Vom Konzertleben in Dresden

    • Versatzstücke im 6. Symphoniekonzert in Dresden

      Wie weiter unten gewünscht wurden die bis dahin als neue Threads angebotenen Beiträge zum Dresdner Konzertleben und die sich darauf beziehenden Antworten nun hier eingefügt.
      AlexanderK, Moderation


      Der Dramaturg der Staatskapelle Dresden Tobias Niederschlag, hat als Konzertplaner des Orchesters für das 6.Symphoniekonzert seinen Musikern ein doch außergewöhnliches Programm zusammengestellt.

      Vier Werke, alle mit einer Aufführungsdauer unter 25 Minuten, von Alexander Zemlinsky (1871-1942), Erwin Schulhoff (1894-1942), Bohuslav Martinů (1890-1959) sowie Leoš Janáček (1854-1928) haben einem Bezug zum Abgesang der k. u. k.-Donaumonarchie.

      Als Dirigent der Konzerte war Vladimir Jurowski im Einsatz. Für die beiden Streichkonzert-Kombinationen konnte das Moskauer Borodin Quartet gewonnen werden. Nun haben wir, meine Frau, ein befreundetes Ehepaar und natürlich ich, uns zur Gewohnheit gemacht, für die Konzerte der Staatskapelle in Dresden, stets die Generalproben und mindestens eines der Konzerte zu besuchen.

      Es ist schon hoch interessant, wie unterschiedlich sich die Orchesterleiter mit dem Orchester verständigen und was sich im Konzert dann daraus entwickelt.

      Als erster Beitrag im 6. Saisonkonzert wurde Alexander Zemlinskys „Sinfonietta für Orchester op.23“ geboten. Ich hatte bisher wenig Musik von Zemlinsky gehört. Bekannt war er mir vor allem als der Musiklehrer und Liebhaber der Alma Schindler-Mahler-Werfel.

      Jurowski erwies sich als hervorragend vorbereitet Selbst die Probe erarbeitete er ohne Partitur nur mit Hilfe eines Notizheftes, mit dem er sich durch die Musiker bewegte und diese in ausgezeichnetem Deutsch direkt ansprach.

      Leider stehen mir zum Vergleich nur CD- und You Tube-Aufnahmen der Musik Zemlinskys zur Verfügung, um zu beurteilen, ob sich das reichlich einstündige Sezieren des 20-Minuten-Werkes auch gelohnt hat. Die Musik erwies sich dann aber erfreulich als recht melodisch und eingängig sowie bis zu einem gewissen Grade auch erfrischend.

      Dem folgte das „Konzert für Streichquartett und Blasorchester WV 97“ von Erwin Schulhoff, einer der schillersten Komponisten-Persönlichkeiten der 1920er Jahre.

      In seiner Dresdner Zeit von Reger, Strauss bis Mahler beeinflusst, wandte er sich unter dem Einfluss des George Grosz einer Art Musik-Dada, dem Jazz sowie nordamerikanischen Tanz-Rhythmen, wie Boston oder Shimmy, zu.

      Das aufgeführte Werk ist 1930 entstanden, als sich Schulhoff bereits dem Kommunismus angenähert hatte.

      Die Komposition folgte ziemlich formal dem Hegelschen dialektischen Prinzip. Im Allegro moderato übernahmen die 15 Blasinstrumente eine These-Funktion, allerdings mehr in Form einer Stakkato-Provokation. Das ausgezeichnete Steichquartett hielt quasi als Antithese beruhigend entgegen.

      Im Largo arbeitete vorwiegend das Streichquartett den Konflikt auf, wobei mehrfach einzelne Bläser oder Bläsergruppen den Streichern als Gesprächspartner dienten.

      Mit dem Allegro con brio-Finale wurde dann, gewissermaßen als Synthese, eine Versöhnung von Streichern und Bläsern ausgeführt. Aber immer wird das Stakkato beibehalten.

      Letztlich also ein Ausdruck der marxistischen Denkweise des Komponisten.

      Bohuslav Martinů hat es trotz seiner Bedeutung für die Musik des zwanzigsten Jahrhunderts kaum in das breite Bewusstsein der Musikfreunde geschafft. Auch hier im Forum habe ich keinen Faden zu diesem produktiven Komponisten gefunden.

      Seine Tonsprache umfasst Elemente der Musik seiner Böhmischen Heimat und des frühen Jazz. Fremd blieben ihm die expressiven und konstruktiv bestimmten Partituren der Wiener Schule sowie die akademisch geprägte Tradition der Prager Schule.

      „Ich war nie Avantgardist“ beharrte er. Sein „Konzert für Streichquartett mit Orchester

      H 207“ ist 1931 in Paris entstanden.

      Das Allegro vivo kommt ziemlich derb daher, das Adagio recht im Gegensatz eher tragisch-melodisch und das Finale volkstümlich aufgelockert. Aber das Gesamtwerk bleibt letztlich recht traditionell.

      Die zweifelsfrei bekannteste Komposition des Konzertes war Leoš Janáčeks„Sinfonietta für Orchester op.60“. Zunächst als Auftragskomposition „Fanfare des Sportvereins Sokol“ konzipiert, hat Janáček 1926 das Thema zu einem 5-Sätzigen Werk gestaltet.

      Im ersten Allegretto boten 21 Blechbläser (davon 12 Trompeten) und massive Pauken einen so strahlenden Auftakt, dass man fürchten musste, die Saaldecke stürze ein.

      Dem folgte im Andante eine an mährische Folklore angelehnte Töne-Flut. Dann am Beginn des Moderato ein beklemmendes wundervolles Posaunen-Solo.

      Darauf weiter im 4. Satz, eine Allegretto-Klangfülle, die eine Beschreibung der Burg Špilberk, ein zur k.u. k.-Zeit gefürchteter Kerker, darstellen sollte.

      Hört man genau, so drängt sich der Gedanke auf, dass Jurowski eigentlich für jeden der Fünfminuten-Sätze eine eigene Orchesterbesetzung benötigt hätte.

      So erklärt sich dann auch, die Aufbietung des gewaltigen Orchesters. Einhundertein Musiker halfen dem Dirigenten, die Spannung aufrecht zuhalten bis dann im abschließenden Allegro das überbordente Fanfaren-Thema wieder aufgenommen wurde.

      So erhielten dann doch noch der präzise sowie mit ordentlichem Körpereinsatz „arbeitende“ Dirigent und das Orchester den verdienten Schlussapplaus.
    • thomathi schrieb:

      Bohuslav Martinů hat es trotz seiner Bedeutung für die Musik des zwanzigsten Jahrhunderts kaum in das breite Bewusstsein der Musikfreunde geschafft. Auch hier im Forum habe ich keinen Faden zu diesem produktiven Komponisten gefunden.
      Lieber thomathi,

      Bohuslav Martinů hat unter "Komponisten" zwar tatsächlich (noch) keinen eigenen Faden, aber zu einigen seiner Werke gibt es hier etwas:

      Martinů, Bohuslav: Doppelkonzert für zwei Streichorchester, Klavier und Pauken (1938)

      Martinu - Gesamtaufnahmen der Sinfonien

      Martinů, Bohuslav: Oboenkonzert

      Bohuslav Martinu---The Epic of Gilgamesh (Gilgamesch Epos) H 351 für Sopran-, Tenor-, Baritonsolo, Bassrezitativ, gemischten Chor und Orchester
    • Lieber thomathi,

      die Werkthreads waren leicht und schnell zu finden, da die Mods hier diverseste Verzeichnisse tagaktuell und nach Komponisten geordnet pflegen (dafür an dieser Stelle gleich mal ein großes Dankeschön :thumbup: ). Ich habe also einfach in diversen Unterforen (Orchestermusik, Vokalmusik) die Inhaltsverzeichnisse befragt. Wenn Du Zeit hast, kannst Du ja mal dort stöbern. Die Live-Berichte, die Gurnemanz, der einer von mehreren Meistern im Aufspüren von bzw. Erinnern an Threads ist 8o , gepostet hat, hatte er entweder alle im Gedächtnis oder er hat doch die allgemeine Suchfunktion bemüht?

      :wink: Amaryllis
    • Amaryllis schrieb:

      Die Live-Berichte, die Gurnemanz, der einer von mehreren Meistern im Aufspüren von bzw. Erinnern an Threads ist 8o , gepostet hat, hatte er entweder alle im Gedächtnis oder er hat doch die allgemeine Suchfunktion bemüht?
      Danke für die Blumen, liebe Amaryllis! :) Nein, so gut ist mein Gedächtnis nicht! Habe mich hier durchgearbeitet (vgl. "Katalog"): Berichte von Opernaufführungen - Verzeichnis nach Orten .

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Was ist, ist mehr, als es ist.
      Theodor W. Adorno
      Auch banal ist komplex.
      Helmut Lachenmann
    • Ein Klavierrezital und ein Künstlergespräch mit Daniil Trifonov

      Der Capell-Virtuos der laufenden Saison der Staatskapelle Dresden Daniil Trifonov hat am Mittwoch im Semper Bau ein Klavierrezital gegeben. Im vergangenen Jahr hatten wir mit diesem Ausnahme-Pianisten vier Konzerte erleben können: Zum Kissinger Sommer dreimal innerhalb von vier Tagen (einen Klaviernachmittag als Solist, ein Virtuosen-Duo mit seinem Klavierlehrer Sergei Babayan sowie Tschaikowskis Konzert Nr.1 mit den Bamberger Symphonikern). Dazu dann sein Antrittskonzertals Capell-Virtuos der Staatskapelle unter Christian Thielemann mit Mozarts Klavierkonzert C-Dur KV 467.

      Das Programm des aktuellen Klavier-Rezitals hat Daniil Trifonov in der letzten Zeit bereits mehrfach, z.T. auch anteilig verändert, gespielt.

      Die Besprechungen der Konzerte fielen recht unterschiedlich aus. Dabei hat sich die Fachkritik mehrfach am Alter des Künstlers abgearbeitet. Seine Technik und Virtuosität ist über jeden Zweifel erhaben. Deshalb hier auch lediglich einige Anmerkungen zu den Interpretationen des Ausnahme-Pianisten:

      Beim Semperoper-Klavierrezital am 8. Februar standen am Beginn Robert Schumanns Kinderszenen op. 15 auf dem Programm.

      Verhalten poetisch, zwischen extremer Sensibilität und entrückter Träumerei, stimmte Trifonov seine Zuhörer auf den weiteren Verlauf des Abends ein. Dabei drängte sich die Überlegung auf, ob Schumann mit seinen Kinderszenen eigentlich Musik für junge Zuhörer schaffen wollte oder letztlich die älteren Generationen bedacht hat.

      Die ruhigen Sätze extrem verlängert, in den Wiederholungen sogar Ton für Ton herausgedrückt, die Bässe bis zur Unhörbarkeit, gerieten diese Szenen für das Publikum an den Rand des Verlustes von Raum- und Zeitgefühl.

      Schumanns Toccata C-Dur, op.7 ist ob ihrer Schwierigkeit berüchtigt. Im Kontrast zu den Kinderszenen trieb der Pianist sein Publikum mit äußerstem Kraftaufwand durch die Partitur. Aber gleichsam als Seitenwege der zielstrebigen Klanglinie, ließ er auch Inseln des Loslassens im Furioso des begeisterndem Spiel.

      Der von seiner Mitwelt unverstandene Kapellmeister Johannes Kreisler, einer Figur der literarischen Phantasie E.T.A. Hoffmanns, regte mit seiner geistreichen Exzentrizität Robert Schumann zur überschwänglichen Fantasie für Piano-Forte op. 16 in acht Sätzen „Kreisleriana“ an.

