Otmar Suitner- Ein Österreicher in der ehemaligen DDR

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    • Otmar Suitner- Ein Österreicher in der ehemaligen DDR

      Ich möchte heute einmal eine Lanze für den vielleicht immer noch sehr unterschätzten Dirigenten Otmar Suitner einen eigenen Thread eröffnen. Er hat mir die letzten Monate mit seinen Dirigaten von Dvorak, Brahms und nun Schumann gezeigt, dass er vielleicht doch im Schatten bekannterer Kollegen gestanden hat. Vielleicht auch, weil er hinter dem "Eisernen Vorhang" aktiv war.

      Geboren am 16.Mai 1922 in Innsbruck/Tirol, verstarb er am 08.01.2010 in Berlin. Zunächste noch bei Fritz Weidlich in Innsbruck, von 1940 - 1942 dann am Mozarteum in Salzbrug ebenfalls Klavier bei Franz Ledwinka und dirigieren bei keinem Geringeren als Clemens Krauss. 1942-1944 war er Ballettrepetitor mit Dirigierverpflichtung am Tiroler Landestheater Innsbruck, anschließend war er vor allem als Pianist aktiv gewesen, bevor er 1952 als Musikdirektor nach Remscheid ging.

      1957 wurde er GMD des damaligen "Pfalzorchesters" , der heutigen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. Dort blieb er bis 1960, gastierte mit dem Orchester viel im Ausland und begleitete auch Maria Callas.

      1960 kam dann der große Umzug nach Ost-Deutschland. Er wurde 1960 bei der berühmten Staatskapelle Dresden Chefdirigent. Dort blieb er bis 1964, war aber auch später oft dort zu Gast und machte Aufnahmen mit dem Orchester.

      Von 1964 - 1971 und erneut 1974 - 1991 war er GMD der Deutschen Staatsoper Berlin (Ost). Dieses Orchester wurde durch ihn zu eines der besten Opern und Konzertorchester in Berlin, einem Ruf, auf dem sein Nachfolger Daniel Barenboim noch heute aufrecht erhält. Als Suitner 1964 zur Staatskapelle kam, fand er nur noch ca. 35 % der Mitglieder vor, der Rest war in den Westen geflohen. Er musste also von vorne anfangen und das Orchester neu aufbauen.

      1964-1967 dirigierte er auch regelmäßig in Bayreuth (Fliegender Holländer, Tannhäuser und den "Ring"), gab aber auch Gastspiele in Schweden, Italien, Schweiz, USA, Japan, Süd-Amerika und Österreich.
      In West-Deutschland gastierte er im Grunde überhaupt nicht, es sei denn, er wurde eingeladen mit seinem Berliner Orchester. Das hatte wohl vor allem politische Gründe, weil man ihm seinen Wohnort in Ostdeutschland verübelte.

      In Japan war er mit dem NHK-Symphonieorchester Tokio eng verbunden.

      Von 1977-1990 war Suitner auch als Professor an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien. Weiterhin war er dem Komponisten Paul Dessau eng verbunden, dessen Werke er teilweise uraufgeführt hat (so seine Opern Puntila, Einstein und Leonce und Lena in Berlin).

      Gesundheitlich begann es für ihn ab den 1980-er Jahren bergab zu gehen, und 1990 musste er das Dirigieren aufgeben auf Grund seiner Erkrankung (Parkinson).

      Sein Privatleben war alles andere als bieder. So hatte er eine Ehefrau im Osten und eine Geliebte Im Westen. Da er österreichischer Staatsbürger war, konnte er ohne Einschränkungen reisen.Eine damals sicher ungewöhnliche Situation.

      Er wurde in der DDR mit dem Nationalpreis für Kunst und Kultur der DDR ausgezeichnet (1963 II.Klasse, 1982 dann I.Klasse), 1973 con Papst Paul VI. den Gregoriusorden und 2004 den Tiroler Landespreis für Kunst.

      Seine Art des Dirigierens und auch des Auftretens erinnert ich ein wenig an Günter Wand: Klares, effektives Dirigat, seine Person nie über die des Künstlers und der Werke stellend, gewissenhaftes, gründliches Arbeiten am Werk und mit dem Orchester waren ihm wichtiger als Erfolg und Selbstdarstellung.

      Sutiner galt vor allem im romantischen und spätromantischen Repertoire als exzellenter Dirigent. Seine Einspielungen diverser Werke von Richard Wagner, Richard Strauss, Anton Bruckner, Gustav Mahler oder auch Robert Schumann, Georges Bizet und Carl Maria von Weber sind auch heute noch absolut hörenswert. Ebenso sein exzellenter Dvorak-Zyklus der Sinfonien und Sinfonien von Brahms.

      Er verstarb schließlich 2010 und wurde auf dem Berliner Friedhof der Dorotheenstädtischen Friedrichswerderschen Gemeinde begraben.

      Wer zu ihm was lesen möchte, dem sei dieses Buch empfohlen:

      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Als CD-Empfehlungen würde ich diese mal nennen:



      Seine Mozart-Einspielungen kenne ich nicht. Sollte dazu jemand etwas beitragen können, oder auch zu seinen Opern-Einspielungen nur zu. Das ist nicht so meine Sache, da halte ich mich besser heraus.

      Manchmal bekommt man auch andere Boxen günstig, so wie ich mal bei JPC eine mit den GE der Dvorak & Brahms-Sinfonien. Einfach mal umschauen, manchmal hat man Glück und findet was im Netz.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Maurice schrieb:

      Manchmal bekommt man auch andere Boxen günstig
      ..so wie diese hier



      Die habe ich mal vor längerer Zeit erworben. Sie bietet einen sehr guten Querschnitt durch Suitners Repertoire, mit teilweise großartigen Aufnahmen (z.B. Ballettsuite op.130 von Reger). Ich habe bestimmt noch nicht alles gehört, und muß das mal bei Gelegenheit nachholen.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Bei amazon ist Suitner mit knapp 440 Artikeln recht groß aufgestellt, wobei natürlich Vieles doppelt und dreifach gelistet ist - für Eterna entstand in den 1960er bis 1990er Jahren so viel, was später von Berlin Classics immer wieder neu aufgelegt wurde. Ich selber habe nur wenig von ihm, aber...


      Ich habe Bruckners 7. mit ihm (rec. Januar 1989), die ich zu den besseren Einspielungen zähle, die ich kenne (siehe hier). Eine sehr überzeugende Lesart, wie ich finde... :thumbsup:




      Diese Aufnahmen aus den 1960er Jahren umfassen Szenen aus fünf Wagner-Opern und aus zwei Opern von Richard Strauss. Theo Adam steht dabei im Vordergrund, aber Suitner dirigiert durchgängig die beiden Staatskapellen Berlin und Dresden.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Josquin Dufay schrieb:

      Ich habe Bruckners 7. mit ihm (rec. Januar 1989), die ich zu den besseren Einspielungen zähle, die ich kenne (siehe hier). Eine sehr überzeugende Lesart, wie ich finde...
      Ich habe diese Aufnahme gerade die Tage erworben und bereits angehört. Ich finde sie rundherum gelungen. Auf die Vierte warte ich noch, die hatte man mir leider falsch gesendet (dafür kam die Fünfte, die mir hin und wieder zu schnell geraten ist)

      Danke, dass Du was Neues hast beitragen können.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • In jeder Hinsicht gelungen: Suitners schnörkelloser, geradliniger, im besten Sinne "No-nonsense"-Mahler:




      Daneben gefällt mir die unter seiner Leitung entstandene Aufnahme von Brucker 1 und 8,



      von Pfitzners "Palestrina"



      sowie dieses Wagner-Recital mit Kollo an einem seiner vielleicht besten Tage:



      Für genauere Eindrücke müsste ich sie alle mal wieder hören.

      :wink: Agravain

      Ich habe das schon oft bemerkt; die Leute von Profession wissen oft das Beste nicht.
      Georg Christoph Lichtenberg

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    • Ich habe mir die Tage seine Bruckner-Einspielungen der 4., 5.. und 7. Sinfonie angehört. Man mag hin und wieder an Kleinigkeiten kritisieren können, aber mir haben die Einspielungen gut gefallen.

      Seine Mahler-Einspielungen habe ich nicht, doch da waren die Kritiken geteilt gewesen. Mal schauen, ob ich mir da mal was zulege von Im Moment ist da nichts geplant von meiner Seite aus.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Hallo zusammen,

      ich möchte auch noch von einem Konzerterlebnis (Herbst 1988 muss es gewesen sein) in Hannover erzählen: Otmar Suitner, der mir von einem Freund empfohlen worden war, der in den 1980'er Jahren in Dresden an der Musikhochschule (studierend und dann auch mit ersten Lehrtätigkeiten) tätig war, trat damals beim Niedersächschen Staatsorchester auf, leitete Brahms op. 77 (mit Frank-Peter Zimmermann??) vor und op. 68 nach der Pause. Ich war außerordentlich angetan von dieser Aufführung, die eine gelungene, völlig uneitle, aber umso präzisere Lesart beider vielgespielter Stücke bot.

      Erst Jahre später habe ich Günter Wand in Köln mit ähnlichem Repertoire live gehört, in vielerlei Hinsicht finde ich ihren Musizieransatz für Brahms ähnlich: erdiger, tief verwurzelter Klang, keinerlei Mätzchen, auf stimmige-große Bögen hin, kapellmeisterlich-klug disponiert, und mit viel Verve vom Orchester abgeliefert. Ich war sehr angetan ...

      Gruß Benno
    • Giovanni di Tolon schrieb:

      Erst Jahre später habe ich Günter Wand in Köln mit ähnlichem Repertoire live gehört, in vielerlei Hinsicht finde ich ihren Musizieransatz für Brahms ähnlich: erdiger, tief verwurzelter Klang, keinerlei Mätzchen, auf stimmige-große Bögen hin, kapellmeisterlich-klug disponiert, und mit viel Verve vom Orchester abgeliefert. Ich war sehr angetan ...
      Das habe ich ähnlich auch weiter Oben geschrieben, da sind wir einer Meinung. Beide haben eine zumindest ähnliche Auffassung von der Musik, aber auch vom Auftreten her. Es freut mich sehr, dass Du noch das Glück hattest, ihn live zu erleben. Danke, dass Du davon berichtet hast.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Lieber Maurice,

      nimm mir das bitte nicht krumm: als "Ossi" erlebte ich erste Bekanntschaften mit manchen Werken zunächst in Suitners Lesart, vor allem Mozart und Dvorak.

      Bis heute kann ich nicht leugnen, dass Suitner und Mozart mir für's Leben Steine in den Weg legte, für immer bin ich uneins.
      So glatt und schön, dass selbst Karl Böhm sich im Grabe rumdrehen müsste....nix für mich.
      Aller Kontrapunkt Mozart eingeebnet in einen stromlinienförmigen Klang,. der freilich anderen Gewichtungen folgt als denen Karajans.. was mir geblieben ist, ist Politur.
      Bruckners Musik ebenso angehend: auf Schönheit aus, nie auf's Aufzeigen von Brüchen. Warum also nichtmal auf Bongartz z.B. oder Herbig oder Rögner ...Kegel, Konwitschny....eine Beobachtung anlegen?

      Ein wenig tut es mir wirklich leid: Suitner hat mich beinahe davon abgebracht, mich näher mit Musik zu befassen.
      Vor einer kurzen Weile habe ich seinen Dvorak versucht- aber wieder nur Glätte gefunden und Schmeichelei.

      Mag sein, dass ich sehr ungerecht bin- aber kann nicht anders, als zwei Jahrzehnte meines Lebens im Musikhören so zu formulieren.
      Fast vergeudet, was weniger belastend wäre, viel mehr geradezu verstellt- siehe Mozart.

      Fast dauert es mich, hier so missfallend zu schreiben- doch scheint es wichtig im Zusammenhang des Musikerlebens eines "Ossis".

      Herzliche Grüße,
      Mike
      "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire
    • Hempel schrieb:

      Bis heute kann ich nicht leugnen, dass Suitner und Mozart mir für's Leben Steine in den Weg legte, für immer bin ich uneins.
      So glatt und schön, dass selbst Karl Böhm sich im Grabe rumdrehen müsste....nix für mich.
      Ich kann mit Mozart überhaupt nichts anfangen, egal ob Böhm, Harnoncourt, ter Linden......Also, hier die Schuld einem Dirigenten zuzuschieben finde ich viel zu einfach. Es ist nicht meine Musik, und damit kann ich für mich wunderbar leben.


      Hempel schrieb:

      Bruckners Musik ebenso angehend: auf Schönheit aus, nie auf's Aufzeigen von Brüchen.
      Nun, ich kann hier nur nach den drei Einspielungen urteilen, und an denen finde ICH wenig zu kritisieren. Auch hier gibt es unterschiedliche Ansichten, dagegen ist auch nichts auszusetzen.


      Hempel schrieb:

      Ein wenig tut es mir wirklich leid: Suitner hat mich beinahe davon abgebracht, mich näher mit Musik zu befassen.
      So langsam wird es doch albern. Ich komme nicht aus dem Osten, und bevor ich überhaupt einmal in einem Konzert war, in dem nur Klassik gespielt worden ist, hatte ich schon viel gehört, bzw.war auch schon in einem Alter, in dem ich selbst lange Musik gemacht habe. Als ich das erste Mal Bruckner (Jochums DG-Einspielungen) oder Mahler (Kubelik) gehört hatte, war ich völlig überfordert damit. Ich habe einfach Null verstanden. Sowas passiert, aber es lag bestimmt NICHT an den beiden Dirigenten.

      Deshalb aber aufzuhören mich mit Musik auseinander zu setzen wäre mir nie in den Sinn bekommen. Sorry, aber da verstehe ich Dich noch viel weniger.


      Hempel schrieb:

      Mag sein, dass ich sehr ungerecht bin- aber kann nicht anders, als zwei Jahrzehnte meines Lebens im Musikhören so zu formulieren.
      Fast vergeudet, was weniger belastend wäre, viel mehr geradezu verstellt- siehe Mozart.
      Du bist nur ungerecht, sondern mir zu pauschal aburteilend. Du suchst die "Schuld" beim Dirigenten, aber nich mal im Ansatz bei Dir.


      Hempel schrieb:

      Vor einer kurzen Weile habe ich seinen Dvorak versucht- aber wieder nur Glätte gefunden und Schmeichelei.
      Du hast wohl schon Aversionen, wenn Du nur den Namen Suitner hörst oder liest. Dann lasse es einfach sein, auch finde ich es nicht schlimm, wenn jemand mit einem Dirigenten, Komponisten oder Solisten nicht zurecht kommt. Ich habe auch solche Leute, die meide ich einfach.


      Hempel schrieb:

      Warum also nichtmal auf Bongartz z.B. oder Herbig oder Rögner ...Kegel, Konwitschny....eine Beobachtung anlegen?
      Warum hast DU das nicht getan? Du gibst alle Schuld Suitner, doh ich gehe davon aus, dass Du dann diese Dirigenten gehört hast. Masur scheinst Du auch nicht zu mögen, sehe ich das richtig? Du erwähnst ihn zumindest nicht.

      Ich mache Dir keinen Vorwurf, wenn Du scheibst, Du kommst mit Suitner nicht klar. Offenbar hast Du dann Dirigenten erlebt, die Dir besser lagen, ist doch ok. Ich halte Herbert Kegel seit Jahren für unterschätzt, man sollte auch Rudolf Kempe gerne moch einmal erwähnen, der ja auch aus dem Osten kam.

