Pfitzners Musik – Noch immer vergessen?

    • Amfortas09 schrieb:

      auch seine Quartette finde ich sehr gelungen.. die Kantante "Von deutscher Seele"... sowie sein Klavierquintett und sein Sextett.. ..beim beschwingt-düsterem Christelflein berührt die Unambitioniertheit der Komposition..... das ist alles für mich ganz echter Pfitzner ...

      Bezüglich der Quartette bin ich mir noch unschlüssig. So richtig überzeugt hat mich jetzt noch keines der vier, aber die Kammermusik mit Klavier finde ich durchgehend gelungen. Mein Favorit ist aber eher das Trio op. 8. Ich halte Pfitzner auch weniger für epigonal als für eklektizistisch. Und Eklektiker haben es einfach schwerer, siehe Raff oder Saint-Saens.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • garcia schrieb:

      Mal überlegt schriftstellerisch tätig zu werden?
      Nie und nimmer !!! Nein. ganz im Gegentum. Ich weiß allzu genau wo Grenzen sind, allein viel zu viele stilistische, grammatikalische und orthographische Unzulänglichkeiten: aber dazu stehe ich...

      garcia schrieb:

      Wunderschöne Charakterisierung all dessen, was auch mir, aber nicht so deutlich ausformuliert, beim ersten Hören so durch den Kopf ging

      unterhaltsam-visuell sollte es möglichst sein. Dass dein Hör-Eindruck sich mit dem meinigen trifft, ist vielleicht ein Hinweis, dass die Beschreibung von Pfitzners Mucke nicht zu sehr daneben liegt: Das erleichtert + freut mich allerdings sehr.

      Geoge Alexander Albrecht zitierte mal im Zusammenhang mit dem Palestrina das Wort "Altgold" aus dem Buch "Mahler - Eine musikalische Physiognomik". Fand ich damals schwer beeindruckend in der Matinee vor der Premiere. Deshalb sind meine Beschreibungen Leseblüten aus z.B. Stefan-George-Lyrik, also höchst epigonal, was Pfitzners Mucke m. E. in seinen besten Werken nicht ist.....

      Felix Meritis schrieb:

      Ich halte Pfitzner auch weniger für epigonal als für eklektizistisch. Und Eklektiker haben es einfach schwerer, siehe Raff oder Saint-Saens.
      Man müsste vielleicht im Zusammenhang mit Pfitzners Mucke den Begriff "eklektizistisch" verdeutlichen und abgrenzen von "epigonal", dann wäre mir das klarer..
      (Nebenbei: Wenn in manchen Gazetten-Feuilletons Zemlinskys Mucke als "eklektizistisch" festgenagelt wurde, dann hat mich das immer angenervt)
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Amfortas09 schrieb:

      Man müsste vielleicht im Zusammenhang mit Pfitzners Mucke den Begriff "eklektizistisch" verdeutlichen und abgrenzen zu "epigonal", dann wäre mir das klarer..
      (Nebenbei: Wenn in manchen Gazetten-Feuilletons Zemlinskys Mucke als "eklektizistisch" festgenagelt wurde, dann hat mich das immer angenervt)

      Eklektizistisch ist er mMn deshalb, weil er sowohl die Personalstile anderer Komponisten als auch Stile unterschiedlicher Epochen miteinander kombiniert. Im Finale der C-Dur Symphonie bspw. mischt er das Tarantellafinale der Italienischen Symphonie mit dem Ring der Nibelungen von Wagner (mein Tipp: erste Zwischenaktmusik vom Rheingold). Oder er mischt Hochromantik mit Moderne (Violinkonzert). Aber alles eben so, dass in meinen Ohren keine wirkliche Verschmelzung entsteht. Daher: Eklektizismus.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • In Pfitzners Spätwerk (!) gibt es bewusste Rückgriffe auf klassische und frühromantische Topoi. Ansonsten finde ich seine Musik alles andere als "eklektizistisch", sondern im Gegenteil ganz eigenständig, unverwechselbar und durchaus "neu". Was soll am Streichquartett op. 36, am Palestrina oder an Meisterliedern wie " In Danzig" oder "An den Mond" eklektizistisch sein?

      Und Eklektiker haben es einfach schwerer, siehe Raff oder Saint-Saens.


      Mir erscheint es ziemlich abwegig, Pfitzner in puncto Eklektizismus mit Raff oder (dem von mir durchaus sehr geschätzten) Saint-Saens zu vergleichen.

      Pfitzners Musik wirkt auf mich unter anderem deshalb so anziehend, weil es dem Komponisten gelingt, den spätromantisch-tonalen Rahmen (gerade noch so) nicht zu verlassen, ohne in Eklektizismus zu verfallen.

      Viele Grüße

      Bernd
    • Im Finale der C-Dur Symphonie bspw. mischt er das Tarantellafinale der Italienischen Symphonie mit dem Ring der Nibelungen von Wagner (mein Tipp: erste Zwischenaktmusik vom Rheingold).


      Mir ist beim Hören dieses Finales (und ich habe es sicherlich mehr als fünfzigmal gehört) noch nie der Gedanke an Mendelssohns Italienische gekommen. Klar, ganz an der Oberfläche gibt es Ähnlichkeiten, aber von der Grundaussage her bewegt sich Pfitzners Dämonenritt für mich in einer ganz anderen Welt.

      Viele Grüße

      Bernd
    • "orthograph. Unzulänglichkeit"

      ...und Arno Schmidt?? (viell. wusste der auch mitunter gar nicht so recht, wie es "richtig" wäre.....hüstel.....)

      Mittlerweile gibt`s derart viel an überflüssigem veröffentlichtem (that`s the point) Amateur-Geschreibsel << Handke meinte inzwischen gar, dass für ihn die Bezeichnung "Schriftsteller"
      in Verruf gekommen sei - er fühle sich mittlerweile eher als (altägyptischer) "Schreiber" >> dass ich mich ernsthaft frage, ob sich unsereiner da gänzlich zurückhalten sollte.
      mein ja bloss :)


      EDIT ... nu hatte mich heut morgen ganz schwer die soziale Ader gepackt - u. ich sah mich plötzlich veranlasst (sei`s Kollegen Amfortas09, sei`s irgendeinen Leser dieses
      threads), ein bisserl zu sinnfreien (will hier heissen: "nicht forumsgebundenen") creative writing zu ermuntern - - -
      Was das jetzt noch mit dem Pfitzner Hansl zu tun hat? (Inzw. hat mich einer der Moderatoren < superfreundlich freilich, nee wirklich :yes: > ob dieses artfremden Einwurfs
      angeschrieben) ... ... längst ist für mich beschlossene Sache, mich demnä. mal bzgl. "Walküre" und "Parsifal" essayistisch sinnfrei auszuprobieren ... ... und just seit heut
      morgen bekomm ich Gelüste, auch mal was über Gedichtvertonungen zu schreiben - und da bliebe Pfitzners Eichendorff-Zyklus "Von deutscher Seele" sicher nicht außen vor!
      Fleiß ist gefährlich (Henning Venske >Inventur<) Majo ist ätzend (Gus van Sant >Paranoid Park<) Hollywood ist ein Witz (Aki Kaurismäki)


    • arundo donax schrieb:

      In Pfitzners Spätwerk (!) gibt es bewusste Rückgriffe auf klassische und frühromantische Topoi. Ansonsten finde ich seine Musik alles andere als "eklektizistisch", sondern im Gegenteil ganz eigenständig, unverwechselbar und durchaus "neu". Was soll am Streichquartett op. 36, am Palestrina oder an Meisterliedern wie " In Danzig" oder "An den Mond" eklektizistisch sein?

      Palestrina kenne ich, wie bereits eingeräumt, nicht und ebenfalls nicht die beiden genannten Lieder. Ich bezog mich auf die Instrumentalmusik Pfitzners und hier kann ich den Vorwurf des Eklektizismus durchaus nachvollziehen. Die Konzerte, die Violinsonate, das späte Streichquartett, die C-Dur Symphonie, etc.. sind mMn eklektizistische Werke. Ich persönlich habe damit kein Problem - Saint-Saens, ein bekennender (!) Eklektizist, ist einer meiner Lieblingskomponisten. Trotzdem kann ich ChKöhn und andere schon verstehen, wenn ihnen ein spezifischer Ton bei Pfitzner zu fehlen scheint.

      Bezüglich C-Dur Symphonie: das Finale greift eindeutig auf die Rhythmisierung des Tarantellafinales der Italienischen zurück und verbindet sie mit Wagnerscher Hermonik und Thematik aus dem Rheingold. Für zufällig halte ich das nicht, denn Pfitzner bewunderte sowohl Wagner als auch Schumann und Mendelssohn.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.


    • Mal wieder Pfitzners Herz op. 39 reingezogen...

      Herz-Mucke setzt etwa da fort, wo Pfitzners 3. Akt vom Palestrina endet.
      Sie kommt gleichermaßen herb, düster und in sich versonnen rüber, allerdings noch weniger ausladend als bereits Palestrina-Mucke, weil verknappend, in quasi lakonischer Grundierung...so als ob sie eher ständig Bock hätte, sich zu verkrümeln.

      Momentan übertrifft der Fetzigkeitslevel vom Herz sogar den vom Armen Heinrich, der Rose und dem Christelflein und Von Deutscher Seele.
      Christelflein trägt Klamotten vom Singspiel und fristet unverständlicherweise gegenüber von Hänsel + Gretel weiterhin bloß lausiges Mauerblümchendasein, was Aufführungshäufigkeit betrifft.

      Palestrina bleibt mir weiterhin Pfitzners Hauptwerk, analog bei Bazi Die Soldaten oder bei Dallapiccola der Ulisse....
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann