Franz Schubert: Streichquartett d-Moll D. 810 ("Der Tod und das Mädchen")

    • Philbert schrieb:

      m vierten Satz wird wieder die alte Ikonographie beschworen, in der Form eines Totentanzes.
      Ich bezweifle keineswegs die historische Richtigkeit dieser Aussage, für mein Empfinden ist aber eine Tarantella eine ausgelassener Gesellschaftstanz, der ins Frenetische übergeht. Als Todeskampf empfände ich eher einen Tanz mit einem einzelnen Partner, dem Tod nämlich (im Sterben ist man ja alleine). Die für mich nahliegendsten Todestänze wären für mich daher etwa Tango oder Walzer. Als wirklichen Todestanz empfinde ich z.B. das Finale aus Beethovens op. 132. Das ist für mich wirklich makabre Musik.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Felix Meritis schrieb:

      Als Todeskampf [meine Unterstreichung] empfände ich eher einen Tanz mit einem einzelnen Partner, dem Tod nämlich (im Sterben ist man ja alleine)
      Es war nicht von Toteskampf, sondern von Totentanz die Rede, einem Tanz, in dem der Tod mit unterschiedlichen Partnern tanzt und der in der Ikonographie des Mittelalters und später vorhanden ist.
      de.wikipedia.org/wiki/Totentanz
      Der Tod und das Mädchen von Hans Baldung Grien
      commons.wikimedia.org/wiki/File:Hans_Baldung_006.jpg
      ist mit dieser Ikonographie verwandt, sozusagen als ein Element des Todesreigens.

      Das Bild von der Tarantella als lockeren-positiven Tanz, den wir haben, ist meist von den napoletanischen Tarantellen geprägt, u.a. von Rossinis La danza.
      Ursprünglich war er aber ein buchstäblich frenetischer Tanz, wild bis zum Wahnsinn.

      Der vierte Satz des Quartetts kann eben in diesem Sinn als Tarantella interpretiert werden, einen frenetischen Tanz, in dem der Tod das Mädchen - und wohl nicht nur es - führt, bis zur (sorry for the pun) Wahnsinns-Coda.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Amfortas09 schrieb:

      AlexanderK schrieb:

      Gleich danach das Hagen Quartett (CD DGG 431 814-2, aufgenommen im Oktober 1990 im Münchner Plenarsaal der Akademie der Wissenschaften): vibratolos klar, dabei wie aufgezogen, vollkommen aufeinander abgestimmt. Im Gegensatz zum Melos Quartett wiederholt das Hagen Quartett die Exposition im 1. Satz.
      ist das die Aufnahme, in der das Trio vom Scherzo sehr langsam gespielt wird, also damit besonders zum Scherzo kontrastiert und es damit in schier beklemmender Intensität rüberkommt ?
      Ja, das ist sie. Gestern noch einmal überprüft. Starker Kontrast.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Nachdem ich ja bereits meine "Verehrung" für die Busch-Aufnahme bekundet habe , kommen jetzt meine "ferner laufen" Einspielungen . Recht betrachtet , ist es so etwas wie eine Geschichte des Quartettspiels und der Interpretation am tödlichen Beispiel .
      Die älteste Einspielung stammt aus dem Jahr 1928 . Da ging das Quatuor Capet ins Studio . Belgisch-französische Schule , und 8 Jahre später klingt das Spiel des Busch Quartetts schon ganz anders . Dennoch ein hörenswertes Dokument .



      Von dem Quatuor Calvet , das aus der gleichen Schule kommt , gibt es eine bekannte Vorkriegsaufnahme auf Telefunken . Mir gefällt aber die gleich nach dem Krieg 1946 entstandene besser , allerdings ist von der alten Besetzung nur noch der Namensgeber dabei . Und wieder klingt es anders . Hier enthalten :



      1950 geht das Wiener Konzerthaus Quartett ins Studio . (Ich habe nur die einzelne CD mit No.14 & 13, aber da kein Bild , muss dieses herhalten) .



      Das Hollywood String Quartet stellte sich der Herausforderung 1956 :



      Das Hungarian Quartet klingt für mich in seiner 1958er Aufnahme engagierter und intensiver als in seinen Beethoven-Zyklen .



