Buchempfehlung zur Musikgeschichte

    • Wieland schrieb:

      Jedem Streichquartettfan und denen, die es werden wollen, kann ich dieses Buch empfehlen. Es wäre wunderbar, wenn der Autor das über 30 Jahre alte Werk noch einmal updaten würde.
      Vielleicht wird das Buch über Streichquartette von Tully Potter , von dem das meiste schon geschrieben ist , ja endlich fertig. Dann hätten wir vielleicht ein aktuelles Werk . Übrigens war Hans Keller - "galt als eine internationale Kapazität auf dem Gebiet des Streichquartetts" (wikipedia)- seinerzeit mit Griffiths nicht so glücklich . Seine Kritik ist bestimmt irgendwo im Netz .
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang "
    • b-major schrieb:

      Übrigens war Hans Keller - "galt als eine internationale Kapazität auf dem Gebiet des Streichquartetts" (wikipedia)- seinerzeit mit Griffiths nicht so glücklich . Seine Kritik ist bestimmt irgendwo im Netz .
      Ja, habe ich gerade gelesen. Trotzdem würde ich das Buch empfehlen. Die Dinge, die Hans Keller kritisiert, dürften für jemanden, der sich erstmalig mit der Materie näher auseinandersetzen will, wenig relevant sein. Das Beste was Hans Keller hätte tun können, nämlich die bessere Geschichte des Streichquartetts zu schreiben, hat er leider nicht getan. Insofern warten wir gerne auf die von Tully Potter oder auf eine Übersetzung der dreibändigen französischen.
    • Wieland schrieb:

      Das Beste was Hans Keller hätte tun können, nämlich die bessere Geschichte des Streichquartetts zu schreiben, hat er leider nicht getan.
      Das hätte ihm , glaube ich, nicht entsprochen . Aber wie ich gerade erst gelesen habe , hast Du gestern das Quartett No.3 von Britten gehört . Das war ihm ja gewidmet . Schöner Zufall !
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang "
    • Wie wäre es damit?


      Alex Ross: The Rest is Noise.
      Da das 20igste Jahrhundert zuende ist, kann man dieses Buch als einen Versuch sehen, die Musik des Jahrhunderts zusammen zu fassen.
      Ich habe es mit Gewinn gelesen.
      Gruß aus Kiel
      Guter Wein, mäßig genossen, ist auch in großen Mengen nicht schädlich.
    • Ich denke, dass der "Oberschlaumeier" Oberg sich hier vielleicht argumentativ ver(ge)irrt hat.
      Ich sehe jedenfalls die Argumentationskette nicht belegt nur behauptet.
      Und da Alex Ross seit 1996 zum Stammpersonal des New Yorker gehört, dem eine neokonservative Haltung nun ganz und gar ab geht, denke ich, es ist eher ne Reaktion darauf, dass Mr. Ross eben zu anderen Resultaten kommt als man es in Berlin gewohnt ist.
      Aber das ist nix Schlimmes an sich, nur für Berlin :thumbsup:
      Gruß aus Kiel
      Guter Wein, mäßig genossen, ist auch in großen Mengen nicht schädlich.
    • Doc Stänker schrieb:

      Ich denke, dass der "Oberschlaumeier" Oberg sich hier vielleicht argumentativ ver(ge)irrt hat.
      Ich glaube das nicht. Vor einiger Zeit habe ich den Ross gelesen, durchaus mit Gewinn, denn ich finde es gut geschrieben. Dabei halte ich für berechtigt, wenn auch vielleicht etwas zu scharf formuliert, was Matthias Obert seinerzeit schrieb:

      Matthias Oberg schrieb:

      Auch wenn Ross politisch wohl kein Neo-Konservativer ist, 'musikpolitisch' bestimmt seine Argumentationsmatrix die kulturgeschichtliche Bibel der US-Neokonservativen, Allan Blooms "The Closing of the American Mind". Ross ganze Argumentation ist aufs engste daran angelegt. Wie für Bloom das 'europäische' Denken, dass mit den intellektuellen Emigranten aus Europa kam, für die Krise Amerikas, die wesentlich "geistige Krise" sei, verantwortlich ist, so zimmert sich auch Ross karrikaturhafte Pappkameraden von seinen Hauptfeinden Adorno, Boulez und als deren 'US-Stellvertreter' Milton Babbit zurecht, um gegen diese 'überintellektualisierte' fremde Musik die volksverbundenere, 'eigentlich' amerikanische Musik von Copeland bis Reich, Adams usw. zu verteidigen und diese dem Rest der Welt als Modell vorzuhalten. Das ergibt nicht nur sehr merkwürdige historische Proportionen der Aufmerksamkeit, sondern hat auch zur Folge, dass man, außer über Minimal- und Post-Minimal-Music, über keine anderen noch zeitgenössisch wirksamen Strömungen irgendetwas Brauchbares erfahren kann.
      Einschränkung: Da ich Allan Bloom nicht kenne, kann ich nicht beurteilen, ob die Kritik seines Buchs berechtigt ist.

      Ich erinnere mich noch, wie unangenehm ich es bei der Lektüre empfand, daß Ross z. B. Pierre Boulez auf hämische Weise heruntermachte: Boulez' in den 1950ern/60ern oft polarisierendes, provozierendes Auftreten wird von Ross weidlich ausgenutzt.

      Benjamin Britten dagegen wird deutlich überschätzt, als sei er eine der großen Lichtgestalten der Neuen Musik. Wobei ich gar nichts gegen Britten sagen will, aber es gibt nun einmal in der Musik nach dem II. Weltkrieg eine ganze Reihe weiterer großer Komponisten, deren Bedeutung Alex Ross leider nicht zu würdigen weiß.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann

      Ein Pianist, der still und schweigend am Klavier sitzt, ist bereits eine Aussage.
      Rebecca Saunders
    • Versteh ich nicht.

      Da ich Allan Bloom nicht kenne, kann ich nicht beurteilen, ob die Kritik seines Buchs berechtigt ist.
      Ähh, das ist seine Argumentationslinie. Wenn du also die Quelle nicht kennst, wieso folgst Du ihr so gehorsam?

      Egal:
      Ross bleibt für mich lesenswert. Wir sind hier erwachsene Leute und können erkennen, dass ein Amerikaner nicht alle diejenigen kennen kann, die irgendwann nach 1945 in Deutschland ein Notenblatt publiziert haben. Er kennt immerhin Lachenmann (Seiten 574-575 ) :thumbsup:
      Dass Boulez und Leibowitz mit einer "großen Gaunerei" (frei nach Henscheid) ihren Ruhm begründeten, indem sie alle anderen verbal fertig machten, das ist doch in der heutigen Kunst "Gang und Gäbe".
      Es wird sich in Jahren heraustellen, ob Boulez was drauf hatte, was von Bestand bleibt, oder ob sein Andenken aus "schönen sterilen Dirigaten" bestehen wird.

      Nebenbei: Ich kann den Britten auch nicht leiden.
      Aber das stört mich nicht, ich pflege nämlich auch oft Bücher mit Gewinn zu lesen, die nicht meine Meinung widerspiegeln. Lesen bildet bekanntlich und das hilft bei ggf. zu fest gefahrenen Anschauungen.
      Gruß aus Kiel
      Guter Wein, mäßig genossen, ist auch in großen Mengen nicht schädlich.
    • Doc Stänker schrieb:

      Ähh, das ist seine Argumentationslinie. Wenn du also die Quelle nicht kennst, wieso folgst Du ihr so gehorsam?
      Gehorsam folge ich niemandem. ;) Mit Matthias stimme ich weitgehend darin überein, was er über Ross schreibt. Den man, da stimme ich nun wiederum Dir zu, durchaus mit Gewinn lesen kann. Von der Lektüre abraten würde ich jedenfalls nicht.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
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      Helmut Lachenmann

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      Rebecca Saunders