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1

Sonntag, 23. August 2009, 11:07

MUFFAT, Georg - der Kosmopolit

Geboren 1653 in Megève, Savoyen hatte er als Vater einen Abkommen schottischer Auswanderer, als Mutter eine Französin, er lebte in Paris, studierte bei Lully, jedoch sah sich selbst, als einen Deutschen. Er war auch in Rom, wo er bei Pasquini und Corelli studierte.

Für deutsche Musik war eine Verschmelzung der französischen und der italienischen Musik schon immer bezeichnend. Nun aber nimmt das jemand in die Hände, der diese musikalische Traditionen aus erster Hand erfuhr. Italien und Frankreich verschmelzen in ihm zu einer neuen Musik, die dann für die weiteren Entwicklung deutscher Musik sehr wichtig wird (Fux zum Beispiel hat meines Erachtens viel mit ihm gemeinsam).

Was für mich an ihm interessant ist, dass bei ihm wirklich diese Verschmelzung von Italien und Frankreich in den Vordergrund rückt. Um mich klarer auszudrücken: auch bei Schmelzer oder Biber finden wir Elemente italienischer und französischer Musik miteinander vermengt (so steht zum Beispiel das Lamento (Son. 6) der Rosenkranz-Sonaten eher in der Tradition des Tombeaus, wie in des italienischen Lamentos), aber das Ganze auf einer speziellen deutschen-mitteleuropäischen Grundlage.
Bei Muffat scheint diese Grundlage eher zu fehlen, oder besser: in den Hintergrund gedrängt zu sein.

Ich möchte hier zwei seiner Sammlungen erwähnen, die ich sehr mag:

Sein Orgelmusik in Apparatus musico-organisticus (1690)

es gibt mehrere Aufnahmen, ich kenne (leider*) nur diese, die aber sehr-sehr gut ist:

Es spielt Elisabeth Ullmann an der Eggedacher-Orgel im Stift Zwettl
(* leider, wegen meiner Sammlungswahn)

Seine Sonaten für verschiedene Instrumente in Corellischer Manier, die Sammlung Armonico tributo

Ich habe (nur) zwei Aufnahmen:


Gunar Letzbor und sein Ensemble musiziert, wie immer, fabelhaft!

Und die mit Ensemble 415 unter Chiara Banchini, die auch sehr-sehr gut ist, mehr auf französischer Art gespielt (ich fand kein verlinkbares Bild).

Und diese Platte:

ist auch unbedingt hörenswert! (zwar eine Zusammenstellung aus verschiedenen Sammlungenn, die ich nicht so sehr mag - ich bin für Gesamtaufnahmen; dennoch: diese Einspielung hat mich völlig überzeugt.)

Liebe Grüße
Tamás
:wink:
"Vor dem Essen, nach dem Essen,

Biber hören nicht vergessen!"


Fugato

2

Sonntag, 23. August 2009, 15:24

Guten Tag

Auch Muffat gehört zu meinen Lieblingskomponisten :yes:
Kennen lernte ich ihn vor Jahrzehnten durch Einspielungen mit dem Concentus musicus Wien.
Zwei Konzerte sind jetzt wieder auf dieser



Einspielung von 1966 zu haben.



Sein Orgelmusik in Apparatus musico-organisticus (1690)

es gibt mehrere Aufnahmen, ich kenne (leider*) nur diese, die aber sehr-sehr gut ist:

Es spielt Elisabeth Ullmann an der Eggedacher-Orgel im Stift Zwettl
(* leider, wegen meiner Sammlungswahn)



Als weitere Einspielung sei auf diese Aufnahme



mit dem Organisten Joseph Kelemen hingewisen.
Er schlägt die Freundt-Orgel der Stiftskirche zu Klosterneuburg und die Silbermann Orgel in Ebersmünster/Frankreich.

Zitat

Seine Sonaten für verschiedene Instrumente in Corellischer Manier, die Sammlung Armonico tributo

Ich habe (nur) zwei Aufnahmen:

Und die mit Ensemble 415 unter Chiara Banchini, die auch sehr-sehr gut ist, mehr auf französischer Art gespielt (ich fand kein verlinkbares Bild).



Zu meinst diese CD ?:



Eine schöne, großbesetzte Einspielung mit reichlichen Continuo.

Ebenfalls hörenswert:



Aufnahme der fünf Kammersonaten nach Concerto-grosso-Art / Salzburg 1682 durch das
Ensemble Les Muffatti, der Name ist Programm.

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Deio
" Ein Kluger bemerkt alles, ein Dummer macht über alles eine Bemerkung !"

