Elliot Goldenthal - Größen der Filmmusik

    • Elliot Goldenthal - Größen der Filmmusik

      In Analogie zur Reihe unter Popmusik fange ich hier mal so etwas Ähnliches mit Filmkomponisten an:



      An anderer Stelle habe ich diesen Schüler Aaron Coplands schon mal vorgestellt - dort stiess er aber aus meiner Sicht zu Unrecht auf nur mässiges Interesse. Deshalb fasse ich hier nocheinmal zusammen:



      Aufmerksam bin ich auf diesen Musiker mit einer freien Komposition geworden: Dem symphonischen Vietnam Oratorium - ein Werk von mahlerischem Ausmass.



      Das hat mich so überzeugt, dass ich ab dann damit intensiv begonnen habe mich mit seiner Filmmusik zu beschäftigen. Ganz besonders schätze ich heute neben dem Oratorium die Scores zu Alien 3, Final Fantasy, Titus, Interview mit einem Vampir und Die Jury.



      Alien 3 stufe ich heute als eine der gelungensten neuen Filmmusiken überhaupt ein. Diesen Score stelle ich gleich neben Morricones legendärem Spiel mir das Lied vom Tod - so bedeutend finde ich ihn.



      Immer wieder frappierend finde ich seinen erfrischend anderen Kompositionsstil: Eine Gratwanderung zwischen von schweren coplandesken Blechbläsern getragenen spätromantischen Bombast und gekonnt eingesprengten eher avantgardistisch anmutender teilweise sehr gewagten Wendungen - da prallen riesige Klangmassen unterschiedlichster Art aufeinander, dass es eine wahre Wonne ist.



      Aktuell steckt der Komponist offenbar ein wenig in einer kreativen Krise, hat er doch nach seinem ihn länger ausser Gefecht setzenden häuslichen Unfall leider nur wenig Neues (ein paar Takte Musik zum Film Public Enemies) abgeliefert.



      Schade finde ich auch, dass es von seiner vor wenigen Jahren fertiggestellten Oper Grendel leider immer noch keine offizielle Aufzeichnung zu kaufen gibt.



      Elliot Goldenthal ist für mich nach wie vor immer noch einer der ganz grossen Favoriten, die nach Mahler und Schostakowitsch das symphonische Erbe Beethovens noch weiter entwickeln und in unsere Zeit transportierend vertiefen könnte. Mit dem Oratorium und mit Alien 3 hat er ja schon einen grossen Schritt in diese Richtung gemacht. Zeit wird es ja, dass es da endlich mal weiter geht.
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    • Aquarius schrieb:

      Elliot Goldenthal ist für mich nach wie vor immer noch einer der ganz grossen Favoriten, die nach Mahler und Schostakowitsch das symphonische Erbe Beethovens noch weiter entwickeln und in unsere Zeit transportierend vertiefen könnte. Mit dem Oratorium und mit Alien 3 hat er ja schon einen grossen Schritt in diese Richtung gemacht. Zeit wird es ja, dass es da endlich mal weiter geht.
      Hallo Aquarius,

      ehrlich gesagt geriet mir bei diesem Satz der Atem leicht ins Stocken!

      Man kann Goldenthal zweifellos Respekt dafür zollen, dass er vergleichsweise gute Filmmusik gemacht hat, aber ihn in einem Atemzug mit den oben genannten Komponisten zu nennen und ihn gar noch als Weiterentwickler des symphonischen Erbes von Beethoven zu bezeichnen - ich denke, das würde nicht einmal Goldenthal selbst für sich beanspruchen wollen.

      Dies ist aber natürlich nur meine Meinung und selbstverständlich musst Du diese nicht teilen.

      :wink:

      Roger
      "Ich brauche keine Musikkritiker"
      (Gennadi Roshdestwenskij)
    • RE: Grössen der Filmmusik - Elliot Goldenthal

      Aquarius schrieb:

      ...Elliot Goldenthal ist für mich nach wie vor immer noch einer der ganz grossen Favoriten, die nach Mahler und Schostakowitsch das symphonische Erbe Beethovens noch weiter entwickeln und in unsere Zeit transportierend vertiefen könnte. Mit dem Oratorium und mit Alien 3 hat er ja schon einen grossen Schritt in diese Richtung gemacht. Zeit wird es ja, dass es da endlich mal weiter geht.

      Menschens Kinder damit habe ich ja offensichtlich einen ungewollten Wirbel ausgelöst. Dabei halte ich EG doch nur für EINEN Favoriten, der in die symphonischen Fusstapfen von Beethoveh-->Mahler-->Schostakowitsch tritt.



      Wie man mich als Liebhaber seiner Musik und auch der Musik von anderen Amerikanischen Komponisten in die geistige Nähe der Scientology rücken kann (siehe einen von Wulfs Beiträgen im 4 33 Thread Stichwort "Hubbardsche Grüsse") ist mir schleierhaft.



      Ich kann an dieser Stelle versichern (auch wenn mein Nick vielleicht wirklich Anderes vermuten lässt) ich möchte hier niemanden bekehren oder infiltrieren. Ich möchte mich hier einfach nur entspannt unterhalten.
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    • Von Elliot Goldenthal kenne ich bislang folgende Filmmusiken:







      Für "Frida" erhielt er 2003 seinen ersten Oscar. Mein Lieblings-Track aus dieser Filmmusik ist der kleine, aber feine Titel "The Floating Bed": "http://www.youtube.com/watch?v=bkIFkfrYZyE". Als Ganzes gefallen mir aber seine anderen beiden Arbeiten "Alien 3" und "Final Fantasy - The Spirit Within" besser. In beiden Werken geht er mit seiner Musik ins Symphonische, Epische und damit weit über eine bloß deskriptive Untermalung hinaus. Manchem mag das vielleicht im Film selber als etwas aufdringlich und penetrant erscheinen, auf CD ist es über weite Strecken ein echter Genuss. Hier zwei sehr schöne Tracks aus "Alien 3":

      "Adagio": "http://www.youtube.com/watch?v=ICdx6bVQgoY"
      "Lento": "http://www.youtube.com/watch?v=NGZxh-NG7FA"

      DiO :beatnik:
    • Alien 3 und Interview mit einem Vampier waren genau DIE beiden Arbeiten, die EG den Auftrag für das Vietnam - Oratorium - für mich von der kompositorischen Anlage und vom Ausmass her quasi seine wahrhaftig ERSTE SYMPHONIE - einbrachten.

      Das Lento und Adagio aus Alien 3 sind aber auch zwei ganz besonders bemerkenswerte Stücke Musik. The Beast within ist dabei auch nicht ohne...

      Final Fantasy birgt auch sehr interessante Tracks.

      Was ich immer mehr bedauere ist die Tatsache, dass man erstens an seine Oper Grendel bisher nicht herankommt und 2. - für mich noch viel schmerzlicher - einfach nichts neues mehr aus seiner Feder fliesst.

      Nun ja der Meister hatte ja leider einen schweren häuslichen Unfall, von dem er sich wohl immer noch nicht ausreichend erholt hat.

      Hoffen wir mal das Beste, dass er bald wieder anknüpfen kann, denn mich dürstet danach.
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    • So, nachdem ich Goldis neuses Werk (The Tempest) nun zum ersten Mal anhören konnte kann ich nur sagen:

      GOLDENTHAL IS BACK!

      Zugegeben bei DER Besetzung (Rockband!!!) war ich schon ein bisschen skeptisch. Aber gleich die ersten Töne belehrten mich auf Anhieb eines besseren.

      Was der Meister da aus dieser quasi kammermusikalischen Besetzung herausholt, das steht in seiner Intensität einem spätromantischen Orchesterapparat kaum nach.

      Ein Stück sticht meines Erachtens ganz besonders raus: Hell is empty: Hei, wie es da zu einer regelrechten Zwiesprache zwischen "naturidentischen" Streicherklängen und E-Gitarren-"Pizzikati" kommt - SO ETWAS HABE ICH NOCH NIE ZUVOR GEHÖRT!!!

      Ist ein tolles Stück Musik, irgendwie so zwischen Zappa, Pink Floyd, aber auch ein bisschen Techno - und dennoch unverkennbar GOLDENTHAL - hurra DU bist wieder da.

      Für mich neben LOST das Beste, 2010 herauskam. Dieser Score hat Nachhaltigkeit. Ich liebe schon jetzt Goldenthals ganz eigenwillige Kammermusik.







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    • Als eines der besten Filmmusiken ist mir die Musik zum Michel Mann-Film "Heat" von Eliot Goldenthal in Erinnerung.



      Geschrieben für Streichquartett, ganz kammermusikalisch, dennoch rythmisch und voll Spannung. So muss Filmmusik sein! :)

      LG
      Tamás
      :wink:
      "Vor dem Essen, nach dem Essen,

      Biber hören nicht vergessen!"


      Fugato
    • Für mich nach wie vor eine der stimmungsvollsten Filmmusiken überhaupt, die sich zeitweilig auch durch eine sehr markante Instrumentation auszeichnet (zum Beispiel ein Kontrabassklarinettensolo):

      (Abgesehen davon halte ich auch den Film für ein surrealistisches, extrem starkes Horrorgemälde)
      Lucius Travinius Potellus
      Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)
    • erster Höreindruck Symphony in G minor

      Elliot Goldenthal

      Symphony in G minor

      1) Moderato con moto
      2) Rondo agitato

      interpretiert vom Pacific Symphony unter Carl St. Clair

      Hierbei handelt es sich um Goldenthals erste Symphonie. Ausgelegt ist dieses Werk - im Gegensatz zu seiner "heimlichen" ersten Symphonie Fire Paper Water (Vietnam Oratorio), ebenfalls interpretiert vom Pacific Symphony unter Carl St. Clair - im Grunde genommen als Kammersymphonie mit prominentem Streichquartett, sowie sehr sparsamen Einsatz von Blech.

      Der erste Satz beginnt minimalistisch mit motivischem Material seiner Filmmusik zu "Sphere". Immer, wenn sich ein Spannungsbogen beginnt aufzubauen verliert er sich wieder, bevor er sich aufs Neue, nicht minder instabil zu etablieren versucht. Nun das vermittelt neben dem düsteren Gesamtduktus dieses recht langen Satzes schon eine gewisse Art von unnahbarer Mystik, die mir sicher nach mehrmaligem Hören noch mehr gefallen wird. Einmal darf das für Goldenthal ungewöhnlich kleine Orchester auch mal nach gewohnter Manier ausbrechen, ehe sich am Ende noch ein überraschendes Saxophonsolo, fast schon jazzig "dreckig" gespielt zu Wort melden darf. Der Satz endet dann nahezu abrupt.

      Der zweite Satz, inspiriert von seiner Filmusik zu Final Fantasy, fällt auf Anhieb durch eine extrem ruppige Rhytmik auf. Ehe man es schafft irgendeine Ordnung neben dem prominenten Schlagwerk und schroffen Bläsereinwürfen zu finden ist dessen Musik schon vorbei.

      Einen symphonischen Ringschluss, wie er in seinem monumentalen "Fire Paper Water" zu finden ist suche ich hier bisher vergeblich.

      Auch fehlt mir bei diesem Werk der spontane Hörgefallen. Diese Symphonie will entdeckt werden, was meiner allgemeinen Hörgewohnheit nicht unbedingt entgegen kommt.

      Damit entzieht sich diese Komposition bisher leider meiner persönlichen Einschätzung, sondern lässt mich bisher eher ratlos zurück.

      Bin aber auf jeden Fall auf kommende Werke von Elliot Goldenthal gespannt. Bis dahin werde ich mich auch mit seinem Streichquartett "The Stonecutters" auseinandersetzen.

      Später hier weitere Höreindrücke.
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    • Querverweis zu den Boulangers

      Nadia Boulanger - bekanntermassen neben Aaron Copland die zweite wichtige Quelle von EGs Musik kenn ich musikalisch noch nicht, sie hat bei uns auch noch kein Thema ... Aber ihre überaus talentierte Schwester Lili Boulanger entzückt mich aktuell mit ihrer hinreissenden Musik.

      Und für mich schliesst sich so langsam ein Kreis. Es ist der Einfluss der Boulangers was meine Faszination für EGs Musik mit ausmacht. Mächtige Fanfaren a la Copland im impressionistisch boulanger-inspirierten Klangkosmos, aber nicht epigonal sondern schlüssig weiterentwickelt das ist für mich die Musik von Elliot Goldenthal.

      Klar, dass ich nun auch seine jüngste Synphony in G endlich besser wertschätzen kann.

      Ist es möglich diesen Thread zu den Neuzeit-Komponisten zu verschieben?

      Auch wenn EG derzeitig eher passiv ist: Er ist nicht nur ein Filmkomponist. Sein Fire Paper Water, Grendel und Symphony in G qualifizieren ihn als Komponist allgemein.

      Würde mich freuen :)
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