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Donnerstag, 26. August 2010, 17:42

Bax, Arnold - der schweigsame Master of the King's Music

Es haben schon drollige Posten im Königreich überlebt: Es gibt einen Poet Laureat, also eine Art Hofdichter (derzeit ist es Carol Ann Duffy, die sich würdig in die Tradition von Dichtergiganten wie Thomas Shadwell, Laurence Eusden und John Masefield einreiht); und natürlich gibt es auch noch konsequenterweise den Master of Queen's (oder King's) Music, also so eine Art Hofkomponist, und auch dieses Amt ist mit Namen wahrer Genies bestückt, man denke nur an Namen wie William Shield, William Cusins oder Walford Davies. Der Himmel weiß, was den anderen Davies, also Peter Maxwell, veranlaßt hat, sich auf die Sache einzulassen. Vielleicht brauchte er das Geld, da er ja als Opfer einer Betrugsaffäre von heute auf morgen ziemlich blank dastand.
Jedenfalls war auch Arnold Bax Master of King's Music, und zwar von 1942 bis 1953, seinem Todesjahr. Irgendein Fluch scheint auf dem Amt zu liegen: Kaum übernimmt es einer, schon fällt ihm nichts mehr ein. Wenn es bei relativ guten Komponisten wie Edward Elgar, Arthur Bliss oder Malcolm Williamson so war und sogar bei einem ziemlich guten wie Peter Maxwell Davies so ist - weshalb sollte es dann im Fall eines Arnold Bax anders sein?


Biografisches
Geboren wird Arnold Bax am 8. November 1883 in Streatham im Süden von London. Seine Familie ist so wohlhabend, daß Bax nie gezwungen ist zu arbeiten oder mit seiner Musik Geld zu verdienen. Er wird an der Royal Academy of Music in Klavier und Komposition ausgebildet. Die Dichtung des Iren William Butler Yeats fasziniert ihn dermaßen, daß er zum Wahliren wird, zumindest geistig. Unter dem Pseudonym Dermot O'Byrne schreibt er einige Novellen, in denen er sein literarisches Talent unter Beweis stellt. 1905 schreibt er seine erste sinfonische Dichtung, natürlich über eine irische Volksheldin, "Cathaleen-ni-Hoolihan" (von Yeats in einem Drama verewigt, das Werner Egk als Vorlage zur "Irischen Legende" diente). Mit "In the Faery Hills" (1909) findet Bax genug Anerkennung, daß er beschließt, ab jetzt Komponist zu sein.

Eine heftige Liebesbeziehung und eine ermüdende Ehe später wird Bax 1937 geadelt, findet eine neue Beziehung und komponiert und komponiert. Dabei merkt er gar nicht, wie ihm seine Inspiration zunehmend abhanden kommt und sich seine Musik bald nur noch in inhaltsleeren Floskeln erschöpft. 1940 zieht er nach Storrington (Sussex), schreibt seine Autobiografie "Farewell, my Youth", wird 1942 zum Master of the King's Music ernannt - und stellt damit seine kompositorische Tätigkeit fast völlig ein. Gerade noch drei Filmmusiken entstehen und zwei konzertante Werke für Klavier und Orchester. Der Tod meint es gut mit Bax: Er stirbt am 7. Oktober 1953 während eines Urlaubs in Cork - und damit in seinem geliebten Irland.

Die Musik
Anfangs schreibt Bax üppige Nachromantik der wabernden Sorte: Weiche Bläsersätze heben sich von einem Hintergrund wuselnder Streicher ab.Werke wie "The Garden of Fand", "November Woods" und vor allem "Tintagel" können als durchaus eindrucksvoll empfunden werden. 1921 schreibt Bax die doppelchörige Motette "Mater ora Filium" und ändert, offenbar nach einer Durchsicht der Partituren von Sibelius und Strawinskij, seinen Stil: Die schwitzenden Klangtapeten werden getrocknet, im Vordergrund gibt es jetzt etwas wie Kontrapunkt, mitunter sogar eine interessante herbe Linienführung. Die Erste Symphonie (1922), aus einem früheren Klavierwerk entstanden, schwitzt zwar wieder zuviel, aber die Deodarant-Verabreichung in den Sinfonien 2 und 3 zeigt Wirkung. Speziell die Dritte (1929) ist für einen britischen Komponisten dieser Zeit erstaunlich nahe an einem expressionistischen Gestus. Die Sinfonien 4, 5 und 6 wiederholen das in 2 und 3 angewandte Vokabular auf der Basis einer leicht modernisierten Romantik. Die Siebente ist dann eigentlich nur noch ein trauriges Kapitel - Sie besteht aus Phrasen und Floskeln, die viel wollen und wenig erreichen.

Dessen ungeachtet wird Bax in Großbritannien als Sinfoniker sehr geschätzt. Seine Sinfonien gelten als wichtigster britischen Sinfonie-Kanon neben dem von Ralph Vaughan Williams, und zeitlebens konnte sich Bax auch nicht über den mangelnden Einsatz prominenter Musiker für seine Werke beklagen.

Doch was bleibt heute von ihm, das die Bekanntschaft lohnt? - "Tintagel" ist ein akzeptables Beispiel üppigster Wagner-Nachfolge und die Zweite und Dritte Symphonie sollte man gehört haben, weil sie gute Beispiele einer britischen symphonischen Tradition sind, in der auch Komponisten wie Moeran, Dyson und Howells auf Wohlwollen trafen, obwohl ihre Sprache im Grunde veraltet war. Interessant sind einige Werke aus Bax' kammermusikalischem Schaffen, das oft originelle, farbintensive Kombinationen nützt, etwa "In memoriam" für Englischhorn, Harfe und Streichquartett, "Fantasy Sonata" für Viola und Harfe und "Threnody and Scherzo" für Fagott, Harfe und Streichsextett. Hier durch die kleinen Besetzungen zu mehr Disziplin gezwungen, ufert Bax auch nicht in jenen Schwulst aus, der Teile seiner Orchestermusik nahezu unerträglich macht.

Arnold Bax ist mit Sicherheit kein Komponist, auf dessen internationale Durchsetzung man pochen sollte. Er ist allerdings eine Spielart der britischen Musik, die für deren wachsende Fangemeinde von Interesse sein mag: Er bietet Nebel, Zwielicht und gälisch intonierende Romantik. Man kann es mögen auch ohne es für bedeutende Musik auszugeben.
:wink:
Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)

2

Donnerstag, 26. August 2010, 18:14

Hallo mal wieder!

Ich freue mich, dass genau die Komponisten, die ich aus dieser Generation schätze, nun mit fetten Einführungsbeiträgen versehen wurden:

1872 – 1958 Ralph Vaughan-Williams
1874 – 1934 Gustav Holst
1876 – 1972 Havergal Brian
1879 – 1941 Frank Bridge
1880 – 1939 John Foulds
1883 – 1953 Arnold Bax

Dass unsere Einschätzungen dann jeweils nicht so harmonieren, belebt zumindest die Diskussion.
;+)

Weniger begeistert haben mich bislang Joseph Holbrooke (1878 – 1958) und Haydn Wood (1882 – 1959), die so klingen, als wären sie ihre eigenen Großväter ...
Cyril Scott (1879 - 1970) kenne ich jetzt nur sehr flüchtig und John Ireland (1879 – 1962) gar nicht, aber ich denke bislang, dass das eigentlich genug Engländer in meiner Sammlung sind (geboren zwischen 1870 und 1890) - ich habe anderswo größere Lücken.
:wink:
Ceterum censeo Regietheatrum esse delendum.

3

Donnerstag, 26. August 2010, 19:08

Lieber Edwin,

nun weiß ich nicht, ob ich ein weing erbost sein soll, dass du mich nicht mal gefragt hast, oder einfach froh, dass du mir die Aufgabe abgenommen hast - ich entscheide mich mal spontan für beides zugleich. ;+)
Tja, der gute alte Arnold Trevor. Mein Avatar. Meine große Liebe, die aus einer anfänglichen Hasseliebe zur echten Liebe geworden ist. Pathetisch formuliert.

Ich habe noch gar nicht die ganze Einleitung gelesen und habe momentan wenig Zeit, selbst wa sinnvolles dazu beizutragen. Nur so viel: bei Bax lohnt sich sowas von die Kammermusik wie ich finde, ganz grandiose Musik.

Er wird von Schlüren nicht umsonst der Druide der Musik genannt.

:wink:
Wulf
Euer Essen stinkt. (calisto)

4

Sonntag, 9. Januar 2011, 18:22

Hallo Edwin,

dieser Thread kam nicht richtig in Fahrt, aber es wundert mich auch nicht. Ich stimme Deiner Schilderung des Komponisten Bax im wesentlichen zu.

Ich bin ja, wie ich schon an anderer Stelle schrieb, im Besitz des "The musical companion" von 1934, einem 751 Seitigen Musikführer, den ich immer gerne gelesen habe. Zur Erheiterung lese ich mal vor, was zu den Komponisten Bruckner und Mahler steht. "... the ästhetic judgement of most serious musicians has decided that his symphonies replete as they are with pedantic technicallys and self concious manners, are in no wise worthy to rank with the great masters" ( Bruckner) und Mahler is "interesting at times but labourisly put together and lacking that vital spark of inspiration".

Viel mehr steht da auch nicht, aber warum soll man über solche schlechten Komponisten auch viele Worte verlieren? Dagegen Arnold Bax: Das ist schon eine ganz andere Hausnummer und mein englischer Führer bespricht ihn relativ ausführlich und weiß ihn nicht genug zu preisen! Zitat: "Arnold Bax is possibly one of the most original composers the world has ever seen. With a perfect command over resources of descrition..." usw. usw. Und die Lobhudelei geht immer weiter "extremely important contributians in the history of symphony" usw.

Also nachdem ich nun gelernt hatte, daß Bruckner und Mahler ziemlich schlechte Komponisten waren und sich dieser englische Führer mit seinem Lob des Arnold Bax gar nicht mehr einkriegte, war ich doch sehr gespannt und habe mir die Sinfonien mit dem Handley mal geholt. Zumal ich das Tintagle mit Boult schon hatte und mir dies doch sehr gut gefiel. Nun die 1. und 3. Sinfonie gefallen mir gar nicht mal schlecht - auch wenn selbst das an die großen Komponisten nicht wirklich heran reicht. Das ist süffig orchestriert und harmonisiert und hat seine Reize. Dann hörte ich in die 2., die 4. und 5 Sinfonie und ich konnte mir nicht helfen - ich fand die Musik einfach nur langweilig. Es fehlen mir einfach die guten musikalischen Themen, die die Musik in Gang bringen - nur Orchestration und nette Harmonien können es nun wirklich nicht sein.

Mein englischer Führer meint allerdings, daß die Sinfonien "full of lovely themes and touches" sind und gerade das kann ich nicht finden - touches mag irgendwie sein aber "themes"? In welche der Sinfonien sollte ich denn vielleicht doch noch mal rein hören?

Gruß Malcolm
Der Hedonismus ist die dümmste aller Weltanschauungen und die klügste aller Maximen.

5

Samstag, 5. März 2011, 23:59

Hallo Malcolm,

Zitat

In welche der Sinfonien sollte ich denn vielleicht doch noch mal rein hören?


ich persönlich liebe die 6. und 7. Sinfonie sehr, bin nicht soooo ein Fan der 3. und 5. Sinfonie, finde die 4.Sinfonie ziemlich interessant und unterbewertet und bin auch ein Freund der 1.und 2. Sinfonie.
Edwins Urteil betreffend der 7.Sinfonie teile ich unter keinen Umständen, ich finde sie abgeklärt, im Aufbau stringenter als die anderen und mit immer noch lohnenden melodischen und harmonischen Einfällen, obwohl Bax sich zu diesem Zeitpunkt angeblich totgeschrieben hatte.

Und es gibt bei Bax eine große Fülle an melodischen Einfällen, sie sind in den Sinfonien aber oft schroff und auch weitscheifig, als Beispiel dafür würde ich mal in die 6.Sinfonie reinhören.

Meine Liebe zu Bax hat sich in den 80er und 90er Jahren über viele Jahre entwickelt, sie kam nicht plötzlich, es war keine Liebe auf den ersten Blick.

Du hast ja geschrieben, daß Du nur reingehört hast.

Vielleicht braucht es einfach etwas Zeit, und ich würde mir auch Zeit mit dem Hören geben und jede Sinfonie erst mal komplett hören.
Und die Dinger auch nicht nacheinander hören, da wird man doch erschlagen.

Also, ich würde raten, sich für jede Sinfonie Zeit zu nehmen, jeder eine Chance geben.

Sie haben es verdient.

:wink:
Michael
"Lassen Sie es nicht so enden. Sagen Sie, dass ich etwas gesagt hätte."
Pancho Villa (1878 - 1923)

6

Sonntag, 6. März 2011, 00:36

Ich muß vielleicht noch ergänzen, daß Bax sich immer in ein einsames schottisches Bahnhofshotel zurückzog, um zu komponieren.
Er hatte oft gar keinen festen Wohnsitz, war immer unterwegs.
Er war sehr von Irland,von Literatur (er war selber ein bekannter Dichter unter dem Namen Dermot O'Byrne) und von Naturgewalten beeinflußt.

Gerade höre ich mir nochmal den 1. Satz der 2.Sinfonie an. Und da ist direkt der beeindruckende Anfang, welcher eine rauhe Stimmung, eine beklemmende Atmosphäre von Kälte vermittelt. Und ich habe den Eindruck, daß schon dort fast alle Mosaiksteinchen, aus denen sich der weitere Verlauf dieses Satzes ergibt, eingearbeitet sind.

Natürlich findet man dort nicht den "big tune" , aber sehr viele großartige Motive, aus welchen sich eine Geschichte entwickelt, eine Reise, auf welche man sich einlassen sollte.

Und es gibt eine Fülle von melodischen Entwicklungen, aber genau so, wie das Wetter umschlägt, Wolken den Himmel verfinstern, Sturm aufkommt etc. , genauso schnell verändern sich diese Entwicklungen und nehmen einen anderen Weg .
Bei Bax gefällt mir vor allem dies, meiner Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.



Der englische Kritiker E.Newman hat mal zu Bax bemerkt, daß er immer eine Geschichte erzählt, nur daß er leider dem Publikum nicht immer mitteilt, was für eine.

Hier gibt es z.B. Bilder von Morar, wohin sich Bax zurückgezogen hat und wo er die Sinfonien Nr.3-7 komponierte.
Nur, um einen Eindruck zu vermitteln, welche Umgebung dieser Komponist benötigte, um seine Inspiration zu finden:

http://www.undiscoveredscotland.co.uk/mo…ands/index.html

Das ist eine ganz andere Umgebung als Toblach, und eine ganz andere Kultur.

Insoferne kann man Bax m.M. nach nicht mit Mahler vergleichen.

Was da in dem alten Konzertführer steht, ist natürlich Unsinn, es ist zu beiden Seiten übertrieben.

Ich verstehe absolut, wenn sich jemand nicht(gleich) für Bax begeistern kann.
Man kann Bax vorwerfen, was man will, aber er hat es seinen Zuhörern nicht gerade leicht gemacht.
Und zu Recht, denn das war seine ganz eigene Welt.


Und da hat er dann doch etwas mit Mahler gemeinsam....



Wie schon gesagt, ich habe Jahre gebraucht, aber dann hat es bei mir "klick" gemacht.

:wink:
Michael

P.S.,
das, was Edwin hier geschrieben habt

Zitat

Arnold Bax ist mit Sicherheit kein Komponist, auf dessen internationale Durchsetzung man pochen sollte. Er ist allerdings eine Spielart der britischen Musik, die für deren wachsende Fangemeinde von Interesse sein mag: Er bietet Nebel, Zwielicht und gälisch intonierende Romantik. Man kann es mögen auch ohne es für bedeutende Musik auszugeben.
ist sehr gut formuliert.
Es ist schwer, etwas dagegenzuhalten.

Aber für mich gilt es nicht, denn Bax springt mich ungemein an.
Und in seinen besten Werken, oder den Werken von Ihm, welche MIR am besten gefallen, gestehe ich Ihm zu, daß er bedeutende Musik komponiert hat.

Es mag vielleicht nicht bedeutende Musik für den kontinentalen Geschmack und seine Tradition sein, aber das ändert für mich nichts an der Tatsache, daß Bax einige bedeutende Musik für SEINEN Kulturkreis komponiert hat.

Und es gibt nicht sehr viele Komponisten mit einer derartig eigenen Klangsprache wie Ihn.

Man kann Ihn sehr leicht durch Hinweise auf Wagner oder Strawinsky fertig machen, man kann, wie Edwin, leider etwas für meinen Geschmack danebenliegen

Zitat

die Zweite und Dritte Symphonie sollte man gehört haben, weil sie gute Beispiele einer britischen symphonischen Tradition sind, in der auch Komponisten wie Moeran, Dyson und Howells auf Wohlwollen trafen, obwohl ihre Sprache im Grunde veraltet war.
, da Bax Tonsprache absolut nicht veraltet war.
Über Moeran, Dyson oder Howells kann man streiten,ich liebe auch diese Komponisten, aber Bax war wesentlich rabiater, eigener ,undurchsichtiger sowie der farbigere Orchestrator.

Bitte, Edwin!
Komm zurück!

Ich würde mich gerne mit Dir darüber unterhalten, warum die Bax 2.und 3. Sinfonie in einer britischen Tradition stehen.
Ist da nicht vielmehr ein viel größerer Einfluß von Sibelius erkennbar?

Du magst ja Recht haben, aber für mich stehen diese Sinfonien erst einmal in einer, wie soll ich sagen, nordischen, skandinavischen Musiktradition.
Und Bax hat etwas ganz eigenes daraus gemacht.

Über eine weiter anregende Diskussion über Bax würde ich mich sehr freuen.

:wink:
Michael
"Lassen Sie es nicht so enden. Sagen Sie, dass ich etwas gesagt hätte."
Pancho Villa (1878 - 1923)

7

Sonntag, 6. März 2011, 02:41

Hallo Malcolm,

nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. Da hat sich eine falsche Erwartungshaltung aufgebaut, die natürlich nicht erfüllt werden konnte. Genährt durch einen nicht seltenen britischen Musikführer, der die seinigen gerne ausführlischst behandelt. Dass Bruckner und Mahler schlecht wegkommen, nun ja. Gegen eine ausführlichere Besprechung gibt es aber nichts einzuwenden.

Bax Symphonien sind sicher sein unzugänglichstes Gelände, wenn es dich interessiert, möchte ich dir gerne die Tondichtungen ans Herz legen, wie z.B. Tintagel (sein berühmtestes Werk), oder The Garden Of Fands etc.

"http://www.youtube.com/watch?v=p6Nzr5-Rquo" Atherton dirigiert Tintagel
"http://www.youtube.com/watch?v=brbqIkh4OX8" Marc Elder über Tintagel

Die anderen Tondichtungen sind auch auf youtube verfügbar.


Ganz anderen, sehr zauberhaften Ton, schlägt Bax in seiner Kammermusik ein, z.B. im Elegiac Trio
"http://www.youtube.com/watch?v=XpKQ4HkpfS4"

Mich hat die Musik Bax`gleich in ihren Bann gezogen, obgleich ich die selben Schwierigkeiten wie Du zunächst hatte. Eine Zeit, bevor ich überhaupt die Tondichtungen oder gar Kammermusik kannte, hatte ich alle Symphonien mehrfach gehört. Stets mit Faszination, aber auch mit einem merkwürdigen Gefühl, ihn immer vergleichen zu müssen, da mir wie Dir Themen fehlten. Sie fehlen aber nicht. Was du meinst, ist die fehlende Einprägsamkeit der Themen, mit denen man sonst so verwöhnt wird. Manches wirkte auf mich ulkig, oder gar hilflos, es dauerte, bis ich merkte, dass es ein spezifisches Idiom ist, das wirklich eine Geschichte erzählen will. Sehr hilfreich dazu sind die Ausführungen Handleys.

Ob seine Smyphonien - insbesondere meine Lieblinge 3,5 und 6 an die "großen Meister" heranreichen, ist eine Frage, die sich nicht so schnell klären lässt. Was einprägsame und dennoch durchgeistigte Themen angeht, sicher nicht. Rhythmisch ist Bax nicht leicht zu nehmen, Handley betont den hohen agogischen Anteil, der intendiert ist und den man setzen sollte, damit manches nicht einförmig wirkt.

Bax war so gefesselt vom Keltentum, dass seine Musik selbst wie ein Druidentrunk klingt. Im Epilog vermag er Stimmungen durhc Orchestration zu evozieren, wie ich es kaum von einem anderen Komponisten kenne.
Ich freue mich, wenn jemand die Musik für sich entdeckt, ob man sie "durchsetzen" sollte, die Frage möchte ich wegen Voreingenommenheit lieber anderen überlassen.


Hi Michael,

vielen vielen Dank für deine tolle Beschreibung. Bis auf unsere unterschiedliche Wertung der 3. gehe ich mit dir absolut konform. :yes:

:wink:
Wulf
Euer Essen stinkt. (calisto)

8

Sonntag, 6. März 2011, 03:48

Zitat

Hi Michael,

vielen vielen Dank für deine tolle Beschreibung. Bis auf unsere unterschiedliche Wertung der 3. gehe ich mit dir absolut konform.


Hi Wulf,
das mit der dritten ist so eine Sache, vielleicht auch Tagesformabhängig oder Einspielungsabhängig.
Unter Barbirolli finde ich die dritte ziemlich gut, das ist eine faszinierende Einspielung, an welche m.M. nach keine andere herankommt, selbst Handley nicht.

Bax ist halt auch ein Komponist, der unbedingt einen adäquaten Interpreten benötigt.
Nun, dies war natürlich vor allem Handley. :juhu:
Und natürlich ist seine späte Gesamtaufnahme, welche bei Chandos endlich zustande kam, ein Geschenk sondergleichen.

Aber in der 3.Sinfonie ist Barbirolli für mich immer noch unübertroffen.

Die einzige für mich wirklich enttäuschende Handley-Aufnahme war die 6.Sinfonie.
Da hatte ich viel mehr erwartet, vielleicht zu viel.

Es ist schade, aber ich muß gestehen, daß mir die del Mar SOWIE die Lloyd-Jones besser gefallen.
Überhaupt ist der Naxos Lloyd-Jones Zyklus keinesfalls zu unterschätzen!


Ein Ranking der Bax-Sinfonien ist für mich eh schwierig, denn jede einzelne hat Ihren ganz eigenen Reiz, auch die dritte!

Ich habe einfach nach vielleicht 20 Jahren Bax-Sinfonien hören mal Fazit getroffen.
Und tatsächlich habe ich mit der 3.Sinfonie die meisten Einspielungen (halt alle) , höre diese aber am allerwenigstens.
Aber warum...dem muß ich selber mal nachgehen.

Ich kann ja versuchen, das nochmal zu ändern, warum nicht, denn es ist eine sehr starke Sinfonie, außer Zweifel.

Kurioserweise zieht es mich immer wieder zum 1.Satz der 7.Sinfonie hin.
Und auch kurioserweise deshalb, weil ich in dieser annerkannt schwächsten Sinfonie von Ihm eine gewisse Brahms-Nähe fühle, gerade im ersten Satz.
Nur fühle, beschreiben kann ich das nicht.

Ich würde die 7. als seine klassischste Sinfonie beschreiben.
Daß sie keine Qualität hat, halte ich für nachgebeteten Humbug.
Sie ist für mich ein wirkliches Alterswerk, abgeklärt und auch dementsprechend für Bax Verhältnisse ruhig und ausgeglichen.

Nun ja, ein Meisterwerk ist sie wohl nicht.
Wenn mich jemand fragt, was meine absolute Lieblingssinfonie von Bax ist, dann ist meine Antwort immer ganz klar:

Die 6.Sinfonie!

Diese Sinfonie ist ein Thriller sondergleichen für mich.
Egal, welchen Satz ich anhöre, ich kann Edwins Verdikt

Zitat

Die Sinfonien 4, 5 und 6 wiederholen das in 2 und 3 angewandte Vokabular auf der Basis einer leicht modernisierten Romantik.
nicht nachvollziehen.

DAS soll eine leicht modernisierte Romantik sein?

Für mich ist das Britischer Expressionissmus pur.

Mir ist wenige Musik bekannt, welche derartig brutal mit Klangfarben(wenn es so richtig kalt wird, dann kann auch eine Klangfarbe brutal sein), bestürzend direkt eingesetzten Klangeffekten, dramatischen Stimmungsumsprüngen und totaler , geradezu manischer Kraft über einen hinwegbricht.

Echt ehrlich, ich übertreibe da nicht.

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Und jetzt möchte ich noch etwas in eigener Sache loswerden:

Manche mögen sich wundern, warum ich jetzt noch um 3:30 schreibe und nicht längst in der Heia bin.

Deshalb möchte ich kurz meinen Arbeitstag von heute offenlegen:

Heute morgen habe ich ein Werk von Berlioz, das Cellokonzert von Elgar mit Geringas als Solisten sowie die 1.Sinfonie von Brahms nicht nur geprobt.
Es war eine sehr lange Generalprobe mit schlußendlichen Komplettdurchläufen.

Nachmittags habe ich mich erholt ( :thumbdown: ging natürlich nicht so richtig, irgendwas ist immer los) und abends eine komplette Aufführung der" Fledermaus" gespielt.

Ende war 22:45, zuhause war ich um 23:30.

Und nun gehe ich auch in's Bett, denn morgen um 18:00 ist das erste von drei Sinfoniekonzerten, von denen dasjenige am Dienstag im WDR übertragen wird.

Wochenende und Karneval sind kein Thema bei mir.

Aber einen irgendwie gearteten Feirabend, auch wenn er dann erst sehr spät ist, den lasse ich mir nicht nehmen.

Ich reagiere damit nur auf Vorwürfe eines bestimmten Users, der sich darüber mokierte, meine Postings wären zwischen 2:00 und 4:00 morgens.

Ich denke, er unterstellt mir Alkoholismus, anders kann ich mir das nicht erkären.

Aber mein Arbeitsrhythmus ist halt so, ich kann es nicht ändern.
Gute Nacht

:wink:
Michael
"Lassen Sie es nicht so enden. Sagen Sie, dass ich etwas gesagt hätte."
Pancho Villa (1878 - 1923)

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