(Heinrich Heine)

3

Sonntag, 23. August 2009, 15:43

Guten Tag

"Mein Beruf ist weir entfernt vom Lärm der Waffen und der Staatsräsion, die zu derselben ruft.
Ich verstehe was von Noten, Akkorden und Klänge.
Ich übe mich darin, eine liebliche Synphonie zu ersinnen.
Die Noten, die Saiten, die lieblichen Music-Thöne geben mir meine Verrichtungen,
und da ich die Französische Art der Teutschen und Welchen einmenge,
keinen Krieg anstiffte,
sondern vielleicht derer Völker erwünschter Zusammenstimmung den lieben Frieden etwann vorspiele."


schrieb Georg Muffat,

Hören kann man die lieblichen Music-Thöne auch auf dieser hörenswerten Einspielung



mit dem Titel:
"Auserlesene mit Ernst und Lust gemengte Instrumentalmusik"
durch die Holland Baroque Society .

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Deio
" Ein Kluger bemerkt alles, ein Dummer macht über alles eine Bemerkung !"

(Heinrich Heine)

4

Sonntag, 23. August 2009, 16:43

Zitat

Zu meinst diese CD ?:



Eine schöne, großbesetzte Einspielung mit reichlichen Continuo.

Ja, genau die! Wirklich gut, hat mir sehr gut gefallen. Auch ihre Einspielung des Corellischer Opus 6 mag ich sehr - sehr unkonventienell, dennoch nicht aufdringlich, wie sie spielen.

Die Aufnahme von Les Muffati interessiert mich auch, ich mag die Platten vom Label Ramée - immer eine wunderschöne Aufmachung und wunderbare Klangqualität!

...mit der Aufnahme der Holland Baroque Society hab ich auch geliebäugelt (= reingehört, fast schon zur Kasse geschleppt, dann doch nicht. "Staatsraison" siegte.), werd ich auch kaufen, wenn ich mal das Geld habe.

:wink:
"Vor dem Essen, nach dem Essen,

Biber hören nicht vergessen!"


Fugato

5

Montag, 24. August 2009, 07:48

Lieber Deio,

Wie ist das mit Auserlesene ... Instrumentalmusik? Ist die HBS Aufnahme eine Gesamtaufnahme? Sind da nicht 12 Concerti eigentlich? Ich meine mich zu errinern, dass die Sammlung erst später auf 12 erweitert wurde. (Oder verwechsle ich das mit dem Bezug zu Armonico tributo? ... :S ) Weißt du mehr drüber?


(Weist du eigentlich dass dein Nick ungarisch ausgesprochen ("de jó!") so ugf. "Das ist aber gut!" - bedeutet? :D )

LG
Dein in der Liebe zur Barockmusik vollkommen gleichgesinnter Forumsfreund
Tamás
:wink:
"Vor dem Essen, nach dem Essen,

Biber hören nicht vergessen!"


Fugato

6

Dienstag, 25. August 2009, 20:46

Guten Abend

Lieber Deio,

Wie ist das mit Auserlesene ... Instrumentalmusik? Ist die HBS Aufnahme eine Gesamtaufnahme? Sind da nicht 12 Concerti eigentlich? Ich meine mich zu errinern, dass die Sammlung erst später auf 12 erweitert wurde. (Oder verwechsle ich das mit dem Bezug zu Armonico tributo? ... :S ) Weißt du mehr drüber?


Die Sammlung "Außerlesene Instrumental-Music" veröffentlichte Muffat 1701 in Passau im Druck als überarbeitete, erweiterte und besser besorgte Ausgabe seiner Sammlung "Arminico Tributo".
In der "Vorred" schrieb Muffat:

"Demnach habe ich meine zwey Blumen-Band /
oder Florilegia lieblicher Ballet-Stuck /
den Ersten zu Augspurg Anno 1695, den anderen aber zu Passau Anno 1698 in Druck außgeben lassen /
überreiche ich Dir / geneigter Leser /
dies erste Versammlung meiner mit Ernst- und Lustgemengter Instrumental-Concerten von einer außerlesener Harmoni deswegen inititulirt /
weilen sie nicht allein die muntere / und auß dem Lullianischen Brumm geschöpfe Lieblichkeit in den Balet-Arien, unverletzt, sondern auch etliche tieffsinnig außgesuchte Affecten der Italiänischen Manier /
unterschiedlich-schertzige Einfäll der Kunst /
und auff mancherley mit sonderbaren Fleiß eingemischte Abwechslungen deß großen Chors mit den einfach besetzten Terzetl in sich hält.
Welche Concerten werden sie wegen der darunter begriffenen Ballet- und anderen Arien, weder zum Kirchendienst /
noch wegen den clarinnen da und dort bald langsam /
und trauchig / bald lustig / und hurtigeingemengten anderen Concepten /
zum Dantzen taugen /
in dem sie nur zur absonderlichen Erquickung des Gehörs Componirt worden /
vornehmlich unter Belustigung großer Fürsten und Herrn /
zur Unterhaltung vornehmer Gäste /
bey herrlichen Mahlzeit / Serenaden / und Zusammenkunfften
der Music-Liebhaber und Virtuosen am füglichsten können produziert werden."





Zitat

(Weist du eigentlich dass dein Nick ungarisch ausgesprochen ("de jó!") so ugf. "Das ist aber gut!" - bedeutet? :D )


Mein Nickname ist mein Spitzname seit Kindergartenzeiten und eignet sich auch im Computerzeitalter gut als Nickname :)
Das er auf ungarisch "Das ist aber gut !" bedeutet, freut mich ;+)


Zitat

LG
Dein in der Liebe zur Barockmusik vollkommen gleichgesinnter Forumsfreund
Tamás
:wink:


Dank zurück von einem "Nischenhörer" :D

Mein "Non Plus ultra" einer Muffatinterpretation ist die Einspielung der Chaconne G-Dur der Suite No. 5 aus "Amonico Tributo"
auf dieser



Aufnahme mit der musica antiqua Köln

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Deio
" Ein Kluger bemerkt alles, ein Dummer macht über alles eine Bemerkung !"

(Heinrich Heine)

7

Dienstag, 25. August 2009, 21:10

Guten Abend


Die Sammlung "Außerlesene Instrumental-Music" veröffentlichte Muffat 1701 in Passau im Druck als überarbeitete, erweiterte und besser besorgte Ausgabe seiner Sammlung "Arminico Tributo".
In der "Vorred" schrieb Muffat:

"Demnach habe ich meine zwey Blumen-Band /
oder Florilegia lieblicher Ballet-Stuck /
den Ersten zu Augspurg Anno 1695, den anderen aber zu Passau Anno 1698 in Druck außgeben lassen /
überreiche ich Dir / geneigter Leser /
dies erste Versammlung meiner mit Ernst- und Lustgemengter Instrumental-Concerten von einer außerlesener Harmoni deswegen inititulirt /
weilen sie nicht allein die muntere / und auß dem Lullianischen Brumm geschöpfe Lieblichkeit in den Balet-Arien, unverletzt, sondern auch etliche tieffsinnig außgesuchte Affecten der Italiänischen Manier /
unterschiedlich-schertzige Einfäll der Kunst /
und auff mancherley mit sonderbaren Fleiß eingemischte Abwechslungen deß großen Chors mit den einfach besetzten Terzetl in sich hält.
Welche Concerten werden sie wegen der darunter begriffenen Ballet- und anderen Arien, weder zum Kirchendienst /
noch wegen den clarinnen da und dort bald langsam /
und trauchig / bald lustig / und hurtigeingemengten anderen Concepten /
zum Dantzen taugen /
in dem sie nur zur absonderlichen Erquickung des Gehörs Componirt worden /
vornehmlich unter Belustigung großer Fürsten und Herrn /
zur Unterhaltung vornehmer Gäste /
bey herrlichen Mahlzeit / Serenaden / und Zusammenkunfften
der Music-Liebhaber und Virtuosen am füglichsten können produziert werden."


(ich mag Barocksprache.... :rolleyes: Lese auch viel Silesius - vor allem seine Streitschriften)
Im Armonico Tributo sind 5 Sonaten erhalten, die noch nur mit Solo - Tutti - Angaben zu Concerti werden. Die Auserlesenen sind schon ausgeschriebene Concerti - viele ausgaben beinhalten aber 12 davon, bei der Holland Baroque Societí gint's aber nur 7. Sie lassen da einige weg, oder...?

Weißt du vielleicht welche Nummern der Auserlesenen auf Armonico basieren?

Zitat



Dank zurück von einem "Nischenhörer" :D

Mein "Non Plus ultra" einer Muffatinterpretation ist die Einspielung der Chaconne G-Dur der Suite No. 5 aus "Amonico Tributo"
auf dieser



Aufnahme mit der musica antiqua Köln

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz
Die ist wirklich eine Spitzenaufnahme!

Ich mag auch die Platte sehr:



Die Einleitungssonata von Sonata 2 aus Armonico hab ich noch nie so schön gehört, wie auf dieser Platte.

Liebe Grüße
:wink:
"Vor dem Essen, nach dem Essen,

Biber hören nicht vergessen!"


Fugato

8

Mittwoch, 26. August 2009, 09:53

Heute Morgen bekam ich von meinem Vater diese CD-Box mit der Post geschenkt, darauf eine wundervolle Einspielung der Toccaten aus Apparatus musico-organisticus:



Francis Chapelet, René Saorgin, Michel Chapuis und Helmut Winter spielen auf verschiedenen historischen Orgeln.

Die Muffat-Stücke werden von René Saorgin am Orgel von Malaucene (aus 1712) gespielt. Eine beeindruckende Interpretation!
:juhu: :juhu: :juhu:
"Vor dem Essen, nach dem Essen,

Biber hören nicht vergessen!"


Fugato

9

Mittwoch, 26. August 2009, 13:05



Im Armonico Tributo sind 5 Sonaten erhalten, die noch nur mit Solo - Tutti - Angaben zu Concerti werden. Die Auserlesenen sind schon ausgeschriebene Concerti - viele ausgaben beinhalten aber 12 davon, bei der Holland Baroque Societí gint's aber nur 7. Sie lassen da einige weg, oder...?

Weißt du vielleicht welche Nummern der Auserlesenen auf Armonico basieren?
Auf der Seite von Hyperion Records ( http://www.hyperion-records.co.uk ) fand ich die Antwort auf meine Frage. :klatsch:
Im Booklet zur Armonico Tributo-Einspielung von Parley of Instruments lese ich folgendes:

Zitat

Tatsächlich entstanden seine als Armonico Tributo erschienenen fünf Sonaten in Italien,
und infolge von Probeaufführungen in Corellis eigenem Haus sah sich Muffat tief in der
Schuld des italienischen Meisters ob dessen zahlreichen nützlichen Hinweisen in Bezug
auf diesen Stil, „die er mir gnädigerweise übermittelte“.
Der Salzburger Erzbischof starb am 8. Mai 1687, und obwohl Biber und Muffat beide in
den Dienst seines Nachfolgers (Johann Ernst, Graf Thun) übernommen wurden, war
Muffat bald unzufrieden und verabschiedete sich schließlich. 1690 reiste er zur Krönung
von Erzherzog Joseph (dem ältesten Sohn von Kaiser Leopold I.) zum römischen König
nach Augsburg, um dort sein Concerto VIII („Coronatio Augusta“, geschrieben in Salzburg
im Jahr zuvor) aufzuführen, und außerdem überreichte er dem kaiserlichen
Widmungsträger dort persönlich seine Sammlung von zwölf Tokkaten nebst anderen
Orgelwerken (Apparatus musico-organisticus). Später im gleichen Jahr trat er seine letzte
Stellung an, als Kapellmeister am Hof des Bischofs von Passau, Johann Philipp von
Lamberg, in der er bis zu seinem Tod am 23. Februar 1704 verblieb. Während dieser
Passauer Jahre veröffentlichte Muffat fünfzehn Orchestersuiten – Florilegium I (sieben
Suiten, 1695) und Florilegium II (acht Suiten, 1698) – sowie neben seinen zwölf Concerti
grossi (Ausserlesene Instrumental-Musik, 1701) eine Abhandlung zur Generalbasspraxis
(Regulae concentuum partiturae, 1699). Das Vorwort zu dieser letzten Publikation schloss
mit der Ankündigung einer weiteren Sammlung von Orchestersuiten (Florilegium III) –
dieses Werk kam leider nicht mehr zustande.
Die fünf Sonaten des Armonico Tributo wurden 1682 in Salzburg veröffentlicht und sind mit
zwei Violinen, zwei Bratschen und Generalbass besetzt. Auf seine übliche praktische Art
bezeichnete Muffat sie als „Kammersonaten, geeignet für wenige oder viele Instrumente“,
und obwohl die Partitur mit den Buchstaben „T“ und „S“ bezeichnet ist, die auf Tutti bzw.
Solopassagen verweisen, scheinen diese erst nachträglich eingefügt worden zu sein, und
die Musik eignet sich durchaus für Einzelinterpreten. Die vorliegenden Darbietungen
beziehen demzufolge eine scheinbare „Sologruppe“ von zwei Violinen, Cello und
Continuo ein, dazu ein „Tutti“, bestehend aus zwei Bratschen, Bass und Continuo.
Muffat erkundete in späteren Fassungen dieser Stücke offenbar die Möglichkeiten des
Konzertprinzips, denn die meisten Sätze finden sich, wenn auch neu bearbeitet, in seinen
zwölf Concerti grossi wieder. (Die Sonate I kommt im Concerto V vor, die Sonate II im
Concerto IV, die Sonate III im Concerto II, die Sonate IV im Concerto XI und die Sonate V
in den Concerti X und XII.)

[...]

Die Sonate I setzt mit einer zweiteiligen Sonata im italienischen Stil ein – eine Passage
erhabener Harmonik geht in eine üppig ausgearbeitete Fuge über. Es folgen drei Tänze im
französischen Stil, unterbrochen durch kurze Grave-Passagen, wie sie bei Corelli häufig
vorkommen.
Die Sonate II beruht auf einem ähnlichen Muster, das hier jedoch etwas erweitert wird.
Händel muss diese Sonate gekannt haben; er verwendete Melodie und Bass der Aria in
einer Anzahl von Werken, unter anderem in Agrippina, einer Blockflötensonate und zwei
Orgelkonzerten.
Auch die Sonate III kombiniert abstrakte Sätze im italienischen Stil mit französischen
Tänzen – auf ein kurzes einleitendes Grave in Blockakkorden folgt eine locker gefügte,
aber glänzend effektvolle Fuge über drei Subjekte, die in fast allen möglichen
Kombinationen und Umkehrungen erklingen. Von den folgenden Sätzen ist insbesondere
das kurze Adagio vor der Gavotta ob seiner kühnen Harmonik bemerkenswert.
Die Sonate IV beginnt wiederum mit einer zweiteiligen Sonata mit einem „Laufbass“ unter
üppigen Vorhalten der Art, wie sie Corelli bekannt machte. Nach einem lebhaften Balletto
ist ein weiterer Lieblingskunstgriff Corellis zu hören – das Alternieren von Adagio-Passagen
für das gesamte Ensemble mit brillanten Soli für die beiden Violinen und Continuo allein.
Auf ein Menuet und ein kurzes Adagio folgt ein als Aria bezeichneter Presto-Satz, der im
Zweiertakt notiert ist, aber als Gigue in 12/8 gespielt werden soll – eine Notierungskonvention,
die oft von deutschen Klavierkomponisten wie Froberger und Böhm benutzt
wurde.
Die Sonate V unterscheidet sich von der Anlage her insofern von den anderen, als sie
nicht mit einer zweiteiligen Sonata, sondern mit einer ausdrucksvollen Allemanda beginnt.
Eine komplexe Fuge wird danach zwischen zwei Adagios eingebettet, die beide wiederum
einen „Laufbass“ und wunderbare harmonische Vorhalte aufweisen. Die Satzfolge endet
mit einer großartigen Passacaglia, die fünfundzwanzig Variationen über einen gängigen
Generalbass enthält – er ist verwandt mit dem, den Bach in den „Goldberg“-Variationen
benutzt. Muffat war auf diesen Satz offenbar besonders stolz, denn er verwendete ihn am
Schluss seiner zwölf Concerti grossi von 1701 erneut in modernisierter Form.
:wink:
"Vor dem Essen, nach dem Essen,

Biber hören nicht vergessen!"


Fugato

10

Freitag, 28. August 2009, 11:56

Holland Baroque Society

Nun hab ich sie gekauft, die CD mit Muffat-Concerti von HBS. Sie ist wirklich erste Klasse! Schade nur, dass es nur die Concerti 1-7 enthält. Ob wir auf eine Fortsetzung hoffen können, weiß man ja nicht, ich glaube eher nicht (nirgends steht drauf vol.1 oder ähnlich).

Leider gibt's von der "Auserlesenen Instrumentalmusik" nur spärlich Gesamtaufnahmen: meines Wissens gibt es deren nur zwei:


Capella Savaria
Németh Pál

Die CD hab ich, und sie ist sehr gut, vielleicht hier und da ein wenig kühl und steif.
(Bei der Capella Savaria kommt das leider öfters vor.)
(Die Capella Savaria stammt übrigens von Szombathely, wo ich aufgewachsen bin; der Sohn eines Mitglieds war mein bester Freund)


Musica Aeterna Bratislava
Peter Zajicek

Die hab ich nicht, aber schon aus dem Bibliothek ausgeliehen: hat mich ehrlich gesagt nicht überwältigt, doch ist sie keineswegs schlimm - ein bisschen monoton gespielt blieb sie in meinem Gedächtnis.

LG
Tscha
:wink:
"Vor dem Essen, nach dem Essen,

Biber hören nicht vergessen!"


Fugato

11

Freitag, 28. August 2009, 16:38

Mir kam eine (mindestens für mich) interessante Gedanke:

Wir sehen diese alten Komponisten, wie auch Muffat, oft nur eben als Komponisten. Sie waren ja aber auch Musiker: Muffat war ja vor allem auch Organist.

