Plagiatsvorwürfe gegen designierten Direktor der Wiener Staatsoper

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    • Plagiatsvorwürfe gegen designierten Direktor der Wiener Staatsoper

      Dem designierten Wiener Staatsoperndirektor Bogdan Roščić wird vorgeworfen, in seiner Dissertation zum Thema "Gesellschaftstheorie als kritische Theorie des Subjekts: zur Gesellschaftstheorie Th. W. Adornos" aus einer Arbeit von Peter Decker abgeschrieben zu haben, ohne die entsprechenden Passagen als Zitat auszuweisen. Der Plagiatsgutachter Stefan Weber hat dies bei der Universität Wien angezeigt und kommt in seinem Gutachten zu dem Schluss: "Ich habe selten ein deutlicheres Plagiat gesehen".

      Christian
    • Auch wenn aus wissenschaftlicher wie menschlicher Sicht ein Plagiat bei einer Dissertation ein absolutes no go ist, so sollte man doch in Betracht ziehen, in wie weit das Einfluß auf die Amtsführung als Operndirektor hat. Ich würde hier immer zuerst die fachliche Qualifikation in den Vordergrund stellen. Da aber ein Plagiatsvorwurf, noch dazu wenn er zur Aberkennung des Doktortitels führt, eine enorme mediale Aufmerksamkeit erzeugt, dürfte sich Herr Roščić den neuen Posten wohl abschminken dürfen. So ein Amt erfordert ja auch eine hohe persönliche Integrität.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Eusebius schrieb:

      Da aber ein Plagiatsvorwurf, noch dazu wenn er zur Aberkennung des Doktortitels führt, eine enorme mediale Aufmerksamkeit erzeugt, dürfte sich Herr Roščić den neuen Posten wohl abschminken dürfen. So ein Amt erfordert ja auch eine hohe persönliche Integrität.
      Ich bin gespannt. Die Vorwürfe selbst scheinen doch sehr gut belegt zu sein. Und die Aberkennung eines Titels dürfte gerade in Wien sehr bedeutsam sein: Dort wollte ich einmal in der Hofkonditorei Demel ein paar der berühmten Vanille-Schnitten kaufen, die aber leider an dem Tag schon ausverkauft waren. Zum Glück hatte mir einer meiner Hochschulkollegen, der selbst aus Wien stammt, für den Fall empfohlen, im Auftrag für "Herrn Prof. XY" zu kaufen, und siehe da. Wie durch ein Wunder tauchten doch noch ein paar der edlen Teile auf :D .

      Christian
    • Diese ständigen Plagiatsvorwürfe, ob in der Politik oder der Kultur, gehen auf die Nerven. Heute wird jedes Wort rauf und runter überprüft, dass es langsam zur akademischen Krankheit wird.
      Gib dich nicht der Traurigkeit hin, und plage dich nicht selbst mit deinen eignen Gedanken. Denn ein fröhliches Herz ist des Menschen Leben, und seine Freude verlängert sein Leben.
    • Was mich ja an Plagiatsvorwürfen regelmäßig nervt, ist, dass dabei völlig unbeachtet bleibt, ob der plagiatgespickte Text gut geschrieben ist und ob er richtige bzw. interessante Gedanken enthält. Somit wird der Inhalt völlig gleichgültig, und nur die akademische Kinderstube wird hochgehalten. Unter Aufklärung stelle ich mir was anderes vor.
      Und in diesem Fall ist es nochmal besonders drollig. Denn ein Blick in die Vorbemerkung reicht, um zu sehen, dass der bloße Tatbestand des Abschreibens für sich genommen Herrn Decker kaum molestieren wird:

      Peter Decker schrieb:

      Der Stil, das Übermaß an Zitaten und Belegstellen,sowie andere Unsitten der akademischen Höflichkeit dienen nicht der Wahrheitsfindung, sondern dem Erwerb eines Universitätsabschlusses. Dennoch enthält das Buch Argumente zur Kritik der Philosophie, die zu kennen sich lohnt.
      Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
    • Felix Meritis schrieb:

      Der Kern der Geschichte dürfte einfach sein, dass der gute Herr Professor Stammkunde ist und Du nicht.
      Das kann allerdings (beides) sein.

      Amaryllis schrieb:

      VonHumboldt schrieb:

      Diese ständigen Plagiatsvorwürfe, ob in der Politik oder der Kultur, gehen auf die Nerven.
      Allerdings! Am Ende sind irgendwie alle geschädigt, die sich die Mühe gemacht haben, eine Dissertation auf den Weg zu bringen ... eigentlich schon seit dem bescheuerten Guttenberg-Theater. :neenee1: :evil:
      Finde ich nicht. "Alle, die sich die Mühe gemacht haben, eine Dissertation auf den Weg zu bringen" werden meiner Meinung nach eher durch ein paar schwarze Schafe geschädigt, die meinen, man könne sich diese Mühe auch ein bisschen auf Kosten eines anderen erleichtern. "Geschädigt" sind deshalb meines Erachtens eher die Ehrlichen, außerdem natürlich der Autor der Quelle, von der abgeschrieben wurde und die gutgläubigen Leser. Ein bewusstes Plagiat ist immer ein Betrugsversuch. Und ich persönlich will keinen Betrüger auf einer leitenden Position haben, weder in der Politik noch in der Kultur.

