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music lover

Liebt Klassik in historischen Aufnahmen. Und liebt Jazz.

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1

Mittwoch, 6. Juli 2011, 00:40

William Kapell - ein frühvollendeter Meister

Seit zwei Tagen rotiert einer meiner Lieblings-Pianisten auf meinem Plattenteller (und in meinem CD-Schacht): William Kapell.

Heute vor allem mit der Klaviersonate von Copland


:juhu:

An dieser Stelle wurde jetzt, also am 10.07.11 der Einführungstext von music lover eingefügt:


Der amerikanische Pianist William Kapell ist für mich eine echte Kultfigur. Wäre er nicht so unglaublich früh, nämlich mit 31 Jahren, durch einen Flugzeugabsturz aus dem Leben gerissen worden, hätte er sicherlich heute unter Klavierfreunden einen Status, wie ihn etwa Vladimir Horowitz genießt.

Zunächst ein paar biografische Details: Kapell wurde am 20. September 1922 in New York geboren. Er studierte zunächst bei Dorothea LaFollette in New York, dann am Philadelphia Conservatory of Music bei Olga Samaroff (der geschiedenen Ehefrau Leopold Stokowskis) und schließlich an der Juilliard School in New York. 1940 gewann er den Jugendwettbewerb des Philadelphia Orchestra, was es ihm ermöglichte, 1941 bei diesem Orchester unter der Leitung von Eugene Ormandy zu debütieren. Der Gewinn des Walter W. Naumburg Award bescherte ihm im Oktober 1941 seinen ersten Konzertauftritt in New York, und zwar in der Town Hall. Prompt gewann er auch den Town Hall Award für das beste Konzert des Jahres eines unter 30 Jahre alten Musikers (Kapell war damals 19). Ab dann war Kapells Karriere angesichts begeisterter Kritiken nicht mehr aufzuhalten. 1942 unternahm er seine erste Tournee durch die Vereinigten Staaten und unterschrieb einen Exklusiv-Schallplattenvertrag bei der RCA.

Im Juli 1942 wurde er von Efrem Kurtz gebeten, mit dem New York Philharmonic Orchestra das Klavierkonzert von Aram Khatchaturian im Lewisohn Stadium in Manhattan aufzuführen. Sein erster Kontakt mit diesem 1936 komponierten, also damals noch recht neuen Werk führte zu einer "Liebesaffäre" sondergleichen. Kapell spielte es jahrelang wieder und wieder, verlangte es bei Engagements mit einem Orchester konsequent als Programm und spielte es schließlich auch am 19. April 1946 mit dem Boston Symphony Orchestra unter der Leitung von Sergej Koussevitzky so dermaßen fulminant für die Schallplatte ein.



dass ich diese Aufnahme für die beste Einspielung eines Werks für Klavier und Orchester aller Zeiten halte. Die Khatchaturian-Schallplatte verkaufte sich enorm gut in den USA, so dass Kapell irgendwann "offene Türen einrannte", wenn er Khatchaturian als Programm eines Orchesterkonzerts verlangte.

Kapells Popularität war so enorm, dass irgendwann jeder mit ihm spielen wollte. Prominente Dirigenten wie Ormandy, Stokowski, Bernstein, Dorati, Reiner rissen sich um ihn. Jascha Heifetz wählte ihn als einen seiner Klavierpartner.



1947 heiratete Kapell Rebecca Ana Lou Melson, die ihm zwei Kinder (David und Rebecca) schenkte.

Kapells Ruhm war in den späten 40er Jahren so groß geworden, dass man wirklich von einem kometenhaften Aufstieg sprechen kann. Er tourte durch die Vereinigten Staaten, Europa, Australien, Südamerika und konzertierte auch in Israel. Kapell galt damals als bester Pianist der USA und hatte eine atemberaubende Karriere vor sich. Doch es kam anders. Leider, leider.

Zwischen Juli und Oktober 1953 war Kapell in Australien, wo er innerhalb von 14 Wochen 37 Konzerte in vielen Städten gab, z.B. Sydney, Melbourne, Bendigo, Shepparton, Horsham, Geelong. Am 22. Oktober 1953 fand diese Australien-Tournee mit dem Konzert in Geelong ihren Abschluss. Dort spielte Kapell das letzte Mal öffentlich. Auf seinem Rückflug in die USA kam es zu einem tragischen Unglück. Das Flugzeug, in welchem Kapell saß, stürzte ab und zerschellte am Morgen des 29. Oktober 1953 südlich von San Francisco am King's Mountain. Kapell erlitt also das gleiche Schicksal wie die großartige Geigerin Ginette Neveu, welche am 27. Oktober 1949 ebenfalls bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war.

Die von Kapell hinterlassenen "offiziellen" Aufnahmen wurden dankenswerterweise in einer William Kapell Edition von RCA auf 8 CDs herausgegeben. Dazu gibt es eine Reihe von Bootleg-Aufnahmen, welche ich teilweise fast noch interessanter finde (z.B. das Brahms-Klavierkonzert Nr. 1 mit Mitropoulos oder das Rachmaninow-Klavierkonzert Nr. 2 mit Bernstein). Auch von der Australien-Tournee gibt es Live-Mitschnitte, die auf dieser Doppel-CD veröffentlicht wurden;


2

Mittwoch, 6. Juli 2011, 00:42

Kapell war ganz groß, ich teile Deine Begeisterung!

:wink:
Michael
"Lassen Sie es nicht so enden. Sagen Sie, dass ich etwas gesagt hätte."
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3

Mittwoch, 6. Juli 2011, 00:44

William Kapell

Dass dieser grandiose Pianist, lieber Michael, in ganz jungen Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommen musste. Es ist zum Heulen :shake: :shake: :shake:

Es freut mich sehr, dass so ein fachkundiger Mann wie Du ihn auch hochschätzt :thumbsup:

Meine nächste CD von ihm im Schacht

4

Mittwoch, 6. Juli 2011, 00:50

:vv:
"Lassen Sie es nicht so enden. Sagen Sie, dass ich etwas gesagt hätte."
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5

Mittwoch, 6. Juli 2011, 00:58

Es ist in der Tat zum Heulen, was für ein furchtbares Ende einer solch hoffnungsvollen Karriere!
Du kennst das natürlich, aber für alle anderen, welche nicht wissen, von wem wir sprechen, hier der einzige Filmausschnitt mit Ihm:

"http://www.youtube.com/watch?v=5IB_uUqP8iY"


Kapell war einer der ganz großen, es gibt natürlich noch andere viel zu jung verstorbene wie z.B. Noel Mewton Wood in seiner Generation.
Ich habe einige Bootlegs mit Ihm schon zu LP-Zeiten gehortet, heutzutage kommt man aber zum Glück an fast alle seiner Aufnahmen heran.

Hätte er "nur" das Khachaturian-Konzert aufgenommen, es würde reichen, denn das ist in vielerlei Hinsicht die unglaublichste Klavierkonzertaufnahme überhaupt.
Ein Pianist (Kapell) spielt ein schönes und interessantes Konzert auf ein solches Meisterwerk- Niveau herauf und liefert eine Interpretation ab, welche schlichtweg nicht , absolut nicht zu toppen ist.

Das ist ziemlich singulär, das macht Ihn unsterblich :juhu:
:wink:

Michael

P.S. Kennst Du seinen Live-Mitschnitt vom Rachmaninoff Konzert Nr.3?
Irre, er läßt das Orchester einfach stehen, das ist derartig extrem gespielt, wäre das eine Studioaufnahme gewesen und wären die Orchesterfehler ausgebügelt worden, DIES wäre die überwältigenste Aufnahme dieses Konzerte.
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6

Mittwoch, 6. Juli 2011, 01:08

Kapell war einer der ganz großen (...) Hätte er "nur" das Khachaturian-Konzert aufgenommen, es würde reichen, denn das ist in vieler Hinsicht die unglaublichste Klavierkonzertaufnahme überhaupt.

Kapell hat das Khatchaturian-Klavierkonzert ja nicht nur aufgenommen. Er hat auch ein komplettes Jahr lang die Bedingung aufgestellt, dass - wenn man ihn mit einem Orchester engagieren möchte - nichts anderes als dieses Klavierkonzert von Khatchaturian auf dem Programm stehen darf. Und das während des Kalten Krieges!!! Ein US-Pianist, der eine blendende Zukunft vor sich hatte (quasi der Vorgänger von Van Cliburn) verlangte, ein Jahr lang ausschließlich sowjetische Musik spielen zu dürfen. Weil sie einfach kompositorisch das non plus ultra der damaligen Zeit war. Dieser Mann war einfach sagenhaft.

Für mich (und offenbar auch Michael) sollte niemand, der sich ernsthaft für Klaviermusik interessiert, einer dieser beiden CDs hier nicht sein eigen nennen:
bzw.

:juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

7

Mittwoch, 6. Juli 2011, 01:14

Ja, unterschreibe ich!

Wobei die Sache mit den sowjetischen Komponisten m.e. kurz VOR dem kalten Krieg aktuell war, das Zeitraster ist da etwas ausdehnbar.

Übrigens ist auch das dritte Prokofjew- Konzert, welches music-lover oben auf der Naxos-CD vorgestellt hat, vom allerfeinsten in Kapells Interpretation!
Zum Glück habe ich noch eine RCA-LP mit Kapells Khatchaturian, welche am allerbesten klingt.

Pearl hat diese Aufnahme auch einmal in einem sehr guten Remastering herausgebracht.

Mich würde interessieren, wie die Naxos und Dutton- Versionen klingen.
RCA hat jedenfalls damals mit dem Metallmaster gearbeitet, klanglich ist das sehr zufriedenstellend.

Dutton und Naxos hingegen haben mit Schellack-Kopien gearbeitet.

Das muß nicht schlecht sein, das wird sicherlich auch gut sein.
Aber ich bin ein wenig traurig, daß es momentan nicht DAS moderne Remastering dieser epochalen Aufnahmen vom Orginal- Metallmaster gibt, die RCA- Version ist halt aus den 80er Jahren.
Das geht sicher noch besser.

:wink:
Michael
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8

Mittwoch, 6. Juli 2011, 01:44

Hallo music lover,
wir sollten einen William Kapell thread aufmachen, es ist zu schade, wenn das alles hier im "eben gehört" Orcus verschwindet.
Ich habe im Moment ein Konzert nach dem anderen, vielleicht könntest Du den Anfang machen, meiner enthusiastischen Mitarbeit kannst Du Dir sicher sein.

LG,
:wink:
Michael
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Caesar73

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9

Mittwoch, 6. Juli 2011, 11:10



Lieber music-lover, lieber Michael, ich habe Eure Beiträge aus "Eben gehört" in einen eigenen William-Kapell-Thread kopiert, den hat der Pianist wirklich verdient! Vielleicht schreibt einer von Euch beiden noch einen kurzen einleitenden Text, den kopieren wir dann an die entsprechende Stelle, was meint Ihr?

Für die Moderation:

Caesar73

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Cato der Ältere

10

Mittwoch, 6. Juli 2011, 12:43

Nur so am Rande: Findet Ihr den Thread-Titel "Ein früh verglühter Komet" angesichts seines Todes bei einem Flugzeugabsturz nicht auch etwas geschmacklos?

Mein ja nur...

Christian

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11

Mittwoch, 6. Juli 2011, 14:08


Lieber music-lover, lieber Michael, ich habe Eure Beiträge aus "Eben gehört" in einen eigenen William-Kapell-Thread kopiert, den hat der Pianist wirklich verdient! Vielleicht schreibt einer von Euch beiden noch einen kurzen einleitenden Text, den kopieren wir dann an die entsprechende Stelle, was meint Ihr?

Das übernehme ich sehr gern. Wenn ich dafür vielleicht ein paar Tage Zeit bekomme, würde ich sogar einen längeren Text verfassen.

Über den Threadtitel könnte man angesichts des Einwandes von Christian dann vielleicht auch nochmal nachdenken. Das Flugzeug, mit welchem Kapell von seiner mehrmonatigen Australien-Tournee zurück in die USA flog, zerschellte südlich von San Francisco am King's Mountain. Das Wort "verglühen" in Bezug auf Kapell zu verwenden ist daher vielleicht tatsächlich nicht so gut.

Caesar73

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12

Mittwoch, 6. Juli 2011, 20:56

Nur so am Rande: Findet Ihr den Thread-Titel "Ein früh verglühter Komet" angesichts seines Todes bei einem Flugzeugabsturz nicht auch etwas geschmacklos?

Mein ja nur...

Christian


Lieber Christian,

ich habe den Titel heute morgen in aller Eile formuliert, ohne daran zu denken. Du hast selbstredend recht. Ich ändere den Titel ab.

:wink: :wink:

Christian
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Cato der Ältere

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13

Mittwoch, 6. Juli 2011, 21:02

Wenn ich dafür vielleicht ein paar Tage Zeit bekomme, würde ich sogar einen längeren Text verfassen.




Die Zeit bekommst Du - keine Eile. Schreibe den Text und schicke ihn mir per PN zu - ich füge ihn dann ein.

:wink: :wink:

Christian

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Cato der Ältere

14

Donnerstag, 7. Juli 2011, 00:21

Mein Tipp:




Vor allem die "Bilder" haben es mir angetan. Die Aufnahmequalität ist aber eher unterirdisch.

Viele Grüße, Bernd

Caesar73

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15

Donnerstag, 7. Juli 2011, 08:53

Vor allem die "Bilder" haben es mir angetan. Die Aufnahmequalität ist aber eher unterirdisch.


Gibt es die "Bilder" eigentlich noch in einer klanglich besseren Fassung? Wahrscheinlich nicht, oder?

:wink: :wink:

Christian
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Cato der Ältere

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16

Donnerstag, 7. Juli 2011, 09:43

Gibt es die "Bilder" eigentlich noch in einer klanglich besseren Fassung? Wahrscheinlich nicht, oder?

Doch - die Bilder einer Ausstellung wurden auch beim Kapell-Recital in der Frick Collection New York vom 1.3.1953 mitgeschnitten: veröffentlicht als Vol. 8 der William Kapell Edition.

Diese CD ist auch wegen der Copland-Sonate hochinteressant.

17

Donnerstag, 7. Juli 2011, 11:04

Ich war mal vor Jahren durch eine Rezension von A. Csampai (Rondo-Seite) auf William Kapells „Bilder“ aufmerksam geworden. Er schrieb über die 1951-er Aufnahme auf Arbiter: „Ähnlich körperlich ist seine hier zum ersten Mal publizierte Deutung von Mussorgskys "Bildern einer Ausstellung", die in ihrer fast asketischen Schärfe und inneren Logik sogar die russischen Referenzen Richter und Horowitz gefährdet."



Der Rezensent hat Recht: eine wundervolle Interpretation, farbig und vielgestaltig – wenn nur die erbärmliche Klangqualität nicht wäre.

Die RCA-Aufnahme aus 1953 gefällt mir noch besser, sie transportiert eine traumhaft-suggestive Stimmung. Sie ist weniger kraftvoll, aber mit großer Intensität und Klarheit gespielt, dadurch plastischer als die ältere Interpretation. Die Klangqualität ist hier am besten.

Die Rundfunk-Aufnahme auf „Kapell Rediscovered“ würde ich als wild, kühn und frei charakterisieren. So unterschiedlich sind diese drei Aufnahmen – es ist faszinierend, wie wandlungsfähig dieser Pianist war!

Ich liebe jede Aufnahme, die ich von William Kapell habe, und ich bin traurig, dass dieser wundervolle Künstler so früh von uns gehen musste.

Gruß, Cosima

18

Donnerstag, 7. Juli 2011, 21:42

Hier noch als Ergänzung ein schöner Livemitschnitt mit Kapell und dem NYPSO unter Stokowski 1949 von De Fallas "Nächten":

Die Klangqualität ist in Anbetracht des Alters und der Live-Bedingungen brauchbar, die Interpretation exzellent. Auch der Kodaly ist sehr hörenswert!

Grüße und weiterhin allen viel Freude an Kapell,

Scherchen
"Music is the voice of the all - the divine melody - the cosmic rhythm - the universal harmony." aus Music for all of us (Stokowski, 1943)

19

Donnerstag, 7. Juli 2011, 22:00

Hallo Scherchen,
ich mag diesen Konzertmitschnitt auch sehr.
Kapell spielt den de Falla eher als Klavierkonzert denn als musikalische Impression, das mag vielleicht nicht so ganz dem Werk gerecht werden, hat aber was.
Kurios ist für mich jedesmal, wenn er im ersten Satz einmal ein paar Takte zu früh einsetzt. Zum Glück sind auch Genies nicht unfehlbar. :D

:wink:
Michael
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20

Donnerstag, 7. Juli 2011, 22:07

Hallo Michael,
das finde ich gerade das Schöne, dass so ein Fehler der Interpretation und der Musik als Ganzes keinen Abbruch tut. Kapell reißt mit und ja, du hast recht, er legt es fast als Konzert aus.

Grüße,
scherchen
"Music is the voice of the all - the divine melody - the cosmic rhythm - the universal harmony." aus Music for all of us (Stokowski, 1943)

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21

Sonntag, 10. Juli 2011, 22:56



Liebe Kapell-Freunde,

der erste Beitrag dieses Threads wurde jetzt dankenswerter Weise durch einen Einführungsbeitrag von music lover zu William Kapell ergänzt, der von der Moderation an passender Stelle eingefügt wurde. Beim Aufrufen dieses Threads ruhig also noch einmal ganz nach oben springen ;+)

Für die Moderation:

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Cato der Ältere

22

Dienstag, 12. Juli 2011, 19:17

Ich kannte William Kapell noch gar nicht und konnte mir jetzt mal die ausleihen:



Rachmaninoff: Klavierkonzert Nr 2, New York Philharmonic , Leonard Bernstein, 18.2.1951

Khachaturian: Klavierkonzert, Philadelhia Orchestra, Eugene Ormandy, 8.4. 1944

Die Tonqualität/Technische Rekonstruktion ist bei beiden Aufnahmen leider sehr bescheiden, bei der mit Bernstein sogar noch schlechter als bei der älteren mit Ormandy. Da leistet Naxos wahrscheinlich bei alten Aufnahmen besseres.

Rachmaninoff kann ich nicht leiden. Ich hatte mir vorgenommen, durchzuhalten, habe es aber nicht ganz geschafft. Kapell und Bernstein spielen das zusammen mit sehr viel Drive, aber während es Kapell selbst für mich als 'Rach.-Verächter' schafft, verhältnismäßig unsentimental zu klingen und mich neugierig macht, wie er anderes spielt, spielt Bernstein trotz des hohen Drives so den Schmalz aus, dass ich es ganz besonders furchtbar finde.

Der Khachaturian ist allerdings wirklich toll. Das ist, auch von Ormandy, mit hoher Dramatik gespielt, ohne jede Sentimentalität, ohne übertrieben folkloristische Idyllik, metrisch und in den Akzentsetzungen scharf pointiert, aber ohne übertriebene, den Fluß störende Agogik. Das gefällt mir schon sehr gut. Und die Aufnahme mit dem Boston SO und Serge Koussevitzky ist noch besser? Auch von der Tonqualität?

:wink: Matthias

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23

Dienstag, 12. Juli 2011, 21:33

Mein Tipp:

Zu den Australian Broadcasts noch zwei diskografische Bemerkungen:

Das Rachmaninow-Klavierkonzert Nr. 3 ist nicht nur hier mit Kapell greifbar, also in der bei RCA veröffentlichten australischen Aufnahme mit dem Victorian Symphony Orchestra unter der Leitung von Sir Bernard Heinze vom 1. Oktober 1953, sondern auch in einer kanadischen Aufnahme mit dem Toronto Symphony Orchestra unter der Leitung von Sir Ernest MacMillan aus dem Jahr 1948

Auf der "Australian Broadcasts"-Doppel-CD hört man sogar im 3. Satz ein kleines Stückchen aus dieser Torontoer Aufnahme, weil sämtliche Aufnahmen der Australien-Doppel-CD von einem Laien herrühren, der Radioübertragungen mit einem Aufnahmegerät aufzeichnete, bei welchem mit einer Nadel Rillen in eine Acetatplatte geschnitten wurden. Und es musste halt gelegentlich mal die Acetatplatte gewechselt werden, so dass mal ein Stück "fehlt" (während nämlich dieser Musikfreund die Platte wechselte). Demzufolge kommt es auf der RCA-Doppel-CD zu verschiedenen "Einfügungen" aus anderen Aufnahmen Kapells, so z.B. auch vom Ende der "Bilder einer Ausstellung", welche aus dem Frick-Recital Kapells genommen wurden (die australischen Schlusstöne sind wegen eines notwendig gewordenen Plattenwechsel verschollen). Die Allemande aus der Bach-Suite ist komplett eingefügt aus einer RCA-Studio-Aufnahme Kapells vom 7. Januar 1947.

Die australischen Mitschnitte wurden nicht nur in der RCA-Doppel-CD veröffentlicht, sondern fanden im Falle von Chopins Sonate Nr. 2 auch Eingang in die Kapell-Edition. Der in der Vol. 2 dieser Edition

veröffentlichte Mitschnitt dieser Sonate stammt aus dem allerletzten Konzert, das Kapell jemals gegeben hat, nämlich am 22. Oktober 1953 in Geelong (Australien).

Der Khachaturian ist allerdings wirklich toll. Das ist, auch von Ormandy, mit hoher Dramatik gespielt, ohne jede Sentimentalität, ohne übertrieben folkloristische Idyllik, metrisch und in den Akzentsetzungen scharf pointiert, aber ohne übertriebene, den Fluß störende Agogik. Das gefällt mir schon sehr gut. Und die Aufnahme mit dem Boston SO und Serge Koussevitzky ist noch besser? Auch von der Tonqualität?

Die Kapell/Koussevitzky-Aufnahme ist der Wahnsinn pur, lieber Matthias. Ich würde nicht so sehr für sie werben (nicht nur hier - ich tat dies auch früher mal in einem "benachbarten Forum"), wenn ich nicht völlig hin und weg von dieser Einspielung wäre. Bei der Tonqualität muss Dir natürlich bewusst sein, dass die Aufnahme von 1946 stammt. Die Naxos-Techniker machten aber das Beste daraus. Folgendes Angebot: Du und ich machen einen Deal. Du bestellst Dir folgende Naxos-CD bei jpc für wenig Geld (6,99 €)

und wenn Dir der Khatchaturian mit Koussevitzky nicht gefällt, schicke ich Dir als "Entschädigung" ein paar Heavy Metal-Sampler an Deine Adresse, die Du mir per PN mitteilst. Na, ist das ein Angebot? :prost:

24

Mittwoch, 13. Juli 2011, 01:18

Lieber Musiclover,

danke für dein freundliches Angebot :prost: , aber sie wird mir gefallen. Nach dem, was du und Michael geschrieben habt und nach dem ich jetzt schon von der Aufnahme mit Ormandy sehr angetan bin, bin ich mir da sehr sicher. Wird also mit der nächsten Lieferung mitbestellt.

:wink: Matthias

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25

Dienstag, 19. Juli 2011, 23:21

William Kapell: A documentary life history of the American pianist

Das von Tim Page verfasste Buch über William Kapell (keine Biografie, sondern eher eine fachkundige Zusammenstellung von Dokumenten)

ist übrigens vergriffen und in Deutschland nur noch zu unverschämten Gebraucht-Preisen zu kriegen. Ich habe es in meinem Regal und kann Kapell-Fans nur empfehlen, ein Auge darauf zu behalten, ob es vielleicht mal in Antiquariaten oder online günstig auftaucht. Es bietet viel Lesevergnügen!

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26

Mittwoch, 27. März 2013, 15:20

Soeben erschienen:


William Kapell: Complete Recordings 1944-1953
11 CD-Box

Chopin: Mazurken Nr. 1-51; Klaviersonaten Nr. 2 & 3; Walzer Nr. 1; Nocturne Nr. 16; Polonaise; Barcarolle; Scherzo Nr. 1
Mendelssohn: Lied ohne Worte op. 67 Nr. 5
Schumann; Romanze op. 28 Nr. 2; Von fremden Ländern und Menschen
Mozart: Klaviersonate Nr. 17
Rachmaninow: Klavierkonzerte Nr. 2 & 3; Paganini-Rhapsodie op. 43; Prélude op. 3 Nr. 2; Sonate für Cello und Klavier
Schostakowitsch: Préludes op. 34 Nr. 5, 10, 14, 24
Prokofiew: Klavierkonzert Nr. 3; Klaviersonate Nr. 7
Khatchaturian: Klavierkonzert
Beethoven: Klavierkonzert Nr. 2
Schubert: Moment musical; Walzer; Deutsche Tänze; Impromptu
Brahms: Intermezzo op. 116 Nr. 6; Violasonate op. 120 Nr. 1; Violinsonate op. 108
Liszt: Petrarca-Sonett Nr. 104; Ungarische Rhapsodie Nr. 11; Mephisto-Walzer Nr. 1
Bach: Suite BWV 818; Partita BWV 828
Copland: Klaviersonate
D. Scarlatti: Klaviersonate K. 380
Mussorgsky: Bilder einer Ausstellung
Debussy: Suite bergamasque; Children's Corner
Palmer: Toccata ostinato
Albeniz: Evocacion
Chasins: Piano Playtime Nr. 1, 4-6
God save the Queen

William Kapell, Klavier
mit Jascha Heifetz, Robin Hood Dell Orchestra, NBC Symphony Orchestra, Boston Symphony Orchestra, Fritz Reiner, William Steinberg, Antal Dorati, Sergei Koussevitzky u. a.

27

Mittwoch, 27. März 2013, 19:38

Soeben bestellt

Gruß aus Kiel
Arthur Bloch: The sum of the intelligence on the planet is a constant; the population is growing

28

Donnerstag, 4. April 2013, 21:58

Und nun eingetroffen

Und lausche dem Klavierkonzert des Armeniers, der auch Spartakus verbrochen hat, ich schreibe nur "Onedin Linie"!
Das Konzert ist in der Tat wunderbar gespielt und soooo mistig historisch klingt es nicht! Da gibt es fürwahr Schlimmeres.
Gruß aus Kiel
Arthur Bloch: The sum of the intelligence on the planet is a constant; the population is growing

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29

Donnerstag, 4. April 2013, 22:43

Das Konzert ist in der Tat wunderbar gespielt und soooo mistig historisch klingt es nicht!
Na, sag'ich doch :thumbsup:

30

Sonntag, 14. April 2013, 11:10

Nach mehrmaligem Hören

So, nu habe ich die 11 CD Kassette in Auszügen mehrfach gehört und muss etwas einschränken.
Ich bin kein Klavierfan an sich, sprich der "virtuose Leerlauf" geht mir ab, ebenso das allzu romantisierende Gedudel.
Da ist Kapell weit von entfernt. Doch kann ich auch bei ihm mit Schumann, Liszt und Chopin nicht viel anfangen:

Doch ist es erfrischend, dass Rachmaninov von "Pathos und Sahne" befreit, hier wunderbar dargeboten wird. Die Paganini Variationen haben die Klasse der Szell/Fleisher Einspielung, Rach2 ist schlank gespielt und mit der notwendigen Härte, das 3. Klavierkonzert klingt leider zu schlecht, um heute konkurrenzfähig zu sein.
Khachaturians Klavierkonzert habe nun 2-mal gehört und muss revidieren: Es wird bereits beim 2. Hören langweilig. Das liegt auch daran, dass Koussewitzky mir mit seinem schwerfälligen Dirigat auf die Nerven geht. Kappell "rennt" ihm oft scheinbar davon, will sagen: Die beiden sind nicht harmonisch aufeinander abgestimmt. Das stelle ich mir in der Kombination mit Bernstein anders vor.
Außerdem hat Wolfgang (Teleton) recht: Dieses Konzert wirkt wahrscheinlich erst in bester Tonqualität.

Das beste Stück im Schuber ist m.E. das KK2 von Beethoven. Da wird alles geboten: Der "rasende Willy" in der Kadenz des 1. Satz, der 2. Satz tief empfunden und ein glänzender Rausschmiss im 3. genial begleitet von Golschmann.

In der Fleisher Biografie "My Nine Lives" Seiten 65ff ist eine Homage an ihn verfasst:

Zitat

He was probably the greatest American Pianist who ever lived
Auch wie die 4 etwas jüngeren Nachwuchsstars "Leogene Graffteiner" (Fleisher, Istomin, Graffmann, Lateiner) keine Gelegenheit ausließen, sich von "Willy", wie sie ihn nannten, Tipps, Kritik und Anregungen zu holen.

Gruß aus Kiel
Arthur Bloch: The sum of the intelligence on the planet is a constant; the population is growing

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Sonntag, 14. April 2013, 14:45

Zitat von »Doc Stänker«

Khachaturians Klavierkonzert habe nun 2-mal gehört und muss revidieren: Es wird bereits beim 2. Hören langweilig. Das liegt auch daran, dass Koussewitzky mir mit seinem schwerfälligen Dirigat auf die Nerven geht. Kappell "rennt" ihm oft scheinbar davon, will sagen: Die beiden sind nicht harmonisch aufeinander abgestimmt. Das stelle ich mir in der Kombination mit Bernstein anders vor.
Wenn Dir Kapell/Koussevitzky beim ersten Hören gut gefiel (siehe #28) und beim zweiten Hören nicht mehr so gut gefiel (siehe oben), dann riskiere doch mal einen dritten Hördurchgang :D

Die von Dir erwähnte Kombination Kapell/Bernstein gibt es bei dem Khatchaturian-Konzert leider nicht zu kaufen, wohl aber Kapell/Ormandy. Siehe hierzu bereits etwas weiter oben Matthias Oberg:

Khachaturian: Klavierkonzert, Philadelhia Orchestra, Eugene Ormandy, 8.4.1944
(...)
Der Khachaturian ist allerdings wirklich toll. Das ist, auch von Ormandy, mit hoher Dramatik gespielt, ohne jede Sentimentalität, ohne übertrieben folkloristische Idyllik, metrisch und in den Akzentsetzungen scharf pointiert, aber ohne übertriebene, den Fluß störende Agogik. Das gefällt mir schon sehr gut.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich erwähnen, dass seit kurzem eine weitere Buchveröffentlichung über William Kapell auf dem Markt ist: "A Lasting Record" von Stephen Downes (320 Seiten, $23.99). Leider offenbar nur als E-Book zu beziehen (hoffentlich macht das nicht Schule) unter
"http://www.harpercollins.com.au/books/Lasting-Record-STEPHEN-DOWNES/?isbn=9780730499909"
Die Beschreibung des Buchthemas auf der genannten Seite lautet:
"A LASTING RECORD tells the unique true story of two separate but interconnected lives: New Yorker William Kapell, America′s greatest home-grown concert pianist, and Roy Preston, Melbourne-based Myer cosmetics salesman and classical music aficionado.

Kapell and Preston are united by one single acetate, containing a Chopin sonata recorded by Roy from Kapell′s last concert in the regional Australian city of Geelong. With a mix of detective work and imagation, from this single acetate, Stephen Downes tells a spellbinding tale of the greatest pianist who almost never was, and his eccentric and passionate fan."

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Sonntag, 14. April 2013, 16:24

Gegen Liebe auf den 1. Blick

hilft oft der 2.
Lieber Musiclover!
Du magst Recht haben mit dem 3. Hörversuch. Ich habe ihn angetreten.
Nebenbei: Ich dachte es sei Bernstein, dabei war es Ormandy. Ich kenne die Aufnahmen nicht, habe nur deren musikalische Potenz extrapoliert, weil Kussewitzki eben eher ein B-Class Dirigent war, wenn auch seinerzeit als Mäzen hochgerühmt. Und das merkt man leider in der Aufnahme deutlich. Vor allem, wenn man die anderen Aufnahmen mit Fritze Reiner, Golschman oder Steinberg dagegen hört, dann weiß man, was "genialisches Begleiten" ist.
Dagegen ist Kussewitzki eben nur so was wie der VFL Bochum.
Nach drittem Hören bin ich sogar der Meinung, dass das Werk von Khachaturian bestenfalls B-Class ist. Man vergleiche es mit zeitgleichen Werken von Prokofieff oder Schostakowitsch. Oder dem Klavierkonzert von Samuel Barber.
Das sind doch extreme Qualitätsunterschiede.
Ohne Kapells Einsatz wäre es doch nix oder zumindest fast garnix wert!
Und das ist eben sein Verdienst: Aus einem "B-Klasse Schmonz" ein Ereignis zu machen. Und zusätzlich gibt es viele Aufnahmen im Schuber, die den Ausnahmerang dieses Künstlers bestätigen.

Gruß aus Kiel
Arthur Bloch: The sum of the intelligence on the planet is a constant; the population is growing

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