Franz Liszt: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 Es-Dur

    • Franz Liszt: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 Es-Dur

      Mit Erstaunen habe ich vor kurzem festgestellt, dass es zu den Liszt Klavierkonzerten bisher noch keinen Thread bei Capriccio gibt.



      Zu Franz Liszts Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 Es-Dur hatte ich bisher keinen Nahebezug (im Gegensatz etwa zur h-Moll Sonate). Habe es wohl ein paarmal gehört, mich aber nicht intensiver damit befasst. Insofern bedeutete die detailliertere Beschäftigung damit einen möglichst unvoreingenommenen Neuzugang.

      Franz Liszts Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 Es-Dur wurde am 7.2.1855 in Weimar uraufgeführt – Solist war Liszt selbst, es dirigierte Hector Berlioz. Liszt hat das Werk 1856 noch einmal revidiert. Dem Hauptmotiv des Werks, das sich durch das ganze Werk behauptet, von Liszt bereits Anfang der 30er Jahre skizziert, wurde vom Klaviervirtuosen und Dirigenten Hans von Bülow (1830-1894) das originelle trotzig-selbstironische Zitat „Das versteht ihr alle nicht, haha!“ beigegeben. Die Sätze gehen direkt ineinander über, Satz 1 und 2 sind aber durch eine Zäsur (Fermate) getrennt.

      Mein erster Höreindruck:

      1.Satz Allegro maestoso
      Wuchtig und brillant, bewusst vordergründig auftrumpfend, geht das Konzert mit dem Hauptmotto („Das versteht ihr alle nicht, haha!“) und akkordischen Blöcken los. Eine – ich nenne es so – Salon-Schwelgerei führt zum zweiten Thema, beginnend mit einem reizvollen kurzen Dialog zwischen Klarinette und Klavier, der mit dem Orchester erweitert wird, dann steigert sich die Durchführung hin zu einem Ausbruch mit dem Motto-Thema, ehe noch einmal im Salon geschwelgt wird und das Motto auch das ruhig ausklingende Satzende beherrscht.

      2.Satz Quasi Adagio
      Das Orchester beginnt nachdenklich. Das Klavier setzt nocturneartig ein, poetisch schön in H-Dur, doch dann folgt ein umschatteter, dichterer Abschnitt, ehe es lyrisch weitergeht und das Klavier mit Trillern die Orchestermelodieinstrumente begleitet.

      3.Satz Allegretto vivace - Allegro animato
      Und auf einmal mündet die Szenerie in einen elfen- oder meist vielmehr gnomenhaften Scherzotanz, mit Triangeleinsatz (!). Aber bald schon droht das Motto wieder, es „befiehlt“ einen konzertanten, brillanten Aufschwung, hin zum…

      4.Satz Allegro marziale animato
      Nach dem marschartigen Beginn (Liszt deutet das Thema des 2. Satzes um) geht es konzertant, brillant und heiter, durchaus auftrumpfend plakativ dahin, und gegen Schluss setzt sich noch einmal das Generalmotto des Werks, wuchtig finalesk auftrumpfend, in Szene.

      Gegenüber etwa der h-Moll Sonate Liszts wirkt nach dem ersten Höreindruck vieles in diesem Konzert zunächst äußerlicher, plakativer, auf den Effekt, den Konzertpianisten herausholen können, zugeschnitten. Die lyrischen Abschnitte allerdings haben schon beim ersten Hören ihren ganz eigenen Reiz, eine spezielle Aura mag sich da entfalten, sowohl solistisch als auch im Zusammenspiel mit dem Orchester.

      Ich habe den Hörvergleich von insgesamt 16 Aufnahmen mit einem aufsehenerregenden Schallplattendebüt gestartet und mit Fortdauer durch einzelne weitere Aufnahmen auch die Passagen zu schätzen gelernt, die ich anfangs als zu äußerlich empfand. Auch wie Liszt durch das immer wieder weiterführend eingesetzte Hauptmotto und durch die Themenwiederkehr vom 2. zum 4. Satz Zusammenhänge herstellt fand ich von Mal zu Mal spannender.



      youtube.com/watch?v=MjGFSzQBjYc

      Am 12.1.1963 wurde in der Philharmonic Hall in New York City ein weiteres der „Young People´s Concerts“ mit Leonard Bernstein und dem New York Philharmonic Orchestra aufgezeichnet. Erstausgestrahlt wurde es in den USA am 15.1.1963 bei CBS. Die Fernsehaufzeichnung gibt es in einer DVD Box, allerdings nur mit Regionalcode 1 (9 DVDs Leonard Bernstein´s Young People´s Concerts with the New York Philharmonic Volume 2, Kultur D4370). „Young Performers Vol. 4“ stellte wie schon der Titel aussagt junge Künstler vor, bei Mozarts Konzert KV 488 drei Solistinnen und drei Dirigenten, bei Liszts Es-Dur Konzert, das Bernstein selbst dirigierte, den damals 16jährigen André Watts. Bei youtube (im Clip ab 33:35) kann man dieses fulminante Debüt mitverfolgen. Watts spielt so wie ich es höre virtuos beeindruckend und hochmusikalisch, wo es angebracht ist auch gut mit dem Orchester und seinen Solisten abgestimmt, eine beeindruckende junge Persönlichkeit mit starker Präsenz stellt sich hier vor.

