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Liebt Klassik in historischen Aufnahmen. Und liebt Jazz.
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Diese Bemerkung von Algabal löste gestern im ThreadIch weiß ja, dass man gemeinhin etwas spöttisch belächelt wird, wenn man in Sachen Schostakowitsch nicht ausnahmslos Kondrashin oder Roshdestwenski oder mindestens (aber dann schon mit schlimmen Abstrichen) Barshai als in jeder Hinsicht völlig konkurrenzlos betrachtet.
Ich belächele eher Leute, die bei einer solchen Aufzählung der völlig konkurrenzlosen Schostakowitsch-Dirigenten Jewgenij Mrawinsky unerwähnt lassen![]()
Der hat aber IIRC keine Gesamtaufnahme vorgelegt - und meines Wissens auch keine Einspielung der 14. hinterlassen ...
Nein, natürlich nicht. Als Uraufführungsdirigent der 5., 6., 8., 9., 10. und 12. (die Uraufführung der 13. wurde ihm angetragen - er lehnte das Werk aber ab, so dass Kondrashin einsprang) hat Mrawinsky sich im Wesentlichen für die 5., 6., 8., 10. und 12. Sinfonie interessiert (während er die 9. nach der Uraufführung nicht mehr beachtete). Zudem hat er die 7., 11. und 15. Sinfonie dirigiert. Es existieren verschiedene Aufnahmen der 5., 6., 7., 8., 10., 11., 12. und 15. Sinfonie mit Mrawinsky. Also nur eine "halbe" Gesamtaufnahme (8 von 15). Die fehlenden Sinfonien kann man wunderbar ergänzen, indem man sich z.B. die 1. mit Ormandy, die 2. und 3. mit Haitink, die 4. mit Rattle kauft usw. Warum es unbedingt immer eine Gesamtaufnahme sein muss, war mir ohnehin noch nie klar (nicht nur bei den Schostakowitsch-Sinfonien, sondern überhaupt bei jedem Werkzyklus).
Das weiß ich auch nicht, warum das so sein muss. Aber die Zyklen waren hier im Thread jetzt grade mal im Rennen, derowegen bezog ich mich auf ebensolche. Ich kenne nur die 8., 10. und 12. mit Mra. Das ist ganz klar Spitzenklasse - würde ich niemals bestreiten. Und trotzdem ist Slovak bei der 14 einfach richtig supergut!
K. Meyer berichtet in der Biographie von S., dass die Freundschaft zwischen M. und S. Anfang der Sechziger zerbrochen sei, weil M. es abgelehnt habe, die Babi Jar-Sinfonie uraufzuführen. S. habe über ein Jahr lang jedes Zusammentreffen mit M. vermieden. Später sei das Verhältnis besser geworden ("korrekt"), M. habe aber trotzdem keine Gelegenheit mehr gehabt, ein Werk von S. uraufzuführen. M. hat weder die 13. noch die 14. Sinfonie aufgenommen (die 15. aber doch ).
Nachtrag: Jetzt bin ich zu spät. Wobei: Nicht interessiert trifft es dann doch nur höchstens zur Hälfte. Die Ablehnung der Babi Jar-Uraufführung hatte wohl eher politische als musikalische Gründe. Eben deshalb war S., der Opportunismus hasste, ja so böse auf den jahrzehntelangen Freund M.
Dass Mrawinsky es überhaupt gewagt hat, die Neunte uraufzuführen (was nach dieser Uraufführung passierte, dürfte jedem Schostakowitsch-Liebhaber bekannt sein: Schostakowitsch war eine Weile ernsthaft in Lebensgefahr wegen dieses Werks, welches Stalin als eine "Frechheit sondergleichen" empfinden musste), muss man ihm hoch anrechnen. Als Kenner des Systems musste ihm gewahr sein, dass auch er sich damit in Gefahr bringen könnte. Von daher bezweifele ich mal, dass politische Gründe Mrawinsky davon abgehalten haben könnten, die 13. Sinfonie aufzuführen. Er mochte einfach dieses Werk nicht (ich übrigens auch nicht: ich kann diese Sinfonie sogar - ehrlich gesagt - nicht ausstehen. Von daher habe ich vollstes Verständnis für diese Entscheidung Mrawinskys). Was Mrawinsky nicht mochte, dirigierte er eben nicht.
Ob überhaupt "Freundschaft" mit Mrawinsky möglich war? Ich erinnere ein Interview mit Mariss Jansons, welches vor etwa einem Jahr in der Gratis-Zeitschrift "Concerto" abgedruckt wurde. Er berichtete aus seiner Assistentenzeit in Leningrad, dass er einmal mit Swjatoslaw Richter, Schostakowitsch und Rostropowitsch beisammen saß. Es herrschte aufgelockerte Stimmung. Alle waren fröhlich, alle lachten und fühlten sich wohl. Bis Mrawinsky den Raum betrat. Schlagartig trat Stille ein. Niemand wagte mehr ein Wort zu sagen - auch Schostakowitsch nicht. Jeder hatte Angst vor diesem einerseits so überaus genialen, andererseits menschlich so dermaßen problematischen Mann. Das ging bei seinem Orchester so weit, dass - so wird es berichtet - sämtliche Musiker bereits eine geschlagene Stunde vor Probenbeginn mit gestimmten Instrumenten anwesend waren und auf ihn warteten. Weil niemand riskieren wollte, auch nur eine Sekunde zu spät zu kommen.
Nur: welche Interpretationen hat Mrawinsky hinterlassen! Mir sind all diese stories, die um ihn ranken, auch unsympathisch. Klar. Aber welch Ergebnisse sind aus seiner Dirigententätigkeit entstanden! Sein Status als Chefdirigent in Leningrad kann vielleicht nur noch mit Toscanini, Szell und Furtwängler verglichen werden - von letzterem hieß es ja auch, dass sein Orchester (die Berliner Philharmoniker) selbst unter anderen Dirigenten schlagartig um Längen besser spielte, sobald er nur (als neugieriger Zuhörer) den Saal betrat. Und eine ähnliche symbiotische Beziehung dürfte auch zwischen Mrawinsky und den Leningradern bzw. zwischen Toscanini und dem NBC Symphony Orchestra gewachsen sein. Und was Szell für Cleveland bedeutete, hat Christoph von Dohnányi mal mit dem schönen bonmot umschrieben: "Wenn ich mit dem Cleveland Orchestra ein gutes Konzert gegeben habe, bekam Szell die gute Kritik. Wenn ich mit dem Cleveland Orchestra ein schlechtes Konzert gegeben habe, bekam ich die schlechte Kritik".
Dann werfe ich mal M. L. Rostropowitsch ins Spiel: Der hat eine Gesamtaufnahme herausgebracht und, wie ich finde, keine üble. Wie die 14. mit ihm ist, kann ich ad hoc nicht sagen, müßte mal wieder hineinhören.
Ich hatte die 4., 8., 11. und 14 aus dem Rostropowitsch-Zyklus. Inzwischen allesamt wieder vertrickt ...



enseits dieser sowjetischen Uraufführungsdirigenten möchte ich noch ein paar "westliche" Dirigenten nennen, die sich schon sehr früh mit Schostakowitschs Werken befasst haben: allen voran Leopold Stokowski und Eugene Ormandy, die die amerikanischen Erstaufführungen von zahlreichen Schostakowitsch-Sinfonien besorgten. Stokowski dirigierte die USA-Erstaufführung der Sinfonie Nr. 1 mit dem Philadelphia Orchestra am 2. November 1928 und nahm das Werk 1933 für die Schallplatte auf. Die USA-Erstaufführungen der Sinfonie Nr. 3 dirigierte Stokowski am 30. Dezember 1932, der Sinfonie Nr. 6 am 29. November 1940 und der Sinfonie Nr. 11 am 7. April 1958 (das Orchester bei der letztgenannten Erstaufführung war übrigens das Houston Symphony Orchestra).



Zitat von »Algabal« Ich hatte die 4., 8., 11. und 14 aus dem Rostropowitsch-Zyklus. Inzwischen allesamt wieder vertrickt ...
Woraus schließt Du, dass Rostropowitschs Einspielungen nicht so klingen, wie Schostakowitsch sich das vorgestellt hat? Doch sicher nicht nur daraus, dass Algabal seine CDs wieder verkauft hat? Oder anders gefragt: Woher weißt Du, wie die Symphonien "zu klingen haben"?Zitat von »Algabal« Ich hatte die 4., 8., 11. und 14 aus dem Rostropowitsch-Zyklus. Inzwischen allesamt wieder vertrickt ...
Eigendlich seltsam, da Rostropowitsch gut mit Schostakowitsch befreundet war und eigendlich wissen sollte wie die Sinfonien zu klingen haben.
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Zu meinen Lieblingsaufnahmen von Schostakowitschs Sinfonien gehört die von music lover bereits angesprochene Aufnahme der 11. Sinfonie mit Leopold Stokowski und dem Houston Symphony Orchestra:
Am 17. März 1958 dirigierte Leopold Stokowski die 11. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch zum ersten Mal in den USA in einem Konzert in Houston. Etwa einen Monat später entstand diese Aufnahme, die ich sehr packend-energisch und dramatisch gestaltet finde und klanglich ist sie zudem auch sehr gut geraten. Lediglich in leisen Stellen verrät ein leichtes Grundrauschen das Alter der Aufnahme.

Stokowski hatte eben eine besondere Beziehung zur Fünften: sie war seine erklärte Lieblings-Sinfonie Schostakowitschs. Er führte sie erstmals zwei Jahre nach ihrer Fertigstellung am 17. März 1939 in Philadelphia mit "seinem" Philadelphia Orchestra auf. 1959 setzte er sie auf das Programm seiner Konzerttourneen mit dem Gewandhausorchester Leipzig und mit den Berliner Philharmonikern. Er dirigierte sie in jenem Jahr auch mit dem London Symphony Orchestra - also im selben Jahr, in welchem auch Bernstein Triumphe mit diesem Werk im Osten wie im Westen feierte. Stokowski setzte dieses Werk auch auf das Programm seiner triumphalen Rückkehr nach Philadelphia am 12. Februar 1960. 1961 und 1964 war die Fünfte wieder Programmbestandteil seiner Konzerte mit dem London Symphony Orchestra (in London, Edinburgh und Wien sowie auf der ausgedehnten USA-Tournee des London Symphony Orchestra im Herbst 1964, u.a. am 21. Oktober 1964 in New York City). Der Mitschnitt der BBC vom Londoner Konzert dieser 1964er Aufführungsserie lässt jedenfalls bei mir den Mund offenstehen: welch ein Wahnsinn geht da ab. Das ist ein Tondokument, bei welchem deutlich wird, dass ein Dirigent in einem Werk wirklich aufgeht, es verinnerlicht hat und liebt.
Und dann weiterhin die Klangtechnik, die von EMI so groß mit " FULL Dimensional Sound " beschrieben wird. Ich würde den Klang der CD als "historisches Stereo" bezeichnen, der etwas flau auf mich wirkte. Kurz: Ich habe und wollte diese CD nicht behalten.
Interessant natürlich der TIPP mit der Sinfonie Nr.5 unter Stokowsky (seiner Lieblingssinfonie von D.Sch.) ...
Woher weißt Du, wie die Symphonien "zu klingen haben"?
Meine Antwort wird dich auch nicht zufriedenstellen. Das ist mir klar.
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In Ergänzung des Startbeitrags:
Uraufführung op. 35 am 15.10.1933, Leningrad, Philharmonie, Dirigent: F. Stiedry, Solisten: D. Schostakowitsch (Klavier), A. Schmidt (Trompete).
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Ich bin zwar alles andere als ein "Karajan-Experte" und ich kenne von Karajans wenigen Schostakowitsch-Aufnahmen nur den Live-Mitschnitt der 10. Sinfonie aus dem großen Saal des Moskauer Konservatoriums vom 29.05.1969 und nicht die beiden anderen Aufnahmen dieses Werks, die Karajan 1966 und 1981 machte aber ich muss sagen, dass mir diese Aufnahme sehr gut gefällt.
Wenn ich nicht wüßte, dass da die Berliner und Karajan am Werke sind, würde ich denken, dass das eine Aufnahme mit einem russischen Orchester und einem russischen Dirigenten ist. So prägnant, vor allem in den Blechbläsern und dem Schlagzeug habe ich die Berliner mit Karajan ehrlich gesagt noch nie gehört. Von irgendwelchem geglätteten Schönklang, was man ja gerne Karajan vorwirft, ist hier meiner Meinung nach meilenweit nichts zu hören. Das Orchester klingt schön rauh und herb wie es der Musik für mein Empfinden angemessen ist. Nach dem wilden zweiten Satz (Allegro) hört man noch, wie das Publikum in Applaus ausbricht, der dann aber schnell weggeschnitten wurde.
Schostakowitsch war bei diesem Konzert im Konzertsaal anwesend und danach traf er Karajan und das Orchester und er soll sehr beeindruckt und bewegt gewesen sein, was ich beim Anhören gut nachvollziehen kann. Die Anwesenheit des Komponisten scheint sich beflügelnd auf Orchester und Dirigent ausgewirkt haben.
Die Spielzeiten:
1. Satz: 23:13 / 2. Satz: 04:08 / 3. Satz: 12:09 / 4. Satz: 13:51
Einen "Schönheitsfehler" hat diese CD aber doch und zwar ist das die Aufnahme von Bachs 1. Brandenburgischen Konzert, welches man sich hätte sparen können, denn Bach und Karajan passte für meinen Geschmack noch nie zusammen und das hört man leider: dicker, zäher Orchesterklang und fahrige Bläser. Vielleicht hätte man damals irgendwas von Beethoven oder einen anderen Russen, z. B. Borodin oder Tschaikowsky anstatt Bach spielen sollen. Gottseidank war das Orchester nach der Pause bei Schostakowitschs 10. Sinfonie dann voll konzentriert.
Mein Fazit lautet, dass diese Aufnahme in jede gute Schostakowitsch-Sammlung gehört.
Lionel
Noch gibt es keine Gesamteinspielung, sondern erst einzelne Symphonien bei Naxos. Insbesondere die hochinteressanten Nummern IV, VII und XV fehlen noch. Dennoch: hat jemand von Euch sich schon mal mit dein Einspielungen von Vasily Petrenko auseinandergesetzt? Was ich bisher hören konnte, hat mich schon ziemlich begeistert, leider habe ich meinen Stapel noch nicht durch und auch nicht die Vergelichsmöglichkeiten wie Ihr. Gerade deshalb würde mich Eure EInordnung mal interessieren.

maticus
Meine letzte Aufnahme, die erst diesen Monat (Juni 2009) neu dazugekommen war, ist die
).
Damit ist diese ältere Analog-Aufnahme, der sicherlich auch ihre Vorzüge zeigenden DDD-Aufnahme von 1982, klar vorzuziehen.
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War ja harmloser, als was sonst so abgeht !
Ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn ein Moderator den Namen richtig verbessert hätte.
maticus
Nun gut, die Säle der Stuttgarter Liederhalle sind auch von eher herbem Charme
Ohne mich in der Geschichte britischer Orchester gut auszukennen, würde ich mal behaupten wollen, dass V. Petrenko für Liverpool sowas ist, wie es Rattle für Birmingham war.
maticus Ich habe bis jetzt nur Nr. 1 gehört. Sie gehörte für mich immer nur zu meinen mittelmäßigen DSCH-Favoriten (als Erstlingswerk natürlich extrem gut). Aber diese Aufnahme ist echt fantastisch. Noch nie habe ich das Werk als so genial und gleichzeitig "crazy" mit seinen extremen Stimmungs-/Lautstärke- und Tempiwechseln erlebt. Extrem dynamisch! Mitreißend!
Wenn Nachbarn vorhanden sind - müssen die anschliessend an die Wand klopfen (Bei mir zum Glück nicht - sonst wäre inzwischen die Wand zum Nachbarn durchgehauen ...).
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