J. P. Sweelinck: Musik für Tasteninstrumente (+ Lautenwerke)

    • zabki schrieb:

      Ein bißchen problematisch macht mir an diese Theorie die Frage, wie man sich den "Ruhm" Sweelincks vorstellen soll, der ja irgendwie schon dagewesen sein muß, um den Schülerandrang zu bewirken. War das nur ein Gerücht, daß es da in Amsterdam einen tollen Orgelimprovisator gab?
      Schüler wird er schon früher gehabt haben, sicherlich ab seiner Anstellung als Organist an der Oude Kirk 1577, und in den 1590er Jahren wird er als bestbezahltester Organist Amsterdams gewiß auch einen Ruf als Pädagoge aufgebaut haben. Es wird wohl der konkreten Situation geschuldet sein, daß die Aufzeichungen bestimmter Schüler erhalten blieben, weil diese sich konkret darum bemühten, es zu erhalten.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Josquin Dufay schrieb:

      Schüler wird er schon früher gehabt haben, sicherlich ab seiner Anstellung als Organist an der Oude Kirk 1577, und in den 1590er Jahren wird er als bestbezahltester Organist Amsterdams gewiß auch einen Ruf als Pädagoge aufgebaut haben. Es wird wohl der konkreten Situation geschuldet sein, daß die Aufzeichungen bestimmter Schüler erhalten blieben, weil diese sich konkret darum bemühten, es zu erhalten.
      das klingt sehr einleuchtend. Aber weisen die "Tatsachen" der Überlieferung nicht doch in eine andere Richtung?

      Except for Willem Janszoon Lossy (son of Sweelinck's own presumed teacher),who came to Amsterdam about 1598, there is no record of any pupils, either Dutch or German, before the early years of the 17th century. During the second decade they became numerous.

      (Alan Curtis, Sweelinck's keyboard music, 1987, S. 87).

      Leider habe ich zwar ähnliche Angaben mehrfach, aber nichts genaueres gefunden. Die grundlegende Biographie von Sigthenhorst steht mir nicht zur Verfügung.
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      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Mich würde es überraschen, wenn er erst ab Ende der 1590er Jahre die ersten Schüler akzeptiert hätte - es war gutes Geld, was man als Lehrer verdiente, und so jemand wie er wird auch permanent angefragt worden sein zu unterrichten. Wenn er sich also nicht generell geziert hätte (oder es ihm sogar vom Arbeitgeber womöglich untersagt worden war), Schüler zu unterweisen, gibt es wenig Grund anzunehmen, daß er nicht seit gut 1580 bereits Schüler hatte.
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    • Josquin Dufay schrieb:

      Mich würde es überraschen,
      klar, mich auch, aber daß es bis ca. 1605 praktisch keinen Beleg, dann aber solche in zunehmender Zahl gegeben hat, spricht doch dafür, daß dieses Bild nicht zufällig zustandegekommen, sondern einigermaßen zutreffend ist.
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      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Auch eine Idee. Da die Quellenlage so ungenau ist, wird man es wohl nie erfahren. Aber falls Sweelinck auf diese Einnahmen verzichtet haben könnte, müßte er tatsächlich einen sehr gewichtigen Grund gehabt haben.

      Hat jemand eine Zeitmaschine, die er uns mal leihen kann? :D
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