Dietrich Fischer-Dieskau – Versuch einer Würdigung

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    • DiFiDi als Liedsänger gehört auch zu meinen persönlichen Favoriten. Genau genommen hat er mir überhaupt erst den Weg zum deutschen Lied geebnet, durch seine stets wortnahen Ausdeutungen der Musik. Und er hat mich bleibend geprägt: Bis heute ziehe ich beim deutschen Lied Sänger, die vom Wort kommen, denen vor, die von der Musik kommen.

      Bei DiFiDi als Opernsänger bin ich etwas gespalten. Ich erinnere mich, irgendwann einmal über eine seiner Opernaufnahmen die Beschreibung "genial fehlbesetzt" gelesen zu haben (war das vielleicht sogar von Edwin?). Ob das jetzt der Holländer ist, oder Hans Sachs, oder Rigoletto, oder gar Wozzeck: Da fehlt das Dramatische, das Theatralische. Im Grunde hört man immer DiFiDi, und nicht die dargestellte Person. Der verkrüppelte Hofnarr in Mantua klingt, als wäre er auf dem Weg zum Fünfuhrtee, und der Soldat Wozzeck trinkt auch eher einen guten Burgunder als billigen Schnaps. Aber was DiFiDi an dramatischem Ausdruck und an Dunkelheit in der Stimme fehlt, wird durch distanzierte, aber intelligente Gestaltung des Textes und der Rolle zumindest zum Teil kompensiert. Am Ende sitze ich dann etwas ratlos dar. "Genial fehlbesetzt" eben.

      Viele Grüße
      Michel
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Womit sollte ich die Hommage an den Künstler beginnen, der meine Sängervita wie kein Anderer bestimmt hat ?

      Am besten so :

      Auf der Straße steht ein Lindenbaum,

      Da hab ich zum erstenmal im Schlaf geruht !

      Unter dem Lindenbaum, der hat seine Blüten über mich geschneit.

      Da wußt ich nicht, wie das Leben tut, war alles, alles wieder gut !

      Alles ! Alles ! Lieb und Leid !

      Und Welt und Traum !

      Diesen letzten Worten des fahrenden Gesellen hat Fischer - Dieskau eine quasi transzendierende Bedeutung gegeben.

      Hätte er nichts anderes gesungen : Diese Interpretation würde ihn in meinen Augen unsterblich machen !

      Gott sei Dank umfasst seine Diskographie zahllose Juwelen dieser Art, besonders natürlich im Liedbereich, den er m. E. neu erfunden, gefunden und empfunden hat. Ich denke nur an die Brahms - Magelone und darin an " Ruhe, Süßliebchen ", das er mit unbeschreiblich tröstlich - balsamischer Stimme singt.

      Einige seiner zehn Winterreise - Einspielungen bleiben für mich Referenz.

      Ein Verdibariton war er gewiss nicht, ein Basso cantante im geistlichen Fach ebenso wenig. Seine Koloraturen waren häufig gebellt und mit unschönen Aspirations - Hs versehen. Sobald er, z. B. als Rigoletto, Scarpia oder gar Jago, die Stimme größer machen wollte als sie tatsächlich war, geriet das schöne Material schnell aus dem Fokus.

      Und doch : Seine sängerische Intelligenz, seine Neugierde, sein meist geglücktes Ausbalancieren von Wort und Ton ( Töne sprechen, Worte singen ), kurz : Sein beeindruckendes Künstlertum, machen ihn für mich ( MiniminiDiFiDi ) zum wichtigsten Sänger des letzten Jahrhunderts, zum Hohen Priester des Liedgesangs, neben der Ikone des Operngesangs, Maria Callas.

      Dass ich vor fünf Jahren in Schwarzenberg eine ganze Stunde mit ihm und seiner charismatischen Ehefrau Julia Varady verbringen durfte, gehört zu den eindrucksvollsten Momenten in meinem Leben.



      Ciao. Gioachino :juhu:
      miniminiDIFIDI
    • Ihr Lieben, die Mahler-Lieder sind für mich auch eine absolute Sternstunde und da kann ich den Enthusiasmus des Miniminidifidi bestens nachempfinden. :klatsch:
      Aber auch Hugo Wolf war ein Komponist, der FIDI sehr gut gelegen hat- zusammen mit Irmgard Seefried treffen sich hier einfach zwei serh schön timbrierte Stimmen und intelligente Sänger zu einer Referenzaufnahme:



      Ich muss mir den Posa unbedingt mal anhören, mir scheint das wirklich alles Andere als abwegig für diese Stimme zu sein- wenn man denn lyrischen Stimmen im Verdi-Fach überhaupt eine Chance gibt. (was ich natürlich tue ;+) )- ich bin einfach 50 Jahre zu spät.

      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • oper337 schrieb:

      Meine Lieben!

      Trotz der wenig guten Kritiken an Fischer-Dieskau in italienischen Opern, habe ich ihn einmal auf der Bühne der WStO erlebt, und zwar in einer italienischen Oper, nämlich in Verdis "Falstaff"



      Hier hat Leonard Bernstein das zusammengebracht, was sonst an Fischer-Diekau gerügt wird, eine perfekte italienische Oper, mit dem Schalk des Falstaff. Das war wirklich eine Sternstunde der Wiener Staatsoper. Aber leider: Lang ist's her!

      Leider habe ich diese LP/ CD Gesamtaufnahme nicht.

      Liebe Grüße sendet Euch Euer Peter. :wink: :wink: :wink:
      Angeregt durch die mehrfache Erwähnung hier, habe ich mir nach langer Zeit mal wieder die Bernstein-Aufnahme meiner liebsten komischen Oper angehört, und ich muss sagen, ich war überrascht, wie viel besser die Aufnahme noch ist, als sie in meiner Erinnerung ohnehin schon war (wobei ich den Karajan-FALSTAFF wegen seiner Ausgeglichenheit auf Spitzenniveau - zu dem übrigens auch eine großartige Elisabeth Schwarzkopf beitrug - immer noch leicht vorziehe). Das gilt durchaus auch für Dietrich Fischer-Dieskau, dessen beste italienische Opernaufnahme das in der Tat sein dürfte. Ganz gelegentlich wünschte ich mir noch etwas mehr Fülle in der Tiefe, aber der wahrhaft übersprudelnde Bernstein macht es ihm leicht, indem er gelegentlich ein enormes Tempo vorgibt, das ihn nicht zwingt, in ungemütlichen Lagen zu verharren. Dagegen überrascht mich immer wieder, wie gut Dieskau mit dem Mordstempo mithalten kann, bedenkt man, dass das Italienische hörbar nicht seine Lieblingssprache ist. Allerdings macht Bernstein es ihm aber auch schwer, weil er gelegentlich eine Lautstärke erzeugt, die auch stimmstärkere Sänger überfordern würde.

      Auch Dieskaus sowohl gepriesene als auch gefürchtet obsessive "Gestaltungswut" hat hier sehr viele Meriten, denn sie fügt sich hervorragend in das kunterbunt witzige Feuerwerk ein, das Bernstein hier anfacht. Zuweilen zerreißt er mir kleine melodische Bögen zu sehr zugunsten des Ausdrucks, aber das ist eine eher geringfügige Krittelei, die auch mit der Prägung durch andere Sänger zu tun hat.

      Trotzdem würde ich die Aufnahme nicht wegen Fischer-Dieskau kaufen, obwohl er definitiv in der Spitzengruppe (hinter, z.B. dem frühen (!) Taddei, Tito Gobbi, und Bryn Terfel rangiert, dem er aber an Detailgestaltung überlegen ist. Die Gründe, sich die Aufnahme zuzulegen, sind, neben Bernstein, die sensationelle Mrs. Quickly der Regina Resnik, die vollblütige Nanetta von Graziella Sciutti, die ausnahmsweise einmal nicht den sanften Zwitschervogel gibt, den Anna Moffo so hinreißend sang, und, was in dieser Ensembleoper enorm wichtig ist, die optimal gesungenen und gespielten Nebenrollen, unter denen der urkomische Dr. Cajus von Gerhard Stolze heraus ragt.

      Vielleicht nicht der allerbeste FALSTAFF, aber die ideale Alternativaufnahme, in der man mehr von dem unglaublich differenzierten und abwechslungsreichen Orchesterdetail der Oper hört als irgendwo sonst, dank Dietrich Fischer-Dieskau aber auch von der filigranen Kunst, mit der Verdi diesen enorm beweglichen Dickwanst gestaltet hat.

      Mehr davon irgendwann später, wenn ich wieder mal Lust bekomme, hier aktiver mitzumachen und diesem genialen Werk einen eigenen Thread zu widmen (oder mich einem anzuschließen, der zwischenzeitlich von jemand anderem begonnen wird).

      :wink: Ridebamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Auf der Straße steht ein Lindenbaum,
      Da hab ich zum erstenmal im Schlaf geruht !
      Unter dem Lindenbaum, der hat seine Blüten über mich geschneit.
      Da wußt ich nicht, wie das Leben tut, war alles, alles wieder gut !
      Alles ! Alles ! Lieb und Leid !
      Und Welt und Traum !
      ja unbedingt (für jeden Mahler-Junkie ein Muss).. und wenn wir alle jetzt beim Fischer-Dieskau-Schwelgen sind, dann natürlich auch:

      Sonne der Liebe, willst du nie mehr scheinen,
      Um meine bittern Tränen mild aufzutrocknen?
      aus dem 2. Stück des Lieds v. d. Erde mit Lenny. Vor allem dann das verhaltene "mild aufzutrocknen"

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Rideamus ist mir zum Falstaff schon zuvorgekommen, so dass ich im Grunde nur noch "bitte verdoppeln" :D sagen kann. Die Kombination Lenny/FiDi sprüht hier wirklich vor klugem Witz. Andere mögen stimmlich/gesanglich noch etwas mehr überzeugen, aber das Rollenportrait Falstaffs, das FiDi hier entwirft, ist großartig gelungen!- Nicht nur sehr durchdacht, sondern auch sehr komisch und doch in seiner Komik auch nicht ganz ohne Tragik. Aber ein Schuß Tragik gehört bei einem richtig guten Komödianten wohl dazu, wie die Intelligenz, um eine solche, eigentlich sehr komplexe Rolle gut umsetzen zu können.

      Ebenso stimme ich Fairy zu: Auch für mich ist die Aufnahme von Wolfs Italienischem Liederbuch mit Irmgard Seefried die Referenz.

      :wink: Matthias
    • Matthias Oberg schrieb:

      gioachino schrieb:

      Einige seiner zehn Winterreise - Einspielungen bleiben für mich Referenz.


      Lieber Gioachino,

      welche findest du denn besonders gut?

      :wink: Matthias
      Würde mich auch interessieren! Und ich komme noch einmal meine oben gestellten Fragen zur FiDi-Schubert-Diskographie zurück: Lieber gioachino, weißt Du etwas dazu? (Wenn nicht Du, wer dann?)
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Auf der Straße steht ein Lindenbaum,
      Da hab ich zum erstenmal im Schlaf geruht !
      Unter dem Lindenbaum, der hat seine Blüten über mich geschneit.
      Da wußt ich nicht, wie das Leben tut, war alles, alles wieder gut !
      Alles ! Alles ! Lieb und Leid !
      Und Welt und Traum !


      :juhu: Ich habe das inzwischen so oft gehört, dass ich allein beim Lesen dieser Zeilen eine Gänsehaut bekommen - so berührend hat Fischer-Dieskau es gesungen, dass es sich für alle Zeiten eingeprägt hat. :juhu:

      Ich verehre diesen großen Sänger sehr! Und ich werde ganz sicher in diesem Thread noch etwas schreiben... (wenn ich endlich wieder einen eigenen Rechner habe...).

      Ich habe fast alle seine Bücher gelesen, natürlich auch die Biographie von Hans Neunzig. Ich liebe es, Fischer-Dieskau auf DVD zu bewundern, weil man so einen Teil seiner ungeheuren Bühnenpräsenz erleben kann. Fischer-Dieskaus Ausdrucksstärke kann ich gar nicht genug preisen, sein perfektes Timing, sein wunderbares Timbre und und und.

      Später einmal mehr zum Thema, bestimmt. :)

      Gruß, Cosima
    • Auf der Straße steht ein Lindenbaum,
      Da hab ich zum erstenmal im Schlaf geruht !
      Unter dem Lindenbaum, der hat seine Blüten über mich geschneit.
      Da wußt ich nicht, wie das Leben tut, war alles, alles wieder gut !
      Alles ! Alles ! Lieb und Leid !
      Und Welt und Traum !
      ich vermute, Ihr sprecht von der Wiedergabe mit Kubelik. Indem Fischer-Dieskau :juhu: diese Zeilen ganz zart, ja auch tröstlich (obwohl ich das Wort "tröstlich" eigentlich meiden möchte) singt und dabei noch gleichzeitig eine leblose, bleiche Farbe mit hineinmischt, baut sich ein immenser Kontrast zum klagenden, untröstlichen Ochesterpart am Ende des Liedes auf. Eine ungeheure Spannung wird hörbar ... eine Sternstunde der Mahlerliedpflege.

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Es fällt mir nicht leicht, lieber Gurnemanz,

      eine der Winterreisen zu favorisieren. Spontan würde ich die mit Jörg Demus nennen wollen, aus den frühen Sechzigern.

      Hier wie auch bei der gemeinsamen Dichterliebe und den Vier ernsten Gesängen besticht das wunderbare, partnerschaftliche Musizieren beider Künstler. Das Grüblerische in der Interpretation durch Fischer - Dieskau hält die ideale Balance zum optimalen sängerischen Ansatz und Einsatz.

      Übrigens ist der Sänger nicht allzu glücklich darüber, dass zahlreiche Einspielungen des Zyklus` noch immer auf dem Markt sind, obwohl er andererseits stolz darauf sein kann, dass die jeweiligen Labels die Wiederholungen bereitwillig akzeptierten.

      Und doch sind es immer quasi Momentaufnahmen der zu diesem Zeitpunkt herrschenden Einstellung zu dem Werk, Momentaufnahmen, über die man als Interpret vielleicht wenig später den Kopf schütteln mag.

      Aber welchem Künstler ist je so ein Privileg der Wiederholungen eingeräumt worden?

      Meine Begeisterung für den fahrenden Gesellen bezieht sich übrigens auf meine LP mit Furtwängler.



      Ciao. Gioachino
      miniminiDIFIDI
    • gioachino schrieb:

      Spontan würde ich die mit Jörg Demus nennen wollen, aus den frühen Sechzigern.
      Die kenne ich noch nicht, lieber gioachino, Danke für den Tip! Ich habe mittlerweile drei Winterreise-Aufnahmen mit FiDi-Moore bei mir gefunden, eine ganz alte LP (Ende 40er?), dann auf CD die besagte EMI-Aufnahme (ca. 1960), die ich momentan favorisieren würde, und schließlich wieder als LP eine DGG-Aufnahme (Anfang 1970er), mit der ich Künstler wie Werk einst kennengelernt habe. Müßte ich mal wieder vergleichen.
      Meine Begeisterung für den fahrenden Gesellen bezieht sich übrigens auf meine LP mit Furtwängler.
      Diese Aufnahme - Keith hat das Bild oben (Beitrag Nr. 13) eingestellt) - entstand übrigens als eine Art Zugabe: Furtwängler hatte gerade (1952) bei EMI Wagners Tristan eingespielt (mit DiFiDi als Kurwenal), man war schneller fertig geworden als geplant und so entschlossen Furtwängler und sein Sänger sich noch zu diesem Projekt - das Resultat ist jetzt auf Konserve zu bewundern. Die Entstehungsgeschichte der Mahler-Aufnahme ist übrigens mit heftigen Streitigkeiten um den EMI-Produzenten Walter Legge verbunden; warum nicht dieser, sondern Lawrence Collingwood die Einspielung der Mahler-Lieder produzierte, kann (einschließlich einer Rezension der Aufnahme) hier auf englisch nachgelesen werden (nette Geschichte, in der auch ein gewisser HvK eine kleine Rolle spielt...).
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Noch einmal FiDi und Mahler: Eben habe ich diese hier gefunden:



      FiDi mit drei verschiedenen Orchestern und Dirigenten, Kindertotenlieder und (zweimal!) Lieder eines fahrenden Gesellen. Die Hörschnipsel lassen Gutes erwarten - weiß wer mehr?
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • 'Amfortas09 schrieb:

      ich vermute, Ihr sprecht von der Wiedergabe mit Kubelik. Indem Fischer-Dieskau :juhu: diese Zeilen ganz zart, ja auch tröstlich (obwohl ich das Wort "tröstlich" eigentlich meiden möchte) singt und dabei noch gleichzeitig eine leblose, bleiche Farbe mit hineinmischt, baut sich ein immenser Kontrast zum klagenden, untröstlichen Ochesterpart am Ende des Liedes auf. Eine ungeheure Spannung wird hörbar ... eine Sternstunde der Mahlerliedpflege.


      Ja, die Kubelik-Aufnahme. :juhu: Ich habe gestern im Vergleich noch einmal die Aufnahme unter Furtwängler gehört. Sie ist bestimmt sehr gut, kommt aber nicht an die überragende Kubelik-Aufnahme heran. Du hast sehr gut beschrieben, was das Außergewöhnliche dieser Interpretation ausmacht.

      Das ist überhaupt eine Kunst Fischer-Dieskaus: Er vermag in ein einziges Wort verschiedene Stimmungen, Gefühle hineinzulegen. Ich beschrieb das schon einmal anhand der Winterreise (die frühe Aufnahme mit G. Moore). Wenn er singt "Ihr lacht wohl über den Träumer", dann sind in dieser Zeile (vor allem in "lacht") Trotz, Angst und Traurigkeit zugleich hörbar. Das ist unglaublich! Ich könnte unzählige Stellen benennen, wo Fischer-Dieskau so etwas gelingt. Ganz große Kunst! :juhu:

      Vor allem liebe ich auch die Lieder, in denen Sviatoslav Richter sein Begleiter ist. Aber das habe ich bereits an anderer Stelle ausführlich dargelegt. Die beiden sind ein echtes Dream-Team gewesen.

      Die Demus-Aufnahme der Winterreise gefällt mir auch sehr. Interessant ist auch die DVD, auf der Brendel begleitet. Nicht so sehr wegen der Gesangsleistung, sondern vor allem wegen der Mitschnitte während der Probenarbeiten. Und ich empfehle auch, einmal die ganz frühe Aufnahme anzuhören. Ein ganz anderer Fischer-Dieskau singt da. Er selber mochte die Aufnahme später nicht mehr gern hören, bezeichnete sie als zu "lamoryant" (was sie wohl auch ist). Aber eigentlich sind alle seine Winterreisen hörenswert, vor allem hinsichtlich des Vergleichs seiner Entwicklung interessant.

      Später mehr...

      Gruß, Cosima
    • als Mahler-Junkie und Fischer-Dieskau-Fan weise ich => auf diese Cds hin:

      Lied von der Erde mit Keilberth (leider ohne Bild) Mitschnitt vom 02.04.64 (also richtig live)

      dann die mit Lenny




      Rückert-Lieder, Lieder eines fahrenden Gesellen und Kindertotenlieder auf einer CD mit Böhm + Kubelik Leider auch ohne Bild. Vielleicht findet Ihr noch passende Links

      Vielleicht gibt es diese Wiedergaben irgendwo anders billiger. Es gibt noch eine Sudioaufnahme vom Lied von der Erde mit Fischer-Dieskau und Kletzki. Mal bei Amazon stöbern..

      Aber ich würde in jedem Fall orchestral Keilberth (der ja eigentlich kein typischer Mahler-Dirigent ist) und vor allem Lenny vorziehen. Ach ja und der ZDF-Theaterkanal sendet am Montag 21.09.09 dies:

      14:00 Uhr - 14:30 Uhr (30 min.) Dietrich Fischer-Dieskau singt Beethoven-Lieder mit Gerald Moore am Flügel

      dazwischen ein Fischer-Dieskau-Talking.

      15:30 Uhr - 16:00 Uhr (30 min.) Dietrich Fischer-Dieskau singt Gustav Mahler: "Kindertotenlieder" (mit Lorin Maazel + das Radio Sinfonie Orchester Berlin) 1968


      Beides vermutlich mono, da aus den 60ziger Jahren. Der Receiver ist bereits programmiert...


      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Gurnemanz schrieb:

      Noch einmal FiDi und Mahler: Eben habe ich diese hier gefunden:



      FiDi mit drei verschiedenen Orchestern und Dirigenten, Kindertotenlieder und (zweimal!) Lieder eines fahrenden Gesellen. Die Hörschnipsel lassen Gutes erwarten - weiß wer mehr?


      Kurz zu der Mahler-Tahra-CD, in die ich gestern nochmals reingehört habe: Fischer-Dieskau ist natürlich sehr gut, aber wenn man Kubelik und Furtwängler hat, sind diese Aufnahmen nicht unbedingt ein Muss. Vor allem die Orchesterbegleitung finde ich nicht so ideal, in der 1957-er Aufnahme ist zudem die Klangqualität mangelhaft.

      Hinweisen in Sachen Mahler möchte ich unbedingt noch auf die Rückert-Lieder unter Böhm mit den Berliner PO. Fischer-Dieskaus „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ ist genial! :juhu: Er trifft hier wieder den typisch Mahlerschen Tonfall.



      Gruß, Cosima


    • Ich habe gerade gesehen, dass diese Doppel-CD mit Liedern und Arien aus 1949-81 bei 2001 für unglaubliche 14,99 Euro zu haben ist. Highlight ist für mich die Bonus-DVD: 8 Schubert-Lieder, Mitschnitt eines Recitals aus dem Napoleonsaal des Ismaninger Schlosses (1978) mit Sviatoslav Richter als Begleiter am Klavier. Diese Schubert-Lieder sind sonst nirgends veröffentlicht worden. Unbedingt zugreifen!

      Gruß, Cosima
    • Bonus-DVD: 8 Schubert-Lieder, Mitschnitt eines Recitals aus dem Napoleonsaal des Ismaninger Schlosses (1978) mit Sviatoslav Richter als Begleiter am Klavier. Diese Schubert-Lieder sind sonst nirgends veröffentlicht worden.

      wurde das nicht - vor mittelfristiger Zeit - mal im TV gesendet. Ist diese DVD denn das vollständige Schloss-Konzert ?

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Amfortas09 schrieb:

      wurde das nicht - vor mittelfristiger Zeit - mal im TV gesendet. Ist diese DVD denn das vollständige Schloss-Konzert ?


      TV? - keine Ahnung.

      Ich glaube nicht, dass das ein echtes Konzert war (kein Publikum etc.), sieht mir eher aus wie eine Produktion extra fürs TV. Muss ich aber noch mal genauer nachsehen, Details habe ich vergessen. Jedenfalls sind es nur 8 Lieder, ganz sicher also kein vollständiges Konzert. Aber äußerst sehens- und hörenswert. Fischer-Dieskau war - glaube ich - leicht erkältet, dennoch gut bei Stimme. Und Richter ist eh ein toller Begleiter gewesen...

      :wink:
    • Habe gestern abend mir noch die Audio-Spur/File der Beethoven-"Fernen Geliebte" (ZDF-Theaterkanal) reingezogen. Fischer-Dieskau + Moore. Also unbedingt empfehlenswert (trotz mono + etwas Rauschen). Wird vielleicht bis zum Oktober noch-1-mal wiederholt.

      S. Richter begleitet nicht nur, sondern gestaltet auch ganz beeindruckend: z.B. Brahms-Magelone live vom 20.06.65. Immer noch meine Lieblingsmagelone, trotz "historischem" Klang

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann