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music lover

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Freitag, 16. Dezember 2011, 18:32

Dmitri Schostakowitsch und "seine" Dirigenten

Ich weiß ja, dass man gemeinhin etwas spöttisch belächelt wird, wenn man in Sachen Schostakowitsch nicht ausnahmslos Kondrashin oder Roshdestwenski oder mindestens (aber dann schon mit schlimmen Abstrichen) Barshai als in jeder Hinsicht völlig konkurrenzlos betrachtet.
Diese Bemerkung von Algabal löste gestern im Thread
Schon gehört? - Die Capriccio-Kaufberatung
eine kleine Diskussion aus, die sich m.E. in einem eigenen Thread fortzusetzen und zu intensivieren lohnt. Das Diskussionsthema soll sein: gibt es Dirigenten, die besonders wichtig sind für Dmitri Schostakowitschs Opern, Sinfonien, Instrumentalkonzerte und sonstige Orchesterwerke? Welche sich besondere Verdienste erworben haben? Oder die unverzichtbare Aufnahmen vorgelegt haben? Gibt es "den" Schostakowitsch-Dirigenten schlechthin? Wie war das Verhältnis von Dmitri Schostakowitsch, der m.W. selbst nicht dirigiert hat, zu "seinen" Dirigenten? Gab es insoweit bei ihm Vorlieben, Abneigungen, Zerwürfnisse?

Um die hoffentlich Euer Interesse findende Thematik ein wenig weiter aufzubereiten, liste ich mal die Uraufführungsdirigenten von seinen 15 Sinfonien und einigen seiner Instrumentalkonzerte auf:

Sinfonie Nr. 1: Nikolai Malko
Sinfonie Nr. 2: Nikolai Malko
Sinfonie Nr. 3: Alexander Gauk
Sinfonie Nr. 4: Kyrill Kondrashin
Sinfonie Nr. 5: Jewgenij Mrawinsky
Sinfonie Nr. 6: Jewgenij Mrawinsky
Sinfonie Nr. 7: Samuil Samosud
Sinfonie Nr. 8: Jewgenij Mrawinsky
Sinfonie Nr. 9: Jewgenij Mrawinsky
Sinfonie Nr. 10: Jewgenij Mrawinsky
Sinfonie Nr. 11: Natan Rakhlin
Sinfonie Nr. 12: Jewgenij Mrawinsky
Sinfonie Nr. 13: Kyrill Kondrashin
Sinfonie Nr. 14: Rudolf Barshai
Sinfonie Nr. 15: Maxim Schostakowitsch

Klavierkonzert Nr. 2: Nikolai Anosov
Violinkonzert Nr. 1: Jewgenij Mrawinsky
Violinkonzert Nr. 2: Kyrill Kondrashin
Cellokonzert Nr. 1: Jewgenij Mrawinsky
Cellokonzert Nr. 2: Jewgenij Swetlanow

Vom Klavierkonzert Nr. 1 habe ich den Uraufführungsdirigenten leider nicht herausfinden können: Kann jemand von Euch aushelfen?

Jenseits dieser sowjetischen Uraufführungsdirigenten möchte ich noch ein paar "westliche" Dirigenten nennen, die sich schon sehr früh mit Schostakowitschs Werken befasst haben: allen voran Leopold Stokowski und Eugene Ormandy, die die amerikanischen Erstaufführungen von zahlreichen Schostakowitsch-Sinfonien besorgten. Stokowski dirigierte die USA-Erstaufführung der Sinfonie Nr. 1 mit dem Philadelphia Orchestra am 2. November 1928 und nahm das Werk 1933 für die Schallplatte auf. Die USA-Erstaufführungen der Sinfonie Nr. 3 dirigierte Stokowski am 30. Dezember 1932, der Sinfonie Nr. 6 am 29. November 1940 und der Sinfonie Nr. 11 am 7. April 1958 (das Orchester bei der letztgenannten Erstaufführung war übrigens das Houston Symphony Orchestra). Auch Bruno Walter dirigierte bereits sehr früh Schostakowitsch: er leitete die deutsche Erstaufführung der Sinfonie Nr. 1 in Berlin 1927. Ferner ist natürlich Leonard Bernstein zu nennen, der 1959 als erster Amerikaner eine Schostakowitsch-Sinfonie in der UdSSR dirigierte (nämlich die Fünfte in Gegenwart des Komponisten). Schließlich ist Benjamin Britten zu erwähnen, dem die Sinfonie Nr. 14 gewidmet ist und der die Erstaufführung dieses Werks außerhalb der UdSSR beim Aldeburgh-Festival 1970 dirigierte.


Die gestrige Diskussion, die ich oben ansprach, ging übrigens wie folgt weiter (wobei ich die Beiträge ein wenig umsortiert habe, damit Bezugnahmen aufeinander deutlicher werden):
Ich belächele eher Leute, die bei einer solchen Aufzählung der völlig konkurrenzlosen Schostakowitsch-Dirigenten Jewgenij Mrawinsky unerwähnt lassen :-H

Der hat aber IIRC keine Gesamtaufnahme vorgelegt - und meines Wissens auch keine Einspielung der 14. hinterlassen ...

Nein, natürlich nicht. Als Uraufführungsdirigent der 5., 6., 8., 9., 10. und 12. (die Uraufführung der 13. wurde ihm angetragen - er lehnte das Werk aber ab, so dass Kondrashin einsprang) hat Mrawinsky sich im Wesentlichen für die 5., 6., 8., 10. und 12. Sinfonie interessiert (während er die 9. nach der Uraufführung nicht mehr beachtete). Zudem hat er die 7., 11. und 15. Sinfonie dirigiert. Es existieren verschiedene Aufnahmen der 5., 6., 7., 8., 10., 11., 12. und 15. Sinfonie mit Mrawinsky. Also nur eine "halbe" Gesamtaufnahme (8 von 15). Die fehlenden Sinfonien kann man wunderbar ergänzen, indem man sich z.B. die 1. mit Ormandy, die 2. und 3. mit Haitink, die 4. mit Rattle kauft usw. Warum es unbedingt immer eine Gesamtaufnahme sein muss, war mir ohnehin noch nie klar (nicht nur bei den Schostakowitsch-Sinfonien, sondern überhaupt bei jedem Werkzyklus).

