Die barocke Violinsonate - Hintergründe, Beispiele, Empfehlungen

    • Louis-Gabriel Guillemain (1705 - 1770) - Amusements Teil 2

      Louis-Gabriel Guillemain
      Sonates en Quatuors ou Conversations et Amusements
      entre une flûte traversière, un violon, une basse de viole et la basse continuo




      Ensemble Barockin':
      Kozue Sato, flûte traversière
      Dmitry Lepekhov, violon
      Pavel Serbin, viole de gambe
      Francis Jacob, clavecin


      1- 4. Premier livre en Quators, op. 12
      Sonate III en ré mineur
      Allegro - Larghetto - Aria Gratioso - Allegro
      5 - 7. Premier livre en Quators, op. 12
      Sonata I en sol majeur
      Allegro Moderato - Aria Gratioso, Altro un poco più Allegro - Allegro ma non Presto
      8 - 10. Second livre en quators, op. 17
      Sonata IV en do mineur
      Allegro - Aria Gratioso - Presto
      11 - 13. Second livre en quators, op. 17
      Sonata V en ré majeur
      Allegro - Aria Gratioso - Persto



      Rec. im Reitstadel Neumarkt/Oberpfalz, 2013
      Cover: Gobelin Wandteppich aus d. 19 Jahrhundert, Privatbesitz
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      Louis-Gabriel Guillemain
      Conversations Galantes & Amusantes. Sonates en Quatuors




      Ensemble "Les Conversations":
      Valérie Balssa-Jaffres, flûte traversière
      Catherine Girard, violon
      Alix Verzier, violoncelle
      Blandine Rannou, clavecin


      1 - 3. Second livre de Sonates en Quator, op. 17
      Sonate IV en do mineur
      Allegro - Aria Gratioso -Presto
      4 - 7. Second livre de Sonates en Quator, op. 17
      Sonate I en sol majeur
      Allegro - Aria Gratioso - Altro - Presto
      8 - 11. Premier Livre de Sonatas en Quatuor, op. 12
      Sonate III en re mineur
      Allegro Moderato - Larghetto - Aria Gratioso - Allegro
      12 - 15. Second livre de Sonates en Quator, op. 17
      Sonate VI en la mineur
      Allegro - Aria Gratioso - Altro Presto



      Rec.: 1996
      CoverJean-Baptiste Pater (1695-1736). Conversation galante près d'une fontaines, London, Wallace Collection

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      Wie schon angekündigt, werde ich mich auch in diesem Beitrag auf das Verzeichnis der Werke Guillemains aus der de.Wikipedia (Kopie am Anfang des vorigen Beitrags, #100) beziehen.


      Die Aufnahmen der drei Ensembles, Alliquando (s. vorigen Beitrag #100), Barockin', Les Conversations, gleichen sich - und auch nicht. Alle weisen auf die Bedeutung der Wörter Amusantes, Amusements, Conversations Galant in den Titeln der Livres hin, sozusagen Gundbegriffe der französischen höfischen Musik der Zeit Guillemains, die beschreiben, für welchen Zweck und wie die Sonaten sein sollten, sie werden sogar als Ensemble-Name oder CD-Titel verwendet.


      Die Besetzungen der Ensembles Barockin' und Les Conversations sind gleich, Traversflöte, Violine, Viola da Gamba, Cembalo - Aliquando (voriger Beitrag) bietet mehr Instrumente auf: 1. und 2. Violine, Cembalo, Basse de Viole (ein tiefes, hier 7saitiges Instrument der Gambenfamilie), Traversflöte und Musette, Cello.


      Stéphanie Paulet mit Aliquando nutzt also die Gelegenheit, das "Hörbild" sehr farbig zu gestalten und hat dazu be- und anerkannte MusikerInnen im Ensemble, Maude Gratton, Lucile Boulanger, François Lazarevitch sind gewiss keine Unbekannten im Alte-Musik-Milieu. Allerdings ist das Programm ihrer CD "weiträumiger", spielen sie doch Werke der opp. 1, 8, 11, 13, 15, 18 ein.
      Barockin' hat die opp. 12 und 17 gewählt, Les Conversations ebenfalls. Es sind aber trotzdem nicht soviele Überschneidungen, wie ich vorher dachte, weil es z.T. andere Sonaten aus den Sammlungen sind und die Atmosphäre der Aufnahmen verschieden.

      Richtig beschreiben kann ich diese Unterschiede nicht, Musik muss man halt hören, nicht lesen. Mir scheint, dass die Aufnahme von Les Conversations, vor allem der Beginn, etwas gedämpfter und zurückhaltender ist als die von Aliquando und Barockin' Dazu muss man aber auch vermerken, dass die Aufnahme von Les Conversations die ältetste (1996) ist, die beiden anderen sind von 2010 und 2013. Ich denke, in dieser Zeit hat sich nicht nur die Technik geändert, sondern auch der Geschmack. Ich bevorzuge einen direkten Klang, so als ob ich in der ersten Reihe unmittelbar davor säße und nicht so weit weg, wie mir das auch schon mal vorkommt. Deshalb iiegen meine Vorlieben bei Aliquando und Barockin'. Das ist jetzt sicher ungerecht, denn die Aufnahme von Les Conversations mit der noch jungen Blandine Rannou am Cembalo ist sicher nicht schlechter, sondern nur anders. Also: hört mal rein.


      Und ein klein wenig OT erlaube ich mir hier noch, OT weil es zwar um das gleiche Thema geht, Violinsonaten und Guillemain, aber von ihm sind nur zwei der 5 Werke auf dieser CD, die anderen drei von seinem Zeitgenossen Jean-Baptiste Quentin (1690-c. 1750, auf den ich sicher im Trio-Sonaten-Faden noch mal zurückkomme). Im vorigen Jahr hat ein noch junges Ensemble namens Nevermind ziemlich viel Lob und Preis für die CD Conversations eingeheimst, womit wir wieder beim Thema wären. Sie spielen ebenfalls in der Besetzung Flöte, Violine, Viola da Gamba, Cembalo:



      Auch diese letzte CD ist eine Empfehlung wert. Meine geneigten Leserinnnen und Leser können davon ausgehen, dass ich keine Aufnahmen vorstelle, die ich schlecht finde. Verrisse schreiben ist für mich vertane Lebenszeit. Diesmal spare ich mir auch die Links, Hinweise und Literatur habe ich im vorigen Beitrag abgehandelt. Natürlich habe ich auch diesmal die Booklets benutzt.



      lg vom eifelplatz, Chris.
    • Ja, Guillemain ist wirklich eine Entdeckung, Liebhaber der Werke für Solovioline müssten hier eigentlich begeistert sein – und die anderen auch!





      Louis-Gabriel Guillemain (1705-1770)
      Amusement pour le violon seul composé de plusieurs airs varies de differens Auteurs (also: Vergnügungen für Violine solo, zusammengestellt aus vielfältigen Melodien von verschiedenen Verfassern) , op. 18 für Violine solo; Kopie des Erstdrucks von 1755 bei IMSLP Klick.

      Amusement Op. 18 (die Bezeichnungen der einzelnen Sätze weichen im Erstdruck von den nachfolgenden Tracknummern der CD ab):
      I. La Fürstemberg
      II. Andantino
      III. Altro
      IV. Allegro
      V. Gratioso
      VI. Minueto
      VII. Tamborino
      VIII. Altro
      XII. Altro
      XIII. Allegretto
      XIV. Aria
      XIX. Gratioso
      XVII. Allegro
      XVIII. Allegro
      XX. Minuetto
      XXI. Allegro
      XXII. Altro
      XXIII. Chasse
      XXIV. Minuetto
      XXV. Altro
      XXVI. Minuetto
      XXVII. Altro
      XXVIII. Minuetto
      XXX. Gratioso
      XXXI. Altro
      XXXII. Minuetto
      XXXIII. Andantino
      XXXIV. Minuetto
      XXXV. Altro
      XXXVI. Andantino

      Welche Stücke nun von Guillemain stammen und welche von den "differens Auteurs" kann ich nicht feststellen, vielleicht steht´s im Booklet? "La Fürstemberg" kennen wir jedenfalls auch von anderen Komponisten.


      Gilles Colliard Barockvioline. Wer (wie ich) Colliard bisher nicht kannte, erfährt hier mehr (französisch und englisch): Klick

      Aufnahme in S. Eufemia de Cozollos, Palencia (Spanien) im August 2002,erschienen Februar 2014(so jpc) oder Juli 2012 (so Qobuz)bei dem spanischen Label EMEC DISCOS (Klick).
      Das Cover: Jean-Siméon Chardin (1699-1779): Le jeune homme au violon. Portrait de Charles-Théodose Godefroy (1718-1796) Klick.


      Die CD gibt’s bei Naxos, Qobuz und Spotify.
      Das Booklet habe ich online nirgendwo gefunden; ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass nach dem von eifelplatz oben vorgestellten (Klick) Aufsatz von Vernet (Französisch!!! 8964 Wörter!!! 77 Fussnoten!!! Irgendwann lese ich das alles! Sicher!) noch irgendetwas Relevantes über Guillemain zu sagen ist. Immerhin erfahren wir in Fußnote 73, dass G. „avait la tête dérangée“, also geistig gestört gewesen sein soll; kein Wunder, denn er trank zwischen dem 1. und 10. September nicht weniger als 6 Flaschen Schnaps (Fußnote 74).

      Übrigens war G. früher einmal (2005 und 2011 oder so) eher am Rande Thema bei Tamino.
      Eroicas Uli verdanke ich den Hinweis auf Klick:
      Doris Blaich hat 2011 auf SWR 2 vorgestellt:
      Louis-Gabriel Guillemain: Sonate en Quatuor G-Dur op. 12 Nr. 1
      Ensemble "The Age of Passions" (Karl Kaiser (Flöte), Petra Müllejans (Violine), Hille Perl (Gambe) und Lee Santana (Laute).)
      Konzertmitschnitt vom Juni 2007 aus der Wallfahrtskirche Mariae Krönung, Oberried.


      Und jetzt ganz zum Schluss nochmal op. 18, wenn ich es recht sehe, der zweite Teil:



      Louis-Gabriel Guillemain (1705-1770)
      Capricen op.18 Nr.1-12 für Violine solo
      Gilles Colliard.

