Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Capriccio Forum für klassische Musik. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

1

Freitag, 2. März 2012, 20:36

Sol Gabetta — Die Leichtigkeit des Cellospiels

Ausnahmecellistin in einer Männerdomäne



Im Jahr 2007 wurde ich auf die junge Cellistin Sol Gabetta (*1981) aufmerksam. Da ich mich immer gerne umschaue, wenn junge Musiker/innen sich auf den Weg machen, fand Debüt-CD mit Werken von Tschaikowsky, Saint-Saens und Ginastera schnell den Weg in mein CD-Regal.
Sol Gabetta hat, nach Studienzeiten in Madrid und Basel, 2006 Konzertexamen an der Hans Eisler Musikhochschule in Berlin gemacht.
Diese Debüt-CD hörte ich im Laufe der Jahre immer mal wieder und schaute mit einem Auge von Zeit zu Zeit Richtung Basel, wo Sol Gabetta seite 2005 eine Assistenz-Professur innehat.

Vor Kurzem wurde ich auf Ihre CD mit dem Elgar-Cellokonzert und beigelegten CD mit „Cramata cellam — „the book“ for solo cello“ von Peteris Vasks aufmerksam. Vasks machte mich neugierig, da ich Ihn vor einigen Jahren selbst während Probearbeiten erlebt hatte. Und Elgar? Schwieriges Terrain für Cellisten. Die Messlatte liegt bei mir bei diesem Cellokonzert hoch: Jaqueline Du Prè, Truls Mork, oder die Einspielung mit Beatrice Harrison unter Leitung von Sir Edward Elgar aus dem Jahr 1928.
Risikofreudig wie ich nun mal bin, habe ich mir diese CD(s) bestellt. Sol Gabetta schafft das schier unmögliche: Sie interpretiert IHR Elgar-Cellokonzert. Ich höre es neu. Ich höre es, als wäre es gerade erst aus der Feder des Komponisten geflossen. Eine unglaubliche Präsenz. Sol Gabetta nimmt mich mit in Elgars „Schmerz“, sie fliegt leichtfüßig durch das Konzert, als hätte sie nie Anderes gespielt.

Cramata cellam — „the book“ for solo cello von Peteris Vasks
1978 komponierte Peteris Vasks dieses zweiteilig Stück für Solocello. Er mag es Stücke für Solisten zu schreiben. Ohne Orchester, ohne Klavier, keine Elektronik — nur das Soloinstrument und der Musiker.
Der erste „Satz“ marcatissimo“ geht an die Grenzen des Solisten und des Instrumentes: laut, aggressiv, schnell. Das „Dolcissimo“ beginnt zu schwelgen und wie der Name schon sagt wird es von einer gewissen Süße getragen. Doppelgriffe, lange Melodiebögen, immer wieder untermalt vom Gesang der weiblichen Stimme. Moderne Celloliteratur, der man anmerkt, das Peteris Vasks das Instrument auch selbst beherrscht und um die Grenzen des Cellos weiß.
Sol Gabetta ist es, und das schätze ich sehr, ein Anliegen nicht nur hinlänglich bekanntes aus dem Cellorepertoire einzuspielen, sondern auch solche Stücke den Hörern näher zubringen. Bei mir rennt sie damit sowieso offen Türen ein. Mir war die CD von Vasks wichtig und über Elgar, Dovrak und Respighi freue ich mich nicht minder.



Zu meiner Schande muss ich aber gestehen, dass ich die anderen CDs aus ihrer Discografie nicht kenne und ich bislang auch einen Bogen darum gemacht habe. Sie schienen mir vom Repertoire nicht unbedingt eine lohnenswerte Anschaffung. Man möge mich korrigieren, wer hier eigene Hörerfahrungen hat.

Ich jedenfalls werde den Weg von Sol Gabetta weiter verfolgen. Da ist noch vieles möglich, wenn ihre Plattenfirma ihr Raum für Entwicklung lässt.

Bis bald
corda vuota

Lionel

Akkordhörer

  • »Lionel« ist männlich

Beiträge: 851

Wohnort: Irgendwo in Hessen

  • Nachricht senden

2

Freitag, 2. März 2012, 20:55

Sol Gabettas Aufnahme von Elgars Violoncellokonzert finde ich auch großartig und das Werk von Peteris Vasks gefällt mir auch sehr gut. Weitere Aufnahmen von ihr kenne ich aber auch nicht, da mich das dort aufgenommene Repertoire nicht so angesprochen hat. Allerdings würde mich ihre Schostakowitsch-Aufnahme schon reizen. Immerhin hatte ich sie mal live im Konzert in der Alten Oper in Ffm mit dem 1. Violoncellokonzert von Saint-Saens gehört und das war nach meinem Empfinden auch eine schöne Interpretation. Als Zugabe spielte sie zusammen mit dem Orchester "Prayer" von Ernest Bloch.

Lionel

pfuetz

Mensch mit Sinn für Anwendungen

  • »pfuetz« ist männlich

Beiträge: 1 204

Wohnort: Darmstadt

  • Nachricht senden

3

Freitag, 2. März 2012, 21:30

Und ich möchte erneut darauf hinweisen, daß Sol zusammen mit Martin Grubinger (abwechselnd, wieder nächsten Donnerstag (diesmal auch mit Sol!)!) beim BR Fernsehen eine wirklich tolle Klassik Sendung moderiert:

"http://www.br.de/radio/br-klassik/sendungen/klickklack/index.html"

Liebe Grüße,

Matthias
"Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
"Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
"Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
"Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)

4

Freitag, 2. März 2012, 23:37

Weitere Aufnahmen von ihr kenne ich aber auch nicht, da mich das dort aufgenommene Repertoire nicht so angesprochen hat. Allerdings würde mich ihre Schostakowitsch-Aufnahme schon reizen.

Hallo Lionel,
da geht es mir wie Dir: Die Sostakowitsch-Aufnahme werde ich mir wohl noch zulegen, aber die anderen, ich habe in die eine oder andere schon reingehört, sagen mir nicht zu. Wie gesagt, ich hoffe, dass sie sich den Freiraum nimmt, um auch weiterhin Stücke einzuspielen (siehe Vasks) die sonst ehrer ein Schattendasein in der Celloliteratur fristen. Die Pameana Nr. 2 von Alberto Ginastera auf Ihrer Debüt-CD finde ich ausgesprochen gut, obwohl es schon eine gewagte und recht eigenwillige Interpretation ist.


"http://www.br.de/radio/br-klassik/sendungen/klickklack/index.html"

Hallo Matthias,
das werde ich mir mal anschaunen, Danke für den Tipp.

Bis bald
corda vuota

pfuetz

Mensch mit Sinn für Anwendungen

  • »pfuetz« ist männlich

Beiträge: 1 204

Wohnort: Darmstadt

  • Nachricht senden

5

Samstag, 3. März 2012, 00:02

Das Archiv der letzten 12 Monate findest Du hier:

"http://www.br.de/radio/br-klassik/sendungen/klickklack/sendungsrueckblick/index.html"

Matthias
"Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
"Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
"Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
"Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)

wes.walldorff

Schattenanbeter

  • »wes.walldorff« ist männlich

Beiträge: 310

Wohnort: Fast Dhüringen

  • Nachricht senden

6

Samstag, 3. März 2012, 06:09

"Hab Dank, Sol" (P.Vasks)

...nicht fehlen sollte ein Hinweis auf Ihre Mini-CD mit PETERIS VASKS 10-Minuten-Solo "Das Buch" (Gramata Cellam)!
Vasks höchstselbst hat hierfür einen kurzen booklet-Text verfasst, in dem es abschliessend (in der Übersetzung von Jochen Rudelt) heisst: "Hab Dank, Sol, für deine Gegenwart in jedem Ton, jedem Bogenstrich, jedem Atemzug. Du bringst Licht in unsere ziemlich düstere Welt."
- was für sich ein-bisserl-gar-zu-pathetisch wirken könnte, im Rahmen des gesamten Textes (Vasks hat schon zu UDSSR-Zeiten Wert auf die Feststellung gelegt, kein Sowjetrusse zu sein, sondern Bürger eines widerrechtlich besetzten Lettland) aber bestens passt!

Übr. - wenn mich meine Erinnerung jetzt nicht ganz bös täuscht (ist etliche Wochen her, seit ich letztmals an der Essener Philharmonie vorbeigelaufen bin), ist Sol derzeit dort "Artist in Residence"...

n`Morgn ;+)
(der der mstislav war / dieser Hinweis kommt mir langsam (etwas?) penetrant vor - aber ich "versprach" Euch halt, ihn bis Mitte Mai (Kriftel) beizubehalten)
...ist höchlich zu bedauren, dass das Fässchen durch die Erschütterung im FuhrWerk, oder sonst Noth gelitten; weil nach Eröffnung und (...) Visierung es fast auf den 3ten Teil leer (...); und also schade, dass von dieser edlen Gabe Gottes das geringste Tröpfflein hat sollen verschüttet werden ... J.S.Bach am 02.11.1748 an den Vetter J.Elias, Kantor in Schweinfurt

7

Donnerstag, 29. März 2012, 16:46

Hofmann — Haydn — Mozart

Obwohl ich dieser CD anfänglich skeptisch gegenüberstand, höre ich sie mittlerweile ausnehmend gerne. Meine Skepsis bezog sich anfänglich aber nur auf das Repertoire: Warum sollte ich mir diese CD gönnen? Ein Cellokonzert D-Dur von Leopold Hofmann, Haydns C-Dur Cellokonzert und eine Transkription des Flötenkonzertes D-Dur, KV 314 von Mozart — macht das Sinn?

Ja es macht Sinn! Sol Gabettas Cellospiel ist sehr fein und nuanciert, temperamentvoll und leidenschaftlich und mit großer Leichtigkeit vorgetragen. Und auch das Kammerorchester Basel macht Laune. Passend zur Jahreszeit: Eine echte Frühligns-CD!

Das Kammerorchester Basel arbeitet die kompositorischen Feinheiten dieses Cellokonzertes D-Dur (BadleyD3) von Leopold Hofmann hervorragend heraus. Zum Vergleich habe ich die Einspielung von Tim Hugh (Cello) mit der Northern Sinfonia herangezogen. Details, wenn man sie denn kennt, gehen hier etwas verloren. Cello und Orchester können mich aber auch hier überzeugen. Bei Sol Gabetta hingegen spüre ich eine große Liebe zu dieser Musik. Meiner Ansicht nach ist diese Einspielung beseelter.
Tim Hughs Einspielung der Hofmann'schen Cellokonzerte möchte ich ebenfalls nicht missen, zumal sie einen Überblick über vier Konzerte gibt.

Es ist mir schleierhaft, wie Leopold Hofmann in der heutigen Zeit ein derartiges Schattendasein fristet. Zu seiner Zeit (1738-1793) war er ein hochangesehener Komponist.
Sol Gabetta schaffte es, dass ich beim Hören dieses schönen Werkes bisweilen den Atem anhalte.

Bis bald
corda vuota


8

Freitag, 12. Oktober 2012, 13:35

Sol Gabetta und Hélène Grimaud - Duo



Schon seit der Ankündigung habe ich mich auf die CD von Sol Gabetta und Hélène Grimaud gefreut. Das Repertoire, sattsam bekannt durch unzählige Einspielungen, reizte mich aber trotzdem, so dass ich den Blindflug wagte und die CD einfach bestellt habe. Warum tut man so was? Sol Gabetta mag meine Ohren immer mehr und mehr überzeugen. Ihre Auffassung und Spielweise tut meinen Ohren gut.
Neulich las ich hier im Forum (Thread:Was so kommt – Anstehende Neuerscheinungen...) Sätze wie diese:
„Das Gelblabel geht volles Risiko: (Cover der CD) ...Vision oder Verzweiflung? - Ejaal, ab 5. Oktober is die Scheibe zu haben ...“ „Eher Verzweiflung, fürchte ich. Normalerweise hätte man die beiden Hübschen doch jeweils einzeln mit einem weniger attraktiven Musiker spielen lassen und hätte dann zwei CDs produzieren können...“
Witz, Ironie...??? Ich weiß es nicht. Finde solch Kommentare ohne Kenntnis des Hörens der CD aber schade.
Bei mir dreht sich diese wunderbare CD im Player und mir gefällt der Dialog der beiden Musikerinnen sehr. Eine Begegnung auf Augenhöhe. Kraftvoll und empfindsam. Da habe sich zwei musikalisch gefunden. Ich wünsche mir eine Fortsetzung.

Bis bald
corda vuota

9

Freitag, 12. Oktober 2012, 13:52


Neulich las ich hier im Forum (Thread:Was so kommt – Anstehende Neuerscheinungen...) Sätze wie diese:
„Das Gelblabel geht volles Risiko: (Cover der CD) ...Vision oder Verzweiflung? - Ejaal, ab 5. Oktober is die Scheibe zu haben ...“


Und was ist an diesem Statement besonders schlimm, schade oder despektiertlich (oder was daran würde gar den beiden Interpretinnen schaden oder Geringschätzung für die beiden artikulieren?). Naklar hatte ich die CD zu dem Zeitpunkt nicht gehört - ging ja auch nicht, da die Scheibe noch gar nicht erschienen war (deswegen steht das Posting ja auch in »Was so kommt ...«). Interessant ist jedenfalls, dass Du darauf verzichtest, auch noch zitieren, was ich in Antwort auf den zweiten von dir zitierten Satz schrob, nachdem ich zumindest einen Auszug aus der CD gehört hatte.

Jeder sieht die Welt halt so, wie er möchte (bzw. für jeden sieht sie eben so aus, wie er sie anguckt).

Adieu,
Algabal
»Dieser Austausch, den wir hier betreiben, ist nichts anderes als ein soziales Spiel.« (Knulp)

10

Freitag, 12. Oktober 2012, 15:42

Meinen Bemerkung war eher auf den zweiten Satz gemünzt: „Eher Verzweiflung...etc.“.
Deine spätere Bemerkung zur CD hatte ich schlicht nicht gesehen und gelesen, da ich mich nur an die ersten beiden Postings erinnerte. Ich lese hier nicht immer alles in der nummerischen Abfolge.

Ich gebe Dein Zitat hier einfach mal an Dich zurück:“Jeder sieht die Welt halt so, wie er möchte (bzw. für jeden sieht sie eben so aus, wie er sie anguckt).“ Wenn Du Dich durch meine Bemerkung gleich angegriffen fühlst, tut es mir leid. Ich finde es jedenfalls schon und auch nach wie vor merkwürdig eine CD nur aufgrund einer Vorankündigung oder von Hörschnippseln etc. in Ihrer Gänze zu (zumindest ansatzweise) zu bewerten und ihr schon einen Stempel aufzudrücken. Hier nehme ich Deine spätere Bemerkung ausdrücklich heraus. Wie gesagt, es war auch die Bemerkung „Eher Verzweiflung...etc.“ gemeint.

Bis bald
corda vuota

11

Freitag, 12. Oktober 2012, 16:02

Ich fühle mich ja gar nicht »angegriffen«. Und schon gar nicht gleich. Mich interessierte allein, was ich da vielleicht unwillentlich despektierliches geschrieben haben mochte... Offensichtlich nichts. Das beruhigt mich.

Adieu,
Algabal
»Dieser Austausch, den wir hier betreiben, ist nichts anderes als ein soziales Spiel.« (Knulp)

12

Freitag, 12. Oktober 2012, 16:13


Ich gebe Dein Zitat hier einfach mal an Dich zurück:“Jeder sieht die Welt halt so, wie er möchte (bzw. für jeden sieht sie eben so aus, wie er sie anguckt).“


Ach so, noch als Nachtrag: Danke für die Rückgabe! :) Ich hatte das Zitat aber eigentlich sowieso behalten (wollen), weil ich ja i-wie eben auch »jeder« bin (und das wissentlich). ;+)

Adieu,
Algabal
»Dieser Austausch, den wir hier betreiben, ist nichts anderes als ein soziales Spiel.« (Knulp)

pfuetz

Mensch mit Sinn für Anwendungen

  • »pfuetz« ist männlich

Beiträge: 1 204

Wohnort: Darmstadt

  • Nachricht senden

13

Dienstag, 16. Oktober 2012, 00:14

Laß mich mal Karl Kraus zitieren:

Zitat

Je näher man ein Wort anschaut, desto ferner sieht es zurück.


Matthias
"Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
"Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
"Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
"Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)

pfuetz

Mensch mit Sinn für Anwendungen

  • »pfuetz« ist männlich

Beiträge: 1 204

Wohnort: Darmstadt

  • Nachricht senden

14

Montag, 29. Oktober 2012, 23:13

Schaut Euch mal diese Sendung an:

"http://www.br.de/radio/br-klassik/sendungen/klickklack/klickklack-argentinien-gabetta-100.html"

Süß! Aufnahmen der kleinen Sol...
Süß! Sol so gerührt...

Matthias
"Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
"Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
"Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
"Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)

andréjo

sanfter Spötter

  • »andréjo« ist männlich

Beiträge: 163

Wohnort: im Süden der Republik

  • Nachricht senden

15

Samstag, 29. Dezember 2012, 00:55



Diese CD hat mich wegen des Repertoires interessiert und die Solistin hat mich durchaus überzeugt.

Dennoch: Merkwürdig zwiespältig war mein Eindruck bei einem Konzert vor wenigen Monaten. Sie interpretierte zusammen mit den Bamberger Symphonikern das Elgar-Konzert. Ihr Ton erschien mir wenig tragfähig; offensichtlich konnte sie sich im Kontext dominanter Orchesterpassagen nicht durchsetzen. Ich hatte einen ordentlichen Sitzplatz; eigentlich kann es daran nicht gelegen haben; auch hat ein Bekannter, der weit weg von mir saß, den Eindruck bestätigt. Wann immer ich sie deutlich genug wahrnahm, empfand ich ihr Spiel als zupackend und virtuos.

:wink: Wolfgang
He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

16

Samstag, 29. Dezember 2012, 07:07

Zitat

offensichtlich konnte sie sich im Kontext dominanter Orchesterpassagen nicht durchsetzen.
Das ist aber auch wirklich sehr schwierig für einen Cellisten, viele Solisten lassen deshalb Ihre Kisten klanglich sehr aggressiv einstellen, so daß sie u.U. aus nächster Nähe überhaupt nicht schön klingen, aber im Saal dann ankommen.
Vielleicht hat Sie das nicht gemacht, fände ich symphatisch.

Dann muß das Orchester halt leiser spielen, das geht..... ;+)

Und natürlich, es gibt Celli, welche eine derartige Präsenz von sich aus haben, z.B. das 'Ex Shapiro' Matteo Goffriller Cello von Daniel Müller-Schott, das ist ein unglaubliches Instrument.
Das schneidet locker durch ein großes Orchester durch.
Trotzdem, Lautstärke ist nicht alles........

:wink:

Liebe corda vuota,

Zitat

Ausnahmecellistin in einer Männerdomäne
bitte erlaube mir, hier heftigst Widerspruch einzulegen.

Das Cello war und ist für mich noch nie eine Männerdomäne gewesen.

Es gab und gibt sehr viele bedeutende Cellistinnen........
Mir ist klar, daß mal in einer Reportage über S.G. die Behauptung aufgestellt wurde, Sie sei die einzige Cellistin von Bedeutung heute.

Aber das ist schlichtweg falsch und eine Beleidigung für bedeutende Cellistinnen wie Han Na Chang, Karine Georgian, Maria Kliegel und so manche andere...........

Von berühmten Cellistinnen der Vergangenheit wie Jaqueline du Pre, Zara Nelsova, Beatrice Harrison gar nicht zu sprechen.

Und im Orchestern bin ich als Mann heute durchaus schon mal in der Minderzahl.......

:wink:
"Lassen Sie es nicht so enden. Sagen Sie, dass ich etwas gesagt hätte."
Pancho Villa (1878 - 1923)

17

Samstag, 29. Dezember 2012, 10:40

Aber das ist schlichtweg falsch und eine Beleidigung für bedeutende Cellistinnen wie Han Na Chang, Karine Georgian, Maria Kliegel und so manche andere...........


Natalia Gutman, Anne Gastinel, Marie-Elisabeth Hecker, Tanja Tetzlaff ... es mangelt nicht an guten bis hervorragenden Cellistinnen.
Alles, wie immer, IMHO.
Bleiben Sie kapriziös !

18

Samstag, 29. Dezember 2012, 12:31

Lieber Michael,
lieber Philbert,

im aktuellen Konzertbetrieb und der Wahrnehmung der Medien sehe ich schon, dass es sich um einen „Männerdomäne“ handelt. Geschichtlich betrachtet war das Cello für Frauen Jahrhunderte ein „No-Go“-Instrument, weil unschicklich (Falls es jemand nicht versteht: Frauen setzen sich nicht breitbeinig hin). Diese Ansicht hat sich erst sehr langsam geändert und ist heute zum Glück kein Thema mehr. Ich gebe Dir recht, lieber Michael, dass in den heutigen Orchestern das Verhältnis sich verschiebt und schon verschoben hat. Aber schaue Dir mal Filmaufnahmen alter Konzerte an, sagen wir mal bis in die 80-er Jahre hinein, dort wirst Du sehen, dass dies früher schon noch anders war. Hier bei uns an der Hochschule habe wir mittlerweile durchaus ausgewogene Verhältnisse. Oder schaue ich in das Orchester in dem ich hauptsächlich tätig bin: 4:2 zugunsten der Cellistinnen.

Aber mal ehrlich, im Solistenbereich ist dies bei weitem nicht so. Natürlich gab es in der Vergangenheit auch hier große Namen, Du hast sie ja schon genannt. Dreh das Ganze einfach um und zähle doch die Cellisten unter den bekannten und berühmten Solisten auf. Du wirst schnell sehen, dass bei den Männern dabei eine andere Liste herauskommt. Prinzipiell liegt ein Grund sicher auch mit an einer an unterschiedlichen Lebensplanung von Männern und Frauen. Sicher ist dies nicht der einzige Grund, aber kein unwesentlicher.

Ich sehe es nicht, wie Du, als Beleidigung, wenn ich schreibe: „Ausnahmecellistin in einer Männerdomäne“. Dieser Satz grenzt doch die von Dir und Philbert Genannten nicht aus. Maria Kliegel z.B. schätze ich über alle Maßen, aber das nur am Rande. Der Thread, den ich hier initiiert habe heißt ja auch „Sol Gabetta — Die Leichtigkeit des Cellospiels“ und erst im Eröffnungsbeitrag: „Ausnahmecellistin in einer Männerdomäne“. Vielleicht sollten wir gemeinsam einen Thread starten, der da heißt: „Ausnahmecellistinnen: Der Versuch einer Übersicht.“ Verstehe das nicht falsch, ich meine das durchaus ernst.

Bis bald
corda vuota

andréjo

sanfter Spötter

  • »andréjo« ist männlich

Beiträge: 163

Wohnort: im Süden der Republik

  • Nachricht senden

19

Samstag, 29. Dezember 2012, 12:41

Vielen Dank an unseren hauseigenen Cellisten Michael Schlechtriem für den Kommentar!

Vorhin habe ich auf der oben genannten CD die Cellokonzert-Variante von Mozarts KV 314 (Bearbeitung des ersten und des Finalsatzes durch George Szell, die Version des mittleren Satzes stammt vom Leiter des Basler Kammerorchesters, Sergio Ciomei) gehört. Zunächst klingt das Flöten- bzw. Oboenkonzert in dieser Version herber und irgendwie auch wärmer. Das heißt wohl, dass es den Bearbeitern gelungen ist, dem Original etwas wirklich Interessantes zuzugesellen. Sol Gabetta drängt sich an keiner Stelle virtuos nach vorne, sondern ihr Spiel erscheint auf sehr überzeugende Weise eingebettet in den Gesamtklang. Also scheinen auch die Tontechniker in dieser generell hervorragenden Aufnahme sehr Gutes geleistet zu haben - und wohl kaum gegen das Einverständnis der Argentinierin. Hier kann ich Michaels obiges Kompliment auf jeden Fall nachvollziehen. Bei dem Konzert mit den Bambergern - die ich sehr schätze - hatte ich aber tatsächlich Probleme. Meine obige Nachfrage, die sich natürlich implizit an den Experten gerichtet hat ^^ , war ehrlich gemeint. Wenn es wie Kritik klang (die Formulierung wenig tragfähig klingt so, das ist richtig) ... ich wollte in erster Linie nach den Ursachen meiner Hörerfahrung fragen.

Ich kann mich an etwas Ähnliches erinnern, als bei Rachmaninoffs Zweitem oft nichts zu hören war vom Klavier. Ich saß damals in der ersten Reihe ganz links und war etwas frustriert. Lag's am Platz, lag's tatsächlich am Pianisten oder am Orchester? An den Namen des Solisten erinnere ich mich nicht mehr.

Schöne Grüße! Wolfgang
He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

andréjo

sanfter Spötter

  • »andréjo« ist männlich

Beiträge: 163

Wohnort: im Süden der Republik

  • Nachricht senden

20

Samstag, 29. Dezember 2012, 12:51

Zitat

Es gab und gibt sehr viele bedeutende Cellistinnen........
Mir ist klar, daß mal in einer Reportage über S.G. die Behauptung aufgestellt wurde, Sie sei die einzige Cellistin von Bedeutung heute.

Aber das ist schlichtweg falsch und eine Beleidigung für bedeutende Cellistinnen wie Han Na Chang, Karine Georgian, Maria Kliegel und so manche andere...........


Sol Gabetta ist sicher eine bedeutende Cellistin. Ansonsten aber sehen wir halt hier unsere medienzentrierte Zeit am Werke. Es muss alles - um mich jetzt möglichst modisch auszudrücken 8| - gepusht, gehypet, gesponsert, ge... werden. Und wenn man dann so gut aussieht wie Sol Gabetta (wobei sie für meinen Geschmack etwas zu zierlich ist ;+) ...), dann muss die Frauenkeule raus (oder so). ;+)

PS: Karine Georgian kenne ich gar nicht. Magst Du - off topic bzw. a.a.O. - etwas empfehlen? Am besten etwas Seltenes, das ich nicht habe? ... Corda vuota spreche ich natürlich ebenso an. (Der vorletzte Beitrag erfolgte zeitgleich mit den meinigen).

:wink: Wolfgang
He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

21

Samstag, 29. Dezember 2012, 13:47

Geschichtlich betrachtet war das Cello für Frauen Jahrhunderte ein „No-Go“-Instrument, weil unschicklich (Falls es jemand nicht versteht: Frauen setzen sich nicht breitbeinig hin).


Die andere Hälfte der Menschheit leidet allerdings auch unter dieser Schicklichkeitsregel

http://www.spiegel.de/gesundheit/sex/stolz-auf-ihre-hoden-warum-maenner-breitbeinig-sitzen-a-865852.html
"Das Problem mit Zitaten im Internet ist, dass es oft schwierig ist nachzuweisen, ob sie echt sind oder nicht" Abraham Lincoln

22

Samstag, 29. Dezember 2012, 15:50

Liebe corda vuota,

Zitat

„Ausnahmecellistinnen: Der Versuch einer Übersicht.“
exzellente Idee, bin dabei!

Zitat

sagen wir mal bis in die 80-er Jahre hinein, dort wirst Du sehen, dass dies früher schon noch anders war.
Ja, Orchester waren früher eine Männerdomäne, das hat sich aber erheblich verändert.
Alleine durch den Celloboom, der in etwa mit meinem Geburtsjahrgang 1964 anfing.

Überspitzt würde ich sogar behaupten, die Zukunft der Orchester sieht asiatisch und weiblich aus, jedenfalls gibt es Ansätze eines solchen Trends, außer in Wien.....

Zitat

Dreh das Ganze einfach um und zähle doch die Cellisten unter den bekannten und berühmten Solisten auf.
Solch ein Abzählen behagt mir nicht, das ist mir zuviel Quotendenken.
Wenn ich mir überlege, welche Cellisten mich seit meinen Anfängen beeinflußt und beeindruckt haben, dann halten sich Männlein wie Weiblein ziemlich die Waage.
Insoferne sieht meine Liste anders aus..........

:wink:
"Lassen Sie es nicht so enden. Sagen Sie, dass ich etwas gesagt hätte."
Pancho Villa (1878 - 1923)

Counter:

Hits pro Tag: 4 598,95 | Klicks pro Tag: 13 550,01