Das weiß ich auch nicht, warum das so sein muss. Aber die Zyklen waren hier im Thread jetzt grade mal im Rennen, derowegen bezog ich mich auf ebensolche. Ich kenne nur die 8., 10. und 12. mit Mra. Das ist ganz klar Spitzenklasse - würde ich niemals bestreiten. Und trotzdem ist Slovak bei der 14 einfach richtig supergut!

K. Meyer berichtet in der Biographie von S., dass die Freundschaft zwischen M. und S. Anfang der Sechziger zerbrochen sei, weil M. es abgelehnt habe, die Babi Jar-Sinfonie uraufzuführen. S. habe über ein Jahr lang jedes Zusammentreffen mit M. vermieden. Später sei das Verhältnis besser geworden ("korrekt"), M. habe aber trotzdem keine Gelegenheit mehr gehabt, ein Werk von S. uraufzuführen. M. hat weder die 13. noch die 14. Sinfonie aufgenommen (die 15. aber doch ).

Nachtrag: Jetzt bin ich zu spät. Wobei: Nicht interessiert trifft es dann doch nur höchstens zur Hälfte. Die Ablehnung der Babi Jar-Uraufführung hatte wohl eher politische als musikalische Gründe. Eben deshalb war S., der Opportunismus hasste, ja so böse auf den jahrzehntelangen Freund M.

Dass Mrawinsky es überhaupt gewagt hat, die Neunte uraufzuführen (was nach dieser Uraufführung passierte, dürfte jedem Schostakowitsch-Liebhaber bekannt sein: Schostakowitsch war eine Weile ernsthaft in Lebensgefahr wegen dieses Werks, welches Stalin als eine "Frechheit sondergleichen" empfinden musste), muss man ihm hoch anrechnen. Als Kenner des Systems musste ihm gewahr sein, dass auch er sich damit in Gefahr bringen könnte. Von daher bezweifele ich mal, dass politische Gründe Mrawinsky davon abgehalten haben könnten, die 13. Sinfonie aufzuführen. Er mochte einfach dieses Werk nicht (ich übrigens auch nicht: ich kann diese Sinfonie sogar - ehrlich gesagt - nicht ausstehen. Von daher habe ich vollstes Verständnis für diese Entscheidung Mrawinskys). Was Mrawinsky nicht mochte, dirigierte er eben nicht.

Ob überhaupt "Freundschaft" mit Mrawinsky möglich war? Ich erinnere ein Interview mit Mariss Jansons, welches vor etwa einem Jahr in der Gratis-Zeitschrift "Concerto" abgedruckt wurde. Er berichtete aus seiner Assistentenzeit in Leningrad, dass er einmal mit Swjatoslaw Richter, Schostakowitsch und Rostropowitsch beisammen saß. Es herrschte aufgelockerte Stimmung. Alle waren fröhlich, alle lachten und fühlten sich wohl. Bis Mrawinsky den Raum betrat. Schlagartig trat Stille ein. Niemand wagte mehr ein Wort zu sagen - auch Schostakowitsch nicht. Jeder hatte Angst vor diesem einerseits so überaus genialen, andererseits menschlich so dermaßen problematischen Mann. Das ging bei seinem Orchester so weit, dass - so wird es berichtet - sämtliche Musiker bereits eine geschlagene Stunde vor Probenbeginn mit gestimmten Instrumenten anwesend waren und auf ihn warteten. Weil niemand riskieren wollte, auch nur eine Sekunde zu spät zu kommen.

Nur: welche Interpretationen hat Mrawinsky hinterlassen! Mir sind all diese stories, die um ihn ranken, auch unsympathisch. Klar. Aber welch Ergebnisse sind aus seiner Dirigententätigkeit entstanden! Sein Status als Chefdirigent in Leningrad kann vielleicht nur noch mit Toscanini, Szell und Furtwängler verglichen werden - von letzterem hieß es ja auch, dass sein Orchester (die Berliner Philharmoniker) selbst unter anderen Dirigenten schlagartig um Längen besser spielte, sobald er nur (als neugieriger Zuhörer) den Saal betrat. Und eine ähnliche symbiotische Beziehung dürfte auch zwischen Mrawinsky und den Leningradern bzw. zwischen Toscanini und dem NBC Symphony Orchestra gewachsen sein. Und was Szell für Cleveland bedeutete, hat Christoph von Dohnányi mal mit dem schönen bonmot umschrieben: "Wenn ich mit dem Cleveland Orchestra ein gutes Konzert gegeben habe, bekam Szell die gute Kritik. Wenn ich mit dem Cleveland Orchestra ein schlechtes Konzert gegeben habe, bekam ich die schlechte Kritik".

Dann werfe ich mal M. L. Rostropowitsch ins Spiel: Der hat eine Gesamtaufnahme herausgebracht und, wie ich finde, keine üble. Wie die 14. mit ihm ist, kann ich ad hoc nicht sagen, müßte mal wieder hineinhören.

Ich hatte die 4., 8., 11. und 14 aus dem Rostropowitsch-Zyklus. Inzwischen allesamt wieder vertrickt ...
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(Klaus Tennstedt zum Eton College Choir bei den Proben zu Mahlers Sinfonie Nr. 8)

Gurnemanz

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Samstag, 17. Dezember 2011, 12:01

Zur Zeit sind mir Schostakowitschs Symphonien nicht so nah, was sich sicher irgendwann wieder ändern kann.

Immerhin befinden sich bei mir drei Gesamteinspielungen, die ich allesamt schätze:

Kirill Kondraschin, Moskauer Philharmonisches Orchester, Aulos, aufg. 1962-1975


Gennadi Roschdestwenski, Staatliches Sinfonie-Orchester des Kultusministeriums der UdSSR, Melodia-Eurodisc, aufg. 1983-1986
Einzelaufnahmen, die sehen bei mir alle ungefähr so aus:


Mstislaw Rostropowitsch, National Symphony Orchestra, London Symphony Orchestra, Mitglieder des Akademischen Symphonieorchesters Moskau, Teldec, aufg. 1973 (Nr. 14), 1988-1995


:wink:
Es grüßt Gurnemanz

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-¿Se trata de una cita? -le pregunté.
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Zwielicht

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Samstag, 17. Dezember 2011, 15:47

enseits dieser sowjetischen Uraufführungsdirigenten möchte ich noch ein paar "westliche" Dirigenten nennen, die sich schon sehr früh mit Schostakowitschs Werken befasst haben: allen voran Leopold Stokowski und Eugene Ormandy, die die amerikanischen Erstaufführungen von zahlreichen Schostakowitsch-Sinfonien besorgten. Stokowski dirigierte die USA-Erstaufführung der Sinfonie Nr. 1 mit dem Philadelphia Orchestra am 2. November 1928 und nahm das Werk 1933 für die Schallplatte auf. Die USA-Erstaufführungen der Sinfonie Nr. 3 dirigierte Stokowski am 30. Dezember 1932, der Sinfonie Nr. 6 am 29. November 1940 und der Sinfonie Nr. 11 am 7. April 1958 (das Orchester bei der letztgenannten Erstaufführung war übrigens das Houston Symphony Orchestra).


Eugene Ormandy war m.W. der erste "westliche" Dirigent, der Schostakowitschs Vierte aufgeführt und eingespielt hat: 1963, zwei Jahre nach der Moskauer Uraufführung. Und das ist - soviel ich weiß - für lange Zeit auch die einzige "westliche" Einspielung der vielleicht radikalsten Schostakowitsch-Sinfonie geblieben. Sie überzeugt mich auch heute noch, erreicht nicht Kondrashins Aggresivität und Härte, bleibt dem Stück aber auch nichts schuldig. Wirklich hörenswert!




Viele Grüße

Bernd
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Lionel

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Samstag, 17. Dezember 2011, 17:56

Zu meinen Lieblingsaufnahmen von Schostakowitschs Sinfonien gehört die von music lover bereits angesprochene Aufnahme der 11. Sinfonie mit Leopold Stokowski und dem Houston Symphony Orchestra:



Am 17. März 1958 dirigierte Leopold Stokowski die 11. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch zum ersten Mal in den USA in einem Konzert in Houston. Etwa einen Monat später entstand diese Aufnahme, die ich sehr packend-energisch und dramatisch gestaltet finde und klanglich ist sie zudem auch sehr gut geraten. Lediglich in leisen Stellen verrät ein leichtes Grundrauschen das Alter der Aufnahme.

Dann die Aufnahme der 8. Sinfonie mit den Leningrader Philharmonikern unter der Leitung von Evgeny Mravinsky:



Bei dieser Aufnahme handelt es sich um die Erstaufführung der 8. Sinfonie in Großbritannien und diese entstand am 23.09.1960 in der Royal Festival Hall in London. Man kann fast von einer Art "Uraufführung" sprechen, denn zur damaligen Zeit dürfte den meisten Konzertbesuchern dieses Werk größtenteils noch unbekannt gewesen sein und die spannungsgeladene Stimmung ist in dieser Aufnahme jederzeit spürbar und stellt für mich jede Studioaufnahme dieses Werks in den Schatten. Die Interpretation ist rauh, grob und die Musik klingt brutal und der 3. Satz "Allegro non troppo" wird derartig heruntergefetzt, dass es die wahre Wonne ist. Alle anderen Aufnahmen dagegen klingen für mich nur wie "Kindergeburtstag". Klanglich bietet diese Aufnahme eine gute Stereo-Qualität.

Lionel

5

Samstag, 17. Dezember 2011, 18:48

Ich hätte mich auch gerne noch intensiver an diesem interessanten Thread beteiligt. Jetzt vor Weihnachten fehlt mir aber die zeit von daher nur kurz:

Keine Frage - "die" Dirigenten für Schostakowitsch sind bereits genannt: Kondraschin, Roshdestwensky und Mrawinsky,

dann Barshai, der mit dem Kölner RSO eine preiswerteste und für den Einsteiger wirklich empfehlenswerte rundum zufriedenstellende und gut klingende GA aufgenommen hat.

Zitat von »Algabal« Ich hatte die 4., 8., 11. und 14 aus dem Rostropowitsch-Zyklus. Inzwischen allesamt wieder vertrickt ...

Eigendlich seltsam, da Rostropowitsch gut mit Schostakowitsch befreundet war und eigendlich wissen sollte wie die Sinfonien zu klingen haben. :!: Als Solist bei den Cellokonzerten ist er zumindest erste Wahl !

Ich habe auch mehrere Rostropowitsch - Aufnahmen gehabt. Behalten habe ich nur die Sinfonie Nr.8. Sowohl das Washington SO, wie auch die ausgewalzten langsamen Spielzeiten machen diese Schostakowitsch-Aufnamen nicht gerade interessant. Von daher kann ich Agabals "vertickern" gut nachvollziehen. Edwin hatte mal vor Jahren in TAMINO den Brass-Sound der amerikanischen Orchester bei diesen Aufnahmen bemängelt. Gut, das war ein Kriterium das mich an den Aufnahmen gar nicht mal so gestört hat.
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Gruß aus Bonn

Wolfgang

6

Sonntag, 18. Dezember 2011, 00:03

Zitat von »Algabal« Ich hatte die 4., 8., 11. und 14 aus dem Rostropowitsch-Zyklus. Inzwischen allesamt wieder vertrickt ...

Eigendlich seltsam, da Rostropowitsch gut mit Schostakowitsch befreundet war und eigendlich wissen sollte wie die Sinfonien zu klingen haben.
Woraus schließt Du, dass Rostropowitschs Einspielungen nicht so klingen, wie Schostakowitsch sich das vorgestellt hat? Doch sicher nicht nur daraus, dass Algabal seine CDs wieder verkauft hat? Oder anders gefragt: Woher weißt Du, wie die Symphonien "zu klingen haben"?

Viele Grüße,

Christian

music lover

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7

Sonntag, 18. Dezember 2011, 17:42

Zu meinen Lieblingsaufnahmen von Schostakowitschs Sinfonien gehört die von music lover bereits angesprochene Aufnahme der 11. Sinfonie mit Leopold Stokowski und dem Houston Symphony Orchestra:

Am 17. März 1958 dirigierte Leopold Stokowski die 11. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch zum ersten Mal in den USA in einem Konzert in Houston. Etwa einen Monat später entstand diese Aufnahme, die ich sehr packend-energisch und dramatisch gestaltet finde und klanglich ist sie zudem auch sehr gut geraten. Lediglich in leisen Stellen verrät ein leichtes Grundrauschen das Alter der Aufnahme.

Von dieser Stokowski-Aufnahme wusste ich gar nichts - mir war nur bekannt, dass Stokowski die Sinfonie Nr. 11 mit dem Houston Symphony Orchestra für den Westen quasi "uraufgeführt" hat. Da es, wie ich von Dir erfahre, eine darauf folgende Schallplattenaufnahme mit denselben Beteiligten gibt, muss ich die natürlich haben!

Dies umso mehr, als eine der besten, wirklich absolut besten Schostakowitsch-Einspielungen, die ich überhaupt kenne (ungeachtet der Leistungen von Giganten wie Mrawinsky, Roshdestwenskij, Kondrashin und Bernstein) diese am 17. September 1964 in der Royal Albert Hall mitgeschnittene Aufführung der Fünften mit Stokowski und dem London Symphony Orchestra ist

Das geht so dermaßen ab :juhu: Stokowski hatte eben eine besondere Beziehung zur Fünften: sie war seine erklärte Lieblings-Sinfonie Schostakowitschs. Er führte sie erstmals zwei Jahre nach ihrer Fertigstellung am 17. März 1939 in Philadelphia mit "seinem" Philadelphia Orchestra auf. 1959 setzte er sie auf das Programm seiner Konzerttourneen mit dem Gewandhausorchester Leipzig und mit den Berliner Philharmonikern. Er dirigierte sie in jenem Jahr auch mit dem London Symphony Orchestra - also im selben Jahr, in welchem auch Bernstein Triumphe mit diesem Werk im Osten wie im Westen feierte. Stokowski setzte dieses Werk auch auf das Programm seiner triumphalen Rückkehr nach Philadelphia am 12. Februar 1960. 1961 und 1964 war die Fünfte wieder Programmbestandteil seiner Konzerte mit dem London Symphony Orchestra (in London, Edinburgh und Wien sowie auf der ausgedehnten USA-Tournee des London Symphony Orchestra im Herbst 1964, u.a. am 21. Oktober 1964 in New York City). Der Mitschnitt der BBC vom Londoner Konzert dieser 1964er Aufführungsserie lässt jedenfalls bei mir den Mund offenstehen: welch ein Wahnsinn geht da ab. Das ist ein Tondokument, bei welchem deutlich wird, dass ein Dirigent in einem Werk wirklich aufgeht, es verinnerlicht hat und liebt.
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8

Sonntag, 18. Dezember 2011, 18:45

RE: Schostakowitsch 11

Lieber music lover und Lionell,

ich kann es ja gut nachvollziehen, wenn man zu dieser Stokowsky-Aufnahme der Sinfonie Nr.11 (aus Beitrag 4) seine positiven Erfahrungen und Eindrücke gesammelt haben kann. Vielleicht, wenn man die Sinfonie Nr.11 in dieser Aufnahme kennengelernt hat ?

Bei mir war es genau anders herum:
Ich habe diese EMI-CD auch besessen und war halt nicht so begeistert, weil ich eben durch Kondraschin (bereits zu LP-Zeiten) und Roshdestwensky vorgeprägt war. Diese Stokowsky-Aufnahme hat nun wirklich einen ganz anderen Interpretationsansatz, als die Russen. Ich konnte mit dieser Aufnahme, die für meinen Geschmack einfach fremd klingt, einfach nie warm werden.
:( Und dann weiterhin die Klangtechnik, die von EMI so groß mit " FULL Dimensional Sound " beschrieben wird. Ich würde den Klang der CD als "historisches Stereo" bezeichnen, der etwas flau auf mich wirkte. Kurz: Ich habe und wollte diese CD nicht behalten.

Vielleicht ergeben sich ja bei Dir ganz andere Eindrücke als bei mir. Ich möchte Dir auch nicht davon abraten.
;+) Interessant natürlich der TIPP mit der Sinfonie Nr.5 unter Stokowsky (seiner Lieblingssinfonie von D.Sch.) ...



Bei Roshdestwensky (Eurodisc-CD), den ich ansonsten bei Schostakowitsch aufs höchste schätze, ergibt sich bei der Sinfonie Nr.11 durch das etwas zügellose Drauflospresschen ein etwas undurchsichtige Klangbild. Das ist aber auch das Einzige was ich zu bemängeln hätte.

Da Kondraschin (AULOS/Melodiya) ihm an Emotion und Gestaltungskraft kaum nachsteht (er ist zudem noch zügiger) und sich solche Defizite bei Klangerlebnis nicht ergeben, steht diese bei mir ganz oben auf der Favoritenliste !
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Gruß aus Bonn

Wolfgang

9

Sonntag, 18. Dezember 2011, 19:17


Woher weißt Du, wie die Symphonien "zu klingen haben"?




Hallo Christian,

wenn man deine Frage liest, könnte man zur Feststellung gelangen, dass man sich falsch ausgedrückt hat.


Aber es ist nicht so. Wenn man sich intensiv mit Schostakowitsch beschäftigt hat, und dann auch noch das Glück hatte mit den eindrucksvollsten Aufnahmen von Kondraschin und Swetlanow auf Eurodisc-LP´s mit Schostakowitsch zu beginnen, dann weis man bald "wie die Schostakowitsch-Sinfonien am besten klingen sollten".

Von den Rostropowitsch - Aufnahmen habe ich genau wie Algabal auch mehere besessen (1,5,6,7,10,11,12) und nur die 8 behalten, weil ich damit noch einigermassen klar kam. So aufgedickt und ausgewalzt wie Roshdestwensky die Sinfonien allgemein interpretiert, hat sich der Komponst das nicht vorgestellt.
Klar das jetzt von Dir wieder die Frage kommt: Woher willst Du das wissen ?
Antwort: Ich habe genug darüber gelesen, welche Dirigenten Schostakowitsch bevorzugte. Und ganz anders geantwortet - man hört es ! Die Interpretationen sind ja auch nicht schlecht, aber es bleibt so einiges an Spannung auf der Strecke !
;+) Meine Antwort wird dich auch nicht zufriedenstellen. Das ist mir klar. 8+) Sei es drum !

Die Rostropowitsch-Aufnahmen der VC Nr.1 und 2 mit Venerov (ERATO)/APEX) kommen in der allgemeinen Hörer-Kritik nicht so besonders gut weg. Man liest hier auch einiges von zu aufgedickter Orchesterbegleitung.

Ich finde das Rostropowitsch sich bei diesen VC (genau wie bei den CC) viel besser in die Konzerte einfinden kann. Die Aufnahmen gehören für meinen Geschmack zu den spannensten Aufnahmen der VC, nach Oistrach !
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Gruß aus Bonn

Wolfgang

10

Sonntag, 18. Dezember 2011, 19:18

In Ergänzung des Startbeitrags:

Uraufführung op. 35 am 15.10.1933, Leningrad, Philharmonie, Dirigent: F. Stiedry, Solisten: D. Schostakowitsch (Klavier), A. Schmidt (Trompete).

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Sonntag, 18. Dezember 2011, 19:29

In Ergänzung des Startbeitrags:

Uraufführung op. 35 am 15.10.1933, Leningrad, Philharmonie, Dirigent: F. Stiedry, Solisten: D. Schostakowitsch (Klavier), A. Schmidt (Trompete).

Vielen Dank, lieber Yukon! Ich habe alle mir zur Verfügung stehenden Quellen ausgeschöpft und immer nur die Information erlangt, dass Dmitri Schostakowitsch der Pianist der Urauführung des 1. Klavierkonzerts und Maxim Schostakowitsch der Pianist der Uraufführung des 2. Klavierkonzerts war. Über den Dirigenten war nur etwas beim 2. Klavierkonzert zu erfahren. Vielen, vielen Dank.
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Sonntag, 18. Dezember 2011, 19:46

Lieber music lover und Lionell,

ich kann es ja gut nachvollziehen, wenn man zu dieser Stokowsky-Aufnahme der Sinfonie Nr.11 (aus Beitrag 4) seine positiven Erfahrungen und Eindrücke gesammelt haben kann. Vielleicht, wenn man die Sinfonie Nr.11 in dieser Aufnahme kennengelernt hat ?

Nö.

13

Sonntag, 18. Dezember 2011, 19:46

Live habe ich grandiose DSch-Aufführungen unter Semyon Bychkov und insbesondere unter Juri Temirkanov mit den Petersburger Philharmonikern erleben dürfen. Letzterer ist ja immerhin Nachfolger Mrawinskys und seine Fünfte, die er in Köln dargeboten hat, war schon ein Ereignis. Wenn ich so in seine Cd-Aufnahmen hineinhöre, so hauen mich die Hörschnipsel nicht eben um. Kennt jemand diese Veröffentlichungen näher?

Im Großen und Ganzen bin ich mit Jansons mehr als zufrieden, mehr noch als mit Gergiev. Rostropowitsch finde ich zumindest mit der 7. und mit der 5. allerdings auch überzeugend.

Cheers,

Lavine
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Samstag, 7. Januar 2012, 13:06

Ohne dass ich jetzt eine exakte Quelle angeben kann, es ist mir schlichtweg in Erinnerung geblieben: Herbert von Karajan hat einmal in einem Interview gesagt, dass er zwar nicht komponieren könne, aber würde er komponieren können, klängen seine Werke wie diejenigen von Schostakowitsch. Da dieser Komponist ihm also musikalisch nahe stand, verwundert es ein wenig, dass Karajan (sofern ich jetzt nicht etwas übersehe) nur die Zehnte für die Schallplatte eingespielt hat

Die Aufnahme stammt aus der Berliner Philharmonie und entstand im Februar 1981. Sie ist klanglich exzellent (Digitaltechnik wurde verwendet) und interpretatorisch verdammt gut. Also richtig, richtig, richtig gut. Und das sage ich als jemand, der sonst eher Karajan-skeptisch ist. Um nur ein Beispiel zu nennen: die Holzbläsersoli im Andante des 4. Satzes sind von allen Beteiligten (insbesondere aber vom wirklich überragenden Oboisten!!!) so ausdrucksvoll, so nuanciert, so klangschön, so ergreifend geblasen, wie ich es von keiner anderen Einspielung auch nur annähernd kenne.

Folgende Frage von mir gestern im "Eben gehört"-Thread
Lohnt sich die Anschaffung dieser Live-Aufnahme von 1969 aus Moskau? Um einen Vergleich zur 1981er Aufnahme zu haben?

beantwortete Lionel so interessant und ausführlich, dass ich - wenn ich das darf, Lionel - seine Antwort gern hier in diesen Thread einbauen möchte:

Ich bin zwar alles andere als ein "Karajan-Experte" und ich kenne von Karajans wenigen Schostakowitsch-Aufnahmen nur den Live-Mitschnitt der 10. Sinfonie aus dem großen Saal des Moskauer Konservatoriums vom 29.05.1969 und nicht die beiden anderen Aufnahmen dieses Werks, die Karajan 1966 und 1981 machte aber ich muss sagen, dass mir diese Aufnahme sehr gut gefällt.

Wenn ich nicht wüßte, dass da die Berliner und Karajan am Werke sind, würde ich denken, dass das eine Aufnahme mit einem russischen Orchester und einem russischen Dirigenten ist. So prägnant, vor allem in den Blechbläsern und dem Schlagzeug habe ich die Berliner mit Karajan ehrlich gesagt noch nie gehört. Von irgendwelchem geglätteten Schönklang, was man ja gerne Karajan vorwirft, ist hier meiner Meinung nach meilenweit nichts zu hören. Das Orchester klingt schön rauh und herb wie es der Musik für mein Empfinden angemessen ist. Nach dem wilden zweiten Satz (Allegro) hört man noch, wie das Publikum in Applaus ausbricht, der dann aber schnell weggeschnitten wurde.

Schostakowitsch war bei diesem Konzert im Konzertsaal anwesend und danach traf er Karajan und das Orchester und er soll sehr beeindruckt und bewegt gewesen sein, was ich beim Anhören gut nachvollziehen kann. Die Anwesenheit des Komponisten scheint sich beflügelnd auf Orchester und Dirigent ausgewirkt haben.

Die Spielzeiten:
1. Satz: 23:13 / 2. Satz: 04:08 / 3. Satz: 12:09 / 4. Satz: 13:51

Einen "Schönheitsfehler" hat diese CD aber doch und zwar ist das die Aufnahme von Bachs 1. Brandenburgischen Konzert, welches man sich hätte sparen können, denn Bach und Karajan passte für meinen Geschmack noch nie zusammen und das hört man leider: dicker, zäher Orchesterklang und fahrige Bläser. Vielleicht hätte man damals irgendwas von Beethoven oder einen anderen Russen, z. B. Borodin oder Tschaikowsky anstatt Bach spielen sollen. Gottseidank war das Orchester nach der Pause bei Schostakowitschs 10. Sinfonie dann voll konzentriert.

Mein Fazit lautet, dass diese Aufnahme in jede gute Schostakowitsch-Sammlung gehört.

Lionel
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15

Samstag, 7. Januar 2012, 16:06

Noch gibt es keine Gesamteinspielung, sondern erst einzelne Symphonien bei Naxos. Insbesondere die hochinteressanten Nummern IV, VII und XV fehlen noch. Dennoch: hat jemand von Euch sich schon mal mit dein Einspielungen von Vasily Petrenko auseinandergesetzt? Was ich bisher hören konnte, hat mich schon ziemlich begeistert, leider habe ich meinen Stapel noch nicht durch und auch nicht die Vergelichsmöglichkeiten wie Ihr. Gerade deshalb würde mich Eure EInordnung mal interessieren.
Lucius Travinius Potellus
Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)

16

Samstag, 7. Januar 2012, 16:19

Noch gibt es keine Gesamteinspielung, sondern erst einzelne Symphonien bei Naxos. Insbesondere die hochinteressanten Nummern IV, VII und XV fehlen noch. Dennoch: hat jemand von Euch sich schon mal mit dein Einspielungen von Vasily Petrenko auseinandergesetzt? Was ich bisher hören konnte, hat mich schon ziemlich begeistert, leider habe ich meinen Stapel noch nicht durch und auch nicht die Vergelichsmöglichkeiten wie Ihr. Gerade deshalb würde mich Eure EInordnung mal interessieren.


Ich kenne die 1., 3., 5., 8., 10. und 11. mit Petrenko (die 9. hab ich auch, aber noch nicht gehört) und bin von seinen Lesarten durchweg hingerissen - auch im Vergleich mit den Größen der Schostakowitsch-Exegese. Zur 3. und 10. hab ich mal vor längerer Zeit Ein-Satz-Beurteilungen in Eben gehört abgesondert (hier und hier) und allgemein zu Petrenko als Dirigenten von Schostakowitsch und List an dieser Stelle ebenfalls ein Ein-Satz-Statement.

Und hier jetzt noch ein Ein-Satz-Statement: Das ist ein hoch-interessanter und ganz exzellenter Zyklus, der da bei Naxos entsteht und ich bin ziemlich gespannt auf meine Favoriten, die 4. und die 14. Vasily Petrenko halte für einen überaus bemerkenswertesten Schostakowitsch-Dirigenten - der hat wirklich was zu diesen Werken zu sagen.

Adieu,
Algabal
»Dieser Austausch, den wir hier betreiben, ist nichts anderes als ein soziales Spiel.« (Knulp)

17

Samstag, 7. Januar 2012, 21:47

Kann ich bestätigen. Ich habe 5, 9, 10 und 11. Die 9 ist mir als besonders gut in Erinnerung. Empfehlenswert vom selben Dirigenten und Orchester (Liverpool) ist auch eine Doppel-CD mit dem Opern-Fragment "Die Spieler" von Schostakowitsch und "Rothschilds Geige" von Fleischmann (vervollst. von Sch.).



:wink: maticus

18

Montag, 9. Januar 2012, 11:40

RE: Sinfonie Nr.10 mit Karajan

Lieber Music-Lover,

von der Sinfonie Nr.10 gibt es wahrlich so einige fabelhafte Aufnahmen, die auch den Wahnsinn des 2.Satzes (Lenin) fulminant und angemessen darstellen = Kondraschin, Roshdestwensky, Mrawinsky, Barshai, Ahkenazy - aber auch Karajan gehört dazu.

:thumbup: Die von Dir in Beitrag 14 abgebildete DG-Aufnahme von 1982 ist ein Leckerbissen für jeden Schostakowitsch-Freund, wie für jeden Karajan-Fan !
Im Tamino-Forum wurde neben der Live-Aufnahme von 1961 (die Du auch nennst) aber auch von Karajans ersten Analogaufnahme (DG, 1967) berichtet. Als grosser Schosotakowitsch-Freund hat das mein Interesse derart geweckt und habe mir (obwohl ich mit Schosty allerbestens ausgertüstet bin) diese CD auch noch (für Appel und nen Ei) auch noch bestellt.


Hier mein Beitrag von 2007 zu diesen beiden Karajan-Aufnahmen:

Schostakowitsch 10 mit Karajan in beiden Aufnahmen



Liebe Schostakowitsch - Freunde,

In der Zwischenzeit haben sich von meinem Lieblingskomponisten von der Sinfonie Nr.10 bei mir eine ganze Menge Aufnahmen angesammelt.
Meine Aufnahmen hier in der heutigen Reihenfolge der Gunst:

Kondraschin / Moskauer PH (AULOS/Melodyia, ADD)
Roshdestwensky / Moskauer PH (Eurodisc, 1984, DDD)
Swetlanow / Staatliches SO der UDSSR Moskau (Eurodisc - LP)
Karajan / Berliner PH (DG, 1967, ADD)
Karajan / Berliner PH (DG, 1982, DDD)
Ashkenazy / Royal PO (Decca, 1991, DDD)
Mrawinsky / Lenigrader PH (Erato, 1976, ADD)
Barshai / Kölner RSO (Brillant, DDD)
M.Schostakowitsch / Prager SO (Supraphon, 2005, DDD)



:angel: Meine letzte Aufnahme, die erst diesen Monat (Juni 2009) neu dazugekommen war, ist die
Karajan-Analogaufnahme von DG 1967, die mich sehr beeindruckt hat.
Mir war bisher klar, das Karajan mit seiner 1982er-Aufnahme, die ich seit Jahren habe und gerne höre eine der besten Westaufnahmen des Werkes vorgelegt hat.
Aufgrund von Besprechungen kompetenter Schostakowitsch-Kenner Loge und Thomas Pape im Thread "Lieblingsaufnahmen von Herbert voin Karajan" über Karajan´s 1967er-Aufnahme wurde ich stutzig und habe sie mir Anfang des Monats aus USA bestellt (Die DG-CD aus USA und Made in USA war billiger als hier in Deutschland :faint:).

Ich höre nicht gerne die unschönen Worte von "Karajan und geglättet, poliert und Schönklang" und dieser ganze Blödsinn. Aber die Unmittelbarkeit, die Karajan in seiner weitaus unbekannteren Analalogufnahme von DG 1967 an den Tag legt ist einmalig und fabelhaft; wie er den 2.Satz (Lenin) durchpeitscht ist genial und erinnert an Mrawinsky (dort in desolater Klangtechnik), aber bei Karajan mit einer Präzision und Innenspannung - einfach Klasse.
Karajan war immer Klangtechnisch sehr interessiert und war natürlich nach Einführung der CD darauf bedacht dieses von ihm hochgeschätze Werk auch digital auf CD zu bannen.
In diesem Falle brachte die Neuaufnahme keine Vorteile.
:yes: Damit ist diese ältere Analog-Aufnahme, der sicherlich auch ihre Vorzüge zeigenden DDD-Aufnahme von 1982, klar vorzuziehen.

Die Spielzeiten im Vergleich (die hier aber wenig Aussagekraft haben, denn beide sind höchst angemessen):
DG 1982......DG 1967
22:30..........21:47 1.Satz
04:09..........04:05 2.Satz
11:38..........11:16 3.Satz
13:03..........13:39 4.Satz



DG, 1967, ADD ......................................DG, 1982, DDD
______________

Gruß aus Bonn

Wolfgang

19

Montag, 9. Januar 2012, 11:53

(Lenin)


Nein, Stalin.
»Dieser Austausch, den wir hier betreiben, ist nichts anderes als ein soziales Spiel.« (Knulp)

20

Montag, 9. Januar 2012, 11:57

den 2.Satz (Lenin)
Nicht Stalin?

Viele Grüße,

Christian

Edit: Ich war vier Minuten zu spät...

21

Montag, 9. Januar 2012, 15:35

Gibt es etwa neue Theorien zum Hintergrund des zweiten Satzes, von denen ich nichts mitbekommen habe? ;+)

music lover

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22

Dienstag, 10. Januar 2012, 02:08

teleton hat sich verschrieben - okay? Das wird jedem klar, der ein ganz klein bisschen wohlmeinend ist. Und da sein Beitrag #18 an mich adressiert ist, darf ich vielleicht auch mal sachlich fortfahren:

Lieber Wolfgang, kennst Du eigentlich die Live-Aufnahme der 10. mit Roshdestwensky vom 10. April 1982 aus dieser Box?

Obwohl ich nach zahlreichen Hördurchgängen Karajan mehr und mehr Referenz-Status bei dieser Sinfonie beimesse, begeistert mich Roshs beißende Darbietung doch über die Maßen. Was hältst Du von dieser Aufnahme - die aufnahmetechnisch übrigens gar nicht schlecht ist?
_____________________________________________________________________________
"You are such nice boys, so good, so well behaved. But I want you to sing like football hooligans!"
(Klaus Tennstedt zum Eton College Choir bei den Proben zu Mahlers Sinfonie Nr. 8)

23

Dienstag, 10. Januar 2012, 15:07

Es gibt immer wieder Zeitgenossen, die Ironie anscheinend nicht verstehen. ?( Dann wird es mit Schostakowitsch aber nicht leicht -- okay?

maticus

24

Freitag, 13. Januar 2012, 20:19

RE. Sinfonie Nr.10 mit Roshdestwensky

Ich hatte mich in der Tat in meinem übertragenen Beitrag von 2007 mit dem Namen vertan - Geschichte ! Die Ironie habe ich verstanden. :D War ja harmloser, als was sonst so abgeht !
;+) Ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn ein Moderator den Namen richtig verbessert hätte.


Lieber music-lover,

Du hattest die wirklich gute Karajan-Aufnahme (DG, DDD) angesprochen. Als Vergleich dazu Karajan´s ältere Analogaufnahme, die ich für noch besser halte als die DDD-Aufnahme = dazu Beitrag 18.


:!: Aber wenn wir von den russischen Aufnahmen reden, die alle noch unmittelbarer sind, dann bist Du mit Roshdestwensky natürlich bestens bedient. Auch für die Anderen Russen gilt das:
Swetlanow
habe ich auf Eurodisc-LP,
Mrawinsky
von 1976 in meiner Mrawinsky-Warner-12CD-Box,
Kondraschin
von 1973 auf AULOS.

Ich habe nicht die LIVE-Aufnahme mit Roshdestwensky von 1982 in der Brillant-Box, sondern von allen 15 Sinfonien die
Roshdestwensky-Studioaufnahmen von Melodiya/Eurodisc 1984, DDD in Einzel-CD-Ausgaben, da es die GA bei Eurodisc seinerzeit nicht gab.
:thumbup: Wie dort die Post abgeht und alleine der russische Orchesterklang überzeugt, das geht bei allem Referenzstatus, den Du Karajan mit Recht einräumst noch mal darüber hinaus.
Auch Mrawinsky überzeugt voll - den 2.Satz (Stalin) fetzt er mit den Leningradern in 3:59 ! Ähnlich niederschnetternd wie Kondraschin in 4:07.
Roshdestwensky überzeugt natürlich ebenfalls genauso. Die überbordenenden Fortestellen sind bis auf die Spitze des Machbaren getrieben; bei ihm fallen nur die etwas ausgewalzteren Spielzeiten auf, die dem Werk noch mehr Schwere verleihen 23:13 - 4-15 - 12.56 - 12:36. Sind die in der LIVE-Aufnahme ähnlich ?

Ich finde sie strafferen Interpretationen von Kondraschin 21:25 - 4:07 - 12:04 - 11:24 und Mrawinsky im gleichen Niveau 22:04 - 3:59 - 10:56 - 11:09 für meinen Geschmack noch angemessener für die Sinfonie Nr.10 und die Thematik.
______________

Gruß aus Bonn

Wolfgang

25

Donnerstag, 19. Januar 2012, 16:35

Vasily Petrenko

Ein kleines Schmankerl:

"https://www.youtube.com/watch?v=hjpCHXLwujU"

:wink: maticus

26

Samstag, 21. Januar 2012, 21:09

Da ich heute in einem CD-Laden Vasily Petrenkos Einspielungen auf Naxos von Schostakowitschs Nr. 1 und 3 entdeckte, habe ich gleich zugegriffen.

Ich habe bis jetzt nur Nr. 1 gehört. Sie gehörte für mich immer nur zu meinen mittelmäßigen DSCH-Favoriten (als Erstlingswerk natürlich extrem gut). Aber diese Aufnahme ist echt fantastisch. Noch nie habe ich das Werk als so genial und gleichzeitig "crazy" mit seinen extremen Stimmungs-/Lautstärke- und Tempiwechseln erlebt. Extrem dynamisch! Mitreißend! l-l

:wink: maticus

27

Samstag, 21. Januar 2012, 21:18

Ein überzeugendes Schmankerl. Petrenko hat ja als DSch-Dirigent schon einige Fürsprecher hier.

Aber die Liverpool Philharmonic Hall ist ja schauderhaft häßlich 8o Nun gut, die Säle der Stuttgarter Liederhalle sind auch von eher herbem Charme :S
"Argumente sollten vermieden werden. Sie sind stets vulgär - und mitunter überzeugend." (Oscar Wilde)

28

Samstag, 21. Januar 2012, 23:38

Ohne mich in der Geschichte britischer Orchester gut auszukennen, würde ich mal behaupten wollen, dass V. Petrenko für Liverpool sowas ist, wie es Rattle für Birmingham war.

29

Samstag, 21. Januar 2012, 23:46

Ohne mich in der Geschichte britischer Orchester gut auszukennen, würde ich mal behaupten wollen, dass V. Petrenko für Liverpool sowas ist, wie es Rattle für Birmingham war.


Und hoffentlich bald ein 2. Jansons für Oslo. Deren Zusammenarbeit hat Potenzial, wie ich mich kürzlich überzeugen konnte.
Erstickt bald vor lachen, weil es hier immer so lustig und geistreich zugeht.

30

Samstag, 21. Januar 2012, 23:48

Semyon Bychov

Ich schätze auch Semyon Bychov sehr als Schostakowitsch Dirigent (nicht nur). Geprägt hat mich ein Live Erlebnis in der Hamburger Musikhalle, Bychkov dirigierte den NDR. Die 11. Sinfonie von Schostakowitsch, ein Wahnsinnserlebnis, das sogar die Brüstung des Balkons in starke Vibration versetzte.

Auch seine Einspielungen mit dem WDR sind Spitze. Besonders mag ich seine 11., seine 10., auch die 4. Die 10. von ihm ist schon seit längerem mein Favorit unter all den vielen Aufnahmen; wenn ich mir den youtube Schnipsel

"https://www.youtube.com/watch?v=gFeEQ4ZIShs"

von Rattles Berlinern anschaue, empfinde ich beide auf gleichem (höchsten) Niveau.

:wink: maticus

31

Sonntag, 22. Januar 2012, 11:40

RE: Schostakowitsch Sinfonie Nr.1 mit Petrenko

Ich habe bis jetzt nur Nr. 1 gehört. Sie gehörte für mich immer nur zu meinen mittelmäßigen DSCH-Favoriten (als Erstlingswerk natürlich extrem gut). Aber diese Aufnahme ist echt fantastisch. Noch nie habe ich das Werk als so genial und gleichzeitig "crazy" mit seinen extremen Stimmungs-/Lautstärke- und Tempiwechseln erlebt. Extrem dynamisch! Mitreißend!

Hallo maticus,

die Sinfonie Nr.1 sehe ich überhaupt nicht als mittelmäßiges Erstlingswerk. Sie gehört für mich mit zu den Besten aller 15. Daran hat auch meine Erstaufnahme mit Kondraschin (Eurodisc-LP) ihren Anteil, die bis heute mein Favorit geblieben ist (natürlich heute auf CD = AULOS !)

Kleine Frage zur Ersten: Einige Dirigenten (so leider auch die ansonsten sehr gute Ormandy-Aufnahme (SONY)) liefern die geniale Solo-Paukenstelle im letzten Satz sehr soft mit gebremster Schlagkraft. :thumbup: Nur Kondraschin und Roshdestwensky sind hier "Gänsehaut pur" und lassen es vollkommen überrumpelnd krachen (einfach fantasisch - herrlich !!!), so wie ich es schätze und angemessen finde. Die Schwingungen der Felle muss man hören und spüren !

:D Wenn Nachbarn vorhanden sind - müssen die anschliessend an die Wand klopfen (Bei mir zum Glück nicht - sonst wäre inzwischen die Wand zum Nachbarn durchgehauen ...).

:?: Was macht Petrenko ? Sind das bei ihm "Softpauken" oder liefert er auch den tollen Überumpelungseffekt ?
______________

Gruß aus Bonn

Wolfgang

32

Sonntag, 22. Januar 2012, 11:41

Ich muss zugeben, Bychkov habe ich bisher in anderer Funktion lieben gelernt: als genialen Strauss-Dirigenten. Seine Alpensymphonie ist wie ein altes Bild nach der gelungenen Restaurierung, die Farben klar, die Strukturen deutlich. Ebenso seine Daphne oder seine Metamorphosen, selbst das Heldenleben gewinnt Kontur und zeigt, dass es nicht durchweg schlecht ist...

Damit im Hintergrund, und nach dem, was Ihr gesagt habt, werde ich mir vielleicht auch mal seinen Schostakowitsch anhören.
Lucius Travinius Potellus
Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)

33

Sonntag, 22. Januar 2012, 12:15

Fällt denn Sanderling in diesem sehr interessanten Strang völlig aus?

34

Sonntag, 22. Januar 2012, 13:49

Hallo Teleton,

für mein Gefühl sind die Pauken bei Petrenko genau richtig, klingen hart und laut. In der Tat habe ich befürchtet, dass den Nachbarn das nicht gefällt, denn wenn man die Sinfonie in "normaler" Lautstärke hört, wird es stellenweise doch ziemlich laut. Schostakowitsch und Nachbarn sind unvereinbare Konzepte...

:wink: maticus

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