Jetzt bin ich mal durch meine Sammlung gegangen und habe feststellen müssen, dass ich - obgleich sich da eine Menge Scheiben mit Neuer Musik finden - nur relativ wenige CDs aus dem Hause Kairos habe, kaum mehr als man an zwei Händen abzählen kann.
Dabei ist zwei mal Lachenmann:
Über das »Mädchen ...« muss wohl gar nicht viel gesagt werden - ein ganz grosses, fesselnd-verstörendes Hördrama, das den Hörer über gut 120 Minuten gebannt lauschen lässt.
Auch die andere Scheibe bietet Lachenmann vom Feinsten - insbesondere »Mouvement (- vor der Erstarrung)« und das schlagzeugsatte »Consolation I« hab ich als ungeheuer intensiv erfahren.
Dann gibt's gleich viermal Wolfgang Rihm:
Vier überaus interessante CDs, zwei Kammermusikscheiben (einmal Streichtrios und einmal Trios in unterschiedlicher Besetzung), dann eine CD mit Ensemble-Musik (»Gejagte Form« etc. - ganz hinreissend dargeboten vom Klangforum Wien und S. Crambreling), sowie eine erst neulich erschienen Scheibe mit Kompositionen für Soloinstrumente und Orchester.
Alle vier CDs halte ich für unbeingt empfehlenswert (ich finde ja aber eigentlich den ganzen Rihm unbedingt empfehlenswert), würde aber die zuletzt genannte Scheibe besonders hervorheben wollen: Das
»Concerto« Dithyrambe für Streichquartett und Orchester gehört zu den IMO schönsten Werken aus Rihms jüngerer Schaffensphase.
Die Streichtrio-Einspielungen des trio recherche sind der bei cpo gelabelten, für meinen Geschmack arg spröde daherkommenden und auf vordergründigen Dauerdruck ausgelegten Vergleichseinspielung durch das Ensemble 13 weit überlegen.
Naja, »Gejagte Form« und »Verborgene Formen« muss man sowieso haben (das sind zwei meiner liebsten Rihm Werke) und dazu erhält man einen Einblick in den
Chiffre-Zyklus (und kauft sich dann garantiert die bei cpo gelabelte, ganz grossartige Gesamtaufnahme).
Die zweite Trio-CD ist in vielerlei Hinsicht abwechslungsreich: zum einen Anfgrund der unterschiedlichen Besetzungen, für die Rihm hier komponiert hat und zum anderen, weil hier Werke versammelt sind, die die Entwicklung Rihms von seinen frühen Kompositionen bis zur Mitte der 1990er Jahre spiegeln - nicht nur deshalb lohnt sich diese Scheibe auch zum Kennenlernen des Komponisten Rihms. Es gibt sie zur Zeit übrigens auch in einer Sonderedition zum halben Preis:
So, dann eine der fraglos besten CDs meiner Sammlung:
Zu dieser Scheibe - wie zu Claude Vivier überhaupt - sage ich nix. Das muss man einfach hören.
Dann gibt's noch zwei CDs mit Werken von Olga Neuwirth:
Olga Neuwirth ist soetwas wie die personifizierte Reanimation der europäischen Avantgarden. Ihre »Katastrophenmusik« ist sicherlich nicht jederManns Sache – aber wenn in den letzten Jahren gesellschaftliches Engagement und ätzende Kritik am Status Quo mit einer gleichermaßen avancierten wie schneidend intensiven Musiksprache gekoppelt worden ist, dann von ihr.
In ihrem Musiktheater »Lost Highway« wird der Lynchsche Albtraum kongenial ausgehört und in Musik umgesetzt.
Von der anderen Scheibe finde ich insbesondere
Clinamen / Nodus ganz hervorragend - ein ungeheur konzentriertes und stimmungsintensives Werk, das für Frau Neuwirths Verhältnisse fast ein wenig
licht wirkt.
Constructions in Space habe ich lange nicht gehört. Ich erinnere mich aber genau an den Eindruck, daß es mir immer gewaltsam - und absichtsvoll - überdehnt vorkam, so als sei das Material auf die Streckbank gelegt worden; sehr schmerzvolle und schmerzende Musik. Es ist für den Hörer jedenfalls eine ordentliche Herausforderung.
Dann eine CD mit Werken von Rebecca Saunders:
Eine sehr sinnliche Musik schreibt Mrs. Saunders, eine Musik, die über weite Strecken in dunklen Farben schillert und glüht, um dann agressiv und schockierend schrill hervorzubrechen. Vieles hat den Charakter von Soundcollagen, Klanginstallationen, die Grundstimmung ist eher düster.
Vier ganz grossartige Stücke sind auf dieser Scheibe zusammengestellt. Mein Favorit ist
Molly's Song 3 - shades of crimson für Alt-Flöte, Bratsche, Gitarre mit Stahlsaiten, vier Radios und eine Spieldose.
Ja, und dann gibt's da noch eine CD mit Werken von Peter Ablinger:
zu der ich aber nichts sagen kann, weil ich es bisher noch nicht geschafft habe die CD durchzuhören - hat mich immer ziemlich schnell genervt und ist abgeschaltet worden.
Außerdem habe ich noch die DVD mit Beat Furrers »Begehren« - bisher aber noch nicht die Muße gefunden das anzuschauen/anzuhören.
Adieu,
Algabal