Billig, teuer oder "Preis wert": Was kosten Konzert- und Opernkarten, und was sind sie wert?

    • ChKöhn schrieb:

      in Speyer ab 18 Euro, am 30.4. in Detmold 8 Euro). Wenn also statt der Massen doch wieder mal nur 30 Zuhörer kommen, muss es wohl an mir liegen; ich bin einfach zu elitär .
      Ich glaube, Du solltest in Detmold einfach auf 7 Euro runtergehen, dann wirst Du sehen, wie die Bude gestürmt wird. Zwischen Elite und Masse entscheiden oft nur ganz kleine Centbeträge!
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • ChKöhn schrieb:

      Das teuerste Konzert meines Lebens war das mit Vladimir Horowitz 1987 in Hamburg, wenn ich mich recht erinnere 240 DM für einen Platz in der letzten Reihe im Parkett der Musikhalle.
      In jenem Konzert war ich auch, habe sogar 280 DM plus 10 % VVK-Gebühr für meine Karte etwas weiter vorn im Parkett bezahlt. Ich habe diesen Preis aber nachvollziehen können, denn Horowitz reiste mit seinem eigenen (!) Steinway an, der mit Riesenaufwand aus seinen New Yorker Appartment per Kran durch das zuvor ausgebaute Fenster gehoben und anschließend verschifft werden musste. Wie üblich, begleitete Horowitz auch sein eigener Klavierstimmer. Er hätte niemals einen Klavierstimmer des Hamburger Steinway-Hauses an seinen Flügel gelassen, sondern Franz Mohr reiste mit ihm aus New York an. Desgleichen selbstredend Wanda. Man logierte ein paar Tage luxuriös im "Vier Jahreszeiten" (wo ich übrigens nach dem Konzert auf ihn gewartet habe, ein Autogramm erbat und auch erhielt). Das hat natürlich alles Geld gekostet. Und dieses Geld wurde in wenige Einzelkonzerte gesteckt, nicht etwa in eine ausgedehnte Europatournee, bei welcher es sich schneller amortisieren würde.

      Generell finde ich die Eintrittspreise für Klassik-Konzerte halbwegs im Rahmen. Gut, 149 Euro für ein Ticket in den Blöcken A und B der Berliner Philharmonie letzten Monat für die beiden Kirill Petrenko-Konzerte waren schon ein Schluck aus der Feldflasche. Aber wer die Philharmoniker live in der Philharmonie in den Blöcken A oder B (also in der obersten Preiskategorie) sehen möchte, kann dies auch für 69 Euro bei den Konzerten von Andrés Orozco-Estrada mit dem Pianisten Leif Ove Andsnes im Mai dieses Jahres tun.

      Als geradezu unverschämt empfinde ich hingegen die Preise für Musicals (die Leute zahlen dort ohne mit der Wimper zu zucken dreistellige Summen, und dort dirigiert nicht Kirill Petrenko und es singen nicht Joyce DiDonato oder Philippe Jaroussky) und einige Pop- oder Rockkonzerte. Für Neil Diamond in der Barclay Card Arena in Hamburg wollen sie allen Ernstes 239,45 Euro für eine Karte haben. Gut, dass weder Musicals noch Neil Diamond meine Musik sind.
    • Zum Thema FFM: Ich gehe in vier Wochen in ein wirklich hochkarätig besetztes Kammerkonzert mit dem Weltklasse-Oboisten Francois Leleux und einigen Solisten des HR-Sinfonieorchesters und dem Webern-Trio Frankfurt. Eintrittspreis einheitlich: EUR 19,-- ! 8)

      Dann gibt es bei mir in der Region noch die "Seligenstädter Klosterkonzerte"; da kostet eine Karte maximal EUR 25,-- und auch dafür bekommt man dieses Jahr z.B. die Brüder Ottensamer zusammen mit dem Bayerischen Kammerorchester Bad Brückenau zu hören ... auch die Staatskapelle Dresden war hier schon öfters zu hören ....und regelmäßig kommt auch das Henschel-Quartett hierher ...

      Dann war ich schon mehrmals in kleinen Kammerkonzerten in div. Kirchen hier in der Region, entweder zum Nulltarif oder für 10 - max. 20 EUR ....

      Also nicht leistbar stimmt wirklich nicht - und elitär schon mal gar nicht ;)
      Viele Grüße - Allegro

      Musik ist, die in den Noten versteckten Töne frei werden zu lassen (nach Philmus)
    • Die Bereitschaft wie viel man für ein Konzert zahlen möchte, hat entscheidend etwas mit Präferenz zu tun. Die Musical Theater hier in Hamburg sind ständig ausverkauft, trotz der hohen Preise, weil die Leute das sehen möchten. Aber die dort verlangten Preise kann man nicht mit denen der Staatsoper vergleichen, denn die ist ein non Profit Unternehmen, wo die Verluste aus Kartenverkäufen plus Sponsoring durch öffentliche Gelder ausgeglichen werden. Insofern werden die Kartenpreise bei Klassik-Konzerten ganz allgemein (und eben besonders in Deutschland) deutlich subventioniert, sofern der Veranstalter aus dem öffentlichen Bereich kommt. Und daher ist es nicht in erster Linie der Preis, welcher die Entscheidung an diesen Konzerten teilzuhaben beeinflusst (wie auch hier schon mehrfach ausgeführt wurde), sondern die persönliche Präferenz. Wer sich nicht für klassische Musik interessiert, den können auch niedrige Preise in der Regel nicht locken.

      Man muß hingegen zur Kenntnis nehmen, dass klassische Musik ein Nischenprodukt ist, und daran ändern auch Konzertsäle wie die Elbphilharmonie nichts, denn hier entscheidet zumindest im Moment der Reiz des Neuen, und weniger die Liebe zu einer bestimmten Musikgattung. Daher ist die Bereitschaft hier hohe Eintrittspreise zu bezahlen auch eine andere als bei der alterwürdigen Musikhalle. Aber ganz entscheidenden Einfluß auf die Preisgestaltung hat das Marketing. Künstler die nicht das Glück haben, von einem Agenten oder einer Plattenfirma massiv unterstützt zu werden, müssen sich mit deutlich niedrigeren Gagen abfinden. Und dabei spielt die künstlerische Kompetenz nur eine Nebenrolle. Gerade hat die Konzertdirektion Dr. Götte ihr neues Programm bekanntgegeben. Da wimmelt es von bekannten Namen. Alles natürlich zu entsprechenden Preisen. Aber solange die Leute wegen der Namen ins Konzert gehen wird sich das nicht ändern. Das hingegen ist ja ein altes Phänomen, das die "Stars" viel wichtiger genommen werden als das Programm. Ich persönlich richte mich in aller Regel nach dem Programm und nur in wenigen Ausnahmefällen nach dem Künstler. Und wenn dann Sokolow (Christian möge mir verzeihen oder mich steinigen) Sonaten von Mozart spielt, kann mich auch sein phänomenales Klavierspiel nicht locken. Im Gegenzug gibt es allerdings auch Künstler, zu denen ich nicht mal bei einem für mich attraktiven Programm gehen würde (aber das ist eine andere Geschichte).

      Die Preisgestaltung im klassischen Sektor finde ich in aller Regel angemessen. Wenn mir die Karten in der Staatsoper zu teuer sind, dann gehe ich eben für einzelne Vorstellungen nach Lübeck oder Kiel, denn die kleineren Häuser sind wirklich im Verhältnis günstig, und bringen häufig auch sachen, welche die "großen" Häuser nicht anfassen. Als ich in Krefeld gewohnt habe, sind wir regelmäßig in die Konzerte und Opernaufführungen gegangen. Das hat uns im Schnitt (Preisniveau 2009) etwa 20 € pro Person gekostet, und das immer in der 1. oder 2. Preiskategorie. Das konnten wir durch die sog. Theatercard erreichen, wo man einmalig 60 € pro Saison zahlte und dann alle Vorstellungen (einschl. der Sinfoniekonzerte) zum halben Preis bekam. Diese Preisgestaltung dürfte bei den meisten 2 oder 3-Spartenhäusern ähnlich sein.

      Da das Klavierfestival Ruhr hier erwähnt wurde, ein Wort dazu. Ursprünglich war es als Treffen von Pianisten in unkonventioneller Atmosphäre gedacht, und das war auch in den ersten Jahren so, bei moderaten Preisen. Durch Erscheinen von Herrn Ohnesorg als Indendanten hat sich das Profil dann jedoch grundlegend geändert. Es wurden viele klingende Namen eingeladen und die Preise gingen deutlich in die Höhe. Auch die Programmgestaltung wurde stromlinienförmiger. Man kann zwar immer noch für relativ wenig Geld sehr ordentliche Konzerte besuchen, aber der "Glamourfaktor" hat sich deutlich in den Vordergrund geschoben. Das auch, um das Festival für Sponsoren attraktiver zu gestalten. Die kreuzen dann gelegentlich mit einer ganzen Firmenmannschaft auf, und legen großen Wert auf die Pausengestaltung und das "Post Concert Event" (man verzeihe mir diesen kleinen Seitenhieb, aber ich habe es selber mehrfach so erlebt).

