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Gurnemanz

Hilfsseemann

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121

Sonntag, 19. Juni 2011, 00:02

Gänsefedern!

Kürzlich gab es im Umgang mit meiner Oboe einen ärgerlichen Zwischenfall: Nach dem Auseinanderbauen begann ich wie üblich mit dem Durchziehen des Tuchs das Instrument zu trocknen und im Oberteil blieb es stecken: Ich hatte eine Verknotung des anderen Endes übersehen und so stark gezogen, daß nichts mehr ging.

Glücklicherweise fand ich in Mannheim eine Spezialwerkstatt für Holzblasinstrumente, die das wieder hinkriegte.

Ergebnis: Auf Anraten meines Lehrers habe ich mir lange Gänsefedern bestellt (über Ebay, danke, Bernd!). Heute kamen sie und damit geht es prächtig! Sie sind über 30cm lang und das ist optimal.

Wegen der extremen Verengung am oberen Teil ist die Sache heikel (Klarinettisten haben das Problem vermutlich nicht).

:wink:
Es grüßt Gurnemanz

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Jorge Luis Borges

122

Sonntag, 2. Oktober 2011, 10:34

Gerade habe ich mir (auf SWR) Philipp Tondre mit zwei Sätzen Strauss-Konzert im Rahmen des ARD-Wettberwerbs angehört und angesehen. Tondre, der beeindruckend klangschön, flexibel und risikofreudig spielt, hat seinen Preis mehr als verdient - dennoch tröstet es mich, wenn auch solch einem Überflieger, sobald es richtig ans Eingemachte geht, zumindestens ganz kurz mal ein Tönchen wegbleibt (wie in der atemberaubend auf Risiko geblasenen Reminiszenz des langsamen Satzes).

Interessant fand ich die folgende Aussage Tondres: "Es ist sehr schwer, ein gutes Rohr zu finden....ich baue etwa 300 im Jahr...."

Wenn man pro Rohr eine Dreiviertelstunde Arbeitszeit bei einem Arbeitstag von 8 Stunden veranschlagt, kann man sich ausrechnen, wie viele Tage für solch einen Spitzenkönner alleine mit dem Herstellen seines Materials draufgehen. Wir Oboisten müssen wirklich einen an der Waffel haben!

Und am beklopptesten sind fraglos diejenigen, die versuchen, auch noch gute Rohre für andere Leute zu bauen.... :whistling:


Beste Grüße

Bernd

Gurnemanz

Hilfsseemann

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123

Montag, 3. Oktober 2011, 13:30

"Es ist sehr schwer, ein gutes Rohr zu finden [...]"
In der Tat: das kann ich auch als einer, der sich jetzt seit fast zwei Jahren am Entenjagen beteiligt, nur bestätigen. Ein Hauptproblem besteht für mich darin, daß diese Dinger die Neigung haben, sich dauernd irgendwie und völlig unberechenbar zu verändern, zum Bösen wie zum Guten.

So habe ich mich letzten Freitag mit einem Rohr abgequält, das überhaupt nicht wollte, ich hätte es am liebsten weggeworfen. Gestern dagegen funktionierte das tückische Ding einwandfrei und fast von selbst, als gäbe es kein besseres...

Leider kenne ich auch den umgekehrten Weg.

:wink:
Es grüßt Gurnemanz

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Jorge Luis Borges

Tröte

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124

Montag, 21. November 2011, 10:18

Welche Oboe soll ich kaufen ??

Hallo,

ich bin neu in diesem Forum und brauche dringend Eure Hilfe.


Vor 3 Jahren habe ich, inzwischen 45 Jahre alt, angefangen das Musizieren auf der Oboe zu erlernen. Ich war schon immer von den Klang dieses Instrumentes begeistert. Nun quäle ich mich täglich, aber trotzdem klingt meine Oboe wie eine Tröte. Ich habe aber auch noch keine Erfahrung im Erlernen eines Musikinstrumentes, als Kind habe ich lediglich einige Jahre Blockflöte gespielt. Ich gebe natürlich die Hoffnung nicht auf und übe immer fleißig weiter. Um meine Motivation zu steigern, möchte ich mir eine eigene Oboe kaufen. Im Moment spiele ich eine gebrauchte Sonora-Oboe, ein Leihinstrument von der Musikschule. Meine Lehrerin ist als Kaufberaterin nicht wirklich geeignet, da sie noch sehr jung ist und selbst erst eine Oboe gekauft hat.


Ich war schon im Atelier in Berlin bei Frank & Meyer und habe dort gebrauchte als auch neue Modelle von Adler angespielt. Von den Adler-Oboen war ich schon begeistert aber als Mutter von 2 studierenden Kindern sind meine finanziellen Mittel natürlich auch begrenzt. Ein Atelier in Leipzig ( Uwe Döhnert ) hat mir eine Oboe von Josef empfohlen und der Musikhandel "Die Holzbläser" in Berlin empfielt die Marken Fossati und Yamaha. In der Musikschule, in der ich Unterricht nehme, wurden jetzt Schülerinstrumente von Buffet Crampon angeschafft. Diese Oboen habe ich auch ausprobiert, aber den Ton fande ich total enttäuschend.


Also wie ihr seht bin ich total überfordert. Soll ich eine gebrauchte oder neue Oboe kaufen, von welchen Hersteller u.s.w. Das Einzige wo ich mir sicher bin, ich möchte ein Vollautomatisches Modell mit Deckelklappen alles Andere ?????? Ich hoffe Ihr könnt mir weiter helfen.


Liebe Grüße und einen schönen Tag wünscht Euch Tröte

125

Montag, 21. November 2011, 10:37

Hallo Tröte,

herzlich willkommen im Forum!

Für Oboenfragen gibt es einen eigenen Thread Über Oboen und Klarinetten, in welchem ich auch schon Kaufberatung betrieben habe. Vielleicht lagert ein netter Moderator deinen Beitrag dorthin aus.

Eine genauere Antwort bekommst du heute abend von mir - gerade bin ich etwas in Eile.

Beste Grüße

Bernd

Gurnemanz

Hilfsseemann

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126

Montag, 21. November 2011, 13:12

Vielleicht lagert ein netter Moderator deinen Beitrag dorthin aus.
Ob ich ein netter Moderator bin, sei dahingestellt, doch Bernds Vorschlag bin ich eben gern gefolgt. Hier, liebe Tröte - willkommen übrigens! -, bist Du richtig, wie Du selbst nachlesen kannst.

:wink:
Es grüßt Gurnemanz

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Jorge Luis Borges

philmus

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127

Montag, 21. November 2011, 15:23

Und am beklopptesten sind fraglos diejenigen, die versuchen, auch noch gute Rohre für andere Leute zu bauen....
Na ja, Du wirst schon Schmerzensgeld berechnen, nehme ich an? Oder Gefahrenzulage wegen Beeinträchtigung der psychischen Konstitution??
aber trotzdem klingt meine Oboe wie eine Tröte.
Probiers doch mal der Spielpfeife vom Dudelsack... Wenn die klingt wie ne Tröte, tut sie, was sie soll:
"Die Schalmei, die Schalmei, die klingt immer schlecht" (Melodie von "Die Partei etc"

Gruss
Herr Maria
.................................................................................................

Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
daß Alles für Freuden erwacht

Im Übrigen bin ich der Meinung, daß die Sommerzeit abgeschafft gehört.

128

Montag, 21. November 2011, 20:20

Zitat

Na ja, Du wirst schon Schmerzensgeld berechnen, nehme ich an?


Da ich dich nicht zum Weinen bringen will, verrate ich dir meinen ungefähren Stundenverdienst lieber nicht.... -

Liebe Tröte, jetzt komme ich zu deinen Fragen:

Zitat

Soll ich eine gebrauchte oder neue Oboe kaufen,


Ganz klar eine gebrauchte! Ich habe schon öfter Neuinstrumente gekauft und würde dies heute nicht mehr tun. Der Wertverlust eines Neuinstruments ist in der ersten Zeit enorm, während eine gute gebrauchte Oboe in der Regel ohne größere Einbußen weiterverkauft werden kann. Zudem ist die Rissgefahr bei Neuinstrumenten viel höher, und generell verändern sich neue Oboen mit dem Spielen stärker als gebrauchte - wobei das nicht immer in die gewünschte Richtung geht.

Zitat

Ich war schon im Atelier in Berlin bei Frank & Meyer und habe dort gebrauchte als auch neue Modelle von Adler angespielt. Von den Adler-Oboen war ich schon begeistert aber als Mutter von 2 studierenden Kindern sind meine finanziellen Mittel natürlich auch begrenzt.


Ich selber spiele zwei Instrumente von Adler und komme hervorragend damit klar. Aber ich würde, wie oben schon gesagt, generell von einem Neukauf absehen. Im Zweifelsfall musst du ein wenig warten, bis etwas Passendes auf dem Gebrauchtmarkt erscheint. In der Preiskategorie von 2000 - 2500 Euro solltest du über kurz oder lang fündig werden.

Zitat

Ein Atelier in Leipzig ( Uwe Döhnert ) hat mir eine Oboe von Josef empfohlen


Die Schüleristrumente von Josef kosten, wenn ich das richtig sehe, in vollautomatischer Ausführung gute 4000 Euro, und gebraucht sieht man sie äußerst selten.

Zitat

..und der Musikhandel "Die Holzbläser" in Berlin empfielt die Marken Fossati und Yamaha....


Zwei meiner früheren Schüler spielen die Yamaha YOB-432 F. Diese Oboe ist recht klein im Ton, stimmt aber recht gut und ist für meine Begriffe einigermaßen empfehlenswert, wenn man sie gebraucht (in einem guten Zustand!) für um die 1500 Euro bekommen kann (das eine Instrument habe ich damals meiner Schülerein für ca. 1200 Euro besorgt).

Zitat

Im Moment spiele ich eine gebrauchte Sonora-Oboe, ein Leihinstrument von der Musikschule.


Wie kommst du denn mit dieser Oboe zurecht? Ich persönlich bin ein großer Freund der Sonora-Oboen, die ja die Vorläufer der heute unter dem Label "Oscar Adler" verkauften Instrumente waren. Zwei weitere meiner Schüler besitzen solche Geräte, wobei eines an der typischen Sonora-Krankeit der schlechten Ansprache in der Tiefe leidet. Das andere hingegen ist ein richtig tolles Deckelklappeninstrument, mit dem ich notfalls auch selber in einem Konzert zurechtkommen würde. Hier müsstest du normalerweise in der Preisklasse um 1500 Euro fündig werden.
Ebenfalls nicht schlecht sind die alten (und natürlich auch neueren) Mönnig-Oboen. Allerdings gibt es die nur selten mit Deckelklappen. Aus welchem Grund möchtest du keine Ringklappen? Hast du kleine Hände mit schmalen Fingern?

Wo in etwa befindet sich denn deine Preisobergrenze?

Beste Grüße

Bernd

Gurnemanz

Hilfsseemann

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129

Montag, 21. November 2011, 20:26

Ebenfalls nicht schlecht sind die alten (und natürlich auch neueren) Mönnig-Oboen. Allerdings gibt es die nur selten mit Deckelklappen.
Wie Bernd ja gut weiß, bespiele ich so ein Ding, nämlich Mönnig mit Deckelklappen. Damit komme ich bislang (vor zwei Jahren angefangen) bestens zurecht. Erworben über Ebay. In diesem besonderen Fall ging das gut, läßt sich aber nicht verallgemeinern.

:wink:
Es grüßt Gurnemanz

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Jorge Luis Borges

130

Montag, 21. November 2011, 20:40

Gurnemanz, diese deine Mönnig ist auch ein schönes Instrument, auf dem ich selber (nach kürzerer Gewöhnung an die intonatorischen Unterschiede zur Adler) durchaus eine Mugge spielen würde. -

Preise für gebrauchte Instrumente sind natürlich immer auch zustandsabhängig zu betrachten. Eine Oboe, die frisch aus der Generalüberholung kommt, darf schon ein paar Hunderter mehr kosten als ein gerade mal noch spielfähiges Teil, welches in absehbarer Zeit zum Instrumentenbauer gebracht werden muss. Die gute Sonora hat mein Schüler für 1400 Euronen erstanden; nach etwa einem Jahr waren nochmals 700 Piepen für die Überholung fällig. Alles in allem ergibt sich daraus ein recht vernünftiger Kurs.

Beste Grüße

Bernd

Tröte

Neutöner

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131

Dienstag, 22. November 2011, 17:00

Welche Oboe ?

Vielen, vielen Dank Bernd für die schnelle Antwort und den ausführlichen Bericht und danke an Gurnemanz das du meinen Beitrag richtig zugeordnet hast. Ich bin begeistert.
Wo in etwa befindet sich denn deine Preisobergrenze?
Diese befindet sich so bei 3000,00 Euro. Ich kann sowieso nicht verstehen wieso Oboen im Gegensatz zu Klarinetten so teuer sind. Ich habe meiner Tochter vor einigen Jahren eine neue Klarinette von Meindel für 1.500,00 Euro gekauft. Ein Superinstrument meine Tochter ist total zufrieden und nach 11 Jahren Klarinettenunterricht auch kein Anfänger mehr.

Aus welchem Grund möchtest du keine Ringklappen? Hast du kleine Hände mit schmalen Fingern?

O`ja ich habe sehr kleine schmale Finger. Selbst nach 3 Jahren Unterricht habe ich immer noch Probleme das "es" zu greifen. Seit einigen Monaten bin ich Mitglied im Nachwuchsorchester der Musikschule, als einzige Erwachsene und als einzige Oboe und in jeden Stück steht ein "es" als Vorzeichen. Schrecklich und oberpeinlich wenn dann der Ton nicht kommt. Ich denke das eine Deckelklappenoboe für mich einfacher zu greifen ist.


Mönnig-Oboen
Meine Lehrerin spielt eine Mönnig-Oboe und ich bin von diesen Instrument begeistert. Ich habe auch schon im Internet gesucht, aber nicht vergleichbares gefunden. Naja und über Ebay würde ich mir niemals ein Musikinstrument kaufen, dazu habe ich viel zu wenig Ahnung.

wobei eines an der typischen Sonora-Krankeit der schlechten Ansprache in der Tiefe leidet.

Das Leihinstrument von der Musikschule ist soweit o.k. Allerdings hast du Recht mit der schlechten Ansprache, eine Katastrophe. Außerdem ist meine Lehrerin der Meinung das sich die Sonora-Oboe sehr schwer spielt, sie bastelt für mich immer extra leichte Rohre. Ich persönlich habe keinen Vergleich, ich weiß nur das ich nach 1 Stunde üben fix und fertig bin und ich lieber 10 Kilometer in einer Stunde laufe, dass ist nicht so anstrengend ( Joggen ist auch ein Hobby von mir, leider fehlt mir dazu oftmals die Zeit und da ich bis 18.00 Uhr arbeite im Winter auch die Gelegenheit.) Aber das nur nebenbei.

Wünsche euch einen schönen Abend liebe Grüße Tröte

132

Dienstag, 22. November 2011, 18:00

Zitat

O`ja ich habe sehr kleine schmale Finger. Selbst nach 3 Jahren Unterricht habe ich immer noch Probleme das "es" zu greifen.


In diesem Falle solltest du natürlich eine Deckelklappenoboe kaufen!

Zitat

Diese befindet sich so bei 3000,00 Euro. Ich kann sowieso nicht verstehen wieso Oboen im Gegensatz zu Klarinetten so teuer sind.


Für 3000 Euro bekommst du auf jeden Fall ein sehr gutes Gebrauchtinstrument. Da wäre sogar eine Marigaux drin.

Oboen sind unter anderem deshalb teurer als Klarinetten, weil die Fertigung der Mechanik wesentlich aufwändiger ist und mehr Arbeitszeit in Anspruch nimmt.

Zu deiner geliehenen Sonora schreibe ich heute abend spät noch etwas.

Herzliche Grüße

Bernd

133

Dienstag, 22. November 2011, 19:20

Ich hätte auch vermutet, dass mindestens doppelt (vermutlich eher fünf- bis zehnmal) so viele Klarinetten gebaut und verkauft werden, zumal in den unteren bis mittleren Preisklassen. Leichter zu lernen, daher mehr Schüler (auch von denen, die nach ein paar Jahren aufhören, kaufen etliche ein Instrument) und all die Blaskapellen, Spielmannszüge usw., die immer Klarinetten haben, aber oft keine Oboen) . Und man braucht A und B-Instrumente.
Ungeachtet der vielen Handarbeit dürfte ein wenig auch dieser Skalenfaktor eine Rolle beim Preis spielen.
By nature a philosopher is not in genius and disposition half so different from a street porter, as a mastiff is from a greyhound.
Adam Smith

134

Dienstag, 22. November 2011, 21:26

Zitat

Ungeachtet der vielen Handarbeit dürfte ein wenig auch dieser Skalenfaktor eine Rolle beim Preis spielen.


Ja, die Stückzahlen haben vermutlich auch einen gewissen Einfluss auf den Preis, aber der entscheidende Punkt ist wohl wirklich der höhere Arbeitsaufwand. So wurde es mir zumindestens bei der Firma Oscar Adler, zu der ich in den 90er Jahren einen richtig guten Draht hatte, erklärt.

Zitat

Außerdem ist meine Lehrerin der Meinung das sich die Sonora-Oboe sehr schwer spielt, sie bastelt für mich immer extra leichte Rohre.


Wenn sich die Oboe besonders schwer spielt, liegt das mit Sicherheit nicht an der Marke Sonora, sondern am Zustand des Instrumentes. Vermutlich ist die Oboe nach etlichen Jahren nicht mehr richtig eingestellt, und die Polster werden wohl auch schon ziemlich mitgenommen sein. Die Mechanik einer Oboe ist so beschaffen, dass schon minimale Einstellungsfehler fatale Folgen haben können - ohne Schraubenzieher und Gewebeband fahre ich nie in die Musikschule! Im Idealfall hat der Lehrer genug Erfahrung, um Einstellungsprobleme selber in den Griff zu bekommen, aber gerade von jungen Oboisten/Oboistinnen, die frisch aus dem Studium kommen, kann man in dieser Hinsicht natürlich nicht allzuviel erwarten. Manche Kollegen lernen es auch in Jahrzehnten nicht, da man sich einfach irgendwann mal intensiv mit der Schrauberei beschäftigen und dafür phasenweise auch einen gewissen Mut aufbringen muss. Und früher oder später kommt der Punkt, wo man vergebens schraubt - dann sind die Polster so hinüber, dass nur noch eine Überholung beim Fachmann hilft!
Du solltest auf jeden Fall schauen, dass du über kurz oder lang an ein gut ansprechendes Instrument kommst! Wenn du einen 10-Kilometerlauf anstrengender findest als eine Übestunde auf der Oboe, ist etwas Grundsätzliches nicht in Ordnung, und wahrscheinlich handelt es sich dabei um die Leihoboe!
Zudem dürften sich die megaleichten Rohre, die du spielen musst, negativ auf den Klang auswirken. Ich selber bin überhaupt kein Freund von schweren Balken, aber ein extrem leichtes Rohr kann nicht anders als trötig klingen.

Herzliche Grüße

Bernd

135

Dienstag, 22. November 2011, 23:27

Lieber arundo donax,
die Oboe ist mein Lieblings-Holzblasinstrument, nicht nur, wenn ich Zuhörer, sondern vor allem wenn ich Komponist bin. Kein anderes Instrument paßt als Soloinstrument so gut in meine Klangvorstellungen, und mit keinem anderen lassen sich derart aparte Mischungen zaubern, denn die Oboe wirkt in der Kombination wie eine Weißhöhung in der Malerei: Sie hebt den Klang, fügt ihm Konturen bei und kann ihn mitunter auch täuschend verändern, etwa dem Horn Schärfe verleihen oder die Trompete sehr kräftig unterstützen.
Nun habe ich aber auch eine Frage: Mein Kompositionslehrer hat mir seinerzeit eingetrichtert, der Oboist könne einen Dauerton spielen, ohne absetzen zu müssen. Ich fand einen Oboisten, der das tatsächlich konnte, aber ein paar andere sahen mich eher verständnislos an, als ich danach fragte. Wie ist das nun: Kann man eher davon ausgehen, daß es möglich ist, sollte man es eher vermeiden oder kommt es auf die Oboe an, ob es geht oder nicht?
:wink:
Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)

136

Dienstag, 22. November 2011, 23:48

Hallo Edwin,

dass du eine solche Vorliebe für die Oboe hegst, freut mich natürlich!

Den von dir angesprochenen "Dauerton" kann man mittels "permanenter Atmung" im Prinzip auf jedem Blasinstrument erzeugen, auch auf einer Querflöte oder Tuba. Wegen des geringen Luftverbrauchs funktioniert diese Technik aber auf der Oboe besonders gut. Und es kommt nicht auf die Oboe an, sondern auf den Oboisten. Nicht wenige Profis (und manchmal auch Amateure) beherrschen diese Kunst inzwischen. Ich persönlich habe den Trick (denn um einen solchen handelt es sich letzlich) allerdings nie herausbekommen; mein früherer Lehrer Fumiaki Miyamoto, der immerhin Solooboist beim WDR-Rundfunksinfonieorchester war und auf Sony-CDs als Solist zu hören ist, konnte es auch nicht. Sprich: Wenn du permanente Atmung verlangst, mußt du davon ausgehen, dass nicht jeder Orchesteroboist dazu in der Lage ist, die Stimme korrekt zu spielen.

Beste Grüße

Bernd

philmus

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137

Mittwoch, 23. November 2011, 07:36

Den von dir angesprochenen "Dauerton" kann man mittels "permanenter Atmung" im Prinzip auf jedem Blasinstrument erzeugen, auch auf einer Querflöte oder Tuba.
Handelt es sich dabei um die "Zirkularatmung", wo in der Mundhöhle weiter Druck erzeugt wird, während man durch die Nase einatmet? heikle Sache das, kannte ich bisher nur von Klarinette und Didgeridoo...
das schwierige ist dabei wohl, einen gleichmäßigen Druck zu halten, während man zwischen "Backendruck" (beim einatmen) und "Lungendruck" (ausatmen) switcht.

Zitat

Da ich dich nicht zum Weinen bringen will,-
aus Mitleid oder aus Neid? :hide:

Gruss
Herr Maria
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Im Übrigen bin ich der Meinung, daß die Sommerzeit abgeschafft gehört.

138

Mittwoch, 23. November 2011, 08:29

Genau, "Zirkularatmung" ist ein anderes Wort für diesen Kniff, der beim Didgeridoo zur Technik dazugehört und vermutlich von jedem, der ihn hinreichend übt, erlernt werden kann. Wie es funktioniert, wird hier ziemlich gut erklärt: "http://www.detididge.de/zirkular.html"

Zitat

aus Mitleid oder aus Neid?


Wenn ich an der Musikschule unterrichte, erziele ich in der Stunde ungefähr dreimal so viel wie mit meiner hochqualifizierten handwerklichen Arbeit.... :cry:

Beste Grüßie

Bernd

139

Mittwoch, 23. November 2011, 16:48

Sprich: Wenn du permanente Atmung verlangst, mußt du davon ausgehen, dass nicht jeder Orchesteroboist dazu in der Lage ist, die Stimme korrekt zu spielen.

Ich habe mir das längst abgeschminkt. Außerdem muß man ja nicht alles verlangen, was unter Umständen möglich ist. Es hat mich nur interessiert, ob das "oboistisches Allgemeingut" ist, das nur ein paar Wiener nicht beherrschen (ähm, Oboe und Wien...) oder ob das Spezialistensache ist.
:wink:
Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)

140

Mittwoch, 23. November 2011, 16:56

permanente Atmung:
Der Trick ist (so habe ich es jedenfalls immer gemacht), den Moment, den man zum einatmen braucht, mit "Druck" zu überbrücken, also die Luft, die noch im Mundraum ist, nur mit den Lippen oder Wangen zu pressen.
Das kann man "trocken" ganz gut üben.
Ausatmen, und während man einatmet enfach "pressen" :D
immer mehr Senioren verschwinden spurlos im Internet...., sie haben "ALT" und "ENTF" gedrückt.
Darf man das? Ja, wenn man es kann.

141

Mittwoch, 23. November 2011, 23:16

Lieber Holger,
das ist die Zirkularatmung, die der Könner auch beim Didgeridoo anwendet. So wurde mir das auch bei der Oboe beschrieben, aber wenn ich für ein Instrument komponiere, dann achte ich eigentlich stets darauf, daß jeder gute Musiker es ausführen kann. Es hat keinen Sinn, etwas zu verlagen, was nur etwa 50 Prozent der Musiker beherrschen, denn das verursacht bei den anderen 50 Prozent Frustration.
:wink:
Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)

142

Mittwoch, 23. November 2011, 23:33

Zitat

So wurde mir das auch bei der Oboe beschrieben, aber wenn ich für ein Instrument komponiere, dann achte ich eigentlich stets darauf, daß jeder gute Musiker es ausführen kann. Es hat keinen Sinn, etwas zu verlagen, was nur etwa 50 Prozent der Musiker beherrschen, denn das verursacht bei den anderen 50 Prozent Frustration.


Wenn man mich fragt, ist das ein sehr gesunder Standpunkt! Und das Verhältnis von 50:50 könnte bezüglich der Profioboisten, welche die permanente Atmung beherrschen bzw. nicht beherrschen, ganz gut hinkommen.

Ich habe diese Technik bislang noch nie wirklich vermisst - ansonsten hätte ich sie wahrscheinlich intensiv geübt.

Beste Grüße

Bernd

Lionel

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143

Donnerstag, 24. November 2011, 00:32

Was das Spielen von Dauertönen bei Blasinstrumenten angeht, so könnte das sog. "Aerophor" Abhilfe schaffen. Das "Aerophor" wurde 1913 von Bernhard Samuel erfunden, um Blasinstrumentenspieler zu entlasten, damit ihnen bei langen Passagen nicht die Luft wegbleibt. Es bestand aus einem Paar Blasebalgen, die mit dem Fuß betrieben wurden und mit einem Gummischlauch gelangt die Luft in Mund des Musikers. Allerdings ist unklar, wie ohne Hilfe des Zwerchfells diese extra Luftzufuhr in Töne umgesetzt werden sollte. Richard Strauss hatte die Verwendung des "Aeophor" bei seiner "Alpensinfonie" und seinem "Festlichen Praeludium" vorgeschlagen, damit die lang ausgehaltenen Noten in den Bläserstimmen besser spielbar seien.
Allerdings wurde diese Erfindung nie in der Praxis erprobt und die Musiker sind sehr gut in der Lage, ohne sie auszukommen. Des weiteren hätten die übrigen Orchestermusiker wahrscheinlich einen Lachanfall bei der Benutzung dieses "Dingens" bekommen.

Lionel
(Quelle: CD-Booklet der "Alpensinfonie"-Aufnahme mit Andre Previn, Telarc)

philmus

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144

Donnerstag, 24. November 2011, 08:18

Was das Spielen von Dauertönen bei Blasinstrumenten angeht, so könnte das sog. "Aerophor" Abhilfe schaffen. Das "Aerophor" wurde 1913 von Bernhard Samuel erfunden, um Blasinstrumentenspieler zu entlasten, damit ihnen bei langen Passagen nicht die Luft wegbleibt. Es bestand aus einem Paar Blasebalgen, die mit dem Fuß betrieben wurden und mit einem Gummischlauch gelangt die Luft in Mund des Musikers. Allerdings ist unklar, wie ohne Hilfe des Zwerchfells diese extra Luftzufuhr in Töne umgesetzt werden sollte.

Gibt es seit über tausend jahren, für einfache und doppelte Rohrblätter. nennt man auch Dudelsack :klatsch:

Gruss
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Mozartinaa

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145

Mittwoch, 11. April 2012, 20:39

Liebe Musikfreunde der Oboe !

Auch wenn ich weder die Kunst des Oboenspiels beherrsche, noch die Abschicht habe, mich im fortgeschrittenen Alter noch einem Musikunterricht zu unterziehen, auch der Notenlehre nicht mächtig bin, so möchte ich dennoch diesen interessanten Thread wieder aus seinem Dornröschenschlaf erwecken.

Schon immer gehörte meine besondere Liebe der Oboe, der Oboe d'amore und dem Englischhorn und viele Fragen, die Euch banal vorkommen werden, tauchten in all den Jahren auf.

Und weil Bernd, der ja ein wirklicher Könner des Oboenspiels und des Rohrbaues ist, so eine nette Aufforderung ( siehe Zitat ) für Laien wie z.B. mich, geschrieben hat, beginne ich gleich mit meiner ersten Frage.

Zitat

In diesem Thread können dann gerne auch allgemeine Fragen zu unserem von seinem Spieler in der Regel gehaßliebten Instrument beantwortet werden wie z.b: "Die Oboisten in unserem Orchester pusten während der Probe und manchmal sogar während eines Konzerts ziemlich geräuschvoll unter die Klappen ihrer Oboe? Das stört doch - warum machen die das?" Oder: "Unser Oboist jammert dauernd über seine Rohre!

Trageband:

Die Musiker verwenden für das Englischhorn ein Trageband. Ich hab da schon viele verschiedene Ausführungen gesehen.

Einfache schnurartige Bänder, am Nacken verstärkte und mit Frottee unterlegte Bänder, ja sogar ein breites auf den Schultern aufliegendes flaches Kissen.

Nun meine Frage : Warum braucht man fürs E-Horn ein Trageband? Hat es etwas mit der Länge und dem Gewicht des Instrumentes zu tun?

Und welches, lieber Bernd, verwendest du?

Mozartinaa
" Das Österreichisch klingt wie ein einzig großer Topfenknödel "......Zitat aus der Krimiserie "Bella Block"

146

Mittwoch, 11. April 2012, 21:31

Zitat

der ja ein wirklicher Könner des Oboenspiels und des Rohrbaues ist


Wirklicher Könner des Oboenspiels.....ähemm....eben hat mich eine ehemalige Schülerin besucht, die gerade an der Baseler Musikhochschule bei Emanuel Abbühl ihren Master macht. So stolz es mich macht, dass sie bei mir angefangen hat und unter meiner Ägide bis zum Landeswettbewerb von Jugend musiziert vorgedrungen ist, so beschämt macht es mich, wenn ich jetzt sehe, wie schlecht meine Technik heute im Vergleich zu ihrer ist... ;(

Und das mit der Könnerschaft beim Rohrbau sehen viele Kunden so, aber beileibe auch nicht alle. :D

Zitat

Nun meine Frage : Warum braucht man fürs E-Horn ein Trageband? Hat es etwas mit der Länge und dem Gewicht des Instrumentes zu tun?


Das Gewicht kann zum Problem werden, wenn man schwache Gelenke hat. Im Extremfall trifft das sogar auf die Oboe zu; mein Maastrichter Lehrer hat immer mit Trageband gespielt, und eine Oboistin bei den Niederrheinischen Sinfonikern verwendet gar eine Art Stativ.

Zitat

Und welches, lieber Bernd, verwendest du?


Gar keins! Mich behindert es beim freien Spielen, und zum Glück habe ich zumindestens bei normalen Konzertem keine Schwierigkeiten mit dem Halten des E-Horns. Schwierig wird es nur bei längeren Muggen in der Besetzung Englischhorn-Trio (Beethovens Op. 71 lässt grüßen!). Da kann man die Hand zwischendurch kaum entlasten, und ich erinnere mich, dass meine Leidensfähigkeit am Schluss eines längeren Trio-Konzerts im Aachener Couven-Museum schon mal hart auf die Probe gestellt wurde :stern: .

Herzliche Grüße

Bernd

Mozartinaa

stille Genießerin

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147

Mittwoch, 11. April 2012, 21:56

Das Gewicht kann zum Problem werden,
Wie schwer ist so ein E-Horn überhaupt, bzw. eine Oboe ?

So stolz es mich macht, dass sie bei mir angefangen hat und unter meiner Ägide bis zum Landeswettbewerb von Jugend musiziert vorgedrungen ist, so beschämt macht es mich, wenn ich jetzt sehe, wie schlecht meine Technik heute im Vergleich zu ihrer ist

Auf deine Leistung kannst du wahrlich stolz sein. Und dass dich die junge Dame schon spieltechnisch zu überrunden droht, hat sicher auch damit zu tun, dass sie am Beginn ihrer Karriere ,welcher Art auch immer,steht, und daher sehr ehrgeizig sein wird. Ausserdem vermute ich, wird sie sich hauptsächlich dem Üben widmen können, weil die Eltern noch für den Lebensunterhalt aufkommen.

Ich hoffe,ich konnte dich ein bisserl trösten.

Mit lieben Grüßen

Mozartinaa
" Das Österreichisch klingt wie ein einzig großer Topfenknödel "......Zitat aus der Krimiserie "Bella Block"

148

Mittwoch, 11. April 2012, 22:23

Zitat

Wie schwer ist so ein E-Horn überhaupt, bzw. eine Oboe ?


Gerade habe ich meine Instrumente zum ersten Mal auf die Küchenwaage gelegt :D . Das Hörnchen bringt es auf 1100 Gramm, die Oboe auf 700.

Zitat

Ausserdem vermute ich, wird sie sich hauptsächlich dem Üben widmen können, weil die Eltern noch für den Lebensunterhalt aufkommen.


Ja, sicher. Aber das technische Niveau der heutigen Studenten ist trotzdem beeindruckend hoch.

Ich hätte selber so leidenschaftlich gerne mehr Zeit zum Üben! Wenn ich in den Leerlaufzeiten, die ich in der Musikschule habe, endlich einmal dazu komme, macht es mir eine Riesenfreude, aber leider verträgt sich meine Hauptarbeit gar nicht mit einem zusätzlichen Übepensum - nach 9-10 Stunden Rohreschnitzen muss ich die Tröte schon aus rein rückentechnischen Gründen (aber auch aus solchen der guten Nachbarschaft :D ) zur Ruhe betten :cry: . Das Leben ist hart....

Herzliche Grüße

Bernd

Mozartinaa

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149

Mittwoch, 11. April 2012, 22:35

Lieber Bernd,

jetzt weiß ich nicht, soll ich lachen, weil du deine Oböchen wie kleine Babies das erste Mal auf deiner Küchenwaage abgewogen hast,

oder soll ich lieber mit dir mitheulen, weil das Leben so hart ist ??



Auf alle Fälle danke ich dir einmal für deine heutigen hilfreichen Antworten.

Mit lieben, mitfühlsamen Grüßen

Mozartinaa
" Das Österreichisch klingt wie ein einzig großer Topfenknödel "......Zitat aus der Krimiserie "Bella Block"

Mozartinaa

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150

Mittwoch, 18. April 2012, 19:51

Lieber Bernd,

da du auch als Konzertoboist tätig bist, möchte ich meine nächsten Fragen direkt an dich stellen.

Während eines Konzertes kann man beobachten, dass der Oboist sein Mundstück immer wieder in den Mund nimmt, um das Rohr stets feucht zu halten.

Wenn du nun einen Konzertauftritt hast, ist die Befeuchtung deines Mundstückes wie oben geschildert, ausreichend, oder mußt du es vorher doch noch ins Wasser legen?

Wenn du diese Frage schon etwas merkwürdig findest, dann freu dich schon mal auf meine nächste (n).

Liebe Grüße Mozartinaa
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151

Mittwoch, 18. April 2012, 20:28

Liebe Morzatinaa,

Tatsache ist, daß ein unzureichend angefeuchtetes Rohr nicht richtig schwingt. Daher habe ich mir angewöhnt. vor Konzerten und Proben das Rohr zu Hause einmal kurz in Wasser zu tauchen und dann ins Etui zurückzulegen. Im Verlauf der Anreise weicht es dann hinreichend durch, und ich kann sofort darauf spielen. Im Konzert selber benötige ich, wenn ich nur Oboe spiele, kein Wassergefäß auf der Bühne. Anders verhält es sich, wenn ich auch noch Nebeninstrumente bedienen muss: Bei Dvoraks Neunter z.b., die ich nächste Woche wieder an der 2. Oboe und am Englischhorn erlebe, macht es Sinn, einen kleinen Behälter mit Wasser unter dem Notenständer zu haben und das Englischhornrohr während des ersten Satzes noch einmal kurz hineinzustippen.

Herzliche Grüße

Bernd

Mozartinaa

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152

Sonntag, 22. April 2012, 20:58

Das " Klappern " der Oboenklappen



Wenn ich mir Oboen-Soli auf der Stereo-Anlage anhöre, fällt mir dieses klappernde Geräusch nur ganz dezent auf.

Leider sehr unangenehm finde ich es jedoch, wenn ich die Oboenstücke mit Kopfhörer, vorallem in der " In-Ear"-Ausführung genießen möchte.



Nun meine Fragen an dich, lieber Bernd :

Hat dieses typische Lochklappengeräusch unter Euch Oboisten einen Namen?

Wie entsteht es eigentlich ?

Hat selbst ein guter Oboist überhaupt Einfluß darauf ?



Ein herzliches Danke im voraus

Mozartinaa
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153

Sonntag, 22. April 2012, 22:46

Zitat

Hat dieses typische Lochklappengeräusch unter Euch Oboisten einen Namen?


Hmm, naja, nicht so wirklich...es sind halt "Klappengeräusche".

Zitat

Wie entsteht es eigentlich ?


Wenn das Polster auf den Tonlochrand trifft, erzeugt es schon ein gewisses Geräusch, dessen Stärke unter anderem vom Material des Polsters abhängig ist. Inzwischen ist es Mode geworden, die Oboen komplett mit Korkpolstern auszustatten. Diese sind langlebiger als die herkömmlichen "Fischhautpolster", aber halt auch lauter. Überhaupt ist die Frage der Polstermaterials ziemlich komplex, da man Haltbarkeit, Geräuscharmut, Dichtigkeit und Klangresonanz irgendwie unter einen Hut bringen muss - darüber könnte man ganze wissenschaftliche Arbeiten schreiben, und bei verschiedenen Instrumentenbauern existieren dazu auch unterschiedliche Philosophieen.

Abgesehen von den Polstern gibt es für die zahlreichen Stellschrauben, mit denen eine moderne Oboe ausgestattet ist, auch diverse Aufschlagpunkte mit sogenannten "Aufschlagkorken", sprich kleinen Korkstreifen, die aufs Metall aufgeklebt sind, um das Geräusch zu dämpfen (eine Alternative sind Stellschrauben mit Teflonspitzen, die aber auch einen gewissen Lärm verursachen). Wenn diese Korken abgenutzt sind, kommt eben doch Metall auf Metall, und das geht dann nicht geräuschfrei ab.

Außerdem schlägt sich die Mechanik mit der Zeit etwas aus; es ensteht Spiel zwischen dem Klappengestänge und den "Säulchen" oder "Böcken", zwischen denen dieses Gestänge aufgehängt ist. Auch das kann man unter Umständen akustisch wahrnehmen.

Zitat

Hat selbst ein guter Oboist überhaupt Einfluß darauf ?


Weiche, lockere Fingerbewegungen vermindern den Lärm, den die Mechanik verursacht. Darüberhinaus führt natürlich eine Generalüberholung zu weniger Krach, aber zum einen kostet sie einen Haufen Geld (leicht mal um die 1000 Euro), zum anderen verändet sie die Eigenschaften des Instrumentes spürbar. Selbst Spitzensolisten, die es sich finanziell vielleicht leisten könnten, ihre Oboe jedes halbe Jahr überholen zu lassen, würden vermutlich nicht ständig auf einer Oboe mit einem anderen Ansprache- und Resonanzverhalten blasen wollen, denn der Faktor "Rohr" bringt ja schon mehr als genug Varianzen ins Spiel. Insofern hält sich der Einfluss in Grenzen.

Da ich weitestgehend kopfhörerfrei lebe, war mir das "Problem" bislang auch nicht so sehr bewusst. Wenn man in der Kirche oder im Konzertsaal ständig das Gefühl hat, dass ein kleines Schlagzeug mitrappelt, wird es natürlich Zeit, an eine Überholung zu denken. Aber auch die muss man erst einmal bezahlen können...

Herzliche Grüße

Bernd

Mozartinaa

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154

Samstag, 5. Mai 2012, 21:51

Neulich las ich folgenden Satz, der mich sehr verblüffte:

" Im Konzert fällt die Oboe dem Zuhörer als das Instrument auf, welches den Ton angibt, nach dem sich alle anderen Instrumente des Orchesters einstimmen."

Also mir ist das noch nie aufgefallen . Müsste ich das hören können?

Liebe Grüße

Mozartinaa
" Das Österreichisch klingt wie ein einzig großer Topfenknödel "......Zitat aus der Krimiserie "Bella Block"

155

Samstag, 5. Mai 2012, 22:11

Liebe Mozartinaa,

wenn du den Konzertsaal/das Opernhaus betreten hast, bevor die Musiker zum Stimmen schreiten, müßtest du das hören können! Die Prozedur erfolgt normalerweise so, dass zunächst die Bläser und dann der Konzertmeister das Oboen-a abnehmen. Letzterer gibt es dann an die anderen Streicher weiter.

Das "Stimmen" der Bläser hat nach meinen Erfahrungen im Profiorchester eher Alibi-Charakter und nimmt kaum Zeit in Anspruch. Jeder weiß im Vorfeld, wo er sich mit seinem Instrument und gegebenenfalls Blatt- bzw. Rohrmaterial ungefähr befindet, und der Rest erfolgt dann während des Spielens über die Ohren.
In Amateurorchestern kann die Pflicht, den Stimmton anzugeben, den 1. Oboisten einiges an Kraftressourcen kosten. Bis da mal jeder sein a gefunden hat, ist man unter Umständen schon abgeblasen, bevor die Probe oder Aufführung überhaupt angefangen hat. :D

Für den Einstimmvorgang verwendet der gewissenhafte Oboist ein Stimmgerät, das ihm die genaue Tonhöhe anzeigt. Dass die angegebenen 443 Hertz in der Regel nach 10 Minuten des Spielens zu 445 oder 446 Hertz mutiert sind, ficht hingegen auch den gewissenhaften Oboisten nur wenig an... :D

Hertzliche Grüße

Bernd

Mozartinaa

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156

Samstag, 5. Mai 2012, 22:38

Lieber Bernd,
wenn du den Konzertsaal/das Opernhaus betreten hast, bevor die Musiker zum Stimmen schreiten, müßtest du das hören können! Die Prozedur erfolgt normalerweise so, dass zunächst die Bläser und dann der Konzertmeister das Oboen-a abnehmen
Ich kann mir das nur so erklären, dass ich vielleicht immer zu spät in den Konzertsaal kam. Aber in 2 Wochen werde ich bei unserem capricciösen Besuch des Konzertes in der Alten Oper früh genug anwesend sein, um diese Prozedur endlich mal erleben zu können.
In Amateurorchestern kann die Pflicht, den Stimmton anzugeben, den 1. Oboisten einiges an Kraftressourcen kosten. Bis da mal jeder sein a gefunden hat, ist man unter Umständen schon abgeblasen, bevor die Probe oder Aufführung überhaupt angefangen hat



Sprichst du da aus eigener Erfahrung ?



Herzlichst

Mozartinaa
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157

Samstag, 5. Mai 2012, 23:16

Zitat

Sprichst du da aus eigener Erfahrung ?


Ja! Und das eigentlich Frustrierende besteht (zum Beispiel bei dem einen oder anderen Flötisten :pfeif: ) dann darin, dass das passende a zwar nach langer Suche endlich gefunden wurde, während das b im nächsten Akkord schon wieder gnadenlos schief ?( klingt ...

Intonation im Holzbläsersatz ist ein extrem heikles Thema. Die eventuell auftretenden Probleme lassen sich aber ganz gewiss nicht durch das besonders sorgfältige Einstimmen auf ein gemeinsames a lösen!

Herzliche Grüße

Bernd

Gurnemanz

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158

Sonntag, 6. Mai 2012, 12:08

Intonation im Holzbläsersatz ist ein extrem heikles Thema.
Kann ich nur bestätigen, obwohl ich nur für mich allein blase: Das Heikle besteht auch darin, daß selbst nach erfolgreichem Einstimmen (habe ebenfalls so ein elektronisches Gerät) bestimmte Töne gern nach oben (meistens) abweichen wollen. Aber ich bin ja immer noch Anfänger und darf das. :sev:

:wink:
Es grüßt Gurnemanz

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Jorge Luis Borges

159

Dienstag, 8. Mai 2012, 14:18

Das Heikle besteht auch darin, daß selbst nach erfolgreichem Einstimmen (habe ebenfalls so ein elektronisches Gerät) bestimmte Töne gern nach oben (meistens) abweichen wollen.

Ich spiel' zwar nicht Oboe, bin aber (Auch-) Holzbläser... Daß die Stimmung steigt, während des Spiels ist nix ungewöhnliches: Das Instrument erwärmt sich, damit auch die Luft darin, damit ändert sich die Schallgeschwindigkeit im Instrument und damit steigt die Stimmung...
viele Grüße

Bustopher



"Denkt daran, dass die wunderbaren Dinge, die ihr in euren Schulen kennenlernt, das Werk vieler Generationen sind, das in allen Ländern der Erde in begeistertem Streben und mit großer Mühe geschaffen worden ist. All dies wird als euer Erbe in eure Hände gelegt, damit ihr empfanget, ehret, weiterbildet und treulich euren Kindern einst übermittelt. So sind wir Sterbliche in dem unsterblich, was wir an bleibenden Werken gemeinsam schaffen." - A. Einstein, Mein Weltbild

Gurnemanz

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160

Mittwoch, 9. Mai 2012, 17:01

Aus bustophers These über die Änderung der Schallgeschwindigkeit hat sich eine Diskussion entwickelt, die auch Saiteninstrumente und Orgel miteinbezieht. Diese Diskussion befindet sich nunmehr hier: Aus der Physik: Verstimmte Instrumente und kann dort gern fortgesetzt werden.

:wink:
Es grüßt Gurnemanz

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Jorge Luis Borges

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