Zu spät zur Vorstellung …

    • Bisher bin ich ein Mal zu spät zu einer Vorstellung gekommen. Es gab in Berlin in der Deutschen Oper "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny". Wir waren für ein paar Tage nach Berlin gereist und ich hatte die Aufführung mit einbezogen. Leider hatte ich das Anfangsdatum auf den Karten nicht richtig betrachtet, denn wir waren eine halbe Stunde zu spät losgefahren, und wunderten uns, dass an der Garderobe nichts los war, bis uns dämmerte, das die Vorstellung bereits angefangen war. Eine nette Dame lies uns dann aber an einer passenden Stelle in den Saal, wo wir am Rande im Parkett Platz nehmen konnten. Nach der Pause sass bereits jemand auf unseren eigentlichen Plätzen und war erstaunt, dass wir noch aufkreuzten. Die Dame war richtig verärgert, jetzt wieder ihren (deutlich schlechteren) Platz einnehmen zu müssen.
      Ein Mal haben wir die Vorstellung komplett verpasst. Kurz vor unserem Abgang aus Hamburg 1992 hatten wir noch einmal in der Michaeliskirche das Weihnachtsoratorium gebucht, welches in 2 Teilen gegeben wurde. Ich war der festen Meinung den 2. Teil, also Kantaten 4-6 erworben zu haben, und dazu waren wir auch pünktlich vor Ort. Leider hatten wir aber die ersten 3 Kantaten gebucht, die dann bereits vorbei waren. Für meine Frau war es besonders schlimm, denn das Konzert sollte den Abschied von ihrer geliebten Heimatstadt etwas mildern. Daher musste ich als Ausgleich noch häufiger mit ihr das Weihnachtsoratorium anhören (was ich freiwillig nicht gemacht hätte, denn ich schätze dieses Werk weit weniger als vieles andere von Bach).
      Ansonsten ziehen wir es vor möglichst früh vor Ort zu sein. Ich hasse es wie die Pest, kurz vor Beginn der Vorstellung noch einen Parkplatz suchen zu müssen, oder zu hetzen. Das kann mir den ganzen Abend verderben. Aber so kann man noch gemütlich einen Kaffee trinken, das Programm studieren und die Leute beobachten.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Zwei Schnurren hab ich auch noch beizutragen:

      1983 oder 1984, ich war noch Schüler. Lohengrin im Duisburger Haus der Deutschen Oper am Rhein. Falsche Anfangszeit (eine Stunde später) im Kopf. Dadurch vielleicht zwanzig Minuten zu spät. Ich wurde in einen kleinen Nebenraum geführt, in dem schon zwei oder drei Frustrierte saßen (weitere kamen noch dazu). Auf einem kleinen Schwarzweißbildschirm lief etwas, was sich mit einiger akustischer und visueller Fantasie als erster Lohengrin-Akt identifizieren ließ. Dazu dann noch in der ersten Pause der Spott eines Freundes und seines dämlichen Wagnerianer-Vaters. Da konnte man sich am Anfang des zweiten Akts gut mit Telramund identifizieren.

      1996, Purcells King Arthur im Kleinen Haus des Stuttgarter Staatstheaters in der großartigen Martin-Kusej-Regie (Kusejs erste Arbeit fürs Musiktheater). Ein Freund besaß die Eintrittskarten, hatte sich aber zu lange mit irgendwelchen italienischen Erasmus-Studentinnen vergnügt (in der Würzburger Residenz, er ist Kunsthistoriker). Ungefähr zehn Minuten nach Vorstellungsbeginn erschien er im gemütlichen Schlenderschritt aus Richtung Hauptbahnhof. Ich bin aber nicht cholerisch oder nachtragend oder so. In einer Lichtpause, so 20-30 Minuten nach Beginn, wurden wir reingelassen.

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Als Schülerin fuhr ich mit meinen Eltern manchmal aus einem Salzburger Gebirgsgau mit dem Auto nach München in die Staatsoper. Das war ein ziemlicher Aufwand, man fuhr am frühen Nachmittag ab, die Nachbarn glotzten aus den Fenstern, wenn wir im langen Kleid und Anzug unseren Aufmarsch machten. Mir war das damals entsetzlich peinlich, aber ich nahm sogar das in Kauf, um in die Oper zu kommen und Sänger zu hören, die ich nur aus dem Radio kannte.
      Einmal hatten wir auf der Autobahneinfahrt nach München eine Reifenpanne, es war Winter, Schneematsch, die Autos brausten vorbei und mein Vater musste den Reifen wechseln. Im Anzug. Natürlich kamen wir zu spät und wurden nach ganz oben seitlich der Bühne in eine Loge gebracht, wo ich den Rest des ersten Aktes in einer interessanten Perspektive genießen konnte. Diesen "Troubadour" habe ich nicht vergessen und ab da hatte mein Vater immer einen Arbeitsoverall im Auto :D

      :wink:
      Unsre Freuden, unsre Leiden, alles eines Irrlichts Spiel... (Wilhelm Müller)