele dafür, dass man kreativ eigene Stücke mit Standards präsentieren kann, ohne langweilig zu werden. Ich kann nur ein paar davon erwähnen. Seine ersten Einspielungen machte er 1946 mit einer All Star-Besetzung. Davon habe ich aber keine CD gefunden, die ich präsentieren könnte.

      Meine ersten Einspielungen stammen vom 25.Januar 1949 unter der Leitung von Milt Jackson. Dorham spielt hier Trompete und Klavier (Klavier im Wechsel mit Milt Jackson). Alle Titel wurden von Milt Jackson geschrieben. Leider liegen mir keine Einspielungen von seiner Zeit bei Charlie Parker vor.

      Dann wird es wieder still um Einspielungen, so dass nun erst wieder 1955. Hier wurde "Afro-Cuban" eingespielt. Hier handelt es sich um zwei verschiedene Sessions, so vom 30.Januar 1955 und 29.März 1955. Hier waren u.a. Horace Silver, Hank Mobley und Cecil Payne mit dabei.

      Meine nächsten Aufnahmen stammen, genauer gesagt, vom 07.Februar 1956 mit den "Birdland All Stars" um den Trompeter Conte Candoli, einem der wenigen weißen Trompeter, die sich im Bop bewährt haben (Red Rodney war ein weiterer Trompeter dieser Qualität).Die Aufnahmen wurden auf dem Label Bluebird veröffentlicht. Auch hier wurden keine Kompositionen Dorhams eingespielt.

      Die nächsten Einspielungen stammen vom 22.Mai 1956. Cecil Payne, der Bop-Baritonsaxophonist ist hier der offizielle Leiter der Band. Die Einspielungen habe ich auf dem Label Savoy und beinhaltet vier Titel, darunter "Groovin' High".

      Eine feine Doppel-CD stammt von einer Session vom 31.Mai 1956 live aus dem Café Bohemia. Alfred Lione und der legendäre Rudy van Gelder bauten ihr Equipment auf, so dass der Klang für die damlige Zeit unter Live-Bedingungen erstaunlich gut ist. Hier mischen sich Standards wie "A Night in Tunisia", "Round About Midnight" oder "Who Cares" mit Stücken von Kenny Dorham (z.B.: "Monaco","Mexico City",Riffin'" oder N.Y.Theme").

      Diese Doppel-CD birgt so manche Überraschung, so spielte Kenny Burrell Gitarre, Sam Jones den Bass, Bobby Timmons Klavier und der West Coast-Tenorist J.R.Monterose eben Saxophon. Drummer Arthur Edgehill war der weitere Musiker der Session.

      Eine weitere schöne CD wurde "2 Horns/2 Rhythm", eine sehr ungewöhnliche Besetzung. Erneut spielte Dorham Trompete und zeitweise Klavier, dazu kam der leider früh verstorbene Alt-Saxophonist Ernie Henry, Wilbur Ware/Eddie Mathias am Bass und Granville T.Hogan am Schlagzeug. Es sollte Ernie Henrys letzte Aufnahme-Session sein, er verstarb kurze Zeit später leider viel zu früh am 29.Dezember 1957, also nur wenige Wochen nach dieser Session. Henrys brillantes Spiel, was stark von Charlie Parker geprägt wurde, ist hier zum Glück aber noch einmal zu hören.

      Dorham, der immer wieder jungen Leuten eine Chance zum Spielen gab, brachte Musiker wie Butch Warren, Ron Carter, Tony Williams,Joe Henderson, Steve Kuhn oder Charles Davis in die Band hinein. Joe Henderson und Tony Williams machten mit ihm ihre Platten-Debuts z.B.

















      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)


    • Diese CD möchte ich noch nennen. Hier spielt Dorham auf eine der schönsten Einspielungen des Pianisten, aber vor allem auch Komponisten und Arrangeurs Tadd Damaron mit.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
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      Ein weiteres Album, was man nicht vergessen sollte ist "Trompete Toccata" aus dem Jahre 1964. Mit Joe Henderson am Tenorsax, Tommy Flanagan am Klavier, Richard Davis am Bass und Albert Heath an dem Drums bringt er eine Band ins Studio, die neue Talente zu Tage brachte, wie eben Henderson und Davis. Es sollte sein letztes Album als Leader werden....

      Bereits das Eröffnungsstück haut einem vom Sockel. Exzellente Soli und perfektes Zusammenspiel lassen erahnen, dass hier vielleicht eine große Konkurrenz für das Miles Davis Quintett dieser Zeit hätte entstehen können. Ein hervorragendes Album, was sich nicht hinter den Davis-Einspielungen oder jene seiner Kollegen verstecken braucht.

      Wer sich keine Einzel-Cds kaufen möchte, kann sich hier bedienen, wenn auch die Booklets sehr sehr karg bemessen sind:



      Hier möge man sich nach eigenem Wunsch bedienen.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
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      Maurice schrieb:

      Diese CD möchte ich noch nennen. Hier spielt Dorham auf eine der schönsten Einspielungen des Pianisten, aber vor allem auch Komponisten und Arrangeurs Tadd Damaron mit.
      Das Album wurde noch in Mono aufgenommen und ist mir klanglich auch zu "eng" abgemischt worden. Hier saß auch nicht Rudy van Gelder am Technik.Pult. Leider, muss ich da schreiben. Qualitativ ist es ein schönes Album in ungewöhnlicher Oktett-Besetzung.

      Als Empfehlung habe ich das rechte Doppel-Album mit dazu gepostet, da es günstiger als das Einzelalbum links ist zur Zeit. Man bekommt da fast sowas wie das "Susi-Sorglos-Paket" für deutlich weniger Geld, als wenn man die vier CDs einzeln kaufen würde.

      Kenny Dorham (Trompete) - Henry Coker (Posaune) - Sahib Shihab (Altsax) - John Alexander (Tenorsax) - Cecil Payne (Baritonsax) - Tadd Dameron (Klavier) - John Simmons (Bass) - Shadow Wilson (Drums)

      Die Besetzung ist etwas unausgeglichen, denn wir haben hier mehr dem Swing nahe stehende Musiker (Henry Coker, John Simmons und Shadow Wilson) mit den Modernisten wie Sahib Shihab, Kenny Dorham oder Cecil Payne. Dameron selbst steht ja auch in der Mitte beider Lager, auch wenn er sicher dem Bop näher steht.



      Es geht um das Album ganz Links. Den Text habe ich heute in "Eben gehört" schon geschrieben, nun aber minimal abgeändert..
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)