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Eusebius schrieb:

      Als ich in Krefeld gewohnt habe, sind wir regelmäßig in die Konzerte und Opernaufführungen gegangen. Das hat uns im Schnitt (Preisniveau 2009) etwa 20 € pro Person gekostet, und das immer in der 1. oder 2. Preiskategorie. Das konnten wir durch die sog. Theatercard erreichen, wo man einmalig 60 € pro Saison zahlte und dann alle Vorstellungen (einschl. der Sinfoniekonzerte) zum halben Preis bekam.
      Ein ähnliches Kartenmodell bietet auch die Staatsoper Hamburg an. Du zahlst für die sog. OpernCard einmalig 99 € und kommst mit dieser Card 12 Monate lang in jede beliebige Opern- oder Ballettaufführung zum halben Preis herein. Und das, wenn man möchte, zu zweit (das heißt, ein Paar zahlt für die OpernCard im Grunde genommen nur 49,50 € pro Person). Überdies bekommt man das monatliche Programm per Post ins Haus geschickt. Ich zahle für meine Besuche in der Staatsoper also immer nur so um die 35 €, obwohl ich mir stets einen guten Platz aussuche (der regulär um die 70 € kostet). Meine OpernCard amortisiert sich ganz schnell.
    • music lover schrieb:

      Du zahlst für die sog. OpernCard einmalig 99 € und kommst mit dieser Card 12 Monate lang in jede beliebige Opern- oder Ballettaufführung zum halben Preis herein.
      Du wohnst auch direkt neben der Oper, und kannst mal schnell zur Kasse gehen. Leider wird die Operncard nicht für den Onlineverkauf angeboten, und dann auch nur ab 1 Woche vor der Vorstellung. Da sind aber die interessanten Karten fast immer schon weg (bei Ballettvorstellungen ohnehin). Die Card ist also nur für Last Minute Käufer interressant. Hab ich natürlich alles schon eruiert :thumbsup:

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Symbol schrieb:

      Mal ein anderes Beispiel, das sich auf eine andere Kunstform bezieht. Unser (öffentlich gefördertes) örtliches Programmkino verlangt etwa 6,50 € für eine Karte. In Multiplex-Kinos bezahlt man gerne auch mal bis zu 15 € pro Karte, bei Filmen mit Überlänge manchmal sogar noch mehr. Guess what: das Programmkino ist leer, die Multiplex-Kinos sind (relativ) voll - weil sie halt Mainstream-Filme zeigen. Das halb so teure Programmkino gilt als "elitär" (weshalb die öffentliche Förderung nunmehr infrage gestellt wird), das Multiplex-Kino als Hort der Populärkultur für den Normalverbraucher. Ein Zusammenhang zum Preisniveau existiert dabei nicht.
      Das Wiener Filmmuseum soll das am besten ausgelastete Kino der Stadt sein, offenbar gibt es in Wien mehr Cineasten.
      :D
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    • putto schrieb:

      Symbol schrieb:

      Mal ein anderes Beispiel, das sich auf eine andere Kunstform bezieht. Unser (öffentlich gefördertes) örtliches Programmkino verlangt etwa 6,50 € für eine Karte. In Multiplex-Kinos bezahlt man gerne auch mal bis zu 15 € pro Karte, bei Filmen mit Überlänge manchmal sogar noch mehr. Guess what: das Programmkino ist leer, die Multiplex-Kinos sind (relativ) voll - weil sie halt Mainstream-Filme zeigen. Das halb so teure Programmkino gilt als "elitär" (weshalb die öffentliche Förderung nunmehr infrage gestellt wird), das Multiplex-Kino als Hort der Populärkultur für den Normalverbraucher. Ein Zusammenhang zum Preisniveau existiert dabei nicht.
      Das Wiener Filmmuseum soll das am besten ausgelastete Kino der Stadt sein, offenbar gibt es in Wien mehr Cineasten.
      :D

      Na ja, 15 Plätze sind freilich auch leichter vollzukriegen als 1.500. Will sagen: Auslastungszahlen (in Prozent) sagen nix aus, solange man sie nicht in Relation zu den absolut verfügbare Plätzen/Vorstellung betrachtet... ;)

      Beste Grüße,
      Ralph
      »Toren wir, auf Lind'rung da zu hoffen, wo einzig Heilung lindert!« (Gurnemanz)