      Mit seiner unwahrscheinlichen Virtuosität und musikalischen Intelligenz schuf Trifonov ein packendes Psychogramm der Tragischen Persönlichkeit Kreislers. Mit klanglichen Wechselbädern und Stimmungskontrasten bis zum Äußersten forderte der Pianist sein Publikum.

      Wenn man aber Ansätze bezüglich der Kritikervorwürfe der noch begrenzten Lebenserfahrung Trifonovs sucht, so wären diese beim Dresdner Konzert gegeben, obwohl Schumann die Kreisleriana auch 1838, also im Alter von erst 28 Jahren komponiert hat.

      Schostakowitschs 24 Präludien und Fugen op. 87 sind im Umfeld des Leipziger Bachfestes 1950 entstanden. Der Komponist war Juror des Bachwettbewerbs und selbst aktiver Pianist. Der Gewinnerin des ersten Preises des Klavierwettbewerbs, Tatjana Nikolajewa, hatte er auch diese an Bach angelehnte Komposition gewidmet.

      Im Konzert spielte Trifonov die Präludien und Fugen Nr. 4 e-Moll, Nr. 7 A-Dur, Nr. 2 a-Moll, Nr. 5 D-Dur und Nr. 24 d-Moll.

      Die Interpretationen Trifonovs dieser technisch anspruchsvollen Kompositionen wirkten ergreifend, anrührend und authentisch. Hier stimmte eigentlich alles.

      Insbesondere die poetischen Klangwirkungen, die Zerbrechlichkeit der Musik und das begeisternde Feuer der d-Moll-Fuge wurden sowohl Schostakowitsch, als auch Bach gerecht.

      Abgerundet wurde der Abend mit drei Sätzen nach Igor Strawinskys Petruschka-Ballett in der Fassung von Arthur Rubinstein.

      Die atemberaubende Tasten-Jagd und die eingelagerten Phasen zarten Einhaltens führten zu einer interessanten nahezu orchestralen Wirkung des Klavierspiels.

      Die Konzertbesucher dankten dem Pianisten mit einem frenetischen „Standing Ovation“. Trifonov ließ sich auch nicht lange bitten und erwiderte umgehend mit zwei Zugaben.

      Letztlich waren aber der Künstler und sein Publikum nach dem doch recht langen Programm recht erschöpft.

      Am Vorabend des Rezitals im Semper Bau hatte der Piano-Salon Gäbler in der Striesener Comeniusstraße zu einem Künstlergespräch und einem Empfang mit Daniil Trifonov in seine Räume geladen.

      Die Moderation hatte der Dramaturg der Staatskapelle Tobias Niederschlag übernommen.

      Das Gespräch wurde in englischer Sprache von zwei Fremdsprachlern geführt und auch übersetzt.

      Daniil Trifonov erzählte zunächst von seinem Lebensweg von Nishny Nowgorod über Moskau, Cleveland zu seinem jetzigen Lebensmittelpunkt New York sowie seinem künstlerischen Entwicklungsweg und sprach achtungsvoll von seinen Lehrerinnen und Lehrern.

      Besonders interessant waren seine Erläuterungen, wie er sich Repertoire-Erweiterungen erarbeitet. Der Ausnahmepianist büffelt nämlich zunächst auswendig das Notenmaterial weil ihm jede falsch eingeprägte Note in der Folgezeit immer wieder verfolgt. Erst dann beschäftigt er sich mit der Histographie des neuen Stückes und hört sich Einspielungen anderer Interpreten an.

      Auch erläuterte der Künstler sein ständiges Übungspensum und wie er sich körperlich sowie mental leistungsfähig erhält. Besonders interessant waren die Ausführungen zum gelegentlich erwähnten Spezialtraining der Hände, Arme und Schultern, das ihn befähigt, die stundenlange Zwangshaltung am Klavier durchzustehen.

      Die Pläne des Musikers insbesondere bezüglich seines kompositorischen Schaffens wurden zwar besprochen, aber das Besprochene blieb wenig konkret.