      Christian
    • Herr Weber bewertet selbstverständlich, ob das unzitierte Kopieren fremder Texte Einfluss auf die zentrale Aussage der Arbeit hat. Wenn ja, dann liegt ein klarer Fall von Betrug vor, der mMn auch strafrechtlich verfolgt werden sollte. Mit einem akademischen Titel erlangt man schließlich auch handfeste Privilegien.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Felix Meritis schrieb:

      Herr Weber bewertet selbstverständlich, ob das unzitierte Kopieren fremder Texte Einfluss auf die zentrale Aussage der Arbeit hat.
      Mich interessiert eher, ob die zentrale Aussage von Rošcics Arbeit stimmt oder zumindest interessant ist. Auch wenn sich der Text trotz vielen Kopierens für sich genommen gut liest, schätze ich das. Aber nicht mal, was da konkret mit den Ausschnitten von Decker überhaupt angestellt wird, ist bei dem "Skandal" relevant. Das finde ich wirklich skandalös.

      Grimmelshausen hat für seinen Simplicissimus schamlos z.B. aus Garzonis Enzyklopädie abgeschrieben. Nichtsdestotrotz kam gute Literatur dabei heraus. Aber damals gab es natürlich noch kein durchgesetztes Urheberrecht.
      Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
    • ChKöhn schrieb:

      Finde ich nicht. "Alle, die sich die Mühe gemacht haben, eine Dissertation auf den Weg zu bringen" werden meiner Meinung nach eher durch ein paar schwarze Schafe geschädigt, die meinen, man könne sich diese Mühe auch ein bisschen auf Kosten eines anderen erleichtern. "Geschädigt" sind deshalb meines Erachtens eher die Ehrlichen, außerdem natürlich der Autor der Quelle, von der abgeschrieben wurde und die gutgläubigen Leser. Ein bewusstes Plagiat ist immer ein Betrugsversuch.
      Das sehe ich auch so. Es ist ja nicht verboten, zu zitieren, es ist halt zu kennzeichnen. Nicht mehr und nicht weniger.

      ChKöhn schrieb:

      Und ich persönlich will keinen Betrüger auf einer leitenden Position haben, weder in der Politik noch in der Kultur.
      Tja ... das lässt sich leider kaum vermeiden. Weder in Politik noch in Kultur noch in Kirche.

      Gruß
      MB

      :wink:
      " ... weil es nicht um mein Ego, sondern um die Musik geht ... " (Zitat arundo donax)
    • ChKöhn schrieb:

      "Geschädigt" sind deshalb meines Erachtens eher die Ehrlichen, außerdem natürlich der Autor der Quelle, von der abgeschrieben wurde und die gutgläubigen Leser.
      Ja, die meinte ich auch. Ich gehe mal davon aus, dass das die Ehrlichen die Mehrheit sind. Ich denke schon, dass seit der Guttenberg-Affäre die Akzeptanz akademischer Titel dramatisch gesunken ist und man sich jedes Mal so halb entschuldigen muss, wenn man erwähnt, dass man promoviert hat o.ä. Und das ist ärgerlich.
    • Echte Plagiate pflegen ja in der Regel früher oder später enttarnt zu werden. In meiner Laufbahn als Wiener Professor hat mich dabei vor allem genervt, daß gerne so lange abgeleugnet wird, bis man das Plagiat schwarz auf weiß belegt. Und manche versuchen, auch dann noch zu bagatellisieren. Das Gefährlichere sind aber die Ghostwriter, denn als Beurteilender kann man da hundertprozentig überzeugt sein, daß die Arbeit von jemand anderem geschrieben wurde, aber nachweisen kann man das natürlich normalerweise nicht. Manchmal hilft aber die Drohung, eine penible Untersuchung zu starten. Dann verschwinden doch einige Sünder plötzlich, um nie wieder aufzutauchen.
      Früher einmal war es selbstverständlich, von einem höheren Staatsangestellten eine weiße Weste zu verlangen. Ich habe es immer bedauert, daß dieses Prinzip teilweise aufgeweicht wurde. Mein Großvater - administrativer Leiter der Staatstheaterverwaltung - hat noch jeden sofort hinausgeschmissen, der Unsauberes von ihm wollte. Inzwischen muß man sich für eine solche Reaktion unter Umständen womöglich noch rechtfertigen.
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Mauerblümchen schrieb:

      ChKöhn schrieb:

      Und ich persönlich will keinen Betrüger auf einer leitenden Position haben, weder in der Politik noch in der Kultur.
      Tja ... das lässt sich leider kaum vermeiden. Weder in Politik noch in Kultur noch in Kirche.
      Ich weiß. Aber man kann es sich ja trotzdem wünschen. Und dieses weit verbreitetete, achselzuckende "Sind doch eh alle gleich" macht eben auch die Ehrlichen zu Betrügern.

      Christian