Dmitri Schostakowitsch: Sonate für Klavier Nr. 2 op. 61

    • Dmitri Schostakowitsch: Sonate für Klavier Nr. 2 op. 61

      Die Klaviersonate Nr. 2 h-Moll op. 61 komponierte Dmitri Schostakowitsch 1942. Er widmete sie dem Gedenken an seinen Lehrer Leonid W. Nikolajew. Uraufgeführt hat Schostakowitsch die Sonate 1943 in Moskau selbst. Das etwa eine halbe Stunde lange Werk hat im Gegensatz zur 1. Sonate drei Sätze. Der dritte Satz ist der längste der drei.

      Ich habe mir die letzten beiden Tage unter Zuhilfenahme der bei Sikorski erschienenen Notenausgabe die Aufnahme von Caroline Weichert mit großem innerem Gewinn angehört.



      Hier mein persönlicher Höreindruck:

      Spröde, lapidar läuft die Musik im 1. Satz (Allegretto) los. Das zweite Thema (Più mosso) ist dann marschartig angelegt. Deutlich kristallisiert sich ein Sonatensatz mit Thema 1, Thema 2, Durchführung, Thema 1 Reprise, Thema 2 Reprise (reizvoll, wie Schostakowitsch hier gegenüber der Exposition variiert, Beispiel Lagenwechsel Thema 2!) und Coda heraus.

      Das Largo des 2. Satzes kommt auch spröde, herb, reduziert daher. Ich assoziiere Kälte, Alleinsein, Nacht. Vor allem der Mittelteil des Satzes strahlt aber auch ein ganz seltsames, faszinierendes Geheimnis aus.

      Der 3. Satz, Moderato (con moto), bringt zehn Variationen über ein herbes, russisch anmutendes, einstimmig und unbegleitet vorgestelltes Thema – 1 polyphon, 2 mit Achteltriolen, 3 Staccato, 4 akkordisch, 5 flott im Dreiertakt, 6 punktiert, 7 wie 6 linke Hand, 8 strenge Sarabande, 9 erhaben, 10 tiefe Region, Finalwendung.

      Mir ist beim Finale der 2. Satz aus Beethovens letzter Klaviersonate (op. 111) in den Sinn gekommen, hier wie dort verliert sich die Musik, ins Punktierte wie ins Irgendwo eigener Welten.

      Mich hat beim Hören mit Mitlesen in den Noten Caroline Weicherts Interpretation extrem beeindruckt, die genaue Einhaltung auch von Detailangaben, ohne die Musik buchstabierend werden zu lassen, sie ganz im Gegenteil sowohl in der Vermittlung nahezu fahler Einsamkeit als auch im vielschichtigen Abwechslungsreichtum der Variationen spannend schattiert mitlebbar zu gestalten.

      Hörgrundlage: Caroline Weichert, 4 CDs Universal/Accord 4428213, op. 61 aufgenommen 1988 in Thun.
      Literaturgrundlage: Einführungstext der Notenausgabe und Booklet zur CD Box.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Die Einzel-CD von Caroline Weichert auf Accord mußte -zusammen mit Koroliov - weichen , als ich Boris Berman hörte .



      Aber auch der hat seinen Platz nicht so ganz sicher, weil ich eigentlich drei Aufnahmen habe , neben denen ich keine weitere brauche . Da bin ich ganz bescheiden . Knackpunkt ist für mich eigentlich immer der 2.Satz : der muss mich überzeugen .

      auch

      Ich ziehe die Live-Aufnahme der ebenfalls 1965 entstandenen RCA-Studioeinspielung vor . ( 2.Satz !)


      Eine sehr persönliche Interpretation :


      Das angegebene Aufnahmedatum 1965 wird teilweise angezweifelt . Aufnahmedatum 1958 wahrscheinlicher .


      Mich überzeugend ( wie so oft) : Anatoly Vedernikov , 1971 .


      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang "