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Montag, 28. Mai 2012, 02:11

Cinquecento - Renaissance Vokal

Cinquecento, der Name, den sich das 2004 gegründete Vokalensextett gegeben hat, ist programmatisch: Cinquecento, so heißt das 16. Jahrhundert auf italienisch, und der Musik dieser Zeit gilt das Interesse der sechs Sänger.
Dabei stellen sie sich in die Tradition der damaligen Hofkapellen; besondere Aufmerksamkeit schenken sie der noch weithin unbekannten Musik der kaiserlich-habsburgischen Hofkapelle.

Ebenso wie es auch in den Hofkapellen der Renaissance Usus war, stammen die Sänger des Ensemble Cinquecento aus verschiedenen Ländern. Das ist durchaus beabsichtigt:

"Diese Fusion unterschiedlicher, jahrhundertealter Vokaltraditionen trägt dem humanistischen Ideal der varietas Rechnung und ist mitbestimmend für den besonderen Klangstil des Ensembles", schreibt die Wikipedia.

Die Fürsten warben sich damals gute Musiker gegenseitig ab; selbst wer im Unfrieden von seinem Herrn geschieden oder gar trotz Vertrag weggelaufen war, konnte auf eine neue Stelle hoffen.

Musiker der Hofkapellen hatten viele Aufgaben. Sie waren zuständig für die Repräsentation und Staatsakte ihrer Herren, Gottesdienste, Unterhaltung, Ausbildung neuer Musiker u.a., zugleich waren sie auch Prestigeobjekte: je größer die Kapelle, desto reicher und mächtiger sollte ihr Herr erscheinen.

Die Hofkapelle spielte bei Staatsakten, Verträgen, Festen, Totenfeiern. Kriegszügen. Sie sangen und spielten nicht nur, sondern verwalteten ihre Manuskripte und Chorbücher, sorgten für das Anfertigen von Kopien, leiteten die Chorschulen, unterrichteten die Choralschüler und oft auch Angehörige der Fürstenfamilien - ein umfangreiches Arbeitsfeld.

Die Musiker waren sehr mobil und flexibel und diese Mobilität blieb nicht ohne Auswirkungen auf das Repertoire. Neue Musiker brachten neue Musikstücke und neue Ideen von ihren bisherigen Wirkungsstätten mit, auf Reisen lernte man die Musik anderer Höfe kennen. Auch auf diese Weise wurde für die Verbreitung von Werken aus den verschiedenen Musikzentren gesorgt.

Für die kaiserlich-habsburgische Hofkapelle galt dies besonders. Die weit verzweigte Familie der Habsburger traf sich bei vielen Gelegenheiten, seien es Hochzeiten, Krönungen, Totenmessen, Verträgen und Feldzügen, für eine verwandtschaftlich dermaßen in Europa präsente Familie gab es immer Anlässe, die der musikalischen Umrahmung und Begleitung bedurften und an denen die Hofkapelle in irgendeiner Form beteiligt war. Und wenn mehrere Kapellen vor Ort waren, haben sich die Musiker natürlich ausgetauscht.

Die Auswahl der Werke auf den CDs vom Ensemble Cinquecento tragen diesen Beziehungen Rechnung; doch dazu später mehr.

Es ist erstaunlich, dass es durchaus "Parallelen" zwischen dem Ensemble Cinquecento und den früheren Hofkapellen gibt: die sechs Mitglieder von Cinquecento stammen aus fünf Ländern, haben schon früh eine umfassende Musik-, meist auch Gesangsausbildung erhalten und müssen bei ihrer Berufstätigkeit ebenfalls sehr mobil und flexibel sein, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.

Im Laufe ihrer Karriere haben die Mitglieder von Cinquecento in unterschiedlichen Gruppierungen gesungen bzw. singen noch darin. Sie waren oder sind noch immer Mitglieder von bekannten anderen Ensembles und/oder solistisch tätig und beschäftigen sich mit Alter und Neuer Musik, Rock oder Volksmusik.

Man könnte hier eine Auflistung der besten Ensembles machen in denen sie tätig sind, aber das spare ich mir und verweise auf die Biographien-Seite der Homepage des Ensembles Cinquecento.

Zum Ensemble gehören:

Terry Wey, Superius (Schweiz)
Jakob Huppmann, Altus (Österreich)
Tore Tom Denys, Tenor (Belgien)
Thomas Künne,Tenor (Deutschland)
Tim Scott Whiteley, Bariton (England)
Ulfried Staber, Bass (Österreich)

Es gelang dem Ensemble, sich in kurzer Zeit im Festival- und Konzertbetrieb zu etablieren.

Seit September 2005 gibt es noch ein anderes Betätigungsfeld des Ensembles. Cinquecento gestaltet die musikalische Liturgie in der Kirche der heiligen Sebastian und Rochus in Wien III, bei der jeden Sonntag eine polyphone Messvertonung zur Aufführung gebracht wird.

Hier der Link zu ihrer Homepage.

Ich bin nicht sicher, ob das immer noch so ist, aber auf der Homepage wird es auch für die erste Jahreshälfte 2012 angegeben, dort sind auch Programm und Termine zu sehen.

(Also, liebe WienerInnen und Gäste: sobald sie wieder da singen, nix wie hin. Und soweit ich mir die letzten Termine ansehe gibt's keine verstörende GanzAlteMusik sondern Alte-Musik-Mainstream, Lotti, Victoria, Willaert. Danach muss man noch nicht mal die Ohren spülen oder sich anderen Maßnahmen unterziehen.)


Liebe Grüße vom eifelplatz, Chris.


(Fortetzung folgt)

2

Montag, 28. Mai 2012, 09:18

Liebe Chris,

ganz herzlichen Dank für Deine Threaderöffnung und den interessanten Einführungsbeitrag.

Ich hatte Cinquecento ja im März mit einem sehr schönen Programm mit Werken von Tallis, Tye, Byrd, de Monte, Lassus und Gregorianik gehört und war sehr begeistert. A capella ist sonst (noch?) nicht mein Hörprogramm, aber dieses Konzert war sehr eindrucksvoll und wirklich schön. In kleinerer Besetzung (zu viert oder fünft) schafften es die Musiker, eine ganz eigene Faszination - der Rahmen des Konzerts in der Kirche tat sein Übriges - spüren zu lassen. Wie diese Männerstimmen miteinander und gegeneinander agierten und sich quasi ein Klangteppich in der Kirche entfaltete, das fand ich ganz wunderbar! Sollte ich wieder einmal die Gelegenheit haben, ein Konzert dieses Ensembles zu besuchen, werde ich das sicher tun. Danke auch für den Wien-Hinweis!

Liebe Grüße

Renate
Und der Himmel da oben, wie ist er so weit!

3

Donnerstag, 31. Mai 2012, 16:44



Music for the Court of Maximilian II.
Cinquecento - Renaissance Vokal

Aufnahme: Dominikanerkirche Retz, 17. - 19. Juni 2006
(C) Hyperion Records 2007
Cover: Portrait Maximilian II, Anthonis van Dashorst (Antonio Moro) (c1517 - c1576), Prado, Madrid

Jacobus Vaet (c1529 - 1567)
Videns Dominis (5vv)
Antonius Galli (? - 1565)
Missa Ascendetis post filium (6vv)
Jacobus Vaet
Conditor alme siderum (5vv/4vv/6vv)
O quam gloriosum (4vv)
Pieter Maessens (c1505 - 1562)
Discessu (6vv)
Jacobus Vaet
Ascendetis post filium 'In laudem Invictiss. Rom. Imp. Max. II' (6vv)
Orlandus Lassus (1532 - 1594)
Pacis amans (6vv)
Jacobus Vaet
Continuo lacrimas 'In mortem Clementis non Papae' (6vv)


Hofkapellen hatten bei dem Habsburgern eine lange Tradition. Schon unter Albrecht II. (1397 - 1439; König des HRR 1438/39 ) gab es eine Kapelle, zu der auch franco-flämische Musiker gehörten. Kaiser Friedrich III. (1415 - 1493; Kaiser HRR 1452) soll bereits eine deutsche und eine französische Kantorei sowie eine Gruppe von Bläsern und Paukern unterhalten zu haben.
Unter den Kaisern Maximilian I. (1459 - 1519; Kaiser HRR 1508 - 1519 ) und seinem Enkel Karl V . (1500 - 1558; erwählter/gekrönter Kaiser HRR 1520/30 - 1556 ) spielten Hofkapellen eine sehr große Rolle.
Auch viele andere Fürsten dieser großen und zahlreichen Familie leisteten sich eigene Kapellen für Gottesdienst, Repräsentation und Unterhaltung.

