Bearbeitungen - Besser als das Original?

    • zabki schrieb:

      aber als Klavierspieler dank Brahms die Bach-Chaconne spielen zu dürfen ist doch was Fulminates. Busoni wäre nicht Bach
      Die Bearbeitung der Chaconne von Brahms ist ein Übungsstück für die linke Hand. Ich spiele sie mit 2 Händen, aber besonders interessant finde ich diese Bearbeitung nicht. Wenn ich dagegen den Busoni spielen könnte wäre ich glücklich. Leider reichen meine bescheidenen Fähigkeiten nicht aus. Busoni hatte nicht die Absicht Bach zu kopieren, sondern wollte etwas Neues schaffen, was ihm auch in beeindruckender Weise gelungen ist. Wenn ich Bach hören möchte nehme ich das Original für Violine solo.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Eusebius schrieb:

      Eine fast notengetreue Bearbeitung eines Stücks finde ich eher langweilig, weil sie ja nichts Neues bietet.
      Na ja - Francks Violinsonate für Cello ist m. E. schon etwas anderes als das Original.

      Barbers Adagio for Strings ist auch so ein Fall - klingt mit Streichorchester schon anders als in der originalen Quartettfassung.

      Wenn Peter Sadlo Bachs Cellosuiten auf der Marimba spielt, dann ist das auch fast notengetreu - und dennoch etwas Neues.

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" (Paul Watzlawick)
    • Ich habe gerade mal nachgesehen wie viele Bearbeitungen Bach'scher Werke ich allein für Klavier in meiner Notensammlung habe. Es sind fast 1000. Alles was als Pianist irgendwie Rang und Namen hat befindet sich darunter. Ich schätze das Werke von Bach am häufigsten bearbeitet wurden.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Mauerblümchen schrieb:

      Na ja - Francks Violinsonate für Cello ist m. E. schon etwas anderes als das Original.

      Barbers Adagio for Strings ist auch so ein Fall - klingt mit Streichorchester schon anders als in der originalen Quartettfassung.

      Wenn Peter Sadlo Bachs Cellosuiten auf der Marimba spielt, dann ist das auch fast notengetreu - und dennoch etwas Neues.
      Da müsste man mal klären was unter einer Bearbeitung verstanden wird. Das kann man natürlich sehr weit auslegen. Die genannten Beispiele sind eigentlich nur Uminstrumentierungen, die natürlich anders klingen als das Original. Es wird also nicht in die musikalische Struktur eingegriffen sondern das Klangbild verändert.
      Ich finde Bearbeitungen am spannendsten, die auch die Struktur verändern, und insofern fast oder vollständig Neukompositionen sind.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Gneisenau schrieb:

      Erstaunlich, dass Liszt noch nicht genannt wurde...
      doch, wurde, wenn auch sehr "im Durchgang".
      capriccio-kulturforum.de/index…&postID=461823#post461823
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • El Duderino schrieb:

      Was hältst du in dem Zusammenhang von Rachmaninows Bach-Einrichtungen?
      Ich kenne nur Preludio, Gavotte und Gigue aus der E-Dur-Violinpartita (gibt es da sonst noch etwas?). Die finde ich toll. Das hat Leichtigkeit, Witz und Charme (vor allem wenn Vladimir Ashkenazy es spielt). In den Ecksätzen klingt es ein bisschen wie das "Italienische Konzert".

      zabki schrieb:

      Busoni wäre nicht Bach
      Busoni war da sicher anderer Ansicht. Wie gut, dass "wir's dann zuletzt so herrlich weit gebracht." :) .

      Christian
    • ChKöhn schrieb:

      Ich kenne nur Preludio, Gavotte und Gigue aus der E-Dur-Violinpartita (gibt es da sonst noch etwas?). Die finde ich toll. Das hat Leichtigkeit, Witz und Charme (vor allem wenn Vladimir Ashkenazy es spielt). In den Ecksätzen klingt es ein bisschen wie das "Italienische Konzert".
      :top: :cincinbier:
      Ashkenazy ist überhaupt ein sensationell guter Interpret für Rachmaninov.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Eusebius schrieb:

      ich finde Bearbeitungen am spannendsten, die auch die Struktur verändern, und insofern fast oder vollständig Neukompositionen sind.
      mag sein, "am spannendsten", käme (für mich) drauf an - am nützlichsten denke ich sind die möglichst "getreuen" Übertragungen. Die Benutzer der Hummel-Bearbeitungen von Mozart-Konzerten und -Sinfonien werden primär daran interessiert gewesen sein, mit geringen Mitteln Mozartwerke aufführen zu können, und weniger Hummel-Kompositionen, die Mozart-Sinfonien etc. bloß verwenden.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • zabki schrieb:

      am nützlichsten denke ich sind die möglichst "getreuen" Übertragungen
      Warum sind die denn nützlich? Es gibt doch das Original, wem nutzt denn da eine getreue Übertragung?

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Eusebius schrieb:

      Es gibt doch das Original, wem nutzt denn da eine getreue Übertragung?
      na, das schrieb ich doch deutlich - primär den Spielern, die in den anderen (zumeist kleineren) Besetzungen das Stück spielen können.

      Heutzutage sind es besonders Akkordeonisten, die durch eine umfangreiche Bearbeitungstätigkeit sich das Repertoire entscheidend erweitern.

      Heute weniger, aber vor Zeiten eifrigst praktiziert und ganz bekannt das vierhändige Spiel von Orchesterwerken.

      Eine u.Umständen sehr viel intensivere Befassung mit Musik als das bloße Hören.

      Adorno:
      Manche Stücke, wie Mozarts g-Moll Symphonie, haben sich mir in jener Zeit [des selber 4hdg.-Spielens] derart eingeprägt, daß es mir auch heute noch so scheint, die Spannung der einleitenden Achtelbewegung könne kein Orchester jemals vollständig so herstellen wie der fragwürdige Anschlag des Secondspielers.
      Impromptus, Vierhändig, noch einmal
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • ChKöhn schrieb:

      Ich kenne nur Preludio, Gavotte und Gigue aus der E-Dur-Violinpartita (gibt es da sonst noch etwas?). Die finde ich toll. Das hat Leichtigkeit, Witz und Charme (vor allem wenn Vladimir Ashkenazy es spielt). In den Ecksätzen klingt es ein bisschen wie das "Italienische Konzert".
      Ja, die Bearbeitungen meinte ich. Die gefallen mir auch sehr gut, bin jedes Mal wieder überrascht, wenn er von Bach dann zu seinem Stil abdreht.
    • Luciano Berio

      Ein fleißiger Bearrbeiter und Restaurator einiger Werke von Komponisten wie Brahms, de Falla, Schubert, Mahler, Purcell, J. S. Bach, den Beatles und Boccherini war der 2003 verstorbene bedeutende Komponist Luciano Berio.

      Schönes Beispiel ist die Orchestrierung der von Brahms dicht gewobenen Klarinettensonate op. 120. Berio behandelt das Material wesentlich stilvoller als Schönberg es mit dem Klavierquintett in f-Moll beim gleichen Komponisten tat. Zur Ergänzung fügte Berio ein paar Takte eigene Musik ein.

      Noch weiter mit dem Einfügen eigener Musik geht der Italiener bei Schubert. Das 1989 entstandene Rendering für Orchester hat als Grundlage die Fragmente zur 10. Sinfonie in D-Dur aus den letzten Lebensmonaten von Schubert:


      Luciano Berio schrieb:

      Die Skizzen sind sehr komplex und von großer Schönheit. Sie enthalten weiterführende Hinweise auf die neuen Wege, welche Schubert weg von Beethovens Einfluss führten. Rendering - mit seiner zweifachen Autorschaft - ist als Restaurierung dieser Skizzen zu verstehen. Es ist nicht als Vervollständigung oder Rekonstruktion gedacht. Diese Restaurierung folgt den Prinzipien einer modernen Wiederherstellung von Fresken, die die alten Farben wieder aufleben lassen möchte, allerdings ohne die Schäden zu verdecken, die Laufe der Zeit entstanden sind, da sie oft unwiderruflich leere Flecken in der Komposition hinterlassen hat - wie bei Giotto in Assisi.

      Aus dem Vorwort zur Partitur von Rendering
      Der Widmungstrager von Rendering, Riccardo Chailly, nahm die beiden genannten und weitere Bearbeitung mit dem Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi 2004 auf.



      Ein Ohrwurm auf der CD ist die gekonnt für großes Orchester aufgemotzte Version von Boccherinis 'Ritirata notturna die Madrid'.


      Gruß
      Josquin
    • Josquin schrieb:

      Berio behandelt das Material wesentlich stilvoller als Schönberg es mit dem Klavierquintett in f-Moll beim gleichen Komponisten tat.
      Das war allerdings Brahms' Klavierquartett Nr.1 g-moll op.25.
      Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)