Er kam ja 1678 nach Salzburg und erst 1680 verließ er die Stadt um sich in Rom weiterzubilden. In 1682 war er schon wieder in Salzburg und nahm an den Festlichkeiten zum 1100-jährigen Jubiläum teil. In diesem Jahr sind auch seine Soneten "Armonico Tributo" erschienen.

Biber kam 1670 nach Salzburg: c. 1678 enstanden seine Rosenkranz-Sonaten, zu den Feierlichkeiten 1682 schuf (wahscheinlich) er die große, 53-stimmige Festmesse. Das die zwei Musiker zusammengearbeitet haben liegt ja auf der Hand.

Nun könnte man ohne Weiteres vermuten, dass bei der Uraufführung der Rosenkranz-Sonaten Biber auf der Violine und Muffat an einem Tasteninstrument spielte (dass er in der Continuo-Realisierung bewandert war, wissen wir, weil er ja ein Buch darber verfasst hat) - es ist also garnicht abwegig zu meinen, diese zwei außerordentlichen Musiker haben die Rosenkranz-Sonaten zuerst aufgeführt.
Die Missa Salisburgensis verlangt mindestens zwei Orgeln: 1682 wurden vermutlich aber alle vier des Salzburger Domes benutzt: dass da Muffat mitwirkte liegt also außer jeder Zweifel. Dirigiert wurde wahrscheinlich von Andreas Hofer, ob Biber in dem Continuo saß (in Kremsier spielte er die Gambe und die Violone), oder eine der Violinen kkönnen wir ja auch nicht wissen, doch dass er auch mitgespielt hat dürfte auch nicht bezweifelt werden.

Und: Welchen Einfluss übten die Sonaten des Armonico tributo im Corellischen Manier auf Biber, der sie vielleicht in den Kammern des Erzbischofs sogar gespielt hat?


Irgendwie gefällt mir diese Gedanke: ist es ja nicht der Traum Aller, die von den Rosenkranz-Sonaten beeindruckt sind, sie in der Aufführung von Biber und Muffat selbst zu hören? :rolleyes:

(Wie es scheint haben sich aber diese zwei Musiker letztendlich nicht so gut verstanden zu haben: als Biber die Stelle von Hofer bekam und kapellmeister wurde, verließ Muffat den Hof. Oft werden Biber deshalb starke Ellenbogen nachgesagt: man muss aber auch in Betracht ziehen, dass Biber schon länger im Dienst des Erzbischofs war, als Muffat - er hatte also mehr recht auf den Posten als Muffat (Biber war damals schon Vizekapellmeister, Muffat der Hoforganist: war also Biber untergeordnet) - er musste schon überempfindlich sein, das als Kränkung zu empfinden. Künstler sind aber nunmal oft überempfindlich. :shake: Ob da sich noch etwas im Hintergrund abgespielt hat, worüber wir nichts wissen - möglich, bestätigen kann man das wiederum auch nicht.)

LG
Tamás
:wink:



hoffentlich liest da auch mal jemand mit...
"Vor dem Essen, nach dem Essen,

Biber hören nicht vergessen!"


Fugato

12

Freitag, 28. August 2009, 23:05

Guten Abend

Muffats überliefertes Vokalschaffen ist leider sehr bescheiden, er hinterlies, nach Aussagen seines Amtsnachfolgers B.A. Aufschnaiter, nur drei Messen, ein Offertorium und zwei "Salce Regina"; Muffat soll dies uff seynem Todtenbette bedauert haben. Für die Nachwelt läßt sich nur ein Werk belegen und zwar die "Missa In labore requis", eine Meßkomposition zu 24 Stimmen, unterteilt in zwei Vokal- und drei Instrumentalchöre sowie den Basso continuo. Der Entstehungsanlaß für diese Missa ist nicht bekannt, denkbar wäre das Jubiläum der Gründung des Erzstiftes Salzburg 1682, die Inthronisation von Johann Graf Thun zum Erzbischof von Salzburg 1687 oder die Priesterweihe und Inthronation zu Pfingsten 1690 des Grafen Johann Philipp von Lamberg zum Bischof von Passau.
Die "Missa" ist in ihrer instrumentalen Besetzung, als auch ihrer Konzeption ganz der Salzburger Tradition erwachsen, Muffat war als Salzburger Hoforganist bestens mit dieser Musizierpraxis vertraut.

Eine Einspielung von Muffats Missa in labore requies ist auf dieser



CD mit dem Cantus Cölln und dem Concerto Palatino zu hören.

