BIZET: "Les pêcheurs de perles" - Kommentierte Diskographie

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    • BIZET: "Les pêcheurs de perles" - Kommentierte Diskographie



      Warner Classics 2004

      Natürlich könnte man bei den "Perlenfischern" zunächst auf Nicolai Gedda hinweisen, aber ausnahmsweise will ich nicht mit ihm beginnen, obwohl er mir natürlich als Nadir zuerst einfällt. Diese Studioaufnahme von 1977 - Fairy Queens Lieblingseinspielung dieser Oper (hoffentlich noch immer) - bietet aber auch Traumleistungen. Georges Prêtre dirigiert das Orchester der Pariser Oper und erreicht ein Niveau absoluter Perfektion. Dasselbe gilt für Ileana Cotrubas als Leila, die hier herrliches Timbre und superbe Technik mit Gefühl vereint. Der Tenor, Alain Vanzo, wurde anderswo ein wenig kritisiert. Ich finde, er macht seine Sache nach kurzem Anlauf ausgezeichnet. Seine Arie "Je crois entendre encore" erfüllt alle Erwartungen.
      Ich mag mich täuschen, aber bei meiner Aufnahme kommt mir vor, daß die an sich sehr schön singenden Guillermo Sarabia (Zurga) und Roger Soyer (Nourabad) tontechnisch ein ganz klein wenig benachteiligt wurden. Mnchmal hört es sich an, als ob sie etwas zu weit weg wären. Für den Nourabad würde ich mir eine etwas stärkere Charakterisierung wünschen. Aber insgesamt ist das doch ein Fünf-Sterne-Genuß.
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Waldi schrieb:

      Aber insgesamt ist das doch ein Fünf-Sterne-Genuß.
      Da hst Du meine volle Zustimmung, Waldi.
      Das ist auch die (bisher einzige) Perlenfischer-Aufnahme, die ich besitze, aber sie ist sowas von schön ... besonders das-Duett Nadir-Zurga im ersten Akt hat es mir angetan ... :love:
      Viele Grüße - Allegro

      Musik ist, die in den Noten versteckten Töne frei werden zu lassen (nach Philmus)
    • Von den "Perlenfischern mit Alain Vanzo (der für mich einer der besten "französischen" Sänger, also auch vom Gesangsstil, seiner Zeit war, gibt es auch eine Rundfunkaufnahme aus Paris (25.6.1959), die auf Gala erschienen ist. Unter der Leitung von Manuel Rosenthal singen neben Vanzo noch Gabriel Bacquier den Zurga, Jeanine Micheau die Leila und Lucien Lovano den Nourabad; es spielt das Orchestre Radio-Lyrique, es singen die Choeurs de la RTF. Das ist französische Oper vom Besten. Ich denke, das ist eine echte Alternative zu der von Waldi erstgenannten Studioproduktion.

      Leider (?) italienisch und nicht original französisch gesungen ist die legendäre Aufnahme aus Turin (ebenfalls eine Rundfunkproduktion) mit Alfredo Kraus und Giuseppe Taddei. Alfredo Kraus singt wunderbar französische Oper und hat in Taddei einen Gegenspieler mit hoher Dramatik aber hörbar aus einer anderen Gesangskultur kommend.
    • Ja, es ist kaum vorstellbar, diese so spezifisch französische Oper - das Spezifische zu beschreiben, ist freilich gar nicht leicht - in einer anderen, insbesondere nichtromanischen Sprache einigermaßen adäquat zu interpretieren. Ich habe die deutsche Version unter Rother, aber die hält da keinen Vergleich aus und wurde von mir unter "Reserven / Ferner liefen" gereiht. Sowas von kultivierter Passion ist weder mit italienischer Leidenschaft noch mit deutscher Sentimentalität kompatibel. Sicher ist auch damit eine effektvolle Gestaltung möglich, aber sehr authentisch wird sie kaum ausfallen. Allein schon die Art, wie Vanzo in die Kopfstimme wechselt, ist etwas Besonderes...
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Lieber Waldi, Ja das ist immer noch meine Lieblingsaufnahme. :sofa1: Wenn ich bloss noch wüsste, wo ich vor Jahren mal ausführlich etwas dazu geschrieben habe...... ?( Ohnehin sind die Perlenfischer meine Lieblingsoper von Bizet und neben Lakmé und Manon meine Lieblingsopern des romantisches frz. Repertoires, wenn man mal von Les Troyens ausser Konkurrenz absieht. Diese herrlichen Melodien und Duette suchen ihresgleichen und sind sängerisch derart anspruchsvoll, dass auch ein hervorragender Verdi Sänger das absolut nicht mal eben aus dem Ärmel schütteln kann. Eine besondere Schwieirgkeit ist einfach die französische Sprachmelodie, bei er man leider nicht in offenen Vokalen schwelgen kann sondern dem Belcanto subtiler zu Leibe rücken muss. Ich habe da als Nicht-Muttersprachlerin sehr zu leiden gehabt und viel Kritik an der Diktion einstecken müssen., als ich mich auf bescheidenem Niveau mit den Perlenfischern befasst habe und in einer Schüleraufführung die Rolle der Leila singen dürfte. Die Arie" O Brahma" hat mich an den Rand der Verzweiflung getrieben, Das sind ganz andere Schwierigkeiten als bei Bellini oder Mozart. Da muss man wenigstens nicht bei aller musikalischen Virtuosität auch noch stimmlich zwischen drei Sorten von e unterscheiden :ohnmacht1: Ileana Cotrubas bewundere ich zutiefst, denn eigentlich kann sowas nur ein echte Französin singen.
      Das Schwierigste überhaupt aber war, einen Tenor für Nadir zu finden. Alain Vanzos Stimme mag vielleicht für den heutigen Geschmack zu hell und leicht und nasal klingen, aber wer mal versucht hat , diese Rolle zu singen, wird seine Leistung nur bewundern können. ich habe bis heute noch keine vernünftige Liveaufführung erlebt, bei der alle drei Hauptrollen adäquat besetzt waren. Kein Wunder, dass die Oper so selten gegeben wird. In Italienisch ist sie garantiert einfacher zu singen, jede Wette, aber wo bleibt da der Charme? Das Spezifische dieser frz. Opern ist und bleibt die Sprache, die eine andere Musik hat. Eleganz ist genau das richtige Wort, lieber Waldi. :jaja1: Ich bin von jeher kategorisch gegen übersetzte Oper, da jede Sprache ihren sehr spezifischen Klang hat, der ein Teil der Musik des Werkes ist. aber das Thema haben wir ja schon bis zur Erschöpfung gehabt.......
      Jedenfalls lieber Waldi machst du mir Lust, mal wieder nach Perlen zu fischen. Merci et bonne nuit :fee:
      Eine Seele, die sich erhebt, erhebt die Welt. (M. Gandhi)
    • Was für eine Symchronizität! Gerade habe ich gesehen, dass es in Lille im großen Konzertsaal Nouveau siècle am 10.5. eine konzertante Aufführung der Pêcheurs des perles gibt. Die Sänger sind mir außer Julie Fuchs allesamt unbekannt. Da darf ich gespannt sein, so es noch Karten gibt..... :fee:
      Eine Seele, die sich erhebt, erhebt die Welt. (M. Gandhi)
    • Ich hatte immer nur eine Querschnitt - LP auf Vogue, dirigiert von Jesus Etcheverry . Es sangen Renee Doria , Alain Vanzo und Robert Massard . Ich muss auch die CD haben, finde aber beide im Moment nicht . Aber ich hatte nie das Bedürfnis nach einer anderen Aufnahme . Ich meine mich zu erinnern, daß ich noch min. 2 weitere Einspielungen mit Vanzo verglichen habe und er mir hier am Besten gefiel, auch mit den Partnern.

      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang "
    • Es gibt jetzt ja eine neue Perlenfischer-Inszenierung aus der Met auf DVD, und ich muss sagen, sowohl die behutsam modernisierende Regie (inclusive mächtigem Tsunami!) als auch das erstklassige Sängertrio Diana Damrau, Matthew Polenzani und Mariusz Kwiecien haben mich echt beeindruckt. Das große Männerduett zwischen Zurga und Nadir und auch die berückende Tenorarie "Je crois entendre encore" fand ich hinreißend gesungen. Besonders französisch klang die "Sprachmelodie", wie Fairy schreibt, allerdings bei keinem der Interpreten, ich glaube ich hätte beim Blindhören Mühe gehabt, die Sprache zu identifizieren... :rolleyes: Trotzdem eine gelungene Aufführung!