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Caesar73

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1

Freitag, 27. Januar 2012, 12:04

Arthur Rubinstein - edle Einfalt und stille Größe



Ehe ich zur Sache komme, eine Anmerkung zum Threadtitel: Das Zitat Joachim Winkelmanns, mit dem dieser sein Kunstideal auf eine knappe Formel brachte, scheint mir gut geeignet, um die Kunst Arthur Rubinsteins zu charakterisieren.Einfalt ist hier nicht despektierlich gemeint.

Vor einigen Wochen ist eine Box mit Aufnahmen Arthur Rubinsteins erschienen, The complete Album Collection. Die Box umfasst sämtliche Aufnahmen, die Arthur Rubinstein zwischen 1928 und 1975 bei HMV und RCA gemacht hat. Enthalten sind in der Kassette 142 CD´s und zwei DVD´s, dazu ein opulent aufgemachtes Buch mit einem alphabetischen und chronologischen Register. Das Erscheinen dieser Edition ist eine gute Gelegenheit, diesem außerordentlichen Pianisten auch hier bei Capriccio einen Thread zu widmen.



Ich habe diese Box erworben, allerdings hat mir bisher die Zeit gefehlt, mich intensiv mit ihr zu beschäftigen ;+)

Eine biographische Skizze spare ich mir an dieser Stelle, Biographische Details sind ohne Schwierigkeiten im Netz zu finden, Stichwort "Wikipedia". Aber es gibt auch eine Fülle anderer Internetseiten, die Informationen über den Pianisten bietet.

Kennengelernt habe ich Arthur Rubinstein durch das Portät des Künstlers, welches Joachim Kaiser in seinem Buch "Große Pianisten unserer Zeit" gezeichnet hat. Fasziniert hat mich an Rubinstein immer, wie lange er sich seine künstlerische Kreativität erhalten konnte. Rubinstein konzertierte ja bis weit ins hohe Alter, bis in seine Augen im Stich ließen.

Arthur Rubinsteins Name ist eng mit den Werken Frederik Chopins verbunden. Viele der Werke des Komponisten hat Rubinstein zwei, oder sogart dreimal aufgenommen, wie die Mazurken beispielsweise. Die einzige Ausnahme in dieser Reihe bilden die Etüden, von denen Rubinstein in Konzerten immer wieder einzelne Etüden spielte. Man mit Sicherheit sagen, dass Chopins Musik eines der Zentren des Schaffens Arthur Rubinsteins bildete. Doch ist das Repertoire des Pianisten um ein vielfaches größer. Was ein Blick in das Inhaltsverzeichnis der neuen Edition nur zu deutlich macht.


:wink: :wink:

Christian
Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

Cato der Ältere

Caesar73

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2

Samstag, 4. Februar 2012, 10:07

Das untenstehende Posting habe ich vor einigen Jahren schon einmal an anderer Stelle gepostet - und jetzt geringfügig überarbeitet. Warum geringfügig? Zur Vorbreitung dieses Threads habe ich diese Mazurken Rubinsteins noch einmal gehört - und meine grundsätzliche Einschätzung der Aufnahme hat sich nicht geändert ;+)


"Bomben unter Blumen"
(Robert Schumann)


Joachim Kaiser charakterisierte das Chopin-Spiel des Pianisten einmal so:

"Rubinstein spielt einen stolzen Chopin, einen männlichen Chopin, nicht jenen freundlichen, sentimentalen Emigranten, der wehmütig den alten Weisen seiner Heimat nachlauscht."


Einen guten Eindruck von Rubinsteins Chopin-Spiel bekommt man wenn man die Balladen in der Interpretation des Pianisten hört: Rubinsteins Fähigkeit auf dem Flügel zu singen, feinste Rubati, die nie gesucht wirken; der Farbenreichtum seines Tons, daneben die wilden fff-Ausbrüche (Man merkt schon- Rubinstein ist einer meiner Hausgötter) In den Balladen stehen sie nebeneinander.