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Deio
" Ein Kluger bemerkt alles, ein Dummer macht über alles eine Bemerkung !"

(Heinrich Heine)

13

Samstag, 29. August 2009, 07:39

Ja, ich kenne die CD auch, und sie ist fantastisch!

Da hätt ich mal eine provokante Frage:

Die Missa Salisburgensis wird ja allgemein Biber zugeschrieben mit der Begründung, dass wenn sie von Hofer wäre, wäre sein Name sicherlich genannt worden.

Die Möglichkeit, dass die Missa Salisburgensis vielleicht eine gemaischaftsarbeit mehrerer Komponisten (Hofer, Biber, Muffat, sogar vielleicht auch Weichlein?), jetzt mal ausgeklammert: wäre es nicht möglich (obwohl meinen lieben Biber dieses fantastische Werk nicht gerne abspreche) dass es sich dabei um einer der verlorenen Messen Muffats handelt?

Er war ja 1682 schon in Salzburg, genug talentiert war er ja: man könnte sogar damit argumentieren, die Messe sei dann sein "Dank" für die Möglichkeit der römischen Lehrejahre gewesen.

Möglich wär's.... ?(

(Ich bin eigentlich eher für Biber, weil ich in der 6. Sonate der Sonatae tam aris eine Stelle begegnet bin, die mir eine Stelle im Gloria der Messe vorwegzunehmen schein. Ich hab die Notenmaterial dazu nicht gesehen, so weiß ich nicht, ob das stimmt, oder nicht - das Gefühl hab ich aber immer, wenn ich die 6. Sonate höre.)

LG
Tamás
:wink:
"Vor dem Essen, nach dem Essen,

Biber hören nicht vergessen!"


Fugato

14

Samstag, 29. August 2009, 15:42


Die Möglichkeit, dass die Missa Salisburgensis vielleicht eine Gemeinschaftsarbeit mehrerer Komponisten (Hofer, Biber, Muffat, sogar vielleicht auch Weichlein?), jetzt mal ausgeklammert: wäre es nicht möglich (obwohl meinen lieben Biber dieses fantastische Werk nicht gerne abspreche) dass es sich dabei um einer der verlorenen Messen Muffats handelt?

Das hatte ich auch schon gedacht, aber das scheint niemand ernsthaft in Erwägung zu ziehen ...

15

Samstag, 29. August 2009, 16:56


Die Möglichkeit, dass die Missa Salisburgensis vielleicht eine Gemeinschaftsarbeit mehrerer Komponisten (Hofer, Biber, Muffat, sogar vielleicht auch Weichlein?), jetzt mal ausgeklammert: wäre es nicht möglich (obwohl meinen lieben Biber dieses fantastische Werk nicht gerne abspreche) dass es sich dabei um einer der verlorenen Messen Muffats handelt?

Das hatte ich auch schon gedacht, aber das scheint niemand ernsthaft in Erwägung zu ziehen ...
Möglich, dass gerade nur, weil Muffat ja weniger wegen seiner geistlichen Musik berühmt geworden ist (Biber ist ja uch erst dann ins Blickfeld geraten, als seine Messen (vor allem die Requiem) wieder ins Hand genommen wurden). Auch Musikwissenschaftler haben Vorurteile (sogar relativ oft!).
"Vor dem Essen, nach dem Essen,

Biber hören nicht vergessen!"


Fugato

16

Samstag, 29. August 2009, 18:45

Auch Musikwissenschaftler haben Vorurteile (sogar relativ oft!).


Die Grafiker, die Plattenhüllen entwerfen, oder die Produzenten, die ihnen Vorgaben machen, auch: Mehr als einmal habe ich es erlebt, daß Muffatts Name auf der Vorderseite fehlt, oder ohne ersichtlichen Grund kleiner geschrieben wird, wenn seine Werke mit denen Bibers auf einer CD erscheinen. Beispiele:


17

Samstag, 29. August 2009, 19:32

Die Junhänel-Platte ist sogar ein Extrem-Beispiel dafür:
neben einer weniger anspruchsvollen kaum zwanzigminütigen Litania von Biber ist ja auf der Platte die einzig überlieferte große Messe Muffats! Man dächte schon da wäre der Name des Letzteren wichtiger! :cursing:
"Vor dem Essen, nach dem Essen,

Biber hören nicht vergessen!"