      Als kurz darauf Glenn Gould bei zwei regulären Konzerten in der Philharmonic Hall ausfiel, ermöglichte dies Watts´ Debüt am 31.1. und 1.2.1963 auch in Orchesterkonzerten des New York Philharmonic Orchestra unter Bernsteins Leitung, eben auch mit Liszts Klavierkonzert Nr. 1.



      Und am 3.2.1963 fand auch gleich die Plattenaufnahme des Werks in dieser Besetzung in der Philharmonic Hall statt. Mein Eindruck: Unglaublich, wie alterslos souverän der 16jährige Watts diesem hochvirtuosen, vielfach ja doch etwas plakativ auftrumpfendem und dann doch auch sensibel lyrischem Klavierpart gewachsen ist. Die Abstimmung mit dem Orchester klappt auch hier toll (Beispiel Klarinette-Klavier – ich werde aber beim Hörvergleich lernen, dass da überall gut aufgepasst wird). Bei aller Brillanz vergisst man also nicht darauf, genau aufeinander zu hören, nicht nur die Präsentation des Jungtalents ist wichtig, schon auch die Substanz der Musik. Bei Watts und Bernstein dauert das Konzert ca. 18 ½ Minuten. Gehört aus der 12 CD Box Sony 88875119792.

      Sehr gespannt war ich nun auf die beiden mir vorliegenden Aufnahmen mit Martha Argerich.



      Die erste, mit Claudio Abbado und dem London Symphony Orchestra, entstand im Februar 1968 in der Walthamstow Town Hall in London und dauert (so wie dann auch die zweite) ca. 17 ½ Minuten. Dass Martha Argerich selbstbewusst und energisch (wie eine Löwin am Sprung) beim auftrumpfend Virtuosen zupackt, konnte man erwarten. Eine Offenbarung sind für mich aber erst recht alle lyrischeren Abschnitte in dieser Aufnahme. Die Wehmut im 2. Thema des 1. Satzes, das zauberische Nocturne des 2. Satzes, auch die Unbedingtheit, wenn die Musik dann schattenhafter wird – Martha Argerich spielt das alles ungemein beseelt, es geht (mir) aber sowas von zu Herzen.



      Martha Argerichs Liveaufnahme des Werks aus dem Palazzo dei Congressi in Lugano vom 17.6.2004 mit dem Orchestra della Svizzera italiana unter der Leitung von Ion Marin lässt die Pianistin erneut ihre Stärken ausspielen, den unmittelbaren Zugriff und die lyrische Vertiefung, dazu kommt hier die Livespannung, die auch freiere agogische Momente ermöglicht. Argerich 68 finde ich insgesamt musikalischer, Argerich 04 konzertanter.

      Beide gehört aus der DGG CD Box „Martha Argerich – The Complete Recordings on Deutsche Grammophon“.

      Einen anderen, erhellenden Blick auf das Werk gaben mir in der Folge einige historische Aufnahmen ganz großer Pianisten der Interpretations- und Aufnahmegeschichte. Bei ihnen wird das Konzert zum großen Schicksalsdrama, die äußerliche Brillanz wird umgedeutet in existenzialistische Monumentalität. Dem Werk wird damit eine wuchtige, übermächtige Gestalt gegeben, teilweise als ginge es um Leben und Tod – das beeindruckt schon sehr, da wird man ganz ehrfürchtig.



      Die älteste mir vorliegende Aufnahme stammt vom 15.5.1935: Ein hochromantisches Schicksalsdrama entwerfen Claudio Arrau, Hans Rosbaud und das Radio-Sinfonieorchester Frankfurt da (2 CDs Piano Classics PCLD0015), pathetisch, eruptiv und expressiv.



      Für den Sammler von Aufnahmen der h-Moll Sonate ergibt sich auch eine reizvolle Auswahl an weiteren Aufnahmen des Klavierkonzerts Nr. 1 neben der von Arrau, und einige davon wurden von Kirill Kondraschin dirigiert, der mit den jeweiligen Orchestern auch dieses Monumentale, Gewichtige betont - etwa bei Emil Gilels und dem Staatlichen Symphonieorchester der UdSSR (gehört aus der 10 CD Box Brilliant 92615, Spieldauer 18 ½ Minuten, die Aufnahme entstand 1949). Hier: das ganz große Drama, voller Schicksalsschwere, extrem gewichtig – von Gilels mit existenzialistischer Unbedingtheit gespielt, das ist eine der Aufnahmen fast als ginge es um Leben und Tod.



      Gewichtig und bedeutungsschwer (sowohl was das Klavier betrifft als auch vom Orchester her) hört sich auch die am 23.2.1952 entstandene ca. 19 Minuten lange historische Aufnahme mit dem damals fast 22jährigen Lazar Berman und dem Philharmonischen Jugendorchester Moskau unter der Leitung von Kirill Kondraschin an (gehört aus der 7 CD Box Brilliant 93006).



      Apropos Berman: Seit langem hatte ich das Plattencover einer erstmals 1976 veröffentlichten weiteren Aufnahme mit Lazar Berman und den von Carlo Maria Giulini dirigierten Wiener Symphonikern im Blick, nun ergab es sich am 27.10.2017, genau zum Zeitpunkt des Durchhörens mehrerer Aufnahmen des Werks also, dass die Galleria-Ausgabe dieser Einspielung (CD DGG 415 839-2) bei M2 (München, Rosenheimer Straße) preiswert angeboten wurde – der Vergleich lockte.

      Giulini beginnt breit (insgesamt dauert auch diese Aufnahme fast 20 Minuten). Dieser schwerfälligere, gewichtigere Beginn wirkt hier aber etwas behäbig. Auf die Orchesterfarben wird in der Folge akustisch recht feinfühlig geachtet. Berman setzt dem aber im Gegensatz zur Aufnahme von 1952 eine sich durch das ganze Werk ziehende kühle Brillanz entgegen, auch das Poetische hat bei ihm nun etwas Vereistes. Ich muss zugeben, mich lässt Bermans Neuaufnahme zumal im Vergleich zur früheren eher kalt.



      Kühle Brillanz in Reinkultur, glasklar souverän, bietet in einer frühen Stereoaufnahme auch Arthur Rubinstein (2 CDs RCA 88697840192, Spieldauer knapp über 17 Minuten, Carnegie Hall, New York City, 12.2.1956) mit dem RCA Victor Symphony Orchestra unter der Leitung von Alfred Wallenstein. Hier halten sich alle nicht mit Nebensächlichkeiten auf, wie mit einem D-Zug wird die direkte Linie gefahren. Meinem Geschmack nach, inzwischen stark beeindruckt durch die bedeutungsschwer aufgeladenen anderen persönlichkeitsstarken historischen Aufnahmen, wird mit Interpretationen wie dieser der äußerlichen Brillanz gegenüber dem Gehalt der Musik zu viel Vorschub geleistet. Hier höre ich, wie toll und souverän, ja überlegen Rubinstein als Pianist war, weniger jedoch den musikalischen Gehalt des Werks. (Und Passagen wie jene, wenn die Holzbläser im 2. Satz schön melodieren und das Klavier dazu trillerklingelt, werden beinhart als zu einem Spektakel gehörender Farbtupfer entlarvt.)



      Einen weiteren interpretatorischen Ansatz habe ich mit Alfred Brendel kennengelernt. Extrem gewichtig lässt Michael Gielen in der Alfred Brendel-Aufnahme mit den Wiener Symphonikern (2 CDs VoxBox CDX 5172, Spieldauer 19:14 Minuten, Wien 1975 steht dort, es war aber wohl Wien 1957 nehme ich an) das das Werk eröffnende Hauptmotiv spielen. Es entwickelt sich aber keineswegs eine schwerfällige Aufnahme, sondern eine erzählerisch ungemein spannende, musikalisch einfühlsam durchdachte, in großartigem Aufeinanderhören von Solist und Orchester. Das „Scherzo“ ist hier wieder mal mehr ein Elfentanz als ein diabolisches Geschehen. Nicht großes Drama, aber abwechslungsreiche Erzählung – auch so kann man also dem vordergründigen Protzen musikalisch sinnvoll ausweichen.



      Ganz großes, souveränes Klavierkonzertkino ist schließlich für mich die Aufnahme mit Svjatoslav Richter und dem London Symphony Orchestra, wieder mal unter der Leitung von Kyrill Kondraschin (1961, CD Philips 446 200-2, ca. 18 Minuten): von den Aufnahmen die ich gehört habe die beste (wenn auch nicht meine Lieblingsaufnahme). Richter spielt eleganter, lässiger als etwa der junge Berman, und er spielt sensationell souverän – allein (um nur ein Detail herauszugreifen) so sonst manchmal eher beiläufig durchrutschende Passagen wie die „Ruhepunktstelle“ im 2. Satz (una corda quieto, längst zu einer meiner Lieblingsstellen im Werk geworden) – ganz groß das alles! Die „Gnome“ zeigen sich hier auch besonders keck. Richter und Kondraschin (übrigens zeichnet sich die Aufnahme auch mit einem wunderbaren frühen Stereoklang aus, besser geht´s nicht) lösen von Bülows Bonmot „Das versteht ihr alle nicht! Haha!“ eulenspiegelig kongenial ein. Eine Modellaufnahme des Konzerts! Wenn mich jemand nach diesem Hörvergleich fragte, welche Aufnahme ich empfehlen würde, ich würde diese nennen.



      Nicht zu verachten: Jorge Bolet (CD Price-Less D13221, 1960?, Spieldauer knapp über 18 Minuten) spielt bei seiner Aufnahme mit der Symphony of the Air unter der Leitung von Robert Irving mit nobler, aber auch dramatischer Größe. Und vor allem: poetisch ungemein vertieft, ganz stark! Im Finale bringt er auch Witz rein. Hier besticht auch wieder die Abstimmung zwischen Solist und Orchester besonders.



      Weiter in Richtung Gegenwart: Krystian Zimermans Aufnahme mit Seiji Ozawa und dem Boston Symphony Orchestra (CD DGG 423 571-2, Spieldauer ca. 18 ½ Minuten), aufgenommen im April 1987 in der Bostoner Symphony Hall, hält sich so wie ich sie höre im Virtuosen nobel zurück, um auch wie bei Bolet im Poetischen umso verinnerlichter und ausdrucksstärker auszustrahlen. Zimerman will Musiker sein, nicht Prahler, Blender, vordergründig Effektvoller. Das Scherzo kommt hier mehr aus einer Elfenwelt als von Gnomen. Selbst im sonst vielfach ausschließlich kräftig auftrumpfenden Finalsatz bewahren Zimerman und Ozawa eine feinsinnige Leichtigkeit.



      Eine originelle Alternative: Die Aufnahme mit Josef Bulva und dem Radio-Sinfonieorchester Luxemburg unter der Leitung von Daniel Nazareth (2 CDs Sony/RCA 88875073052) entstand 1991 und dauert ca. 18 ½ Minuten. Wie bei seiner Aufnahme der Sonate h-Moll präsentiert sich Bulva bei diesem Werk unkonventionell trocken und mit gelegentlichen originellen Akzentuierungen. Auch er also ein Eulenspiegel, eine Charakterzeichnung, die dem Werk, hört man es einige Tage hindurch mehrmals, sehr gut bekommt.

      Neuere gehörte Aufnahmen:



      Bei der im November 2009 in der Münchner Philharmonie im Gasteig entstandenen Aufnahme mit Alice Sara Ott und den von Thomas Hengelbrock geleiteten Münchner Philharmonikern (CD DGG 477 8779, Spieldauer fast 20 Minuten) besticht vor allem die Transparenz – des Klavieranschlags zwischen Vollgriffigkeit und Lyrik genauso wie des Zusammenspiels von Solistin und Orchester. Hengelbrock setzt dabei auf die Klangschönheit des Orchesters und auf dramatische Kontraste. Alice Sara Ott hat allemal was zu sagen, der nocturnartige Abschnitt zu Beginn des 2. Satzes etwa gelingt ihr ganz vertieft. Wie bei Zimerman tanzen im Scherzo wohl eher Elfen als Gnome im Märchenwald, die spritzige Leichtigkeit des Interpretationsansatzes lässt diese Assoziation zu.



      Der 1984 geborene belgische Pianist Liebrecht Vanbeckevoort nahm Liszts Klavierkonzerte 1 und 2 von 27. bis 29.4.2011, also im Liszt-Jahr, im Studio 4 in Flagey (Brüssel) zusammen mit Brussels Philharmonic – the Orchestra of Flanders, dirigiert von Enrique Mazzola (CD Etcetera KTC 4037) auf einem Steinway D274 Flügel auf. Die an die 20 Minuten lange Aufnahme kommt hier einmal mehr als großes Schicksalsdrama, gewichtig und bedeutungsschwer. Damit wird hier allerdings auch wieder die mögliche Plakativität vieler Passagen des Werks betont, die ganz große Ausstrahlung wie sie die großen „Alten“ wie selbstverständlich mitbringen, fehlt dann doch.



      Am 4. und 5.6.2011, also auch zum Liszt-Jahr, entstand im Wiener Musikverein eine weitere Aufnahme des Konzerts, mit Lang Lang und den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Valery Gergiev (CD und DVD Sony 88697891402, Spieldauer ca. 19 ½ Minuten). Gergiev lässt das Orchester klangsatt aufspielen, und er gibt ihm eine flexible Elastizität, denn Lang Lang versucht sich ähnlich Brendel als Erzähler – vieles wirkt aber auch hier gewollter, in Richtung „ganz großer Romantiker“ aufgedreht, „auf Hollywood inszeniert“, man setzt sich auf Momente und überrascht agogisch mit so manchen Stillständen, die aber wieder mehr plakativ als verinnerlicht erscheinen.

      Mein Fazit bisher: Ein Werk, mit dem man äußerlich beeindrucken kann, das aber seine Substanz durchaus auch im Virtuosen genauso wie im Poetischen zu entfalten vermag, mit vor allem gewichtigen und erzählerisch aufgebauten Interpretationsansätzen.

      Literatur: Reclams Konzertführer (Ausgabe 2001) und die CD-Beilagen.

      Dies alles: Persönliche Eindrücke - gerne hier weitere Anmerkungen zum Werk und zu Aufnahmen, mit wem auch immer...
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Richter / Kondraschin (Philips)

      AlexanderK schrieb:

      Ganz großes, souveränes Klavierkonzertkino ist schließlich für mich die Aufnahme mit Svjatoslav Richter und dem London Symphony Orchestra, wieder mal unter der Leitung von Krill Kondraschin (1961, CD Philips 446 200-2, ca. 18 Minuten): von den Aufnahmen die ich gehört habe die beste (wenn auch nicht meine Lieblingsaufnahme). Richter spielt eleganter, lässiger als etwa der junge Berman, und er spielt sensationell souverän – allein (um nur ein Detail herauszugreifen) so sonst manchmal eher beiläufig durchrutschende Passagen wie die „Ruhepunktstelle“ im 2. Satz (una corda quieto, längst zu einer meiner Lieblingsstellen im Werk geworden) – ganz groß das alles! Die „Gnome“ zeigen sich hier auch besonders keck. Richter und Kondraschin (übrigens zeichnet sich die Aufnahme auch mit einem wunderbaren frühen Stereoklang aus, besser geht´s nicht) lösen von Bülows Bonmot „Das versteht ihr alle nicht! Haha!“ eulenspiegelig kongenial ein. Eine Modellaufnahme des Konzerts! Wenn mich jemand nach diesem Hörvergleich fragte, welche Aufnahme ich empfehlen würde, ich würde diese nennen.
      Hallo Alexander,

      dein herausragenden Liszt-KK Nr.1 - Beitrag hat mich begeistert = absolut vorbildhaft.
      Ich gestehe, dass ich den Zeitaufwand, der für so einen Beitrag nötig ist, nicht in dem Ausmaß einbringen wollte ... volle Anerkennung an Dich !

      *** Was die Richter/Kondraschin-Aufnahme (Philips) angeht, so kann ich Dir mehr als zustimmen. Ich gehe soweit zu sagen, dass das die Referenz ist, an der sich erst enmal alle Anderen messen müssen.
      Jedenfalls bin ich von den Richter-Aufnahmen der KK Nr.1 und 2 so geprägt, dass bei mir selten andere Aufnahmen überhaupt ein Chance haben, als kaufenswert eingestuft zu werden.


      Brendel / Haitink (Philips)
      Du hast ja mit Deinen 16 Aufnahmen alles durch, was "nicht niet und nagelfest ist". Auch Alfred Brendel ist bei Deinen Hörbeschreibungen dabei ... aber eine seiner älteren Aufnahmen; nicht die mit Haitink.

      Auf Brendels Aufnahme mit dem London SO / Bernhard Haitink vom Mai 1972 sei unbedingt hingewiesen, denn diese zeichnet sich durch einen dramatischen Zugriff auch seitens Haitink aus, der packender ist, als ich es von Haitink erwartet hätte (wenn ich seinen anderen Brahms-Aufnahmen (Sinfonien und Serenaden) betrachte. Brendel und Haitink liefern einen packenden und solistisch hochvirtuosen Zugriff mit Höspass. Selbstverständlich sind die ruhigen Passagen/Sätze auch mit beseelter Hingabe gestaltet. Beim Scherzo höre ich auch eindeutig den "diabolischen Gnom", als das der Gedanke an einen Elfentanz aufkommen könnte.

      Ich würde von den mir bekannten Aufnahmen diese gleich hinter Richter/Kondraschin einordnen:

      Spieldauer: 5:39 - 9:09 - 4:07 = 18:55
      =>
      Philips, 1972, ADD

      Auf der Philips - CD ist auch der Totentanz für K&O in einer wirklich imposanten (wenn auch nicht meiner Lieblingsaugfnahme) enthalten.
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Zur Entstehungsgeschichte kann noch angemerkt werden, dass das Konzert etwa 1849 vollendet wurde. Danach gab es noch weitere Umarbeitungen (1853 und 1856), bis es in der heute gebräuchlichen Form vorlag. (Quelle: Peter Raabe "Liszts Schaffen") Es gehört ja zu dem bei Liszt üblichen Schaffensprozess, dass er seine Werke über einen längeren Zeitraum entwickelte und in mehreren Fassungen hinterliess. Er hatte ja bereits Mitte der 1830er Jahre 3 Konzerte für Klavier und Orchester geplant, deren Komposition dann aber entweder nicht fortgesetzt wurde, oder wie im Falle des anderen Es-Dur Konzertes nicht zur Veröffentlichung führte. Wahrscheinlich wurden dann die dazu erarbeiteten Skizzen später zur Komposition der beiden Konzerte in Es-Dur und A-Dur verwendet.

      Das Konzert Es-Dur S124 ist sehr auf äussere Wirkung hin komponiert, und geeignet die Fähigkeiten eines Virtuosen zur Schau zu stellen. Aber das ist auch eine Falle, wenn man den virtuosen Charakter zu sehr betont. Wie bereits oben erwähnt besitzt das Werk eine Reihe von lyrischen Episoden, die ihm eine ausgewogene Stimmung verleihen. Nach meinem Geschmack treffen diejenigen Pianisten den Charakter des Werkes am Besten, welche einerseits über die manuellen Fähigkeiten verfügen es souverän zu spielen, aber andererseits in der Lage sind die unterschiedlichen Stimmungen zur Geltung zu bringen.

      Eine dieser Aufnahmen ist die mit Richter und Kondraschin. Sie beeinhaltet für mich die größte Ausgewogenheit von den mir bekannten Aufnahmen. Sie klingt gewissermaßen zeitlos, und ist immer wieder mit Gewinn anzuhören. Martha Argerich dagegen (ich besitze die Aufnahme mit Abbado und den Berliner Philharmonikern) macht einen staunen, was die Mühelosigkeit betrifft, mit der sie das Werk bewältigt (etwa die donnernden Oktaven in den letzten Takte ab dem Presto). Das ist Atemberaubend.
      Ein Pianist, der häufig übersehen wird, aber für mich einer der ganz Großen, ist Stephen Hough. Neben Rachmaninoff, Saint-Saens und Tchaikovsky hat er auch die beiden Konzerte von Liszt eingespielt. Auch seine Deutung ist sehr ausgewogen, ohne Mätzchen mit Rubato an der falschen Stelle usw. Die Aufnahme gehört für mich ebenfalls zu den Besten. Das gilt übrigens auch für seine anderen Aufnahmen Lisztscher Werke.



      Im Gegensatz zur h-Moll Sonate besitze ich nur vergleichsweise wenige Aufnahmen, als da wären (zusätzlich zu den o.g.):

      Leslie Howard - Karl Anton Rickenbacher
      Julian von Karoly - Istvan Kertez
      Boris Berezowsky - Hough Wolff
      Krystian Zimerman - Seiji Ozawa
      Artur Rubinstein - Alfred Wallenstein
      Arturo Benedetti-Michelangeli - Rohan Jindrich

      Alle lange nicht mehr gehört. Nach meiner Erinnerung fällt lediglich Howard etwas ab. Hier hat man wie bei den anderen Werken für Klavier und Orchester den Eindruck einer Pflichtübung.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Auch von meiner Seite Gratulation an Alexander für diese fantastische Einführung! Im Gegensatz zu Alexander und Peter bin ich eigentlich kein großer Fan von Liszt, aber gerade dieses kompakte Konzert habe ich immer mit Begeisterung gehört. Ich liebe seine Klanglichkeit und etwas, das ich als "Koboldhaftes" bezeichnen würde. Im Englischen gibt es den Ausdruck "mischievous", den ich hier sehr angebracht finde. Als "äußerlich", vor allem im Vergleich mit anderen Klavierkonzerten aus dieser Zeit, habe ich dieses Werk daher nie empfunden. Dass es große Vorbildwirkung hatte, etwa auf Saint-Saens, ist mMn völlig eindeutig. Auch Prokofjews Nr. 1 erinnert mich sehr an Lsizts erstes Konzert. Ich bin definitiv ein Fan dieses Konzerts!

      Kennengelernt habe ich das Konzert in dieser Aufnahme:
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Der Gratulation an Alexander für diesen Thread schließe ich mich an. Gestern Abend hörte ich diese Aufnahme:


      Byron Janis nahm im Juni 1962 beide Liszt-Konzerte im Bolshoi-Saal des Tschaikowsky Konservatoriums in Moskau auf. Meinen Eindruck beziehe ich auf beide Konzerte und diese Aufnahme finde ich insgesamt sehr gut. Diese Werke werden nicht einseitig als virtuoser Klavierdonner präsentiert, sondern es kommen auch die ruhigen, lyrischen Stellen zu ihrer Geltung. Gelungen ist auch die Partnerschaft zwischen Klavier und Orchester, d. h. die Balance finde ich nahezu optimal in dieser Aufnahme. Der Orchesterpart verkommt auch nie zu einer Klangtapete vor dem sich das Klavier ausbreiten darf. Die beiden Orchester (KK Nr. 1: Moskauer Philharmoniker, Leitung: Kyril Kondrashin & KK Nr. 2: RSO Moskau, Leitung: Gennadi Rozhdestvensky) sind sehr gute Partner, die vom Solo bis zum fulminanten Orchestertutti brillant aufspielen.

      Diese Aufnahme gehört zu denjenigen, die Mercury im Juni 1962 als erste westliche Plattenfirma in der damaligen Sowjetunion machte. Dabei verwendete Mercury sein eigenes Equipment.
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Das Eingangsthema gehört zu meinen frühesten prägenden Eindrücken klassischer Musik. Mein Vater ließ damals öfter die LP mit Richter/Kondrashin laufen - hängengeblieben ist bei mir aber erstmal nur das besagte Thema, den Rest habe ich erst viel später wirklich kennengelernt.

      AlexanderK schrieb:

      Auch wie Liszt durch das immer wieder weiterführend eingesetzte Hauptmotto und durch die Themenwiederkehr vom 2. zum 4. Satz Zusammenhänge herstellt fand ich von Mal zu Mal spannender.
      Die Form finde ich überhaupt interessant: wie oft bei Liszt "Viersätzigkeit in der Einsätzigkeit". Aber irgendwie gilt doch auch, dass die Wiederkehr des Eingangsthemas im dritten Satz eine verkürzte Reprise des Kopfsatzes und das Finale eine variierte Reprise von zweitem Satz und Scherzo ist, oder? Also in gewisser Weise eine zweiteilige Form mit dem Einschnitt mitten im dritten Satz.

      Bemerkenswert finde ich die Kürze des Werkes: kürzer als die meisten Mozartkonzerte und nicht länger als die Kopfsätze der Beethovenkonzerte 4 und 5. Der Tonfall ist natürlich kontrastreich, aber die martialischen Teile sind schon prägend. Hat etwas von Revolutionsmusik, der Großteil der Kompositionsarbeit fiel wohl auch in die Jahre 1848/49.

      Eusebius schrieb:

      Eine dieser Aufnahmen ist die mit Richter und Kondraschin. Sie beeinhaltet für mich die größte Ausgewogenheit von den mir bekannten Aufnahmen. Sie klingt gewissermaßen zeitlos, und ist immer wieder mit Gewinn anzuhören.
      Wie gesagt: meine erste Aufnahme, und ich finde sie nach wie vor großartig. Aber es ist eine Lesart, die ganz stark auf das Geraffte, Martialische setzt. Selbst das Rezitativ im zweiten Satz wird fast im Takt durchgespielt, Arrau leistet sich da bedeutend mehr Rubato-Rhetorik. (Übrigens klingen die Holzbläser bei Richter/Kondrashin etwas verfremdet, jedenfalls auf meiner LP.)

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Richter / Kondraschin auf Philips und BBC

      Zwielicht schrieb:

      Übrigens klingen die Holzbläser bei Richter/Kondrashin etwas verfremdet, jedenfalls auf meiner LP.
      Auf der Philips-CD ist der Klang dieser 1961er-Aufnahmen aber auch bei den Holzbläsern wirklich i.O.
      Auch das Klavier mit seinen sonoren Anschlägen im Bass (beim KK Nr.2; 1.Satz) hat mich immer schon mehr begeistert, als in vielen anderen Aufnahmen.
      Bereits als Jugendlicher habe ich diese Philips-LP auch gehabt und war "geplättet" = das ist die Prägung bis heute.
      Als es die Philips-Aufnahme dann auf CD gab, war das eine meiner ersten CD´s in meiner Sammlung !


      Als "absoluter Reinfall" hatte sich allerdings diese BBC-CD herausgestellt:
      Bevor Richter/Kondraschin die herausragende legendäre Philips - Aufnahme im Jahre 1961 mit dem LSO machten, gab es am 08.Juli 1961 ein LIVE-Konzert aus der Royal Albert Hall, das sich mit der Ungarischen Fantasie auf abgebildeter CD befindet. (Diese CD hatte ein naher Verwandter um 2000 bei jpc versehentlich bestellt (statt der Philips-CD)). Für Richter-Fans mag das ja interessant sein.

      *** Klanglich war das aber eine Katastrophe und trotz Aufnahmedatum 1961 in Mono ... ich hatte dann als Trostpflaster meine Philips-Aufnahme als CD-R überlassen ... so konnte dieser Fehlkauf dann natürlich in volle Zufriedenheit und Begeisterung umgewandelt werden.


      BBC, 1961, Mono
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • teleton schrieb:

      Bereits als Jugendlicher habe ich diese Philips-LP auch gehabt und war "geplättet" = das ist die Prägung bis heute.
      Auch ich habe das Konzert ausschliesslich als LP und bin damit sehr zufrieden. Philips hatte immer schon eine sehr gute Aufnahmetechnik. Leider ist das Label ja dann von Universal absorbiert worden. Aber meine alten Philips LPs halte ich sehr in Ehren (ich habe davon einige, da ich 18 Jahre für den Konzern gearbeitet habe, und alle Erzeugnisse im sog. "Personalverkauf" günstiger erwerben konnte). Ich kaufe auch grundsätzlich keine CDs von vorhandenen LPs, es sei denn sie sind als "Beifang" in einer Kompilation mit dabei.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Die Richter/Kondrashin-Aufnahme von Liszts Klavierkonzerten, entstanden vom 19. - 21. Juli 1961 in der Walthamstow Assembly Hall in London, wurde von C. Robert (Bob) Fine und Wilma Cozart von Mercury Living Presence (MLP) auf 35mm Film für das Philips Label aufgenommen. Streng genommen ist dies eine MLP-Aufnahme und deshalb auch in Vol. 3 der MLP-Box enthalten aber erschien, soweit ich das gesehen habe, ausschließlich auf dem Philips-Label:
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Ein Pianist galt galt manchen Kritikern immer als enfant terrible, gerade wegen seines Liszt-Spiels . Sein h-moll Sonate war Stein des Anstoss, aber auch sein Es-dur Konzert kann sich hören lassen . Simon Barere hatte nun mal eine Pranke und 'machte keine Gefangenen' . Mir hat das immer gefallen , Genau wie bei Cziffra, ganz besonders in der 1958er Live-Aufnahme . Virtuosität , warum nicht. Langeweile kommt jedenfalls nicht auf.

      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang "
    • Eine Aufnahme des Es-dur Konzertes, die ich ganz besonders schätze , wurde von Edith Farnadi mit Adrian Boult und dem Orchester der Wiener Staatsoper eingespielt . Sie hat das Konzert auch mit Hermann Scherchen für Westminster gespielt , aber die '59er Aufnahme bei Tahra ist einfach stimmiger und für mich ein 'Klassiker' .

      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang "
    • Dies ist eine alte Aufnahme aus dem Jahr 1938 . Eingespielt von einem alten Pianisten , begleitet von einem alten Dirigenten . Emil von Sauer (1862-1942) war für wenige Monate Schüler des alten Liszt, kurz vor dessen Tod . Daraus nun abzuleiten, hier läge eine Lisztsche Interpretation im Sinne von authentisch vor , halte ich für verwegen . Es ist ein Spiel, das hören lässt, daß nicht das Virtuose im Vordergrund steht . Aber wie klang von Sauer 50 Jahre früher ? Nicht nur als Dokument eines "Liszt-Schülers" hörenswert .

      oder u.a.
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang "
    • b-major schrieb:

      verdienstvolle (nicht komplette) Liste
      Dieser Liste entehme ich auch folgende Aufnahme.

      musicweb-international schrieb:

      Peng Peng (piano)/Leonard Slatkin/Nashville Symphony Orchestra ( + Mussorgsky: Pictures at an Exhibition and The Star Spangled Banner)NAXOS 8.570716(2008)
      Ich finde den Namen des Pianisten äußerst passend. :D
      Gruß aus Kiel
      Guter Wein, mäßig genossen, ist auch in großen Mengen nicht schädlich.
    • Doc Stänker schrieb:

      Dieser Liste entehme ich auch folgende Aufnahme.
      Peng Peng (piano)/Leonard Slatkin/Nashville Symphony Orchestra ( + Mussorgsky: Pictures at an Exhibition and The Star Spangled Banner)NAXOS 8.570716(2008)

      Der ist ja auch Ehrenmitglied der "National Rifle Association" :D

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Beim Herumstöbern bin ich auf folgende Aufnahme gestossen:



      PS: gibt es auch noch in anderen Ausgaben z.T. preiswerter, die können aber seltsamerweise nicht abgebildet werden w.d.H.w.


      Da ich von François René Duchable bereits eine sehr gute Aufnahme der h-Moll Sonate besitze, hatte ich mir gedacht, dass er wohl auch eine vergleichbare für die Klavierkonzerte
      abliefern würde. Und siehe da, er hat mich nicht enttäuscht. Die Aufnahme hat Kraft, Poesie und virtuosen Zugriff. Man könnte sie ebenso wie jene von Richter als "klassisch" und ausgewogen bezeichnen. Keine Kraftmeierei und kein angestrebter Geschwindigkeitsrekord. Aber er geht auch kein Risiko ein, wie z.B. Martha Argerich, die häufig am Rande des Abgrunds spielt (aber zum Glück nie hineinfällt). Das Dirigat von James Colon erscheint mir allerdings als etwas zu brav. Aber das ist insgesamt eine tolle Aufnahme (auch bei den anderen beiden Werken) eines Pianisten mit einem "Händchen" für Liszt.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Der "Grabbeltisch" bei medimops hat noch eine weitere Aufnahme gebracht:



      Nelson Freire ist mir schon früher mit einer aussergewöhnlich guten Aufnahme der h-Moll Sonate angenehm aufgefallen. Und Michel Plasson ebenso mit seinen Aufnahmen einzelner sinfonischer Dichtungen. Freires Spiel wirkt recht flott, obgleich er nur wenig schneller ist als z.B. Richter oder Zimerman. Aber er nimmt einige Passagen sehr forsch, und spielt nicht übermäßig rubatoreich. Das gibt seinem Spiel etwas vorwärtsdrängendes, was sich gerade am Schluß des Konzertes sehr positiv bemerkbar macht. Sowohl Klavier als auch Orchester spielen sehr durchsichtig, man kann sogar die berühmt berüchtigte Triangel zu Beginn des 3. Abschnittes deutlich vernehmen (In der Partitur steht hier "Der [sic] Triangel soll hier nicht plump sondern fein rhythmisch, mit klingender Präzision angeschlagen werden"). Das Spiel von Freire ist zuweilen glasklar, aber er holt auch gerne mal die "Pranke" heraus. Die Nähe zur Aufnahme mit Martha Argerich ist manchmal schon sehr groß.Die Aufnahme klingt zudem sehr schön räumlich und ausgewogen.
      Insgesamt für meine Ohren eine mehr als zufriendenstellende Aufnahme, die man noch dazu fast geschenkt bekommt. Man kann also nichts falsch machen.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Eusebius schrieb:

      Man kann also nichts falsch machen.
      Dann hoffe ich zuversichtlich, eben alles richtig gemacht zu haben, denn nach der Lektüre Deiner Beschreibung, lieber Peter, habe ich sogleich den Bestellknopf betätigt. ;)

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann