Eddie Daniels: Klarinette und mehr

    • Eddie Daniels: Klarinette und mehr

      Wikipedia ist hier mal eher wenig erhellend. Und ich selbst bin auch kein Experte, aber hier gibt es ja welche...

      Mir wurde Eddie Daniels empfohlen, weil ich früher mal Klarinette spielte (in einem Blasmusikorchester). Erster Kauf:



      Da kann man als Klassik-Hörer natürlich nichts falsch machen. War auch eine sinnvolle Anschaffung. Aber sicher nicht repräsentativ für den Künstler. Erscheint aber bei Amazaon als erster Treffer, wenn man "Eddie Daniels" eingibt.


      Zweiter Kauf:



      Jazz, aber mit Orchester. Ebenfalls eine lohnenswerte Anschaffung, wenn auch immer noch nicht ganz das, was sich der Laie unter Jazz vorstellt.


      Jüngster Kauf:



      Eben gerade gehört. Hier spielt der Meister zumeist auf dem Tenorsaxofon. Gefällt mir sehr gut.


      Jetzt habe ich also 3 Alben von ihm. Ich denke, für einen gelegentlichen Jazz-Hörer reicht das. Ich bin jedenfalls insgesamt ziemlich überzeugt von dem Mann.

      Was sagen die Experten dazu?



      Thomas
    • Eddie Daniels wurde am 19.10.1941 in Brooklyn geboren, ist also heute kein Jüngling mehr. Im Grunde war er viele Jahre ein Studio-Musiker der obersten Klasse mit so ziemlich allen Holzblasinstrumenten.
      Er studierte an der berühmten Juillard School of Music Klarinette und später Flöte. 1966, noch während seines Studiums, gewann er den Friedrich Gulda-Wettbewerb, was ihm erste große Anerkennung einbrachte.

      Dadurch kam er auch in die recht neue Thad Jones/Mel Lewis-Bigband. Hier wurde er als Tenorist eingestellt, der aber auch Flöte und Klarinette spielen durfte. 1972-1974 spielte er in der Bobby Rosengarden-Bigband.

      Sein Debut-Album war "First Prize", 1967 eingespielt mit Musikern der Th.J./Mel Lewis-Band. Seit Mitte der 1970-er Jahre war er vor allem als Studiomusiker tätig gewesen. Wenn ich richtig informiert bin, hatte er sich ab 1985 ganz auf die Klarinette fixiert, die er mit einem kammermusikalischen Ton und blendender Technik beherrschte und die Polls reihenweise gewann.

      Diese Angaben bis hier hin habe ich aus dem "Jazz-Lexikon" von Michael Kunzler übernommen, der das damals recht gut gemacht hat.













      Die letzten drei Alben sind keine reine Eddie Daniels.Alben, er wirkt aber als Solist mit. Sie sind gut anhörbar, finde ich. Das Debut-Album von ihm ist leider recht teuer zur Zeit, deshalb habe ich auf das Bild dazu verzichtet. Dafür habe ich mal das Debut-Album der Thad Jones/Mel Lewis-Bigband dazu gestellt.

      Ich hoffe, Dir etwas weitergeholfen zu haben.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Maurice schrieb:

      Ich hoffe, Dir etwas weitergeholfen zu haben.
      Durchaus, vielen Dank.

      Aber... die ganz große Begeisterung habe ich deinen Worten nicht entnommen. Wie ordnest du ihn ein? Nicht in Bezug auf Duke Ellington und sonstige Größen, sondern im Rahmen seiner Zeit, also sagen wir mal: Mitte 80er bis Ende 90er Jahre.

      Oder konkret: In diesem Zeitraum habe ich Aufnahmen von Chet Baker, Herbie Hancock und Charlie Haden. Die finde ich allesamt ziemlich gut, aber nicht unbedingt besser als das, was ich von Eddie Daniels habe.

      Kann natürlich sein, dass mir wesentliche Dinge aus dieser Zeit entgangen sind...


      Thomas
    • Ecclitico schrieb:

      Aber... die ganz große Begeisterung habe ich deinen Worten nicht entnommen
      Nun, ich persönlich muss ja nicht immer in Begeisterung ausstürmen, deshalb möchte ich aus dem Buch von J.E.Berendt, weitergeführt von Günther Huesmann zitieren:

      ...Den größten Erfolg von allen hatte in den achtziger Jahren Eddie Daniels, der zunächst als Studiomusiker hervorgetreten ist. Seit 1975 bläst er die Klarinette als Hauptinstrument. Ein Jahr später wählten ihn die Leser des Magazines "Down Beat" (wie auch in den darauffolgenden Polls) zum besten Klarinettisten - in einer Sparte, die wie keine andere jahrzehntelang uneingeschränkt von den großen,alten Meistern dieses Instrumentes beherrscht worden war.

      Daniels, ein "Wynton Marsalis der Klarinette (Leonard Feather), führt Buddy de Francos Konzept der Bop-Klarinette auf einzigartige Weise weiter: mit ungeheuer schmiegsamen, flüssigen, vor Ideenreichtum übersprudelnden Linien und mit einem besonderem Bezug zur Musik Charlie Parker.

      So viel die Aussagen in diesem Buch aus dem Jahre 1991 (Krüger Verlag).

      Ich konnte Joachim Kühn und Buddy de Franco noch live hören, dazu den alten Peanuts Hucko (Ex-Glenn Miller, Benny Goodman, Louis Armstrong All Stars), John Defferary (rund 10 Jahre bei Chris Barber zuhause, 1996-2006, mit dem ich hin und wieder spiele) und einige jüngere Vertreter des gemäßigten Mainstream wie Allen Vaché oder den Deutschen Engelbert Wrobel. Also durchaus eine achtbare Vereinigung an diversen Klarinettisten, und bestimmt habe ich dabei noch ein paar weitere vergessen.

      Ich schreibe das, weil ich mir also vom Dixieland bis Bop einen bescheidenen Überblick geschaffen habe. Daniels ist dabei sicher der brillanteste gewesen, doch MIR persönlich erscheint er zu "glatt" zu spielen. Das ist quasi ZU gut, so komisch das klingen mag. Wenn Du Dir in Youtube mal die Empfehlungen anhörst mit Erich Kunzel, wirst Du es vielleicht nachvollziehen können was ich damit aussagen möchte.

      Es ist in der Tat eine Verbinung zu Wynton Marsalis zu finden, obwohl Daniels Weißer ist : Marsalis spielte am Anfang seiner Karriere auch teilweise ZU perfekt. Da fand ich seine mit Preisen ausgezeichneten CDs mit Klassischer Musik glaubwürdiger als seine Jazz-Einspielungen aus der gleichen Zeit. Ob Daniels auch Klassik spielt, vermag ich nicht zu sagen, aber es scheint mir als durchaus denkbar zu sein, dann wäre meine Einschätzung richtig.

      Genau DAS ist häufig das Problem, wenn Musiker insgesamt zu klassisch geschult worden sind. ich hatte in den ersten Jahren meines Wirkens als Jazztrompeter ähnliche Probleme. Mein Ton und Technuk war für einen Trompeter, der in einer Oldtime-Band spielt, ZU gut gewesen, was die Ausführung dieser Musik angeht. Ich hatte ständig Diskussionen mit dem Bandleader, der reiner Autodidakt war. Ich habe dort dann das Handtuch geworfen, weil es nicht gepasst hat.

      Am Anfang hatte ich auch mit der Spielweise von Buddy de Franco meine Probleme, doch ich lernte diesen Musiker später mehr als nur schätzen. Nachdem ich ihn live erleben durfte (da war er bereits eine lebende Legende, und musste niemandem mehr was beweisen), sah ich ihn ihm einen völlig anderen Musiker. Und DAS fehlt mir bei Eddie Daniels, den ich allerdings nie habe live spielen hören.

      Du musst also nicht mit ihm warm werden sofort, gehe vielleicht den Weg über andere Klarinettisten, wie Buddy de Franco, Ken Peplowski oder den großartigen Putte Wickman. Bill Easley wäre eine weitere Empfehlung von mir. Easley spielte nach dem Tode Ellingtons einige Zeit mit der Ellington-Band.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Ich habe eine CD mit Brahms' und Webers Klarinettenquintetten (reference recordings 1991), meiner Erinnerung nach sehr gut; es gibt bestimmt auch noch eine mit Mozart. [edit: es gibt anscheinend sonst nichts Klassisches und o.g. CD ist vergriffen, allerdings noch als download zu haben, nur noch eine gemischte Kammermusik-CD, bei der Daniels bei einem kurzen Stück von Takemitsu mitspielt.]

      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Kater Murr schrieb:

      Ich habe eine CD mit Brahms' und Webers Klarinettenquintetten (reference recordings 1991), meiner Erinnerung nach sehr gut;
      Damit bestätigst Du meine Vermutung mit der Klassik noch einmal.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Maurice schrieb:

      Ich konnte Joachim Kühn und Buddy de Franco noch live hören
      Meinst du wirklich Joachim Kühn (Klavier) oder seinen Bruder Rolf (Klarinette)? Wie dem auch sei, ich meine jetzt Rolf:

      affairs. Rolf Kühn & Friends. Label: Intuition (1998-03-03) (mit Rolf Kühn, Ornette Coleman, Randy Brecker, Eddie Daniels, Buddy DeFranco, Wolfgang Haffner, Dieter Ilg, Dave Liebman, Chuck Loeb, Albert Mangelsdorff.)




      Lange nicht mehr gehört, aber sie hat mir immer großes Vergnügen bereitet, besonders bei den Stücken, in denen Rolf Kühn (Buffet Crampon), Eddie Daniels (Leblanc) und Buddy DeFranco (Yamaha) zusammen spielen, ohne weitere Begleitung. Schön auch die diffizilen Klangunterschiede der Klarinetten zu hören.

      Eddie Daniels hat auch CDs mit Sabine Meyer und dem Trio di Clarone aufgenommen. Ich habe diese

      Blues for Sabine. Sabine Meyer & Eddie Daniels. Label: EMI (1995-03-14). (mit Sabine Meyer, Eddie Daniels, Trio di Clarone.)




      Noch länger nicht mehr gehört. Sie ist "ganz nett", mehr nicht.

      maticus
      Bartolo hatte Recht. --- Andreas März
      This is Bartolo, King of the King of Wines. --- Alan Tardi
    • maticus schrieb:

      Meinst du wirklich Joachim Kühn (Klavier) oder seinen Bruder Rolf (Klarinette)? Wie dem auch sei, ich meine jetzt Rolf:
      Ich meine logischerweise auch Rolf Kühn. Da war mal wieder mein extrem schlechtes Namensgedächtnis im Wege.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Ecclitico schrieb:

      Bei mir scheint es zu funktionieren:
      Seltsam. Jetzt funktioniert es bei mir auch, zumindestens teilweise. Möglicherweise hatte ich gestern kein VPN benutzt, ich bin im Ausland. Die CDs mit genau diesen ASIN Nummern wurden mir gestern bei amazon.de nicht angezeigt. Heute (mit VPN) jedenfalls die mit Rolf Kühn, nicht aber die andere mit Sabine Meyer. Dazu habe ich die ASIN aus Deinem Link nehmen müssen, die von mir selbst gefundene ASIN funktioniert (trotz VPN) nicht.

      maticus
      Bartolo hatte Recht. --- Andreas März
      This is Bartolo, King of the King of Wines. --- Alan Tardi