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161

Sonntag, 13. Mai 2012, 00:52

Hier kommt die Anwort auf eine Frage, die Hudebux heute in "Eben gehört" gestellt hat:

Zitat

Das mit dem dunkel-warmen bzw. trompetenhaft-hellen Oboenspiel interessiert mich. Ist das eine Frage unterschiedlicher Schulen und/oder Oboenbauarten? Gibt es Beispiele, wo man das gut vergleichen kann?


Das ist eine Frage unterschiedlicher Schulen. Das deutsche Klangideal ist spätestens seit der Karajan-Ära mit den Attributen warm und dunkel verknüpft, während man in Frankreich ein sehr silbriges Timbre bevorzugt(e). Auch in Osteuropa findet man vorzugsweise Oboisten, die mit einem hellen, offenen Ton spielen.

Genügend Beispiele für die unterschiedlichen Klangvorstellungen bieten sich dir auf Youtube. Höre dir einfach mal bewusst Albrecht Mayer und Heinz Holliger nacheinander an! Oder Lothar Koch und Pierre Pierlot!

Ebenfalls auf Youtube konnte ich gestern erstmals Bekanntschaft mit Alexei Ogrintchouks Blaskunst machen. Gurnemanzens Einschätzung trifft auch für meine Ohren zu; rein klanglich wirkt Ogrintchouk auf mich sehr direkt, hell und etwas blechern - und im Gegensatz zu Gurnemanz geht mir das erst einmal gegen den Strich. Allerdings finde ich die Art, wie er Musik gestaltet, schon sehr beeindruckend (vor allem in Bachs Oster-Oratorium). Die dynamische Spannbreite wirkt enorm groß, und die Spannungsbögen sind mit einer erstaunlichen Expressivität geladen. Bei allen klanglichen Vorbehalten scheint es sich hier um einen Ausnahmekünstler zu handeln.

Beste Grüße

Bernd

Hudebux

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162

Sonntag, 13. Mai 2012, 08:18

Vielen Dank für die Antwort.
Das scheint mir verwandt zur Klarinette zu sein. Auch da sind deutsches und französisches Klangideal deutlich zu unterscheiden. Deutsch: warm und sonor. Französisch: schärfer und silbriger. Ähnlich wie bei der Oboe also, wobei bei der Klarinette die Unterschiede aber auch den unterschiedlichen Bauformen geschuldet sind. Bei der Klarinette vermute ich, dass die Unterschiede geschichtlich weit zurückreichen. Daher übrascht mich, dass bei der Oboe, dem älterem Instrument, der spezifisch deutsche Klang wesentlich von der Karajan-Ära bestimmt ist, wie Du schreibst.

Die Deutsche Klarinette wird ja im wesentlichen nur in Deutschland und (in leicht modifizierter Form) in Österreich gespielt. Der Rest der Welt (auch die Deutschschweiz) spielt französisch. Kann man ähnliches auch über die Oboe sagen? (Holliger ist ja auch Deutschschweizer)

Gruss
Hudebux

Gurnemanz

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163

Sonntag, 13. Mai 2012, 09:21

Daher übrascht mich, dass bei der Oboe, dem älterem Instrument, der spezifisch deutsche Klang wesentlich von der Karajan-Ära bestimmt ist, wie Du schreibst.
Ich bin mir nicht sicher, ob Bernd das so gemeint hat, denn er schrieb:
Das deutsche Klangideal ist spätestens seit der Karajan-Ära mit den Attributen warm und dunkel verknüpft
(Hervorhebungen von mir.) Das heißt, dieses Klangideal gab es bereits vorher? Stammt es aus der deutschen Romantik?

In der Bauart unterscheiden sich deutsche Oboen, glaube ich, nicht von den französischen. Das ist anders als bei den Klarinetten; ich selbst habe mich vor vielen Jahren an einer mit deutschem Griffsystem versucht, das sich deutlich vom französischen Böhm-System unterscheidet. Dagegen sind französische Oboen in Deutschland weit verbreitet; mein Lehrer z. B. spielt eine Marigaux.

Bei Bernd habe ich den Eindruck, daß er sehr klare Vorstellungen davon hat, wie eine Oboe klingen soll, Stichwort: warm und dunkel.

Ich selbst bin da nicht so festgelegt, jedenfalls bis jetzt noch nicht. Bei Barockmusik ist mir das Trompetenhaft-Helle lieber, bei Romantik bin ich empfänglicher für den warm-dunklen Klang. Dagegen mag ich etwa bei französischer Orchestermusik den hell-näselnden Ton, der etwa bei Debussy, meiner Vorstellung von clarté näherkommt.

Seit über zwei Jahren lerne ich nun schon Oboe, und es macht mir schon ordentlich zu schaffen, daß mein eigener Klang so deutlich hinter dem zurückbleibt,was mir selbst als schön vorschwebt.

:wink:
Es grüßt Gurnemanz

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Jorge Luis Borges

Hudebux

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164

Sonntag, 13. Mai 2012, 10:28

Zitat von »Hudebux«
Daher übrascht mich, dass bei der Oboe, dem älterem Instrument, der spezifisch deutsche Klang wesentlich von der Karajan-Ära bestimmt ist, wie Du schreibst.