Fugato

18

Dienstag, 8. September 2009, 14:56

RE: RE: Georg Muffat - der Kosmopolit

Guten Tag

Auch Muffat gehört zu meinen Lieblingskomponisten :yes:
Sein Orgelmusik in Apparatus musico-organisticus (1690)

es gibt mehrere Aufnahmen, ich kenne (leider*) nur diese, die aber sehr-sehr gut ist:

Es spielt Elisabeth Ullmann an der Eggedacher-Orgel im Stift Zwettl
(* leider, wegen meiner Sammlungswahn)

Als weitere Einspielung sei auf diese Aufnahme



mit dem Organisten Joseph Kelemen hingewisen.
Er schlägt die Freundt-Orgel der Stiftskirche zu Klosterneuburg und die Silbermann Orgel in Ebersmünster/Frankreich.


Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Deio

Heute morgen hab auch ich die Kelemen-Einspielung erworben: :faint: :faint:

Wirklich sehr-sehr gut! Spektakulär und abwechslungsreich registriert, schön interpretiert, mit wunderbarer Soundqualität! :klatsch:

Unbedingt zu empfehlen!

Liebe Grüße

Tamás

:wink:
"Vor dem Essen, nach dem Essen,

Biber hören nicht vergessen!"


Fugato

19

Sonntag, 21. November 2010, 16:53

RE: RE: RE: Georg Muffat - der Kosmopolit

Guten Tag

Auch Muffat gehört zu meinen Lieblingskomponisten :yes:
Sein Orgelmusik in Apparatus musico-organisticus (1690)

es gibt mehrere Aufnahmen, ich kenne (leider*) nur diese, die aber sehr-sehr gut ist:

Es spielt Elisabeth Ullmann an der Eggedacher-Orgel im Stift Zwettl
(* leider, wegen meiner Sammlungswahn)

Als weitere Einspielung sei auf diese Aufnahme



mit dem Organisten Joseph Kelemen hingewisen.
Er schlägt die Freundt-Orgel der Stiftskirche zu Klosterneuburg und die Silbermann Orgel in Ebersmünster/Frankreich.


Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Deio

Heute morgen hab auch ich die Kelemen-Einspielung erworben: :faint: :faint:

Wirklich sehr-sehr gut! Spektakulär und abwechslungsreich registriert, schön interpretiert, mit wunderbarer Soundqualität! :klatsch:

Unbedingt zu empfehlen!

Liebe Grüße

Tamás

:wink:


Zeitgenössisch galt Muffat ja durchaus insbesondere auch als Orgelvirtuose. Hinterlassen hat er eine IMO gewichtige Sammlung von 12 großen Toccaten, einer Ciacona, einer Passacaglia und einem Nova Cyclopeias harmonica tituliertem Schlußstück, die er 1690 unter dem schönen Titel Apparatus musico-organisticus herausgab. Insbesondere die Toccaten stehen in der süddeutschen, via Froberger an Frescobaldi orientierten, Tradition: Häufiger Wechsel von virtuosen Läufen, akkordischen und dann wieder fugierenden Passagen sowie sparsame Verwendung des Pedals, das oftmals nur einen ruhenden Orgelpunkt zu spielen hat und auch ganz weggelassen werden kann.

Die Werke, insbesondere die zwölf Toccaten, sind höchst abwechslungsreich, sehr dynamisch und expressiv.
Sicherlich hat Muffat mit dem Apparatus musico-organisticus soetwas wie das verbindliche Monument süddeutscher Orgelmusikkust geschaffen.

Ich habe Einspielungen des Apparatus mit Hans Christoph Becker-Foss :



und Martin Haselböck:



wobei ich die zupackendere Interpretation von Becker-Foss meist vorziehe.

Adieu,
Algabal
»Dieser Austausch, den wir hier betreiben, ist nichts anderes als ein soziales Spiel.« (Knulp)

20

Montag, 22. November 2010, 11:38

wobei ich die zupackendere Interpretation von Becker-Foss meist vorziehe.

Die gefällt mir auch sehr gut, obwohl etwas zu sehr nach Oberstimme registriert, was die Durchhörbarkeit der kontrapunktischen Abschnitte negativ beeinträchtigt.

Für mich ist die von Joseph Kelemen, die Referenzeinspielung.

Die von Haselböck möchte ich irgendwann noch kennen lernen.


LG
Tamás
:wink:
"Vor dem Essen, nach dem Essen,

Biber hören nicht vergessen!"


Fugato

21

Montag, 22. November 2010, 11:42


Für mich ist die von Joseph Kelemen, die Referenzeinspielung.


Muss ich mir jetzt Kelemann auch noch kaufen ? :(

Adieu,
Algabal
»Dieser Austausch, den wir hier betreiben, ist nichts anderes als ein soziales Spiel.« (Knulp)

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