      Das Gespräch und die anschließende Fragerunde zeigten einen freundlichen, aber doch recht introvertierten untypisch-jungen Mann, der zwar auf den Konzertpodien der Welt zu Hause ist, ansonsten doch einen recht scheuen Eindruck hinterlässt. (Selbst dem obligaten Blumen-Mädchen wurde im Konzert nur scheu gedankt.)

      Dann spielte der Gast noch ein poetisches und ein dämonisch Stück aus seinem „Zugabe-Repertoire“. Faszinierend sein Anschlag der leisen Passagen auf Gäblers bestem „Steinway“ und in dem kleinen Raum, ein zusätzliches Erlebnis.

      Und noch eine Erkenntnis: Es gibt auch „Rotkäppchen-Sekt“, den man auch trinken kann.
    • Warum machst Du einen gesonderten Thread auf? Hier, in diesem Faden
      Daniil Trifonov - eine "singuläre Erscheinung am musikalischen Sternenhimmel"?
      passen Deine Eindrücke zu Daniil Trifonov doch prima hinein ;)
      "Wir wären auch ausverkauft, wenn bei uns auf dem Kamm blasende Putzfrauen aufträten."
      (Christoph Lieben-Seutter, Generalintendant der Elbphilharmonie)

      “Die Elbphilharmonie ist nicht nur ein grandioser neuer Konzertsaal, sondern eine Chance für ein neues Repertoire.”
      (Ingo Metzmacher)
    • music lover schrieb:

      Warum machst Du einen gesonderten Thread auf? Hier, in diesem Faden
      Daniil Trifonov - eine "singuläre Erscheinung am musikalischen Sternenhimmel"?
      passen Deine Eindrücke zu Daniil Trifonov doch prima hinein ;)
      Weil es ein konkreter Konzertbesuch war. Meine Empfindungen beziehen sich damit auf den bestimmten Abend. Es ist ein simpler Konzertbesuchsbericht
      Dass in diesem Konzert nun nur Daniil Trifonov musizierte, ist mit dem Klavierezital bedingt.
      Mein Beitrag schließt mithin nicht an die Thread-Beiträge an.
    • Porträtkonzert der Capell-Compositice der Staatskapelle Dresden Sofia Gubaidulina

      Im Rahmen eines "Außerordentlichen Kammerabends" würdigten am 4.März 2017 in der Schlosskapelle des Dresdener Residenzschlosses Musiker der Staatskapelle mit einem Portraitkonzert ihre Capell-Compositrice Sofia Gubaidulina in Anwesenheit der Geehrten.

      Schon der Umfang des Gebotenen war außergewöhnlich.

      Von 17 Uhr bis 22 Uhr 15 wurde, nur unterbrochen von zwei Pausen und zwei kurzen Gesprächsrunden, der beeindruckende Bogen des Schaffens der russisch-tatarischen 85-Jährigen verbunden mit Beiträgen ihrer Inspiratoren gespannt.

      Angeregt war der Abend von Musikern, die den Wunsch verspürten, den Quellen der Kompositionenund ihrem Ideenreichtum nachzuspüren.

      Auch wenn die gewaltige Dimension die Zuhörer an die Grenzen ihrer Aufnahmefähigkeit geführt haben dürfte, war das Gebotene selten Aufschlussreich.

      Im ersten Teil „Wurzeln“ waren Kammermusik mit interessanten Instrumentenkombinationen (Harfe, Kontrabass und Schlagwerk, Duo für zwei Fagotte u.a.) mit dem Streichkonzert Nr.7von Dmitri Schostakowitsch kombiniert.

      Der zweite Teil „Inspiration“ verknüpfte Johann Sebastian Bach und Anton Webern mit dem „Garten für Freude und Traurigkeit“ für Flöte, Harfe und Violamit der „Concordanza für Kammerensemble“ und „Refllections über B-A-C-Hfür Streichquartett“.

      Im „In Tempus Präsens“ gesellte sich zu den Hausmusikern der Norweger und wohl derzeit profilierteste Bajanspieler Geir Draugsvoll.

      Mit „Fünf Stücken für Bajan, Violine und Violoncello“ und dem Bajan-Solo „“De profindis“ wurde die besondere Vorliebe der Frau Gubaidulina für diese russische Variante der Knopfharmonika gewürdigt.

      Nach dem von dem russischen Komponisten-Freund Viktor Suslin (1942-2012)sein „Ton H“ für Violoncello und Klavier wurde der Abend von dem „So sei es“ für Violine, Kontrabass, Klavier und Schlagzeug der Dame des Abends abgeschlossen.

      In der Gesprächsrunde mit Tobias Niederschlag hatte Frau Gubaidulina über ihre Freude am Erarbeiten junger Klangideen gesprochen und damit auch dem Gesamteindruck der Veranstaltung Ausdruck verliehen, an diesem Abend sowohl engagierten Musikern der Staatskapelle, als auch dem hochinteressierten PublikumVerständnis und Freude an „Neuer Musik“ vermittelt zu haben.
    • Der Kammerabend mit einer Vielzahl Beispielen aus dem Schaffen der russisch-tatarischen Komponistin Sofia Gubaidulina hat doch mein Verständnis für ihre Arbeiten geschärft.
      Insbesondere ihre Vorliebe für die russische Knopfharmonika und ihr Verhältnis zum Bajan-Spieler Geir Draugsvoll waren mir eine Korrektur meiner Einschätzung im obigen Bericht, "das Werk sei sperrig", wert.
    • Vom Konzertleben in Dresden

      Da ich ohnehin einer der wenigen bin, der derzeit im Forum vom Konzertleben Dresdens berichtet, nehme ich die Anregung von Foristen anderer Konzertmetropolen auf und werde künftig meine diesbezüglichen Beiträge unter diesem Thema konzentrieren.
      Wenn ein Kenner der Forumsoftware meine bereits veröffentlichten Beiträge hierhin verschiebt, wäre ich auch nicht böse.

      Hiermit geschehen
      AlexanderK, Moderation
    • Ein seltener Liederabend von René Pape

      Mit einem opulenten Liederabend hat sich am 17. März 2017 René Pape mit Unterstützung seines Klavierbegleiters Camillo Radicke bei seinen Dresdner Fans entschuldigt.
      Der Sänger ist zwar 1964 in Dresden geboren und hat seine Gesangs-Ausbildung beim Kreuzchor sowie bei der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ erhalten, macht sich aber insbesondere in den letzten Jahren seit dem in seiner Heimatstadt sehr rar.
      Bewohnte er nicht in Pillnitz/ Hosterwitz die am Elbufer häßlichste Villa (zwischen einem Pflegeheim und einer Anlage für betreutes Wohnen angeordnet) , so würde er in der Stadt kaum noch wahrgenommen.
      Außer den wenigen Auftritten in der Titelrolle im Boros Godunov (2010), als Orest in Thielemanns Elektra (2013) und als Filippo im Don Carlos (2016) hatte er sich eigentlich nur in der Parodie „Der sächsische Ring“ mit einer Richard-Wagner-Probe neben Tom Pauls beim Elbhangfest sowie in der Wagner-Stätte Graupa (mit Evelyn Herlitzius) präsentiert.
      Für 2018 sind auch lediglich vier Rocco-Einsätze in der Fidelio-Inszenierung der Christine Mielitz vorgesehen.
      Die bescheidenen Dresdner haben ihn, obwohl kaum wiedererkannt, für seine Darbietungen der Lieder von Mozart, Schubert, Beethoven, Sibelius und Quilter stürmisch gefeiert und auch vier Zugaben abgetrotzt.
      Statt seiner bassigen Urgewalt der Opernbühne verwöhnte uns Pape mit sensiblem, aber auch durchaus kraftvollem Liedgesang.
      Insbesondere mit Richard Strauss’ Zugabe „Zuneigung“ hat er uns angerührt und ein wenig versöhnt.
      Hier aber noch eine Episode zur Pape-Charakterisierung:
      Bevor der Sänger am 4.September 2014 in der hässlichen Villa seinen 50. Geburtstag mit großer Gästezahl feiern wollte, war er mit großem Gepäck in dem benachbarten Pflegeheim und im betreuten Wohnen erschienen, bat die Bewohner im Vorfeld für die zu erwartende Lärmbelästigung um Entschuldigung und übergab jedem der Anwesenden einen Satz Ohrenstöpsel sowie ein Fläschchen Eierlikör.
    • Erstens freue ich mich über den Threadstart und zweitens war ich auch, extrem kurzentschlossen, beim Pape-Liederabend. Ehrlich gesagt, bin ich zwiegespalten. Von den, zugegebenermaßen, wenigen Liederabenden verschiedener Interpreten, die ich in letzter Zeit gehört habe, hat mich dieser mit Abstand am wenigsten ergriffen. Wie von thomathi schon angesprochen, hat Pape ja eine urgewaltige Riesenstimme, die scheinbar mühelos den Kronleuchter zum Wackeln bringt, die er aber naturgemäß bis auf wenige Stellen (die absolut beeindruckend waren) gestern praktisch dauernd mehr oder weniger im Zaum halten musste. Nach meinem Empfinden gelang das nicht durchgehend überzeugend und klangschön. Vielleicht liegt es aber auch an mir - habe noch nie einen Bassisten beim Liedgesang gelauscht - womöglich musste ich mich erst daran gewöhnen. Bin mal so frei, das Programm vom 17.03.2017 zu ergänzen:

      ---------------
      • W. A. Mozart ... Eine kleine deutsche Kantate KV 619
      • L. van Beethoven ... Sechs Gellerlieder Op. 48
      • F. Schubert ... Sechs Lieder aus "Schwanengesang" D 957 (Das Fischermädchen / Am Meer / Die Stadt / Der Doppelgänger / Ihr Bild / Der Atlas)
      • R. Quilter ... Drei Lieder nach William Shakespeare Op. 6
      • J. Sibelius ... Sieben ausgewählte Lieder (Der erste Kuss / An den Abend / Im Feld ein Mädchen singt / Schwarze Rosen / Der Span auf den Wellen / Mädchen kam vom Stelldichein / Be Still, My Soul)
      René Pape – Bass
      Camillo Radicke - Klavier

      ---------------
      Die Texte von KV 619 und der sechs Gellertlieder sind sicher schwer über die Rampe zu bringen, das gelingt vielleicht nur den allerausgefuchstesten Liedsängern, und so hat dieser erste Teil einen unterkühlten, faden Eindruck bei mir hinterlassen. Viel besser die sechs Lieder aus dem "Schwanengesang", hier fand ich die Gestaltung viel differenzierter, interessanter und auch schönstimmiger. Jetzt schien der Knoten geplatzt und die Quilter- und Sibelius-Kompositionen kamen sehr gut.

      Trotzdem würde ich momentan René Pape eindeutig als Opernsänger bevorzugen (habe ihn 2015 und 2016 insgesamt dreimal als Filippo II gehört – schon toll, leider war die Dresdner Don-Carlo-Inszenierung statisch und deutlich über dem Zenit).
    • Neu

      thomathi schrieb:

      Du aber bist auch nicht auf ein gutes Verhältnis mit den hiesigen Künstlern angewiesen, um mal etwas zu erfahren.
      :D Eben!

      Hier die besagte Kritik: DRESDEN / Semperoper: LIEDERABEND RENÉ PAPE

      Huiuiui, das ist ja eine umfassende Lobeshymne. Meine Ohren haben mir aber gesagt, dass Papes Stimme an diesem Abend eben nicht so geschmeidig, angenehm und samtig war wie beschrieben. Zumindest nicht durchgehend und schon gar nicht im Pianissimo. Was für mich auch gar kein Problem gewesen wäre, wenn mich denn Papes Gestaltung mehr gepackt hätte.

      Davon unabhängig freue ich mich sehr, dass er nächste Saison den Rocco macht (und überhaupt, dass der Dresdner Fidelio reaktiviert wird :thumbup: ).