Jeden Tag ein Streichquartett

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    • Mit Weinberg mache ich heute spätnachts auch weiter, eine wirklich interessante Entdeckungsreise ist das, fürwahr! :top:

      Gestern noch:



      Heitor Villa-Lobos: 11. Streichquartett (1948)
      Cuarteto Latinoamericano

      1948 entstand das 11. Streichquartett von Heitor Villa-Lobos. Erst 1953 wurde es uraufgeführt. Es dauert beim Cuarteto Latinoamericano ca. 28 Minuten, und diesmal findet sich das Scherzo als 2. Satz.

      Persönlicher Höreindruck:

      Sehr bestimmte, teilweise harmonisch schräge Musik bringt der 1. Satz (Allegro non troppo). Energisch gibt sich der 2. Satz (Scherzo, vivace), großteils rhythmisch reizvoll durchpulst. Das verinnerlichte Adagio des 3. Satzes verströmt ganz große Ernsthaftigkeit. Und der aufgeweckte 4. Satz (Poco andantino (quasi allegro)) wird wieder rhythmisch durchpulst, behält dabei aber auch einen eher ernsten, das Geflecht kunstvoll verwebenden Grundton.

      Villa-Lobos versucht so wie ich es höre mit jedem Streichquartett, etwas ganz Eigenständiges zu schaffen, sich nicht zu wiederholen, da stellt sich von Werk zu Werk ein wirklich ambitionierter Streichquartett-Komponist vor.

      Die Aufnahme des Cuarteto Latinoamericano (gehört aus der 6 CD Box Brilliant 6634) entstand so wie einige andere Aufnahmen auch 1998 oder 2000 im Sala Blas Galindo of the Central Nacional de las Artes in Mexico City.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Das London String Quartet (1908 - 1952) war so etwas wie der statusmäßige Vorgänger des Griller Quartets . Und wie letzteres hatten sie eine Beziehung zu den Werken von Ernest Bloch . 1950 spielten sie in der Library of Congress fünf Stücke für Streichquartett : Prelude , die 3 Teile von Paysage , und den Rustic Dance aus In The Mountains . Leider nicht mehr . Aber zumindestens in diesen 5 Stücken eine Alternative zu der mich überzeugenden Einspielung des Galatea Quartets .( Das Pro Arte Quartet ist nicht mein Geschmack . Bei den Quartetten höre ich lieber das Griller bzw. .Fine Arts Quartet -No.5-, und bei den kleinen Werken eben das Galatea Quartet ). Apropos LSQ : : auch ihr Dohnanyi & Toch ist hörenswert .

      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang "
    • Heute nachmittag und abend sogar drei Quartette plus Füller:



      Hatte dieses Set bei einer Bestellung vor ein paar Wochen noch zurückgestellt, beim Portofrei-WE vor ein paar Tagen ist es dann doch im Warenkorb gelandet. Gefällt mir ziemlich gut. Habe zwar noch nicht direkt mit Borodin (BMG/Melodiya 1970er) verglichen (nur vom dritten Quartett besitze ich noch weitere Einspielungen), aber es ist jedenfalls keine überschlanke, vibratofreie, drahtige Interpretation, wenn auch vielleicht etwas nüchterner als manche mit "russischer Sääle". Die Werke selbst verdienten vielleicht etwas mehr Beachtung, auch wenn einige Sätze Längen aufweisen und die Stärken Tschaikowskys wie auch sonst meist bei stimmungsvollen melodischen Stücken liegen (oft den langsamen Sätzen).

      Für 5,99 wirklich geschenkt, jetzt sind es bei jpc wieder 14,99, was aber sicher immer noch o.k. für 2 CDs ist.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Gestern noch gehört, aus Zeitgründen erst jetzt das Posting:



      Ein ganz starker erster Höreindruck: Mieczysław Weinbergs Streichquartett Nr. 3 op. 14 d-Moll, entstanden 1944 – mein Eindruck: das fesselt total, man hört gebannt diese eindringliche Musik.
      Die drei Sätze des Werks gehen direkt ineinander über, 20 Minuten 42 Sekunden aufregende bis verblüffende Streichquartettmusik des 20. Jahrhunderts, packend gespielt vom Quatuor Danel.
      1.Satz Presto attacca, ein aufregender, energischer Beginn, aber bald ein verblüffend kontrastiver Wechsel in eine Ruhephase, so abwechslungsreich, großteils aber weiter aufregend, geht es weiter, Musik unter Hochspannung.
      2.Satz, Andante sostenuto attacca, auch im Lyrischen eine vehement entschlossene Musik, deklamatorisch eindringlich.
      3.Satz Allegretto, erneut verblüffend, eine forciert heitere Idylle tut sich da auf.
      1987 hat Weinberg dieses Quartett zu seiner 2. Kammersymphonie für Streicher op. 147 umgearbeitet.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Gestern noch:



      Das 2008 in der Villa Serpentana in Olevano Romano (Italien) komponierte, knapp 15 Minuten lange Streichquartett des 1958 in München geborenen Komponisten Michael Hirsch ersteht aus Pizzicato-Tropfen, die sich dann weiter wie ein roter Faden durch das Werk ziehen. Es gibt im weitgehend freitonalen Geschehen dann auch Zuspitzungen, Verdichtungen, Fluktuationen aus der Stille, wie überhaupt die Stille, die Pausen als wesentliches Element den Fortlauf bestimmen. Passagenweise mag sich Mysteriöses, Unheimliches assoziieren lassen. Hirsch verweist in seinem Booklet-Einführungstext darauf, musikalische Elemente aus dem Streichquartett in seiner ebenfalls 2008 komponierten Tragicomedia weiter verwertet zu haben. Das Sonar Quartett, 2006 in Berlin gegründet und spezialisiert auf Musik des 21. Jahrhunderts, spielte das Werk live beim Ultraschall-Festival in Berlin 2011, der Deutschlandradio-Mitschnitt wurde auf der CD Wergo WER 6752 2 veröffentlicht.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Gestern noch:



      Heitor Villa-Lobos: 12. Streichquartett (1950)
      Cuarteto Latinoamericano

      Das 12. Streichquartett von Heitor Villa-Lobos dauert beim Cuarteto Latinoamericano ca. 22 ½ Minuten. Es entstand 1950 in New York und wurde 1951 uraufgeführt. Besonders den 2. Satz finde ich hier bemerkenswert, herausragend, zum Jederzeitwiederhören zu notieren.

      Persönliche Höreindrücke:
      1.Satz (Allegro): Neoklassizistisch streng, im Mittelteil grüblerisch.
      2.Satz (Andante malinconico): Im Lyrischen melodisch reizvoll ausschwingend, da entfaltet sich ein ganz eigener südlicher, sommerlich erhitzter Zauber; im Mittelteil heiter kontrapunktisch – das ist wohl einer der inspiriertesten und schönsten langsamen Streichquartettsätze von Villa-Lobos.
      3.Satz (Allegro leggiero): Beginnt überraschend und gibt sich auch weiter tlw. ironisch, karikaturenhaft, schelmisch, zieht heiter musikantisch vorbei.
      4.Satz (Allegro benritmato): Ein virtuoses und kontrapunktisch ambitioniertes Finale.

      Die Aufnahme des Cuarteto Latinoamericano, gehört aus der 6 CD Box Brilliant 6634, entstand wie einige andere Quartette dieser Gesamtaufnahme 1998 oder 2000 im Sala Blas Galindo of the Central Nacional de las Artes in Mexico City.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Alexanders engagiertes kleines (und hiermit als systematisch unterstelltes ... ;) ) Hörprojekt bereitet mir Freude, habe ich doch vor Jahren die Quartette des Brasilianers in obiger Integrale (als Konkurrenten käme höchstens noch das Danubius-Quartett in Frage) ebenso schön der Reihe nach gehört und ein wenig für mich verarbeitet. Dank also an den Herrn K.!

      Die einzelnen CDs tendieren dazu, drei (oder zwei) Werke aus im Allgemeinen unterschiedlichen Schaffensperioden zu kombinieren. Könnte es sein, dass man auch drei Schaffensperioden beim Meister unterscheiden kann - oder erscheint dies angesichts des (positiv betrachtet) sehr markanten und (eher negativ betrachtet) sehr reichhaltigen und repetitiven Personalstils problematisch?

      Ich bin gewiss ein Liebhaber seiner Musik - was auch hier im Forum nicht nur auf Gegenliebe gestoßen ist -, sehe aber auch schon solche Gefahr ( :P ).

      Villa-Lobos hat wie die Streichquartette auch die Sinfonien über sein ganzes Leben verteilt, aber er war kein genuiner Sinfoniker im formalen Sinn. Die berühmten Choros wiederum gehören in die 1920er Jahre, die noch berühmteren Bachianas entstanden ebenso tendenziell am Stück zwanzig Jahre später.

      Längst bin ich überzeugt, dass das Streichquartett als zu bändigende Standardform auch einen Sprudel-Kreator wie den Brasilianer im besten Sinne des Konzepts nach vorne und in die Höhe gebracht hat.

      Kleine These: Man kann drei Schaffensphasen bei den Quartetten nachvollziehen: die Frühphase mit anarchischen. folkloristischen, impressionistischen Tendenzen, eine mittlere Periode - Herzstück: das von Alexander sehr schön präsentierte neunte als Mahler-Sechs-Pendant ( :P ) -, in der sich Villa-Lobos als Expressionist, Experimentator, kühler und kühner Schöpfer recht neuer Musik zeigt, und die eher klassizistisch abgeklärte Spätphase der Fünfziger, in der auch etwa mehrere Klavierkonzerte entstanden, welche sich nicht mehr sonderlich voneinander unterscheiden, geschweige denn Neues bringen.

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.


    • Mieczysław Weinberg: Streichquartette
      Nr. 6 e-Moll Op. 35 (1946)
      Nr. 8 Op. 66 (1959)
      Nr. 15 Op. 124 (1980)
      Quatuor Danel

      Nr. 6 ist für mich nun schon wesentlich leichter zu verdauen als beim erstmaligen Hören vor ein paar Monaten mit dem Pacifica. Das 15. endet sehr schön traurig.


      maticus
      Wer B sagt, muss auch A sagen. --- Klassische Klarinettistenweisheit


    • Dmitri Schostakowitsch: Streichquartett Nr. 10 As-Dur Op. 118
      Zwei Stücke für Streichoktett Op. 11

      Beethoven-SQ, Komitas-SQ (Op. 11)
      (rec. 1965 (Op. 118), 1969 (Op. 11))

      Herrlich!


      maticus
      Wer B sagt, muss auch A sagen. --- Klassische Klarinettistenweisheit
    • Gestern noch:



      Erbauliche Wiener Klassik lerne ich mit den Streichquartetten Carl Ditters von Dittersdorfs kennen. Das Streichquartett Nr. 2 B-Dur, wieder nur dreisätzig, kommt freundlich daher. Eine kontrapunktische Verdichtung wie sie die Durchführung des 1. Satzes (Moderato) intensiviert scheint als kompositorisches Mittel mehrere Komponisten dieser Zeit in ihrer Ambition angespornt zu haben. Der reizvolle 2. Satz (Andante) wechselt zwischen ruhigem Kollektiv und konzertanten Violinsoli zu marschartiger Begleitung. Und auch im 3. Satz (Thema con variazioni. Andante) kann sich die Violine konzertant tüchtig hervortun. Die knapp 16 Minuten lange Aufnahme des Franz Schubert Quartetts entstand im März 1991 als BR/cpo Produktion (CD cpo 999 122-2).
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • heute mal wieder das eine oder andere Streichquartett aus dieser 2er-Box.



      Gian Francesco Malipiero
      I quartetti per archi / The string quartets 2CDs
      daraus:
      CD 2:
      – Quartetto N.5 « Dei Capricci » (1941, 1950 veröffentlicht) [16′36″]
      – Quartetto N.6 « L’Arca di Noè » (1947) [16′47″]
      – Quartetto N.7 (1950) [12′17″]
      – Quartetto N.8 « Quartetto per Elisabetta » (1963/64) [11′11″]
      Quartetti per archi di Venezia: Andrea Vio, Violine; Alberto Battiston, Violine; Luca Morassutti, Viola; Angelo Zanin, Violoncello
      Aufgenommen am 7.–10. Mai und am 16.–19. Sept. 1996 in den Dynamic Studios in Genova, Italien
      © 1996 DYNAMIC S.r.l. Genova, Italy — CDS 168/1-2

      Diese Doppel-CD ist die jüngere von anscheinend nur zwei Gesamteinspielungen dieses wohl wichtigsten italienischen Beitrags zur Gattung (die ältere mit dem Orpheus String Quartet erschien auf ASV und später auf Brilliant). Dennoch, wenn man an Italien denkt, wird einem wohl kaum sofort der Begriff "Streichquartett" einfallen.

      LG, Kermit :wink:
      Es ist vielfach leichter, eine Stecknadel in einem Heuhaufen zu finden, als einen Heuhaufen in einer Stecknadel.
    • Hätte dann sogar eher an diesen Beitrag gedacht:

      <> (leider zur Zeit vergriffen, aber in diesem Falle hilft Discogs weiter!)
      Da werde ich heute abend einmal wieder reinhören.
      LG, Kermit :wink:
      Es ist vielfach leichter, eine Stecknadel in einem Heuhaufen zu finden, als einen Heuhaufen in einer Stecknadel.
    • Gestern noch:



      Mieczysław Weinberg: Streichquartett Nr. 4 Es-Dur op. 20
      Quatuor Danel

      Persönlicher Höreindruck:

      Das Streichquartett Nr. 4 op. 20 Es-Dur von Mieczysław Weinberg entstand 1945. Erneut verblüfft Weinberg hier mit extrem starker Streichquartettmusik des 20. Jahrhunderts. Beim Quatuor Danel (die erste Weinberg CD des Quartetts enthält die Quartette 4 und 16 und wurde am 22. und 23.5.2006 sowie am 5. und 6.10.2006 im Studio Stolbergstraße in Köln aufgenommen, CD cpo 777 313-2, Spieldauer op. 20 knapp 35 Minuten) wird die Emotionalität der Musik auch interpretatorisch eindrucksvoll unterstrichen.

      1.Satz Allegro comodo
      Eine Schein-Sicherheit wird im deutlich durchhörbaren Sonatensatz (mit Expositionswiederholung) immer wieder aufgebrochen, subtil bis offen.

      2.Satz Moderato assai
      Das ist eine faszinierend-beunruhigende Toccata (vgl. Prokofjew, Schostakowitsch), bei der die unterschiedlichen Schattierungen fesseln.

      3.Satz Largo marciale
      Außermusikalische Bilder machen sich breit. Da tut sich das Kriegsende 1945 auf – verbrannte Felder und die gebrochene Menschheit, ein Aufschrei der Seele, in Bitternis und Trauer. Man klammert sich an eine trotzige Hoffnungsmelodie. Was für eindringliche Musik!

      4.Satz Allegro moderato
      Erneut Schein-Sicherheit. Von dort Wechsel in einen Geisterwald und weiter in ein Kampfgetümmel, dann wieder in den Scheinfrieden zurück. Die Atmosphäre wandelt sich ins Gespenstische, und das Ende steht in Moll.

      Nach so einer starken, intensiven, eindringlichen Streichquartettmusik bleibt nur Stille, absolute Stille. Und das Interesse ist bei mir längst geweckt, neben den weiteren Streichquartetten auch andere Weinberg Werke entdecken zu wollen, etwa die Symphonien.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • andréjo schrieb:

      Dank also an den Herrn K.!
      :wink: Wolfgang

      Kafkas Landvermesser? ;)

      Abgesehen von dieser "bangen" :wink: Frage: Freut mich sehr, Dank zurück!

      Gestern noch, weiter auf genau dieser Reise...



      Heitor Villa-Lobos: 13. Streichquartett (1951)
      Cuarteto Latinoamericano

      Auch das 1951 entstandene, beim Cuarteto Latinoamericano knapp über 21 Minuten lange 13. Streichquartett von Heitor Villa-Lobos war für mich wieder die reizvolle Entdeckung wert.

      Ich habe es so gehört:

      1.Satz Allegro non troppo
      Das Cello eröffnet den Fugato-Beginn, der nach dreieinhalb Minuten noch einmal erklingt - zu hören ist gedankenschwere, erzählerisch eindringliche Musik.

      2.Satz Scherzo-vivace
      Treibende Musik, mit schrägen Einwürfen.

      3.Satz Adagio
      Was für tiefsinnige Musik, mit weit gespannten Melodiebögen! Atmosphärisch ganz eigen, wieder einer dieser außergewöhnlichen langsamen Sätze von Villa-Lobos.

      4.Satz Allegro vivace
      Und was für ein Kontrast zum Adagio nun – optimistisch beschwingte Musik rundet dieses Quartett ab.

      Gehört wieder aus der 6 CD Box Brilliant 6634 (wie einige andere Quartette dieser Gesamtaufnahme 1998 oder 2000 im Sala Blas Galindo of the Central Nacional de las Artes in Mexico City aufgenommen)
      Herzliche Grüße
      AlexanderK