      Ein Jahr später gibt das Juilliard String Quartet sein erstes Statement ab , und das bleibt in seiner coolen Intensität für mich auch ihr bestes .Die RCA-Aufnahme ist auf Testament mit Beethovens op.131 gekoppelt, das ihnen ,wie ich finde , nicht so gelingt . Aber in der großen RCA Living Stereo Kiste ist die originale Kopplung mit dem Quartettsatz enthalten .



      Dann kommt bei mir eine Pause , bis 1981 das Vienna String Quartet eine "objektive" Enspielung machte . (Gibt es auch einzeln mit dem Quartettsatz)





      Und dann dauerte es , bis mich eine Aufnahme wieder faszinierte . Allerdings erst, nachdem mich ein Schubert-Aficionado aus dem Forum quasi zu meinem Glück gezwungen hat .(Merci !) 2013 erschienen Tod & Mädchen aus der Sicht des Pavel Haas Quartetts , und da klang es wiedes anders und neu .





      Aber auf die Insel kommt das Busch Quartett mit .
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang "
    • Neben einigen hier schon genannten fanden sich bei mir noch ein:

      Auf Vinyl:

      Amadeus Quartett auf DGG
      Drolc Quartett
      Fine Arts Quartet
      Guarneri Quartet
      Koeckert Quartett
      Smetana Quartett (2 x)
      Tokyo String Quartet
      Orlando String Quartet
      Wiener Philharmonisches Quartett (Boskovsky und Co.)
      Heutling Quartett
      Bastiaan Quartett

      Auf CD:




      Um die jetzt im Raum stehende Frage gleich zu beantworten: nein, aber die meisten :P
    • Philbert schrieb:

      Der vierte Satz des Quartetts kann eben in diesem Sinn als Tarantella interpretiert werden, einen frenetischen Tanz, in dem der Tod das Mädchen - und wohl nicht nur es - führt, bis zur (sorry for the pun) Wahnsinns-Coda.
      Danke! Diese Ergänzungen waren wirklich erhellend. Ich hatte dies mehr als Zwiegespräch und Zweiertanz im Kopf, vielleicht auch wegen eines Gedichts von Werfel, das ich kenne.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Philbert schrieb:

      Das Bild von der Tarantella als lockeren-positiven Tanz, den wir haben, ist meist von den napoletanischen Tarantellen geprägt, u.a. von Rossinis La danza.
      Ursprünglich war er aber ein buchstäblich frenetischer Tanz, wild bis zum Wahnsinn.

      Der vierte Satz des Quartetts kann eben in diesem Sinn als Tarantella interpretiert werden, einen frenetischen Tanz, in dem der Tod das Mädchen - und wohl nicht nur es - führt, bis zur (sorry for the pun) Wahnsinns-Coda.
      Gerade hat mir jemand nochmal eine Version der Geschichte dieses Tanzes erzählt: Das Gift der Tarantel sollte durch die wilden Bewegungen des Tanzes aus dem Körper getrieben werden.
      (wikipedia schreibt ähnliches)

      Also ist die Tarantella ein Tanz ums Überleben, ein Tanz mehr gegen den Tod als "mit" dem Tod ?
      Vielleicht eine Assoziation, die für die Betrachtung dieses Finales fruchtbar zu machen ist. ?
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • ...noch bisschen anders hab ich`s mal vor Unzeiten gehört/gelesen . . .
      die Tarantella habe ihren Namen, weil man, davon angeregt, umeinanderhüpfen könne, als sei man eben von diesem Biest gestochen worden . . .

      Dasdada youtube.com/watch?v=NQTskQgZhv…r70jqZnFikO9WYxSrubuCUB6N
      scheint mir nun keineswegs mehr eine originäre Tarantella - hat aber in etwa das Tempo, in dem Schubert seinen Schlusssatz wohl gespielt haben wollte...
      >diese Art von "gezähmten Tarantellas" sollen übr. bis zu `ner Dreiviertelstunde dauern<

      <= diese kleene Sängerin (u. "Akkordeonistin", Enza Magnolo mit Namen) scheint übr. inzw. verstorben --------
      googelt man ihren Namen, liest man zunächst "Addio Enza", ein paar Zeilen weiter dann "Enza Magnolo Tumore".
      .. womit wir nun doch wieder beim Thema Tod wären :| :|

      < < = = nur sehr leicht OT hier, wie ich hoffe . . . für`nen alten Folk-Fan (mit Schwerpunkt Süd- und Südosteuropa) ist hier inzw. "zu oft" von der Tarantella die Rede gewesen . . . . .
      Fleiß ist gefährlich (Henning Venske >Inventur<) Majo ist ätzend (Gus van Sant >Paranoid Park<) Hollywood ist ein Witz (Aki Kaurismäki)


    • Ein "Totentanz" muss ja nicht unbedingt langsam sein. Ist ja keine marcia funebre.

      ich denke an das Werk von Liszt oder an die "Danse macabre" (das ist wohl nur das frz. Wort für "Totentanz") von Saint-Saens.

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" (Paul Watzlawick)
    • Einwurf von der Seitenlinie: Meine Frau kam einmal ins Wohnzimmer als ich das Quartett hörte, Anfang zweiter Satz. Sie blieb stehen, schaute auf den drehenden Plattenteller. Nochmal ein paar Sekunden Pause, dann fragte sie was das sei. Ich antwortete, dass sie das kennen könnte, da wir das schon bei einer Aufführung modernen Tanzes gehört haben. Sie hört wieder gebannt zu und sagt dann, nein das kann nicht sein. Das hier ist existenziell bewegend. Der Satz geht zu Ende und ich erinnere mich, dass bei dem Ballett die Fassung für Kammerorchester von Mahler gespielt wurde. Der Unterschied ist frappant, aber auch besonders, weil die deutliche Lesart des Amadeus-Quartetts auf dem Teller lag. Ich habe auch noch ArtemisQ, TakacsQ & MelosQ, auch hervorragende Aufnahmen. Aber AmadeusQ finde ich am eindringlichsten. Gruß, Frank
    • Neu

      Ich höre gerade die Aufnahme des Alban-Berg-Quartetts (P) 1985 und versuche, mit der Partitur in der Hand die Formanalyse des Kopfsatzes nachzuvollziehen, die heute bei der deutschsprachigen Wikipedia abgedruckt ist. Ich kann ihr nicht zustimmen.

      deutschsprachige Wikipedia schrieb:

      Dem 1. Satz liegt die Sonatenform zugrunde, allerdings ohne extra Durchführungsteil, weil Exposition und Reprise diese bereits integriert haben, denn nach Vorstellung der Themen beginnt gleich der Verarbeitungsprozess. Auffälligerweise spielt das im pianissimo vorgetragene erste Thema (T. 15-19) keine Rolle, es tritt nach der Oktavwiederholung erst wieder verkürzt und versteckt in der 2. Violine kurz nach Beginn der Reprise auf (T. 152) und dann schließlich in der Coda (T. 311).
      Ich meine, der Kopfsatz hat sehr wohl ganz normal Exposition (T. 1, 0:00), Durchführung (T. 141, 4:41) und Reprise (T. 198, 6:35). Gerne räume ich ein, dass man weiten Abschnitten der Exposition, der Reprise und der Coda Durchführungscharakter zusprechen mag. Das ist vielleicht das Besondere an der formalen Struktur des Kopfsatzes - und, dass die Eröffnung des Satzes nebst seinem ersten Thema ihre Reprise erst in der Coda erfahren.

      Man könnte bspw, darüber streiten, ob die ersten 14 Takte eher eine Einleitung, besser Eröffnung sind, so etwas wie eine Motto-Vorstellung (Triolenrhythmus), und ob das erste Thema eventuell erst in T. 15 (0:31) im Piano erscheint. Die Wiederholung eine Oktave höher dann im Forte, danach der erste durchführungsartige Abschnitt (T. 25, 0:48). - Sequenzierendes Crescendo, dann Wiedererscheinen der Eröffnung (variiert, T. 41, 1:17).

      Mit dem Pianissimo (T. 52, 1:36) könnte man die Überleitung ansetzen. [Off Topic: Hier und im zweiten Thema ist mir "Brahms im Prater" (op. 111) näher als der Sensenmann ...] Ab T. 61 (1:54) dann das zweite Thema über Quasi-Bordun-Bass, welches auch sogleich einer quasi-durchführenden Verarbeitung unterzogen wird.(T. 71, 2:14, spätestens aber ab T. 83, 2:39).

      Ab T. 115 (3:45) begönne dann die Schlussgruppe. Ende der Exposition - na ja, wo schon - beim Doppelstrich nach T. 140 (4:41).

      Dann halt Durchführung - von wegen "ohne extra Durchführungsteil" (Wikipedia). Ratzfatz sind wir in fis-Moll. Was soll das denn sonst sein, wenn keine Durchführung?

      Die Reprise beginnt pflichtschuldigst in T. 198 (6:35) mit der variierten Eröffnung, d. h. die "eigentliche" Eröffnung und das erste Thema (ab T. 15) werden übersprungen (die Reprise dieser Teile geschieht in der Coda), es geht sofort in die Überleitung (T. 209, 6:56) und dann ab T. 218 (7:13) ins zweite Thema, nun in D-Dur, welches seinen ausführlichen durchführungsartigen Abschnitt behält.

      Ein langer Ton im Cello leitet die Coda ein (T. 299, 10:03). Hier nun die variierte Reprise der Eröffnung (Dynamik, Harmonik) sowie des ersten Themas, dann die "eigentliche" Coda mit ihrem Verlöschen.

      Nicht, dass Formalia gerade bei diesem Werk die Hauptsache wären, die semantischen Ausführungen von Zwielicht und Philbert fand ich viel interessanter, aber was Wikipedia da schreibt ...

      Gruß
      MB

      :wink:
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      Mauerblümchen schrieb:

      und versuche, mit der Partitur in der Hand die Formanalyse des Kopfsatzes nachzuvollziehen, die heute bei der deutschsprachigen Wikipedia abgedruckt ist. Ich kann ihr nicht zustimmen.

      Mauerblümchen schrieb:

      Ich meine, der Kopfsatz hat sehr wohl ganz normal Exposition (T. 1, 0:00), Durchführung (T. 141, 4:41) und Reprise (T. 198, 6:35). Gerne räume ich ein, dass man weiten Abschnitten der Exposition, der Reprise und der Coda Durchführungscharakter zusprechen mag. Das ist vielleicht das Besondere an der formalen Struktur des Kopfsatzes
      Ich wäre auch nie auf die Idee gekommen, dem Kopfsatz die Durchführung abzusprechen. Die Gliederung im Sinne der Sonatensatzform scheint mir hier sogar besonders stark ausgeprägt zu sein. Klar finden sich auch in den anderen Formteilen Partien mit Durchführungscharakter, aber das ist ja schon seit Haydn gelegentlich so.

      Weiterer, wenn auch minimaler Fehler des Wikipedia-Artikels: Auffälligerweise spielt das im pianissimo vorgetragene erste Thema (T. 15-19) keine Rolle... Das erste Thema steht in T. 15-19 keineswegs im Pianissimo, sondern im Piano, zudem ab T. 17 mit Crescendo-Vortragsbezeichnung (in älteren Ausgaben hat die erste Geige auch fz-Angaben, diese fehlen in der Neuen Schubert-Ausgabe).

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
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      Ich kann mich irren - ich tue es meistens bei diesen Dingen - aber strukturell kommt mir das Rosamundequartett viel extravaganter vor. Der langsame Satz und das Schlussrondo (?) sind vom Typus irgendwie unendliche Variationen. Im d-Moll Quartett wirkt das alles auf mich mehr der Tradition verpflichtet.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Neu

      Kater Murr schrieb:

      Unbestritten "fetzig, ist es mir etwas zu viel pseudosinfonischer "Theaterdonner" in den Ecksätzen und insgesamt finde ich es nicht so "quartettmäßig" (daher käme ich nie auf die Idee, dass es ein "Quartett der Quartette" sein könnte).
      Das G-Dur ist auch oft nicht quartettmäßig, aber viel origineller und erschafft eine einzigartige "Klanglandschaft", während mir das d-moll wie ein Versuch vorkommt, Beethovens sinfonische Gesten a la Schubert als Quartett zu verarbeiten, d.h. es tritt weniger als beim G-Dur etwas Neues an Stelle des fehlenden typischen (Haydn bis Beethoven) kammermusikalischen Stils.

      Zwielicht schrieb:

      Und was ist schon "quartettmäßig"...?

      Eben. Quartettmäßig ist erst einmal alles, was man mit einem Streichquartett spielen kann, wenn man nur genug übt ... ;)

      Zwielicht schrieb:

      Trotzdem finde ich auch die Klangwelt des d-moll-Quartetts unvergleichlich, es gibt vorher nichts Ähnliches.

      Bei aller Verschiedenheit von D. 810 und Beethovens op. 95 haben doch zumindest die schroffen Gesten und der radikale Ausdruck des Schubert-Quartetts bei Beethoven so etwas wie einen Vorläufer. Nicht alles ist vom Himmel gefallen, auch, wenn es bei Schubert eine, wie von Philbert und Zwielicht erwähnt, übergeordnete Idee das Quartett prägt. (Auch bei Beethoven?) - Ob Schubert op. 95 kannte, ist freilich eine andere Frage.

      Gruß
      MB

      :wink:
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      Nun habe ich mir auch meine neu eingelangten Aufnahmen vom ABQ und den Hagens angehört (mein CD-Stapel ist jetzt richtig groooß!), und präferiere immer noch das Quartetto italiano. Das ABQ gefällt mir sehr gut, vielleicht meine zweitliebste Aufnahme, aber die Italiener sind im ersten Satz noch grimmiger und im zweiten noch entrückter. Die Hagens liefern mir eine zu technische Einspielung ab, ähnlich wie das Artemis Quartett, nur nicht so schlimm. Vieles im ersten Satz klingt zu wenig dramatisch und tragisch, und einfach zu beiläufig wenn auch technisch perfekt. Der zweite Satz hat mir allerdings sehr gut gefallen.

      Mit der "übergeordneten Idee" komme ich immer noch nicht zurecht. Denn für mich ist die "Story" nach dem zweiten Satz bereits erzählt. Im ersten Satz wird das Mädchen "getötet", wie man aus dem Kulminationspunkt kurz vor Ende mit dem darauffolgenden "Tempo I" gut heraushören kann. Der zweite Satz ist dann die Totenklage plus Verklärung. In Zukunft werde ich mir die ersten beiden und letzten beiden Sätze getrennt anhören.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
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      Felix Meritis schrieb:

      Mit der "übergeordneten Idee" komme ich immer noch nicht zurecht. Denn für mich ist die "Story" nach dem zweiten Satz bereits erzählt. Im ersten Satz wird das Mädchen "getötet", wie man aus dem Kulminationspunkt kurz vor Ende mit dem darauffolgenden "Tempo I" gut heraushören kann. Der zweite Satz ist dann die Totenklage plus Verklärung. In Zukunft werde ich mir die ersten beiden und letzten beiden Sätze getrennt anhören.
      Aber ein Kunstwerk ist doch kein tatsächlicher Vorgang in der real world oder auch nur ein Bericht darüber. Oder zumindest ist ein Streichquartett kein Drama, mit dem Anspruch, eine lineare Handlung darzustellen. Dann wären Inkonsistenzen ein notwendiges k.o.-Kriterium.
      Manchmal könnte man meinen, Schubert hätte nur Werke aus höchstens zwei Sätzen komponieren können; weitere gäbe es nur aus Verpflichtung der Tradition gegenüber. Aber merkwürdigerweise höre ich mir besagtes Streichquartett trotzdem gerne ganz an. Oder, um ein anderes Beispiel zu nennen: die a-moll-Klaviersonate D 784. Eigentlich könnte nach deren erstem Satz nix mehr kommen.
      Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
    • Neu

      Tyras schrieb:

      Oder zumindest ist ein Streichquartett kein Drama, mit dem Anspruch, eine lineare Handlung darzustellen. Dann wären Inkonsistenzen ein notwendiges k.o.-Kriterium.
      naja, aber eine gewisse dramaturgische Folgerichtigkeit würde ich schon erwarten, wenn es denn eine Dramaturgie sein soll... oder sagt man halt: okay, die ersten Sätze folgen einer solchen, die anderen nicht?
      Das Werk muss ja vor Allem musikalisch funktionieren.
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
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      Auch bei Beethovens Eroica ist ja der "Held" bereits nach dem zweiten Satz tot und begraben...

      Man darf, so meine ich (im Anschluss an Tyras), das d-moll-Streichquartett nicht als lineare Erzählung lesen/hören, sondern als eine Abfolge unterschiedlicher Reflexionen über das Thema "Tod", wobei aber eben die grausamen und nicht-transzendenten Aspekte des Themas die Oberhand behalten.

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)