Ich bin mir nicht sicher, ob Bernd das so gemeint hat, denn er schrieb:

Zitat von »arundo donax«
Das deutsche Klangideal ist spätestens seit der Karajan-Ära mit den Attributen warm und dunkel verknüpft

(Hervorhebungen von mir.) Das heißt, dieses Klangideal gab es bereits vorher? Stammt es aus der deutschen Romantik?


Du hast recht. Ich habe mich unpräzise ausgedrückt. Meine Überraschung bleibt, dass das heutige Oboenspiel in Deutschland eng und nachhaltig mit der Karajan-Ära (mit Karajan selbst?) in Zusammenhang zu bringen ist. Das ist sehr interessant. Sollte man nicht annehmen, dass sich das nach mehr als zwanzig Jahren Ende der Karajan-Ära, dem Einfluss von HIP und der insgesamt beschleunigten Internationalisierung der Musikwelt schon längst wieder in andere Richtungen entwickelt hätte?

Ich verstehe Bernd also nun so: Eine bereits vorhandene deutsche Oboen-Klang-Tradition hat sich in der Karajanzeit verstärkt und dies wirkt bis heute in Deutschland nach.

Ist diese Tradition nun von der Romantik geprägt, wie Gurnemanz fragt? Und sollte Bach dann eher "französisch" gespielt werden, zumindest, wenn es HIP sein soll?

Hudebux

165

Sonntag, 13. Mai 2012, 10:54

Lieber Hudebux,

mit den Oboen verhält es sich deutlich komplizierter als mit den Klarinetten: Im 19. Jahrhundert entwickelte ein Herr Triebert in Frankreich einen völlig neuen Oboentypus mit anderer Tonlochlage (folglich auch anderen Griffen) und einer engeren Bohrung. In Deutschland war bis ca. 1920 der viel näher an die barocken und klassischen Oboen angelehnte "deutsche" Oboentyp Standard, aber der internationale Siegeszug des klanglich weit überlegenen französischen Modells ließ sich auch hier nicht aufhalten, und schon in den dreißiger und vierziger Jahren hatte sich die Triebert-Oboe in den deutschen Orchestern weitestgehend durchgesetzt. Lediglich Wien blieb bis heute ein Reservat des "deutschen" Modells, (weshalb ich Aufnahmen mit den Wiener Philharmonikern vermeide, so gut es geht :D ).
Die Klangvorstellung in Deutschland war aber bis ca. 1960 noch deutlich vom den Eigenschaften der deutschen Oboe beeinflusst. Wenn man entsprechende Aufnahmen hört, erlebt man einen im Vergleich zu französischen oder englischen Einspielungen aus dieser Zeit zwar ziemlich vollen, aber sehr offenen, hellen, "kehligen" Klang, der zu den heutigen "deutschen" Idealvorstellungen in einem ziemlich scharfen Kontrast steht. Man kann ergo meiner Meinung nach nicht sagen, dass das zur Zeit gültige "deutsche" Klangideal aus der Romantik kommt. Es hängt vielmehr wirklich stark mit Karajan und den Berliner Philharmonikern zusammen - hier pflegten Oboisten wie Lothar Koch und Karl Steins den neuen, stark eingedunkelten Stil, dem witzgerweise die Instrumente der französischen Marke Marigaux besser entsprachen als die Produkte der einheimischen Instrumentenbauer (wobei das inzwischen auch nicht mehr so eindeutig ist, da die deutschen Hersteller nicht komplett geschlafen haben).

Zitat

Und sollte Bach dann eher "französisch" gespielt werden, zumindest, wenn es HIP sein soll?


Wenn es HIP sein soll, sollte Bach auf einer Barockoboe gespielt werden. Und wenn es extrem HIP sein soll, auf der Kopie eines deutschen Instruments (z.b. von Denner). Ob man Bach auf modernen Oboen mit "deutscher" oder "französischer" Klangvorstellung spielt, hat mit HIP nichts zu tun.

Beste Grüße

Bernd

Hudebux

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166

Sonntag, 13. Mai 2012, 17:47

Lieber Bernd,

das ist ja wirklich interessant. Vielen Dank für Deine Ausführungen.
Du schreibst, dass es sich geschichtlich mit der Oboe deutlich komplizierter als mit der Klarinette verhalte. Das mag sein. Andererseits scheint es mir, doch auch wieder einige Parallelen zu geben. Auch hier wurde im 19. Jahrhundert und auch in Frankreich ein neuer Typus eingeführt: Die von Hyacinthe Klosé entwickelte Klarinette mit dem nach dem Querflötenbauer Böhm benannten Griff-System. Sie hat sich wiederum wie die neue französischen Oboe weltweit durchgesetzt. Dies wiederum aber nicht, und bis heute nicht, in Deutschland und Österreich. Und die Wiener haben natürlich auch hier wieder einen kleinen Extraweg. Das Böhm-System ist allgemein leichter zu erlernen. Klanglich ist die Böhmklarinette der deutschen nicht überlegen. Sie unterscheiden sich klanglich, aber das hat nichts mit dem Griffsystem zu tun.

Ich würde mir wünschen, es gäbe auf DVD-Dokumentarfilme, wo die Geschichte von Instrumenten samt ihren klanglichen Modeerscheinungen mit Tonbeispielen erklärt würden. Das wäre sicherlich spannend.