(Nein, diese Empfehlung gilt nicht den Balladen- ich muss mir auch noch ein As in der Hinterhand behalten...:D)

Ein anderer Vorzug Rubinsteins kommt ihm bei den Mazurken zustatten, sein Rhythmusgefühl. "Sublimierte Volksmusik", so hat jemand einmal diese geschliffenen Miniaturen bezeichnet. Chopin komponierte insgesamt 51 dieser Miniaturen, die erste mit 10 Jahren- die letzte im Jahr 1849. Sublimierte Volksmusik- das sind die Mazurken zweifelsohne. Aber auch weit mehr:

Robert Schumann schrieb in der Neuen Zeitschrift für Musik:

"Chopins Werke sind Bomben, unter Blumen versteckt"- (mit Bezug auf die Mazurken op. 30 und 33) und so spielt sie Arthur Rubinstein auch. Nicht als künstliche, geruchlose Papierblumen (um im Bild zu bleiben), Rubinstein spielt mit berückend schönem Ton, aber unter der Oberfläche lauert mehr- und das macht Rubinstein in jedem Augenblick deutlich: Tänze ja, aber keine harmlose Kaffee-Haus-Tanzmusik.

Insgesamt hat Rubinstein die Mazurken dreimal aufgenommen: 1938/39, 1952 und 1965/66. Die Aufnahme von 1952 steht nicht nur zeitlich in der Mitte, sie vereint in gewisser Weise die beiden Vorzüge der beiden Schwestern: Die Frische und Unbekümmertheit der frühen Einspielung und der leuchtende Ton der späteren Stereoversion.

Alle drei Interpretationen sind im Rahmen der Rubinstein-Collection erschienen und digital überarbeitet. Der Klang ist ein wenig trocken, mit wenig Hall. Mir persönlich gefällt die 52´ Version ein wenig besser als die Aufnahme von 1965/66- aber das ist Geschmacksache. Und im Idealfall hat man beide im Schrank




In einem Interview sagte Rubinstein über seine Einspielung:

"[...] Ich kann nur hoffen, daß ... die Hörer etwas von der Liebe fühlen werden, die ich bei diesen Aufnahmen empfunden habe. Ich weiß nicht, ob ich damit erfolgreich war, was ich zu tun versuchte, aber ich hoffe, daß meine Aufnahmen dieser Mazurken helfen werden, dem riesigen Publikum des Grammophons in aller Welt ein wenig davon zu vermitteln, was Chopins Musik für die Polen bedeutet.[...]"


Also ich finde: Es ist ihm gelungen.

:wink: :wink:

Christian
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Cato der Ältere

3

Donnerstag, 16. Mai 2013, 12:09

Hallo,

zunächst herzlichen Dank für das schöne Eingangsposting !

Den Umstand, dass es bisher keine Resonanz darauf gab, finde ich bemerkenswert. Soll das bedeuten, dass Rubinstein heute nicht mehr gehört wird ? Oder ist seine herausragende Stellung unter den Pianisten dermaßen unangefochten, dass sich jeder weitere Kommentar dazu verbietet ?

Ich bin über Chopin zu Rubinstein gekommen. Diese Box seiner - meiner Meinung nach - schönsten Aufnahmen, kann ich jedem, der sich erstmalig mit Rubinstein befassen möchte, nur wärmstens empfehlen:



VG Bernd

4

Donnerstag, 16. Mai 2013, 12:27

Diese Box enthält größtenteils die späten Stereo-Aufnahmen, oder?
Rubinstein hat einen erheblichen Teil von Chopins Oeuvre (Scherzi, Mazurken, Polonaisen, Nocturnes, evtl. noch mehr) nicht weniger als dreimal eingespielt: einmal von den späten 1920ern bis in die späten 1930er, einmal um 1950 und dann nochmal in den 1960ern in Stereo. Häufig werden jedoch die mittleren oder früheren Einspielungen gegenüber den späten empfohlen. Ich hatte mir seinerzeit (etwas nach 2000 oder wann kam die "braune" Edition?) auf entsprechende Empfehlungen von der Edition auf einzelnen CDs die Mazurken aus den 1930ern (die oben gezeigte Folge 6), sowie Nocturnes, Scherzi und Polonaisen aus den frühen 1950ern zugelegt. Allerdings kenne ich auch nur diese Aufnahmen, da die Liebe dann doch nicht so weit geht, mir das Repertoire dreifach mit demselben Pianisten anzuschaffen...
By nature a philosopher is not in genius and disposition half so different from a street porter, as a mastiff is from a greyhound.
Adam Smith

5

Donnerstag, 16. Mai 2013, 12:37

Robert Schumann schrieb in der Neuen Zeitschrift für Musik:

"Chopins Werke sind Bomben, unter Blumen versteckt"- (mit Bezug auf die Mazurken op. 30 und 33) und so spielt sie Arthur Rubinstein auch.
Da ist falsch zitiert worden (ich schätze, Caesar hat wohl Kaiser zitiert, der selber seinen Schumann nicht richtig in Ordnung hatte). Der originale Wortlaut ist nämlich:

Zitat

Denn wüsste der gewaltige, selbstherrschende Monarch im Norden, wie in Chopins Werken, in den einfachen Weisen seiner Mazurkas, ihm ein gefährlicher Feind droht, er würde die Musik verbieten. Chopins Werke sind unter Blumen eingesenkte Kanonen.
Alles, wie immer, IMHO.
Bleiben Sie kapriziös !

6

Donnerstag, 16. Mai 2013, 13:07

Mir wird Rubistein zu sehr auf Chopin reduziert. Da wird z.B. sein Brahms (auch die Violinson.und Quartette) sehr leicht übersehen. Für mich ist ein Klassiker die 3.Sonate : und sein Spiel hat alles , was ich mir bei Brahms wünsche.
Good taste is timeless

7

Donnerstag, 16. Mai 2013, 13:25

Meinem Eindruck nach gelten die meisten Brahms-Aufnahmen Rubinsteins ebenfalls als "Klassiker", insbesondere auch die Kammermusik. Soweit ich sie gehört habe, nicht zu Unrecht. Von der f-moll-Sonate kenne ich auch nur die spätere Aufnahme, es gibt hier noch eine etwas frühere (die vermutlich von manchen vorgezogen wird).
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Adam Smith

Caesar73

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8

Donnerstag, 16. Mai 2013, 13:49

Da ist falsch zitiert worden (ich schätze, Caesar hat wohl Kaiser zitiert, der selber seinen Schumann nicht richtig in Ordnung hatte). Der originale Wortlaut ist nämlich:


Danke Philbert, für die Korrektur - ich habe in der Tat Kaiser zitiert ;+) In einem späteren Thread zu Chopins Etüden habe ich allerdings korrekt zitiert, wenn ich mich nicht täusche. Ich hatte völlig vergessen, dass das Zitat hier noch in dieser Form stand


Mir wird Rubistein zu sehr auf Chopin reduziert. Da wird z.B. sein Brahms (auch die Violinson.und Quartette) sehr leicht übersehen. Für mich ist ein Klassiker die 3.Sonate : und sein Spiel hat alles , was ich mir bei Brahms wünsche.


Das finde ich auch. Man vergisst scheinbar häufig wie umfangreich das Repertoire Rubinsteins wirklich war . Wie umfangreich, kann man anhand der vor einem Jahr erschienen Box erkennen. Neben Chooin, gefallen mir besonders sein Brahms und sein Schumann ausgesprochen gut.

:wink: :wink:

Christian
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Cato der Ältere

9

Donnerstag, 16. Mai 2013, 14:31

Hallo,

Diese Box enthält größtenteils die späten Stereo-Aufnahmen, oder?


Ja, das ist richtig. Die Aufnahmen stammen überwiegend aus der Zeitt zwischen 1958 und 1967. Nur die letzte CD enthält Aufnahmen aus den Jahren um 1946.

VG Bernd

10

Donnerstag, 16. Mai 2013, 15:08

Die Aufnahmen stammen überwiegend aus der Zeitt zwischen 1958 und 1967.
Man muss sich das mal vorstellen: Da war Rubinstein zwischen 71 und 80. Und keine Spur von Müdigkeit oder nachlassender Beherrschung des Instruments. Unglaublich.

Christian

Caesar73

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11

Donnerstag, 16. Mai 2013, 15:14

Und keine Spur von Müdigkeit oder nachlassender Beherrschung des Instruments. Unglaublich.


Diese ungebrochene künstlerische Potenz gehört für mich zu den Aspekten an Rubinstein, die mich stets am meisten fasziniert haben.

:wink: :wink:

Christian
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Cato der Ältere

12

Donnerstag, 16. Mai 2013, 15:51

Hallo,

Horowitz war bei seinem Konzert 1986 in Berlin auch schon 83 Jahre alt.

Wieso gibt es keinen Faden zu Vladimir Horowitz ?

VG Bernd

13

Donnerstag, 16. Mai 2013, 15:56

Hier
"http://www.youtube.com/watch?v=Ez04D5QzEYs
die Arte-Ausstrahlung vom NDR-Dokumentar, der den fast 80 jährigen Rubinstein in der Steinway-Fabrik in Hamburg zeigt. Kurz von 08'00 spielt er aus dem Stegreif den Anfang von Schuberts D960.
Wer den nachfolgenden Small-Talk nicht mag, kann auf ca 18'30 springen, da spielt er wieder ...
Alles, wie immer, IMHO.
Bleiben Sie kapriziös !

Caesar73

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14

Donnerstag, 16. Mai 2013, 16:07

Wieso gibt es keinen Faden zu Vladimir Horowitz ?


Offenbar hat sich noch keiner bereit gefunden, einen solchen zu eröffnen, lieber Bernd? Hättest Du Lust? Eine Bereicherung wäre das sicher und eine Lücke wäre geschlossen ;+)

:wink: :wink:

Christian
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Cato der Ältere

15

Donnerstag, 16. Mai 2013, 20:16

Da wird z.B. sein Brahms (auch die Violinson.und Quartette) sehr leicht übersehen. Für mich ist ein Klassiker die 3.Sonate : und sein Spiel hat alles , was ich mir bei Brahms wünsche.


In der Hinsicht hat diese relativ günstige Box die Situation verbessert:

Die habe ich mir vor einiger Zeit zugelegt und bin sehr angetan.
Even that vulgar and tavern music, which makes one man merry, another mad, strikes in me a deep fit of devotion (Sir Thomas Browne)

Mauerblümchen

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16

Donnerstag, 16. Mai 2013, 21:18

Rubinstein war auch ein begnadeter Beethoven-Interpret. Ich habe sie lange nicht mehr gehört, aber diese Scheibe halte ich in Ehren, nicht zuletzt wegen der wunderbaren langsamen Sätze:



Gruß
MB

:wink:
"Wer nur gerechtfertigt leben kann, kann nicht leben. Es sei denn, er könne seine Rechtfertigungsnot durch das Auflegen von Debussy-Platten narkotisieren." Martin Walser

Caesar73

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17

Donnerstag, 16. Mai 2013, 21:30

Rubinstein war auch ein begnadeter Beethoven-Interpret. Ich habe sie lange nicht mehr gehört, aber diese Scheibe halte ich in Ehren, nicht zuletzt wegen der wunderbaren langsamen Sätze:


Die Pathetique beispielsweise.