Maximilian II. (1527 - 1576; Kaiser HRR 1564 ) erhielt eine umfassende Ausbildung zu der auch Musik gehörte. Sein Vater Ferdinand I. (1503 - 1564; Kaiser HRR 1558 - 1564) unterhielt ab 1526 eine Hofkapelle, in der z.B. Pieter Maessens (Massenius) 1546 - 1564 als Kapellmeister wirkte. Darüber hinaus richtete er für seine Kinder 1529 eine eigene Kapelle ein. Ferdinands Kapelle bestand 1544 aus 37 Mitgliedern (darunter 33 Sänger und Kapellknaben), 1556 aus 56 und bei Regierungsantritt Maximilians II. waren es schon 83.

Seit 1551 besaß Maximilian II. ein eigenes musikalisches Ensemble, für dass spätestens 1564 Jacobus Vaet als Kapellmeister dokumentiert ist. Den Weg dahin scheint ihm Pieter Maessens, in Ferdinands Kapelle für die Anstellung der Musiker verantwortlich, geebnet zu haben. Als Maessens noch Chormeister in Courtrai war, sang Vaet dort als Chorknabe.

Die Zusammenstellung dieser ersten CD des Ensembles Cinquecento zeigt, welche Musik damals am Hof von Maximilian II. gespielt wurde. Als Zentralstück der CD nennt Stephen Rice im ausgezeichneten Booklet Vaets "Staatsmotette" Ascendetis post filium, deren Quellenmaterial aus der Missa Ascendetis post filium stammt.

Über den Franco-Flamen Antonius Galli (nicht zu verwechseln mit Jakob Gallus (Handl), einem Mitglied der Hofkapelle von Maximilians Nachfolger Rudolf II,) ist nicht viel bekannt. Er hat u.a. eine Motette geschrieben, die mit den Worten Filiae Jerusalem, venite et videte Maximilianum beginnt. Daraus wird geschlossen, dass er sich in Wien aufgehalten und Beziehungen zu Maximilians Hof hatte.
Den hier gebrauchten Begriff Staatsmotette erklärt Wikipedia so:
Im 13. Jahrhundert standen neben geistlichen Inhalten, meist in lateinischer Sprache, auch durchaus weltliche Inhalte, auch in französischer Sprache. Beide Ebenen konnten sich sogar im gleichen Stück mischen. Im Laufe der Zeit fand allerdings eine Verengung auf geistliche Texte statt, wenngleich in den genannten Staatsmotetten auch auf weltliche Ereignisse Bezug genommen werden konnte.
Liedern
.

Zwischen Maximilian II. und den Herzögen von Bayern, den Dienstherren von Orlandus Lassus, bestand eine enge Beziehung, die sicher auch häufiger den Austausch von Musik beförderte. Pacis amans wurde 1562 zu Maximilans Krönung zum König von Böhmen komponiert.

Die Interpretation des Ensemble Cinquencento ist vorzüglich. Zur CD gibt es auch ein sehr gutes Booklet mit umfassender Einführung und allen Texten.

Angaben zu Antonius Vaet mache ich bei Besprechung der Vaet-CD.

Angaben nach MGG CD-Rom, Wikipedia, Booklet.
HRR = Heiliges Römisches Reich
vv = Anzahl der Stimmen



lg vom eifelplatz, Chris.

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Montag, 11. Juni 2012, 22:24



Regnart
Missa Super Oeniades Nymphae
Cinquecento - Renaissance Vokal
Aufnahme: Kloster Pernegg, Waldviertel, 2. 3. Febr. 2007
(C) Hyperion Records 2007
Cover: Fire, Guiseppe Arcimboldo (1527 - 1593), Kunsthistor. Museum, Wien


Jacob Regnart (c1540 - 1599)

Quod mitis sapiens nulli virtute secundus (6vv)
Missa Super Oeniades Nymphae (6vv)
Exsultent iusti (6vv)
Quare tristis es, anima mea? (4vv)
Stetit Jesus (5vv)
Inviolata (5vv)
Lamentabatur Jacob (5vv)
Stella, quam viderant Magi (4vv)
Ut vigilum denso sivam cingente carons (6vv)


Die vorliegende Aufnahme präsentiert Musik des franco-flämischen Komponisten Jacob Regnart. Sein Werk umfasst u. a. 150 Motetten, 30 Messen und zahlreiche Lieder.

Jacob Regnart wurde zwischen 1540 und 1540 in Douai in einer Musikerfamilie geboren und starb 1599 in Prag. Seine vier Brüder waren ebenfalls Musiker; zwei waren am Hof der spanischen Habsburger, einer Kanoniker in Lille und ein weiterer arbeitete ebenfalls für die österreichischen Habsburger.
Jacob stand stets in habsburgischen Diensten, bereits 1557 war er Sängerknabe, später Tenor in der von Jacobus Vaet (1529-67) geleiteten Prager Hofkapelle des Erzherzogs und späteren Kaisers Maximilian II.

Als Maximilian 1564 die Nachfolge seines Vaters Ferdinand I. antrat, folgte ihm Regnart nach Wien und wurde Sänger an der kaiserlichen Hofkapelle. Mit Erlaubnis seines Dienstherrn machte er von 1568 - 1570 eine Studienreise nach Italien, danach übte er das Amt eines Präzeptors der Chorknaben an der kaiserlichen Hofkapelle in Wien aus.

1576 starb Maximilian II; sein Sohn und Nachfolger, Kaiser Rudolf II., residierte in Prag. Er übernahm Regnart in seine Prager Hofkapelle und schon 1579 wurde dieser dort Vizekapellmeister unter Philippe de Monte.
1582 wird Regnart Nachfolger des verstorbenen Alexander Utendal zunächst als Vizekapellmeister, später sogar Kapellmeister bei Erzherzog Ferdinand II. in Innsbruck. Unter seiner Leitung nahm die Innsbrucker Hofkapelle einen großen Aufschwung, 1594 zählte sie 32 Sänger und 15 Instrumentalisten. Die Sänger waren meist franco-flämischer Abkunft, während die Instrumentalisten größtenteils aus Italien stammten. Regnart hatte einen ausgezeichneten Ruf als Musiker und kam so zu einigem Wohlstand. Erzherzog Matthias hat Regnart 1596 sogar geadelt.

Nach dem Tod Erzherzogs Ferdinand II. wurde die Innsbrucker Hofkapelle 1596 aufgelöst. Regnart kehrte wieder an den Prager Hof Kaiser Rudolfs II. zurück, wo er von 1598 bis zu seinem Tod 1599 Vizekapellmeister unter Philipp de Monte war.

Von Jacob Regnart sind 37 Messen, 195 Motetten und zwei Bücher "Canzoni italiane" erhalten. Bekannt wurde er aber vor allen durch seine mehrstimmigen Villanellen, der "teutschen Lieder" deren Teile 1576, 1577 und 1579 in Nürnberg gedruckt wurden.

Die Villanellen wurden zu meiner Schulzeit vor mehr als 50 Jahren noch oft gesungen, sie gehörten zum Repertoire unseres Schulchors, sicher auch vieler anderer Chöre. In der MGG nehmen die Angaben zur weltlichen Musik auch sehr viel Raum ein. Regnarts geistliche Musik ist jedoch kaum bekannt und erforscht.

Es ist also eine Pioniertat des Ensembles Cinquecento, diese geistlichen Werke aus dem Bestand der der habsburgischen Hofkapellen durch Konzerte und Aufnahmen dem Publikum nahezubringen.

Außer der hier vorgestellten hat auch Manfred Cordes mit dem Ensemble Weser Renaissance eine CD veröffentlicht. Sie enthält 15 von 47 Marienmotetten, die Regnart nach Genesung von einer schweren Krankheit im "Mariale" von 1588 versammelt hat. Ich kenne die Aufnahme allerdings nicht, sie ist nur noch zu einem Mondpreis bei amazon erhältlich - angesichts der Liebe von Cordes zu einem schmetternden Instrumentarium weiß ich auch nicht, ob sie sich für mich lohnt.


"Im Mittelpunkt der hier vorliegenden CD steht die glanzvolle »Missa Super Oeniades Nymphae« ein ausdrucksvolles Werk für sechs Stimmen, ergänzt durch zwei Staatsmotetten und sechs weitere geistliche Stücke ..." bemerkt Stephen Rice im guten Booklet.

Die Bezeichnung Super besagt hier, dass dieser Messvertonung das musikalische Material eines anderen Werkes zugrunde liegt, das im Parodie- oder Imitationsverfahren bearbeitet wird. Die Vorlage ist allerdings nicht mehr bekannt. Regnart teilt bei dieser 6-stimmigen Messe die Musiker in Gruppen von drei oder vier Stimmen ein, die antiphonal eingesetzt werden, um wichtige Elemente der Messe durch variierte Wiederholung zu betonen. Hier ist Regnart dem Stil von Lassus nahe, mit dem ihn vieles verband.

Weiter finden sich zwei Staatsmotetten, lateinische Motetten für repräsentative Anlässe des Dienstherrn auf der CD, zuerst Quod mitis sapiens nulli virtute secundus zu Ehren eines Johannes Trautson, dessen Dienst als Berater und Heerführer der Habsburger vielfach gewürdigt wurde, und zuletzt Ut vigilum densa silvam cingente corona, Kaiser Maximilian II. gewidmet aus Anlass eines mehr oder weniger erfolreichen Feldzugs an der Ostgrenze des Reichs.
Hinzu kommen noch sechs geistliche Stücke, die nicht streng zum liturgischen Gebrauch bestimmt waren. Besonders das Lamentabatur Jacob ist hier herauszuheben, dessen berühmteste Vertonung von Cristobal de Morales Regnart sicher kannte.

Interpretation der Aufnahmen und Booklet sind wieder einmal außergewohnlich gut.
____________________________________________

Angaben nach Wikipedia, MGG CD-Rom, Booklet



lg vom eifelplatz, Chris.

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Sonntag, 17. Juni 2012, 19:59



Philippe de Monte
Missa Ultimi mici sospiri
Cinquecento - Renaissance Vokal

Aufnahme: Wallfahrtskirche St. Wolfgang bei Weitra, 12. - 14. Aug. 2007
(C) Hyperion Records
Cover: Winter, Guiseppe Arcimboldo (1527 - 1593), Privatslg.


Philippe de Monte (1521 - 1603)
Miserere mei, Deus (5vv)
Missa Ultimi miei sospiri (6vv)
Magnificat sexti toni (4vv)
Ad te levavi (5vv)
Fratres, ego enim accepi (6vv)
Asperges me, Domine (6vv)
Gaudent in caelis animae Sanctorum (6vv)
Ne timeas, Maria (5vv)

Philippe de Verdelot (nach 1480 - vor 1562)
Ultimi mici sospiri (6vv)


Philippe de Monte wurde 1521 in Mecheln geboren. Die MGG CD-Rom, die eine Ausgabe alten MGG-Aufl. ist, weiß über seine Kindheit und Jugend nichts zu berichten. Die englischsprachige Wikipedia , die meist - so auch in diesem Fall - nach der neuen Auflage von Grove arbeitet - vermerkt, dass Monte seine musikalische Ausbildung als Sänger an der St. Romuald Kathedrale in Mecheln erhielt.

Philippe de Monte ging schon früh nach Italien, damals Ziel vieler Musiker aus dem franco-flämischen Gebiet. Dort arbeitete er als Lehrer, Sänger und Komponist.

Er lebte und arbeitete ab 1540 im Haus der Adelsfamilie Pinelli in Neapel, später in Rom in den Diensten des Kardinal Orsini. Antwerpen, Cambrai sind weitere Stationen seiner Karriere. 1555 reiste er als Mitglied der Kapelle Philipps II. von Spanien nach England; dort freundete er sich mit William Byrd an. Immer wieder zog es ihn nach Italien, wo auch seine Madrigalbücher erschienen. Seine Kompositionen widmete er oft seinen kirchlichen oder weltlichen Gönnern.

1568 hielt er sich in Rom auf, als ihm die Nachfolge von Jacobus Vaet als Hofkapellmeister unter dem Kaiser Maximilian II. in Wien angetragen wurde. Er nahm das Angebot an und übte dieses Amt von 1968 bis zu seinem Tode 1603 aus. 1570 reiste für seinen Dienstherrn in die Niederlande, um dort Sänger für die Hofkapelle zu rekrutieren. Die Sänger aus dieser Gegend waren auf Grund ihrer speziellen und guten Ausbildung in ganz Europa gesucht. Zur Größe der Hofkapelle zu dieser Zeit gibt die MGG CD-Rom an, dass der Chor zwischen 1569 - 1576 aus 32 - 44 Sängern bestand.
Die Anzahl der Chorknaben wurde 1576 von zwölf auf sechzehn erhöht, die Kapelle umfasste außerdem 8 Bässe, 6 Tenöre, 8 Altisten und 3 (männliche) Soprane, also 41 Mitglieder. Nach dem Tod Maximilians II. wurde de Monte ab 1576 unter Kaiser Rudolf II. in Prag als Hofkapellmeister weiterbeschäftigt.

Die Karriere von Philippe de Monte fiel in eine Zeit, wo sich Ausbildung und Berufsbild differenzierten sowie professionalisierten; gleiches geschah mit den musikalischen Institutionen wie Hof- und Kathedralkapellen oder Chorschulen (Maitrisen).

Früher gehörten die Mitglieder der Kapellen und v.a. die Kapellmeister dem geistlichen Stand an, sie bekamen keinen regulären Lohn sondern erhielten Pfründe, Auszeichnungen, Geschenke. Überall, wo diese Musiker hinkamen, fanden sie gleiche Strukturen und ein gleichartiges Repertoire vor. Das galt auch teilweise noch für Philipp de Monte.
Aber viele Musiker waren inzwischen Laien, Regnart und sein Vorgänger Vaet waren verheiratet, beim Hof angestellt und und wurden auch so entlohnt. Zugleich wurde die Musik, das Repertoire mehr auf den jeweiligen Dienstherrn und seinen Hof bezogen, von ihm bestimmt, die Internationalität der Musik und der Strukturen ihrer Institutionen machte regionalen Entwicklungen Platz. So wurde auch die Mobilität der Musiker eingeschränkt, die von nun an versuchen mussten, Lohn und Brot bei einem Dienstherrn zu finden und keine Pfründe mehr erhielten, von denen sie stattdessen leben konnten.
Laurenz Lütteken schreibt dazu in seinem bemerkenswerten Essay Musik der Renaissance (Bärenreiter/Metzler 2011), dass sie so auch die Unabhängigkeit vom Dienstherren verloren. Vielleicht finden die Probleme von Montes Karierre in den Jahren ab 1580 in dieser Entwicklung eine Erklärung.

Wie viele gute Musiker vor ihm machte Philipp de Monte auch als Geistlicher Karriere. 1572 wurde er Schatzmeister der Kathedrale von Cambrai ohne Residenzpflicht, 1577 Kanonikus im Domkapitel jener Kathedrale. Als er sich 1580 dort zur Ruhe setzen wollte, begann ein Konflikt um eben dieses Benefizium. Das Domkapitel in Cambrai sträubte sich, ihn als Kanonikus zu akzeptieren, Kaiser Rudolf II. wollte ihn nicht aus seinem Dienst entlassen. [...] (1) Sein Nachfolger als Leiter der Hofkapelle sollte Camillo Zanotti werden, der jedoch vor Dienstantritt 1587 verstarb. Philippe de Monte blieb so als Hofkapellmeister am Habsburger Hof bis zu seinem Tod 1603.


Philippe deMonte schrieb mehr als 1000 Madrigale, über 300 Motetten und etwa 40 Messen. Die vorliegende CD befasst sich nur seiner geistlichen Musik und stellt neben der Missa Ultimi miei sospiri einige seiner Motetten vor.

Im Vergleich zu Regnart, Vaet und Schöndorff, denen das Ensemble Cinquecento ebenfalls CDs gewidmet hat, sind die Werke von Philippe de Monte bekannter. Im Booklet zitiert Stephen Rice, der den Einführungsbeitrag geschrieben hat, aus dem Grove :

Zitat

"[Seine Werke] entfalten sich in entspannten, manchmal sehr melismatischen Linien, mit wenig Anzeichen von nach-Tridentinischen Bedenken über Textklarheit." Wie sich in dieser Aufnahme erweisen wird, umfasst eine solch breite Aussage eine beträchtliche Vielfalt an Techniken und Atmosphäre.

Im Mittelpunkt der Aufnahme steht hier wieder eine Messe, der ein anderes, weltliches Werk als Material dient, nämlich das Madrigal Ultimi miei suspiri von Philippe Verdelot. Dieses Madrigal ist nach Stephen Rice im Booklet eines der berühmtesten und schönsten weltlichen Stücke von Anfang des 16. Jahrhunderts. Es ist das letzte Stück auf der vorliegenden CD.

In de Montes Missa Ultimi miei sospiri beginnt jeder Messsatz mit einer leicht variierten Version des Madrigalanfangs, andere Teile des Madrigals werden kaum verwendet. Bezeichnend für de Montes Stil ist das ständige Wechselspiel der Stimmgruppen und die Betonung von wichtigen sinntragenden Wörtern des Messtextes. Die CD enthält außerdem noch einige Motetten auf biblische Texte.
Mir gefällt das Magnificat ganz gut, es sei prägnant, heißt es im Booklet. Es ist im sechsten Ton geschrieben, die Strophen werden im Wechsel gesungen, die ungeradzahligen als Choralrezitation.

Das Ensemble Cinquecento liefert wieder einmal eine hervorragende Leistung ab; das Booklet zur CD ist aufschlussreich und enthält die Texte aller Werke.
______________________________

Angaben nach deutscher und englischer Wikipedia, MGG CD-Rom, Booklet.


lg vom eifelplatz, Chris.

--
(1) Auf Wunsch der Verfasserin habe ich oben den folgenden Satz gestrichen: "Der Streit beschäftigte schließlich die höchsten Ebenen des Vatikans, erst das Konzil von Trient entschied zu de Montes Gunsten." Vgl. die nachfolgende Diskussion in den Beiträgen 7, 8, 14 und Berichtigung in Wikipedia.
30.07.2012
:wink:
Gurnemanz

Caesar73

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6

Montag, 18. Juni 2012, 11:20

Das Ensemble Cinquecento liefert wieder einmal eine hervorragende Leistung ab; das Booklet zur CD ist aufschlussreich und enthält die Texte aller Werke.



Danke für den ausführlichen und sehr informativen Einführungsbeitrag, Chris! Ich besitze die Cd ebenfalls, habe sie aber länger nicht mehr gehört. Ich muss meine Höreindrücke erst einmal wieder auffrischen. Philipp de Monte war mir vorher überhaupt kein Begriff ebensowenig wie Cinquecento. Die Begegnung lohnt sich - nach meinen damaligen Höreindrücken. Ein anderes Mal mehr ;+)

:wink: :wink:

Christian
Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

Cato der Ältere

7

Montag, 18. Juni 2012, 14:23

Früher gehörten die Mitglieder der Kapellen und v.a. die Kapellmeister dem geistlichen Stand an, sie bekamen keinen regulären Lohn sondern erhielten Pfründe, Auszeichnungen, Geschenke. Überall, wo diese Musiker hinkamen, fanden sie gleiche Strukturen und ein gleichartiges Repertoire vor.


Was ist "früher"? In der zweiten Hälfte des 16. Jh. gilt das eigentlich nur noch eingeschränkt, sogar für "Planstellen" bei geistlichen Organisationen bzw. Würdenträgern, für weltliche sowieso. Viele hatten keinerlei geistliche Weihen (Palestrina, Lasso, nur zwei prominente Beispiele!), andere bekamen erst sehr spät die niederen Weihen, NACHDEM sie bereits eine musikalische Karriere gemacht hatten (Anerio z.B.)
Und gleiches Repertoire? Das war für den Tag komponiert und im wesentlichen lokal. Einen Kanon wie heute gab es nicht. Der Notendruck steckte noch in den Kinderschuhen.


Als er sich 1580 dort zur Ruhe setzen wollte, begann ein Konflikt um eben dieses Benefizium. Das Domkapitel in Cambrai sträubte sich, ihn als Kanonikus zu akzeptieren, Kaiser Rudolf II. wollte ihn nicht aus seinem Dienst entlassen. Der Streit beschäftigte schließlich die höchsten Ebenen des Vatikans, erst das Konzil von Trient entschied zu de Montes Gunsten.

1580ff? Ich dachte, das Konzil von Trient war 1563 beendet?
viele Grüße

Bustopher


_____________________________________

HIC SITVS EST PHAETHON CURRUS AVRIGA PATERNI
QUEM Sl NON TENUIT MAGNlS TAMEN EXCIDIT AUSIS

8

Montag, 18. Juni 2012, 16:09

Früher gehörten die Mitglieder der Kapellen und v.a. die Kapellmeister dem geistlichen Stand an, sie bekamen keinen regulären Lohn sondern erhielten Pfründe, Auszeichnungen, Geschenke. Überall, wo diese Musiker hinkamen, fanden sie gleiche Strukturen und ein gleichartiges Repertoire vor.


Was ist "früher"? In der zweiten Hälfte des 16. Jh. gilt das eigentlich nur noch eingeschränkt, sogar für "Planstellen" bei geistlichen Organisationen bzw. Würdenträgern, für weltliche sowieso. Viele hatten keinerlei geistliche Weihen (Palestrina, Lasso, nur zwei prominente Beispiele!), andere bekamen erst sehr spät die niederen Weihen, NACHDEM sie bereits eine musikalische Karriere gemacht hatten (Anerio z.B.)
Und gleiches Repertoire? Das war für den Tag komponiert und im wesentlichen lokal. Einen Kanon wie heute gab es nicht. Der Notendruck steckte noch in den Kinderschuhen.


Als er sich 1580 dort zur Ruhe setzen wollte, begann ein Konflikt um eben dieses Benefizium. Das Domkapitel in Cambrai sträubte sich, ihn als Kanonikus zu akzeptieren, Kaiser Rudolf II. wollte ihn nicht aus seinem Dienst entlassen. Der Streit beschäftigte schließlich die höchsten Ebenen des Vatikans, erst das Konzil von Trient entschied zu de Montes Gunsten.

1580ff? Ich dachte, das Konzil von Trient war 1563 beendet?

"Früher" heißt hier einfach früher, also vor der Zeit von de Monte. Vielleicht habe ich nicht deutlich gemacht, dass ich die Entwicklung der Institutionen und Strukturen der Musik im späten 15. und der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts als fließend betrachte; Entwicklungen sind nicht überall und immer gleich.

Palestrina und Lassus sind die meist genannten Beispiele, wenn es darum geht, ob und wann ein Kapellmeister noch ein Geistlicher sein musste. Ich hatte auch im Kopf, dass es schon in der burgundischen Hofkapelle unter den Habsburgern nicht mehr immer ein Geistlicher an der Spitze stehen musste. In meinen Bemerkungen in diesem Beitrag beziehe ich mich v.a. auf das Kapitel "Soziale Wirklichkeit ubd kulturelle Interaktion" des schon genannten Buchs "Musik der Renaissance" von Laurenz Lütteken. Besonders die Abschnitte "Musikalische Eliten", "Kollektive Identität und kompositorische Individualität", "Patronage und die Vielfalt des Musikalischen" sind sehr interessant und reich an Informationen.

Die Musiker fanden sicher nicht das gleiche Repertoire als Kanon an Werken vor, aber die Struktur des Repertoire war ähnlich, ich denke, dass man es als "gleich" ansehen kann. Einstimmige lateinische Choräle, Hymnen Seqeunzen usw. mit Verzierungen und Ausschmückungen, Cantus firmus Werke, Polyphonie. Und darin konnte sich ein gut ausgebildeter Sänger schnell zurechtfinden.
Der Notendruck steckte keineswegs mehr in den Kinderschuhen, vom ersten gedruckten Werk, dem Odhecaton von Petrucci, 1501 erschienen, hat das gedruckte Werk einen schnellen und großen Erfolg. Wo kämen sonst die vielen Madrigalbücher her? Handschriften? Die Verbreitung und Verlagerung der Musik vom Hof in die Bürgerhäuser zeugt doch vom Erfolg der Notendrucke. Die Druck- und Verlagshäuser sind im Verlauf des 16. Jh. aus dem Boden geschossen, in allen Ländern. Und sie wurden gerade auch in der Reformation sehr wichtig, wo der Gesang in der Landessprache gepflegt wurde.

Das mit dem Konzil von Trient kam mir auch etwas eigenartig vor. Deshalb hier das Zitat aus der deutschen Wikipedia

Zitat

Erst nach einer Entscheidung der Kongregation des Konzils von Trient (und damit von alleroberster Stelle, dem Vatikan) zu seinen Gunsten erhielt Monte die Erlaubnis nach Cambrai zu gehen
lg vom eifelplatz, Chris.

9

Montag, 18. Juni 2012, 20:01

Die nächste CD des Ensembls erscheint im August und wird das wunderschöne "Requiem" von Jean Richafort enzhalten:

http://www.hyperion-records.co.uk/dc.asp?dc=D_CDA67959&vw=dc

LG
Tamás
:wink:
"Vor dem Essen, nach dem Essen,

Biber hören nicht vergessen!"


Fugato

10

Montag, 18. Juni 2012, 20:33

Die nächste CD des Ensembls erscheint im August und wird das wunderschöne "Requiem" von Jean Richafort enzhalten:

http://www.hyperion-records.co.uk/dc.asp?dc=D_CDA67959&vw=dc

LG
Tamás
:wink:

Danke, Tamas! Nach dem üblichen Erscheinungsrhythmus der CDs ist auch wieder was fällig. Schön, dass es auch wieder etwas seltener zu Hörendes ist. Ich habe hier noch Vaet, Willaert und Schöndorff vor mir, wobei ich die Reihenfolge tausche und Willaert, der ja nicht in die Reihe passt, zuletzt mache. Aber vielleicht kann ich den Richafort dann auch vorziehen - Willaert gehört ja bekanntermaßen nicht zu meinen Favoriten.


lg vom eifelplatz, Chris.

11

Dienstag, 19. Juni 2012, 07:22

Nach dem üblichen Erscheinungsrhythmus der CDs ist auch wieder was fällig. Schön, dass es auch wieder etwas seltener zu Hörendes ist


Ganz so selten ist dieses schöne Stück vielleicht doch nicht: es gibt sogar zwei weitere Einspielungen!



Eine phantastische mit dem Huelgas-Ensemble



und eine schöne, aber etwas weniger gelungene mit der Chapelle du Roi

Bin gepannt, wie die neue Aufnahme im Vergleich zu diesen beiden ausfallen wird. Die Schnipsel versprechen Gutes!
(und das "Füllmaterial" mit den Trauerstücken über den Tod Josquins ist auch sehr ansprechend)

LG
Tamás
:wink:
"Vor dem Essen, nach dem Essen,

Biber hören nicht vergessen!"


Fugato

12

Dienstag, 19. Juni 2012, 08:31

Ganz so selten ist dieses schöne Stück vielleicht doch nicht: es gibt sogar zwei weitere Einspielungen!

Da magst Du Recht haben - aber hast Du mal auf die Preise der CD des Huelgas Ensemble geguckt?
Die andere ist auch nicht mein Fall. Aber mich interessiert auch der Appenzeller auf der Cinquecento-CD, von dem kenne ich noch gar nichts.

lg vom eifelplatz, Chris.

13

Dienstag, 19. Juni 2012, 09:45

Ganz so selten ist dieses schöne Stück vielleicht doch nicht: es gibt sogar zwei weitere Einspielungen!

Da magst Du Recht haben - aber hast Du mal auf die Preise der CD des Huelgas Ensemble geguckt?
Die andere ist auch nicht mein Fall. Aber mich interessiert auch der Appenzeller auf der Cinquecento-CD, von dem kenne ich noch gar nichts.

lg vom eifelplatz, Chris.


Ja, das stmmt - mal sehen, ob harmonia mundi irgendwann diese CD wieder neu auflegen wird - wäre es wert.

Wie auch immer: es ist shon klasse, dass Cinquecento dieses schöne Stück wieder zuganglich macht! :thumbup: Ich bin auch schon sehr gespannt darauf: das Werk selbt gehört zu meinen Favoriten!

LG
Tamás
:wink:
"Vor dem Essen, nach dem Essen,

Biber hören nicht vergessen!"


Fugato

14

Freitag, 22. Juni 2012, 13:55

Das mit dem Konzil von Trient kam mir auch etwas eigenartig vor. Deshalb hier das Zitat aus der deutschen Wikipedia

Zitat
Erst nach einer Entscheidung der Kongregation des Konzils von Trient (und damit von alleroberster Stelle, dem Vatikan) zu seinen Gunsten erhielt Monte die Erlaubnis nach Cambrai zu gehen

lg vom eifelplatz, Chris.

Wegen des oben zitierten und offensichtlich fehlerhaften Satzes habe ich mich ein einen mir bekannten Wikipedia-Autor gewandt und ihm um Klärung gebeten. Daraufhin wurde dieser Satz aus dem Artikel über Philippe de Monte entfernt.


lg vom eifelplatz, Chris.

15

Freitag, 22. Juni 2012, 15:58

Das mit dem Konzil von Trient kam mir auch etwas eigenartig vor. Deshalb hier das Zitat aus der deutschen Wikipedia

Zitat
Erst nach einer Entscheidung der Kongregation des Konzils von Trient (und damit von alleroberster Stelle, dem Vatikan) zu seinen Gunsten erhielt Monte die Erlaubnis nach Cambrai zu gehen

lg vom eifelplatz, Chris.

Wegen des oben zitierten und offensichtlich fehlerhaften Satzes habe ich mich ein einen mir bekannten Wikipedia-Autor gewandt und ihm um Klärung gebeten. Daraufhin wurde dieser Satz aus dem Artikel über Philippe de Monte entfernt.


lg vom eifelplatz, Chris.


Siehst Du: hat schon was gebracht, daß wir hier drüber geredet haben...! :D
viele Grüße

Bustopher


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HIC SITVS EST PHAETHON CURRUS AVRIGA PATERNI
QUEM Sl NON TENUIT MAGNlS TAMEN EXCIDIT AUSIS

16

Freitag, 22. Juni 2012, 17:12

Das mit dem Konzil von Trient kam mir auch etwas eigenartig vor. Deshalb hier das Zitat aus der deutschen Wikipedia

Zitat
Erst nach einer Entscheidung der Kongregation des Konzils von Trient (und damit von alleroberster Stelle, dem Vatikan) zu seinen Gunsten erhielt Monte die Erlaubnis nach Cambrai zu gehen

lg vom eifelplatz, Chris.

Wegen des oben zitierten und offensichtlich fehlerhaften Satzes habe ich mich ein einen mir bekannten Wikipedia-Autor gewandt und ihm um Klärung gebeten. Daraufhin wurde dieser Satz aus dem Artikel über Philippe de Monte entfernt.


lg vom eifelplatz, Chris.


Siehst Du: hat schon was gebracht, daß wir hier drüber geredet haben...! :D

Warum schreibst Du nicht mal über das Thema? Mich interessiert das sehr und Du weißt doch offensichtlich viel darüber, was ich mir mühsam aus ein paar Quellen zusammensuchen muss, Kirchengeschichte ist im Studium weitestgehend an mir vorbeigegangen.


lg vom eifelplatz, Chris.

17

Sonntag, 1. Juli 2012, 22:01




Vaet
Ego flos cammpi
Cinquecento - Renaissance Vokal

Aufnahme: Kloster Pernegg, Waldviertel, 25. - 28. Mai 2008
(C) Hyperion Records 2009
Cover: Guiseppe Arcimboldo (1527 - 1593), Real Academia de Belles Artes de San Fernando, Madrid

Jacobus Vaet (c1529 - 1567)
Antevenis virides (6vv)
Missa Ego flos campi (6vv)
Ecce apparebit Dominus (5vv)
Magnificat octavi toni (4/5vv)
Miserere mei, Deus (5vv)
Filiae Jerusalem (5vv)
Spiritus Domini (6vv)
Musica Dei donum (5vv)
Salve regina (6vv)

Jacob Clemens non Papa (c1510 - c1555)
Ego flos campi (7vv, mit Bernd Oliver Fröhlich, Tenor)


Jacobus Vaet wurde um 1529 in Kortrijk (Courtrai) oder Harelbeke in Westflandern geboren. Aus seiner Kindheit ist nichts bekannt; in Dokumenten wurde er zum ersten Mal erwähnt, als er 1543 Chorknabe in der Liebfrauenkirche von Kortrijk (Courtrai) wurde. Nach dem Stimmbruch studierte er an der Universität Löwen.
Den Rest seiner Musikerlaufbahn bis zu seinem Tod verbrachte er in habsburgischen Diensten.

Ab 1550 wurde er als Tenor in der Hofkapelle von Karl V. genannt. Sie diente vor allem kirchlichen Zwecken und hatte täglich ein Hochamt, eine Vesper und eine Komplet zu singen.

Diese Kapelle - wie auch die von Karls Tante Margarethe von Österreich in Mecheln, - war eine Art Sänger-Collegium, ohne Dirigenten oder Kapellmeister.
In Rythmus und Tongebung richteten sich die Sänger nach dem Tenor.
Meist waren es Kleriker, die diesen flämischen Kapellen angehörten. Sie waren auch Teil des Hofes und Gefolge ihres Dienstherren, den sie sogar auf Reisen begleiteten. Die Berufe waren noch nicht ausdifferenziert, so gab es z.B. die Sänger-Komponisten, den Magister puerorum, Verwalter des Notenbestandes usw. Manchmal wurden sie von den Dienstherren auch mit anderweitigen, nichtmusikalischen Aufgaben betraut, da sie durch frühere Stellen oder Freundschaften mit Kollegen an anderen Höfen über ein gutes Kommunikationsnetz verfügten.

Der Kontakt von Vaet zur Kapelle von Karl kam möglicherweise zustande durch Pieter Maessens, von 1540 - 1543 Leiter der Chorknaben in Kortrijk und danach in der Kapelle Ferdinands I. (des Bruders von Karl V. und Vater Maximilians II.) u.a. für die Einstellung von Sängern verantwortlich.

1554 wurde Vaet Kapellmeister in der seit 1551 bestehenden Kapelle des Erzherzogs Maximilians, der ihn wahrscheinlich am Hof Karls V, kennengelernt hatte.
Vaet blieb hier sozusagen in der Familie: Maximilian lebte seit seinem 17. Lebensjahr 1544 bei Karl V., seinem Onkel. Maximilian wurden Sympathien für die Protestanten nachgesagt. Karl wollte die Verbindungen zwischen den (katholischen) Habsburger Familien in Spanien und Österreich stärken und verheiratete seine Tochter Maria 1548 mit Maximilian.
Vaet behielt das Amt des Hofkapellmeister auch bei, nachdem sein Dienstherr als Kaiser Maximilian II. die Nachfolge seines Vaters Ferdinand I. angetreten hatte.
Beim Regierungsantritt Maximilians II. 1564 umfasste die Hofkapelle 83 Mitglieder.

Maximilian II schätzte seinen Kapellmeister sehr. Nach dem frühen Tod Vaets schrieb er in sein Tagebuch: "Den 8. Januarij ist main capelmaister Jacobus Faet in gott verschiden".


Vaet war sehr jung zu seinem Amt gekommen. Er muss einen außerordentlichen Eindruck auf seine Dienstherren wie auch die Kollegen gemacht haben, für sein Alter erstaunlich bekannt und geschätzt. Regnart, der seit 1557 Sänger in Vaets Kapelle gewesen war, komponierte anläßlich seines frühen Todes eine Nänie Defunctum charites Vaetem.

Die Differenzierung und Herausbildung der Musikerberufe geschah allmählich; es ist eine Binsenweisheit, dass historische Entwicklungen nicht immer und überall gleichzeitig stattfinden. Die Situation im katholischen Italien und Rom der Renaissancefürsten war eine andere als die in Ländern, in denen es starke reformatorische Bestrebungen gab. Aber überall war der Bedarf nach Musikern groß. In den franco-flämischen Ländern versuchte man v.a. Sänger anzuwerben, Instrumentalisten fand man eher in Italien. Aus den umfassend ausgebildeten, meist anonymen geistlichen Sänger-Komponisten des ausgehenden Mittelalters wurden individuelle Komponisten und v.a. aus Tenören und Magistri puerorum Kapellmeister, die nicht dem geistlichen Stand angehören mussten. Sie hatten auch oft schon eine andere, nicht mehr so umfassende Ausbildung in den artes liberales, sondern eine musikspeziellere. Im späten 16. Jahrhundert wiederum werden häufig Organisten Leiter von Kapellen.

Ich betrachte die Entwicklung als vom Spätmittelalter herkommend; mir fallen also eher die Änderungen auf. Andere mögen von der Spätrenaissance oder dem Frühbarock aus gesehen eher das Vertraute bemerken.
Um Missverständnissen durch eine schlechte Zusammenfassung vorzubeugen, erlaube ich mir, umfangreiche Zititate aus der MGG hier einzustellen.

In der päpstlichen Kapelle im Vatikan wurden erstmals nach dem Sacco di Roma von 1527 Nichtkleriker als Sänger eingesetzt:

Zitat

" 1528 mußte der Papst den cubicularius J. Conseil nach Frankreich entsenden, um wegen der Verluste während und nach dem Sacco di Roma (1527) neue Sänger anzuwerben. Aus demselben Grunde wahrscheinlich begann man auch von der Tradition abzuweichen, die nur Sänger im regelrechten Priesterstand zuließ."
[Die Musik in Geschichte und Gegenwart: Rom. Musik in Geschichte und Gegenwart, S. 63658 (vgl. MGG Bd. 11, S. 703) (c) Bärenreiter-Verlag 1986]

Unter einem späteren Papst wurde diese Offenheit wieder zurückgenommen.
Palestrina z.B. wurde von Papst Paul IV. als Sänger aus der päpstlichen Kapelle entlassen, weil er kein Priester war. An einer anderen Kirche Roms fand er umgehend eine neue Anstellung als Kapellmeister.

Zitat

"...Die Zeit, die Palestrina in der Cappella Sistina verbrachte, war kurz. Julius III. und Marcellus II. starben beide noch im Frühjahr 1555, und der Nachf. des letzteren, Paul IV., wurde am 23. Mai dess. Jahres gewählt. Der neue Papst war entschlossen, eine strengere Disziplin in der Kirche walten zu lassen, und ab Sept. 1555 wurde Palestrina deshalb zusammen mit zwei ebenfalls verheirateten Kollegen des Amtes in der Cappella Sistina enthoben (als weitere, nicht sehr angenehme Motivierung wurde die Unzulänglichkeit ihrer St. angeführt), nicht ohne eine lebenslängliche, anständig bemessene Pension. In diesem Jahr erschien laut Baini als zweites Werk das I. Buch der 4st. Madrigale, mit dem Palestrina das Gebiet der weltl. Musik betrat. Schon im Okt. wurde er als Kpm. der Laterankirche angestellt (nicht »berufen«, wie man in älteren Biogr. lesen kann) und blieb dort bis Aug. 1560. ... "
Die Musik in Geschichte und Gegenwart: Palestrina (Familie). Musik in Geschichte und Gegenwart, S. 57795 (vgl. MGG Bd. 10, S. 661) (c) Bärenreiter-Verlag 1986]

Bis 1586 wurden die Ämter eines magister capellae und sacrista nicht von den Sängern der päpstlichen Kapelle, sondern von zwei Bischöfen ausgeübt, zwischen denen es oft zu Kompetenz- und Präzedenz-Streitigkeiten kam.

Lassus begann seine Karriere am bayrischen Hof auch nicht als Kapellmeister sondern als Tenor.

Zitat

" ... Die Vorgeschichte von Lassos Berufung als Tenorist in die Münchener Hofkapelle Herzog Albrechts V. ist im Umriß aus Briefen des kais. Vizekanzlers Dr. Seld bekannt, der in Brüssel bestrebt war, zwischen einheimischen und span. Verlockungen einen jungen Sänger und Komp. für den bayr. Hof anzuwerben.
In diesen Briefen ist manche lehrreiche Notiz über die gewünschte »art des colorirens« und die »new art vnnd musica reseruata« eingeflochten, die auf Lasso, der Herbst 1556 nach München übersiedelte, bezogen werden kann.
Neben Hans Jacob Fugger, der sich für Lasso einsetzte, ist auch an Ph. de Monte zu denken, der nach einem sehr ähnlichen Lebensweg über Neapel und Rom bereits in hohem Ansehen stand und der über den röm. Mäzen G.-B. Bruno mit Lasso verbunden war.
Erst allmählich wuchs Lasso in jenes Kpm.-Amt hinein, das am Münchener Hof einst L. Senfl als musicus intonator oder musicus primarius versehen hatte. Es spricht für die korporative Gesinnung Lassos, daß er noch um 1568 bei der Kodifikation der aufgeführten zwölfst. Messe »Et ecce terrae« des A. Brumel in der autographen Liste der beteiligten Sänger sich selbst schlicht als »Tenor secundus« und »Cantor« eintrug, obwohl er in Drucktiteln seit 1564 als »magister capellae« auftritt, eine Amtsbezeichnung, der bald ehrenvolle Prädikate wie »prince des musiciens« gefolgt sind. ..."
[Die Musik in Geschichte und Gegenwart: Lasso (Familie). Musik in Geschichte und Gegenwart, S. 45217/18 (vgl. MGG Bd. 08, S. 252-253) (c) Bärenreiter-Verlag 1986]
Die "Vorgeschichte" wird leider in der MGG nicht erläutert.


Laut en.Wikipedia sind von Vaet neun Messen einschließlich einer Totenmesse, acht Magnificat- Vertonungen mit zugehörigen Salve Regina-Antiphonen. Chansons, ein deutschsprachiges "Vater unser" und viele geistliche und weltliche Motetten überliefert. Die de.Wikipedia beziffert das Werk als 66 Motetten, 10 Messen, 8 Hymnen, 8 Magnificat, 8 Salve Regina, 3 Chansons umfassend.

Besonderen musikalischen Einfluss auf Vaet scheint N. Gombert ausgeübt zu haben. Dieser war eine Zeit lang Kanonikus an der Liebfrauenkirche von Kortrijk (Courtrai). Vermutlich hat Vaet Gomberts Werke während seiner Ausbildungszeit an dieser Kathedrale kennengelernt.

Die MGG stellt fest, dass Vaet mit Gombert die Vorliebe für fließende, imitatorische Polyphonie, ernste Texte und Betonung des Gesamtausdrucks teile. Außerdem beherrsche er meisterhaft alle traditionellen Techniken ... Auch zeitgenössische Gestaltungsmittel habe er aufgegriffen, ...z.B. Akkordschritte in der Folge des [in diesem Forum so beliebten] Quintenzirkels ...
[s. Die Musik in Geschichte und Gegenwart: Vaet, Jacobus. Musik in Geschichte und Gegenwart, S. 76819 (vgl. MGG Bd. 13, S. 1208-1209) (c) Bärenreiter-Verlag 1986]

Vaets Motette Antevenis virides, die den Auftakt der CD bildet, entstand zu Ehren Herzog Albrechts von Bayern. Dieser, ein fortschrittlicher Fürst, dem Humanismus zugetan und mit Maximilian II. befreundet, war auch Dienstherr von Orlandus Lassus.
Mir gefällt es sehr gut, dass das Ensemble Cinquecento auf den CDs dieser Reihe auch die Beziehungen der Höfe und Hofkapellen nicht außer acht lässt; immer wieder wird auf Komponisten oder Ereignisse, Verbindungen, Freundschaften verwiesen, die mit dem Komponisten oder den Habsburger Höfen zu tun hatten.

Das Material für das Hauptstück der CD, die Missa Ego flos campi, ist die gleichnamige Motette von Jacob Clemens non Papa, eines Freundes von Vaet; ihre Aufnahme beschließt diese CD. Der Text der Motette stammt aus dem Hohen Lied, dem cantus canticorum oder Lied der Lieder des AT, ein in der Musikgeschichte sehr häufig vertonter Text.
(Wen es interessiert, kann hier eine Auflistung der Vertonungen finden:
http://www.grabinski-online.de/div/hoheslied.html )

"Vorschriftsmäßig" nennt Stephen Rice in seinem Einführungsbeitrag im Booklet den Beginn von Vaets Messe mit musikalischen Material vom Anfang der Motette, und dass dieser die charakteristischen Motive bestimmter, von Jacobus Clemens in der Motette besonders betonten Worte auch an besonderen Stellen der Messe unterbringe. Allerdings reduziere Vaet dabei die Besetzung von sieben auf sechs, manchmal gar auf vier Stimmen. Andererseits erweitere Vaet manchmal die Textur, so im Agnus Dei, auf acht Stimmen. Die kühnste Stimmreduzierung, führt Rice aus, gelinge Vaet im Pleni des Sanctus, einem Duett zwischen zwei Bässen:
"Obwohl sie gleichzeitig zu singen beginnen, werden die beiden Stimmen im Kanon geführt, wobei die eine doppelt so schnell singt wie die andere."

Einige Motetten, ein Miserere mei, Deus, ein Magnificat und ein Salve Regina vervollständigen das Programm der CD.
________________________________________________

Quellen; deutsche, niederländische und englische Wikipedia,
MGG (CD-Rom Version) Booklet der CD


lg vom eifelplatz, Chris.

18

Montag, 30. Juli 2012, 17:26



Philipp Schöndorff (um 1558/65 - nach 1617)
[The Complete Works.
Sämtliche Werke ...]
Cinquecento - Renaissance Vokal

Aufnahme: Kloster Pernegg, Waldviertel, 21. - 23. April 2010
(C) Hyperion Records 2011
Cover: Vertumnus, Guiseppe Arcimboldo (1527 - 1593)


Philippe de Monte (1521 - 1603)
Usquequo Domine oblivisceris me? (6vv)

Philipp Schoendorff (um1558/65 - nach 1617)
Missa Usquequo Domine (6vv)
Magnificat sexti toni (5vv)
Te decet hymnus (5vv)

Philippe de Monte
Magnificat quarti toni (4vv)

Philipp Schoendorff
Veni Sancte Spiritus

Philippe de Monte
La dolce vista della donna mia (6vv)

Philipp Schoendorff
Missa super La dolce vista



Über Philipp Schöndorff ist nicht viel bekannt. Die englische Wikipedia gibt sein Geburtsdatum mit 1558 und als Geburtsort Lüttich an, die MGG meint, er sei zwischen 1558 und 1565 geboren. Auch sein Sterbedatum ist nicht bekannt; in beiden Nachschlagewerken wird angenommen, dass er nach 1617 gestorben ist.

Die en.Wikipedia beschreibt Schöndorff knapp als flämischen Sänger, Trompeter und Komponisten am Hof Kaiser Rudolf II in Prag. Quelle dafür waren Angaben in der belgischen Nationalbiographie, dort wird er in Beiträgen zu Regnart und de Monte genannt; außerdem wird Bezug genomen auf ein Buch über die Motetten von de Monte, wo Schöndorff ebenfalls erwähnt wird.

Die MGG weiß ein wenig mehr: Laut eigenen Angaben sei Schöndorff als Kapellknabe an den Hof des Erzherzogs Matthias gelangt und nach dem Stimmbruch in das Haus von J. Chimarrhaeus gekommen, der seit 1573 als Altist und Hofkaplan in der Kapelle Kaiser Maximilians II nachgewiesen wird und anschließend der Kapelle von Kaiser Rudolf II. in Prag als Elemosinarius (Almosenier) und Sacris Capellae Praeses vorstand. Aufgrund einer Empfehlung von Chimarrhaeus habe Schöndorff 1590 die Stelle eines Musicus und Trompeters am Hof Rudolfs II. erhalten, dem er schon vorher eine Messe gewidmet hatte. Seit 1588 wird er als Musiklehrer der kaiserlichen Edelknaben nachgewiesen, 1594 gehörte er als Präzeptor der Sängerknaben mit der Hofkapelle zum Gefolge Rudolfs II. auf dem Reichstag zu Regensburg.

An Werken, die von Schöndorff bekannt sind, nennt die en.Wikipedia:

Missa super "La dolce vista" 1587; based on one of Monte's madrigals, and dedicated to Rudolf II.
Missa super "Usquequo Domine" a 6.
Motets Odae suavissimae; dedicated to the court chaplain Jacques Chimarrhaeus, also from Liège and also a singer in the chapel. incomplete.
Magnificat sexti toni a 5, Venice 1593 Nuremberg 1600.
Motets Veni Sancte Spiritus a 5, Te decet hymnus a 6, Nuremberg 1600
More tibi veteri.

Die MGG bescheibt den Stil des "Kleinmeisters" Schöndorff als konservativ, sein in der niederländischen Tradition verwurzelter Motettensatz zeige sich vom venezianischen Stil noch unberührt.


Das Label Hyperion (ebenso amazon und jpc) vertreibt die CD unter einem auf dem Cover nicht aufgeführten Titel "The Complete Works", amazon und jpc unter "Sämtliche Werke", bei sorgfältigem Nachzählen kann ich jedoch nur fünf von den in der en.Wikipedia aufgeführten finden. Offensichtlich wurde die unvollständig überlieferte Motette Odae suavissimae weggelassen. Außer den Schöndorff-Werken enthält die CD noch Kompositionen von Schöndorffs Vorgesetzten in der Hofkapelle, Philippe de Monte.

Die Aufnahme beginnt mit der Motette de Montes Usquequo Domine oblivisceris me? auf der Schöndorffs Missa Usquequo Domine basiert. Die Messe wurde in einem Manuskript aus dem späten 16. Jahrhundert überliefert, das Werke von weiteren kaiserlichen Musikern enthielt und für die Jakobskirche in Kuttenberg (Kutna Hora) bei Prag zusammengestellt wurde.
Als Besonderheit dieser Parodiemesse wird im Booklet herausgestellt, dass die sechs Stimmen "verzahnt" sind. So werden vielfache Stimmkombinationen ermöglicht, Stimmpaare, Dreiergruppen, Homophonie für wichtige Stellen. Durch die Aufteilung und Verteilung des Textes auf verschiedene Stimmen sei es möglich, schneller durch den Text zu kommen und die Dauer der Messe zu verkürzen. (Der Kaiser Rudolf II. soll kurze Messen bevorzugt haben.)

Das folgende Magnificat sexti toni wurde in einer Sammlung mit neun Vertonungen des Textes überliefert, die 1593 in Venedig herausgegeben und Chimarrhaeus gewidmet war.

Für die Motette Te decet hymnus vertont Schöndorff die ersten beiden Verse aus Psalm 64, die als Introitus der Totenmesse Verwendung finden. Die Motette wurde ebenso wie die später folgende Veni Sancte spiritus 1600 in Nürnberg herausgegeben.

Das in die Reihe der Schöndorff-Werke eingeschobene Magnificat quarti toni von Philippe de Monte ist Teil einer Gruppe von acht Magnificat-Vertonungen in den acht Psalmtönen, die in einem Manuskript von 1602 überliefert sind. Es wird vermutet, dass es schon einige Zeit vorher im damals wiederauflebenden Marienkult entstanden ist.

In der Motette Veni Sancte Spiritus wurde der Anfang des gleichnamigen Chorals aufgegriffen. Sein Kopfmotiv erscheint in den fünf nacheinander einsetzenden Stimmen vom Cantus bis zur Basstimme. Auch hier verwendet Schöndorff expressive Stilmittel und Verzierungen, um wichtige Textteile zu betonen.

Mit dem Madrigal La dolce vista della donna mia, wird hier noch ein Werk von de Monte zu Gehör gebracht. Es stammt aus den Jahren, die er in Italien verbrachte und ist in der zweiten Auflage seines ersten Madrigalbandes für sechs Stimmen von 1569 überliefert. Aufgrund seiner Popularität wurde es häufig nachgedruckt; de Monte selbst hat es als Grundlage einer Messe verwendet.

Dieses Madrigal greift auch Schöndorff in seiner Missa super La dolce vista, dem letzen Stück auf der CD, auf. Er behält in dieser Parodiemesse die Struktur der Stimmen bei, arbeitet wieder mit Stimmteilungen und Stimmen, die einander antworten, bleibt auch hier kurz und knapp. Die Messe ist in einem Manuskript aus dem Jahr 1594 erhalten, das in Nürnberg aufbewahrt wird.


Das Cover der CD zeigt einmal mehr ein Bild von Arcimboldo. Kaiser Rudolf II., in dessen Diensten sich Schöndorff befand, wird hier als Vertumnus als etruskischer Gott der Jahreszeiten, des Wachstums, der Gärten und Obstbäume, dargestellt.

Die Urteile über Kaiser Rudolf II. sind unterschiedlich, politisch wird ihm wenig Erfolg nachgesagt. Anders ist sein Ruf im Hinblick auf Kunst und Wissenschaft. Zu seinem Hof gehörten Astronomen wie Tycho Brahe und Johannes Kepler, er pflegte Kontakt zu Humanisten, förderte Kunst und Künstler. Seine Gemäldesammlung war für die damalige Zeit riesig. Für die Künstler des Manierismus war seine Sammlertätigkeit sehr wichtig. Arcimboldo gehörte sogar zu den Künstlern, die an seinem Hof lebten.

Die Cover dieser kleinen Reihe von Aufnahmen mit Werken habsburgischer Hofmusiker weisen so indirekt auf die Habsburger Hofkapellen hin, in deren Tradition sich das Ensemble Cinquecento stellt. Dies ist ebenso wie die guten Booklets mit Einführungen und alles Texten bezeichnend für die Sorgfalt, die das Ensemble seinen Aufnahmen angedeihen lässt.

Wie man meinen Texten entnehmen kann, halte ich die CDs für außerordentlich gelungen.

__________________________
Quellen: deutsche, englisch und niederländische Wikipedia,
MGG (CD-Rom Version), CD-Booklet




Mit diesem Beitrag beende ich die Vorstellung der Aufnahmen des Ensembles Cinquecento - Renaissance Vokal in diesem Thread. Zwei Aufnahmen sind noch zu nennen, eine ältere mit Musik von Willaert und eine ganz neue mit Werken von Richafort, beide also aus einem Repertoire, für das es wenig CDs gibt.







lg vom eifelplatz, Chris.

19

Montag, 24. September 2012, 09:21

Bei klassik.com gibt es jetzt eine sehr positive Besprechung der neuesten Cinquecento-CD.

"http://magazin.klassik.com/reviews/reviews.cfm?TASK=REVIEW&RECID=23202&REID=13805"



Gruß, Carola

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