Gruss

Hudebux

Areios

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167

Sonntag, 13. Mai 2012, 18:02

Das deutsche Klangideal ist spätestens seit der Karajan-Ära mit den Attributen warm und dunkel verknüpft, während man in Frankreich ein sehr silbriges Timbre bevorzugt(e).


Geht das mit den deutschen und französischen Klangidealen nicht noch über die Oboen und Klarinetten hinaus bis zu Orgeln und Sängerinnen? :D

Liebe Grüße,
Areios
"Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.

168

Sonntag, 13. Mai 2012, 18:02

Sie hat sich wiederum wie die neue französischen Oboe weltweit durchgesetzt. Dies wiederum aber nicht, und bis heute nicht, in Deutschland und Österreich. Und die Wiener haben natürlich auch hier wieder einen kleinen Extraweg.

Lieber Hudebux,

wenn ich das richtig sehe, ist bei den Oboen Wien wirklich das letzte Reservat des alten "deutschen" Bautypus. Die "Wiener Oboe" geht in ihrer heutigen Form auf die vom Oboisten Joseph Sellner zu Beginn des 19. Jahrhunderts vorgestellten Instrumente zurück. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war das heute als Barockoboe bekannte Instrument weitgehend im Gebrauch, zu Mozarts Zeit schon mit mehr Klappen als zu Bachs Zeit, aber an und für sich das gleiche Instrument. Die in etwa (nicht genau) zeitgleichen Neueuntwicklungen von Triebert in Paris und Sellner in Wien in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts zeitigten dann den prägenden Einschnitt im Oboenbau.
Wie Bernd schon erklärt hat, hat sich die französische Oboe spätestens im 20. jahrhundert weltweit durchgesetzt. In Deutschland war daran angeblich Richard Strauss beteiligt, unter dessen Ägide der Berliner Oboist Fritz Flemming als erster deutscher Orchestermusiker eine französische (Triebert-)Oboe spielte. Die auf Sellner zurückgehende "deutsche Oboe" wird als "Wiener Oboe" in Wien gepflegt wie ein vom Ausstreben bedrohtes Tier. Es gibt eine "Gesellschaft für die Pflege der Wiener Oboe", ein "Journal für die Wiener Oboe" (das man im Unterschied zum Periodikum der IDRS noch online lesen kann) und einen Alexander-Wunderer-Wettbewerb, zu dem nur Musiker mit Wiener Oboe zugelassen sind. Dieser "Wiener Sonderweg" ist aber wirklich nichts anderes mehr als Artenschutz, international hat sich die französische Oboe als Einheitsmodell durchgesetzt.
Meine Frage ist nun: Wie unterscheidet sich die Wiener Oboe klanglich von der "normalen"? Wenn ich das Instrument sehe, erkenne ich den Unterschied, beim Hören allerdings nicht.

Liebe Grüße,
Lars
Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

169

Sonntag, 13. Mai 2012, 18:13

Zitat

Klanglich ist die Böhmklarinette der deutschen nicht überlegen.


Für meine Ohren klingt die deutsche Klarinette dunkler, weicher und damit tendenziell "schöner" als die Böhm-Klarinette.

Zitat

Sie unterscheiden sich klanglich, aber das hat nichts mit dem Griffsystem zu tun.


Doch, das hat schon auch etwas mit dem Griffsystem zu tun, denn die unterschiedlichen Griffe entstehen ja durch ein anderes Tonlochnetz. Und dieses hat einen deutlichen Einfluss auf den Klang.

Im 19. Jahrhundert wurden auch ein paar Oboen mit dem leichter zu greifenden Böhmsystem gebaut, aber diese Instrumente waren wohl klanglich so unbefriedigend, dass es bei wenigen Versuchen geblieben ist.

Zitat

Wie unterscheidet sich die Wiener Oboe klanglich von der "normalen"? Wenn ich das Instrument sehe, erkenne ich den Unterschied, beim Hören allerdings nicht.


Die Wiener Oboe wirkt auf meine Ohren quäkiger, heller und eindimensionaler als eine gut gespielte französische Oboe. Und außerdem wird sie völlig vibratofrei geblasen.

Beste Grüße

Bernd

Hudebux

Mittelalter Neutöner

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170

Montag, 14. Mai 2012, 16:21

Zitat
Sie unterscheiden sich klanglich, aber das hat nichts mit dem Griffsystem zu tun.



Doch, das hat schon auch etwas mit dem Griffsystem zu tun, denn die unterschiedlichen Griffe entstehen ja durch ein anderes Tonlochnetz. Und dieses hat einen deutlichen Einfluss auf den Klang.

Zumindest hat es meines Wissens weniger mit dem Griffsystem als mit der Bohrung, dem Mundstück und der Form der Grifflöcher zu tun. Und die sind über das Griffsystem hinaus traditionell anders bei französichen und deutschen Klarinetten.
Es gibt aber auch Klarinetten mit deutschem Griffsystem aber französischem Klangideal und umgekehrt. Z.B. findet sich beim wohl renommiertesten deutschen Klarinettenbauer Wurlitzer die sogenannte Reform-Böhm-Klarinette mit deutschem Klangideal: "http://www.wurlitzerklarinetten.de/Wurlitzer_Clarinets/Reform-Boehm.html".
(Interessant ist auch ein Blick auf die Liste der Künstler, die Wurlitzer-Klarinetten spielen: "http://www.wurlitzerklarinetten.de/Wurlitzer_Clarinets/Why_Wurlitzer.html" )

Aber bevor das hier doch wieder auch ein Klarinettenthread wird... :hide:

Hudebux

171

Montag, 14. Mai 2012, 16:58

Aber bevor das hier doch wieder auch ein Klarinettenthread wird... :hide:

Ich fände die Idee, zu jedem Instrument des Orchesters (bzw. zu den Instrumenten die die Leute interessiert) einen Thread zu machen, wo Interessierte (wie ich) Fragen stellen können, sich Musiker untereinander austauschen können, etwas über unterschiedliche Bauweisen, Typen etc. erzählt wird, die Geschichte des jeweiligen Instruments...

immerhin hören wir diese Instrumente ja immer, wenn wir Klassik hören, von daher fände ich es doch interessant, mal drüber zu sprechen :)
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172

Donnerstag, 17. Mai 2012, 10:02

Hallo,

Ich bin neu hier im Forum und muss mich gerade entscheiden, ob ich mir ein E-horn, eine d'amore oder eine neue Oboe kaufe.

Ich spiele seit 10 Jahren Oboe und besitze seit nun fast 8 Jahren eine
solide Schüleroboe (damals neu), die jedoch bald eine Generalüberholung bräuchte, da ich viel darauf gespielt habe.

Eine d'amore hätte ich deswegen gerne um sachen wie das
Weihnachtsoratorium mitzuspielen und auch für die beiden Bach
d'amore-Konzerte.
Allerdings ist eine Englischhorn auch verlockend, da es in vielen großen Orchestern gebraucht wird.
Eine neue Oboe hingegen wäre allerdings auch toll, weil diese doch noch
deutlich mehr Möglichkeiten im Klang bieten sollte als meine aktuelle
Oboe.



Im Moment plane ich nicht Musik professionell zu machen und bin eigentlich sehr zufrieden mit meiner Oboe,
allerdings meinte der Oboenbauer meiner Wahl, dass ich Oboistisch wohl am meisten mit einer professionellen Oboe weiterkommen würde,
auch weil ich natürlich nur ein Bruchteil der Zeit die ich auf einer
Oboe spiele auf einem Zweitinstrument (E-horn/d'amore) spielen würde und
es deswegen nicht so sinnvoll sei dort ein Profiinstrument zu haben,

während ich als Hauptinstrument eine Schüleroboe habe.
Meine Lehrerin hingegen sagte, dass ich durchaus mit meiner Oboe weitermachen könnte und eine d'amore eine sinnvolle Ergänzung sei.

Was sagt ihr dazu?

173

Donnerstag, 17. Mai 2012, 20:47

Hallo qwerzt,

willkommen im Forum! Ich gehe gerne näher auf deine Frage ein, aber schreibe doch bitte vorher noch etwas mehr über deine Schüleroboe! Welche Firma hat sie gebaut, und wie ist sie ausgestattet - besitzt sie eine dritte Oktavklappe? Dann kann ich besser einschätzen, ob es sinnvoll ist, zunächst die Oboe auszutauschen oder jetzt schon ein Nebeninstrument anzuschaffen.

Beste Grüße

Bernd

174

Donnerstag, 17. Mai 2012, 21:16

Es ist eine Bulgheroni.
Welches Modell weiß ich gerade nicht, aber sie hat eigentlich alles an Ausstattung was man so braucht bis auf die Bananen-Klappe (hätte ich mal bei der Poulenc-Sonate gebrauchen können).
Ist auch nicht gerade das günstigste Modell, aber halt auch kein Profiinstrument.

175

Freitag, 18. Mai 2012, 08:26

Die Bulgheroni-Oboen, die ich bislang in den Händen hatte, klangen alle recht schön und intonierten ordentlich.

Zitat

Im Moment plane ich nicht Musik professionell zu machen und bin eigentlich sehr zufrieden mit meiner Oboe


Wenn du zufrieden bist, scheint mir eine Neuanschaffung nicht unbedingt geboten. Dass du mit einem anderen Fabrikat in ganz neue Dimensionen vordringen würdest, glaube ich eher nicht (und den "banana key" benötigt eigentlich kein Mensch!).

Der "normale" Weg ist es, nach der Oboe ein Englischhorn anzuschaffen. Es wird nicht nur im Orchester immer wieder gebraucht, sondern du kannst damit auch Kammermusik (Englischhorntrio) spielen. Mit der d´amore kommt man vergleichsweise doch seltener zum Zug - es sei denn, du hättest konkrete Möglichkeiten, immer mal wieder Bach-Kantaten (inclusive WO) zu spielen, im Blick.

Ich rate grundsätzlich davon ab, ein Neuinstrument zu kaufen. Die Entwicklung in der ersten Zeit ist schwer abzuschätzen, und der Wertverlust ist hoch. Auf dem Gebrauchtmarkt tauchen auch immer gute Englischhörner auf; besonders empfehlenswert finde ich die noch in der DDR-Zeit gebauten Instrumente von Mönnig, die man allerdings nicht mit Mönnig-S-Bögen spielen und beurteilen sollte (man braucht einen Lickman- oder notfalls Lorée-S-Bogen). Ich selber spiele ein solches Mönnig-EH und bin richtig begeistert davon.

Eine gute gebrauchte Oboe d´amore zu finden, ist vergleichsweise schwierig, aber auch nicht unmöglich, wenn man immer wieder die Angebote der einschlägigen Händler (Frank und Meyer, Pieger, Henze) durchforstet.

Für das Geld, das du in ein neues EH oder in eine neue d´ amore investieren musst, kannst du dir mit etwas Geduld und Glück beide Nebeninstrumente in gebrauchter Version kaufen!

Beste Grüße

Bernd

176

Freitag, 18. Mai 2012, 14:03

Ich habe noch eine Frage bezüglich der Literatur:
Was gibt es für Englischhörner und d'amoren an Solokonzerten?

Bei der d'amore kenne ich D- und A-Dur Bach und zwei Telemann Konzerte.
Für Englischhorn gibt es glaube ich ein Dittersdorf und ein Fiala Konzert.
Allerdings vermute ich, dass es für Englischhorn noch mehr gibt.

177

Freitag, 18. Mai 2012, 14:57

Spontan fallen mir die beiden EH-Concertinos von Donizetti und Wolf-Ferrari ein. Letzteres ist für mich DAS Englischhornkonzert schlechthin. Außerdem gibt es von Honegger noch das Concerto da camera für Flöte, Englischhorn und Streicher.

Konzerte für Oboe d´amore haben unter anderen noch Graupner und Heinichen geschrieben.

Beste Grüße

Bernd

178

Sonntag, 20. Mai 2012, 20:54

Zum Thema Englischhorn-Repertoire: Von Marie Félicie Clémence de Reiset, Vicomtesse de Grandval, gibt es, wie ich jetzt dank Mozartinaa, die mir die "world premiere" auf CD nach Kriftel mitgebracht hat, mit den "Quatre Morceaux" für E-Horn und Klavier sehr lohnende romantische Literatur! Außerdem hat "Clémence du Grandval", deren Name mir bislang überhaupt nicht geläufig war, wohl Oboenwerke ohne Ende komponiert. Einen kleinen Ausschnitt davon bietet die CD mit Lajos Lencsés:




Das von Lencsés nachträglich anhand des Klavierauszugs instrumentierte Oboenkonzert begeistert mich allerdings weniger; in diesem Werk fehlt es mir an melodischer Überzeugungskraft. Die "Morceaux" machen da schon einen deutlich zwingenderen Eindruck, und wirklich schön finde ich auch die "Romance" für Oboe, Cello und Streicher. Das absolute Highlight dieser CD stellt für mich aber das zweisätzige "Trio de Salon" (wohl ein Frühwerk der Komponistin!) für Oboe, Fagott und Klavier dar. Ansonsten habe ich es nicht so mit "Salonmusik", aber das, was hier vor allem im zweiten Satz an Esprit, Finesse, Clarité und schlagender Melodik geboten wird, ist wirklich erstaunlich. Auch ein Camille Saint-Saens (mit dem Clémence du Grandval befreundet war) hätte sich dieser feinsinnigen Komposition ganz gewiss nicht schämen müssen. Ich werde auf jeden Fall versuchen, an das Notenmaterial zu gelangen!

Beste Grüße

Bernd

179

Montag, 11. Juni 2012, 11:13

Ich habe mir jetzt übrigens eine gebrauchte Oboe d'Amore von Marigaux zugelegt und bin sehr zufrieden damit.
Ich freue mich schon drauf im Sommer ein Solokonzert darauf spielen zu können.

Grüße
qwerzt

Gurnemanz

Hilfsseemann

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180

Montag, 11. Juni 2012, 13:09

Lieber qwerzt, gratuliere! Und viel Freude mit der Liebesoboe! ;+)

:wink:
Es grüßt Gurnemanz

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Jorge Luis Borges

181

Montag, 11. Juni 2012, 21:05

Auch ich gratuliere! Die d´amoren von Marigaux werden zwar nicht so häufig gespielt (bei der d´amore gelten Lorée und inzwischen Mönnig als führend), aber ich habe schon sehr schöne Marigaux-Liebesoboen in der Hand gehabt. Und dass du dir ein gebrauchtes Gerät zugelegt hast, war wirklich sehr gescheit!

Noch ein Tipp am Rande: Bei der d´amore wie auch beim E-Horn hängt erstaunlich viel am S-Bogen. Unter Umständen lohnt es sich, irgendwann mal einen Fachhändler mit einer größeren Auswahl aufzusuchen und diverse S-Bögen auszuprobieren - das Instrument kann durch ein besonders gutes S noch einmal ungeahnte klangliche und intonatorische Verbesserungen erfahren!

Beste Grüße

Bernd

182

Montag, 11. Juni 2012, 21:58

Bei der d'amore war ein S-Bogen, der nicht mit einer Marke graviert ist und einer von Lorée dabei.
Ich finde, dass der von Loree sich etwas besser spielt aber bei gelegenheit werde ich vielleicht auch noch ein paar andere ausprobieren.

Im moment muss ich mich noch etwas an die etwas andere Fingerhaltung gewöhnen.
Gerade die Cis und Es Klappen sind etwas anders als bei meiner Oboe und bewirken eine ungewohnte und anstrengendere Handhaltung, wenn man länger spielt.
Aber ich denke, dass ich mit etwas gewöhnung gut damit zurechtkommen werde.

Grüße
qwerzt

183

Montag, 11. Juni 2012, 22:13

Zitat

Ich finde, dass der von Loree sich etwas besser spielt,,,


Generell sind die Lorée-S-Bögen ziemlich gut und mit vielen anderen Instrumenten kompatibel. Trotzdem staune ich immer wieder über die Varianzen innerhalb dieses S-Bogen-Fabrikats. Ich selber spiele eine Oboe d´amore von Lorée, aber richtig viel Spass macht mir das auf Dauer nur mit einem von sechs in meinem Besitz befindlichen Original-S-Bögen!

Darf ich denn mal naseweis fragen, was du für die Oboe d´amore bezahlt hast (Antwort auch gerne per PN)?

Beste Grüße

Bernd

184

Montag, 11. Juni 2012, 22:42

Leider hab ich aus irgenteinem Grund keine Rechte um auf dein Profil zu gehen oder PNs zu schreiben, sonst würde ich dir gerne antworten.

185

Montag, 11. Juni 2012, 22:51

Wenn du meinen Namen in Verbindung mit unserem gemeinsamen Instrument in eine Suchmaschine eingibst, stößt du sehr schnell auf meine Homepage. Und dort findest du auch eine Möglichkeit, mir privat zu antworten!

Beste Grüße

Bernd

pfuetz

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186

Montag, 11. Juni 2012, 23:01

Leider hab ich aus irgenteinem Grund keine Rechte um auf dein Profil zu gehen oder PNs zu schreiben, sonst würde ich dir gerne antworten.


Für PNs mußt Du erst eine nenneswerte Anzahl Beiträge im Forum verfasst haben...

Liebe Grüße,

Matthias
"Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
"Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
"Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
"Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)

Gurnemanz

Hilfsseemann

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187

Dienstag, 12. Juni 2012, 06:46

eine nenneswerte Anzahl Beiträge
15.

:wink:
Es grüßt Gurnemanz

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Jorge Luis Borges

Mozartinaa

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188

Mittwoch, 13. Juni 2012, 21:17





Ich möchte diese CD stellvertretend für all die vielen Aufnahmen vorstellen, wo Kompositionen für andere Instrumente umgeschrieben werden, wie in diesem Fall für Oboe, Klarinette und Fagott.

Auch wenn mir viele Überarbeitungen sehr gut gefallen,wie z. B. auf dieser CD " Schuberts Trio", und ich eigentlich froh sein müsste, dass meine Vorliebe für die Oboenmusik hinsichtlich der "wenigen "Originalkompositionen zusätzlich gestillt wird, weiss ich nicht, was ich davon halten sollte.

Denn irgendwie kommen mir diese Transkriptionen wie "Plagiate" , wie ein künstliches Produkt eines Originals vor.

Es würde mich sehr interessieren, wie Ihr darüber denkt .

Liebe Grüße

Mozartinaa
" Das Österreichisch klingt wie ein einzig großer Topfenknödel "......Zitat aus der Krimiserie "Bella Block"

189

Mittwoch, 13. Juni 2012, 21:38

Liebe Mozartinaa,

die Variationen über "La ci darem la mano" sind ja im Original für drei Holzbläser (2 Oboen und Englischhorn) geschrieben. Ich finde, wenn man hier die zweite Oboe durch die Klarinette und das Englischhorn durchs Fagott ersetzt, lässt sich das völlig problemlos vertreten.

Bei den Werken, die eigentlich für Streicherbesetzungen gedacht waren, sieht das anders aus. Ich gestehe ja gerne, dass ich auch schon Streicherstücke als Bläserarrangement gespielt habe, so z.b. das "Amerikanische" Streichquartett von Dvorak in einer Quintettbearbeitung. Aber so etwas würde ich nicht öffentlich aufführen, sondern bestenfalls in einem privaten Hauskonzert zu Gehör bringen, da der Streicherklang für meine Begriffe zur Substanz des Werkes gehört.

Insofern begegne ich den Transkriptionen der Beethoven-Serenade und des Schubertschen Streichtrios erst einmal mit gewissen Vorbehalten.

Herzliche Grüße

Bernd

Gurnemanz

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190

Mittwoch, 13. Juni 2012, 21:39

Denn irgendwie kommen mir diese Transkriptionen wie "Plagiate" , wie ein künstliches Produkt eines Originals vor.
Ich glaube, liebe Mozartinaa, das nehmen die Oboisten gern in Kauf, weil sie froh sind, auf diese Weise überhaupt an interessante Literatur zu kommen. Die Bearbeitungen selbst kenne ich leider nicht...

Selbst habe ich z. B. Bearbeitungen von Saint-Saëns-Liedern für Oboe und Klavier, die klingen gar nicht schlecht. Auch an Arien aus Don Giovanni und Figaro habe ich mich schon versucht.

Was unsere Oboenprofis dazu meinen, würde auch mich interessieren...

:wink:

Nachtrag: Aha, einer war schon am Werk. ;+)
Es grüßt Gurnemanz

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Jorge Luis Borges

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Sonntag, 24. Juni 2012, 16:42

Die Zitate stammen aus "Eben verarmt":
Jacques Christian Michel Widerkehr (1759-1823): Sonaten für Oboe und Klavier Nr. 1 - 3 (Bart Schneemann, Oboe; Paolo Giacometti, Pianoforte); Channel Classics

Lieber Gurnemanz,

habe mir deine neue CD bei jpc angehört , da es hier Hörproben gibt.



Ich wollte demnächst im Oboen-Thread fragen, ob es keine Aufnahmen mit "historischen Oboen" gibt. Die Frage hat sich zwar für mich noch nicht ganz erledigt, aber zumindest spielt Bart Schneemann hier auf einer Barock-Oboe.

Danke für den Tipp!

Liebe Grüße

Mozartinaa

Ich wollte demnächst im Oboen-Thread fragen, ob es keine Aufnahmen mit "historischen Oboen" gibt.
Trau Dich doch, liebe Mozartinaa! ;+)

Zitat

Die Frage hat sich zwar für mich noch nicht ganz erledigt, aber zumindest spielt Bart Schneemann hier auf einer Barock-Oboe.
Stimmt, auf einer von Toshi Hasegawa gebauten, Kopie eines ca. 1810 von Johann Heinrich Wilhelm Graner (1764-1813) hergestellten Instruments. Wie man dies bewerten kann, weiß ich nicht. Jedenfalls klingt der Nachbau hell und trompetenhaft.

Beim Tasteninstrument handelt es sich übrigens um ein von Edwin Beunk und Johan Wennink restauriertes Pianoforte von Salvatore Lagrassa (ca. 1815), so die Angaben im Booklet.

A. a. O. gern mehr darüber...

:wink:

Zitat

Stimmt, auf einer von Toshi Hasegawa gebauten, Kopie eines ca. 1810 von Johann Heinrich Wilhelm Graner (1764-1813) hergestellten Instruments.


Das ist dann keine Barockoboe (bzw. deren Kopie), sondern eine "klassische Oboe", auf der man schon bis zum f3 spielen konnte. Diese Instrumente sind auch nicht 415, sondern auf 430 oder 440 hz gestimmt.

Beste Grüße

Bernd
Hab's grad mal ausgetestet: Wenn ich mich nicht grob vertan habe, sind die Instrumente in der Widerkehr-Aufnahme auf ca. 420 Hz gestimmt.

:wink:
Es grüßt Gurnemanz

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-Seguramente. Ya no nos quedan más que citas. La lengua es un sistema de citas.

Jorge Luis Borges

192

Sonntag, 24. Juni 2012, 17:04

Hallo Gurnemanz,

mein Stimmgerät zeigt bei den jpc-Schnipseln ziemlich exakt 430 Hz an.

Beste Grüße

Bernd

Mozartinaa

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193

Sonntag, 24. Juni 2012, 20:01

Permanentatmung

Zitat

Ich bin richtig gut durchgekommen und behaupte jetzt wieder ganz dreist, dass man auch ohne Permanentatmung froh werden kann

Lieber Bernd,

ich erlaube mir dein Zitat aus dem Thread " Konzerte mit eigener Beteiligung" hier her zu holen, weil mich das Phänomen dieser Permanentatmung schon längere Zeit interessiert.

Darf ich zu Beginn, bevor ich meine Fragen stelle, mit einfachen Worten zu erklären versuchen, wie ich mir diese Atemtechnik vorstelle. Ich bitte natürlich um fachmännische Korrektur und Ergänzung.

Wenn ich einen Oboisten beobachte, dann sehe ich mal, dass er durch Einatmen ein großes Luftvolumen aufnimmt. Nach Ansetzen seines Mundstückes, das er luftdicht mit den Lippen umschließt, erzeugt er einen Druck in der Mundhöhle, den man an den aufgeblähten Wangen erkennt und bläst nun die Luft in das Instrument. Um für längere Musikpassagen weiterhin Luft zu bekommen, atmet er nun gleichzeitig über die Nase ein und aus.

Nun zu meinen Fragen.

1. welche Atemtechnik hast du dir angeeignet, wenn du diese Permanentatmung nicht anwendest ? Hoffe, das ist jetzt keine zu indiskrete Frage. Wenn doch, erwarte ich natürlich keine Antwort.

2. Wenn man während des Spielens ohnehin über die Nase ein und ausatmen kann, warum ist dann dennoch das Luftvolumen zeitlich begrenzt und man auch bei einem guten Oboisten merkt, dass er froh ist, endlich wieder einen kräftigen Atemzug durch den Mund nehmen zu können?

Liebe Grüße Mozartinaa
" Das Österreichisch klingt wie ein einzig großer Topfenknödel "......Zitat aus der Krimiserie "Bella Block"

194

Sonntag, 24. Juni 2012, 20:31

Liebe Mozartinaa,

Zitat

Wenn ich einen Oboisten beobachte, dann sehe ich mal, dass er durch Einatmen ein großes Luftvolumen aufnimmt.


Nein, es ist kein großes Luftvolumen, da man ein solches wegen der vergleichweise winzigen Öffnung des Rohres gar nicht benötigt. Ich atme einfach so wie immer ein.


Zitat

Wenn man während des Spielens ohnehin über die Nase ein und ausatmen kann....


Während des Spielens, sprich während der Produktion eines Tones über die Nase ein- und ausatmen kann man nur, wenn man den entsprechenden Trick herausbekommen und danach fleißig trainiert hat. Manche Oboisten beherrschen den Kniff, der größere Teil derjenigen, die unser schönes Instrument spielen, habe den Bogen nicht raus. In meinem Umfeld gibt es etliche studierte Oboisten, die die grundsätzlich permanent atmen können, aber die Technik nie anwenden, weil man es bei ihnen zu sehr hört, sobald sie auf das Hinausstoßen der Luft mit der Wangenmuskulatur umschalten.

Zitat

welche Atemtechnik hast du dir angeeignet, wenn du diese Permanentatmung nicht anwendest ?


Ich atme immer ganz normal, wenn ich gerade nicht in das Instrument hineinpuste -wie alle meine Schüler auch :D . Im Gegensatz zu diesen bin ich aber durch lange Gewohnheit in der Lage, auch sehr, sehr kurze Pausen (gestern z.b. innerhalb einer Sechzehntelkette) zum blitzartigen Atmen zu nutzen.

Herzliche Grüße

Bernd

Gurnemanz

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195

Sonntag, 24. Juni 2012, 20:31

Lieber Bernd,

Mozartinaas Fragen interessieren mich ebenfalls, zumal ich mich mit dem Thema Atemtechnik bislang - nach jetzt zweieinhalb Jahren an der Oboe - noch nicht eingehender beschäftigt habe.

Was die Tonhöhe bei Bart Schneemanns Widerkehr-Aufnahme angeht, so war mein Meßverfahren ziemlich grob: Ich habe mir die Musik auf den Kopfhörer gelegt, mein elektronisches Meßgerät (Korg CA-1 Chromatic) angestellt, den Grundton mitgesungen und das Meßgerät soweit hinuntergestimmt, bis es paßte: Da kamen etwa 420 Hz heraus. Wie könnte ich präziser messen?



:wink:
Es grüßt Gurnemanz

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Jorge Luis Borges

196

Sonntag, 24. Juni 2012, 20:34

Zitat

Ich habe mir die Musik auf den Kopfhörer gelegt, mein elektronisches Meßgerät (Korg CA-1 Chromatic) angestellt, den Grundton mitgesungen und das Meßgerät soweit hinuntergestimmt, bis es paßte: Da kamen etwa 420 Hz heraus. Wie könnte ich präziser messen?


Lieber Gurnemanz, mein Stimmgerät kann man von 430 bis 450 Hz kalibrieren. Deines vermutlich auch, oder?

Herzliche Grüße

Bernd

Gurnemanz

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197

Sonntag, 24. Juni 2012, 20:40

Bei mir sind es 410 - 480 Hz.

:wink:

Wir können diese Spezialfrage auch gern auslagern, da sie nicht nur Oboisten betrifft.
Es grüßt Gurnemanz

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Jorge Luis Borges

Mozartinaa

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198

Sonntag, 24. Juni 2012, 20:45

Während des Spielens, sprich während der Produktion eines Tones über die Nase ein- und ausatmen kann man nur, wenn man den entsprechenden Trick herausbekommen und danach fleißig trainiert hat.

Kannst du mir sagen, ob Albrecht Mayer und Francois Leleux diese Permanentatmung beherrschen? Ich nehme doch an, oder?

Falls es dich und Gurnemanz interessiert und ihr den Link über Alexei Ogrintchouk's Technik noch nicht kennt.

Viel Spass beim Nachmachen.

"http://www.youtube.com/watch?feature=endscreen&NR=1&v=G0KZFnmjq8o"

Mozartinaa
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199

Sonntag, 24. Juni 2012, 20:51

Hallo Gurnemanz,

dass du ein besseres Stimmgerät hast, dachte ich mir schon :D. Kalibriere es einfach mal auf 430 Hz und halte es wähernd des Abspielens der Widerkehr-CD vor den Lautsprecher. Wo befindet sich dann der Zeiger?

Zitat

Kannst du mir sagen, ob Albrecht Mayer und Francois Leleux diese Permanentatmung beherrschen? Ich nehme doch an, oder?


Bei Albrecht Mayer bin ich mir sicher, bei Leleux weiß ich es nicht hundertprozentig, aber gehe schwer davon aus.

Deinen Link schaue ich mir nachher in Ruhe an - jetzt muss ich noch ein paar Röhrchen aufbinden....

Herzliche Grüße

Bernd

Gurnemanz

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200

Sonntag, 24. Juni 2012, 21:06

Kalibiere es einfach mal auf 430 Hz und halte es wähernd des Abspielens der Widerkehr-CD vor den Lautsprecher.
Das werde ich ausprobieren, komme aber heute nicht mehr dazu.

Gerade habe ich meine Frage hier noch einmal gestellt: Tonhöhen messen - aber wie?

Morgen mehr.

:wink:
Es grüßt Gurnemanz

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Jorge Luis Borges

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