      Wird demnächst vorgestellt

      Freundliche Grüße
      JC
    • Carlo Ambrogio Lonati (c.1645 - c.1712)

      eifelplatz schrieb:



      Carlo Ambrogio Lonati
      Violinsonatas für Violine und Basso continuo

      Christoph Timpe - Violine
      Accademica Per Musica:
      Andrea Fossà - Cello
      Francesco Romano - Theorbo
      Anna Fontana - Cembalo

      rec.: Berlin 2002


      Aus den Kaiser Leopold I. gewidmeten 12 Sonaten per violino e basso continuo 1701:

      1. Sonata XI D-Dur "in Scordatura"
      2. Sonate II g-moll
      3. Sonata IV A-Dur
      4. Sonata X G-Dur "in Scordatura"
      5. Sonata III d-moll
      6. Sonata XII G-Dur
      mit als 1. Satz die "monumentale" Ciaccona - 15'33 von 22'46 der ganzen 5-sätzigen Sonate


      Diese Sonatensammlung ist nur handschriftlich überliefert. Sie kam über Pisendel nach Dresden, wo die Originale seit 1945 verschollen sind. Lonati ließ seine Werke bewußt nicht drucken; sie seien seitenweise kopiert und die Originale unterschlagen worden.


      Christoph Timpe schrieb:

      Die Sonaten von 1701 sind für die barocke Violinliteratur aus verschiedenen Gründen von größter Bedeutung. Sie gliedern sich, wie üblich, in einen ersten Teil (I-VI) mit Kirchen- sowie einen zweiten Teil (VII-XII) mit Kammersonaten. Die letzte der Kirchensonaten sowie die Kammersonaten mit Ausnahme der letzten, nämlich der Ciaccona sind überdies für verschiedene Skordaturen konzipiert, d.h. sie erfordern für die Violine eine andere als die übliche Quint-Stimmung. Die Verwendung der Skordatur , die zahlreichen Variationssätze und überhaupt, das geigerische Idiom rücken Lonati in die künstlerische Nähe des gleichaltrigen österreichisch-böhmischen Violinvirtuosen Heinrich Ignaz Franz Biber. Wer hier wen beeinflußt hat, bliebe boch zu untersuchen, jedenfalls ist Lonati der einzige Italiener, der Gemeinsamkeiten mit Biber und seinem Umkreis aufweist. Des weiteren warten die Sonaten mit einem violintechnischen Standard auf, der alles bisher auf der Geige Erprobte resümiert und in den Schatten stellt. Besonders die monumentale Ciaccona ist ein Kompendium bogen- und grifftechnischer Problemstellungen.


      Diese Aufnahme ist nun nicht mehr die einzige, ganz Lonati gewidmete CD, auch Gunar Letzbor hat nun mit Ars Antiqua Austria eine solche vorgelegt, ebenfalls aus der Sammlung "12 Sonaten per violino e basso continuo 1701":



      Carlo Ambrogio Lonati
      Sonate da camera

      Gunar Letzbor - violin
      Ars Antiqua Austria:

      Erich Traxler - harpsichord, organ
      Hubert Hoffmann - lute
      Jan Krígowsky - violone 8'

      Sonate no. 1 (scordatura g-d-g-d)
      Sonate no. 2 (scordatura a-d-a-d)
      Sonate no. 3 (scordatura g-d-a-d
      Sonata no. 6 "Ciaccone"


      Rec.: Augustiner Chorherrenstift St. Florian, Altomomontesaal, 2016
      Coverbild: Peter Claesz, Vanitas still life with violin and self-portrait, (c. 1626)
      Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

      Letzbor hat einenen Beitrag zu Lonati und diesen Sonaten für das Booklet geschrieben, aus dem ich hier zitiere:



      Lonati wusste offensichtlich über die Vorlieben des Herrschers [Leopold I., dem diese Sammlung gewidmet war]. Gediegene kompositorische Arbeit in den fugierten Sätzen ist selbstverständlich, die Verwendung der Skordatur aber ein besonderes Zeichen seiner Aufmerksamkeit auf die stilistischen Besonderheiten nördlich der Alpen. Lonati hat sicherlich Bibers Musik gekannt und geschätzt. Viele Spielfiguren und technische Raffinessen scheinen von Biber entlehnt zu sein. Auch die offene, kontrastreiche Form der meisten Sonaten erinnern an den Salzburger Meister. In den Erfordernissen des Lagenspiels übertrifft Lonati sein Vorbild, die kunstvoll polyphone Mehrstimmigkeit in den Fugen der Kirchensonaten weist bereits in Richtung der Solosonaten J.S. Bachs. [...]


      Mit dem Tode Kaiser Leopolds I. kam Lonati sein wichtigster Mentor abhanden. Selbst in Wien änderten sich die Zeiten rasch, trotz aller Bemühungen zu konservativer Grundhaltung am Kaiserhof.
      Einige Violinvirtuosen berufen sich zwar auch noch später auf die Vorbildwirkung des "Buckligen" [Lonati], der durchschnittliche Musiker tendiert aber bereits zu Corellis Stil. Der barocke Geist hatte seine Kraft verloren, die Aufklärer schickten sich an, das Ruder zu übernehmen.

      Ich denke, beide Aufnahmen sind in Ordnung und habe keinen Favoriten. Die Ciaccone ist auf beiden CDs. Warum Letzbor so oft die Kirchensonaten erwähnt, obwohl es hier um die Kammersonaten geht, weiß ich auch nicht. vielleicht plant er ja deren Aufnahme-


      lg vom eifelplatz, Chris.
    • Diese CD enthält zwar eine Triosonate und zwei für/mit Blockflöte, zum aktuellen Schnäppchenpreis scheint sie mir aber sehr empfehlenswert. Hatte sie eher als "Füller" mitbestellt, bin aber sehr angetan. (Für Komplettisten gibt es von dem bekannteren Veracini die "akademischen" u.a. Sonaten allerdings auch in Komplettaufnahmen, mir reicht erst mal so eine Anthologie.)

      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Francesco Maria Veracini (1690 - 1768)


      Kater Murr schrieb:

      Diese CD enthält zwar eine Triosonate und zwei für/mit Blockflöte, zum aktuellen Schnäppchenpreis scheint sie mir aber sehr empfehlenswert. Hatte sie eher als "Füller" mitbestellt, bin aber sehr angetan. (Für Komplettisten gibt es von dem bekannteren Veracini die "akademischen" u.a. Sonaten allerdings auch in Komplettaufnahmen, mir reicht erst mal so eine Anthologie.)

      Danke für den Hinweis, die CD scheint mir einen besseren Weg zu Veracini zu weisen, als ich ihn gegangen bin. Ich habe gleich mit opp. 1 und 2 angefangen und fast die Lust daran verloren.





      Francesco Maria Veracini
      Dissertationi del Sigr. Francesco Veracini
      sopra l'Opera V del Corelli (Libro Primo) op. 1



      Federico Guglielmo, violino
      Andrea Coen, Cembalo


      rec. 2001, Chiesa di S. Maria dei Servi, Padova


      Ich habe mich sehr bemüht dieser CD etwas abgewinnen zu können, leider ist mir das nicht gelungen. Ob es an der Musik lag, an den Interpreten, an mir - ich weiß es nicht. Ich erwähne sie hier lediglich der Vollständigkeit halber.





      Francesco Maria Veracini
      Sonate accademiche op. 2


      The Locatelli Trio:
      Elizabeth Wallfisch, violin
      Richard Tunniclife, cello
      Paul Nicholson, harpsichord, organ


      rec. 1993
      Front illustration: Francesco Guardi (1712-1793), The Balloon Ascent


      CD 1:
      Sonate No 1 D-Dur
      Sonate No 2 B-Dur
      Sonate No 3 G-Dur
      Sonate No 4 F-Dur


      CD 2:
      Sonate No 5 g-moll
      Sonate No 6 A-Dur
      Sonate No 7 d-moll
      Sonate No 8 e-moll


      CD 3:
      Sonate No 9 A-Dur
      Sonate No 10 F-D
      Sonate No 11 E-Dur
      Sonate No 12 d-moll



      Für die einzelnen Sätze verweise ich auf die Übersicht von amazon; dort bedeutet die erste Zahl die Tracknummer auf der jeweiligen CD und die zweite die Satznummer.


      Peter Holman schrieb:

      Einer der Gründe warum Veracini von seinen Zeitgenossen als Exzentriker betrachtet wurde, war seine außergewöhnlich konservative Haltung als Interpret und als Komponist. Der von Burney erwähnte laute, klare Ton galt wahrscheinlich in den 1730er und 1740er Jahren, als eine vornehme Klangfarbe mit sorgfältiger dynamischer modern wurde, als altmodisch. Wenn man von seiner Musik her urteilt, so kam er mit seiner Technik deutschen Geigern des siebzehnten Jahrhunderts wie Biber und Walther näher als seinen italienischen Zeitgenossen. Veracinis Sonaten bestehen fast ganz aus Doppelgriffen und blitzschnellem Passagenwerk. [...]
      Veracinis musikalischer Stil blickt dementsprechend auch eher zurück als nach vorn. Seine Sonaten tendieren eher zu vier oder fünf Sätzen als zu der modernen, zwei- oder dreisätzigen Struktur [s. amazon-Übersicht der CD]. Oft werden in ihnen, in der Manier von Sonaten der Mitte des 17. Jahrhunderts, Tanzsätze in einer Vielzahl von Stilen mit "abstrakten" Sätzen verbunden. In diser Hinsicht sind sie noch altmodischer als Corellis Sonaten op. 5, die sich in da chiesa und da camera Sätze einteilen lassen.

      [aus dem Booklet]

      Holman schreibt weiter, es scheine, dass Veracini seine Sonate accademiche als autobiographische Aufzeichnung seines Lebens als reisender Virtuose betrachtet haben könnte; einige Sätze wiesen auf Stationen seiner Reise hin.




      Das Locatelli Trio begeistert mich nicht wirklich. Auf der amazon-Seite sind einige gute Kritiken abgedruckt, interessant ist auch dieser Kommentar zur Rezension einer anderen CD, die dort angesprochenen Bemerkungen des Locatelli-Trios habe ich in meinem Booklet in der deutschen Übersetzung nicht gesehen.

      I have Wallfisch's complete Op.2. The playing is a bit too cautious and lacks the flamboyance I was expecting. Granted, in their notes, they comment that the "Academic" sonatas are a bunch where "conservative" and "virtuosic" appear in the same piece, and they are consistent in their approach.
      ttp://www.biberfan.org/reviews/2010/12/03/veracini-sonatas-2
      s. a.: musicweb-international.com/cla…07/Veracini_CDS442413.htm



      Mir sind die Locatellis einfach zu wenig zupackend, ich kann hier nicht lange hören, ohne gelangweit zu sein. Das muss aber nicht allen so gehen, also reinhören. Besser bin ich anderen Aufnahmen zurechtgekommen:





      Francesco Maria Veracini
      Violin Sonatas


      Riccardo Minasi, violin

      Musica Antiqua Roma:
      Marco Ceccato, cello
      Giulia Nuti, harpsichord
      Luca Pianca, archlute
      Margret Köll, triple harp
      Ottaviano Harpsichord


      rec. 2008 Santa Maria in Portico di Fontegiusta, Siena
      Cover painting: Albert Joseph Penot, Kardinal mit Papagei. Privatsammlung


      Die CD enthält eine Reihe von Sonaten aus verschiedenen Sammlungen:

      Sonate in d-moll (Ms. Sächs. Landes-, Staats- und Unveritätsbibliothe Dresden)
      Sonata in F-Dur, op. 1, no 12
      Sonate in d-moll (Ms. Österreichische NB)
      Sonate in A-Dur op.1, no 7
      Sonata Accademicca in d-moll op. 2, no 12



      Da sind schon einige MusikerInnen dabei, die gehörig Dampf machen können; gefällt mir ganz gut.


      Rezensionen:
      youtube.com/watch?v=JpaXn6HyM8M
      biberfan.org/reviews/2010/12/03/veracini-sonatas-2





      Francesco Maria Veracini
      Sonate a Violino solo e Basso



      Enrico Gatti, violon
      Alain Gervreau, violoncelle
      Guido Morini, clavecin

      rec. 1995 en l'eglise d'Habloville
      En couverture: Gravure extraite de l'édition Sonates Accadémiques, 1744


      Diese CD enthält Sonaten aus den opp. 1 und 2:

      Sonata g-moll, op. 1, no 1
      Sonata e-moll, op. 2, no 8
      Sonata e-moll, op. 1, no 6
      Sonata d-moll, op. 2, no 12



      Ich weiß nicht, ob man mit Gatti in diesem Repertoire etwas falsch machen kann, ich habe recht viele Aufnahmen mit ihm und bin bisher zufrieden damit.




      Die gefühlt beste CD mit Musik von Veracini in meinem Regal ist jedoch diese von Rie Kimura mit ihrem Ensemble Fantasticus




      Tartini & Veracini
      Violin Sonatas


      Fantasticus:
      Rie Kimura, violin
      Robert Smith, cello
      Guillermo Brachetto, harpsichord

      cop. 2015


      Kimura hat je zwei Sonaten von Tartini und Veracini ausgewählt, von Veracini sind es diese beiden:

      Sonata op. 2, no 12
      1. Passacallo
      2. Capriccio Cromatico
      3. Adagio - Ciaccona


      Sonata op. 2, no 5
      7. Adagio assai
      8. Capriccio
      9. Allegro assai
      10. Giga



      Die Kritiker waren des Lobes voll, so auch Dominy Clements:

      These are delightfully clean performances of some exemplary repertoire for violin. Veracini’s Op. 2 collection is full of substance and remarkable content, and the Twelfth and Fifth sonatas have plenty of representative counterpoint and some deliciously scrunchy dissonances. These works have a concerto-like equality between the parts, and there are good contributions from the cello as well as rich passages of double-stopping from the violin. My particular favourites are the opening Passagallo of Op. 2 No. 12 with its chromatic lines, and indeed this entire sonata is full of elaborate expressiveness and inspired contrasts, finishing up with a Ciaconna of which even Purcell would have been proud.
      musicweb-international.com/cla…tini_sonatas_RES10148.htm



      Die Discographie zu Veracini ist lang und unübersichtlich. Wer sich etwas heraussuchen möchte, kann in den Rezensionen von Musicweb sicher eine Art Leitfaden finden:
      musicweb-international.com/Sea…veracini&sa=Google+Search




      lg vom eifelplatz, Chris.


      _________________________________


      Hinweise, Links, Quellen:


      Außer den Booklets habe ich folgende Literatur benutzt:


      de.wikipedia.org/wiki/Francesco_Maria_Veracini
      en.wikipedia.org/wiki/Francesco_Maria_Veracini
      tools.wmflabs.org/persondata/p/Francesco_Maria_Veracini
    • Zwischendurch waren wir schon in Frankreich, aber die Italiener sind nicht wirklich zu vermeiden, wenn es um die barocke Violinsonate geht.
      Hier eine frisch erschienene CD, die mir praktisch vom ersten Ton an besonders gut gefallen hat:




      Passaggio
      Eine Barocke Alpenüberquerung

      Ombra e luce Klick
      Georg Kallweit, Barockvioline Klick von der Akademie für Alte Musik Berlin,
      Björn Colell, Theorbe, Chitarrone und Barockgitarre Klick von den Berliner Barock Solisten.

      Eine heute nicht häufig anzutreffende Kombination, früher war das anders: "Musik für Violine und Laute war im 17. Jahrhundert eine besonders beliebte kammermusikalische Gattung, weswegen zahlreiche Werke für diese Besetzung überliefert sind" (so der Werbetext bei jpc).
      Wenn es akustisch so vorzüglich gelungen ist wie hier, genügen die beiden Instrumente völlig für vollendeten Genuss.


      1. Johann Heinrich Schmelzer (1623-1680) Wikipedia - Sonatae unarum fidium, seu a violino solo (Nürnberg 1664, damit "die erste Komposition im deutschen Sprachgebiet für Violine solo" sagt das Booklet, vgl. aber unten Nr. 7): Sonata no. 4

      2. Alessandro Piccinini (1566-1638) Wikipedia - Intavolatura di liuto et di chitarrone libro primo (Bologna 1623): tenore detto il mercatello, corrente detto nasazzo fatta sopra il mercatello, toccata no. 10 für Chitarrone solo

      3. Biagio Marini (1594-1663) Wikipedia - Sonate, symphonie, canzoni, passe'mezzi, baletti, corenti, gagliarde e ritornelli, op. 8 (Venedig 1629): Sonate quarta, per il violino, per sonar con due corde, op. 8

      4. Anonym - Wiener Minoritenkonvent, Manuskript xiv 726: Musicalisch Uhrwerck no. 68 in a-moll, für Violine und Continuo

      5. Angelo Michele Bartolotti (1615(?)- vor 1682) Wikipedia - Libro primo et secondo di chitarra spagnola (Florenz 1640/ ca 1655): prelude, allemande, courante, passacaglia für Barockgitarre solo

      6. Johann Joseph Vilsmayr (1663-1722) Wikipedia - "Artificiosus concentus pro camera", distributos in sex partes, seu partias à violino solo con basso bellè imitate (Salzburg 1715): preludio, harpeggio, aria (allegro), saraband (adagio), gavotte (allegro)

      7. Giovanni Antonio Pandolfi (Mealli) (1624- ca 1687) Wikipedia - Violinsonaten, op. 4 (Innsbruck 1660): iv. la Biancuccia

      8. Georg Muffat (ca 1645-1749) Wikipedia – Violinsonate in D-Dur, entstanden in Prag.

      Ergänzend:
      Schmelzer war der erste deutschsprachige Kapellmeister der kaiserlichen Hofkapelle in Wien, er starb an der Pest.
      Piccinini lebte und wirkte in Bologna, Ferrara und Rom.
      Das "Uhrwerck" führt seinen Namen weil "mit einer gleichförmigen Bassmelodie auf den leeren e- und a-Saiten lautmalerisch das Schlagen einer Uhr imitiert wird", so das Booklet.
      Bartolotti war in Stockholm für Königin Christina von Schweden tätig und ging mit ihr nach Rom, er wirkte auch in Rom und Innsbruck.
      Vilsmayr war Schüler Bibers in Salzburg.
      Pandolfis Hauptwirkungsstätte war Innsbruck; die Sonate ist (wie alle seine Sonaten) nach einer Person benannt, dem Sopranisten Giovanni Giacomo Biancucci.
      Muffat wirkte in Prag, Rom, Salzburg und Passau, er war ein "musikalischer Kosmopolit" (WP).


      Aufnahme Juli 2016 in Polditz in Sachsen, die CD ist erschienen am 7.4.17.
      Cover: "Ein Afrikanischer Elefant späht nachts aus dem Schatten des Waldes", Foto von Jason Edwards.

      Der nicht sehr ausführliche Text des Booklets Klick stammt von Bernhard Schrammek Klick.

      Rezensionen habe ich nicht gefunden.

      Bei Qobuz, Naxos und Spotify.

      Unbedingte Empfehlung!

      Freundliche Grüsse
      JC
    • Tut mir furchtbar leid, äächt jätz ;) : wir müssen in Italien bleiben. Diese CD ist zuu gut als dass ich sie unerwähnt lassen könnte:



      Ombra e Luce - Modena 1665

      Ombra e luce Klick
      Georg Kallweit, Barockvioline Klick von der Akademie für Alte Musik Berlin,
      Björn Colell, Theorbe, Chitarrone und Barockgitarre Klick von den Berliner Barock Solisten.

      Also: siehe vorangegangenes Posting; ich habe einfach bei Spotify nach weiteren Aufnahmen der beiden Künstler gesucht. Man kann streiten, welche Aufnahme besser ist, vorzüglich sind beide - fetzig wo´s fetzen soll oder darf, langsam und zart (aber nicht langweilig) wo´s passt. Die Aufnahmequalität ist auch hervorragend. Und schließlich hat man dann eine ganz schöne Reihe von italienischen Komponisten der Violinsonate beisammen, nämlich:

      1. Sonate, correnti et arie, Op. 4: Sonata no 2 "La Luciminia contenta" - Marco Uccellini (1603/1610-1680) Wikipedia - 1645
      2. La Calva, sonata für Violine & basso continuo (aus: Il secondo libro delle sonate, Op. 8) - Maurizio Cazzati (1616-1678) WP - 1648
      3. 3 Stücke für Violine & theorbo (nach Giuseppe Colombis (1635-1694) WP "Libero secondo a Violino e Basso") - Björn Colell
      4. Partite sopra diverse sonate per il violone: Ruggiero - Giovanni Battista Vitali (1632-1692) WP
      5. Aria, detta La Pozza, für Violine & continuo, Op. 4 - Giovanni Bononcini (1670-1747) WP
      6. Corrente, detta La Pegolotta, für Violine & continuo, Op. 4 -Giovanni Bononcini
      7. Allemanda, detta La Fogliana, für Violine & continuo, Op. 4 -Giovanni Bononcini
      8. Corrente, detta La Montanara, für Violine & continuo, Op. 4 -Giovanni Bononcini
      9. Capricci Armonici "sopra la chitarra spagnola", für Violine & Gitarre - Ludovico Roncalli (1654-1713) WP 1692
      10. Sonatas (12) für Violine and Basso Continuo, Op. 5: no 6 in A major - Arcangelo Corelli (1653-1713) WP 1700 Rom
      11. Musiche varie a voce solo, for Gitarre & violin (nach Benedetto Ferrari (1603-1681) WP) - Björn Colell
      12. Sonate, correnti et arie, Op 4: Aria no 1 - Marco Uccellini1645
      13. Sonate, correnti et arie, Op. 4: Corrente vigesima - Marco Uccellini 1645
      14. Sonate, correnti et arie, Op 4: Aria no 2 - Marco Uccellini - 1645
      15. Sonate, correnti et arie, Op 4: Aria no 3 - Marco Uccellini - 1645
      16. Partite sopra diverse sonate per il violone: Toccata - Giovanni Battista Vitali
      17. Partite sopra diverse sonate per il violone: Capriccio di Tromba -Giovanni Battista Vitali
      18. Partite sopra diverse sonate per il violone: Bergamasca per la lettera B - Giovanni Battista Vitali

      Also einiges von Uccellini, der sich so ganz duhsemang zu einem meiner Lieblingskomponisten entwickelt hat.

      Erschienen 2010 bei Raumklang (ich habe gerade die Homepage angeschaut: Junge, Junge haben die eine Menge hochinteressanter CDs verlegt, zB oben von Guillemain), hier gibt´s noch eine Hörprobe.

      Booklet und weitere Daten sowie Besprechungen habe ich nicht gefunden.

      Bei den üblichen drei Verdächtigen.

      So - als nächstes nochmal Guillemain.

      Freundliche Grüße
      JC
    • Eine Ausnahme sei erlaubt:


      Die Capricci Locatellis sind Solowerke, stammen aus Violinkonzerten, können aber auch gesondert vorgetragen werden.
      Hat nur noch niemand gewagt!
      Paganini selbst sagte sinngemäß., er würde wohl Locatellis Capricci nicht spielen können.

      Dabei sind sich die beiden Zyklen durchaus ähnlich, über die bloße Bravor hinaus sind sie Musik, die zum Hören einlädt.
      Den Werken Locatellis vielleicht sogar etwas weniger anzumerken, wie schwer sie eigentlich zu spielen sind, sie orientieren sich an der Form der Sonate.

      Gabriel Tschalik spielt sehr überzeugend, virtuos, aber nicht der "leeren" Fingerübung wegen.

      Barocke Soli für Violine, da gibt es wenig. Das Wenige aber überragend.

      Herzliche Grüße,
      Mike
      "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire
    • Vielen Dank, Mike!

      Uber-virtuos! Tchalik spielt teilweise über die (naja, meine) Hörgrenze, sozusagen Ultra-Schall-Capriccios.

      Dem Werbetext bei jpc entnehme ich
      "Um seine Capricen spielen zu können, hatte sich Locatelli eine spezielle Geige mit einem längeren Griffbrett, als zu seiner Zeit üblich, bauen lassen."

      Hier bei Tamino finden wir sie abgebildet: Klick!

      Freundliche Grüsse
      JC
    • Julius Chr. schrieb:

      "Um seine Capricen spielen zu können, hatte sich Locatelli eine spezielle Geige mit einem längeren Griffbrett, als zu seiner Zeit üblich, bauen lassen."
      Mag sein. Mag aber auch so sein:


      Ich weiß es nicht. Niemand weiß es wirklich.
      Herzliche Grüße,
      Mike
      "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire
    • höre gerade einen Mitschnitt:
      swr.de/swr2/programm/sendungen…=659392/crnzn0/index.html

      01 Nicola Matteis: "Ayres for the violin", Suite für Violine und Basso continuo e-Moll
      02 Tomaso Antonio Vitali: Sonata h-Moll op. 4 Nr. 11
      03 Francesco Corbetta: Caprice de Chaconne (Laute)
      04 Giuseppe Tartini: Sonate g-Moll op. 1 "Dido abbandonata"
      05 Azzolino Bernardino della Ciaia: Toccata C-Dur op. 4 Nr. 5 (Cembalo)
      06 Francesco M. Veracini: Sonata d-Moll op. 2 Nr. 12
      07 Zugabe: Thomas Barlow: Variationen über "Greensleves"
      Hélène Schmitt (Violine),
      Ensemble Luceram: Jonathan Pešek (Violoncello), Rolf Lislevand (Laute, Gitarre), Carsten Lohff (Cembalo).
      Konzert vom 3. Mai 2017 im Mozartsaal des Schwetzinger Schlosses.

      Klanglich deutlich verschieden von ihren Studioaufnahmen, geigerisch auch nicht immer perfekt- aber mir gefällt es sehr!

      Herzliche Grüße,
      Mike
      "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire
    • Hélène Schmitt im Radio

      Lieber Hempel

      Recht vielen Dank für den Hinweis. Ich hab´ das Konzert runtergeladen und werde es gleich anhören. Dabei werde ich die mp3-Datei ein bisschen bearbeiten, sprich: das Geschwätz und vor allem die Eingangsfanfare (weiß jemand, was das ist?) rausschneiden.

      Freundliche Grüße
      JC
    • Lieber JC,
      habe ich auch geschnitten, diese Fanfare, wusste aber, was es ist- um es sofort wieder zu vergessen:
      Mozart, Pariser Sinfonie.

      Bin ansonsten fertig mit meiner Bearbeitung, die auch ausgleicht, dass in der MP3 ab 15kHz nix mehr ist....dafür um 10kHz viel zu viel und der Klang etwas scharf wirkt.

      [...]

      Herzliche Grüße,
      Mike
      "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire
    • Teodorico Pedrini wird den meisten hier kaum etwas sagen?

      Diese Violinsonaten hörte ich gerade.