      Rögner und Bongartz kenne ich zu wenig, sehe es aber auch nicht so tragisch. Man kann immer nur der Reihe nach gehen.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Hempel schrieb:

      Suitner hat mich beinahe davon abgebracht, mich näher mit Musik zu befassen.
      Danke, Dein Beitrag war recht erhellend für mich und hat mein Unbehagen gut beschrieben
      So schlimm war es bei mir nicht, aber dieses Glatte bei Suitner stört doch oft. Bei Mahler mag noch angehen, weil ja das "mit Bedeutung aufpumpen" (Tennstedt) bei Mahler Masche war/ist, da kamen entfettete Interpretation gerade recht.
      Aber heute sind sie doch auch recht belanglos. Suitners Mozart finde ich übrigens noch langweiliger als den von Krips und das will schon was heißen.
      Gut, dass man im Osten Berlins noch Sanderling hatte.
      Gruß aus Kiel
      Guter Wein, mäßig genossen, ist auch in großen Mengen nicht schädlich.
    • Hempel schrieb:

      Ein wenig tut es mir wirklich leid: Suitner hat mich beinahe davon abgebracht, mich näher mit Musik zu befassen.
      Ach, wie bedauerlich... ape3

      Ich denke nicht, daß Suitner komplett für die Tonne ist - ihm liegt wohl bestimmtes Repertoire bzw. bestimmte Komponisten nicht sonderlich, aber anderes konnte er ganz bestimmt. Kann man auch von Herbig, Masur, Kegel, Konwitschny, Rögner sagen. Ist kein Beinbruch. Muß aber nicht gleich in einen ideologischen Krampf ausarten.

      :schnaps1:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Lieber Maurice,

      nun hast Du ja Deine Meinung gesagt - wie ich die meine. Allerdings lag es bei mir nicht am Komponisten, denn der Bruckner Bongartz' hat schon damals bei mir Eindruck hinterlassen- auch wenn ich nix verstanden habe.
      Wie Blomstedts Schubert aus Dresden mich ansprach, der Suitners eben nicht.

      Meinen Zugang zu Mozart hat mir viel später Brüggen eröffnet, den zu Haydns Symphonik ebenso. Bei dessen Quartetten allerdings war es bereits die alte Tatrai- Aufnahme, die heute kaum noch von Bedeutung scheint.

      Ja, es tut mir leid, dass ich mich so negativ zu Suitner geäußert habe- und finde doch, dass auch das sein darf und nichts daran ändert, dass andere das anders sehen. Sollen und "dürfen" ohne sich persönlich gemeint zu fühlen, nicht wahr?

      Und ein "Unbehagen" wie Doc Stänker es formuliert, habe ja nicht nur ich.
      Allerdings scheue ich weitere Auseinandersetzungen nicht und höre alle paar Jahre mal wieder in solch ungeliebte Aufnahmen hinein. Um meine Meinung zu revidieren oder zu bestätigen, möglichst ohne Vorurteile.

      Eine andere Aufnahme hat mich auch lange "krank" zurückgelassen, die der Mozart- Konzerte mit Annerose Schmidt und Masur.
      Das soll es geben- und darf es geben! Dabei hing ich als Kind am Radio, wenn jeden Sonntag ein, zwei der Aufnahmen gesendet wurden!
      Interesse mag mir absprechen, der selbstbezogen ist.
      Mein Musikbild habe ich mir erschaffen aus den damaligen Möglichkeiten- und den vielen neuen nach der "Wende", denn plötzlich lag da eine Welt offen, in der es galt, sich zurechtzufinden.
      Besonders das Bild der Barockmusik hat sich massiv gewandelt, noch spezieller: das Bach- Bild.
      Was mit sich brachte, so manche Aufnahme relativiert zu finden, andere aber immer noch überzeugend.
      Wie Rotzsch mit Bach.....wenn ich das nicht mehr sagen darf, dann habe ich hier nix verloren. So wie jeder doch sagen darf, was wer mag- oder auch nicht.
      Beides sollte nebeneinanderstehen, es erweitert den Horizont bei allen Beteiligten.

      Herzliche Grüße,
      Mike
      "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire
    • Hempel schrieb:

      Ja, es tut mir leid, dass ich mich so negativ zu Suitner geäußert habe- und finde doch, dass auch das sein darf und nichts daran ändert, dass andere das anders sehen. Sollen und "dürfen" ohne sich persönlich gemeint zu fühlen, nicht wahr?
      Lieber Hempel, es selbstverständlich darfst Du Deine Meinung sagen, daran gibts doch auch nichts zu diskutieren. Doch so wie Du Dich geäußert hast, kommt es mir sehr einseitig vor. Du scheinst in Berlin oder in der Ecke gelebt zu haben, und gerade dort war auch zu DDR-Zeiten nicht nur ein Herr Suitner präsent gewesen. So gab es das Rundunk-SO Berlin, dann Kurt Sanderling mit dem Berliner Sinfonie-Orchester (eine sehr glückliche Kombination, ohne Frage) und in Brandenburg und Frankfurt/Oder waren ebenso Orchester zugegegen.

      Durch diese Auswahl an Möglichkeiten kann mir niemand erzählen, dass man durch EINEN Dirigenten einen Komponisten "ruiniert" habe. Das ist doch, bei allem Respekt, Schmarrn.


      Hempel schrieb:

      wenn ich das nicht mehr sagen darf, dann habe ich hier nix verloren. So wie jeder doch sagen darf, was wer mag- oder auch nicht.
      Das halte ich nun für eine ziemliche Trotz-Bemerkung. Meine Antwort dazu habe ich Dir ja Oben gegeben.

      Du magst Suitner nicht, dagegen würde ich nie was sagen, Deine Argumentation und Geschichte dazu finde ich allerdings für mich nicht wirklich nachvollziehbar.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Lieber Maurice,

      mag vielleicht etwas schwierig nachzuvollziehen sein: aber Mozart- Sinfonien auf LP gab es in der DDR tatsächlich beinahe ausschließlich die Aufnahmen Suitners.
      Zumindest in den Jahren, in denen ich begann, Musik zu hören, Anfang der 70er.
      Eine Rarität war- und eine der wenigen Alternativen- Böhms Philips- Aufnahme mit 39 und 41(?), die 39 ohne Klarinetten, daran erinnere ich mich noch, und daran, dass die Eterna- LP stereophonisiert war.
      Erst in den 80ern wurde die Auswahl etwas größer, Colin Davis kam hinzu, auch Harnoncourt mit den Serenadenaufnahmen aus Dresden.
      Bis dahin blieb nur Suitner.
      Sanderling hat keinen Mozart aufgenommen und Konzertbesuche als Kind mit einer Mutter, die einen eh für zu blöd hielt für Musik und selbst kein Interesse hatte?

      Bitte urteile nicht über Plattenmärkte, die Du nicht kennst- und nicht über Biographien ;) .
      Herzliche Grüße,
      Mike
      "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire
    • Hempel schrieb:

      Bitte urteile nicht über Plattenmärkte, die Du nicht kennst- und nicht über Biographien
      Ich urteile völlig wertneutral, also bitte keine Unterstellungen. Und ich meine das nicht böse jetzt. Wenn es so war, kann ich es auch nicht ändern. Ich habe nur Alternativen aufgezeigt, nicht mehr und nicht weniger.

      Ich kenne auch nicht das Angebot von damals im Westen. Ob das so viel kleiner oder größer war, weiß ich wirklich nicht. Es wurde ja auch in der damaligen Tschechoslowakei, Ungarn, Polen und natürlich der UDSSR aufgenommen. Was davon dann in der DDR erhältlich war oder gar nur im Westen, Du keine Ahnung.

      Mir ist das trotzdem zu plakativ. Sorry, denn ich möchte Dich damit nicht angreifen, aber Du hast ja auch entsprechend streng Dich über Suitner ausgelassen.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Lieber Maurice,

      Deine Äußerungen nahm ich ja auch nicht persönlich- Du meine auch nicht und wir sahen wohl jeweils keine Unterstellungen.
      Allerdings würde es jetzt wohl den Rahmen des Threads sprengen, über den LP- Markt in der DDR zu schreiben?

      Denn natürlich wurde auch in anderen Ländern des "Warschauer Pakts" aufgenommen- nur an diese Aufnahmen heranzukommen, war so einfach nicht.
      Die standen nicht einfach im Regal im Geschäft. Oft genug bin ich nach Berlin gefahren, als Kind schon und ohne Wissen meiner Mutter und habe die dortigen Läden aufgesucht, die von den Kultusministerien Ungarns etc. getragen wurden, um Hungaroton- LPs zu kaufen. Oder eben Supraphon, Melodiya- LPs zu bekommen, war eigentlich nur antiquarisch möglich, "Polskye Nagrania" gab es nur in Leipzig.

      Wenn's Dir zu plakativ ist, dann kann ich's halt nicht ändern, so war's halt damals.
      Persönlich habe ich mir Abhilfe verschafft mittels eines Tonbandgerätes und wie ein Blöder SFB 3 aufgenommen und RIAS 2, war also nicht zurückgeworfen auf den Plattenmarkt in den Läden.
      Trotzdem hat Suitner großen Einfluss auf mich gehabt- es waren schlicht fast die einzigen Mozartaufnahmen, die man kaufen konnte.
      Im Rundfunk, also dem westdeutschen, wurde damals erstaunlich wenig Mozart gespielt. Eher verdanke ich dem Medium erste Erfahrungen mit Rameau, Zelenka, Monteverdi oder auch Rihm und Boulez.
      Im ostdeutschen Rundfunk lief im Grunde nur das, was auf LPs erhältlich war, also wieder Suitner und Annerose Schmidt.

      Um mal die Alternativen aufzuzeigen, die faktisch möglich waren.
      Brüggen z.B. begegnete mir auch zuerst im Radio mit seinem Mozart. Bei der NVA, vor früh sieben Uhr, danach waren Störsender aktiv und es hat Jahre gedauert, bis ich den letzten Satz von KV 466 in der Aufnahme hören konnte.
      Woraus sich letztlich ja sogar eine Freundschaft entwickelte, die zum Manager des Orchesters bis heute anhält.

      Nee Du, Nostalgiker, die DDR betreffend, bin ich wirklich nicht.
      Was heute Schwemme ist, war damals Rarität und nur unter widrigen Umständen zu hören. Suitner aber "lauerte" überall- und hat mich wirklich nie überzeugt.
      Wie gesagt: alle paar Jahre unternehme ich Anläufe, ungeliebte Aufnahmen wiederzuhören- manchmal erlebe ich sehr positive Überraschungen. In seinem Falle allerdings eben nicht, das bleibt einfach dieses Unbeteiligte, dieses seltsame "Abarbeiten der Noten".
      Selbst der Dokumentarfilm seines Sohnes konnte ihn mir nicht näherbringen- womit ich, Achtung: Ironie, mit dem Sohn etwas gemeinsam habe.
      Ein sehr sehenswerter Film übigens!

      Will aber auch sagen: meine Ablehnung ist nicht so ausschließlich oberflächlich, sondern rührt aus intensiver Beschäftigung- aber daran zweifelst Du ja nicht.
      Herzliche Grüße,
      Mike
      "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire
    • Mauerblümchen schrieb:

      Eben. Vielleicht ist ja - horribile dictu - die Zahl der Menschen, denen er einen Weg zu Mozart gebahnt hat, viel größer ...
      Vielleicht. Vielleicht derer, die Mozart für immer hassen, aber nicht darüber schreiben, ebenso?
      Wer weiß das schon; ich nicht.

      Herzliche Grüße,
      Mike
      "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire