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Amfortas09

Mißtöner

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1

Mittwoch, 26. August 2009, 18:02

Pfitzners Musik – Noch immer vergessen?

Es gibt Komponisten, wie z.B. Zemlinsky oder Pfitzner, deren Musik ich für sehr viel gelungener halte bzw. mir näher ist, als z.B. die des so populären + so oft aufgeführten Erfolgskomponisten R. Strauss. Hans Pfitzners Musik ist nicht besonders beliebt, sogar weniger populär als die Zemlinskys. Sie wird extrem selten aufgeführt.

Einer der Hauptgründe (die aber nicht in Pfitzners Musik zu finden sind) bildet Pfitzners (als Person) Nähe zu den Nazis. Und da gibt es überhaupt nichts zu beschönigen. Sogar nach dem 2. Weltkrieg hatte Pfitzner diese abstoßende, antisemitische Stellungnahme verfasst. Ein Zitat davon soll Pfitzners Rassismus ungeschminkt verdeutlichen:
"Das Weltjudentum ist ein Problem & zwar ein Rassenproblem, aber nicht nur ein solches, & es wird noch einmal aufgegriffen werden, wobei man sich Hitlers erinnern wird & ihn anders sehen, als jetzt, wo man dem gescheiterten Belsazar nur zu gern den bekannten Eselstritt versetzt. Es war sein angeborenes Proletentum, welches ihn gegenüber dem schwierigsten aller Menschenprobleme den Standpunkt eines Kammerjägers einnehmen ließ, der zum Vertilgen einer bestimmten Insektensorte angefordert wird. Also nicht das ,Warum‘ ist ihm vorzuwerfen, nicht, ,daß er es getan‘, sondern nur das ,wie‘ er die Aufgabe angefaßt hat, die berserkerhafte Plumpheit, die ihn dann auch, im Verlauf der Ereignisse, zu den Grausamkeiten, die ihm vorgeworfen werden, führen musste." (aus Hans Pfitzner: "Glosse zum II. Weltkrieg")
Es gibt eine Ehrenerklärung zu Pfitzner. Schönberg hatte sie in den USA - nach dem Deutschland bzw. Europa von der Nazi-Herrschaft durch die Alliierten befreit wurde - geschrieben.. Wäre Schönberg über die Verstrickungen + Ressentiments Pfitzners gründlicher informiert gewesen, dann hätte er diese mit größter Wahrscheinlichkeit nicht verfasst.. Es bleibt also mehr als verständlich, dass Pfitzners Nähe zum Faschismus, zu den Nazis und sein Rassismus eine große Barriere, ein Hindernis zu seiner Musik bleibt.

Dennoch mag ich die Musik Pfitzner: Seine Opern, seine Kammermusik, seine Chor- und Orchesterwerke.....
Ich will versuchen zu beschreiben, was mich an Pfitzners Musik so fasziniert (so ähnlich hatte ich es bereits einmal im Taminoforum versucht, als über die Oper Palestrina debattiert wurde).

George Alexander Albrecht – langjähriger GMD in Hannover – hatte in Hannover – während seines Vortags über Pfitzners Oper „Palestrina“ Pfitzners Musik mit folgendem Wort bezeichnet: „Altgold“ (ich vermute mal, G.A. Albrecht dachte just zu dem Augenblick an das Buch „Mahler- eine musikalische Physiognomik“ und zwar aus dem vorletzten Teil, in der das "Lied von der Erde" interpretiert wird) Und durch dieses Wort „Altgold“ wurde plötzlich mein Interesse an Pfitzner Musik geweckt. Ich kannte vorher die Musik Pfitzner s nicht. Beim Reinziehen des Palestrinas sprang der Funke sofort rüber, und ich war für Pfitzners Musik gewonnen (nicht nur für "Palestrina"). Und wenn versucht werden soll die Musik Pfitzner zu beschreiben, also das was einen an Pfitzner so fasziniert, dann würde ich sie versuchen so zu beschreiben: Pfitzners trägt Merkmal des Grüblerischen, Düsteren, Schwermütigen. Die Musik wirft oft den Blick zurück. Sie ist - während sie ertönt - gleichzeitig eigene Remeniszens, Eingedenken. Sie klingt, als widerstrebe sie ihren weiteren Verlauf. Also genau das Gegenteil des Straussschen Elans. Und auch wenn es etwas kitschig + banal klingt (besser krieg ich’s aber nicht hin): sie hat herbstlichen, herben Sound.

Clemens Nachtmann hatte 2007 (im Zusammenhang mit der Kontroverse über die „Deutsche Seele“ in Berlin, wobei Nachtmann mit Kritik an Pfitzners Nazi-Nähe zu recht nicht sparte) sehr triftig über die Pfitznermusik geschrieben : „.. dass ... diese Musik kein veranstalteter Propagandakitsch ist und mit ihr kein Staat gemacht werden kann „
„ das einer, der es „in Treue fest“ mit den Nazis hielt, von den Nazis so wenig gemocht wurde, dass einer, der so deutsch und volksverbunden fühlte wie Pfitzner, so überaus „volksfremde“ und schwer zugängliche Musik schrieb.. "

Was wünsche ich mir zu diesem Thread ?
Das sich hier möglichst viele - zustimmend und/oder auch kritisch – über Pfitzners Musik (also Opern, Kammermusik, Chor- und Orchesterwerke, Lieder, Klavierstücke.. und.. und.. und ...) einbringen mit z.B. Konzerteindrücken, Opernerlebnisse, Analysen, Hinweisen, Stellen/Passagen, die einem besonders gefallen, Radiomitschnitte, missionarische Eiferei und natürlich auch CD-Tipps, wenn möglich mit Links, weils auch hübscher aussieht.
:wink:
so ziehe ich den Dummköpfen die Narren vor — deren ich einer bin, was, leider ! gewiss ist... C.B.

2

Mittwoch, 26. August 2009, 19:40

Hallo Amfortas,

es gibt wohl keinen anderen Komponisten, mit dem ich mich über Jahrzehnte so umfassend beschäftigt habe wie mit Hans Pfitzner. Meine Liebe zu Pfitzners Musik hat einen etwas eigenartigen Ursprung: Sie resultiert aus der Lektüre eines alten Reclam-Opernführers, den ich als Vierzehnjähriger abends vor dem Einschlafen zu lesen pflegte. Im Zusammenhang mit meiner ersten Wagner-Begeisterung (ich hatte im hiesigen Theater 4 oder 5 Holländer- Vorstellungen besucht) entwickelte ich eine starke Affinität zur Romantik, und das, was ich in dem Opernführer an begeisterten Zeilen über den Palestrina oder die Rose vom Liebesgarten fand, machte mich ungeheuer neugierig auf diese Musik. Nun war es zu der Zeit aber gar nicht so leicht, überhaupt an Aufnahmen zu kommen - die Plattenläden vor Ort führten nichts von Pfitzner, und als Schüler verfügte ich natürlich auch nur über ein sehr schmales Budget. Irgendwann strahlte der WDR dann aber ein von dem Komponisten Tilo Medek verfaßtes, auch aus meiner heutigen Perspektive sehr gelungenes Pfitzner-Porträt aus. Dieses schnitt ich auf Casette mit - jetzt besaß ich neben diversen Auszügen das komplette Vorspiel zum 1. Palestrina- Akt, welches ich immer und immer wieder mit großer innerer Anteilnahme hörte. Etwas später geriet der Kölner Saturn in mein Blickfeld, ich sparte und fuhr mit dem Zug nach Köln, um mich mit Raritäten einzudecken.Im Gepäck befanden sich dann der komplette Palestrina (in der Kubelik-Version), das Violinkonzert, die cis-moll-Sinfonie, die C-Dur-Sinfonie und eine Schwarzpressung des Christelfleins. Andere Opern oder Orchesterwerke waren damals gar nicht zu greifen!
Später, während meiner grausigen BW-Zeit, bin ich in die Pfitzner-Gesellschaft (in der ich heute nicht mehr Mitglied bin) eingetreten. Bei JPC hatte ich inzwischen die Eichendorff-Kantate, diverse Lieder und die komplette Kammermusik Pfitzners ergattert, und noch etwa später folgte mein erster Live-Palestrina (in Nürnberg unter Thielemann).
Inzwischen habe ich nicht alle, aber sehr viele der bislang erschienenen Pfitzner-CDs und -LPs im Regal stehen. Leider ist die Tonträger- Situation im Falle Pfitzners immer noch sehr unbefriedigend; eine gescheite Aufnahme der Rose vom Liebesgarten z.b. liegt nicht vor, und die "kleine" G-Dur-Sinfonie gibt es meines Wissens auch nur unter dem Gruseldirigat Alberts in der JPC-Edition.
.
Bei Gelegenheit werde ich hier mal auf einzelne Werke eingehen, gerne auch auf die viel zu wenig bekannte Kammermusik (z.b. auf das großartige Klaviertrio op.8 oder auf das Streichquartett op. 50).

Über Pfitzners Nazi-Verstrickungen wurde auf Tamino seinerzeit heftig diskutiert. Ich selber möchte diese Auseinandersetzung hier nicht mehr weiterverfolgen. Tatsache ist aber, daß es von Pfitzner nicht nur Äußerungen wie das oben angeführte, in der Tat in keinster Weise zu rechtfertigende Zitat gibt, sondern ebenso Bemerkungen, die in eine andere Richtung gehen. Eine davon sei der Balance halber hier noch einmal kurz zitiert:

Zitat

Gott sei Dank kennen sie mich schlecht, wenn Sie glauben, daß Bedenken von meiner Seite vorliegen, meine Lieder von Ihnen gesungen zu wissen, weil Sie Jude sind. Ich möchte Ihnen nicht ausführlich schreiben, wie ich über die Judenverfolgung denke, denn ich liebe die Dachauer Gegend nicht besonders!
(Pfitzner in einem 1933 an den jüdischen Bariton Hermann Schey gerichteten Brief).

3

Mittwoch, 26. August 2009, 20:10

Hier möchte ich meine bisher einzige Begegnung mit Pfitzner beschreiben:

Ich las ein Interview mit Ingo Metzmacher über Pfitzner. Daraufhin habe ich im Internet einiges über ihn gelesen, vor allem über die Problematik mit seiner Weltanschauung. Und ich habe mir "Palestrina" angeschafft, in der Berliner Aufnahme mit Peter Schreier.

Normalerweise höre ich neue Opern nicht in einem Stück durch. Ich erarbeite sie mir Stück für Stück, äußerst kopflastig. Das genießende Hören folgt erst später. Einen Menschen will man ja auch erst ein bisschen kennen lernen, bevor man ihm seine Gefühle anvertraut anvertraut. Aber "Palestrina" habe ich in einem Zug durchgehört. Und nicht nur das. Ich habe es seither nicht zustande gebracht, die Oper noch einmal aufzulegen. Der Eindruck ist so intensiv, dass ich ihn keinesfalls durch wiederholtes Hören verwässern oder relativieren will. So etwas ist mir sonst noch nie passiert...

Das war nicht lange bevor ich Capriccio beigetreten bin. Warum das wichtig ist? Im Vorfeld zum Hören der Oper habe ich gelesen, dass Palestrina ein Misanthrop ist, und dass Pfitzner ein Misanthrop war. Dass "Palestrina" eine Misanthropen-Oper ist. Als die Oper verklungen war und in meinem Inneren noch nachhallte, da wurde mir erst bewusst, was ich intuitiv schon lange gewusst habe: Dass ich auch einer bin. Also ist Pfitzner mit "Palestrina" mitverantwortlich, dass in Capriccio "(Hobby)-Misanthrop" unter meinem Nick steht...

Beste Grüße,
Falstaff

Amfortas09

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4

Mittwoch, 26. August 2009, 20:13

Ja die Lage hinsichtlich der Rose ist zu blöd. Ich hatte das Werk zum 1. Mal in einer verstümmelten d.h. gekürzten Bootleg?Version unter Heger (mono) mir zum 1. Mal reingezogen. Dann ertauschte ich mir einen weniger gekürzten Radio-Mitschnitt aus Zürich unter Welser-Möst (stereo) und zum Schluss gab es den Mitschnitt aus Chemnitz. Musikalisch gefällt von der Rose mir am besten der 2. Teil der Rose. Ich würde aber den früher entstandenen "Armen Heinreich" noch vorziehen. Da kusieren 2 inoffiziiele (?) leider gekürzte Versionen unter Altman und Wakasugi (der letztere sogar stereo) und eine offizielle (ich habe davon den Radiomitschnitt) unter Rumpf aus Dortmund. Wenn man sich den Text zur Rose anschaut (kann man sich nur aus der Bücherei ausleihen + kopieren). dann gewinnt man den Eindruck das sei z.Tl. Wagnerverarsche. Nee, nee, Pfitzner war das aber ernst. Vermutlich ist das einer der Gründe, warum die Rose kaum aufgeführt wird.

Sehr schön finde ich auch das unambitionierte Christelflein. Allerdings würde ich von Eichhorn abraten. Das klingt da völlig aseptisch (die Texteinrichtung war da auch mega-bescheuert gemacht). Da ist sogar der Freiberg-Mitschnitt unter Sandmann gelungener, auch wenn da das Orchester manchmal etwas schräg klingt. Trotzdem gefällt mir dieser Mitschnitt. Schüchter, Märzendofer und Flor sind aber meine Favoriten.

Beim Sextett op. 55 ist die Situation entspannter. Das wird öfters im Radio gesendet. Die kleine Sinfonie hat G.A. Albrecht mit den NDRlern schön wiedergegeben. Bei den Streichquartetten sieht es nur cd-mäßig hoffnungsvoller aus, aber nicht im Konzertbetrieb.

Zitat

Im Vorfeld zum Hören der Oper habe ich gelesen, dass Palestrina ein Misanthrop ist, und dass Pfitzner ein Misanthrop war. Dass "Palestrina" eine Misanthropen-Oper ist. Als die Oper verklungen war und in meinem Inneren noch nachhallte, da wurde mir erst bewusst, was ich intuitiv schon lange gewusst habe: Dass ich auch einer bin. Also ist Pfitzner mit "Palestrina" mitverantwortlich, dass in Capriccio "(Hobby)-Misanthrop" unter meinem Nick steht...



Na, na, na .. wenn das Pfitzner hören würde :D :shake: . Wir müssten alle Dir mal eine Oper heraussuchen, die Dich zu dem Ausbruch verleiten möge: "Ich lieb' Euch doch alle !" :D :yes:

Zitat

Ich las ein Interview mit Ingo Metzmacher über Pfitzner

Dazu fällt mir ein: Im Internet hatte ich damals zu der Metzmacher-Deutsche-Seele-Kontroverse folgende witzige Bemerkung gelesen: " Metzmacher ist nicht Eva Herman " :D


:wink:
so ziehe ich den Dummköpfen die Narren vor — deren ich einer bin, was, leider ! gewiss ist... C.B.

5

Mittwoch, 26. August 2009, 20:36

Zitat

Das war nicht lange bevor ich Capriccio beigetreten bin. Warum das wichtig ist? Im Vorfeld zum Hören der Oper habe ich gelesen, dass Palestrina ein Misanthrop ist, und dass Pfitzner ein Misanthrop war. Dass "Palestrina" eine Misanthropen-Oper ist. Als die Oper verklungen war und in meinem Inneren noch nachhallte, da wurde mir erst bewusst, was ich intuitiv schon lange gewusst habe: Dass ich auch einer bin. Also ist Pfitzner mit "Palestrina" mitverantwortlich, dass in Capriccio "(Hobby)-Misanthrop" unter meinem Nick steht...


Sehr schöne Geschichte, Falstaff! Wobei ich Palestrina eher als Pessimisten- denn als Misantrophen-Oper bezeichnen würde. Und du solltest irgendwann mal versuchen, sie live zu erleben - die Konserve ruft (jedenfalls in mir) höchsten den halben Eindruck hervor.

Pfitzner selber hätte ich, wenn ich ihm persönlich begegnet wäre, vermutlich unerträglich gefunden. Mit so schroffen, stacheligen, von jeder Form der Verbindlichkeit freien Streithähnen, wie er wohl einer war, kann ich im realen Leben normalerweise gar nichts anfangen.

Amfortas, die Rose unter Heger gibt es inzwischen auch als "offizielle" CD-Aufnahme:

Zum Kauf kann ich aber nur raten, wenn man das Werk noch nie gehört hat und es unbedingt grob kennenlernen möchte. Denn die Tonqualität ist auch für meine Verhältnisse (und ich bin in dieser Beziehung ziemlich anspruchslos) oberlausig.
Den Armen Heinrich finde ich persönlich ebenfalls eindrucksvoller als die Rose. Die Dortmunder Aufführung unter Rumpf (der mich übrigens beim Bund im Musikorps als Korrepetitor begleitet hat) habe ich nicht nur als CD vorliegen, ich habe sie auch gesehen.

Zitat

Die kleine Sinfonie hat G.A. Albrecht mit den NDRlern schön wiedergegeben


Diese Einspielung zählt zu denjenigen, deren Kauf ich leider verpaßt habe. Man bekommt sie jetzt aber auch nur noch gebraucht, oder? Auf Casette habe ich noch eine ganz ordentliche Version mit einem japanischen Orchester unter einem unbekannten Dirigenten, dessen Name mir gerade nicht mehr einfällt. Albrechts Interpretation finde ich dagegen grauenhaft, da ist alles entsetzlich verschleppt, die eigentlich wunderschöne Musik steht herum wie ein schlammiger Moortümpel in der Mittagssonne. Kein Wunder, daß die Leute nicht so viel von Pfitzner halten, wenn sie mit einem solch latschigen Zeug konfrontiert werden!

Viele Grüße

Bernd

6

Mittwoch, 26. August 2009, 20:41

Sehr schöne Geschichte, Falstaff! Wobei ich Palestrina eher als Pessimisten- denn als Misantrophen-Oper bezeichnen würde.
Macht nicht, Pessimist bin ich auch...


Und du solltest irgendwann mal versuchen, sie live zu erleben - die Konserve ruft (jedenfalls in mir) höchsten den halben Eindruck hervor.
Tja, beinahe hätte es letzten Juli in München geklappt. Aber es kam was dazwischen. Im nächsten April wird Palestrina in München wieder aufgenommen. Dasm merke ich mir vor...


Falstaff

7

Mittwoch, 26. August 2009, 20:52

Lieber Bernd, lieber Amfortas

Wenn ich an den Wozzeck-Thread denke und jetzt diesen hier lese, kann ich nur sagen: Capriccio bringt unerwartete Koalitionen zustande. :thumbsup:

Könnte mich ja beinahe dazu bringen, dem Hans nochmal eine Chance zu geben, denn:

Mit Pfitzners Musik habe ich so meine Probleme. Nicht, dass sie ähnlich starke Emotionen hervorgerufen hätte wie der Wozzeck bei Bernd. Eher im Gegenteil: Das wenige, was ich bisher live gehört habe, hat mich in der Regel mehr oder weniger gelangweilt, inklusive Palestrina neulich in der Bayrischen Staatsoper. Dieses Stück ist einfach zu viel Selbstmitleid auf einmal :shake: . Aber insgesamt möchte ich nicht ausschließen, dass ich vielleicht das richtige Stück vom richtigen Interpreten noch nicht erwischt habe. Oder dass mir Vorurteile die Ohren verstopft haben, das soll ja vorkommen.

Lieber Bernd, wenn ich in 2 Wochen aus dem Urlaub zurückkomme, spielen wir ein Spiel: Du empfiehlst mir eine Aufnahme mit Werken von Pfitzner, ich empfehle Dir eine mit Werken von Berg. Und wir versprechen beide, die Platte mindestens 5 Mal möglichst unvoreingenommen zu hören. Und dann beschreiben wir unsere Eindrücke hier im Forum. Was hältst Du davon? 8+)

Viele Grüße
Michel
Kunst ist vom Geist beherrschte Magie. Kunst als erfahrene Möglichkeit von Freiheit. Plötzlich spüren Sie beim Hören etwas fast naturhaft - wie ein Blitz: Und Sie hören als ein Veränderter, sind auf ganz neue Weise dabei. (Helmut Lachenmann)

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8

Mittwoch, 26. August 2009, 20:53

Zitat

Diese Einspielung zählt zu denjenigen, deren Kauf ich leider verpaßt habe. Man bekommt sie jetzt aber auch nur noch gebraucht, oder?
Die treue Twin-Dreambox (ein tolles Spielzeug) hat sie mir mitgeschnitten (ARD-Nachtkonzert). Auch MDR-Figaro hatte sie unter Cornelius Meister mit den MDlern am 06.05.07 gesendet.

Zitat

Im nächsten April wird Palestrina in München wieder aufgenommen. Dasm merke ich mir vor...
Hey, Falstaff dann bist Du auf den guten Pfitzner-Weg. :juhuu: :jub: Ich vermute Simone Young wird diese Wiedergabe leiten...
:wink:
so ziehe ich den Dummköpfen die Narren vor — deren ich einer bin, was, leider ! gewiss ist... C.B.

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9

Mittwoch, 26. August 2009, 21:01

Zitat

Wenn ich an den Wozzeck-Thread denke und jetzt diesen hier lese, kann ich nur sagen: Capriccio bringt unerwartete Koalitionen zustande. :thumbsup:


ja, einige moderne Komponisten (auch - vor allem - solche die der Avantgarde nahe stehen) haben die Musik Pfitzners auch für sich entdeckt.

:wink:
so ziehe ich den Dummköpfen die Narren vor — deren ich einer bin, was, leider ! gewiss ist... C.B.

10

Mittwoch, 26. August 2009, 21:19

Im nächsten April wird Palestrina in München wieder aufgenommen. Dasm merke ich mir vor...
Lieber Falstaff

In der Tat wird der traditionelle österliche Parsifal in München im nächsten Jahr durch Palestrina ersetzt. Du solltest Dich früh um Karten kümmern, nur so als Tipp. Es dirigiert übrigens nicht Simone Young, sondern Asher Fisch (? nie gehört). Young hat die erste Serie dirigiert, zu meinem Eindruck verweise ich auch mein Post weiter oben.

Falls ich in der Zwischenzeit beschließen sollte, dem Palestrina noch eine Chance zu geben, können wir uns ja treffen (und das Leiden eines Mathematikers in der Forschung mit dem Leiden zweier Mathematiker in der freien Wildbahn vergleichen :D )

Viele Grüße
Michel
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11

Mittwoch, 26. August 2009, 21:29

Wolfgang Rihm über Pfitzner:

Zitat

pfitzner ist nicht „aktuell“. aktualität dürfte in seinem Fall paradoxerweise gerade deshalb bestehen: sein werk widersetzt sich in einer auf „renaissance“ gestimmten atmosphäre bis jetzt weitgehend dem zugriff professioneller ausgräber. Das hat gründe: pfitzner ist zu progressiv, um einfach wie korngold eingeschlürft werden zu können,und er ist zu konservativ, um etwa wie schönberg die musik hörbar folgenreich beeinflusst zu haben. wir finden nicht auf den ersten blick das gebrochene heutige in seinem werk, aber auch nicht das ungebrochen gestrige. wir finden beides, – also keines, und dies lässt einordnungsversuche stocken. pfitzner ist heute noch querständig.Das macht ihn zum fall, das ist auch das aktuelle


Michel, wenn du dich beim Palestrina in München gelangweilt hast, fürchte ich, das es sich da einfach nicht um "deine Sphäre" handelt. Aber ich spiele das Spiel gerne mit, auch wenn umgekehrt zu vermuten steht, daß nach ungezählten Versuchen, mich mit der Musik der 2. Wiener Schule zu befreunden, ein weiterer Anlauf nicht viel bringen wird....

Früher hatte ich mehr Zeit und Freunde in München, bei denen ich übernachten konnte. Leider sieht das inzwischen anders aus...ansonsten würde ich Ostern 2010 sehr gerne mit euch in die Oper gehen!

Amfortas, "Twin-Dreambox"?? Ich bin ein absoluter Techniktrottel (und lade infolgedessen auch keine Musik auf meinen Laptop).

Viele Grüße

Bernd

12

Mittwoch, 26. August 2009, 23:29

Ich oute mich mal als jahrzehntelanger Liebhaber seines Klavierkonzertes, von dem meine Lieblingsaufnahme die äußerst fulminante Live-Aufnahme mit Gieseking aus dem Jahre 1943 ist.
Diese klangtechnisch sehr gute Mono-Tonbandaufnahme der RRG aus dem kurz nachher zerbombten und zerstörten Hamburg ist für mich ein Dokument erster Klasse.

Natürlich stehe ich Pfitzners NS-Nähe und seiner antisemitischen Haltung sehr kritisch gegenüber, allerdings spüre ich trotzdem eine sehr große Affinität gegenüber seiner Musik.
"Von deutscher Seele" habe ich selber gespielt, und dies ist rein musikalisch ein tolles Werk jenseits aller Ideologien.
Sein Sextett habe ich auch aufgeführt und muß sagen, daß ich mich in dieser seiner Tonsprache völlig "zuhause" fühle, sie hat eine immense Sogkraft für mich.

Auch seine drei Cellokonzerte gehören zum besten, was dieses Genre angeht.

Pfitzners Musik ist für mich einfach zu sehr "eigen" und auch zu gut, um sie nur wegen des zweifelhaften Charakters Ihres Erzeugers links liegen zu lassen.

Allerdings lege ich keinen Wert darauf, jemals seine "Krakauer Begrüßung" hören zu müssen, nur weil er der Komponist dieses Hans Frank, dem "Schlächter von Polen" und persönlichem "Freund" gewidmeten Werkes ist.
Da hört es dann für mich dann doch auf.

Pfitzner war und wird immer schwierig zu beurteilen sein, als Mensch wie als Künstler, aber seine Musik hat über große Strecken für mich eine derartige Kraft, daß ich Ihr nicht widerstehen kann und möchte.

LG,
Michael
Ich hasse Leute, die einfach mitten im Satz

Amfortas09

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13

Donnerstag, 27. August 2009, 16:16

Zitat

Twin-Dreambox"??
Ist ein Digitalreceiver mit großer Festplatte, der 2 Sendungen gleichzeitig aufnimmt (=> 4-fach-LMB an der Salatschüssel der Hauswand). Wird dann über z.B. ein Programm als mp-File konvertiert und auf den Rechner rübergezogen. Kann zu Wave oder mp3-File konvertiert werden. Stream ist digital. Wie gesagt, ein tolles Spielzeug (ca 500 bis 700 €, leider nicht bedienungsfreundlich) (preisgünstiger als eine elektrische Eisenbahn :D )

Zitat

..aber seine Musik hat über große Strecken für mich eine derartige Kraft, daß ich Ihr nicht widerstehen kann und möchte.


:jub: dann wird das für mich doch noch hier der erhoffte Kuschel-+ Wohlfühlthread. Diesmal mit Pfitzner :juhu: (aber mit Wozzeck wäre auch schön gewesen, kann ja noch werden)

Deutsche Seele ist in den letzten Jahren öfters wiedergegeben worden. Mein Favorit ist momentan ein Live-Mitschnitt unter Luisi (wird alle paar Jahre mal vom Nachtkonzert gesendet)

:wink:
so ziehe ich den Dummköpfen die Narren vor — deren ich einer bin, was, leider ! gewiss ist... C.B.

14

Donnerstag, 27. August 2009, 22:40

Zitat

Ich oute mich mal als jahrzehntelanger Liebhaber seines Klavierkonzertes, von dem meine Lieblingsaufnahme die äußerst fulminante Live-Aufnahme mit Gieseking aus dem Jahre 1943 ist.


Das Klavierkonzert habe ich mir heute noch mal angehört, und ich finde, daß es sich um ein ganz starkes, zu Unrecht völlig unterschätztes Stück handelt. Schon die große Geste des Anfangs (fast ein wenig an Tschaikowsky erinnernd) wirkt auf mich ungemein eindrucksvoll. Das Adagio in seiner Mischung aus Schwärmerei und Vergrübeltheit ist sehr typisch für Pfitzner, und der Schlußsatz, dem mein Konzertführer unterstellt, er wirke ein wenig "blutleer", begeistert mich durch seine kunstvolle Faktur und seine teilweise etwa bizarre, an manche Schumann-Kapriolen erinnernde Atmospäre.
Leider habe ich nur die Banfiel-CD - ich vermute mal, daß Gieseking deutlich überzeugender spielt. Allerdings sind die Bläser der Münchener Philharmoniker vorzüglich; es macht großen Spaß, ihnen in dieser Aufnahme zuzuhören. Das Oboen-Solo am Ende des erstem Satzes ist atemberaubend klangschön gespielt.

Die Eichendorff-Kantate habe ich in drei Versionen (mit Keilberth, Jochum und Hollreiser) - die Aufführung unter letzterem habe ich auch live erlebt). Richtig schlecht finde ich keine der drei Aufnahmen; am besten gefällt mir immer noch Keilberth, aber das mag auch damit zuaammenhängen, daß ich seine Interpretation früher sehr, sehr oft gehört habe. Da mag sich ein gewisser Prägungseffekt eingestellt haben.

Viele Grüße

Bernd

15

Mittwoch, 13. Januar 2010, 11:32

Werte Capricci!

Könnt ihr mir bitte ein paar hörenswerte Werke von Hans Pfitzner empfehlen? Ich kenne lediglich die Palestrina und das Weihnachtselflein - damit hat es sich schon.

Ich danke euch sehr herzlich vorab!!! :thumbup: :prost:

Liebe Grüße

Peter

16

Mittwoch, 13. Januar 2010, 13:41

Einem Straussianer würde ich in jedem Fall zu der Kantate "Von Deutscher Seele" raten. Leider gibt es meine bevorzugte Aufnahme von Joseph Keilberth mit Agnes Giebel, Herta Töpper, Fritz Wunderlich und Otto Wiener (derzeit) nicht auf cd, aber hör mal in diese Aufnahmen hinein, die ich leider beide nicht kenne:

..........

Das Berliner Konzert von Ingo Metzmacher erhielt tolle Kritiken, ist aber leider auch die teuerste Aufnahme.

:wink: Rideamus
Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

Gurnemanz

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17

Mittwoch, 13. Januar 2010, 14:22

Leider gibt es meine bevorzugte Aufnahme von Joseph Keilberth mit Agnes Giebel, Herta Töpper, Fritz Wunderlich und Otto Wiener (derzeit) nicht auf cd [...]
Die Aufnahme schätze auch ich (kenne allerdings die Alternativen nicht). Merkwürdig, daß ich die Doppel-CD nicht bei den deutschen, französischen oder britischen Amazonen finden kann, wohl aber bei den US-Amerikanern:

Bild funktioniert nicht, bitte hier <> hineinklicken (ASIN: B00004SLB2). Näheres auch hier: http://www.arkivmusic.com/classical/Dril…1&comp_id=27616

:wink:
Es grüßt Gurnemanz

---
Sprechen heißt: in Tautologien verfallen.
Jorge Luis Borges

18

Mittwoch, 13. Januar 2010, 14:32

Lieber Peter,

Werte Capricci!

Könnt ihr mir bitte ein paar hörenswerte Werke von Hans Pfitzner empfehlen? Ich kenne lediglich die Palestrina und das Weihnachtselflein - damit hat es sich schon.

Ich danke euch sehr herzlich vorab!!! :thumbup: :prost:

die von Rideamus genannte Metzmacher-Aufnahme der Eichendorff-Kantate 'Von Deutscher Seele' dürfte durchaus zu den Referenz-Einspielungen gehören. Habe damals die Berliner Aufführung im Radio mitverfolgt und war absolut begeistert.
Es existiert allerdings auch ein Live-Mitschnitt eines HR-Konzertes aus der Alten Oper Ffm. von September 1995 unter Leitung von Horst Stein, das ich live erleben durfte und mich von allen Einspielungen bisher am meisten begeistert hat! :juhu: :juhu: :juhu:
Leider gibt es diese Aufnahme jedoch nicht als CD-Edition, d. h. man müßte beim HR mal anfragen, zu welchen Konditionen diese zu erwerben wäre.
Die von Rideamus und Gurnemanz genannte Keilbeth-Einspielung kann in keiner Weise mit der Stein-Interpretation konkurrieren.

Ansonsten könnte ich außer dem 'Christelflein' noch die Oper 'Die Rose vom Liebesgarten' empfehlen, die allerdings erst demnächst bei CPO in der ersten vollständigen Gesamteinspielung erscheinen wird.

Außerdem gibt es etliche Juwelen unter Pfitzners Klavier- bzw. Orchesterliedern, vor allem mit Fischer-Dieskau als erstklassigem Interpreten (Herr Oluf, opus 12 1891; An den Mond, opus 18 1906 usw.).
Zwei Kostproben kannst Du in den phänomenalen - zudem schön bebilderten - Darbietungen Fischer-Dieskaus auf 'Youtube' bewundern:
In Danzig für Singstimme und Klavier:
"http://www.youtube.com/watch?v=tPo4T8lHxEo
An die Mark für Singstimme und Orchester
"http://www.youtube.com/watch?v=9t8xRqpkhak

:wink:
Johannes

Amfortas09

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19

Mittwoch, 13. Januar 2010, 14:33

Zitat

Einem Straussianer würde ich in jedem Fall zu der Kantate "Von Deutscher Seele" raten. Leider gibt es meine bevorzugte Aufnahme von Joseph Keilberth mit Agnes Giebel, Herta Töpper, Fritz Wunderlich und Otto Wiener (derzeit) nicht auf cd, aber hör mal in diese Aufnahmen hinein, die ich leider beide nicht kenne:Das Berliner Konzert von Ingo Metzmacher erhielt tolle Kritiken, ist aber leider auch die teuerste Aufnahme.
von der Metzmacher-Wiedergabe habe ich den Radiomitschnitt, der mir gefällt. Ich ziehe Keilberth (studio, 1966) und live (1957) vor. Mende kenne ich nicht, klingt aber sehr vielversprechend. Mein Favorit der Dt. Seele ist momentan der Radiomitschnitt unter Fabio Luisi (vom 06.11.01, Leipzig). Straussianern würde ich auf alle Fälle die Konversion zur Dt. Seele (also zu Pfitzner) empfehlen :D :hide:

:wink:
so ziehe ich den Dummköpfen die Narren vor — deren ich einer bin, was, leider ! gewiss ist... C.B.

20

Mittwoch, 13. Januar 2010, 14:56

Was Pfitzner angeht, wären aus meiner Sicht noch einige Werke zu ergänzen, nämlich:

Alle 3 Sinfonien (die in G-dur op. 44 besitzt einen der schönsten langsamen Sätze, die ich kenne).

Klavier- und Violinkonzert

Duo für Violine und Cello mit Orchesterbegleitung

Klaviertrio op. 8

Streichquartett op. 50

sowie diverse Lieder (bevorzugt in der Interpretation durch Fischer-Dieskau)

Das wäre zunächst einmal das Wichtigste - daneben gibt es noch genug andere Kompositionen Pfitzners, die mir ausgezeichnet gefallen.

Viele Grüße

Bernd

Amfortas09

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21

Mittwoch, 13. Januar 2010, 15:00

Zitat

Könnt ihr mir bitte ein paar hörenswerte Werke von Hans Pfitzner empfehlen? Ich kenne lediglich die Palestrina und das Weihnachtselflein - damit hat es sich schon.


Der arme Heinrich gefällt mir musikalisch noch etwas mehr als die Rose vom Liebesgarten.



Dieses Sextett und dieses Quintett fetzen auf dieser historischen Teuer-CD.




diese Einspielung seiner Quartette wird leider momentan nicht vollständig angeboten



lohnt sich auch (vor allem auch dem Schönbergschen 4. Streichquartetts wegen)

:wink:
so ziehe ich den Dummköpfen die Narren vor — deren ich einer bin, was, leider ! gewiss ist... C.B.

22

Mittwoch, 13. Januar 2010, 15:21

Zitat

Könnt ihr mir bitte ein paar hörenswerte Werke von Hans Pfitzner empfehlen? Ich kenne lediglich die Palestrina und das Weihnachtselflein - damit hat es sich schon.

Der arme Heinrich gefällt mir musikalisch noch etwas mehr als die Rose vom Liebesgarten.

Sorry, aber die von Amfortas09 ins Spiel gebrachte Oper 'Der arme Heinrich' empfand ich gegenüber der sehr sinnlichen und reichhaltigen 'Rose'-Partitur als furchtbar dröge!!! Sollte ich mir aber trotzdem nochmals zu Gemüte führen.

:wink:
Johannes

P. S.: Was ich - jenseits der geschmacklichen Vorlieben - in diesem Thread hoch erfreulich finde, daß sich innerhalb kürzester Zeit etliche qualifizierte Empfehlungen zu Pfitzner eingefunden haben, - einem Komponisten, der ansonsten im heutigen Konzert- und Opernbetrieb nahezu totgeschwiegen wird.

Amfortas09

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23

Mittwoch, 13. Januar 2010, 15:26

Zitat

einem Komponisten, der ansonsten im heutigen Konzert- und Opernbetrieb nahezu totgeschwiegen wird.
ja sträflich vernachlässigt (mit Ausnahme vielleicht des Palestrinas).... im Capriccio-Kalender wird demnächst ein Pfitzner-Hinweis auftauchen.

nebenbei: es gibt einen Pftzner-Thread. Besucht den mal und bringt Euch ein... [In den wurden die letzten Beiträge eben überführt. :wink: Gurnemanz]
:wink:
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Amfortas09

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24

Mittwoch, 13. Januar 2010, 15:38

Zitat

Sorry, aber die von Amfortas09 ins Spiel gebrachte Oper 'Der arme Heinrich' empfand ich gegenüber der sehr sinnlichen und reichhaltigen 'Rose'-Partitur als furchtbar dröge!!! Sollte ich mir aber trotzdem nochmals zu Gemüte führen.
sagen wir mal so: der Orchestersatz des Heinrichs klingt etwas herber + düsterer als der der Rose. Ist zwar ein früheres Werk von Pfitzner, aber eben doch ein richtiger + echter Pfitzner. Die empfohlene Aufnahme ist die erste ungekürzte Wiedergabe (auch davon habe ich den Radiomitschnitt vom 05.12.99, Dortmund). Wakasugi hatte den armen Heinrich 1978 in Köln wiedergegeben, leider gekürzt (jedenfalls der Radiomitschnittt). Es gibt noch eine späte Oper auf CD.: "Das Herz" Leider ist diese Einspielung nicht sonderlich gelungen.



Hoffentlich wird mal ein anderes Opernhaus sorgfältiger diese unbekannte Perle "ausgraben"

:wink:
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Amfortas09

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25

Mittwoch, 13. Januar 2010, 15:52

Postskriptum:

Zitat

----- Palestrina (Pfitzner) 48 Punkte (6) 8,00

26. Turandot (Puccini) 47 Punkte (5) 9,40

27. Das Rheingold (Wagner) 46 Punkte (5) 9,20

28. Der Fliegende Holländer (Wagner) 45 Punkte (8) 5,62


der Palestrina schaffte es wenigstens vor Turandot, Rheingold und dem Holländer..

:wink:
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26

Mittwoch, 13. Januar 2010, 16:01

Zitat

Es gibt noch eine späte Oper auf CD.: "Das Herz" Leider ist diese Einspielung nicht sonderlich gelungen.
.

Aber zum Kennenlernen dieser interessanten Oper, die ich vor dem Herauskommen dieser CD nur in winzigen Ausschnitten gehört habe, ist sie durchaus brauchbar.

Vor allem den 1. Akt mit seiner musikalisch meisterhaft in Szene gesetzten Schauer- und Dämonenromantik finde ich ausgesprochen spannend.

Viele Grüße

Bernd

Amfortas09

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27

Mittwoch, 13. Januar 2010, 17:49

Zitat

Aber zum Kennenlernen dieser interessanten Oper, die ich vor dem Herauskommen dieser CD nur in winzigen Ausschnitten gehört habe, ist sie durchaus brauchbar. Vor allem den 1. Akt mit seiner musikalisch meisterhaft in Szene gesetzten Schauer- und Dämonenromantik finde ich ausgesprochen spannend.
ja, zum Kennerlernen und Vertrautwerden mit dem "Herz" durchaus zu empfehlen.. die "Herz"-Musik ist für mich auch richtiger Pfitzner, keine Frage.

:wink:
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28

Mittwoch, 13. Januar 2010, 17:59

...und im Holz klingen die Rudolstädter allemal besser als die Wiener Philharmoniker.... :D :pfeif:

Viele Grüße

Bernd

29

Donnerstag, 14. Januar 2010, 09:25

Liebe Capriccis!

Ich bin ergriffen ob der Vielfalt eurer Infos und Empfehlungen! Herzlichen Dank dafür !!! :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

Meine diesjährigen Budgetpläne muss ich wohl noch einmal überdenken ;+)

Herzliche Grüße

Peter

30

Donnerstag, 14. Januar 2010, 12:46

...und im Holz klingen die Rudolstädter allemal besser als die Wiener Philharmoniker.... :D :pfeif:

Viele Grüße

Bernd


Genau. Aber das ist nichts gegen die Rudolstädter Streicher. Wie die ihren Part füllig, klangschön und intonationssicher spielen, hat sicherlich damit zu tun, daß es sich um die mikrotonale Version des Werks handelt. Diese feinen Cluster im mikrotonalen Bereich bekämen die Wiener Philharmoniker niemals hin. :mlol:

:wink:
Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)

31

Donnerstag, 14. Januar 2010, 13:52

Und nun mal im Ernst ein paar Worte über Pfitzner.
Was mich stets wundert, ist, wie sehr man in diesem Fall Person und Werk trennen muß. Pfitzner lernte Hitler schon vor dessen Aufstieg kennen und war bis nach dessen Fall vom Nationalsozialismus angetan, vielleicht nicht immer im gleichen Ausmaß, aber die Grundtendenz ist klar. Pfitzners Antisemitismus ist der typische wählerische: Juden, die ihm nützen, sind auch im persönlichen Umgang willkommen, alle Anderen werden verachtet. Noch dazu schmeißt sich Pfitzner, wie übrigens auch Strauss, an Hans Frank, den "Generalgouverneur" von Polen heran und würdigt diesen Verbrecher mit einer "Krakauer Begrüßung".
Wie Pfitzner so geworden ist, dafür gibt es Gründe, die in der Literatur teilweise intensiv diskutiert werden. Ich kann jedoch nur konstatieren, daß mir diese Person zutiefst zuwider ist.
Aber da ist eben auch die Musik.
Pfitzners Weltsicht war pessimistisch, seine Konservativität war keineswegs unreflektiert: Er empfand die Welt als Trümmerfeld, lediglich die "alten Tugenden" waren Rettungsmöglichkeiten. Pfitzner nahm die aktuelle Welt also durchaus wahr und setzte sie in ein Spannungsverhältnis zu seinem eigenen ästhetischen Empfinden. So mag es sich erklären, daß Pfitzners Musik wesentlich weniger konservativ ist, als man erwartet. Im späteren Werk (ab dem "Palestrina") haben sogar die Ruhepunkte etwas beunruhigend Kratzig-Dunkles. Die Kantate "Das dunkle Reich" ist überdies mit ihren dissonanten Kontrapunkten, plötzlichen Ausdünnungen des Stimmgefüges und ihrem fahlen Klangbild von einer ungeheuren Kraft und Suggestivität, die kaum ein anderes Werk aus dem deutschsprachigen Raum dieser Zeit erreicht.

Die beiden frühen Opern halte ich hingegen für problematischer: "Der arme Heinrich" enthält gute Musik, ist aber völlig undramatisch. "Die Rose vom Liebesgarten" wäre eine wunderbare Feerie, wäre das Libretto von James Grun nicht eine Katastrophe. Die Schere zwischen textdichterischem Unvermögen und kompositorischem Können ist unüberbrückbar - ein ähnlich krasser Fall wie bei Othmar Schoecks "Venus". Pfitzners Musik zur "Rose", auf der Heger-Aufnahme mit teilweise entstellenden Kürzungen zu hören, ist lyrisch und - farbintensiv. Man ist hier wirklich überrascht, zu welchem Farbauftrag der knorrige Pfitzner imstande war.

Wer nun vermutet, das "Christelflein" müsse auch so komponiert sein, irrt: Diese Weihnachtsoper ist herber und sperriger als alle anderen mir bekannten Weihnachtswerke, die dieses Fest nahezu ausschließlich zur Erzeugung von Kitsch zum Vorwand nehmen.

Über "Palestrina" ist hier schon genug gesagt worden - er ist Pfitzners unangefochtenstes Werk und, da auch dramaturgisch geglückt, das einzige, das sich auf der Bühne halten kann. Übrigens: Die Titelgestalt pausiert einen ganzen Akt lang. Aber das ist typisch Pfitzner: In seinem Violinkonzert schweigt ja schließlich auch das Soloinstrument während eines ganzen Satzes. Es sind auch solche Verrücktheiten, die diesen Komponisten auszeichnen.

"Das Herz" ist wieder problematischer: Eine beklemmend düstere Angelegenheit, die mitunter allzu sehr um sich selbst kreist und in der Handlung nicht weiterkommt. Andererseits eine unheimliche, packende Geschichte mit einer extrem suggestiven Musik - für mich steht dieses herbe Werk, das jedes herkömmliche Schönheitsideal ignoriert, sogar höher als der "Palestrina".

Von den Orchesterwerken sind die Sinfonien am interessantesten. Die C-Dur op. 46 hätte das Zeug zum Reißer, höher steht die vergrübelte cis-Moll-Sinfonie, die Bearbeitung eines Streichquartetts.

"Die deutsche Seele", das bekannteste Werk Pfitzners neben dem "Palestrina", ist ebenfalls eine erstaunliche Leistung - nicht zuletzt auch, weil man ein heroisches Brimborium erwartet, dann aber mit wunderbaren Lyrismen und schattenhaften Szenen konfrontiert wird. Es muß viel Nächtliches in der deutschen Seele sein, wenn sie solche Musik hervorruft. Sogar beim auftrumpfenden "Das Land ist ja frei" verkrampft sich das Orchester und was als Hymnus angestrebt wird, ergibt einen eigentümlich forcierten Satz. Eine wirklich romantisch strömende Musik schreibt Pfitzner in diesem Werk ohnedies nur an einer Stelle: "Ein ander König wunderreich" - einer der herrlichsten Ensemble- plus Chorsätze, die ich kenne: Geschmacklich sicher, klangvoll, sogar prächtig, aber doch mit einem Hauch von Dämpfung. Ein Wunderwerk.

Nicht übersehen darf man Pfitzners Lieder. "An den Mond", "Zum Abschiede Meiner Tochter", "In Danzig", "Herr Oluf", "Hussens Kerker" und viele andere sollten zum festen Repertoire des Liedsängers zählen. Melodische Erfindung, dichte thematische Verarbeitung und volltönender Klaviersatz (fallweise auf das Orchester übertragen) gehen in diesen Werken eine vollendete Verbindung ein - und doch bleibt der etwas rauhe Charakter Pfitzners stets gewahrt.

Während ich dies schreibe, fällt mir auf, wie wenige Nebenwerke Pfitzner geschrieben hat. Ein unsympathischer Mensch. Aber welch ein Komponist!
:wink:
Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)

32

Donnerstag, 14. Januar 2010, 14:54


Nicht übersehen darf man Pfitzners Lieder. "An den Mond", "Zum Abschiede Meiner Tochter", "In Danzig", "Herr Oluf", "Hussens Kerker" und viele andere sollten zum festen Repertoire des Liedsängers zählen. Melodische Erfindung, dichte thematische Verarbeitung und volltönender Klaviersatz (fallweise auf das Orchester übertragen) gehen in diesen Werken eine vollendete Verbindung ein - und doch bleibt der etwas rauhe Charakter Pfitzners stets gewahrt.
:wink:

Die Gelegenheit dem Liedschaffen Pfitzners im Konzertsaal zu begegnen (so man in Ostwestfalen zuhause ist) bietet die Nordwestdeutsche Philharmonie mit ihren kommenden Abonnements-Konzerten vom 19.1.-27.1. in verschiedenen Städten OWLs. Neben Orchesterwerken von Richard Strauss stehen die Lieder „Lethe“, „Herr Oluf“, „Zorn“, „Das Heinzelmännchen“, „An den Mond“ sowie die Ouvertüre zur Schauspielmusik „Das Käthchen von Heilbronn“ auf dem Programm.
Dirigent ist Otto Tausk, es singt Hans Christoph Begemann, Bariton.

Gruß
Froh
"Give me all you've got, then crescendo!" Leonard Bernstein

33

Donnerstag, 14. Januar 2010, 16:05

Zitat

Die C-Dur op. 46 hätte das Zeug zum Reißer


Diese Sinfonie wirkt richtig mitreißend, wenn sie nicht wie unter W.A. Albert oder O.Gerdes elend verschleppt wird. Die einzige vernünftige Interpretation, die ich kenne, ist eine historische Aufnahme unter Furtwängler (angesichts des großartigen Dirigats ertrage ich da auch die Wiener Philharmoniker klaglos :D). Es gibt inzwischen auf dem Markt wohl auch noch eine Einspielung, bei der Böhm den Taktstock schwingt. Hat die schon mal jemand gehört?

Zitat

Neben Orchesterwerken von Richard Strauss stehen die Lieder „Lethe“, „Herr Oluf“, „Zorn“, „Das Heinzelmännchen“, „An den Mond“ sowie die Ouvertüre zur Schauspielmusik „Das Käthchen von Heilbronn“ auf dem Programm.


Letzere Ouvertüre gehört mit ihrer beredten Melodik und ihrem großartigen Schwung eigentlich auch zu den reißerverdächtigen Stücken...

Viele Grüße

Bernd

34

Donnerstag, 14. Januar 2010, 16:32

Ich habe die Böhm-Aufnahme mehrfach gehört, sie ist schon ziemlich gut, aber mir scheint auch Furtwängler, den ich sonst weniger schätze, die beste Interpretation liefert. Es gibt auch eine interpretatorisch vorzügliche gelungene Aufnahme von Schmidt-Isserstedt, allerdings ist sie technisch jämmerlich.

Zitat

Letzere Ouvertüre gehört mit ihrer beredten Melodik und ihrem großartigen Schwung eigentlich auch zu den reißerverdächtigen Stücken...

Und ob! Pfitzner konnte, wenn er es so entschied, ziemlich reißerisch komponieren. "Herr Oluf" ist so ein Beispiel, die "Käthchen"-Ouvertüre, die Ouvertüre zum zweiten Akt "Palestrina" - nur ist Pfitzner auch in diesen Stücken enorm geschmackssicher - und wenn es Banalitäten gibt,, so sind sie absichtsvoller Natur und somit wie unter Anführungszeichen gesetzt. Gerade im zweiten Akt "Palestrina" gibt es das immer wieder - eine fulminante Musikkomödie, die am Schluß, wenn geschossen wird, urplötzlich eindunkelt.
:wink:
Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)

35

Donnerstag, 14. Januar 2010, 17:00

Zitat

Sorry, aber die von Amfortas09 ins Spiel gebrachte Oper 'Der arme Heinrich' empfand ich gegenüber der sehr sinnlichen und reichhaltigen 'Rose'-Partitur als furchtbar dröge!!! Sollte ich mir aber trotzdem nochmals zu Gemüte führen.
sagen wir mal so: der Orchestersatz des Heinrichs klingt etwas herber + düsterer als der der Rose. Ist zwar ein früheres Werk von Pfitzner, aber eben doch ein richtiger + echter Pfitzner. Die empfohlene Aufnahme ist die erste ungekürzte Wiedergabe (auch davon habe ich den Radiomitschnitt vom 05.12.99, Dortmund). Wakasugi hatte den armen Heinrich 1978 in Köln wiedergegeben, leider gekürzt (jedenfalls der Radiomitschnittt). Es gibt noch eine späte Oper auf CD.: "Das Herz" Leider ist diese Einspielung nicht sonderlich gelungen.



Hoffentlich wird mal ein anderes Opernhaus sorgfältiger diese unbekannte Perle "ausgraben"

:wink:
Hallo Amfortas,

was sind Deine Kritikpunkte an der Aufnahme unter Reuter? Ich vermute, es geht eher um die Sänger? Reuter habe ich eigentlich als recht kompetenten Dirigenten im Ohr ...

Beste Grüße, DiO :beatnik:
Und am Ende der Meisterschaft, weiß man, wer am meisten schafft. Wer der Meister ist der Welt, der kriegt auch das meiste Geld. Für Geld da kann man vieles kaufen, auch Leute, die dem Ball nachlaufen. - Fredl Fesl

Amfortas09

Mißtöner

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36

Donnerstag, 14. Januar 2010, 17:19

Ja Reuter hat sich für Pfitzner eingesetzt. Es sind vor allem die Solisten.. ich meine, dass auch in kleineren Häusern mehr möglich sein sollte. Sonst bin ich ja nicht sonderlich auf Sänger fixiert. Aber wie gesagt, ich mag das "Herz" und würde trotz allem diese Aufnahme jedem Pfitzner-Junkie an Herz legen. Von Otto Klemperer gibt es eine etwas hämische, aber witzige Bemerkung übers "Herz". Falls einer von Euch den genauen Wortlaut kennt, dann bringt Euch hier bitte mit dem Zitat ein. Das wäre schön..

Vom "Dunklen Reich" gibt es folgende Aufnahmen

.

Allerdings ziehe ich folgenden Radiomitschnitt vom Dunklen Reich vor, weil mir das Orchester und das Verhältnis Chor-Orchester besser gefällt, nämlich (ohne h) aus Stuttgart vom 09.12.95 mit dem R.S.O Stuttgart des SWR unter Huber

:wink:
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37

Donnerstag, 14. Januar 2010, 19:24

Von Otto Klemperer gibt es eine etwas hämische, aber witzige Bemerkung übers "Herz". Falls einer von Euch den genauen Wortlaut kennt, dann bringt Euch hier bitte mit dem Zitat ein. Das wäre schön..

Da kenne ich nur den Spruch von Knappertsbusch: das Stück solle besser "Der Darm" heißen, da nur Sch... drin sei.

Amfortas09

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38

Donnerstag, 14. Januar 2010, 19:30

dieser Kna-Spruch gefällt mir aber auch. Dann gibt es noch eine spitze Bemerkung von R. Strauss über Pfitzner, die er in einen Brief geschrieben hat, mit der Titulierung "Neidnickel"... vielleicht kann jemand von Euch auch mal das Zitat vollständig ergänzen.

:wink:
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Armin Diedrich

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39

Donnerstag, 14. Januar 2010, 19:36

dieser Kna-Spruch gefällt mir aber auch. Dann gibt es noch eine spitze Bemerkung von R. Strauus über Pfitzner, die er in einen Brief geschrieben hat, mit der Titulierung "Neidnickel"... vielleicht kann jemand von Euch auch mal das Zitat vollständig ergänzen.

:wink:
Da gibt es viele Sprüche. Einer der bekanntesten ist auf Pfitzners ständiges Betonen gemünzt, wie lange er an seinem "Palestrina" gesessen sei ; Strauss meinte darauf: "Warum komponiert er dann, wenns ihm so schwerfällt?"

40

Donnerstag, 14. Januar 2010, 20:07

Wenn wir schon bei den Anekdoten sind: Als Pfitzner von irgendeiner NS-Größe vorgeschlagen wurde, ein Werk für die Hitler-Jugend zu komponieren, sagte Pfitzner: Jawoll, ich werde eine Pimpfonie in Bal-Dur komponieren. (Baldur von Schirach war damals der Leiter der HJ.)
Wenn das stimmt, dann illustriert das recht gut, wieso Pfitzner, trotz seiner Einstellung, von den Nationalsozialisten nicht gefördert wurde: Er war zuwenig biegsam, zu störrisch, zu dickköpfig. Auch nachher, als er nicht wie viele, den Freund des Widerstands mimte, sondern trotzig auf seinen Ansichten beharrte.
:wink:
Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)

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