      Viel zu Pedrini erfährt man nicht gerade:
      de.wikipedia.org/wiki/Teodorico_Pedrini

      bekannt war mir allerdings schon die im Text erwähnte Aufnahme mit J.C. Frisch, darum stieß ich wohl auf nun diese CD.

      Im Grunde muss ich sagen, finde ich die Aufnahme Frischs auch überzeugender, diese hier mit Violinsonaten ist eher arm besetzt, nur Violine und Cembalo ist mir persönlich zu wenig, zumal die Musik doch sehr an Corelli erinnert und es vertragen kann, reicher ausgeführt zu werden.
      Dennoch: eine Bereicherung des Repertoires allemal und ja, bei aller Kritik an der kleinen Besetzung, überzeugend dargeboten.
      -----------
      Eben erst entdeckt, obwohl nicht mehr ganz taufrisch:


      Die Sonaten Vitalis, hier Vater und Sohn, sind ein anderes Kaliber! Mag sein, dass es auch daran liegt, dass das Ensemble Clematis sich eben nicht auf die Duo- Besetzung beschränkt, sondern den Bass sehr reich ausführt.
      Zu hören auch diese fast unsäglich berühmte Chaconne, endlich mal nicht in Bearbeitungen des 19./20.Jahrhunderts, sondern original, auch wenn im Text L.G.Alarcon berechtigte Zweifel an der "Echtheit" des Werkes anmeldet.
      Außerdem aber auch anderes, sehr schönes zu entdecken, auch wegen des "Spieltriebs" der Italiener, die Violine gern andere Instrumente imitieren zu lassen, hier die Trompete. Nicht nur das, auch harmonisch begibt sich Vitali gern aufs Glatteis- die Solistin Stephanie de Failly aber führt den Hörer über alle Untiefen gekonnt hinweg.

      Für mich eine wirklich grandiose Neuentdeckung, die ich mitzuteilen nur zu gern bereit bin!

      Herzliche Grüße,
      Mike
      "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire
    • Felix Meritis schrieb:

      Lonati und Letzbor! Das klingt wirklich spannend! Da werde ich wohl bestellen müssen...
      ...tat ich und höre sie nun auch.
      Den Aussagen Eifelplatz' habe ich kaum etwas hinzuzufügen, einzig meine leichte Verwunderung über das- für meinen Geschmack- etwas verhallte Klangbild. Macht Letzbor wohl seinen Solo- Bach wieder wett.... :thumbup: , der mir zu trocken ist.

      Herzliche Grüße,
      Mike
      "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire
    • Bin noch ein wenig francophil unterwegs, Leclair ist "schuld".
      Eine Neuentdeckung für mich:


      Nicht Francoeur selbst, der ist mir lange bekannt mit "Tafelmusiken", verwandt mit denen Philidors etc., seine Violinsonaten höre ich zum ersten Mal.
      Und sie sagen mir sehr zu!

      Nicht so eindringlich wie die Leclairs, aber doch sehr konzentriert und abwechlungsreich.
      Wie üblich gespickt mit Tanzsätzen verschiedenster Couleur, dabei harmonisch recht dicht und auch kontrapunktisch nie schlicht gesetzt,
      mit "griffigen" Hauptthemen.

      Gespielt sind sie ebenso schön- vielleicht hätte das Continuo- Ensemble etwas farbiger ausfallen dürfen, eine Gambe statt des Cello würde schon mehr Farbe ins Spiel bringen.
      Aber egal: sehr hörenswert abseits der bekannten Violinsonaten um 1750.

      Herzliche Grüße,
      Mike
      "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire
    • Julius Chr. schrieb:

      Ja, Guillemain ist wirklich eine Entdeckung, Liebhaber der Werke für Solovioline müssten hier eigentlich begeistert sein
      Ja, ich bin sehr dankbar für Deine Anregung. Gestern und heute habe ich mir die 12 Stücke von op. 18 in der Einspielung von Gilles Colliard angehört. Schon nach den ersten Tönen war ich begeistert und das hat bis zum Schluss angehalten. Ich habe mir das Album als Download bei Qobuz gekauft, ohne darauf zu achten, dass dort kein PDF-Booklet dabei ist (wenn also jemand das Booklet einscannen könnte, wäre ich sehr dankbar). Bei den Kammersonaten op. 12 mit dem Ensemble Barockin’, das ich mir heute unbedingt auch kaufen musste, ist das anders, hier liefert Qobuz das Booklet als PDF mit.
      Das ist mein größter Einwand gegen Musik, dass Österreicher darin exzelliert haben.
      (Arno Schmidt: Das steinerne Herz)
    • "... wenn also jemand das Booklet einscannen könnte, wäre ich sehr dankbar."

      So, jetzt habe ich alle mir bekannten Internet-Quellen durchforstet - nix Booklet!
      Was bleibt: bei der hiesigen Landesbibliothek kann man im Wege der Fernleihe - nein, nicht die CD - aber Booklets bestellen. Die "Zielbibliothek" macht dann eine Fotokopie und schickt sie an die LaBi und die schickt sie an mich. Kostet 1.50 €, für diesen umständlichen Service eigentlich doch preiswert, oder?
      Habe ich bei den "parallelen" "Douze Caprices op. 18" machen lassen (kam aus Berlin), weil ich wissen wollte, ob dort etwas über die "differens auteurs" gesagt wird, leider Fehlanzeige.
      Ansonsten kann ich nur auf den oben in Beitrag 102 erwähnten Aufsatz Klick von Vernet verweisen.

      Freundliche Grüße
      JC