Legendär ist Rubinsteins Moskauer Konzert von 1964 als er ein reines Chopin-Programm spielte - ein Zeugnis seiner großen Kunst:



:wink: :wink:

Christian
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Cato der Ältere

18

Donnerstag, 16. Mai 2013, 21:40

Der 77-jährige Artur Rubinstein spielte 1964 in Moskau in einem wahrlich denkwürdigen Chopin-Konzert auch die 2. Sonate. Mit Schwung und mit voller Risikobereitschaft beginnt er das Scherzo. Dann eine plötzliche Veränderung in seinem Spiel: Rubinstein verliert seine Souveränität, spielt wie entfesselt, verhaspelt sich auffällig. Am Ende des Scherzo-Hauptteils dann eine winzige Verzögerungspause und statt des erwarteten langsamen Mittelteils spielt er erneut den Scherzo-Hauptteilschluss. Rubinstein hat den Anfang des Mittelteils vergessen und rettet sich zunächst durch die Wiederholung aus der prekären Situation.
Nach der Wiederholung kommt ihm immer noch nicht der Anfang des Mittelteils in den Sinn, geistesgegenwärtig fantasiert er für einige Sekunden vor sich hin…. um dann endlich mit dem langsamen Mittelteil fortzufahren.

Zu verfolgen, wie Rubinstein auf die Katastrophe zusteuert und sich nervenstark aus der Situation herausmanövriert, das ist aufregender als jeder Krimi. In der winzigen Pause vor der erneuten Wiederholung stockte mir der Herzschlag, und als er zu fantasieren begann, weil ihm die Noten noch immer nicht in den Sinn gekommen waren, bekam ich eine Gänsehaut! Und welche Erleichterung, als es dann weiterging im Notentext. Ganz phantastisch hat Rubinstein diese Situation gemeistert, eine aufregende Interpretation der Klaviersonate hat er geboten. Das Publikum war so hingerissen, dass es schon nach dem ersten Satz Applaus spendete.

Für die spätere amerikanische Version wurde dieser russische Mitschnitt übrigens korrigiert. Aber ich meine, man muss diese Sonate unbedingt im Original gehört haben.



Eine meiner wichtigsten und schönsten Kammermusik-Aufnahmen ist diese:



Vor allem das Brahms-Quintett ist wundervoll. Schon der Anfang jagt mir immer wieder Schauer über den Rücken, so verloren und sehnsüchtig klingt er.
Brahms widmete diese Komposition ja der von ihm geliebten Clara Schumann, und genau diese Zerrissenheit einer unglücklich-glücklichen Leidenschaft finde ich bei Rubinstein und dem Guarneri-Quartet wieder: Drängend und doch zart, streng und kühl-zurückhaltend, dann wieder zärtlich-umschmeichelnd. Vertonte Emotionen in ihrer reinsten Form...

Sehr lesenswert sind die beiden autobiographischen Bände:

Band 1: Erinnerungen – Die frühen Jahre
Band 2: Mein glückliches Leben

Mit Humor und Stil gibt Rubinstein in seinen Memoiren Einblicke in seine Kindheit, seinen Werdegang, sein bewegtes Leben halt. Rubinstein war ein großer Pianist, einen tiefgründigen Erzählstil darf man von ihm natürlich nicht erwarten. Entschädigt wird man aber durch viele schöne Anekdoten, die mit leichter Feder geschrieben sind.

19

Donnerstag, 16. Mai 2013, 23:30

Vor allem das Brahms-Quintett ist wundervoll. Schon der Anfang jagt mir immer wieder Schauer über den Rücken, so verloren und sehnsüchtig klingt er.
Brahms widmete diese Komposition ja der von ihm geliebten Clara Schumann, und genau diese Zerrissenheit einer unglücklich-glücklichen Leidenschaft finde ich bei Rubinstein und dem Guarneri-Quartet wieder: Drängend und doch zart, streng und kühl-zurückhaltend, dann wieder zärtlich-umschmeichelnd. Vertonte Emotionen in ihrer reinsten Form...
Diese Aufnahme war meine erste Begegnung mit dem Brahms-Quintett, und sie packt mich bis heute. Ich habe vor drei Jahren mit Arnold Steinhardt, dem Primarius des Guarneri-Quartetts, ein Konzert gespielt und ihn bei der Gelegenheit natürlich auch nach Rubinstein befragt. Er war noch immer - vierundvierzig Jahre nach dem Entstehen dieser Aufnahme! - voller dankbarer Erinnerung und ganz geprägt von dem großen Künstler, Pädagogen und Menschen.

Christian

20

Freitag, 17. Mai 2013, 05:01

Zitat

Hallo,



Horowitz war bei seinem Konzert 1986 in Berlin auch schon 83 Jahre alt.

Nun, Horowitz gegen Rubinstein.
Ein altes Thema.

Grundverschiedene Pianisten, alleine durch Ihre persönliche Biographie.
Der eine war verheiratet mit seinem Instrument, der andere Lebenshungrig bis zum Schluss.
Ich bin weder ein Fan des einen noch des anderen Pianisten.

Nur hat Rubinstein doch erheblich mehr an Repertoire eingespielt und aufgeführt.

Auf der einen Seite haben wir den gepamperten Ausnahmesolisten Horowitz, der auch mal 20 Jahre in die innere Emigration gehen konnte.

Auf der anderen Seite den auch als Kammermusiker wirkenden Rubinstein, der ungeachtet aller möglichen Probleme immer persönlich präsent war.

Horowitz und Rubinstein, man kann Sie einfach nicht vergleichen, finde ich.
"Lassen Sie es nicht so enden. Sagen Sie, dass ich etwas gesagt hätte."
Pancho Villa (1878 - 1923)

21

Freitag, 17. Mai 2013, 06:11

Hallo Michael,

...

Horowitz und Rubinstein, man kann Sie einfach nicht vergleichen, finde ich.


Nun, es sollte eigentlich auch kein Vergleich sein, sondern nur der Hinweis, dass es auch andere Pianisten gibt, die noch in hohem Alter zu aussergewöhnlichen Aufnahmen im Stande sind und da fällt mir jedenfalls als erstes Horowitz ein.

Im Übrigen wäre ein Vergleich der Biographien oder Persönlichkeiten der Musiker an sich relativ sinnfrei. Allenfalls könnte man einzelne Einspielungen bestimmter Werke vergleichen.

Vielleicht kennt jemand dieses Buch über Arthur Rubinstein:



Ich habe vor etlicher Zeit auch ein sehr schöne filmische Biographie über ihn gesehen.

VG Bernd

22

Freitag, 17. Mai 2013, 08:25

Nun, es sollte eigentlich auch kein Vergleich sein, sondern nur der Hinweis, dass es auch andere Pianisten gibt, die noch in hohem Alter zu aussergewöhnlichen Aufnahmen im Stande sind und da fällt mir jedenfalls als erstes Horowitz ein.
Ich habe Horowitz 1987 live gehört, und fand vor allem seinen im Piano fast schwerelosen, aber unglaublich tragfähigen Klang faszinierend, aber auch sein enormes Gespür für Timing und manches mehr. Aber es lässt sich nicht leugnen, dass gegenüber früheren Auftritten (Aufnahmen) seine manuelle Sicherheit und seine Kraft unüberhörbar abgenommen hatten. Das spiegelte sich schon in der Programmauswahl, die mit Chopins As-Dur-Polonaise nur ein einziges pianistisches Schwergewicht enthielt, ansonsten aus allerlei Petitessen bestand. Wie gesagt: Ich bewundere ihn für seine Leistung auch in diesem Konzert, aber sein Spiel hatte - im Positiven aber auch im Negativen - viel mehr von einem "Altersstil" als bei Rubinstein, dessen Chopin-Aufnahmen man es einfach nicht anhört, dass da ein 80-Jähriger spielt. Bei Horowitz hat man das seinerzeit in jedem Moment gehört.

Christian

23

Freitag, 17. Mai 2013, 11:20

Und beide haben Schumann gespielt. Rubinstein hier mit 2 herrlichen Noveletten:
Good taste is timeless

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